Keine natürliche Hoffnung (Teil 2/2)

Dies ist der zweite Teil einer Artikelserie über natürliche und übernatürliche Hoffnung des Christen in der modernen Welt. Im ersten Teil habe ich einen ganz kurzen, inadäquaten historischen Abriss der geistesgeschichtlichen Veränderungen bis zum Liberalismus des 19. Jahrhunderts gegeben, der nun im zweiten Teil fortgesetzt werden soll. Sodann will ich versuchen, einige Schlussfolgerungen aus diesen Entwicklungen zu ziehen.

Letztlich stellt man aber doch fest, dass auch der religionsfreie, säkulare, öffentliche Diskurs nicht rational ist, sondern ebenso “subjektiv” wie die Religion nach der modernen Konzeption. Nicht nur rein materielle Interessen, sondern auch moralische Werthaltungen sind bestimmend für die Politik. Religion soll Privatsache sein, weil sie keine objektive Gültigkeit beanspruchen kann, sondern nur private Sinndeutung. Doch ohne den Pfeiler der Religion geraten mehr und mehr auch die moralischen Werthaltungen, die bislang im Wesentlichen gar nicht angetastet worden waren, unter den Verdacht der Subjektivität. Locke begründete seine liberale Moral noch eindeutig mit dem Besitzanspruch Gottes; aber selbst Kant kann seine Moral nicht zureichend begründen ohne Gott als “Postulat der praktischen Vernunft” wiederzubeleben. Die Utilitaristen versuchen im 19.Jahrhundert eine säkulare Moral auf dem Prinzip des diesseitigen Nutzens aufzustellen, scheitern damit aber an der einfachen Tatsache, dass es keinen objektiven Nutzen gibt, sondern so viele verschiedene Nützlichkeiten wie Menschen, und daran, dass man nach dem Nutzen nicht entscheiden kann, weil man ihn nicht kennt, solange man die Folgen einer Handlung nicht absehen kann – und das kann man eben nur selten schon vor der Handlung in zureichender Form.

Trotz all seiner tödlichen Schwächen ist der Utilitarismus in der Praxis heute das vorherrschende sittliche Modell, und damit kann man sagen, es gebe überhaupt kein sittliches Modell, weil Sittlichkeit gerade besagt, dass man das Gute tut, auch wenn es gar nicht nützlich ist. Doch das nur am Rande.

Letztlich muss der moderne Mensch, seiner eigenen Vorstellung von Rationalität folgend, die Möglichkeit einer objektiven Moral fallenlassen. Moral kann nur noch das sein, was das Individuum für gut, nützlich, oder was auch immer befindet. Objektiv bindende Prinzipien kann es nicht geben. Damit ist ein weiterer Schritt auf der Reise in die Gegenwart getan. Der noch in der Aufklärung gegenwärtige Anspruch einer rationalen Moralbegründung ist praktisch erledigt. Doch wenn Moral nur noch die Setzung des Individuums ist, dann ist es ungerecht, diese Setzung anderen Menschen aufzuzwingen, die vielleicht ganz andere Präferenzen haben. Und damit sind wir endlich im 20. Jahrhundert angekommen. Die subjektive Moral des Einzelnen bleibt notwendig Individualmoral. Jeder muss tun, was sein Gewissen ihm diktiert, doch was sein Gewissen ihm diktiert, ist das kontingente Ergebnis sozialer Einflüsse, doch diese sozialen Einflüsse sind vom Menschen gemacht – konkret von den Herrschenden, die den einfachen Menschen unterdrücken. Moral ist das Mittel der Mächtigen, die Schwachen zu beherrschen.

Moral, und das ist jetzt immer bloß die “herrschende” Moralvorstellung, muss also, im Namen der Interessen der Schwachen, überwunden werden. Hier haben wir den Marxismus, der die “bourgeoise” Moralität überwinden will. Doch während der klassische Marxismus noch die Produktionsmittel in den Vordergrund stellt, weil er letztlich dem neuzeitlichen, liberalen Materialismus verhaftet ist, erkennt man im 20. Jahrhundert, dass nicht das Sein das Bewusstsein bestimmt, sondern eher umgekehrt, das Bewusstsein das Sein. Bevor die materielle Basis des Eigentums an Produktionsmitteln umgestürzt werden kann, muss man zuerst den Überbau, das heißt die religiösen und moralischen Vorstellungen, umstürzen. Oder, treffender ausgedrückt, man muss sie unterwandern.

Welche moralischen und religiösen Vorstellungen sind das? Nun, die christliche Religion ist zwar im Rahmen des modernen Denkens praktisch erledigt und subsistiert meist bloß noch in einer abgestumpften, rein subjektiven Weise in der modernistischen Theologie, doch sehr viele Menschen sind am Anfang des 20. Jahrhunderts noch fromm und gläubig. Spätestens ihren Kindern muss man dies abgewöhnen. Entsprechend werden Bildungsstätten “säkularisiert” – Religion darf dort nicht mehr, oder nur noch als individuelle, subjektive Intuition, als ein “Sinnangebot” unter vielen, existieren. Sie darf nicht mehr als Wahrheit gelehrt werden, und schon gar nicht in Form praktisch gelebter Frömmigkeit (Gebet, Gottesdienst usw.) praktiziert werden.

Doch nicht nur die christliche Religion, sondern auch die “herrschende Moral” muss als Teil des “bürgerlichen” Überbaus unterwandert werden. Wie macht man das? Man spielt die natürlichen, ungeordneten Triebe des Menschen gegen moralische Prinzipien aus, und bringt den Menschen bei, ihre Triebe seien doch eigentlich ganz gesund, und es gebe gar keinen Grund sie ständig zu “unterdrücken”, solange “es niemandem schadet”. So etwas sei gar nicht gut. Freud, ob er es nun so meinte, oder nur verdreht wurde, bietet dafür den idealen Ansatzpunkt. Verbindet man ihn mit der kulturell gewendeten Form des Marxismus, wie die “Frankfurter Schule” ihn lehrt, so kann man ganz erstaunliche Resultate erzielen, was uns in die 60er-Jahre bringt.

Der Angriff auf die christliche Religion ist praktisch erfolgreich abgeschlossen. Nur eine kleine Minderheit, ein kleines gallisches Dorf sozusagen, verteidigt noch den ganzen christlichen Glauben als objektive Wahrheit. Selbst die katholische Kirche ist seit dem letzten Konzil zumindest in der Praxis kaum noch als Trägerin dieser Wahrheit zu erkennen, auch wenn sie es in ihrer offiziellen, lehramtlichen Theologie natürlich weiterhin ist. Diese verbliebenen Gallier, die bösartigen, antimodernistischen Traditionalisten, sind nie ganz zum Schweigen zu bringen, doch es wäre Verblendung, wenn wir glaubten, wir könnten nach Maßgabe menschlicher Kräfte das Blatt noch zugunsten des christlichen Glaubens wenden.

Der Angriff auf die Moral ist auf theoretischer Ebene auch praktisch abgeschlossen. Objektive Moralität wird kaum noch ernsthaft verteidigt. Moral wird entweder aus dem praktischen Nutzen für die Menschheit begründet, oder aus dem Zeitgeist bzw. der Mehrheit, oder einfach, ebenso pervers wie ehrlich, aus bloßem individuellem, nicht weiter begründungsbedürftigem Willen.

Der Angriff auf die Moral in praktischer Hinsicht ist ebenfalls sehr weit fortgeschritten. Zwar erkennen die meisten Menschen – rational betrachtet vollkommen unbegründet – noch einige moralische Haltungen an und versuchen sie auch umzusetzen, doch es ist gelungen, die kulturelle Weitergabe der Sitten von Generation zu Generation auszuhebeln, so dass spätestens in den nächsten Generationen absehbar die noch vorhandenen Spuren irrationaler moralischer Vorurteile (etwa gegen Inzest, Mord, Diebstahl und Pädophilie) fallen werden. Um dies zu verhindern, wäre eine verlässliche Weitergabe moralischer Überzeugungen an die nachfolgenden Generationen notwendig. Doch ohne ein auf sittliche Erziehung achtendes Schulsystem, oder wenigstens sehr starke, sehr eng geknüpfte Familienbande, ist ein solches Projekt wiederum nach Maßgabe der menschlichen Kräfte vollkommen aussichtslos.

Das “christliche Abendland” hat damit seine christliche Religion in Theorie und Praxis fast vollkommen verloren, und die verbliebenden Kraftreserven sind so schwach, dass sie selbst gegenüber einer kleinen Minderheit entschlossener islamischer Fundamentalisten vollkommen wehrlos ist, und deswegen die Fiktion des “Multikulturalismus” erfindet, um ihr eigenes Abdanken wenigstens noch ehrbar als “Toleranz” zu verbrämen. Dasselbe gilt für die christliche Sittenlehre, die unter dem Ansturm der 60er-Jahre zusammengebrochen ist, weil ihre Verteidiger es zugelassen haben, dass die entscheidenden Bastionen ihrer Weitergabe (Familien, Schulen, Medien) in die Hände der moralischen Unterwanderer gefallen sind.

Nach menschlicher Maßgabe gibt es daher keine Hoffnung. Der christliche Westen ist aus eigener Kraft vollkommen unfähig, sich wieder aus seinem Grab zu erhaben. Er ist tot. Hilaire Belloc sagte: Europa ist der Glaube und der Glaube ist Europa. Er hatte Recht. Doch da der Glaube nach menschlicher Maßgabe tot ist, wird auch Europa in Kürze sterben. Man könnte argumentieren, dass die EU bloß noch eine Nachlassverwalterin ist, die aber keinen Wert auf den Nachlass legt, sondern ihn stattdessen veruntreut.

Nach menschlichem Maßstab ist keine Rettung mehr möglich. Das christliche Abendland ist tot.

Doch es gibt da einen, habe ich mir sagen lassen, der nicht an den menschlichen Maßstab gebunden ist, und der auch mit den Toten noch nicht fertig ist. Dieser Jemand trägt den Namen Jesus Christus, und die Schar seiner Getreuen ist zwar klein, doch ebenfalls nicht nur an menschliche Maßgaben gebunden. Thomas Fleming schrieb einmal, wenn die Welt zur Hölle fahre, heiße das ja noch längst nicht, dass man selbst mitfahren müsse. So ist es. Die christliche Kirche ist nicht an bloß menschliche Hoffnungen gebunden. Ihr hat Gott selbst versprochen, dass sie am Ende siegreich aus den Kämpfen hervorgehen wird, weil der eigentliche Kampf, der einzige Kampf, auf den es wirklich ankommt, bereits gewonnen ist – Christus hat den Tod besiegt und uns das ewige Leben trotz unserer Unwürdigkeiten zum Geschenk gemacht.

Jetzt müssen wir es nur noch annehmen, dieses Geschenk, indem wir ihm nachfolgen, als Pilger durch diese Welt, was auch immer in dieser Welt geschehen mag, und das Kreuz auf uns nehmen, wie er vor uns.

Und dann brauchen wir keine bloß “natürliche Hoffnung” nach “menschlichen Maßstäben”, weil es eine viel größere wahre Hoffnung gibt, nämlich die Hoffnung auf die ewige Schau Gottes, auf die ewige Seligkeit.

Keine natürliche Hoffnung (Teil 1/2)

Dies ist der erste Teil einer zweiteiligen Artikelreihe. Der zweite Teil wird voraussichtlich morgen veröffentlicht.

Betrachtet man die Lage der westlichen Kultur und der christlichen Religion, auf der sie basiert, so muss man eigentlich zu dem Ergebnis kommen, dass es keine Hoffnung mehr gibt. Seit dem 16. Jahrhundert, in dem allgemein die Entstehung der Moderne angesetzt wird, geht es eigentlich mit der Christenheit bergab. Erst die protestantische Revolte gegen die Kirche, die sich einiger real existerender Missbräuche bediente, um gegen die kirchliche Autorität und das Papsttum aufzuwiegeln, dann die geistige Wende fort von der klassischen Philosophie, eingeleitet von so unterschiedlichen Denkern wie Bacon, Descartes, Hobbes und Locke. Beide Tendenzen, sicher nicht unabhängig voneinander, führten gemeinsam zu einer fortschreitenden Auflösung genau jener Weltsicht, die bis dahin die Grundlage der christlichen Religion, und damit eine der wesentlichen Grundpfeiler der westlichen Kultur gewesen war. Hier ist nicht der Ort, auf die genaue Natur dieser sehr vielfältigen Veränderungen einzugehen – ich möchte lediglich auf ein interessantes Buch von Charles Taylor verweisen, in dem wesentliche Aspekte dieser Veränderung betrachtet werden.

Der Paradigmenwechsel hin zur Vorherrschaft des individuellen Gewissens anstelle kirchlicher Autorität zerstörte die Einheit der Christenheit in Europa. Die Spaltung war keine Spaltung der Kirche, sondern eine Abspaltung von ihr, aber sie war eine Spaltung der Christenheit. Als solche war sie schon destruktiv genug, doch das ist nicht alles. Da sich aus der Schrift allein nur sehr wenig schlüssig und ohne möglichen Widerspruch begründen lässt (wie spätestens die modernen ahistorisch-unkritischen Bibel-”Wissenschaftler” unwiderlegbar beweisen haben), war der protestantische Teil des Glaubens entweder zum Indifferentismus oder zur ständigen Aufspaltung in immer kleinere Sekten gezwungen. Beides geschah unvermeidlich. Die Hoheit des individuellen Gewissens verunmöglichte jede Unterordnung unter die Offenbarung. Denn was die Offenbarung war, bestimmte wieder der individuelle Mensch durch sein imperiales Gewissen. Religion wurde so unvermeidlich, zuerst unbewusst, später mehr und mehr eingestandenermaßen, zum Ausdruck individueller, gewissenhafter Präferenzen, und konnte, sollte, durfte nicht mehr als Unterordnung unter die von Gott geoffenbare Wahrheit verstanden werden.

Vor diesem Hintergrund ist auch leicht verständlich, warum die Kriegswirren des 16. und 17. Jahrhunderts schließlich zur Festigung des Indifferentismus in den gebildeten Kreisen führten, und so den Grundstein für die “Aufklärung” legten. Warum sollte man sich über bloße individuelle Präferenzen auch streiten? War nicht das Wichtigste, dass wir, egal welche Streitigkeiten über religiöse Dinge wir auch haben mögen, alle unterschiedlichen religiösen Ansichten tolerierten, und uns auf das konzentrierten, was uns einte? Und das war eben das gemeinsame Bekenntnis zur Verbesserung der diesseitigen Welt. Alles andere konnte, sollte nur noch Privatsache sein.

Gleichzeitig lehnte die moderne Philosophie die klassische Konzeption der natürlichen Teleologie ab. Entscheidend waren nicht mehr aristotelische “Zweckursachen”, die einfach geleugnet oder zumindest für überflüssig erklärt wurden. Alles sollte nun einer materiellen, wissenschaftlichen Erklärung zugänglich sein. Für Descartes gab es die denkende Substanz, die rein geistig und körperlos ist, und die materielle, körperliche Substanz, die nichts Geistiges mehr an sich haben dürfte. Diese Radikalisierung des Dualismus von Körper/Materie und Geist/Seele entfernte aus den materiellen Dingen jede Spur des Geistigen, so dass sie auf eine neue Weise grenzenloser Verfügbarkeit durch die entstehende moderne Wissenschaft ausgesetzt waren. Die Welt sollte nach materiellen Prinzipien erklärt werden. Gott war kein materielles Prinzip. Zunächst fand er noch in einigen Systemen Zuflucht, die ihm seine Rolle als Schöpfer durchaus einräumten, auch wenn sie keinen Platz für direkte Eingriffe Gottes in die Welt mehr fanden.

Dieser Deismus war auch nur die Zwischenstufe zu dem wiederum unvermeidlich heraufziehenden theologischen Modernismus. Wenn Gott nicht materiell war, dann musste er rein geistig sein. Die neue Konzeption der Vernunft, die seit dem 16. Jahrhundert heranreifte, beschränkte Vernunftwissen aber auf nach dem naturwissenschaftlichen Paradigma gewonnene Erkenntnisse. Nach dem naturwissenschaftlichen Paradigma, das keine Zweckursachen kennt, kann man aber keine Erkenntnisse über Gott gewinnen, sondern nur über die Welt, die vielleicht – vielleicht aber auch nicht – als Gottes Schöpfung auszudeuten wäre. Man erkennt leicht, wozu der Paradigmenwechsel führt. Ob Gott wirklich ist, ob die Bibel wirklich Gottes Wort ist, ob Christus wirklich auferstanden ist, und alle weiteren Lehren des christlichen Glaubens, können nicht (natur-)wissenschaftlich bewiesen werden. Doch damit werden sie für das neue Verständnis von Rationalität aus dem Bereich des menschlichen Wissens verbannt. Übrig bleibt nur noch, sie als spezifische, von Person zu Person unterschiedliche, relative Sinndeutung zu verstehen. Religion ist damit in den persönlichen, das heißt subjektiven Bereich zurückgedrängt worden. Hier verstärken sich die geistigen Tendenzen der frühen Neuzeit und die kriegerischen Auseinandersetzungen, von denen vorhin bereits kurz die Rede war.

Doch wenn Religion nur noch subjektive Sinndeutung sein sollte, konnte sie keinen objektiven Wahrheitsanspruch mehr aufstellen. Das wäre ohnehin nur spalterisch gewesen, weil man ja als gemeinsames Ziel die Verbesserung dieser Welt (zunehmend nicht nur als die einzige wissenschaftlich erkennbare, sondern als die wichtigste überhaupt, gesehen) hatte. Wenn man sich über diese entlegenen religiösen Fragen nicht einig wird, dann klammert man sie halt aus. Dies ist die Lösung des Liberalismus. Doch da religiöse Fragen letztlich großen Einfluss auf moralische, aber auch rein praktische Haltungen des Menschen haben, können sie aus dem nun unbeschränkt herrschenden persönlichen Gewissen nicht ausgeklammert werden. Da sie aber, dem Liberalismus zufolge, allein schon aufgrund des großen Konfliktpotenzials, aber auch aufgrund ihrer angeblich fehlenden Wahrheitsfähigkeit (als bloß subjektive Sinndeutungen), keine objektiv bindenden Handlungsnormen zu liefern vermögen, muss der öffentlich-politische Diskurs von religiösen Ideen freigehalten werden. Für den öffentlichen Diskurs wird im 19. Jahrhundert noch Rationalität und Objektivität beansprucht – wir sind in der Hochphase der rationalistischen Moderne. Religion kann diese Rationalität und Objektivität nicht (mehr) bieten, also hat sie in der öffentlichen Sphäre nichts verloren. Religionen, die dies nicht anerkennen, sondern an der traditionellen Konzeption festhalten, werden bekämpft, mal offen, mal versteckt, doch immer entschlossen im Namen der Vernunft.

Fortsetzung folgt…

35 weltliche Argumente gegen Verhütung

Vor einiger Zeit hatte ich die Gelegenheit, mit einer Anhängerin künstlicher Verhütung über dieses Thema auf selten sachliche Weise zu diskutieren. Sie akzeptierte keine religiösen Argumente, und katholisch war sie auch nicht. Aus ihrer Sicht war Abtreibung zwar moralisch falsch, doch Verhütung eine große Errungenschaft. Besonders die “Pille” schien ihr eine großartige Erfindung zu sein, und trotz aller Sympathie mit der katholischen Moral in anderen Bereichen schien ihr die Haltung der Kirche hier vollkommen rückständig zu sein. Obwohl das Gespräch zuweilen die üblichen Leidenschaften hervorrief, blieb es überraschend sachlich. Da ich der festen Überzeugung bin, dass die katholische Sexualmoral auch in rein weltlicher Hinsicht vollkommen rational ist, versuchte ich ihr die Rationalität dieser Position ohne Bezug auf religiöse Prämissen deutlich zu machen.

Auch die üblichen naturrechtlichen Argumente konnten in dieser Debatte mangels philosophischen Vorwissens der Gesprächspartnerin keine Anwendung finden.

Die folgende Liste ist eine Art Zusammenfassung der von mir vorgebrachten Argumente, die sie zwar nicht zum Umdenken, aber doch zur Nachdenklichkeit veranlasst haben.

Sollten meine Leser noch weitere Argumente gegen künstliche Verhütung kennen, die nicht auf religiösen Prämissen basieren, werde ich sie gern dieser Liste hinzufügen. Ähnliches gilt für weiterführende (nicht-religiös argumentierende) Links zum Thema.

  1. Durch die große Verfügbarkeit der Pille und ihre relativ hohe Zuverlässigkeit bei korrekter Anwendung war abzusehen, dass eine Erwartungshaltung einsetzen würde: Wenn zwei Menschen miteinander Sex haben, wird verhütet, es sei denn man entschließt sich ausnahmsweise ein Kind zu bekommen. Empfängnis wird daher zu einer (selten getroffenen) Entscheidung
  2. Die Verwendung künstlicher Chemikalien zur Regelung natürlicher Körperfunktionen sollte selbst abgesehen von allen anderen Erwägungen mit großer Vorsicht verwendet werden. Ein so tiefer Eingriff in den weiblichen Körper ist eigentlich nur zu verantworten, wenn ein wirklich triftiger Grund dafür besteht. Schwangerschaft ist aber keine Krankheit, also ist die „Pille“ auch keine Medizin
  3. Durch massenhaften Gebrauch hormoneller Verhütungsmittel hat eine signifikante Erhöhung des Anteils weiblicher Hormone in der Umwelt, vor allem im Wasser, stattgefunden. Dies führt unter anderem zur Reduktion männlicher Fruchtbarkeit.
  4. Die Pille hat eine Vielzahl von Nebenwirkungen, die nach langjähriger Erfahrung langsam aber sicher zum Vorschein kommen. Unter anderem reduziert sie nach langer Einnahme die weibliche Fruchtbarkeit dauerhaft
  5. Sie kann eine frühabtreibende Wirkung haben und führt daher, wenn viele Frauen sie verwenden, zu vielen Abtreibungen. Die Dunkelziffer ist unbekannt. Aber allein in Deutschland verhüten mindestens zehn Millionen Frauen. Wenn nur in 1% der Fälle die frühabtreibende Wirkung auftritt, dann sind das immer noch 100000 Frühabtreibungen pro Jahr, die in keiner Statistik auftauchen
  6. Es wird generell angenommen, dass alle Frauen für den Arbeitsmarkt verfügbar sind (schließlich kann die Mutterschaft fast permanent herausgeschoben werden, indem man sich mit Hormonen voll stopft.)
  7. Männer müssen nicht mehr um eine Frau werben, sondern können die „billige schnelle Nummer“ geradezu erwarten.
  8. Aus diesem Grund sinkt der Respekt vor der Würde der Frau
  9. Kinder werden zur Ausnahme, die Gesellschaft verliert ihre Jugendlichkeit und verwandelt sich langsam in ein sterbendes Altersheim.
  10. Da ein Paar jetzt frei entscheiden kann, ob und wann sie ihre Kinder bekommen, wird die „unerwünschte Schwangerschaft“ plötzlich als großes Übel gesehen. Da auch die Pille nicht 100% zuverlässig ist (und oft nicht sachgerecht eingesetzt wird), kommt es immer noch zu vielen „unerwünschten Schwangerschaften“, doch die Mentalität, dass man ja ein Recht darauf hat zu entscheiden, ob und wann man Kinder bekommt, entsteht ein starker gesellschaftlicher Druck zur Legalisierung der Abtreibung.
  11. Da es weniger Kinder gibt, rücken in der nächsten Generation weniger Beitragszahler nach, die aber mehr Rentner und Kranke versorgen müssen. Folglich bricht langfristig das solidarische Renten- und Krankenversicherungssystem zusammen. Privatisierung dieser Systeme und „Abschalten der Alten“ aus wirtschaftlichen Erwägungen (Euthanasie, Sterbehilfe) sind die Folge.
  12. Da es weniger Kinder gibt, werden Familien mit vielen Kindern immer mehr zur Ausnahme. Ein gesellschaftlicher Druck, nur eines oder zwei Kinder zu haben, entsteht. Die Gesellschaft wird allgemein mehr an den Bedürfnissen der Erwachsenen als der (wenigen) Kinder ausgerichtet.
  13. Durch die Abkoppelung von Sexualität und Fortpflanzung entsteht der Eindruck, die beiden hätten nichts miteinander zu tun. Wenn man Sex ohne Kinder haben kann, warum dann nicht auch Kinder ohne Sex? (Künstliche Befruchtung, Designerbabys usw.)
  14. Da ein Paar nur noch ein oder zwei Kinder hat, entsteht ein Druck zur Perfektion. Wenn man nur „eine Chance es hinzubekommen“ hat, neigt der Mensch allgemein zum Perfektionismus. Ein guter Teil des heutigen übertriebenen „Bildungswahns“ im Bürgertum kommt daher. Das eine Kind, der Prinz oder die Prinzessin, müssen toll, perfekt, wunderbar sein.
  15. Aus diesem Grund geht auch das Ansehen behinderter Kinder (Down-Syndrom und dergleichen) wieder zurück. Alle Eltern wünschen sich gesunde Kinder. Wenn man nur eines bekommt, ist halt kein Platz für Behinderte. Und außerdem hat die Gesellschaft sich wie oben erwähnt mehr entsprechend der Bedürfnisse der Erwachsenen ausgerichtet, so dass für solche Kinder kein Platz mehr ist. Sie werden heute meist abgetrieben.
  16. Wird die chemische Manipulation des eigenen Körpers durch hormonelle Verhütung erst einmal selbstverständlich, sinken die Hemmschwellen für andere Eingriffe in den menschlichen Körper. Zunehmend erscheint der menschliche Körper daher als „Nutzware“ und „Biomasse“
  17. Wenn die menschliche Fortpflanzung vom Menschen geregelt wird, leistet dies zumindest unbewusst einer Mentalität Vorschub, derzufolge der Mensch berufen sei, alles zu kontrollieren, das Machbare auch machen zu müssen, wenn es ihm Vorteile zu bringen scheint. Hemmschwellen sinken allgemein.
  18. Da die Pille als „praktisch sicher“ gilt, gehen auch die Hemmschwellen zum beiläufigen Sex mit verschiedenen (oft unbekannten) Partnern zurück. One-Night-Stands und kurzfristige Lebensabschnittspartnerschaften werden so selbstverständlich, dass Ehe und Familie völlig aus dem Blick geraten (man kann ja verhüten, nicht wahr?)
  19. Aus diesem Grund wachsen junge Generationen mit dem Wissen auf, dass Sex nichts Besonderes ist, sondern an jeder Straßenecke zu haben. Wie sollen solchermaßen erzogene Menschen (vor allem Männer) eine langfristige Bindungsfähigkeit und Verlässlichkeit erwerben? Die Folge ist, dass immer mehr Menschen einfach gar nicht ehefähig sind. Sie haben nie gelernt, ihre sexuellen Triebe über längere Zeit zu beherrschen, wie werden sie also reagieren, wenn die attraktive Sekretärin vorbeigeht?
  20. Daher steigen eheliche Untreue, und als Folge Scheidung, vaterlose Kinder und viele andere gesellschaftliche (und oft für die Beteiligten schwere psychische) Probleme drastisch an. Selbst wenn es nicht zur Scheidung kommt, führt dies zu unglücklichen Ehen.
  21. Da die Pille trotz ihrer Reputation als „praktisch sicher“ eben keine völlige Sicherheit bietet, die Menschen aber viel öfter Sex haben als früher, kommt es trotz allem noch zu mehr „ungewollten Schwangerschaften“ als vorher. Wiederum wachsen daher mehr Kinder außerhalb der Ehe auf, und ihnen fehlt mindestens ein Elternteil.
  22. Da es durch die Pille wesentlich mehr Alleinerziehende, Geschiedene, Kinder aus zerbrochenen Familien und allgemein Hilfsbedürftige gibt, steigen Kinderarmut und Verwahrlosung sowie weitere soziale Übel massiv an. Der Ruf nach staatlicher Intervention ertönt. Immer mehr Menschen werden abhängig vom Staat, was die sozialen Kassen stärker belastet, während zugleich aufgrund der geringeren nachwachsenden Einzahlerbasis weniger Geld da ist.
  23. Missbrauch von Kindern steigt an (vor allem im sexuellen Bereich, da der größte Anteil des sexuellen Missbrauchs von beiläufigen Lebensabschnittspartnern der Mütter ausgeht, die die Kinder als Konkurrenz und ungewollte Erinnerung an frühere Partner und potenzielle Rivalen ansehen).
  24. Da die Pille (wie oben mehrfach gezeigt) zur Normalisierung der Abtreibung beiträgt (und Hemmschwellen abbaut, da sie selbst frühabtreibende Wirkungen haben kann), sind ihr auch alle schädlichen Auswirkungen der Abtreibung, inklusive der Millionen kleiner Kinderleichen, teilweise anzukreiden.
  25. Unter der Illusion, dass Fortpflanzung vom Menschen gesteuert werden kann, vergisst der Mensch die natürlichen moralischen Grenzen seines Handelns. Ein Tabubruch führt immer zum Nächsten.
  26. Da man durch die Pille Frauen ermöglicht, ihre persönliche sexuelle Identität von der Rolle der Mutter abzukoppeln, leistet man der sexuellen Verwirrung Vorschub, die heute weit verbreitet ist. Was bedeutet es eine Frau zu sein? (Dasselbe gilt für Männer und ihre Väterrolle) [Anmerkung: Das war natürlich der Sinn der Sache. Darum haben die Feministen die Pille so in den Himmel gehoben. Doch waren die Auswirkungen wirklich so gut?]
  27. Der Frau wird ein wesentliches Argument gegen beiläufigen Sex aus der Hand geschlagen (Wie, du willst keinen Sex? Du magst mich offenbar nicht. Denn daran, dass du einfach keine Kinder willst, kann es ja nicht liegen. Da könntest du ja verhüten!).
  28. Da Sex nicht mehr mit großen Konsequenzen und einer lebenslangen Verantwortung verbunden ist, entsteht eine Erwartungshaltung, früher und immer früher dem Sexualtrieb nachzugehen. Es entsteht daraus ein psychischer Druck an Schulen und anderswo, bereits mit 16, mit 15, mit 14, mit 13 Jahren (und in Zukunft vielleicht noch früher?) Sex zu haben. Ein langsames, unschuldiges Erforschen des eigenen Sexualtriebs, wie viele wohlmeinende „sexuelle Revolutionäre“ erhofft hatten, sieht ganz anders aus.
  29. Aufgrund eines sorgloseren Umgangs mit der Sexualität kommt es zur explosionsartigen Verbreitung von Geschlechtskrankheiten (ein Drittel der sexuell aktiven achtzehnjährigen Mädchen in den USA hatte in ihrem Leben mindestens eine Geschlechtskrankheit!). Leid und Tod sind die Folge. Wo wäre Aids ohne „freie Liebe“ von allem mit jedem? Ganz einfach im Westen praktisch nichtexistent!
  30. Eine Gesellschaft, in der die meisten Frauen über viele Jahre Hormontherapien durchführen, um neues Leben zu verhindern, behandelt die Fruchtbarkeit der Frau exakt genauso wie eine chronische Krankheit. Diese Art Einstellung zu neuem Leben wird sich notwendigerweise auch auf alle anderen Lebensbereiche übertragen. („Kultur des Todes“)
  31. Weniger Kinder heißt immer Bevölkerungsrückgang. Mehr und mehr Einwanderer werden benötigt, um den Lebensabend der vielen Kinderlosen zu finanzieren. Die gewachsene Kultur eines Landes geht in die Brüche.
  32. Durch die Millionen Einwanderer kommt es zu weiteren Rissen im sozialen Gewebe, dem nun, zusätzlich zu allen anderen Problemen, auch noch der ethnisch-nationale Zusammenhalt fehlt (und wenn der fehlt: siehe Balkan)
  33. Kinderarmut führt zur Alterung der Gesellschaft. Ältere Gesellschaften sind weniger produktiv; die meisten technischen Neuerungen kommen von relativ jungen Leuten; dies führt zu weniger Wirtschaftskraft und weniger Wohlstand, was den Teufelskreis des sozialen Zusammenbruchs noch weiter vorantreibt.
  34. Dynamik und Fortschrittsgeist (!) gehen verloren. Am Ende fressen die Auswirkungen der Pille sogar die Träume der Fortschrittsfanatiker!
  35. Die tiefe Verbundenheit von Mann und Frau wird durch die Fixierung aufs Sexuelle in ihrem Wesen herabgesetzt. Sie verliert ihre kosmische, wundervolle, mystische Dimension. Sex ist kein Geheimnis (lat. Mysterium) mehr, sondern normaler Alltag.

Am Ende lässt sich feststellen, dass die Verwendung künstlicher Verhütungsmittel im Allgemeinen schon aus rein weltlichen Motiven heraus abzulehnen ist. Die negativen Folgen sind so immens, dass die Einführung der „Pille“ das gesamtgesellschaftliche Gleichgewicht so sehr durcheinander gebracht hat, dass selbst ein totaler Kollaps nicht mehr ausgeschlossen erscheint. Die Ablehnung künstlicher Verhütungsmittel ist daher ein notwendiger Teil der rein weltlichen Antwort auf die Krise unserer Zeit.

Drei Abwehrriegel der modernen Theologie

Wie regelmäßige Leser sich vielleicht noch werden erinnern können, habe ich vor einiger Zeit einen kleinen Selbstversuch gestartet, und mich einfach in katholische Theologievorlesungen an einer angesehenen deutschen Universität gesetzt. Das Resultat war nur deshalb nicht erschreckend, weil ich damit schon gerechnet hatte. Ich habe den Selbstversuch trotzdem fortgesetzt, und mein erster Eindruck hat sich im Wesentlichen bestätigt.

Auf die Gefahr einer Verallgemeinerung hin erscheint mir ein ziemlich klares “Rezept” zur Verwässerung des katholischen Glaubens der Hochschulstudenten zu existieren, das sich trefflich mit der allgemeinen Strategie des Modernismus in Einklang bringen lässt. Die drei wesentlichen Zutaten sind:

1. Maulwurfstheologie

Man kann sich normalerweise darauf verlassen, dass die zuständigen kirchlichen Autoritäten aus Angst vor der öffentlichen Meinung, oder aus welchen anderen Gründen auch immer, wenig bis gar nichts gegen häretische Theologen unternehmen werden. Doch selbst heute gibt es noch Grenzen, wie der werte Herr Küng hat feststellen müssen. Man kann nicht offen gegen den katholischen Glauben agitieren und ihn praktisch vollständig leugnen – das kann zum Entzug der Lehrerlaubnis führen. Meist kommt man damit zwar in der akademischen Welt noch besser an als vorher, doch man will sich diesen Stress ja gar nicht erst machen. Man hat einen sicheren Job, der nicht gefährdet werden soll.

Also bricht man mit der katholischen Religion, ohne sie offen zu leugnen. Man unterwandert die traditionelle Lehre, indem man dieselben Begriffe mit anderen Inhalten füllt. Ein gutes Beispiel habe ich erst kürzlich in einer Vorlesung über die “Auferstehung des Fleisches” gehört. Die traditionellen Formulierungen werden beibehalten. Man spricht weiterhin von einer “Auferstehung” und lehnt sogar ostentativ gegenteilige Ansichten ab. Doch was man eigentlich unter dem Deckmäntelchen der traditionellen Begrifflichkeit sagt, ist nicht nur nicht katholisch, sondern nicht einmal christlich. Zunächst lehnt man “Auferstehung” in ihrem Wortsinne ohnehin praktisch ab. So etwas kann nicht so “krude” sein, wie es sich zuerst anhört, so als ob am Ende der Zeit wirklich irgendein Gott den Menschen wieder zum Leben erweckte, Körper und Seele, oder etwas dergleichen. Nein, es sei alles metaphorisch zu deuten. In Wahrheit (woher die Theologen das wohl wieder wissen…) stehe der Körper gar nicht für die Materie, aus der der Mensch besteht, sondern für die leiblichen Kommunikationsprozesse, durch die sich der Mensch im Gesamt der Geschichte äußere. Von einer traditionellen Auferstehung des Fleisches könne also “im Lichte neuerer Erkenntnisse” – gemeint ist wohl das rationalistische Vorurteil gegen die Möglichkeit von Wundern – keine Rede sein. Nur offen ausgesprochen wird das nicht.

Wer nicht haargenau aufpasst, und seinen Katechismus nicht kennt, wird hier leicht in die Falle gehen. Denn die Position, es gehe nur um einen seelischen Prozess, wird eindeutig zurückgewiesen. Natürlich müsse man auch die leibliche Dimension des Menschen in die “Auferstehung” mit hineinnehmen – alles andere wäre gnostisch, so wird argumentiert. Dafür wird sogar der Theologe Joseph Ratzinger herangezogen. Alles scheint so richtig schön katholisch. Doch dann hört man genauer hin. Ja, es gebe eine leibliche oder fleischliche Auferstehung. Aber unter “Leib” oder “Fleisch” wird gar nicht der menschliche Körper verstanden, sondern eben nur seine “Kommunikationsprozesse”. Was soll man sich unter dieser Position vorstellen? Damit sind wir beim zweiten Punkt angelangt.

2. Schwammdeutsch

Generell verzichtet man in der modernen Theologie auf jegliche klare Festlegung inhaltlicher Art. Der moderne Theologe – im Unterschied zum traditionellen katholischen Theologen – legt keinen Wert auf klare, präzise Sprache, vertritt er doch in der Regel gar keine katholischen, sondern naturalistische oder bestenfalls deistische Haltungen, die bei klarer Darlegung Widerspruch und im Extremfall gar Sanktionen in der Kirche hervorrufen könnten.

Stattdessen spricht man unter Verwendung traditioneller Termini, die jedoch vollkommen umgedeutet werden. Bei dieser Umdeutung achtet man darauf, dass die neuen Definitionen so flexibel sind, dass man sie mit viel Phantasie auf rechtgläubige Weise ausdeuten könnte, obwohl jeder weiß, dass sie nicht so gemeint sind. Damit baut man konfliktscheuen Katholiken eine goldene Brücke: Sie müssen sich nicht aufregen, weil ja alles im Rahmen der Lehre der Kirche bleibt. Man kann die unseligen Angriffe auf den Glauben getrost ignorieren, weil keinem Dogma formal eindeutig widersprochen wird.

Natürlich liegt das nur daran, dass überhaupt keine eindeutige Lehre mehr vorgetragen wird. Die Thesen moderner Theologen sind nicht eindeutig katholisch, aber sie sind auch nicht eindeutig häretisch. Sie sind einfach so schwammig und substanzlos, dass jeder intelligente Mensch, der sie für bare Münze nähme, einen so undeutlichen, unklaren Glauben nur noch aus rechtschaffener Wahrheitsliebe heraus für widerwärtig erklären könnte.

Die “Kommunikationsfähigkeit” des leiblichen Menschen als Rettungsanker für die traditionelle Doktrin von der Auferstehung des Fleisches ist wieder so ein Beispiel. Es wurde keine Erklärung mitgeliefert, ob diese “Kommunikationsfähigkeit”, für die das “Fleisch” eine Metapher sei, noch etwas Materielles ist, oder nicht. Das war auch gar nicht nötig. Denn was immer sie auch sein mag, sie ist nicht der ganze Mensch, Körper und Seele, sondern nur ein kleiner Teil, und damit steht sie im Gegensatz zur katholischen Lehre.

Manchmal hilft jedoch alles nichts. Jemand wühlt sich durch die Schlammfloskeln und die Maulwurfstheologie durch, und erkennt tatsächlich, dass die vertretene Lehre kaum etwas mit Katholizismus zu tun hat. Jemand durchschaut, dass die überlieferten Begriffe mit völlig neuem Inhalt gefüllt werden – eine typische Strategie des Modernismus, die schon Pius X. erkannt hatte – und damit gegen die traditionelle Theologie, zu deren Formulierung sie beigetragen haben, verwendet werden. Was nun?

3. Forschungsfreiheit

Zum Glück steht dem modernen Theologen noch ein dritter Rettungsanker zur Verfügung, von dem er sicher weiß, dass er immer funktioniert. Schließlich, so bekommt man zu hören, sei es nicht die Aufgabe eines Universitätsprofessors, irgendwelche traditionellen Überlieferungen nachzuplappern, sondern zu FORSCHEN. Und in der Forschung, so geht es dann weiter, braucht man Freiheit. Wenn die Freiheit der Forschung beschränkt werde, dann könne es keinen Fortschritt der Wissenschaft mehr geben, und überhaupt sei die Inquisition ja wohl abgeschafft! Das zieht immer. Der Professor hat sofort die Sympathien aller gerecht denkenden Menschen auf seiner Seite. Niemand wird es wagen, sich gegen die Freiheit der Forschung in Stellung zu bringen. Das beendet jede kritische Frage hinsichtlich der Katholizität vertretener Lehren.

Doch es gibt ein kleines Problem: In der Theologie haben wir eine gewisse Menge gesicherten Wissens, die wir nicht erst noch zu “erforschen” bräuchten. Wir wissen bereits, durch die Heilige Schrift und die Heilige Tradition, einige Grundtatsachen des katholischen Glaubens, die man entweder annehmen oder ablehnen kann. Und wenn man sie ablehnt, verlässt man den Boden des Katholizismus.

In der Naturwissenschaft, aber auch in manchen sozialwissenschaftlichen Disziplinen, muss man auch bereits sicher geglaubte Erkenntnisse immer wieder hinterfragen, eben weil man keine Wahrheitsgarantie hat. Auch eine lange bestehende physikalische Theorie kann sich als falsch erweisen, wie Einstein eindrucksvoll gezeigt hat. Daher ist es in diesen Fächern sinnvoll, die Freiheit der Forschung hochzuhängen.

Ähnliches gilt auch für die Theologie, aber nur wenn man sich außerhalb des Bereichs der offenbarten Wahrheiten bewegt. Innerhalb dieses Bereichs bedeutet Freiheit der “Forschung” nur, dass man sich längst von der Offenbarung abgewandt hat, und sich nun seine eigene Religion bastelt. So wie es viele moderne Theologen an den Universitäten tun.

Und so wird aus katholischer Theologie dann ein Impfstoff, der gegen das Christentum immunisiert.

Vielleicht sollte man den Antimodernisteneid doch wieder einführen.

Spielplan EM 2012 – Vorrunde

Die Gruppen sind nach Spieltagen geordnet, so dass jeweils die ersten zwei Spiele einer jeden Gruppe am ersten Spieltag stattfinden, usw.
Der 1. Spieltag beginnt am 8. Juni, so dass bis spätestens 7. Juni (inklusive) alle Tipps für die Begegnungen des 1. Spieltags vorliegen sollten.
Die Tipps für den 2. Spieltag sollten bis zum 11. Juni, und die für den 3. Spieltag bis zum 15. Juni vorliegen.
Wer möchte, kann auch bereits jetzt die ganze Vorrunde tippen, beraubt sich damit aber der Möglichkeit, taktische Erwägungen, Verletzungen, Sperren und andere Eindrücke aus den ersten Vorrundenspielen noch einzubeziehen.

Der Abschnitt “Ergebnis” unter jeder Gruppe dient dazu, die zwei Mannschaften einzutragen, die ins Viertelfinale einziehen werden. Dieser Eintrag errechnet sich aus den getippten Ergebnissen der Vorrundenspiele. [Bei Punktgleichheit in einer Gruppe zählt zuerst der direkte Vergleich, dann die Tordifferenz, dann die Zahl der geschossenen Tore.]

Jetzt aber genug der Regeln und hin zu den Tipps selbst.
 
Gruppe A
Polen – Griechenland
Russland – Tschechien
Griechenland – Tschechien
Polen – Russland
Griechenland – Russland
Tschechien – Polen
Ergebnis:
1.
2.
Gruppe B
Niederlande – Dänemark
Deutschland – Portugal
Dänemark – Portugal
Niederlande – Deutschland
Portugal – Niederlande
Dänemark – Deutschland
Ergebnis:
1.
2.
 
Gruppe C
Spanien – Italien
Irland – Kroatien
Italien – Kroatien
Spanien – Irland
Kroatien – Spanien
Italien – Irland
Ergebnis
1.
2.
Gruppe D
Frankreich – England
Ukraine – Schweden
Ukraine – Frankreich
Schweden – England
Schweden – Frankreich
England – Ukraine
Ergebnis
1.
2.

Der Spielplan kann als Vorlage für die Tipps verwendet werden – das spart Arbeit. Und jetzt ist das Tippspiel eröffnet.

Tippspiel EM 2012: Reglement

Da es keine Einwände gegeben hat, schreibe ich hiermit folgende Regeln für das Tippspiel zur EM 2012 fest. (Es sind dieselben Regeln, die vor einigen Tagen hier vorgeschlagen worden sind)

DAS REGLEMENT

REGELN: VORRUNDE

- Vor Beginn des ersten Vorrundenspiels reichen die Teilnehmer ihre Tipps für die Vorrunde, oder zumindest den ersten Vorrundenspieltag, d.h. die ersten Spiele aller Mannschaften, ein.

- Dasselbe gilt für den zweiten und dritten Spieltag der Vorrunde.

- Es muss immer ein genaues Ergebnis getippt werden, also z.B. 4:1 statt “Sieg für Deutschland”.

- Wird das Ergebnis exakt richtig vorhergesagt, so erhält der Teilnehmer drei Punkte.

- Wird der richtige Sieger mit der richtigen Tordifferenz vorausgesagt, also etwa ein 2:0 prognostiziert, und das Ergebnis lautet 3:1, so erhält der Teilnehmer zwei Punkte.

- Wird der richtige Sieger vorhergesagt, ohne dass eine der beiden oben erwähnten Bedingungen erfüllt ist, so erhält der Teilnehmer einen Punkt.

- Wird ein Spiel gar nicht getippt, so erhält der Teilnehmer einen Minuspunkt für das Ergebnis.

- Die Teilnehmer geben im Laufe der Vorrunde Tipps für alle Vorrundenspiele ab. Aus diesen lassen sich die prognostizierten Viertelfinalteilnehmer berechnen. Für jeden richtig vorhergesehenen Viertelfinalteilnehmer gibt es einen Bonuspunkt.

Bemerkung: In den 24 Vorrundenspielen können damit 72 reguläre und bis zu 8 Bonuspunkte gewonnen werden, also insgesamt 80 Punkte.

REGELN: KO-SPIELE

- Ab dem Viertelfinale werden die Spiele einzeln getippt und der Tipp muss spätestens am Vorabend des betreffenden Spiels vorliegen. Der Tipp enthält das vorhergesehene Ergebnis des Spiels, z.B. 3:2 n.V. Wenn man ein Elfmeterschießen vorhersieht, tippt man z.B. 2:2 n.V., Sieg für Mannschaft x nach Elfmeterschießen. Eine genaue Angabe der Elfmetertore ist nicht erforderlich.

- Die möglichen Punkte werden für das Viertelfinale verdoppelt, d.h. 6 Punkte für das exakte Ergebnis, 4 Punkte für die richtige Tordifferenz und 2 Punkte für den richtigen Sieger.

- Die möglichen Punkte sind im Halbfinale 9, 6 und 3 Punkte, und im Finale 18, 12 und 6 Punkte.

- Damit kann man in den sieben K.O.-Spielen maximal 60 Punkte gewinnen.

- Was passiert, wenn es Elfmeterschießen gibt? Um die vollen 6 Punkte für ein solches Spiel zu erreichen, muss man das richtige Ergebnis nach Verlängerung getippt haben. Auf die genaue Torzahl beim Elfmeterschießen kommt es nicht an. Man erhält die 6 Punkte nur, wenn man auch ein Elfmeterschießen vorhergesehen hat. Also etwa 4:2 für Deutschland zu tippen, reicht nicht für die volle Punktzahl, wenn das Spiel 0:0 n.V. und dann 4:2 n.E. ausgeht.

REGELN: ZUSATZPUNKTE

Vor Beginn des EM-Turniers, also vor Anpfiff des ersten Vorrundenspiels kann jeder Teilnehmer einen separaten Tipp für das Finale abgeben, d.h. welche Mannschaften im Finale stehen und wie das Finale ausgeht. Dieser Tipp wird dann zum Finale folgendermaßen herangezogen:

- 4 Punkte für jede Mannschaft, die wie vorhergesehen das Finale erreicht. (maximal 8 Punkte möglich, falls das Finale richtig vorhergesehen wurde)

- 4 Punkte für den richtigen Europameister.

- 8 Punkte, wenn man nicht nur das richtige Finale und den richtigen Europameister vorhergesehen hat, sondern sogar das exakt richtige Ergebnis. Beispiel: Jemand tippt, Deutschland-Spanien 2:1, und am Ende stehen tatsächlich Deutschland und Spanien im Endspiel und Deutschland gewinnt 2:1.

Durch diesen Zusatztipp sind weitere 20 Punkte möglich.

ZUSAMMENFASSUNG DER MÖGLICHEN PUNKTE

- In der Vorrunde 80 Punkte

- In der K.O.-Runde 60 Punkte

- Durch den Finaltipp 20 Punkte

Insgesamt sind damit 160 Punkte zu vergeben, exakt die Hälfte in der Vorrunde und die andere Hälfte in der K.O.-Runde.

HINWEIS

Vor Beginn des ersten Vorrundenspiels am 8. Juni müssten also folgende Tipps vorliegen:

- Tipps für die ersten Spiele aller Mannschaften; wer möchte kann auch die ganze Vorrunde tippen.

- Ein Tipp für das EM-Finale samt Ergebnis.

Hermeneutik der Kontinuität – Ein praktisches Beispiel

Das Konzil ist für viele, wenn auch nicht für alle, ein ewiger Zankapfel.

Manche lehnen das Konzil mit Stumpf und Stiel ab, weil es modernistisch sei. Solche Ideen finden sich auf dem “Williamson-Flügel” der Piusbruderschaft nicht selten. Ihnen ist entgegenzuhalten, dass 95% des Konzils nichts anderes tun, als bereits bekannte Lehren zu wiederholen, und sei es vielleicht auch in weniger prägnanter Form, so bleiben es doch dieselben Lehren. Warum sollten diese Lehren auf einmal modernistisch sein, bloß weil sie von anderen Textabschnitten umgeben sind, die ziemlich modernistisch klingen?

Andere lehnen das Konzil ebenso radikal mit Stumpf und Stiel ab, weil es ihnen nicht weit genug gegangen ist. Diese Gruppe hatte lange Zeit die praktische Interpretationshoheit über das Konzil und rechtfertigte ihr Unwesen mit dem “Geist” des Konzils, der kein anderer war, als der Geist von “68″. Sie werten jede Kritik am Geist von 68 als Kritik am Konzil. Auch sie verunmöglichen eine rationale Rezeption der Texte.

Zwischen diesen Extrempositionen bewegt sich der Heilige Vater mit seiner Hermeneutik der Reform in Kontinuität mit der ganzen Tradition der Kirche. Ob sie tatsächlich für alle Konzilstexte vollkommen ausreichend ist, bedarf weiterer theologischer Klärung. Für die meisten Texte passt sie jedoch unzweifelhaft.

Father Z präsentiert auf seinem sehr lesenswerten Blog nunmehr einen Artikel, in dem er eine sehr traditionelle Interpretation der Texte aus Sacrosanctum Concilium über den Gregorianischen Choral vorlegt. Er demonstriert, dass es die Absicht des Konzils war, der Gregorianik einen absolut zentralen Platz in der Liturgie zuzuweisen. In der Praxis ist er aber fast völlig verdrängt worden. Father Z kommt zu der Schlussfolgerung:

“When we read SC 116 “latinly”, it says that, barring something out of the ordinary, Gregorian chant is the first type of sacred music that is to be used in the Roman liturgy, because the Church claims and acknolwedges and declares Gregorian chant to have the “first place” among all legitimate types of sacred music. Just as when a father recognized a first-born son that son became the principle heir, to be preferred over even all other legitimate children, so to the Church places Gregorian chant in the first place over all other types of sacred liturgical music. At the same time, there are rare occasions when something other than Gregorian chant can be used.”

[Wenn wir SC 116 "lateinisch" lesen, besagt es, dass Gregorianischer Choral, von außergewöhnlichen Umständen abgesehen, die erste Art von heiliger Musik ist, die in der römischen Liturgie zu benutzen ist, weil die Kirche behauptet und anerkennt und erklärt, dass der Gregorianische Choral den "ersten Rang" unter allen legitimen Arten heiliger Musik hat. Wenn der Vater einen erstgeborenen Sohn anerkannte, bekam dieser Sohn der vornehmliche Erbe, der selbst allen anderen legitimen Kindern vorzuziehen ist. Ebenso setzt die Kirche den Gregorianischen Choral an die erste Stelle, vor alle anderen Arten heiliger liturgischer Musik. Gleichzeitig gibt es seltene Gelegenheiten, zu denen etwas anderes als der Gregorianische Choral benutzt werden kann.]

Ein beeindruckendes Beispiel für die Tatsache, dass die Hermeneutik der Kontinuität das Konzil in ein Licht zu rücken vermag, in dem es bislang zu selten betrachtet worden ist.

Die Sammlung der Konzilstexte in einer Vielzahl von Sprachen findet sich übrigens auf der Vatikanseite, damit wir alle lesen können, was das Konzil wirklich gesagt hat.

Die Kirche der Zukunft…

… ist klein, aber traditionell katholisch. In der Erzdiözese von New York (2 Millionen Katholiken) wurde im letzten Jahr nur ein einziger Priester geweiht. Das ist die schlechte Nachricht.

Die gute Nachricht: Er feierte seine erste Messe natürlich als levitiertes Hochamt im traditionellen Ritus. Es ist nicht zu erwarten, dass dieser Priester allzu viel Verständnis für die üblicherweise geforderte Anpassungsarie an die moderne Welt aufbringen wird.

Einige Gedanken zur Zukunft der Kirche

Mehr und mehr scheint dies das Bild in der Kirche zu sein. Da sich das Lehramt auch nach dem Konzil gegen einen offenen theologischen Bruch gestellt und viele der besonders unpopulären moralischen Lehren, wie etwa zu Abtreibung, Homosexualität, Scheidung, Verhütung usw. verteidigt hat, ist die Attraktivität der Kirche für die überzeugten Modernisierer zurückgegangen. Die alten Vorkämpfer sterben langsam aus, oder werden irrelevant. Die junge Generation ist, allgemein gesprochen, keineswegs konservativ oder traditionell katholisch. Im Gegenteil, sie hat den Geist der Moderne voll internalisiert. Doch sie ist konsequent. Sie sieht keinen Grund darin, diese starrsinnigen Köpfe in der Kirche weiter ernstzunehmen. Sie will die Kirche nicht verändern – sie geht einfach irgendwohin, wo es ihr besser gefällt. Die Jugend ist pragmatisch. Sie haben die Lektion des Relativismus gelernt: Jeder soll doch machen, was er will. Und wenn es ihnen nicht passt, dann gehen sie halt und zucken mit den Schultern. Es ist ihnen einfach egal.

Die junge Generation verlässt massenhaft die katholische Kirche – es gibt keine Renaissance des Katholizismus in der jungen Generation. Aber weil diese jungen kirchenfernen Menschen gar keine Bindung an die Kirche besitzen, fühlen sie sich ihr gar nicht mehr zugehörig. Sie kümmern sich nicht um irgendwelche Laienräte, und nichts ist für sie langweiliger als Kirchenpolitik. Und sie treten mehr und mehr einfach aus.

Doch wenn die alte Generation der Modernisten ausstirbt, und die Junge austritt, wer bleibt dann noch übrig? Es ist die kleine Minderheit, alt und jung, die den Glauben bewahrt hat, und die ihn weitertragen wird.

Diese Minderheit sieht den liturgischen Schatz der “tridentinischen” Messe sehr positiv, selbst wenn einige unter ihnen glauben, man könne den Novus Ordo ebenso ehrfürchtig und mit der korrekten katholischen Theologie des Messopfers zelebrieren. Sie alle sehen in der traditionellen Messe einen unermesslichen Schatz, dem heute und für immer ein würdiger Ehrenplatz in der katholischen Kirche zusteht.

Die zum Priesterstand berufenen Männer dieser Minderheit werden sehr oft in der “außerordentlichen Form” zelebrieren wollen – manche ausschließlich, andere abwechselnd mit der “ordentlichen Form”. Sie teilen eine große Liebe zur wahren katholischen Theologie, selbst wenn viele von ihnen sie nicht als Teil ihrer Ausbildung präsentiert bekommen, und wollen den Glauben verkündigen und verbreiten.

Dies ist eine Minderheit, die sich längst damit abgefunden hat, dass die Volkskirche nicht mehr existiert, und man vor der Wahl steht, noch für einige Jahre weiterhin die Illusion zu präsentieren, indem man halsbrecherische Kompromisse mit der Welt eingeht, oder direkt wieder den unverkürzten katholischen Glauben zu bekennen und für ihn einzustehen, selbst wenn das zu einer kleineren, ärmeren Kirche führt, die ihre weltlichen Ambitionen vollständig einstellen muss.

Es ist dies eine kleine Schar von Katholiken, ein Rest, dessen fortdauernde Existenz uns zugesichert ist, aber auch eine Keimzelle, aus der vieles entspringen kann, wofür heute unsere Vorstellungskraft noch nicht reicht.

Sie lieben die Tradition nicht aus Nostalgie, sondern aus Überzeugung. Sehr viele von ihnen kennen die Tradition gar nicht mehr aus erster Hand, aber sie kennen die Theologie und sind fasziniert von ihr. Und weil sie wirklich von der Wahrheit des katholischen Glaubens überzeugt sind, und weil sie Christus wirklich lieben, werden sie auch seine Gebote halten, so gut sie können. Und sie werden in der Tugend wachsen, nach Heiligkeit streben, und sich nicht mit weltlichem Tand zufriedengeben, wenn sie Gott selbst in Ewigkeit haben können.

Es ist eine kleine Schar, doch das waren die Jünger auch. Darauf kann man aufbauen. Und da die modernen Abrissbirnen die Kirche bis auf die Grundfesten “aufgebrochen” und “abgebrochen” haben, ist dieses Aufbauen auch dringend nötig.

Bischof Bernard Fellay, FSSPX, hat in einem langen Vortrag in Wien (Hörempfehlung!) vom 20.5. die aktuelle Situation der Kirche mit einem Winter verglichen, dessen Ende wir absehen können, wenn wir die ersten Knospen blühen sehen. Es sei noch kalt, es friere, es werde womöglich auch noch viel kälter, aber wir wissen, am Ende kommt der Frühling.

Der Winter mag noch lang sein, doch die ersten Anzeichen des Frühlings sind nicht mehr zu übersehen. Eine kleine, schwache, zarte, doch quicklebendige Kirche erhebt sich zittrig und noch unsicher, mit tastenden Schritten, aus den Trümmern der Moderne, bereit ihr Kreuz zu tragen, bereit zu leiden, bereit zu sterben für die Person, die die Wahrheit ist, entschlossen auf ihren Bräutigam zu warten, und Ihm zu dienen, und Ihm zu Füßen zu fallen in Liebe, wenn Er kommt in Herrlichkeit.

Ein “modernes” Credo…

Die Freunde einer Modernisierung der katholischen Kirche erklären uns gern, dass alte Dogmen nicht mehr der modernen Zeit entsprechen, sondern man einen neuen Aufbruch wagen müsse. Diese ganzen theologisierenden Glaubenssätze der vorkonziliaren Kirche, so hört man, seien längst überholt. Heute müsse man allein noch eine Kirche der Nächstenliebe, des Fortschritts und der Erneuerung sein, sich der Schwächsten annehmen usw. aber bitte ohne andere Religionen “auszugrenzen”.

Die Modernisierer sind mit der traditionellen Kirche der Glaubenssätze, Glaubensartikel und Dogmen ziemlich unzufrieden. Sie loben das Konzil, das diesen Aufbruch fort von alledem ermöglicht und eingeleitet habe.

Ihr Lieblingspapst dürfte Paul VI. sein. Und ihr Lieblingsjahr ist, betrachtet man ihre gesellschaftliche Grundorientierung, 1968. Wenn das so ist, dann werden die Modernisierer ja das “Credo des Gottesvolkes” lieben. (oder vielleicht auch nicht…) Hier ist es:

Wir glauben an den einen Gott: Vater, Sohn und Heiligen Geist, Schöpfer der sichtbaren Dinge, wie es diese Welt ist, auf der unser flüchtiges Leben sich abspielt, Schöpfer der unsichtbaren Dinge, wie es die reinen Geister sind, die man auch Engel1 nennt, und Schöpfer der unsterblichen Geistseele eines jeden Menschen.

Wir glauben, daß dieser einzige Gott Seiner Wesenheit nach absolut einer ist, unendlich heilig, wie Er in allen Seinen Eigenschaften unendlich vollkommen ist: in Seiner Allmacht, in Seinem unbegrenzten Wissen, in Seiner Vorsehung, in Seinem Willen und in Seiner Liebe. Er ist der, der da ist, wie Er es Moses2 geoffenbart hat; Er ist Liebe, wie der Apostel Johannes3 es uns lehrt. Diese beiden Worte also, Sein und Liebe, bezeichnen in unaussprechlicher Weise die gleiche göttliche Wirklichkeit dessen, der sich uns zu erkennen geben wollte und der, da Er „in einem unzugänglichen Lichte wohnt“4, in sich selbst jenseits jeglicher Bezeichnung, über allen Dingen steht und alles geschaffene Denken übersteigt. Gott allein kann uns von sich eine angemessene und volle Erkenntnis mitteilen, indem Er sich als Vater, Sohn und Heiliger Geist offenbart. Durch die Gnade sind wir berufen, an Ihrem ewigen Leben teilzuhaben: hier auf Erden im Dunkel des Glaubens und nach dem Tode im ewigen Lichte.
Die gegenseitigen Bande, die von der Ewigkeit her die drei Personen wesentlich verbinden, deren jede das eine und selbe göttliche Sein ist, sind das beseeligende innerste Leben des dreimalheiligen Gottes, unendlich weit entfernt von alldem, was wir auf menschliche Weise begreifen können.5
Wir sagen indessen der göttlichen Güte Dank für die Tatsache, daß sehr viele gläubige Menschen mit uns vor der Welt die Einzigkeit Gottes bezeugen können, obwohl sie das Geheimnis der allerheiligsten Dreifaltigkeit nicht kennen.

Wir glauben also an den Vater, der von Ewigkeit her den Sohn zeugt; an den Sohn, das Wort Gottes, das von Ewigkeit her gezeugt ist; an den Heiligen Geist, die unerschaffene Person, die vom Vater und vom Sohne ausgeht als Ihre ewige Liebe. In den drei göttlichen Personen also – coaeternae sibi et coaequales [untereinander gleich ewig und gleichen Wesens]6 – sind das Leben und die Seligkeit Gottes, der vollkommen eins ist, in überreicher Fülle vorhanden und vollenden sich in der Vollkommenheit und in der Glorie, die dem unerschaffenen Wesen eigen sind. Immer „muß also die Einheit in der Dreifaltigkeit und die Dreifaltigkeit in der Einheit verehrt werden.“7

Wir glauben an unseren Herrn Jesus Christus, der der Sohn Gottes ist. Er ist das ewige Wort, gezeugt vom Vater vor aller Zeit und wesensgleich dem Vater (homoousios to Patri8). Durch Ihn ist alles erschaffen worden. Durch das Wirken des Heiligen Geistes hat Er im Schoße der Jungfrau Maria Fleisch angenommen und ist Mensch geworden: dem Vater also Seiner Gottheit nach gleich, der Menschheit nach aber ist Er geringer als der Vater. Er ist in sich selbst einer, nicht durch eine unmögliche Vermischung der Naturen, sondern durch die Einheit der Person.9
Er hat unter uns gewohnt, voll der Gnade und Wahrheit. Er verkündete das Reich Gottes und richtete es wieder auf und ließ uns den Vater durch sich erkennen. Er hat uns ein neues Gebot gegeben, einander zu lieben, wie Er uns geliebt hat. Er lehrte uns den Weg der Seligkeiten des Evangeliums: Armut im Geiste, Milde, Geduld im Leiden, Durst nach der Gerechtigkeit, Barmherzigkeit, Reinheit des Herzens, Wille zum Frieden, Verfolgung erdulden um der Gerechtigkeit willen. Er litt unter Pontius Pilatus. Als Lamm Gottes nahm Er die Sünden der Welt auf sich. Er ist für uns am Kreuze gestorben und rettete uns durch Sein erlösendes Blut. Er ist begraben worden und am dritten Tage aus eigener Kraft wiederauferstanden. Durch Seine Auferstehung berief Er uns zur Teilnahme am göttlichen Leben, welches das Leben der Gnade ist. Er ist aufgefahren in den Himmel und wird wiederkommen aufs neue, und zwar dieses Mal in Herrlichkeit, um die Lebenden und die Toten zu richten: einen jeden nach seinen Verdiensten – jene, die der Liebe und dem Erbarmen Gottes entsprochen haben, werden eingehen zum ewigen Leben. Jene aber, die bis zum Ende ihres Lebens die Liebe und das Erbarmen Gottes ablehnten, werden dem Feuer überantwortet, das niemals erlischt.
Und Seines Reiches wird kein Ende sein.

Wir glauben an den Heiligen Geist, den Herrn und Lebensspender, der mit dem Vater und dem Sohne angebetet und verherrlicht wird. Durch die Propheten hat Er zu uns gesprochen und ist von Christus, nach Seiner Auferstehung und Himmelfahrt zum Vater, gesandt worden. Der Heilige Geist erleuchtet, belebt, beschützt und führt die Kirche. Er läutert ihre Glieder, wenn sie der Gnade nicht widerstehen. Sein gnadenvolles Wirken, das bis in das Innerste der Seele eindringt, macht den Menschen fähig, zu antworten auf den Anruf Christi: „Seid vollkommen, wie euer Vater im Himmel vollkommen ist!“10

Wir glauben, daß Maria, die allzeit Jungfrau blieb, die Mutter des menschgewordenen Wortes ist, unseres Gottes und Heilands Jesus Christus11, und daß sie im Hinblick auf diese einzigartige Gnadenauserwählung und durch die Verdienste ihres Sohnes auf eine vollkommenere Art12 erlöst worden ist, indem sie von jedem Makel der Erbsünde13 bewahrt und mit dem Gottesgeschenk der Gnade mehr bedacht wurde als alle anderen Geschöpfe.14
Verbunden in einer ganz innigen und unauflöslichen15 Weise mit dem Geheimnis der Menschwerdung und Erlösung, wurde die allerseligste Jungfrau, die Unbefleckte Jungfrau, am Ende ihres irdischen Lebens mit Leib und Seele in die Herrlichkeit des Himmels16 aufgenommen und – in Vorausnahme des künftigen Loses aller Gerechten – ihrem auferstandenen Sohne in der Verklärung angeglichen. Wir glauben, daß die heilige Gottesmutter, die neue Eva, die Mutter der Kirche17, im Himmel ihr mütterliches Amt fortsetzt im Hinblick auf die Glieder Christi, indem sie mitwirkt bei der Erweckung und Entfaltung des göttlichen Lebens in den erlösten Seelen.18

Wir glauben, daß in Adam alle gesündigt haben, was besagen will, daß die Erbschuld, die Adam beging, die menschliche Natur, die allen Menschen gemeinsam ist, in einen Zustand fallen ließ, in dem sie die Folgen dieser Schuld zu tragen hat. Und daß dieser Zustand nicht jener ist, in dem unsere Stammeltern sich zuerst befanden, da sie in Heiligkeit und Gerechtigkeit geschaffen waren und der Mensch weder das Böse noch den Tod kannte.
Die menschliche Natur ist also eine gefallene Natur: beraubt der Gnade, die sie bekleidete, verwundet in ihren eigenen natürlichen Kräften und dem Reich des Todes unterworfen, der auf alle Menschen übergegangen ist. Das ist der Sinn, daß jeder Mensch in Sünde geboren wird.
Wir halten also mit dem Konzil von Trient fest, daß die Erbsünde mit der menschlichen Natur übertragen wird, „nicht durch Nachahmung, sondern durch Fortpflanzung“, und „so zu einem jeden gehört.“19

Wir glauben, daß unser Herr Jesus Christus uns durch Sein Opfer am Kreuze von der Erbsünde und von allen persönlichen Sünden, die wir begangen haben, erlöst hat, so daß nach den Worten des Apostels dort, „wo die Sünde zugenommen hat, die Gnade überreich geworden ist.“20

Wir glauben an die Taufe, die von unserem Herrn Jesus Christus zum Nachlaß der Sünden eingesetzt worden ist. Die Taufe soll auch schon den Kindern im frühen Alter gespendet werden, die sich noch keiner persönlichen Sündenschuld bewußt sind, damit sie nicht der übernatürlichen Gnade verlustig gehen und „wiedergeboren werden aus dem Wasser und dem Heiligen Geist“ zum göttlichen Leben in Jesus Christus.21

Wir glauben an die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche, die von Jesus Christus auf dem Felsen gegründet wurde, der Petrus ist. Sie ist der mystische Leib Christi, von ihm sowohl als sichtbare Gemeinschaft mit hierarchischem Aufbau wie auch als geistige Gemeinschaft eingesetzt. Sie ist die Kirche hier auf Erden, das pilgernde Gottesvolk.
Und sie ist die Kirche, die beschenkt ist mit himmlischen Gütern – der Same und keimhafte Anfang des Reiches Gottes, durch das sich Werk und Leiden der Erlösung in der Geschichte fortsetzen und das seine Vollendung finden wird jenseits aller Zeitlichkeit, in der ewigen Herrlichkeit22. Der Herr Jesus Christus läßt Seine Kirche in der Zeit Gestalt annehmen durch die Sakramente, die aus Seiner göttlichen Fülle23 hervorgehen. Durch sie haben die Glieder der Kirche Anteil am Geheimnis Seines Todes und Seiner Auferstehung in der Gnade des Heiligen Geistes, der Leben und Tun verleiht24. Die Kirche ist deshalb heilig, auch wenn sich in ihrer Mitte Sünder befinden, weil sie selbst kein anderes Leben besitzt als das der Gnade. Das heißt, daß sich ihre Glieder heiligen, wenn sie an ihrem Leben teilnehmen, und daß sie, wenn sie ihr Leben preisgeben, der Sünde und Unordnung verfallen, die den Glanz ihrer Heiligkeit verdunkeln. Deshalb leidet und büßt die Kirche für diese Verfehlungen. Sie hat die Gewalt, ihre Gläubigen davon zu heilen: durch das Blut Christi und die Gabe des Heiligen Geistes.
Sie ist dem Geiste nach Erbin der göttlichen Verheißungen und Tochter Abrahams, durch jenes Israel, dessen heilige Schriften sie in Liebe bewahrt und dessen Patriarchen und Propheten sie in Ehrfurcht gedenkt. Sie ist auf die Apostel gegründet und gibt im Nachfolger des heiligen Petrus und in den Bischöfen, die sich in Gemeinschaft mit ihm befinden, deren immerdar lebendiges Wort und deren Hirtengewalt durch die Jahrhunderte weiter. Unter dem immerwährenden Beistand des Heiligen Geistes hat die Kirche die Aufgabe, jene Wahrheit zu bewahren, zu lehren, auszulegen und in der Welt zu verkündigen, die Gott in verhüllter Weise durch die Propheten und in ihrer ganzen Fülle durch unseren Herrn Jesus Christus geoffenbart hat.

Wir glauben alles, was im geschriebenen oder überlieferten Gotteswort enthalten ist und was die Kirche als von Gott geoffenbarte Wahrheit zu glauben vorlegt: entweder durch eine feierliche Glaubensentscheidung oder durch das ordentliche und allgemeine Lehramt25. Wir glauben an die Unfehlbarkeit, die dem Nachfolger des heiligen Petrus zukommt, wenn er ex cathedra als Hirte und Lehrer aller Gläubigen26 spricht.
Diese (Unfehlbarkeit) ist auch dem Kollegium der Bischöfe verheißen, wenn sie – gemeinsam mit dem Papst – das höchste Lehramt ausüben.27

Wir glauben, daß die von Christus gegründete Kirche, für die Er gebetet hat, unfehlbar eine ist: im Glauben, im Kult und in der hierarchischen Gemeinsamkeit. Die reiche Vielfalt in der Liturgie, die zu Recht bestehende Verschiedenheit im theologischen und geistlichen Erbe, sowie in den eigenen Rechtsordnungen im Innern der Kirche, tun ihrer Einheit keinen Abbruch, sondern fördern sie.28
Wir anerkennen das Vorhandensein zahlreicher Elemente der Wahrheit und Heiligung außerhalb der Gemeinschaft der Kirche Christi, welche eigentlich ihr zugehören und auf die katholische Einheit29 hindrängen. Und wir glauben an das Wirken des Heiligen Geistes, der in den Herzen der Jünger Christi die Liebe zu dieser Einheit30 entflammt. Wir haben aber die Hoffnung, daß auch die Gläubigen, die noch nicht voll und ganz der Gemeinschaft der Kirche angehören, sich eines Tages in der einen Herde mit dem einen Hirten zusammenfinden werden.

Wir glauben, daß die Kirche heilsnotwendig ist; denn Christus, der alleinige Mittler und Weg zum Heil, ist für uns gegenwärtig in Seinem Leib, der die Kirche ist31. Aber der göttliche Heilsplan umfaßt alle Menschen. Diejenigen, die ohne ihre Schuld die Frohbotschaft Christi und Seiner Kirche nicht kennen, aber aufrichtig Gott suchen und sich mit Hilfe der Gnade um die Erfüllung Seines Willens bemühen, den sie aus den Forderungen ihres Gewissens erkannt haben – ihre Zahl ist Gott allein bekannt – können das Heil erlangen.32

Wir glauben, daß die heilige Messe, wenn sie vom Priester, der die Person Christi darstellt, kraft der durch das Weihesakrament empfangenen Gewalt gefeiert und im Namen Jesu Christi und der Glieder Seines mystischen Leibes dargebracht wird, das Opfer von Calvaria ist, das auf unseren Altären sakramental vergegenwärtigt wird. Wir glauben, daß in der Weise, wie Brot und Wein vom Herrn beim heiligen Abendmahl konsekriert und in Seinen Leib und in Sein Blut verwandelt worden sind, die Er für uns am Kreuze geopfert hat, auch Brot und Wein, wenn sie vom Priester konsekriert werden, in den Leib und das Blut Christi verwandelt werden, der glorreich in den Himmel aufgefahren ist. Und wir glauben, daß die geheimnisvolle Gegenwart des Herrn unter dem, was für unsere Sinne in derselben Weise wie vorher fortzubestehen scheint, eine wahre, wirkliche und wesentliche Gegenwart ist.33
Christus kann in diesem Sakrament nicht anders gegenwärtig sein als durch die Verwandlung der Substanz des Brotes in Seinen Leib und die Verwandlung der Substanz des Weines in Sein Blut. Dabei bleiben die Gestalten von Brot und Wein, wie sie unsere Sinne wahrnehmen, unverändert erhalten. Diese geheimnisvolle Verwandlung nennt die Kirche auf sehr treffende Weise: Transsubstantiation. Jede theologische Erklärung, die sich um das Verständnis dieses Geheimnisses bemüht, muß, um mit unserem Glauben übereinstimmen zu können, daran festhalten, daß Brot und Wein der Substanz nach, unabhängig von unserem Denken, nach der Konsekration zu bestehen aufgehört haben, so daß nunmehr der anbetungswürdige Leib und das anbetungswürdige Blut unseres Herrn vor uns gegenwärtig sind – unter den sakramentalen Gestalten von Brot und Wein.34 So hat es der Herr gewollt, um sich uns zur Speise zu geben und uns einzugliedern in die Einheit Seines mystischen Leibes.35
Die alleinige und unteilbare Daseinsweise des verklärten Herrn im Himmel wird damit keineswegs vervielfältigt. Sie ist durch das Sakrament vergegenwärtigt an den vielen Orten der Erde, wo das Meßopfer dargebracht wird.
Diese Gegenwart bleibt nach dem Opfer im Sakrament fortbestehen, das im Tabernakel aufbewahrt wird, der die Herzmitte unserer Kirchen ist. Es ist uns eine heilige Pflicht, das fleischgewordene Wort, das unsere Augen nicht erblicken können und das, ohne den Himmel zu verlassen, sich uns vergegenwärtigt in der heiligen Hostie, die unsere Augen sehen können, anzubeten und zu verehren.

Wir bekennen, daß Gottes Reich hier auf Erden in der Kirche Christi seinen Anfang nimmt, die nicht von dieser Welt ist und deren Antlitz ja vergeht. Und daß das Wachstum der Kirche nicht mit dem Fortschritt der Zivilisation, der Wissenschaft und der Technik des Menschen gleichgesetzt werden darf. Daß vielmehr die Kirche nur aus dem einen Grunde besteht, um immer tiefer den unergründlichen Reichtum Christi zu erkennen, immer zuversichtlicher auf die ewigen Güter zu hoffen, immer besser der Liebe Gottes zu antworten und den Menschen immer freigebiger die Güter der Gnade und Heiligkeit mitzuteilen. Ebenso ist es die Liebe, die die Kirche bewegt, sich stets um das wahre zeitliche Wohl der Menschen zu sorgen. Unablässig erinnert sie ihre Kinder daran, daß ihnen hier auf Erden keine bleibende Wohnung beschieden ist. Sie drängt sie dazu, daß jeder von ihnen, entsprechend seiner Berufung und seinen Möglichkeiten, zum Wohle seiner Gemeinschaft beiträgt, daß er Gerechtigkeit, Frieden und Brüderlichkeit unter den Menschen fördert und seinen Brüdern, vor allem den Armen und Unglücklichen, hilft. Die stete Sorge der Kirche, der Braut Christi, für die Not der Menschen, für ihre Freuden und Hoffnungen, für ihre Arbeiten und Mühen ist demnach nichts anderes als die große Sehnsucht, ihnen nahe zu sein, um sie zu erleuchten mit dem Lichte Christi und sie alle in ihm, ihrem alleinigen Heiland, zu vereinen.
Diese Sorge kann niemals bedeuten, daß sich die Kirche den Dingen dieser Welt gleichförmig macht, noch kann sie die brennende Sehnsucht mindern, mit der die Kirche ihren Herrn und Sein ewiges Reich erwartet.

Wir glauben an das ewige Leben. Wir glauben, daß die Seelen aller, die in der Gnade Christi entschlafen sind – ob sie nun noch im Reinigungsort geläutert werden müssen oder ob Jesus sie im Augenblick, da sie ihren Leib verlassen, wie den guten Schächer am Kreuz in das Paradies aufnimmt – zum Volk Gottes gehören – jenseits aller Herrschaft des Todes, der am Tag der Auferstehung, wenn die Seele mit dem Leib vereinigt wird, endgültig besiegt sein wird.

Wir glauben, daß die große Schar derer, die mit Jesus und Maria im Paradies vereinigt sind, die himmlische Kirche bildet. Dort schauen sie in ewiger Glückseligkeit Gott, so wie Er ist36. Dort sind sie auch, in verschiedenen Abstufungen, mit den heiligen Engeln unter der Herrschaft Christi vereint in Herrlichkeit, legen für uns Fürsprache ein und helfen uns in unserer Schwachheit durch ihre brüderliche Fürsorge.37

Wir glauben an die Gemeinschaft aller Christgläubigen: derer, die hier auf Erden als Pilger wandern, der Verstorbenen, die ihre Läuterung abwarten, und der Seligen im Himmel. Alle zusammen bilden sie die eine Kirche. Und in gleicher Weise glauben wir, daß in dieser Gemeinschaft die barmherzige Liebe Gottes und Seiner Heiligen stets unsere Gebete erhört, wie uns Jesus gesagt hat: Bittet und ihr werdet empfangen.38 Mit eben diesem Glauben und eben dieser Hoffnung erwarten wir die Auferstehung der Toten und das Leben der zukünftigen Welt.

Gepriesen sei der dreimalheilige Gott! Amen.