Fällt das Beichtgeheimnis?

Unter anderem diesem Bericht zufolge droht die irische Linksregierung (unter Beteiligung der Abtreibungsbefürworter und Gegner des Katholizismus von der irischen Arbeiterpartei) mit der Abschaffung des Beichtgeheimnisses. Angeblich um zu verhindern, dass katholische Pädophile ihre Taten beichten können, ohne dass die Polizei davon erfährt. Verschiedene Blogger im englischen Sprachraum (hier z.B. Father Z) haben das Thema schon aufgegriffen, und auch auf kath.net gab es einen entsprechenden Beitrag.

Eine weitere  Entwicklung in diesem Bereich, von dem ich ebenfalls durch den Blog von Father Z erfahren habe, stellt ein ähnliches Gesetz in Australien dar. Man beruft sich in Australien explizit auf entsprechende Pläne der Regierung von Irland. Der irische Ministerpräsident Enda Kenny erklärte sein Vorhaben so:

Enda Kenny erklärte, dass es „absolut schändlich“ sei, dass der Vatikan sein Kirchenrecht über das irische Strafrecht stelle. Das Irland des 21. Jahrhunderts werde sich nicht länger katholischer Macht fügen.

Sein Justizminister Shatter fügte hinzu:

Auch der Justizminister Alan Shatter äußerte, dass kein ausländischer Staat irgendeiner Organsiation Vorgaben machen sollte, wenn es um den Schutz von Kindern gehe, dies gelte vor allem für die katholische Kirche. [Hervorhebungen von Catocon; Anmerkung des Blogautors]

Hier sehen wir dann sofort, worum es bei diesem Gesetz wirklich geht. Es hat nicht das Geringste mit angeblichen Bemühungen gegen Pädophilie zu tun (die von vielen linksgerichteten, selbsternannten Fortschrittlichen noch vor wenigen Jahren als gar nicht so schlimm gesehen wurde – schließlich sollten auch Kinder zeitig an die unbegrenzten Freuden der „freien Liebe“ herangeführt werden). Es hat damit zu tun, dass hochstehende Kreise in verschiedenen Ländern die derzeitige Situation einer wohlgeschürten Volksstimmung gegen die Kirche ausnutzen und ihre bigotte antikatholische Agenda durchdrücken wollen.

Äußerungen wie der Satz, es sei absolut schändlich, dass „der Vatikan“ sein Kirchenrecht über das Recht des irischen Staates stelle, machen die wahre Absicht deutlich. Es soll die Berechtigung der Kirche als Träger eigenen Rechts überhaupt erschüttert werden. Die Kirche soll sich, ganz im Geiste der typisch protestantischen Nationalkirchen, in den Dienst der Ziele des Staates stellen. Und worin staatliche Ziele bestehen, hat man ja im 20. Jahrhundert zur Genüge gesehen. Viele Millionen Menschen wurden durch doktrinär atheistische, kommunistische und national-sozialistische Regime im Namen diverse Weltverbesserungsideologien grausam dahingeschlachtet. In den Dienst eines solchen Staates kann sich selbst ein nichtkatholischer Mensch wohl kaum guten Gewissens stellen. Aber die zunehmend imperialistisch handelnden Regierenden in Europa, Nordamerika, Australien und Neuseeland verlangen genau dies.

Es ist eine Machtprobe, keine Ermittlung gegen Pädophile (deren Prävalenz im übrigen unter Katholiken nicht höher, sondern wenn überhaupt niedriger ist, als unter anderen Gruppen). Eine Machtprobe, an deren Ende nur einer von zwei möglichen Ausgängen stehen kann: Entweder die Regierung von Irland und ihre unheiligen Spießgesellen in anderen Ländern setzen sich durch, oder sie ziehen ihr Projekt zurück und kneifen den Schwanz ein. Viel wird davon abhängen, wie die Völker auf diesen zutiefst bigotten Angriff auf das Beichtgeheimnis reagieren. Das bleibt abzuwarten. Aber wenn das Beichtgeheimnis in Irland fällt (und vielleicht auch in Australien, und dann könnte eine Lawine in anderen Ländern losgehen), dann ist dies nicht nur eine Niederlage für Katholiken in Irland (diesem einstigen Stammland des glaubens), sondern für Katholiken weltweit. Es wäre das klare Signal, dass die Zeiten vorbei sind, in denen die Gläubigen im Westen in Freiheit leben können. Eine neue Periode der Christenverfolgung wird anbrechen, wenn man das Beichtgeheimnis abschafft (und zugleich bleiben die besonderen Verhältnisse von Arzt und Patient sowie von Anwalt und Klient geschützt), vielleicht heute, vielleicht morgen.

Beunruhigend ist in diesem Zusammenhang die Äußerung von Father Z:

Attack the Catholic Church, threaten the Catholic Church, intimidate the Catholic Church.

When our Catholic identity is eroded, this is what happens.  As the night follows the day, threats of this kind will be made so as to silence the Church, whose duty it is to teach on many moral issues.  You know the issues I am talking about.  I suspect that this has more to do with hatred of the Church’s teaching office than it does with outrage over child abuse.

Sadly, the climate of anti-Catholicism and oppression is in large part fueled from within the Church herself.

Think about it.  A law proposed to force priests to break the Seal… in Ireland.

JA, das ist in der Tat das Ergebnis einer beunruhigenden Erosion der katholischen Identität. Katholiken verhalten sich nicht mehr anders als Menschen anderer Religionen. sie leben genauso, denken genauso, wählen im Wesentlichen vergleichbar. Es gibt keine fundamentalen Unterschiede mehr zwischen Katholiken und Protestanten – ein Zustand, der heutzutage unter Ökumene von der Kirchenhierarchie massiv vorangetrieben wird. Unter solchen Bedingungen erwarte ich keinen großen Widerstand von Seiten der meisten Katholiken. Klar, die üblichen Verdächtigen werden ihr Missfallen ausdrücken. Menschen wie Merkel, Schavan, Alois Glück und andere „C“DU-Politiker, wenn es in Deutschland erst einmal soweit ist. Und danach werden sie zur Tagesordnung übergehen und die LAge ignorieren.

Und die Priester? Natürlich sagen sie jetzt alle (in Irland), dass sie dieses Gesetz missachten werden – die liberalen ebenso wie die orthodoxen Priester. Auf den ersten Blick scheint es also Hoffnung zu geben, dass die katholische Priesterschaft in Irland sich einem solchen ungerechten Gesetz widersetzen werden. Und auf den zweiten Blick? Werden Priester, die es nicht einmal fertigbringen, sich negativer Publicity auszusetzen, wirklich für ihren Glauben ins Gefängnis gehen, wenn das von ihnen verlangt wird?

Sollte das hier in Deutschland einmal zum Thema werden (und wenn der Testlauf im katholischen Stammland Irland erfolgreich ist, warum sollte die nächste Rotgrüne Regierung, etwa 2014, nicht dasselbe fordern? Die Stimmung ist jedenfalls erfolgreich von den Mainstreammedien geschürt worden), was wird dann geschehen?

Die Antwort: Gar nichts, wie immer. Und außerdem geht hier ohnehin kein „respektabler“ Katholik mehr beichten. In einer Gemeinde mit mehr als 3000 Seelen bin ich der einzige, der das Bußsakrament nutzt. Ich frage mich manchmal, ob andere Katholiken überhaupt noch wissen, wofür dieser kleine merkwürdige Holzverschlag überhaupt da ist. Kein Grund zur Sorge also (außer vielleicht für die wenigen glaubenstreuen Katholiken, doch die zählen nicht, da sie ja eh rückschrittlich sind. Und was Fortschrittliche mit Reaktionären machen, hat man ja nach 1793 in der Vendée gesehen. Kostprobe gefällig? Hier ein der frz. Revolution treuer General: „Es gibt keine Vendée mehr. Sie ist mit unserem Säbel der Freiheit niedergemacht worden, mitsamt Frauen und Kindern. Ich habe sie in den Sümpfen und Wäldern von Savenay begraben. Man kann mir keine Gefangenen vorwerfen. Ich habe alles ausgelöscht.“ Und der Anführer der Völkermörder im Dienste der Freiheit? Die Infrastruktur des Landstriches sollte restlos vernichtet, Höfe, Kirchen, die Ernten und die Wälder niedergebrannt, das Land und ausnahmslos alle Bewohner niedergemacht werden. General Turreau, Chef der „Infernalischen Kolonnen“, der mit der Ausführung betraut wurde, ließ wissen: „Die Vendée muss ein nationaler Friedhof werden“.)

Die Abschaffung des Beichtgeheimnisses wird in Irland vielleicht noch gestoppt werden können – obwohl das unwahrscheinlich ist, da die Regierung über eine Mehrheit verfügt. Doch wenn nicht, und wenn sich der Gedanke durchsetzt, dass man einfach so auf Religionsfreiheit der Katholiken herumtrampeln kann, dann wird dies nur der Anfang einer langen Entwicklung sein, an deren Ende vielleicht wieder einmal ein „großer Kampf für die Freiheit“ mit dem Säbel geführt wird. Die Vendée? Sie könnte überall sein.

P.S. Noch ein guter Artikel von Father Ray Blake zum Thema.

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Ein Gedanke zu „Fällt das Beichtgeheimnis?

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