Nachtrag zu Bischof Algermissen

Ich schrieb vor kurzem über die Worte des Bischofs Algermissen über die Liturgie und ihre „zeitgemäße“ Snpassung, d.h. Verwässerung. Die exzellente Webseite Summorum Pontificum hat sich, viel ausführlicher und treffender als ich es getan habe, mit seinen Kommentaren auseinandergesetzt. Der Schwerpunkt der dortigen Analyse ist ein vierfacher, besonders wird aber die seit Beginn der derzeitigen Anpassungswettläufe gemachten „Erfahrungen“ hervorgehoben: Die Kirchen leeren sich umso mehr, je stäkrer man versucht, oberflächlich relevant zu sein – und im Felde der Liturgie je stärker man die Messe zum menschlich-kreativen Experimentierfeld für „Experten“ macht. Und während es ja vielleicht ehrenwert gewesen sein mag, argumentieren die Kommentatoren auf Summorum Pontificum, damals diesen Versuch zu unternehmen, so müsse man, wenn die Erfahrung den Misserfolg evident mache, den Kurs ändern.

Besonders treffend (und deutlich über meine kurzen Worte zum Thema hinausgehend) sind die aus diesen Einsichten gezogenen Schlussfolgerungen, die ich hier kurz zusammenfassen möchte – die Leser sind eingeladen, dem obigen Link zu folgen und den Artikel in Gänze zur Kenntnis zu nehmen.

1. Abkehr von allen Versuchen der „zeitgemäßen Gottesdienstgestaltung“ – die Messe ist die Messe – nicht die Messe für diese oder jene Menschengruppe (Frauen, Kinder, Senioren, Kleinkinder, Bäckermeister usw.) und nicht die Messe wie „wir sie heute gestalten“. Dazu gehört selbstverständlich die systematische Umsetzung der Instruktionen aus dem Vatikan gegen Liturgiemissbräuche aller Art, besonders „Redemptionis Sacramentum

2. Einleitung einer generellen Abkehr vom „Banalen“ und „Alläglichen“ – oder wie ich gern formuliere: Die Messe ist ein ortloser Ort, eine zeitlose ZeitAllerdings wird man davon ausgehen müssen, dass solche Änderungen zuerst in kleinen Schritten erfolgen und von umfassenden Predigtreihen und Katechesen begleitet werden müssen, um den Gläubigen das „neue“ Verständnis nahezubringen. („Allzuviel von dem, was zum Verständnis der Liturgie von mehr als 1500 Jahren erforderlich wäre, wurde den verbliebenen Gläubigen schlecht gemacht und abtrainiert“).

Einige konkrete Vorschläge zur Verbesserung der Lage macht man auf „Summorum Pontificum“ gleich auch noch: Hier eine Auswahl:

– Verankerung der Gebetsrichtung der Messe „zum Herrn“ (ad Dominum), statt als geschlossener Kreis (Priester schaut auf Gemeinde und Gemeinde auf Priester).

– Teile der Messe (wohl zuerst besonders die Hochgebete) auf Latein als „Verfremdungseffekt“ um das Alltägliche herauszufiltern – die Wenigsten werden wohl täglich lateinische Texte hören!

– Abschaffung von Kinderspielen, Mini-Theaterstücken und kruder Selbstdarstellung im Altarraum.

– Nachschulung für aktive Priester in der Theologie des Messopfers.

– Kurse zur Einführung in die Tridentinische Messe zur Verfügung stellen – damit wird erreicht, dass Priester die Kunst der Zelebration (ars celebrandi) erneut lernen und vertiefen. Dadurch erhalten sie eine Formung und Ausbildung, die ihnen auch bei der Feuer der ordentlichen Form behilflich sein wird.

– Außerdem soll dafür Sorge getragen werden, dass Seminaristen nicht mehr von Personen ausgebildet werden, die inhaltlich die derzeitigen Zustände des Liturgiemissbrauchs und der Banalisierung mittragen.

Diese durchweg hilfreichen Vorschläge könnten von Bischof Algermissen, der ja seinen Worten zufolge die Problematik erkannt hat, jederzeit in seinem Bistum Fulda umgesetzt werden. Wir werden sehen ob und, wenn ja, wie er handelt.

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6 Gedanken zu „Nachtrag zu Bischof Algermissen

  1. Das ist alles wahr und richtig was Sie an Vorschlägen aufführen. Ich befürchte allerdings, dass der Widerstand bestimmter kirchensteuerfinanzierter Interessengruppen sehr stark sein wird. Ich spreche hier insbesondere von (verheirateten) Diakonen, Pastoralassistenten (und Pastoralassistentinnen!), „engagierten“ Laien aus den PGR und Kirchenvorständen, die alle etwas zu verlieren haben, wenn der Fokus einer Gemeinde wieder auf die Liturgie als eigentlichen GOTTESdienst liegen sollte und nicht mehr als Gemeinschaftsfeier. Es geht hier um Geld, Einfluss, Selbstdarstellung, Eitelkeit, Geltungssucht. Alles Dinge, die in der postkonziliaren Zeit gerade in der katholischen Kirche in Deutschland über 40 Jahre gepflegt wurden. Ich bin sogar der Überzeugung, dass bestimmte Leute in hohen kirchlichen Ämtern diesen Weg der Protestantisierung der Kirche in vollem Bewusstsein gegangen sind, aus welchen Gründen auch immer. Viele der heutigen Bischöfe sind mitschuldig an dieser Entwicklung, an vorderster Stelle ist hier Kardinal Lehmann zu nennen. Diese Entwicklung jetzt mit „Ausführungsbestimmungen“ von willigen, altgläubigen Bischöfen wieder umzukehren wird so einfach nicht funktionieren. Es ist in der Tat so, dass es in vielen Gemeinden massive Widerstände von bestimmten Gruppen gegen klerikale Erlässe von oben gibt, diese werden einfach nicht mehr akzeptiert. Die Gehirnwäsche über 40 Jahre hinweg zeigt Wirkung, so dass wir de facto ein Schisma in der deutschen katholischen Kirche haben, nur wagt es keiner, es auch so auszusprechen.

    wk1999

    • wk1999,
      da haben Sie Recht. Ich habe in der kurzen Zeit seit meinem Übertritt zur Kirche bereits die entsprechende (schismatische) Erfahrung in meiner Heimatgemeinde gemacht. Absolut kein Interesse an den Bestimmungen von „oben“ – jede Gemeinde eine eigene Kirche: Man könnte sagen, es gibt in Deutschland so viele „katholische Kirchen“ wie es Pfarreien gibt.
      In diesem Zusammenhang (ist der Weg der Verweltlichung mit Absicht gegangen worden?) fällt mir ein Artikel ein, den ich vor kurzem bei Father Longenecker gefunden habe: http://gkupsidedown.blogspot.com/2011/07/dissenting-priests.html. Oft sind es zwar die diversen Laienköche, die den Brei verderben, aber nicht wenige Priester glauben die Lehre der Kirche auch nicht mehr. Der verlinkte Artikel bietet ein mir ungeheuerlich scheinendes Erklärungsmuster für die heutige Situation unter Priestern an. Ist es wirklich so, auch in Deutschland, dass Seminaristen aus den Priesterseminaren „herausgeekelt“ werden, bloß weil sie orthodoxe Katholiken sind? In diesem Fall könnte man sich über gar nichts mehr wundern – vor allem nicht über den praktisch nicht existenten Widerstand gegen die „Reform“-Agenda der Neo-Reformatoren. Und es würde auch zeigen, dass die heutige Situation tatsächlich vorsätzlich herbeigeführt wurde.
      Catocon.

  2. Dass viele Priester nicht mehr die Lehren der Kirche glauben steht für mich außer Frage. Wenn ich da an meine Heimatgemeinde denke, wo der Leib Christi teilweise wie Kartoffelchips behandelt wird (es schüttelt mich, wenn ich an meine Beobachtungen in dieser Hinsicht zurückdenke), ist anzunehmen, dass unser Hochwürden nicht mehr an die Transsubstantiation glaubt, das ist ziemlich offensichtlich. Deshalb kommuniziere ich in meiner Heimatgemeinde auch nicht mehr, weil ich es als nicht mehr gültig betrachte.
    Aber wie Sie schon sagten, jede Gemeinde ist ihre eigene kleine katholische Kirche, der Wildwuchs ist enorm, die Liturgie ein weißes Blatt Papier, das man vollklecksen darf mit knalligen Farben. Warum ist das so? It’s the Novus Ordo, stupid! Es ist ein „systemisches“ Problem sozusagen. Schon allein die Tatsache, dass die Hl.Messe in der Landesprache abgehalten wird ist eines der Grundübel. Jeder kann mitreden bei der Gestaltung, Liturgiekreise der Pfarrgemeinderäte, womöglich noch von den Leuten, die einen Fernkurs beim Deutschen liturgischen Institut absolviert haben. Lehren der Kirche? Liturgievorschriften? Unnötiger Ballast, alter Kram von denen da oben, womöglich noch aus Rom.
    Der Niedergang der Liturgie, hierin liegt das Kernübel der heutigen Krise der Kirche. Wir müssen zurück zur Tridentinischen Messe, darin liegt das Heil und die Zukunft der Kirche. Aber das passt vielen nicht in den Kram, wie ich es in meinem vorherigen Beitrag bereits erwähnte, es gibt viele Interessen von kirchensteuerfinanzierten Leuten, die davon negativ berührt würden. Dass konservative Seminaristen deswegen weggemobbt werden, kann ich mir gut vorstellen.
    wk1999

    P.S.: Übrigens, Ihren Link kann ich nicht öffnen.

    • wk1999,
      warum Sie den Link nicht öffnen können verstehe ich nicht. Bei mir funktioniert er einwandfrei. Hier ist die Webadresse: http://gkupsidedown.blogspot.com/2011/07/dissenting-priests.html
      Ist nicht ein Motto von Father Z „Save the liturgy – save the world“? Scheint den Nagel auf den Kopf zu treffen! Die Frage ist dann nur noch, ob man die neue Messe durch konsequentes Vorgehen gegen Liturgiemissbräuche „retten“ kann, oder eine absolute Rückkehr zur Tridentinischen Messe notwendig ist. Ich persönlich fände ein völliges Zurückrudern auf den Stand von 1962 (mit ganz wenigen, ganz vorsichtigen Veränderungen, allerhöchstens) in liturgischen Fragen gut. Andererseits kann eine gut gefeierte Novus-Ordo-Messe sehr ehrfürchtig und andächtig sein – ich erinnere mich an eine Messe in meiner Heimatgemeinde, Novus Ordo größtenteils auf Latein, mit einem wunderbaren Chor und absolut treuer Einhaltung der liturgischen Normen. (Ja, solche Messen koexistieren bei uns mit Liturgiemissbräuchen wie Laienpredigten!) Mit anderen Worten: Ist die „Reform der Reform“ (wie Papst Benedikt das nennt) der richtige Weg, oder ist sie nicht ausreichend? Ich weiß die Antwort ehrlich gesagt nicht, und vertraue daher unserem Heiligen Vater.
      Catocon.

  3. Ich habe den Link öffnen können. Sehr interessanter Artikel. Bemerkenswert finde ich folgende Stelle:

    „The Bishops and high ranking clergy who thought this was so wonderful obviously had no experience of Protestant congregationalism with its in fighting, bickering and power struggles amongst the laity.“

    Ist das nicht genau das, was wir im Moment in der deutschen katholischen Kirche vielerorts beobachten können. Schauen Sie sich mal dieses Beispiel an:

    http://www.katholiken-am-ennert.de/

    Interessant sind insbesondere die Auseinandersetzungen im Meinungsforum dieser Initiative von „engagierten Christinnen und Christen“. Wenn das die Zukunft des Katholizismus in Deutschland ist, dann sollte man zur Piusbruderschaft übertreten.

    • wk1999,
      ich habe mir die Seite angesehen. Wirklich nicht ansehnlich was da abzulaufen scheint. Ich hoffe, Kardinal Meisner (soweit ich das sehen kann, bei weitem der beste Hirte in Deutschland, aber schon ziemlich alt), besitzt die Kraft, gegen derartige Tendenzen in seinem Bistum entschlossen vorzugehen. Aber der Dialogprozess, der selbst sonst guten Hirten aufgenötigt wird, macht es ihm wohl doppelt schwer.
      Diese Leute erkennen immer noch nicht, dass der „demokratisierte“ Pseudo-Protestantismus nur von dem Erbe zehrt, das er vor fast 500 Jahren aus der Kirche mitgenommen hat. Überall fällt der Protestantismus (gleich welcher Schattierung) in eine bloße weltliche Selbstverehrungsreligion. Das kann eigentlich kein guter Christ auch noch imitieren wollen!
      Catocon.

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