Die Tugend der Dankbarkeit

Ich schaute kürzlich während einer ausgedehnten Periode starken Regens aus dem Fenster. Ich sah ein weißes, dreistöckiges Wohnhaus mit einem dunklen Spitzdach, und dahinter zwei Bäume im Wind. Ihre Zweige und Äste schüttelten und bewegten sich, denn der Wind frischte auf. Plötzlich kam mir in den Sinn, wie wenig wir doch für diese Alltäglichkeiten dankbar sind. Zwei Bäume wiegen sich im Wind. Das ist keine Selbstverständlichkeit, bloß weil wir es tausendmal gesehen haben. Wir glauben, es sei selbstverständlich, dass alles „seinen geordneten Gang geht“, aber das ist eine gefährliche Illusion. Denn so vergessen wir, dass nichts in unserem Leben im strikten Sinne „alltäglich“ ist. Es gibt kein „normales Leben“. Alles ist nur durch den Schöpfungsakt Gottes, alles könnte auch „nicht sein“, denn Gott bedarf der Schöpfung nicht – wir bedürfen ihrer; und Seiner.

Während dieser kurzen Reflektion, oder intuitiven Einsicht, kamen mir die ersten zwei Verse des folgenden kleinen Gedichts in den Sinn, das ich danach verfasste.

Hast heute du dem Herrn gedankt,

dem Herrn von Sturm und Woge,

aus dessen großer Schöpferkraft

all dies einmal entstanden ist,

und ohne ihn verginge?

Hast heute du vorm Herrn gekniet,

dem Herrn von Wind und Regen,

von dessen edler Hand allein

die ganze Welt gefüttert wird,

obgleich sie ihn ermordet?

Hast heute du den Herrn verflucht,

den Herrn von Mensch und Leben,

durch dessen ew’ges Wort allein

du bist und hoffst und schläfst und lebst

als ob es ihn nicht gäbe?

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