Viel Glück – zuviel Glück

„Im Moment kommen die Spannungen in unserer Kirche vor allem daher, dass vor allem konservativ orientierte Strömungen und Gruppen glauben, im Hinblick auf die Sozialgestalt der Kirche, ihr Leben und ihre Ausformungen, bestimmen zu können, was katholisch ist, was kirchlich ist und was außerhalb steht und dann ausgegrenzt wird.“

Soweit der Vorsitzende des Zentralsowjets der deutschen Katholiken. Lassen Sie uns dies ein wenig genauer analysieren:

1. „Unsere Kirche“? Wer sind „wir“? Spricht Herr Glück von sich und Jesus? Von sich allein im majestätischen Plural? Von sich und den anderen Mitgliedern des obersten Sowjets des deutschen National- und Gremienkatholizismus? Es bleibt offen. Nicht sprechen tut er jedenfalls von der Kirche Christi, der katholischen Kirche. Denn sie ist nicht „unsere“ Kirche.

2. Herr Glück beklagt sich bitterlich, dass „konservativ orientierte Strömungen“ bestimmen was katholisch ist und was nicht. Aber „konservativ“ heißt auf Bewahrung ausgerichtet. Und natürlich werden in einer Gesellschaft, die nur das Neue als gut und richtig anzusehen befähigt ist, alle, die die Tradition bewahren wollen, als „konservativ“ gesehen. Doch im Falle der Kirche sind es nicht die üblicherweise dämonisierten „Konservativen“, die bestimmen was katholisch ist, sondern das Lehramt der Kirche, die Päpste über die vielen Jahrhunderte, mit einem Wort: die Überlieferung, die von Jesus über die Apostel bis heute in apostolischer Sukzession erhalten ist Und wer, wie Herrn Glücks Zentralsowjet, wesentliche Teile dieses Lehramtes dem herrschenden provinziell-deutschnationalen Korpsgeist der Gremieneliten opfern will, der ist halt der Natur der Sache nach nicht in Einheit mit Rom. Ubi Petrus, ibi ecclesia.

3. Und was das böse „ausgrenzen“ betrifft, wie seine kleine Schwester die „Diskriminierung“, nun pauschal „Ausgrenzen“ abzulehnen bedeutet die Notwendigkeit der Grenzen zu leugnen. Doch wenn es tatsächlich so etwas wie Wahrheit gibt, dann gibt es notwendig auch so etwas wie Irrtum (nämlich das der Wahrheit widersprechende) – Grundkurs Logik. Doch es liegt am Grunde jedes Christentums, von objektiver Wahrheit überzeugt zu sein – Jesus IST sogar die Wahrheit. Kein Christentum ohne objektive Wahrheit. Keine objektive Wahrheit ohne objektiven Irrtum. Und wenn es sowohl Wahrheit als auch Irrtum gibt, und, wie im Katholizismus, eine Instanz existiert, die Wahrheit von Irrtum scheidet, abgrenzt, dann gibt es nun einmal logisch unausweichlich auch Ausgrenzung – und zwar Ausgrenzung derjenigen, die sich nicht in der Wahrheit, sondern im Irrtum befinden. Dasselbe gilt für Diskriminierung – discriminare bedeutet unterscheiden. Die Unterscheidung von Wahrheit und Irrtum ist notwendig, also wird Irrtum diskriminiert, wann immer die Wahrheit auch nur gesagt wird (wie der Papst es zuweilen zu tun pflegt, und in seinem Gefolge die romtreuen Katholiken, die den werten Herrn Glück so nerven).

Herr Glück wettert hier also nicht gegen die bösen Ausgrenzer, sondern gegen die Lehre der Kirche, die die Ausgrenzer gegen den Widerstand einiger Neo-Reformatoren mit radikal säkularisierten Taufscheinchristen als williger, weil desinteressierter, Basis, ablehnen. Die Kirche wird eben immer ein Zeichen sein, dem widersprochen wird.

Das ganze ist besonders ironisch, wenn man betrachtet, dass Herr Glück in der CSU ist, die sich selbst als christliche Partei versteht (auch wenn man das von ihrer Politik eigentlich nicht behaupten kann). Warum will Herr Glück durch radikale Anpassung an den Geist der Zeit die Kirche zu einem reinen überflüssigen Sozialverein degradieren, getrennt von Rom, getrennt von der Wahrheit, getrennt vom Papst, getrennt von der Tradition der Kirche, und damit letztlich auch getrennt von Gott? So etwas gibt es ja schon und nennt sich „evangelische Kirche“.

Die katholische Kirche in Deutschland hat derzeit einfach Glück – zuviel Glück. Im Geiste der Ökumene und des interreligiösen Dialogs möchte ich unseren FreundInnen und Freund/innen von der evangelisch-lutheranischen Schwester- und Brüdervolkskirche Herrn Alois Glück als Konvertiten empfehlen.

Catocon fordert daher: Weniger Glück – mehr Benedikt!

Respondete!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s