Die Deutsche Nationalkirche

Einige Aktionen, durch die die deutschen Bischöfe sich mehr und mehr in Richtung einer vom Vatikan unabhängigen, dem provinziellen westeuropäischen Zeitgeist verbundenen Nationalkirche begeben. Die Liste ist sicher nicht vollständig. Meine Leser sind eingeladen, sie, sofern ihnen noch mehr einfällt, durch Kommentare zu vervollständigen.

– Der Verrat an Humanae Vitae durch die Königsteiner Erklärung

– Die Würzburger „Räubersynode“ 1971-75

– Die Ausstellung von Darfscheinen zur legalen Tötung der Ungeborenen über viele Jahre sowie das zustimmende Schweigen zur herrschenden Abtreibungspraxis durch die meisten Bischöfe

– Die Weigerung der Korrektur, bzw. Neuübersetzung des Messbuchs, bes. die „pro multis“-Kontroverse

– Die nahezu totale Blockade von Summorum Pontificum

– Die stillschweigende Duldung bzw. offene Förderung häretischen Religionsunterrichts, häretischer Predigten und weitverbreiteten Liturgiemissbrauchs, incl. Interkommunion, Laienpredigt, Messe als Theaterstück usw.

– Die Duldung oder Förderung offen und verdeckt häretischer Priester, Theologen, Gemeindereferenten usw.

– Die Förderung und Stärkung häretischer Gruppierungen wie etwa der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands, dem Zentralrat der deutschen Katholiken usw.

– Die aktuelle „Dialog“-Initiative zur weiteren Schwächung kirchentreuer Kräfte und umfassender Verbrüderung mit oben erwähnten Häresiegruppen – kirchentreue Gruppen werden vom Dialogprozess systematisch ausgeschlossen, um ihnen kein Forum zu geben.

– Das systematische Verschweigen der christlichen Lehre zu allen kontroversen Themen, bes. zum Lebensrecht, zu Ehe und Familie, zum Bußsakrament, zur Realpräsenz Christi in der Eucharistie und allgemein zu theologischen Fragen, die die katholische Kirche von evangelischen Gruppen unterscheiden.

[NACHTRAG 13:40: Laurentius Rhenanius, der auf Superpelliceum bloggt, hat in der Kommentarspalte einige Ergänzungen meiner Liste vorgeschlagen. Hier sind sie:

– bei der Frage der Handkommunion
– den fehlenden Exorzisten für Deutschland (heikles Thema!)
– bei der vornehmen Zurückhaltung die sich von Seiten des Episkopates immer wieder zeigt, wenn der Heilige Vater in der Öffentlichkeit angegriffen wird
– beim Umgang mit Beschwerden von Gläubigen
– bei der Kommentierung und Umsetzung von römischen Entscheidungen ganz allgemein
– der Umgang mit „römischen Abweichlern“ in den eigenen Reihen…

Fällt Ihnen noch mehr ein? Die Liste ist so schon ziemlich schockierend, doch ist es notwendig, den Tatsachen ins Auge zu sehen. Die Mehrzahl der deutschen Bischöfe, darunter der Vorsitzende der Bischofskonferenz, sind nicht oder nur sehr beschränkt lehramtstreu. Und wo die papsttreuen jungen Bischofsanwärter, die in einigen Jahren die Bistümer „übernehmen“ könnten, herkommen sollen, weiß ich auch nicht.

Der Glaube in Deutschland wird wohl noch auf mehrere Generationen hinaus nicht nur in der Gesellschaft Minderheitenmeinung sein, sondern sogar in der Bischofskonferenz. Die modernistischen Strömungen haben zumindest hierzulande einen haushohen Sieg eingefahren. Mir scheint, als ob selbst innerhalb der Kirche in Deutschland katholische Positionen ein elendes Randdasein fristeten. Die Kirche wird am Ende triumphieren – aber wir haben keine Garantie, dass es dann in Deutschland noch Katholiken geben wird (oder dass es überhaupt noch ein Deutschland geben wird).

Bin ich Pessimist? Wahrscheinlich, obschon ich mich eher für einen Realisten halte.

12 Gedanken zu „Die Deutsche Nationalkirche

  1. Wo soll ich anfangen:
    – bei der Frage der Handkommunion
    – den fehlenden Exorzisten für Deutschland (heikles Thema!)
    – bei der vornehmen Zurückhaltung die sich von Seiten des Episkopates immer wieder zeigt, wenn der Heilige Vater in der Öffentlichkeit angegriffen wird
    – beim Umgang mit Beschwerden von Gläubigen
    – bei der Kommentierung und Umsetzung von römischen Entscheidungen ganz allgemein
    – der Umgang mit „römischen Abweichlern“ in den eigenen Reihen…

    • Laurentius,
      danke für den Kommentar!
      Ich gestatte mir, die vorgeschlagenen Ergänzungen als Nachtrag in den Artikel aufzunehmen, um die Übersichtlichkeit der Liste zu gewährleisten.
      Noch einige Anmerkungen zu den aufgezählten Themen:
      – Handkommunion: Obwohl der Papst und sein Liturgiepräfekt Mundkommunion praktizieren bzw. empfehlen, ist das Verhalten der deutschen Bischöfe per se nicht romfeindlich oder abweichlerisch. Die Handkommunion ist nun einmal leider erlaubt. Aber die Art und Weise wie die Mundkommunion praktisch unmöglich gemacht wird deutet schon auf eine romfeindliche Gesinnung.
      – Exorzisten: Gibt es in Deutschland überhaupt Exorzisten? Mit der Frage habe ich mich noch nie befasst. Ich vermute, sie ist deshalb „heikel“, weil sie die Existenz von Dämonen impliziert. Doch lehrt sowohl die scharfe Beobachtung des Bösen in der Welt, als auch die Kirche selbst ihre Existenz, also sollte das doch eigentlich SO heikel nicht sein, oder?
      Catocon.

  2. Nicht dass das als Trost gemeint ist, sondern eher als Warnung, diese anti-römische Einstellung der Bischöfe hat auch in Deutschland seine Tradition und zwar u.a. im „Febrionismus“, einer vom Trierer Weihbischof Nikolaus von Hontheim initiierten „aufklärerischen Reformbewegung“ in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Diese wurde später von Ignaz Heinrich von Wessenberg fortgeführt, der sich während des Wiener Kongress um die Herstellung einer deutsch-katholischen Nationalkirche unter deutschem Primas bemühte. Es wurden schon damals z.B. Forderungen gegen die zölibatäre Lebenform gestellt. Diese Forderungen standen auch in enger Verbindung mit nationalkatholischen Bestrebungen, also der Loslösung von Rom und der Errichtung einer staatsnahen Nationalkirche.

    • Danke, wk 1999, für diesen historischen Hintergrund. Was damals noch aus nationalistischem oder aufklärerischem Eifer heraus betrieben wurde, ist heute auf seine perfide Weise ebenso international, allumfassend, global wie die Kirche selbst – und dabei bloß noch im Geiste der Anpassung an den Zeitgeist gehalten. Selbst die Häretiker haben im Laufe der Jahrhunderte massiv an Qualität eingebüßt! Das macht sie aber alles umso gefährlicher. Das Problem endet eben nicht an den deutschen Grenzen, auch wenn es hier in Deutschland, wie Sie richtig sagen, besonders tiefe
      Wurzeln gibt.

  3. Pingback: Dämonen, Teufel, Exorzisten | Kreuzfährten: Wahrheit statt Mehrheit

  4. Laurentius Rhenanius hat mich in seinem Blog auf die neue Ausgabe des Vatican-Magazins hingewiesen. Ich hatte schon seit längerem die Absicht meine lokale Kirchenzeitung zu kündigen und mir stattdessen ein Abo des Vatican-Magazins zu gönnen. Ich denke, ich werde diesen Schritt nach meinem Urlaub in die Tat umsetzen.
    Die derzeitige Ausgabe enthält einen sehr interessanten und wie immer äußerst lesenswerten Artikel von Martin Mosebach zum Thema deutschkatholische Nationalkirche. Hier ist der Link dazu:

    http://www.vatican-magazin.com/archiv/2011/8-2011/titelthema0811.pdf

    • wk1999,
      vielen Dank für den Link. Ich weiß nicht allzu viel über das Vatican-Magazin, aber die wenigen mit aus diesem Magazin mir bekannten Artikel schienen mir ziemlich solide und von der Grundausrichtung her kirchentreu – was man ja von den diversen Kirchenblättern oft genug nicht behaupten kann…
      Catocon.

  5. Pingback: Erzbischof Robert Zollitsch und die Häresie | Kreuzfährten: Wahrheit statt Mehrheit

  6. Pingback: Dialog und Schisma | Kreuzfährten: Wahrheit statt Mehrheit

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