Treffen mit Piusbruderschaft am Jahrestag von Summorum Pontificum

Die Priesterbruderschaft St. Pius X. ist, wie der Leser sicherlich bereits weiß, derzeit nicht in voller Einheit mit Rom. Die allgemeine Lage ist etwas unklar, zumindest seit der Aufhebung der Exkommunikation der vier Bischöfe der Bruderschaft, die 1988 von Erzbischof Lefèbvre unerlaubt geweiht worden sind. Denn trotz der Aufhebung der Exkommunikationen gibt es derzeit noch keine Einigung über die mögliche kirchenrechtliche Stellung der Bruderschaft, zumal es auch handfeste dogmatische Differenzen zu geben scheint, besonders bei der Religionsfreiheit und dem Ökumenismus.

Nunmehr scheint sich aber vielleicht wieder etwas zu bewegen. Wie Rorate Caeli und kath.net melden, wird es am 14. September 2011, zufällig (?) am vierten Jahrestag von Summorum Pontificum, ein Treffen in Rom zwischen Vertretern des Vatikans den Piusbrüdern geben:

Am Fest Kreuzerhöhung, genau vier Jahre nach dem offiziellen Inkrafttreten des Motz proprio [sic!*] „Summorum Pontificum“ Papst Benedikts XVI. zur „Liberalisierung“ des „Alten Ritus“, werden die Vertreter der FSSPX beim Präfekten der Kongregation für die Glaubenslehre, William J. Kardinal Levada, in Audienz sein, „um das Ergebnis der fast zweijährigen Lehrgespräche zwischen dem Heiligen Stuhl und der Priesterbruderschaft zu erörtern“.

Worum wird es gehen? Vermutlich um die oben angedeutete kirchenrechtliche Situation der Bruderschaft. Das hört sich nun ziemlich trocken an. Doch die Auswirkungen wären immens.

– Eine Infusion von über 500 traditions- und glaubenstreuen katholischen Priestern in einer, in der solche nicht gerade wie Sand am Meer existieren. Denn der Glaube der Piusbruderschaft ist identisch mit dem der vorkonziliaren Kirche. Und wenn Papst Benedikt richtig liegt mit seiner Hermeneutik der Reform in Kontinuität mit der Tradition, und also durch das letzte Kontil keine „neue Kirche“ entstanden ist, wie manche modernistische Vertreter zu glauben scheinen, dann ist der Glaube der vorkonziliaren Kirche derselbe wie derjenige der nachkonziliaren Kirche, weil es dieselbe Kirche ist, und ihr Glaube unveränderlich von Jesus Christus und dem Heiligen Geist stammt.

– Eine Vielzahl vollkommen legitimer Messorte für die „forma extraordinaria“ des römischen Ritus, also für die Tridentinische Messe. Der Besuch einer solchen Messe rückte damit für immer mehr einfache Katholiken in greifbare Nähe. Dies wäre ein großer Schritt auf dem Weg zu einer gegenseitigen Befruchtung der beiden Formen des einen römischen Ritus, die der Papst immer wieder fordert.

– Die verstärkte Präsenz der außerordentlichen Form und traditioneller Priester und Laien verstärkt dann im Laufe der Zeit auch den Druck auf die derzeitigen Neo-Reformatoren, ihren Liturgiemissbrauch und ihre gut verkleideten häretischen Theorien zurückzufahren oder gar einzustellen.

– Das Stigma des „Schismas“, das oft traditionellen Katholiken von interessierter Seite angeheftet ist, verlöre sofort jede auch nur oberflächliche Plausibilität.

– Über 600.000 Laien, die der Bruderschaft (laut ihrer Webseite) anhängen, wären wieder in voller Einheit mit Rom, was für die betroffenen Seelen nur gut sein kann. Der Empfang der Sakramente bei der Piusbruderschaft ist wohl gültig, aber ihre Spendung unerlaubt.

Es gibt sicher noch viele weitere Vorteile einer solchen „Wiedervereinigung“. Es kann nur gut sein, wenn die Piusbrüder wieder in volle Einheit mit Rom zurückkehren. Und sei es nur, um den Pluralismus vieler alternativer, verschiedener Ansichten im innerkirchlichen Dialog zu stärken (das wird den aufgeschlossenen, modernen, pluralistischen Dialogkatholiken ja sicher gefallen…).

So möchte ich mich auch den Gebetsaufforderungen auf Rorate Caeli und der Seite der Piusbruderschaft anschließen und für die Einheit der Kirche unter ihrem Oberhaupt Jesus Christus und seinem sichtbaren Vertreter, dem Bischof von Rom, beten. Speziell bitte ich meine Leser hiermit, an dieser Stelle innezuhalten und ein Gebet für die Normalisierung der Stellung der Piusbruderschaft und der Lösung der Differenzen, die die Piusbrüder vom Vatikan trennen, zu sprechen, damit auf diese Weise die wahre Ökumene, die Einheit aller Gläubigen im Schoß der Kirche, befördert werde.

Sarkastische Abschlussfrage: Sind die Gespräche zwischen Vatikan und Piusbruderschaft so etwas wie die katholische Alternative zum Dialogprozess…?

Nachtrag: Auf den unbemerkt gebliebenen Druckfehler in dem obigen Zitat von kath.net aufmerksam gemacht durch einen Kommentar habe ich mich entschlossen, ihn so stehen zu lassen. Jetzt haben wir motzende Modernisten und auch ein „Motz“ Proprio!

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