Erzbistum Hamburg: Okkultismus ausprobieren?

Das Erzbistum Hamburg hat, wie viele Leser sicher schon gehört haben werden, einen „Okkultismuskoffer“ mit allerlei Anschauungsmaterial zusammengestellt, mit dem man gehörig experimentieren kann, um wichtige Erfahrungen im Rahmen der okkultistischen Tradition zu machen. Schließlich sollen wir ja pluralistisch sein und andere Religionen akzeptieren und kennenlernen und von innen heraus schätzen – auch die Menschen der okkultistischen Tradition sollten nicht länger diskriminiert werden! Zumindest ist das der Tenor der offiziellen Stellungnahme des Erzbistums zum Okkultismusskandal, wie kath.net berichtet. Zitat:

„Zur Veranschaulichung von Riten und Symbolen in den Weltreligionen steht Religionslehrererinnen und Religionslehrern sowie hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in der Pastoral neben den gängigen AV- bzw. Printmedien folgendes Anschauungsmaterial (Materialkoffer) zur kostenlosen Ausleihe bereit“

Und etwas weiter:

Zu einem guten Religionsunterricht gehört, den Schülerinnen und Schüller [sic!] die Kompetenz zu vermitteln, sich in religiösen und ethischen Fragen eine sachgerechte Meinung zu bilden. Dazu zählt neben der Fähigkeit zur rationalen Verantwortung der eigenen Glaubensentscheidung auch die argumentative Auseinandersetzung mit anderen religiösen und ethischen Positionen. Bevor die Schülerinnen und Schüler Argumente zusammenstellen und gewichten können, müssen sie die Position des anderen – auch anschaulich – kennenlernen

Ah, ja. Das Erzbistum Hamburg ist da ziemlich clever. Wir müssen die Position des anderen auch anschaulich kennenlernen? Sollen also Schüler im Religionsunterricht in Zukunft okkulte Rituale durchführen, damit sie so richtig von innen die Mentalität verstehen, die hinter diesen Akten steckt? Nicht, dass uns das noch überraschen könnte. Dasselbe geschieht schließlich an Schulen mehr und mehr mit dem „Sexualunterricht“ auch – praktische Erfahrung statt anatomischem Wissen. Mit der Argumentation des Erzbistums sind auch öffentliche Sexualakte im Biologieunterricht („um die Materie auch anschaulich zu verstehen“) gerechtfertigt.

Und wenn wir dann im Geschichtsunterricht die Menschenopfer der Maya behandeln, dann werden wir auch das wohl anschaulich, von innen, erleben müssen – wen wollen wir dann rituell ermorden?

Wo soll das enden? Die Vorstellung, man müsse bösartige, für Körper und Seele schädliche Praktiken wie sie im Okkultismus üblich sind, selbst erleben und erfahren, ist inzwischen verbreitet genug, dass sie auf der Homepage eines Erzbistums ernsthaft vertreten wird – und man damit sogar rechtfertigt, die Seelen unschuldiger Kinder im Namen des „anschaulichen Verstehens“ in Gefahr zu bringen.

Das alles kann man nur dann überhaupt nachvollziehen, wenn man annimmt, dass im Erzbistum Hamburg nicht mehr die Glaubenswahrheit von der Existenz des absoluten, personalen Bösen – des Satans – geglaubt wird. Okkulte Praktiken sind eine akute Gefahr für die menschliche Seele, und sollten daher niemals, ich wiederhole: NIEMALS, durchgeführt werden. Man sollte sich von dieser Materie lieber vollkommen fernhalten als sie „anschaulich“ durch Experimente verstehen zu wollen.

Doch das Erzbistum rechtfertigt sich ja noch weiter. So heißt es:

Das Erzbistum möchte damit in der kirchlichen Jugendarbeit „vorbeugend“ über die Gefahren von Sekten und Okkultmus aufklären. Der Inhalt der Koffer stehe aber „nicht zur freien Verfügung und zum Experimentieren“. Nur die Lehrer und hauptamtlichen Mitarbeiter könnten diesen ausleihen.

Der Ausleih des Materialkoffers Okkultismus ist ja nur Lehrern und hauptamtlichen Mitarbeitern gestattet – diese sollen dann dafür sorgen, dass den Schülern okkulte Praktiken anschaulich nahegebracht werden, ohne dass diese selbst damit experimentieren müssten. Heißt das, die Lehrer führen die „Experimente“ auf Kosten ihres Seelenheils durch, und die Kinder sollen dabei tatenlos und widerstandslos zusehen? Das ist auch nicht viel besser.

Unter der Annahme der Wahrheit des katholischen Glaubens sind die Ausreden und Beschwichtigungen des Erzbistums nichts weniger als schändlich, vermutlich aber mehr. Die Hirten dieses Bistums dulden dieses Verhalten mindestens, wenn es nicht sogar ihre ausdrückliche oder interne Zustimmung findet. Sie führen damit vorsätzlich oder fahrlässig die ihnen zum Schutze anvertrauten Seelen in den Abgrund. Wir alle wissen, wie Jesus über solche Menschen gedacht hat.

Wir alle sollten für die Seelen dieser Hirten beten, die so etwas dulden oder befürworten. Gottes Gnade sei mit ihnen – sie brauchen sie dringend.

Und was den Rest von uns betrifft – wir sollten uns immer vor Augen halten, dass es diese Hirten sind, oder zumindest solche, die ähnlich denken, die derzeit die katholische Kirche in Deutschland (oder was von ihr übrig ist) führen und lenken. Das sollte uns kalt den Rücken herunter laufen…

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7 Gedanken zu „Erzbistum Hamburg: Okkultismus ausprobieren?

  1. „Zur Veranschaulichung von Riten der römisch-katholischen Kirche steht Religionslehrerinnen und Religionslehrern sowie hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in der Pastoral neben den gängigen AV- bzw. Printmedien folgendes Anschauungsmaterial (Materialkoffer) zur kostenlosen Ausleihe bereit“
    Ach ne, das geht ja nicht!

      • Kleiner Hinweis zur gefälligen Beachtung: Die Medienstelle bietet auch einen Materialkoffer Christentum an. Er enthält u. a. einen Rosenkranz (mit Kruzifix), ein Gotteslob und eine Marienikone.

        [Antwort von Catocon: Aus irgendeinem Grund lässt mich die Blogsoftware auf Deinen Beitrag nicht „normal“ antworten. Daher dieser Notbehelf eines Kommentars direkt im Kommentar.
        Es ist schön zu hören, dass es auch einen solchen Materialkoffer für das Christentum gibt. Meine Reaktion auf Laurentius‘ Kommentar war auch eher scherzhaft gemeint – das kommt natürlich in Schriftform nicht immer so rüber wie man es sich wünscht. Ich denke, dass selbst die Bürokraten der Kirche in Deutschland noch nicht so weit gehen, das Christentum aus der gleichberechtigt nebeneinander stehenden Liste von Weltreligionen AUSZUSCHLIESSEN.]

  2. Die Aussagen des Erzbistums, die du zitierst, sind offener. Die Interpretation, die du ihnen gibst, ist nicht zwingend.

    Der Material umfasst: einen Satz Steinchen mit je einer eingravierten Rune, eine Planchette mit Buchstabierunterlage, ein Pendel, einen Satz Tarokarten, eine Glaskugel, ein Tüchlein mit aufgedrucktem Pentagramm und etwas Literatur. Das ist eine vergleichsweise biedere Ausstattung.

    Meines Wissens drängt das Erzbistum seine Lehrer nicht dazu, unbedingt eine Stunde zu Okkultismus zu halten. Andererseits wäre es aber auch nicht schlecht, Jugendliche, die in der Regel von weitaus unberufener Seite mit dem Thema in Kontakt kommen, mit den Tricks des Okkultismus so bekannt zu machen, dass sie sie im Leben leichter durchschauen können. Dabei kann es durchaus sinnvoll sein, die Tricks, die man z. B. mit einem Pendel veranstalten kann, auch mal vorzuführen, damit klar wird, wie einfach mit diesem Handwerkszeug manipuliert werden kann.

    Der Materialkoffer steht auch nicht kontextlos da, sondern er ist eingebettet in unterstützende Buch- und Filmangebote und wird durch den Religionslehrer eingesetzt. Das wird aus dem Rest des Textes der Medienstelle deutlich:

    »Mit diesem Angebot möchten wir dazu beitragen, dass im Religionsunterricht und in der kirchlichen Jugendarbeit vorbeugend über die Gefahren von Sekten und Okkultismus aufgeklärt werden kann. Keineswegs handelt es sich dabei um frei verfügbares Spiel- oder Experimentiermaterial für Kinder und Jugendliche.«

    Auch wenn ich solchen kirchlichen Verwaltungsstrukturen gegenüber ein gerüttelt Maß an Vorsicht für sinnvoll halte, meine ich, dass deine Interpretation dem Sachverhalt nicht ganz gerecht wird.

    • Ultramontanus,
      In der Tat „kann“ man die Aussagen des Erzbistums auch anders interpretieren, doch selbst die von Dir vorgeschlagene Interpretation (die zugegebenermaßen ebenfalls möglich erscheint) ist nach wie vor gegenüber meiner Kritik offen. Denn selbst wenn man annimmt, es gehe darum, okkulte Praktiken nur probehalber durchzuführen, um aufzuzeigen, wo die Tricks liegen, und den Schülern damit die Möglichkeit zu geben, derartige Praktiken in der Zukunft zu durchschauen, dann ginge man immer noch von der Nichtexistenz tatsächlich existierender und reagierender bösartiger Mäche aus. Man leugnet dann immer noch das übernatürliche Böse, oder geht zumindest sehr sorglos damit um.
      Denn das ist ja die wahre Gefahr beim Okkultismus. Um nur als Beispiel die Tarotkarten zu nehmen. Ja, man kann damit Tricks veranstalten – und oft, vielleicht sogar meistens, handelt es sich auch nicht um mehr. Doch derartige okkulte Praktiken sind eben auch dann nicht harmlos, wenn sie nur der Exposition von Tricks dienen. Denn es gibt in diesem Sektor nicht nur Tricks, sondern auch wirklich existierende übernatürliche Mächte, für deren Einfluss man Schulkinder (und auch ihre Lehrer) besser nicht öffnen sollte.
      Natürlich habe ich die beiliegende Literatur nicht gelesen. Aber es würde mich doch sehr wundern, wenn dort auf die ernsthaften Gefahren des Okkultismus eingegangen würde. Man hört weder von den Kanzeln noch in diversen Publikationen der Kirche in Deutschland allzu viel über die realen Gefahren des Umgangs mit solchen Praktiken – und diese Gefahren bestehen eben nicht darin, dass Jugendliche vielleicht Tricks nicht durchschauen können, sondern in der sehr realen Bedrohung durch den Bösen.

  3. Kleine Korrektur: Für die Menschenopfer waren die Azteken verantwortlich, nicht die Maya. Das wird hier in Deutschland immer durcheinandergeworfen.

    • So lernt man täglich etwas dazu. Ich dachte immer, die mittelamerikanischen Völker hätten mehr oder weniger alle Menschenopfer praktiziert, aber ich kenne mich mit mittelamerikanischer Geschichte auch nicht aus.

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