Laienhafte Betrachtungen

Als Konvertit höre ich derzeit in der Sonntagsmesse das jeweilige Evangelium erstmals im Kontext eines Gottesdienstes. Meine erste Sonntagsmesse war im Oktober 2010, und meine zweite das Christkönigsfest im letzten Jahr. Ich bin nicht mit der Bibel aufgewachsen, es sei denn um sie und alle, die an sie glaubten, lächerlich zu machen. Die Lesungen und sogar die meisten der Geschichten und Gleichnisse sind mir daher weitgehend neu. Zwar habe ich in den Monaten seit meinem Übertritt und auch schon in der Orientierungsphase davor sehr viel über die Bibel und auch in der Bibel gelesen, doch ein achtjähriges Kind, das im Glauben geboren und erzogen worden ist, wird mehr über die Heilige Schrift wissen als ich.

Daher bin ich nicht nur im kirchenrechtlichen Sinne ein Laie, sondern  was meine Bibelfestigkeit betrifft auch im umgangssprachlichen Sinne. Aus diesem Grund habe ich mich dazu entschlossen, in Zukunft jeweils für die Sonntagsmesse mich zusätzlich zum eigentlichen Messbesuch noch mit den für diesen Tag ausgewählten Lesungen, besonders dem Evangelium, zu beschäftigen. Das Resultat dieser Beschäftigung, meine laienhaften Betrachtungen, werde ich hier auch veröffentlichen, wenn ich die Zeit finde, sie in einen leserlichen Text zu gießen.

Es handelt sich natürlich nur um meine persönlichen Reflektionen über die jeweiligen Texte, und in keiner Weise um irgendeine offizielle oder kirchliche Interpretation. Ich bin sicher, der aufmerksame Leser wird mehr als einen theologischen Irrtum und viele nicht haltbare Auslegungen finden (dann bitte ich um einen Kommentar – ich möchte dazulernen!).

Der Zweck dieser Artikelreihe – Laienhafte Betrachtungen – ist also zweifach: Erstens möchte ich meinen biblischen Kenntnisstand aufbessern und zweitens der weiteren Blogosphäre die persönliche Perspektive eines Konvertiten auf die Texte zur Verfügung stellen, die die meisten katholischen Leser wahrscheinlich schon oft gehört und gelesen haben. Vielleicht findet sich ja trotzdem er eine oder andere sinnvolle und für meine Leser hilfreiche Gedanke darin.

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12 Gedanken zu „Laienhafte Betrachtungen

  1. Leg los, und keine Angst vor angeblichen Fehlern. Ich freue mich schon drauf.

    Du hast den Vorteil in gewisser Weise „unbelastet“ in eine Auslegung zu schreiben. Das wird uns bestimmt einige frische und neue Blickwinkel verschaffen.

    • Ultramontanus,
      ich bin mir nicht ganz sicher, ob Dein Kommentar ernst gemeint ist oder nicht. Es geht mir ganz sicher nicht darum, hier eine „freie Bibelauslegung“ unabhängig von Lehramt und Tradition vorzustellen. Und was die „protestantische Kernkompetenz“ betrifft, so bin ich davon überzeugt, dass das nicht der Fall ist. Katholiken können jederzeit auch ihre Bibel in die Hand nehmen, darin lesen und darüber reflektieren. Auch steht es nicht dem Katholizismus entgegen, das Ergebnis dieser Reflektionen aufzuschreiben und anderen zugänglich zu machen. Ich fordere daher jeden Leser dazu auf mich durch Kommentare in Kenntnis zu setzen, wenn er Stellen findet, an denen meine „Laienhaften Betrachtungen“ von der Lehre der Kirche abweichen, damit ich dazulernen kann.
      Übrigens ist Bibelkenntnis im Gepräch mit ernsthaften Protestanten tatsächlich sehr nützlich – vor allem, wenn man von der Rückkehr in den Schoß der Heiligen Mutter Kirche überzeugen will. Derartige Bibelkenntnis entsteht aber nur durch die Beschäftigung mit den Texten der Heiligen Schrift.
      Wenn Dein Kommentar nicht ernst gemeint gewesen sein sollte, dann ignoriere einfach die vorstehenden Ausführungen.

  2. Catocon, ich möchte hierzu eine Empfehlung aussprechen. Ich habe im Zuge meiner eigenen Läuterung hin zum traditionellen Katholizismus über den alten Schott von 1962 (Bezugsquelle: http://shop.sarto-verlag.de/product_info.php?info=p780_Schott-1962–Roemisches-Messbuch.html&XTCsid=7ca8b1510017c8c8bccf367eff4ee170) den alten Kirchenkalender kennengelernt. Was die traditionellen Priestergemeinschaften anbetrifft, wird der alte Kirchenkalender noch weiterhin befolgt. Mir ist aufgefallen, dass es dort viele kirchliche Festtage gibt, die im neuen Kirchenkalender nicht mehr gefeiert werden, obwohl es hierzu vielfach eine zwingende Logik im Ablauf des Kirchenkalenders gibt. Ein Beispiel hierfür sind die Festtage der Vorfasten zeit (Septuagesima, Sexagesima, Quinquagesima), die es nach dem postkonziliaren Kirchenkalender nicht mehr gibt. Meiner Ansicht nach ist der Reichtum des alten Kirchenkalenders durch die Fülle der Tradition viel größer als im neuen. Das bezieht sich natürlich auch auf die Epistulae und die Evangelien.
    Hier ist noch ein Link zum Institut Philip Neri in Berlin mit einem Kirchen- und Heiligenkalender, das vielleicht ein guter Einstieg ist.

    http://www.institut-philipp-neri.de/katholisch/die-heiligen/kalender/289-heiligenkalender-i

    Wichtig ist aber der Schott von 1962, insbesondere wenn man eine Hl. Messe im tridentinischen Ritus vorzieht.

    wk1999

    • wk1999, der Heiligenkalender war mir unbekannt und ist tatsächlich sehr gut. Ich werde ihn gleich in der linken Seitenleiste verlinken. Der Schott von 1962 ruht seit einigen Monaten bei mir im Schrank – auch er ist ein unverzichtbares Werk für einen traditionellen Katholiken.
      Was die Unterschiedlichkeit des Kirchenkalenders betrifft, so ist tatsächlich die Versuchung für mein kleines Bibelprojekt groß, die Lesungen aus dem Tridentinischen Ritus zu nehmen, da ich oft gehört habe, die Auswahl sei einfach prägnanter. Aus zwei Gründen habe ich mich dazu durchgerungen, vorerst bei den Lesungen aus der Neuen Messe zu bleiben:
      1. Die überwältigende Mehrzahl der Katholiken besucht (leider) entweder gar keine oder eine Novus-Ordo-Messe.
      2. Auch ich bin derzeit dazu gezwungen (zumindest ist die Messe, die ich besuche, zweifelsfrei gültig, da sie in 99% der Fälle ohne eklatante liturgische Missbräuche auskommt).
      Eine Beschäftigung mit den Lesungen aus der Neuen Messe ist daher angebracht, zumindest bis der Vatikan sich endlich mit den Piusbrüdern einigt.

  3. Catocon, aus Ihrer persönlichen Lage heraus habe ich Verständnis für Ihre Position, sozusagen aus pragmatischen Erwägungen. Ich selbst orientiere mich mittlerweile ausschließlich nach dem alten Kirchenkalender. Ich habe hier noch einen weiteren Artikel in summorum-pontificum.de, der die Thematik Kirchenjahr vor- und nachkonziliar aufgreift. Der Autor bezieht sich hier auf ein Buch von Dom Prosper Guéranger „Das Kirchenjahr“ am Beispiel der Vorfastenzeit. Eine sehr interessante und tiefe Betrachtung. Auch hier wird wieder der Verlust deutlich, den die Kirche in nachkonziliarer Zeit erlitten hat. Vielleicht sollten Sie Ihre Entscheidung nochmals überdenken.

    Beste Grüße, wk1999

    • wk1999, ich finde es schön, dass Sie einen solchen Artikel hier haben, aber hätten Sie bitte die Güte ihn auch zu verlinken, damit ich ihn lesen kann?
      Vielen Dank.
      Catocon
      Nachtrag: Ich habe Ihren nachgereichten Link gerade gesehen und werde mich jetzt ans Lesen machen.

    • wk1999, ich habe jetzt den Artikel gelesen. Sehr interessant und informativ. Er bestärkt mich in meiner Überzeugung, dass eine Rückkehr zum alten Aufbau des liturgischen Jahres angemessen wäre. Solange ich allerdings gezwungen bin, weiterhin eine Novus-Ordo-Messe zu besuchen, werde ich auch mein Bibelprojekt an den dort stattfindenden Lesungen ausrichten. Immerhin stammen auch die in der Neuen Messe gelesenen Texte aus der Heiligen Schrift und sind daher das Wort Gottes.
      Vielen Dank für die diversen Links!
      Catocon.

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