Beten für Fellay

Heute ist es soweit: Das lange antizipierte Treffen zwischen hochrangigen Vertretern des Vatikan und der Piusbruderschaft im Rahmen eines wirklich bedeutsamen Dialogprozesses wird heute stattfinden. Was wurde nicht alles spekuliert! Der Vatikan wolle den Piusbrüdern eine Personalprälatur anbieten, nach dem Vorbild von Opus Dei. Andere wollten erfahren haben, ein Ordinariat nach dem Vorbild von Anglicanorum Coetibus stehe den Piusbrüdern ins Haus. Die Spekulationen über eventuelle Spaltungen innerhalb der Bruderschaft zwischen Fellay und Williamson, zwischen Anhängern einer Einigung und quasi-sedevakantistischen Gegnern wollten nicht abreißen.

Die Versuchung sich an diesen Spekulationen zu beteiligen war für viele sehr groß, und einige sind ihr erlegen. Gestern nun, am 13. September, fand ich diesen Text in englischer Sprache, der abermals zu wissen behauptete, was denn genau bei dem Treffen geschehen werde.

Im Gegensatz zu so mancher Spekulation erscheint mir diese Quelle schon eher vertrauenswürdig – Andrea Tornielli ist oft ganz gut informiert – doch ich bleibe bei meinem Aufruf: Beten statt spekulieren!

Und deswegen möchte ich an dieser Stelle alle Katholiken, ob sie Anhänger der neuen oder der alten Messform sind, ob sie bisher eher skeptisch gegenüber der Piusbruderschaft waren, oder schon lange die Regularisierung herbeigesehnt haben, darum bitten, am heutigen Tag für alle Beteiligten, besonders für Bischof Fellay, auf dem nun die Hauptlast zu liegen scheint, zu beten. Ich denke, dass wir uns in einer entscheidenen Phase befinden. Father Z spricht oft von einem Marshall-Plan, den Papst Benedikt für die Kirche hat, einen Plan, durch den die Kirche – besonders in Europa – wieder gestärkt werden kann.

In diesem Plan wäre dann die Rückkehr von fast 500 traditionellen katholischen Priestern, die alle Dogmen der Kirche anerkennen und vorbehaltlos auch in der Öffentlichkeit vertreten, in den Schoß der vollen Gemeinschaft mit der heiligen Mutter Kirche so etwas wie die Luftbrücke über Berlin. Die Kirche in Deutschland und im ganzen Westen befindet sich quasi in einem Belagerungszustand. Die Mächte der Weltlichkeit haben fast alle Bastionen eingenommen und selbst in der Kirche sind viele noch vor 50 Jahren uneinnehmbar geglaubte Festungen gefallen – in der Liturgie, in der Volksfrömmigkeit und im praktischen Glauben vieler einfacher Katholiken, Priester und teils sogar Bischöfe.

Wenn die Informationen aus dem oben verlinkten Artikel stimmen, dann wird Bischof Fellay heute ein zweiseitiges Dokument in die Hand bekommen, in dem sich die Zusammenfassung der vom Vatikan vertretenen Positionen zu den theologischen Streitfragen mit der Piusbruderschaft befinden. Die Zustimmung zu den dort beschriebenen Positionen sei, soweit Tornielli, Voraussetzung für eine Rückkehr in volle Gemeinschaft mit der katholischen Kirche.

Was allerdings auf diesen zwei Seiten steht, weiß er nicht, ich weiß es nicht, keiner weiß es im Moment.

Aus Torniellis Artikel geht ferner hervor, dass das Angebot wohl praktisch unverhandelbar ist. Fellay dürfe sich Bedenkzeit ausbitten, er dürfe auch um Klarstellungen einzelner Punkte ersuchen, aber die Piusbruderschaft werde schließlich dieses Papier so annehmen müssen, oder sich gegen eine Einigung mit Rom aussprechen.

Wie gesagt, ob das alles stimmt, weiß derzeit niemand außerhalb eines sehr engen Zirkels in Rom – und in dem Zirkel spricht derzeit niemand darüber.

Wir werden also einfach warten müssen – warten und beten, denn die Piusbruderschaft wäre aus so vielen wichtigen Gründen eine Bereicherung für die ganze Kirche.

Ich hoffe und bete, dass der Vatikan den Piusbrüdern ein annehmbares Angebot macht, das weiterhin die nötige schwere Kritik an einigen Passagen der Konzilstexte und erst recht ihrer gängigen Auslegungen ermöglicht, und das, ganz wichtig, die Bruderschaft nicht unter die Oberhoheit der Ortsbischöfe stellt, was hier in Deutschland ein Desaster wäre.

Ich hoffe und bete, dass Bischof Fellay und die anderen an einer Einigung interessierten Kräfte in der Piusbruderschaft sich gegen die Obstruktionisten durchsetzen können, und das oben erwähnte vernünftige Angebot des Vatikans ohne großes Zögern akzeptieren, ohne Wenn und Aber in den Schoß der Kirche zurückkehren, um ihre gedeihliche Arbeit der letzten Jahre und Jahrzehnte nunmehr ohne Zweifel an ihrem Status in der Kirche mit dem vollen Segen Petri fortzuführen.

Und mit einer kleinen Lachfalte im Mundwinkel hoffe und bete ich für den Fall einer Einigung zwischen der Bruderschaft und dem Vatikan, dass die lieben FreundInnen von Non Serviam Wir Sind Kirche das Erlebnis gut überstehen und sich mit den dann entstehenden neuen Verhältnissen gut arrangieren…

Außerdem hoffe ich, dass sich viele diesem Gebet anschließen werden, alle Beteiligten werden es brauchen.

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2 Gedanken zu „Beten für Fellay

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