Thesen zur traditionellen Messe (2)

These: Es gibt faktisch drei Formen des Römischen Ritus: Die Außerordentliche, die Ordentliche, und die Unordentliche Form.

Die ersten zwei Formen sind offiziell von Rom approbierte gültige Messen. In ihnen findet wirklich eine Wandlung statt, und sie können von Gläubigen generell ohne Nachteil (und oft mit signifikantem Vorteil) besucht werden.

Die Außerordentliche Form ist die traditionelle Messe. Ihr Aufbau und ihr Ablauf sind klar und eindeutig festgelegt. Sie hat sich über die Jahrhunderte als exzellente geistliche Nahrung vieler Heiliger auf dem Weg durch das irdische Jammertal bewährt. Manche kritisieren die vielen Heiligsprechungen unter Johannes Paul II. Aber fast alle dieser neuen Heiligen hatten eines gemeinsam: Sie waren mit der traditionellen Messe aufgewachsen, und die meisten hatten nie eine andere gekannt. Wer wissen will, was bei der Außerordentlichen Form vor sich geht, der kann, selbst wenn er des Lateinischen nicht mächtig ist, jederzeit alle notwendigen Informationen in deutscher Sprache sowie sehr gute deutsche Übersetzungen der lateinischen Messtexte in Volksmessbüchern wie dem Schott finden (die inzwischen auch wieder neu erhältlich sind). Dort finden sich auch klare und verständliche Erklärungen zur Bedeutung vieler Riten und Feste. Das alte Argument, man könne also die Messe auf Latein gar nicht verstehen ist damit, wenn es je etwas anderes als eine Schutzbehauptung gewesen sein sollte, heute vollends hinfällig. Kostenlose, theologisch akkurate und allgemeinverständliche Erläuterungen zu den Riten und Formen sind jederzeit erhältlich, etwa hier.

Leider wird sie nach wie vor selten gefeiert, da sie von den Anhängern der anderen beiden Formen oft als veraltet abgelehnt wird. Manche möchten eben keine gut verständliche Messe, die den einfachen Gläubigen aus dem modernen Alltag in ein tiefes göttliches Mysterium einführt, sondern ein Wegwerfprodukt, dass man jeden Tag „neu machen“ kann. Also wendet man sich, je nach Geschmacksrichtung, überwiegend den anderen Formen zu.

Die unordentliche Form des Römischen Ritus ist die heute wohl häufigste Form. In fast allen Gemeinden kommt sie in der einen oder anderen Spielart vor. Und das tollste ist, es ist die Mitmach-Messe. Jeder kann am Altar seine persönlichen Talente vorführen, besonders wenn er keine hat. Alle haben Spaß und alle Teilnehmer freuen sich, dass sie wieder einmal den langen beschwerlichen Weg vom Altenheim zur Kapelle geschafft haben. Menschen unter 60 gehen generell gar nicht mehr zur unordentlichen Form (außer sie sind Messdiener oder Kommunionkinder), da sie „von Kirche“ den Schnauzbart voll haben, um das einmal zart auszudrücken. Es ist umstritten, ob der allmächtige Gott diese unordentliche Form überhaupt als Gottesdienst zu erkennen vermag – also weiß man auch nicht, ob dort wirklich eine Wandlung stattfindet. Wer nicht Gefahr laufen möchte, ein bloßes Stück Brot als den lebendigen Herrn zu verehren, der möge an solchen Messen nicht teilnehmen, oder wenigstens nicht kommunizieren (außer per Handy).

Die theologische Dokumentation dieser Form der Messe ist nicht allzu ausgeprägt, da es generell keinen theologischen Inhalt zu dokumentieren gäbe, außer, dass wir heute alle wieder Spaß haben wollen, bevor wir unser Gebiss einweichen gehen.

Die ordentliche Form des römischen Ritus ist ziemlich selten und schwer zu finden. Sie ähnelt der außerordentlichen Form insofern als sie eine gültige, von Rom promulgierte Messe darstellt, deren Mitfeier (einschließlich Kommunion) ungefährlich und sogar empfehlenswert ist. Wer das Glück hat, regelmäßig eine strikt nach den Vorgaben aus Rom gefeierte Messe in der ordentlichen Form besuchen zu können, der gehört wahrscheinlich heute einer privilegierten Minderheit an. In einer anderen Folge der Thesen über die traditionelle Messe werde ich mich vielleicht einmal dazu äußern, welche Form warum besser ist – die ordentliche oder die außerordentliche. Zu denken geben sollte aber schon hier, dass die ordentliche Form gerade dann am besten und theologisch gehaltvollsten gefeiert werden kann, wenn sie möglichst nahe an der außerordentlichen Form ist.

Der wesentliche Platz, der laut dem letzten Konzil dem gregorianischen Gesang zugebilligt werden sollte, die theologisch verfälschungssichere lateinische Originalsprache, die Wendung des Priesters zum Herrn statt zur Gemeinde usw. sind jeweils Annäherungen an die traditionelle Messe. Doch hier soll es nicht darum gehen, diese beiden Formen gegeneinander auszuspielen.

Sowohl die außerordentliche als auch die ordentliche Form des römischen Ritus sind wirkliche Messen. Die unordentliche Form ist nur eine besonders lange und peinliche Form der Selbstdarstellung auf Kosten der Würde aller Beteiligten.

Anhänger beider offiziell approbierter Formen des römischen Ritus sollten sich darauf einigen können, dass zuerst die unordentliche Form wegrationalisiert werden muss. Ob die ordentliche Form, wenn sie ehrfürchtig zelebriert wird, dann noch einer erneuten Überarbeitung bedarf (zumindest im lateinischen Original, von der Übersetzung schweige ich vornehm), kann erst einmal dahingestellt bleiben, auch wenn jeder dazu eine dezidierte Meinung haben wird (den Autor dieses Artikels nicht ausgenommen).

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2 Gedanken zu „Thesen zur traditionellen Messe (2)

  1. Der einzige Ort in Deutschland, an dem ich eine Hl. Messe in der ordentlichen Form, nämlich unter Verwendung einer Kommunionpatene, erlebt habe, war Maria Vesperbild. Sind weitere Orte bekannt?
    Der Sache nach ist die Satire richtig. Die ganze Angelegenheit ist für mich aber zu traurig, als dass ich darüber lachen könnte.

    • Ich kenne auch keine weiteren Orte, wo die ordentliche Form wirklich nach allen liturgischen Regeln und unter Beachtung der nötigen Sorgfalt im Umgang mit dem Leib unseres Herrn gefeiert wird. Eigentlich finde ich diese Situation auch nicht gerade lustig, aber der Teufel verträgt keinen Spott über seine Werke…

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