Zur Tötung der Unschuldigen in Liechtenstein

In Liechtenstein bleibt Abtreibung (vorerst) verboten, zumindest wenn die Mehrheit der Bevölkerung ihren Willen bekommt. So stimmten kürzlich gut 52% gegen eine Legalisierung der Tötung Unschuldiger in dem kleinen Fürstentum während der ersten zwölf Monate des Lebens der Unschuldigen. Doch die Abtreibungslobby, der ja nur noch zwei Prozent am Sieg über das Lebensrecht fehlen, ruht nicht. Bereits jetzt debattieren die Abtreibungslobbyisten in Liechtenstein über einen neuen Angriff auf das Lebensrecht – die Abtreibung soll in Liechtenstein verboten werden, aber nicht, wenn eine Person aus Liechtenstein im Ausland abtreibt.

Damit wäre aber das Lebensrecht in seinen Grundfesten verloren. Denn offensichtlich kann es nicht am Aufenthaltsort der Schwangeren liegen, ob die Tötung ihres Kindes zulässig ist. Wenn also Abtreibung im Ausland zulässig ist, auch für Liechtensteiner, dann muss sie offenbar auch im Inland gestattet werden. Sollte diese in Liechtenstein derzeit diskutierte Regelung sich durchsetzen, so wäre der endgültige Fall des grundlegendsten aller menschlichen Grundrechte nur noch eine Sache weniger Jahre. Die Gegner des Lebensrechts hätten die wesentliche Debatte bereits gewonnen, denn wenn die Tötung der Unschuldigen wirklich falsch ist, dann bleibt sie auch im Ausland falsch. Strafrecht gilt aber für Liechtensteiner im In- und Ausland; also muss man Abtreibung entweder sowohl im In- als auch im Ausland bestrafen, oder gar nicht.

Doch für Deutsche muss die derzeitige Debatte in Liechtenstein geradezu als ein Luxusproblem erscheinen. Denn hierzulande werden jährlich über 110000 unschuldige Kinder vorgeburtlich getötet, mehr als 95% davon aus offenbar niederen Motiven, etwa weil das Kind gerade nicht passt, oder man glaubt, den schon vorhandenen Kindern weniger dekadenten Luxus ermöglichen zu können (selbst der mittlere Hartz IV-Empfänger hat schlicht verglichen mit 90% der Weltbevölkerung, und selbst mit seinen Großeltern um 1950, schlicht ein Luxusleben, auch wenn es unpopulär ist, davon zu sprechen). Doch die Tötung der Unschuldigen liegt in der Dunkelziffer weit höher. Nicht alle Abtreibungen werden gemeldet, und die zuständigen Instanzen haben nicht das geringste Interesse an einer scharfen Durchsetzung einer Meldepflicht. Ferner wirken hormonelle Verhütungsmittel, besonders die sogenannte „Anti-Baby-Pille“ oft frühabtreibend. Manche schätzen, dass durch derartige Wege weitere 200000 Abtreibungen jährlich stattfinden. Doch die genaue Zahl ist unmöglich festzustellen.

Liechtenstein hat noch nicht denselben Grad elementarer moralischer Verrohung erreicht wie Deutschland. Doch fällt das grundlegende Verbot der Tötung Unschuldiger, so ist der weitere Verfall nur noch eine Frage der Zeit.

Diese moralische Verrohung ist nicht so sehr die Folge direkter Unmoral. Vielmehr sind moralische Kategorien komplett aus dem öffentlichen und privaten Bewusstsein der Menschen verschwunden. Mehrheitlich sind die Deutschen für die legale Tötung der Unschuldigen, ob durch Abtreibung, Euthanasie, embryonaler Stammzellenforschung oder auf anderem Wege. Doch diese Mehrheiten sind nicht verhärtete Menschenhasser im Blutrausch – sie sind nicht unmoralisch – sondern schlicht abgestumpft. In Familien, in Kirchen, im Bildungssystem, in den Medien gibt es keinerlei moralische Komponente mehr. Familien, sofern sie überhaupt noch existieren, sind private Spaßvereinigungen ohne moralische Dimension. Alles ist Familie, von Lebensgefährten bis Homosexuellen. Moralische Grenzen sind Vergangenheit. In der Kirche hört man wenig von Moral, wesentlich mehr von Spaß und Lust und Laune, zuweilen auch von direkt sozialrevolutionären, latent marxistischen Ambitionen. Kirchliche Vereinigungen orientieren sich nicht mehr an christlicher Moral, sondern wahlweise an linksextremistischen politischen Zielen, dem Zeitgeist, oder dem Geldbeutel. Das Bildungssystem versucht bloß noch berufsnützliche Kenntnisse zu vermitteln (es scheitert selbst dabei kläglich), und hat nur in einem Punkt Erfolg: Es treibt der großen Mehrheit der Schüler alle Spuren moralischer Orientierung aus, die Eltern und Kirche vielleicht noch aufbauen konnten, indem es Moral durch das Gift der Politischen Korrektheit und Wahrheit durch Toleranz um jeden Preis ersetzt. Die Medien tun ebenfalls ihren Teil, der nicht mehr mit höflichen Worten zu umschreiben ist.

In dieser toxischen Wolke verlieren Menschen nicht so sehr ihre Moral und ihr Gewissen als die Fähigkeit überhaupt in moralischen Kategorien zu denken. Sie sind nicht unmoralisch, indem sie sich gegen die moralischen Normen entscheiden, sondern indem sie weder moralische Normen noch ihr Gegenteil kennen.

Der moderne, verweltlichte Mensch kann nicht einmal mehr so richtig sündigen, weil ihm dazu das Bewusstsein fehlt. Objektiv sind seine Handlungen himmelschreiende Sünden, doch wie verantwortlich ist jemand für seine Sünden, der in einer Gesellschaft lebt, in der abgesehen von Mülltrennung und Atomausstieg moralisch nichts mehr von Bedeutung ist?

Übertreibe ich? Vielleicht. Mit Sicherheit gibt es noch Ecken in Deutschland, in denen moralische Wahrheiten noch erhalten sind. Es gibt auch einige einzelne Menschen, die versuchen nach diesen Wahrheiten zu leben. Doch in der öffentlichen Wahrnehmung kommen sie einfach nicht vor. Und da die breite Mehrheit der Menschen immer schon nicht nach abstrakten manipulationsresistenten Prinzipien gehandelt hat, sondern von Medien, Umgebung, Familie, Ausbildung usw. beeinflusst worden ist, kommen sie auch in der privaten Wahrnehmung der breiten Mehrheit der Menschen nicht mehr vor.

Solange es nicht breite gesellschaftliche Strömungen gibt, die in diesem Punkt gegensteuern, die der Diktatur des Relativismus den Garaus machen, wird sich in Deutschland nichts ändern. Gegen die breite Mehrheit kann keine Staatsform dauerhaft bestehen, nicht einmal eine Militärdiktatur oder eine Monarchie. Eine Rückkehr zu nicht einmal christlichen, sondern allgemein menschlichen, mit den Mitteln der bloßen Vernunft erkenntbaren moralischen Normen wird daher nur durch große, einflussreiche Institutionen möglich sein – die einzige Institution, die aber diese allgemein vernünftigen Normen noch verteidigt, und zugleich über den nötigen Einfluss verfügt, ist die katholische Kirche.

Solange diese sich nicht nur in Rom, sondern auch durch Bischöfe, Priester und Laien in allen möglichen kirchlichen und außerkirchlichen Tätigkeitsfeldern, entschlossen und ohne Zweideutigkeit zu diesem natürlichen moralischen Gesetz bekennt, wird sich nichts ändern. Auch das Verbot der Tötung Unschuldiger in jedem Stadium ihres Lebens – von der Befruchtung bis zum natürlichen Tod – wird erst wieder gesetzlich anerkannt und gesellschaftlich wenigstens im Großen und Ganzen umgesetzt werden, wenn vorher eine allgemeine Umkehr, eine Rückkehr zu den Grundfesten der natürlichen moralischen Normen eingetreten ist.

Doch dafür gibt es derzeit keine Anzeichen. Die knapp 2000 Tapferen in Berlin sind für ihre Entschlossenheit zu loben, doch ein Hoffnungszeichen sind sie nicht. Vielleicht ein Lebenszeichen, aber nicht mehr.

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