Kardinal Schönborn: Weder Ungehorsam noch Konsequenz

Seit Monaten schwelt in Österreich bereits das Schisma. Hunderte Priester haben sich in der sogenannten „Pfarrer-Initiative“ zusammengeschlossen, eine Erklärung geschrieben, die unter dem Namen „Aufruf zum Ungehorsam“ veröffentlicht wurde, und in der das ganze übliche „reformkatholische“ Gebräu wieder einmal aufgewärmt wurde. Oberschismatiker Schüller setzte letztens noch einen drauf, worüber ich auch schon geschrieben habe.

Es ist an dieser Stelle nicht nötig, schon wieder auf alle theologischen Irrtümer einzugehen, die die ungehorsamen Priester in Österreich zu verzapfen wünschen. Doch was ist zu der bisherigen Reaktion der österreichischen Bischöfe zu sagen? Kardinal Schönborn, der oberste österreichische Hirte, der als Erzbischof von Wien, soweit ich das sehe, auch für Herrn Pfarrer Schüller direkt zuständig ist, hat sich dazu hinreißen lassen, einen offenen Brief zu schreiben, in dem er erklärte, Ungehorsam sei schlecht – und die Pfarrerinitiative milde dazu aufforderte, sich von dem Anschein des Ungehorsams doch bitte zu distanzieren. Die Pfarrerinitiative reagierte nicht, außer indem sie ihre radikale Rhetorik noch weiter verschärfte und auf allen ihren Positionen beharrte.

Sogenannte „Priesterlose Eucharistiefeiern“ wurden gefordert, was auch immer das sein soll, wenn nicht ein Oxymoron (jede Eucharistiefeier braucht notwendig einen Priester, da selbst die oberste Vorsitzende des obersten Pfarrgemeindesowjets zur Konsekration von Hostien gänzlich unfähig ist. Vielleicht könnten sie ja „Hostiinnen und Hostien“ konsekrieren…) Schüller forderte zuletzt sogar die Möglichkeit einer „Päpstin“, was wohl die Folge zu viel feministischer und sonstiger Schundliteratur sein dürfte.

Wie reagiert nun der eminente Kardinal darauf? Er wendet sich wieder an die Öffentlichkeit. Auf kath.net heißt es:

Der Wiener Erzbischof Kardinal Christoph Schönborn stellt im großen Interview in der morgen erscheinenden Ausgabe des Magzins „News“ zur Pfarrer-Initiative klar: „Wenn es in disziplinären Fragen wie etwa Zulassungsbedingungen zum Priesteramt Änderungen geben sollte, dann sicher nur in Gemeinschaft mit der Weltkirche.

Es gab ja in Österreich Versuche, dass sich etwa Frauen eine Priesterweihe organisiert haben. Das führt in eine Sackgasse. In der Glaubensgemeinschaft der katholischen Kirche geht das nicht! Ganz klar: Dafür stehe ich nicht zur Verfügung!“

Hochinteressant. Auf den ersten Blick erscheint dies doch tatsächlich wie ein Statement, das so von einem katholischen Hirten abgegeben werden könnte. In disziplinären Fragen sind Veränderungen auf weltkirchlicher Ebene möglich, aber lokale Alleingänge schädlich. Frauen zur Priesterweihe zuzulassen geht in eine Sackgasse – „in der katholischen Kirche geht das nicht!“ Das hört sich wie gesunde katholische Lehre an.

Und dafür ist Kardinal Schönborn auch zu danken. Seine Worte machen deutlich, wo er steht. Er ist gegen den theologischen Unsinn, der von den ungehorsamen Hirten verbreitet wird, und er steht auch dazu. Alles sehr schön.

Eine Frage hätte ich da schon noch:

Warum handelt der Kardinal denn eigentlich nicht? Wenn er doch so entschlossen und öffentlichkeitswirksam seine Treue zu Papst und Lehramt, die Notwendigkeit priesterlichen Gehorsams und der Befolgung katholischer Lehre in Theogie und pastoraler Praxis bekennen möchte, dann hätte er dazu doch eine exzellente Gelegenheit.

Doch Herr Schüller kann seine Häresien zusammen mit denjenigen seiner etwa 300 Freunde weiter verbreiten, weiter als katholischer Priester auftreten, ohne in irgendeiner Form disziplinarisch belangt zu werden. Kardinal Schönborn hat in seinem ursprünglichen offenen Brief betont, dass in jedem Unternehmen ein Angestellter der in grundsätzlichen Fragen öffentlich gegen die Linie der Führung agitiert, schlicht gefeuert würde. Warum nicht auch in der Kirche?

Wenn Kardinal Schönborn doch wirklich die Lehre der Kirche glaubt, und ihm an der Verteidigung derselben wirklich etwas liegt, warum geht er dann nicht wenigstens mit der gleichen Härte gegen die Agitation der Pfarrer-Initiative und ihres Revolutionsführers Che Schüller vor, wie jeder milde Unternehmer gegen vergleichbaren Widerstand in seinem Unternehmen?

Warum ist die Kluft zwischen Worten und Taten so groß?

Wenn ich mich recht entsinne, dann gab es einmal einen ziemlich unbedeutenden Wanderprediger im Nahen Osten, der vor etwa 2000 Jahren seinen Anhängern empfahl, man solle den Worten, nicht den Taten, der Pharisäer Folge leisten, eben weil diese Gruppe zwar gute Worte zu sprechen vermochte, das Gesetz in Worten verteidigte und einhielt, aber in der Praxis etwas ganz anderes tat. Nun möchte ich Kardinal Schönborn nicht als Pharisäer bezeichnen, aber eine gewisse Nähe kann schon konstatiert werden.

Kardinal Schönborn spricht gute Worte, aber tut er auch gute Werke? Wir sollen sie, auch unsere Hirten, an ihren Früchten messen. Sind die Früchte von Kardinal Schönborns milden Zurechtweisungstaktik erfolgreich? Hat Pfarrer Schüller seine Unterzeichner und sich selbst zurückgepfiffen, um frisch und fröhlich zu dialogisieren? Im Gegenteil. Je mehr Raum man den Schüllers dieser Welt gewährt, umso forscher treten sie auf, umso mehr glauben sie sich leisten zu können, umso weniger Respekt haben sie vor ihrem Hirten, und umso mehr Schaden fügen sie der Kirche zu. Außerdem fördern sie diejenigen Elemente in der Kirche, die nicht das geringste Interesse an Einheit mir Rom und dem Papst haben, sondern sich einfach ihre persönliche private Wohlfühlkirche schaffen wollen, die genau die Dogmen vertritt, die sie selbst für wichtig halten (Egalitarismus, „Gleichstellung“ von Frauen, Priesterinnen, Homo-Ideologie, Liturgie als Theateraufführung, Leib Christi als Gemeindemahl, religiöser Indifferentismus usw.).

Als Konvertit habe ich keine lange Erfahrung innerhalb der katholischen Kirche. Aber selbst ich habe schon erlebt, wie dieser die ganze Kirche zumindest in Europa durchwehende Geist des Ungehorsams und der Gleichgültigkeit gegenüber Wahrheit und Gott guten Hirten große Schwierigkeiten macht.

In jeder anderen Zeit wäre ein mir persönlich bekannter Gemeindepriester, nennen wir ihn einmal X, ein guter Hirte für seine Schäfchen gewesen. Er ist ein sanftmütiger, freundlicher, gläubiger Mann, der von seinem Gemeindesowjet, diversen Liturgie- und sonstigen Sowjets vor sich her getrieben wird. Er liebt die Kontroverse und den Streit überhaupt nicht. Man könnte sogar sagen, er kann sich nicht allzu gut durchsetzen gegen Widerspruch und Respektlosigkeit. In einer Atmosphäre des Respekts vor gläubigen Priestern wäre er ein exzellenter „pastor“, ein wundervoller Hirte, geworden. Doch heute? Die halbgläubigen Modernisten wissen genau, dass man sie mit allem durchkommen lässt, denn die katholischen Priester haben in ihrer Diözese keinen Rückhalt und Rom ist fern. Also tanzen die Mäuse auf den Tischen, und keiner kann sie stoppen. Sich gegen eine Meute Modernistenmäuse zur Wehr zu setzen, das überfordert den Gemeindepriester X, besonders wenn er sehr wahrscheinlich auf Diözesanebene den Kürzeren zöge, käme es zum offenen Streit.

Derweil wird weiter mit Häretikern dialogisiert, statt sie einer gründlichen öffentlichen und persönlichen Katechese zu unterziehen, derweil wird weiter der katholische Glaube kleingehackt und in vom modernen Menschen zu akzeptierende, geschmacklose und fade Platitüden zerlegt, derweil werden die noch vorhandenen gläubigen Priester skrupellos im Stich gelassen, wenn nicht direkt sabotiert, und derweil können die Schüllers dieser Welt weiterhin ihre Häresien plappern, ohne dass der Eindruck entstünde, jemand unternähme etwas gegen den Eindruck, sie sprächen in ihrer Funktion als Pfarrer doch im Namen der Kirche.

Aber wehe ein Priester ist wirklich gläubig und kämpft auch noch dafür. Dann ist er abgesägt, bevor er drei Ave Marias sagen kann.

Kardinal Schönborn spricht, wie gesagt, schöne und wahre Worte. Aber es folgen keine Taten, wie bei den allermeisten Hirten des postmodernen Zeitalters. Und dadurch fördern Kardinal Schönborn und die vielen Bischöfe und Kardinäle, die ähnlich mit ihren heimischen Modernisten umgehen, die weitere Verbreitung modernistischer Irrlehren, die Entkirchlichung der Kirche, die Eesakralisierung des Sakralen, die Entchristlichung des Christentums – was, auf eine Formel gebracht, das Resultat, wenn auch nicht die Absicht, der Modernisten ist.

Kardinal Schönborn spricht schöne Worte. Er zeigt mit seinem Bischofsstab zur Wahrheit und zur Kirche. Er ist nicht ungehorsam – und nicht konsequent. Aber er sollte sich ins Gedächtnis zurückrufen, dass sein Bischofsstab ein Hirtenstab ist. Er kann nicht nur zeigen, er kann auch noch mehr. Doch dazu müsste man ihn schwingen. Und dann klatscht es gewaltig, wie man mancherorts zu sagen pflegt.

Aber das wär‘ ja nicht modern!

P.S. Unterschreiben beim Aufruf zum Gehorsam nicht vergessen! Bisher sind es gut 2000 Unterschriften. Da muss noch mehr drin sein!!

Advertisements

Respondete!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s