Ökumanische Irrwege

Erklärtermaßen sollte der Papstbesuch im Zeichen der Ökumene stehen. Zumindest dies, so kann man feststellen, ist wohl auch gelungen. Ökumene und interreligiöser Dialog machten einen signifikanten Anteil der Zeit aus – die ewigen Debatten mit den diversen Gremien der christlichen und nichtchristlichen Religionen haben den Papst beansprucht.

Allerdings hat mir noch niemand erklären können, was das eigentlich soll. Wir leben in einem Land, in dem über 40% der Menschen überhaupt nicht mehr an Gott glauben, und selbst ein großer Teil der anderen 60% keine Gottesvorstellung mehr hat, die auch nur annähernd als christlich zu erkennen wäre. Ein ähnliches Bild ergibt sich leider auch in der katholischen Kirche – 90% der katholischen Christen in Deutschen besuchen nicht mehr die Messe, sind also nicht einmal bereit, eine Stunde pro Woche explizit für die Verehrung Gottes bereitzustellen. Von den 30% Katholiken sind nur 10% Kirchgänger – also nur 3% der Bevölkerung. Das Bild in der evangelischen Glaubensgemeinschaft sieht noch schlimmer aus – dort besuchen teilweise weniger als 5% der Mitglieder die Gottesdienste am Sonntag. 3% der Bevölkerung sind katholische Messbesucher, vielleicht 1,5% evangelische Gottesdienstbesucher. Alles in allem weniger als 5%. Die anderen 95% sind in keinem erkennbaren Sinne am christlichen Glauben interessiert. Unter ihnen sind sicher einige, die für ein solches Interesse offen wären, doch darum geht es hier gar nicht.

Dazu kommt eine kleine, ebenfalls voll und ganz säkularisierte jüdische Gemeinde, und einige Millionen Moslems – vermutlich die größte Religionsgruppe, wenn man aktive Gläubige als Berechnungsgrundlage nimmt.

Wenn nun, aus welchen mir intransparenten Gründen auch immer, der Papst unbedingt einen Hauptschwerpunkt seines Besuchs auf „Gespräche“ mit anderen Religionen legen wollte, warum hat er sich dann auf so winzige und spätestens in 10 oder 20 Jahren praktisch vollkommen ausgestorbene Gruppen wie die EKD-Protestanten konzentriert? Wäre es nicht viel sinnvoller gewesen, sich mit der faktisch gut 90% umfassenden Mehrheit der Nichtgläubigen zu befassen?

Doch selbst darüber hinaus erscheint es mir nicht allzu sinnvoll, sich mit irgendwelchen Gremienvertretern der Evangelischen „Kirche“ Deutschlands zu treffen – solche Gremiendebatten sind sinnlos im „Dialogprozess“ der katholischen Kirche, und sie sind ebenso sinnlos bei den Seelenverwandten der Gremienkatholiken am anderen Ufer des Luthermeers. Die Vertreter der EKD glauben ebensowenig an Christus und seine Lehre wie ihre verbandskatholischen Genossen – und ich gebrauche angesichts der vertretenen politischen Ideologien dieses Wort durchaus mit Bedacht. Und weder die einen noch die anderen haben auch nur die Absicht, sich auf eine ernsthafte Diskussion mit dem Papst über die Irrtümer des Protestantismus einzulassen.

Scheinbar war es dem Papst aber auch nicht so wichtig, irgendjemanden vom Irrtum seiner Wege zu überzeugen. Die Ökumene auf Augenhöhe – das sich selbst vorgaukeln, die lutheranische Häresie sei irgendwie besonders ehrenwert oder gar ein möglicher Weg zur Erlösung – ist nicht nur dogmatisch gesehen zumindest höchst problematisch, sondern nicht einmal praktisch.

Auf evangelischer Seite wird ohnehin nicht verstanden, warum die Kirche nicht einfach einen diplomatischen Kompromiss schließt und sich dann alle in die Arme nehmen. Die evangelische Kirche hat nur ein Dogma (die Dogmenlosigkeit), nur einen absoluten moralischen Grundsatz (den Relativismus). Selbst dort wo früher evangelische und katholische Gläubige hätten kooperieren können – etwa beim Lebensschutz – stehen die Protestanten der EKD heute auf der Seite des Zeitgeists, nicht auf der Seite der Christen und vernünftigen Atheisten. Die moralische Ebene war, bis tief ins 20. Jahrhundert hinein, der eine Lichtblick am Horizont der Kirchenspaltung. Heute ist selbst das entfallen. Ökumenischer Dialog kann daher ohne jeden Verlust ebenso entfallen.

Dasselbe gilt auch für das was heute unter interreligiösem Dialog verstanden wird. Natürlich wird man Gremienvertretern des Judentums, allein schon aufgrund der deutschen Geschichte, einen Besuch abstatten. Man könnte ihnen „Guten Tag“ sagen und einander viel Glück wünschen. Doch warum setzt man einen besonderen Schwerpunkt auf diese Tagesordnungspunkte, so als ob doch etwas dabei heraus kommen könnte, etwas anderes als die üblichen unsachlichen, böswilligen Vorwürfe Antisemitismus, Rassismus, Mittelalterlichkeit usw. usf. gegen alle, die nicht auf Linie des Zeitgeistes sind?

Was könnte man im Sinne von Ökumene und interreligiösem Dialog machen? Nun, ein Papst hätte sicher durch ein Treffen mit einer traditionellen lutheranischen Gruppe (etwa der SELK) Akzente setzen können. Er hätte ihnen sogar ein Ordinariat anbieten können, ähnlich wie den Anglikanern vor zwei Jahren. Auch sind Gespräche mit der Orthodoxen Kirche auf möglichst hoher Ebene sinnvoll und notwendig. Was die nicht-christlichen Religionen betrifft, so könnte man sich mit orthodoxen Juden (nicht dem Zentralrat des Jüdischen Zeitgeists) wenigstens über viele Fragen der Sittenlehre verständigen, und gemeinsam für das Leben, traditionelle Familienwerte und gegen die Diktatur des Relativismus kämpfen. Da gibt es Gemeinsamkeiten, und es spricht nichts dagegen, auf der Basis dieser Gemeinsamkeiten auch zu handeln.

Wofür kann man mit ZdK, EKD, ZdJ und den anderen Buchstabensuppen-Gruppen kämpfen (außer natürlich für Mülltrennung und gegen die Piusbruderschaft)?

Der Ökumene-Fetisch der derzeitigen katholischen Kirche besonders in Deutschland, aber, wie man bei diesem Papstbesuch leider wieder feststellen musste, auch in Rom, hat keinen objektiven Sinn und bringt nichts als Schaden.

Immer wieder war in den Ansprachen, Reden und Predigten des Papstes von Umkehr die Rede. Und darum muss es wirklich gehen. Wenn wir den Willen Gottes tun, wie er in Schrift und Lehre überliefert ist, wenn wir wirklich glauben, ihm wirklich nachfolgen, unser Kreuz wirklich tragen, dann werden die Menschen wieder erkennen – wie sie schon einmal erkannt haben – wo Liebe und Wahrheit sind. Und sie werden um Einlass bitten.

Die beste Ökumene ist die Heiligkeit eines jeden einzelnen Menschen. Jeder Mensch ist zur Heiligkeit berufen. Ein knappes Dutzend Heilige ist ausreichend, um die ganze westliche Welt zu bekehren, das zeigt die Geschichte. Selbst ein einziger Heiliger kann viele Menschen zum Glauben führen. Doch selbst zehntausend Gremientreffen überzeugen niemanden.

Der Wahlspruch bleibt also: Katechese statt Dialog.

Und viel wichtiger noch: HEILIGKEIT STATT DIALOG!

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4 Gedanken zu „Ökumanische Irrwege

  1. Respekt, da war der Papst in Deutschland und sagte: „Eine vom Weltlichen entlastete Kirche vermag gerade auch im sozial karitativen Bereich den Menschen, den Leidenden wie ihren Helfern, die besondere Lebenskraft des christlichen Glaubens vermitteln.“ Wie recht er hat. Staat und Kirche gehören generell getrennt.

  2. Pingback: Wann wurde der Zentralrat der Juden in Deutschland gegründet? | Religion24

  3. Pingback: Assisi (1/3) – Vom Sinn des interreligiösen Dialogs | Kreuzfährten: Wahrheit statt Mehrheit

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