Ihr wollt Strukturreformen? Könnt ihr haben!

Liebe Reformkatholiken!

Ihr fordert ständig Strukturreformen in der deutschen katholischen Kirche. Ich stimme mit euch überein, dass die derzeitigen Strukturen marode und morsch sind. Lasst uns also mutig im Heute reformieren, um Kirche wieder produktiv für ihren eigentlichen Zweck zu machen.

Hier ein kleiner Denkanstoß für echte Strukturreformen, die, darin sind wir uns einig, dringend erforderlich sind:

1. Abschaffung der Kirchensteuer. Stattdessen sollten alle kirchlichen Unternehmungen durch Spenden der Gläubigen finanziert werden.

2. Auflösung oder wenigstens Neuverhandlung aller Verträge der Kirche mit der Bundesrepublik Deutschland, die die Handlungsfreiheit der ersteren beschränken. (Wenn der Erzbischof von Berlin vor dem Regierenden Bürgermeister einen Treueeid schwören muss, ist das Maß voll. In der Kirche darf es keine Loyalitätskonflikte zwischen weltlicher und kirchlicher Gewalt geben.) Ziel ist umfassende Handlungsfreiheit der Kirche in Deutschland ohne Rücksicht auf weltliche Mächte.

3. Abschaffung von Gemeinderäten, Liturgieräten und allen anderen derartigen Strukturen auf Gemeinde- oder Pfarreiebene. (Idealerweise auch auf Diözesanebene) Stattdessen soll es in jeder Gemeinde eine vom Pfarrer auszuwählende Person geben, die für die notwendige Bürokratie zuständig ist. Der Pfarrer soll sich wieder ganz auf sein „Kerngeschäft“ (Spendung der Sakramente, Verbreitung des Glaubens, bestimmte Arten der Seelsorge) beschränken können.

4. Zusammenlegung von Gemeinden, so dass jeder Priester für genau eine Gemeinde zuständig ist. Weitere Wege für Gläubige sind akzeptabel – man kann ja statt Pfarrgemeinschaften einfach Fahrgemeinschaften gründen.

5. Sicherstellen, dass alle Bischöfe vom Papst bestimmt werden können – keine Vorschlagslisten oder sonstige Methoden zur Verwässerung der Auswahl. Der Papst sollte bei seiner Auswahl nicht von lokalkirchlichen Machtpolitikern eingeschränkt werden können. Gegenteilige Absprachen oder Traditionen sind abzuschaffen.

6. Auflösung der Bischofskonferenzen. Es ist lächerlich, dass, gerade in der globalisierten Welt, die Bischöfe eines Nationalraums faktisch als Einheit gesehen werden. Das Konferenzwesen hat sich nicht bewährt. Jeder Bischof ist für seine Diözese zuständig; wenn alle Bischöfe für alle Diözesen zuständig sind oder auch nur zu sein scheinen, ist niemand mehr für irgendetwas zuständig.

7. Priesterseminare unter Diözesanaufsicht stellen. Alle Priesterseminare müssen vollständig aus den staatlichen Universitäten herausgelöst werden. Stattdessen sollte es eine Handvoll Seminare in Deutschland geben, die direkt von den Diözesen selbst durch Spenden betrieben werden. Nicht jede Diözese braucht ihr eigenes Seminar, da manche kaum Priesteramtskandidaten haben. (Höchstens ein Seminar pro 100 Seminaristen.)

8. Alle Mitarbeiter der Kirche auf Gemeinde- oder Diözesanebene sowie im Bereich der karitativen Tätigkeiten müssen einen speziellen Eid der Treue zu Papst und Lehramt schwören, wenn sie weiter tätig bleiben wollen. Es ist notwendig, dass die katholische Kirche in allen Tätigkeitsbereichen wieder erkennbar katholisch wird – und ohne Einheit mit dem Papst und dem Lehramt ist keine Katholizität zu haben.

Werdet Ihr diese Strukturreformen bei eurem nächsten Treffen diskutieren? Oder wird es wieder nur um diese alten konservativen Zöpfe wie Gegnerschaft zu Zölibat, Priestertum, Kirche und Sakramenten gehen?

13 Gedanken zu „Ihr wollt Strukturreformen? Könnt ihr haben!

  1. Ja, es gäbe Anlass genug zu Reformen.
    Ich hatte am 30.8.2011 auf dem Blog „Jesum habemus socium“ einen Kommentar hinterlassen, der ebnfalls gewisse Reformvorschläge zum Inhalt hat.
    Stefan Ehrhardt (alias „Columbulus“) meinte auf seinem Blog, dass „wir Anhänger für den a.o. Messritus“ („Ritusmenschen“) keine Lösungsvorschläge für die Kirchenkrise liefern würden und NUR formell „unseren Ritus“ verteidigen würden (was natürlich absoluter Unsinn ist).
    Meine (und ich denke, nicht nur meine) Reformvorschläge sind unter folgender Adresse nachzulesen:
    http://1000mal.wordpress.com/2011/06/01/iritus-%e2%80%93-oder-ritusmenschen-die-neuen-gutmenschen/#comments

    (Alternativ könnte man sie auch HIER veröffentlichen.)

    Pax et bonum
    Frischer Wind

    • Frischer Wind,
      sehr schöne Reformvorschläge. Wie jemand ernsthaft auf die Idee kommen könnte, man sei ein „Ritusmensch“ oder nur aufs Formale bezogen, weil man die THEOLOGIE der traditionellen Messe, die nun einmal auch in der Symbolsprache des Ritus zum Ausdruck kommt, und die dogmatisch nun einmal die einzige katholische Theologie zum Thema ist, eben am besten in der traditionellen Messe wiederfindet, und nicht in der „ordentlichen Form“, die allzu oft durch Liturgiemissbräuche eben eine „unordentliche Form“ wird, erscheint mir jedoch nicht transparent.
      Zumal äußere und innere Haltungen eng zusammengehören – selbst im alltäglichen Leben: Wenn man jemanden liebt, und dies nicht immer wieder symbolisch ausdrückt und vollzieht, dann wird diese Liebe erkalten.

    • wk1999,
      ein wirklich gutes Büchlein, das Sie da empfehlen. Die Lektüre hat mein Verständnis der Liturgie stark beeinflusst, einschließlich des Zusammenhangs äußerer und innerer Haltung – die übrigens nicht nur im Bereich der Liturgie entscheidend ist, sondern in allen anderen Bereichen ebenso, besonders in der Ethik, wo gute Werke (äußere Handlungen) auch langfristig am ehesten derjenige vollbringt, der die Tugenden (innere Haltungen) eingeübt hat (vgl. Aristoteles und andere Vertreter der klassischen philosophischen Ethik – übrigens ein weiteres Thema, zu dem ich schon länger mehr schreiben wollte, aber bislang noch nicht dazu gekommen bin…)

  2. Es wird ohnehin in weniger als 20 Jahren so kommen, wie im obigen Artikel gefordert: Die „Kirchenreformer“ sind alt und haben keinen Nachwuchs, die Kirche aller Zeiten dagegen besteht auch in Deutschland nach wie vor zu einem gesunden Drittel aus überzeugten jungen Katholiken. Ich erlebe das auch persönlich in meinem Umfeld, es gibt mir große Zuversicht, dass Gott Recht hatte und die wahre Kirche niemals untergehen wird.
    Deo gratias!

    • Papsttreu im Pott,
      Die Tendenzen sehe ich auch. So ist in „meiner“ Gemeinde der Altersschnitt mindestens 65 (wenn man die Kommunionkinder nicht rechnet, die nach der Erstkommunion nicht wiederkommen). Diese Gemeinde wird es in 10 bis 15 Jahren in der Form nicht mehr geben können.
      Das Problem (für das Seelenheil der Menschen) ist nur, dass auf 100 aussterbende „Reformkatholiken“ nicht mehr als zwei oder drei Jugendliche kommen, die ihren Glauben auch ernst nehmen. Der größte Teil der neuen Generation stimmt den Reformkatholiken ja leider zu – und sind dann konsequent, indem sie einer Kirche gleich ganz fernbleiben, die nicht das vertrtitt, was sie selbst wollen. Es findet keine Rückkehr zum Glauben unter den Jugendlichen statt, sondern ein Wegbleiben der Nichtgläubigen.

      • Es ist vielleicht auch eine Frage der Qualität im Gegensatz zu Quantität. Es ist mir (und ich glaube auch dem Heiligen Vater) wichtiger, dass es einige wenige glaubensstarke und glaubenstreue Katholiken gibt, die den wahren Glauben weitertragen. Man wird sie sehen und ihr Beispiel wird Schule machen und auch Nichtgläubige anziehen. Es ist nur eine Frage der Zeit. Während der Reformkatholizismus nie eine wahre Attraktivität hatte. Er ist, wie der Novus Ordo, nur ein Strohfeuer, das langsam verlöscht und nur noch beißenden Qualm von sich gibt.
        Ich kann übrigens die Beobachtung von Papstreu im Pott bestätigen. Gestern bei der Hl. Messe im a.o. Ritus, ein gutes Drittel der Gläubigen in den 20ern/30ern. Dazu kommen noch junge Messdiener und Choralsänger (!). Die Kirche war übrigens voll.

        • wk1999, nur zwei Anmerkungen, eine davon persönlicher Natur:
          1. Ich stimme Ihnen völlig zu: Der Reformkatholizismus ist ein Strohfeuer und wird sich ausbrennen. Und Qualität ist wichtiger als Quantität. Aber: Extra ecclesiam nulla salus. Was geschieht mit den vielen Millionen Menschen, die das Heil der Kirche zurückgewiesen haben? Für uns – und für die Kirche – wären wenige, dafür ernsthafte Christen ein Segen, und langfristig auch für die Nichtchristen, die auf diese Weise wieder mit dem authentischen katholischen Glauben in Berührung kommen könnten. Aber was ist mit den Millionen Seelen, deren Schicksal entschieden wird, bevor wir diesen Zustand erreicht haben?
          2. Jedesmal, wenn ich von einer traditionellen Messe lese, und erfahre, wie viele junge Leute dabei sind, sehne ich mich mehr nach der Chance, eine solche Messe in erreichbarer Entfernung zu haben, so dass ich sie regelmäßig sonntags besuchen kann. Ganz abgesehen von allen theologischen Fragen wäre es einfach mal gut, in einer Kirche unter Menschen zu sein, die nicht meine Eltern oder Großeltern sein könnten!

          • zu 1. Ich habe auch keine Antwort auf diese Frage. Ich befürworte auch nicht eine elitaristische Position in der man sagt, das Schicksal der Nicht-Gläubigen ist uns egal, solange es den heiligen Rest gibt, der den Glauben weiterträgt. Dadurch würden wir unseren missionarischen Auftrag nicht erfüllen. Ich sehe nur aus praktischer keinen anderen Weg als eine verkleinerte aber starke Kirche zu etablieren, die ihren Missionsauftrag dann besser wahrnehmen kann.
            zu 2. Haben Sie die Hl. Messe bei der Piusbruderschaft zwischenzeitlich nicht
            besucht? Vielleicht sollten Sie es bei Gelegenheit doch einmal tun auch wenn es noch keine Einheit mit der Piusbruderschaft gibt.

            • Zu 1: Da sind wir uns einig.
              Zu 2: Bisher noch nicht. Aber spätestens die letzte Sonntagsmesse hat mich davon überzeugt, dass ich das wahrscheinlich bald tun sollte. Nach einigen Monaten „normaler“, d.h. missbrauchsfreier Novus Ordo Messen war es am letzten Sonntag ziemlich schlimm. Die Schriftlesung wurde durch einen langweiligen, nutzlosen Laientext ersetzt und die ganze Atmosphäre hatte etwas von einem Kindergeburtstag (nur ohne die Fröhlichkeit). Grauenhaft – und der Novus Ordo macht’s möglich.

              • Ich vermute, es war Erntedank, da ist es immer besonders schlimm. Das mit den Laientexten (gerne aus Saint-Exupery „Der kleine Prinz“ oder dergleichen) anstelle der Epistel ist auch in meiner Heimatgemeinde gang und gäbe. Ich vermute, Paulusbriefe sind für die Reformkirche nur schwer zu verdauen, weil der Hl.Paulus der Frau einen bestimmten politisch unkorrekten Platz zuweist, Scheidung verurteilt und sogar Homosexualität ablehnt. Für die Reformer ist das alles nicht mehr zeitgemäß, man zweifelt bisweilen sogar die Authentizität mancher Paulusbriefe an. Es ist zu starker Tobak für unsere Reformer, deswegen lässt man ihn im „Novus“ Novus Ordo lieber weg.

  3. wk1999, ja es war Erntedank (mein erster Erntedankgottesdienst seit ich katholisch bin – vielen Dank für die wunderbare Erinnerung, liebe Reformkatholiken!) und es waren endlich einmal deutlich mehr Menschen in der Kirche als sonst. Was für eine wunderbare Gelegenheit hat man da verstreichen lassen, indem man den Leuten nur nach dem Mund reden wollte.

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