Assisi (1/3) – Vom Sinn des interreligiösen Dialogs

Interreligiöser Dialog im Allgemeinen:

Wer meinen Blog über längere Zeit gelesen hat, wird wissen, dass ich dem Ökumenismus wie er in der Kirche über die letzten Jahrzehnte praktiziert worden ist, nicht viel abgewinnen kann. In einem Artikel sprach ich sogar von „ökumanischen Irrwegen“. Generell lehne ich den religiösen und moralischen Relativismus ab, der oft zumindest durchscheint, wenn ökumenische Treffen abgehalten werden.

Und was für die innerchristliche Ökumene gilt, trifft in noch größerem Maße auf den interreligiösen Dialog zu. Die Gemeinsamkeiten sind deutlich kleiner, die Differenzen größer. Die Gefahr, auf wichtige religiöse Wahrheiten zu verzichten, um auf jeden Fall eine Einigung zu erzielen, oder sich aneinander anzunähern, ist immens, und nur allzu leicht entsteht der Eindruck, eigentlich verhandelten doch alle Religionen wie in einer Art Koalitionsgespräch auf „Augenhöhe“ – und man verzichte auf Wahrheitsansprüche. Hier bricht sich spätestens der mit dem katholischen Glauben unvereinbare Relativismus fröhlich Bahn.

Ich bin generell der Auffassung, dass sowohl innerhalb der traurigerweise zersplitterten Christenheit als auch im Umgang mit anderen Religionen immer die Menschenwürde respektiert werden sollte – das bedeutet, wir sollten den Irrenden als Menschen sehen, der unseren Respekt als Abbild Gottes verdient, und gerade deswegen sollte es uns besonders wichtig sein, ihm den Irrtum seiner Wege aufzuzeigen, durch Argumente, aber vor allem durch das Vorbild der Heiligkeit. Respekt vor der Menschenwürde bedeutet aber keinesfalls Respekt vor den Irrtümern der Menschen. Im Gegenteil: Der Katholik kann niemals die Frage nach der Wahrheit ausklammern, eben weil der WAHRE Glaube, und nicht irgendein diffuser Glaube an irgendetwas oder irgendjemanden, heilsnotwendig ist.

Ferner wird der organisierte Dialog zwischen Vertretern verschiedener Religionen generell nicht fruchtbar sein, von seltenen Ausnahmen, wie etwa im katholisch-orthodoxen Verhältnis, abgesehen. Wahre Ökumene kann darin bestehen, dass man praktisch mit Menschen zusammenarbeitet, mit denen man ähnliche Auffassungen teilt, wie dies etwa zwischen katholischen und protestantischen Christen in der Lebensrechtsbewegung der Fall ist, aber auch, auf höherer Ebene, in den diversen Gremien der UNO, wo der Vatikan im Verbund mit der islamischen Welt und (bis zur Wahl Obamas) auch den Vereinigten Staaten gegen die Abtreibungs- und Genderlobbyisten kämpft. Wo es Gemeinsamkeiten gibt, kann man zusammenarbeiten.

Auch wenn ich an dieser Stelle noch nicht darüber geschrieben habe, sehe ich aus ähnlichen Erwägungen heraus das kommende interreligiöse Treffen in Assisi sehr reserviert. Ich vertraue dem Heiligen Vater; er ist kein Relativist und er wird ernsthaft versuchen, den Relativismus aus diesem Treffen fernzuhalten. Doch auch hier liegt das Problem wieder in einem riesigen Treffen von Personen, die als offizielle Vertreter ihrer jeweiligen Religionen fungieren, und damit nicht nur sich selbst, sondern auch ihre Religion repräsentieren. Selbst wenn sie nur zusammenkommen, um sich für den Frieden auszusprechen, tun sie dies immer noch als Vertreter ihrer Religion – der Eindruck eines Welt-Religionsparlamentes wird sich für oberflächliche Betrachter nicht vermeiden lassen.

Und leider sind fast alle Journalisten und Medien sehr oberflächliche Betrachter, und daher auch fast alle Menschen nur oberflächlich informiert. Ein relativistischer Eindruck wird also entstehen.

Dies ist die große Gefahr des interreligiösen Dialogs. Manche Traditionalisten werfen dem Papst vor, er verstoße durch die bloße Ausrichtung eines interreligiösen Treffens bereits gegen das erste Gebot. Doch kann man wirklich gegen das erste Gebot verstoßen, wenn man dies gar nicht will? Wenn man wirklich nur zu dem einen wahren Gott in drei Personen betet, nicht zu den Götzen anderer Religionen? Papst Benedikt verstößt nicht gegen das erste Gebot, indem er in einem Raum mit Vertretern anderer Religionen ist, und nicht einmal, wenn er persönlich, während die Vertreter anderer Religionen ebenfalls beten, zum einen wahren Gott in drei Personen betet.

Man verstößt ja auch nicht gegen das sechste Gebot, wenn der Nachbar Ehebruch begeht.

Aber selbst wenn der Papst nicht gegen das erste Gebot verstößt (und davon bin ich fest überzeugt), so fordert er durch das Treffen in Assisi, so unzweideutig man es auch gestalten will, zumindest entsprechende Spekulationen heraus, stößt besonders zarte, empfindsame Gemüter von sich (etwa die oben zitierten Traditionalisten), und gibt einer feindseligen Medienlandschaft sowie den innerkirchlichen Relativisten neue Munition, so oberflächlich diese auch sein mag, die diese sofort verwenden werden, um den Glauben an die Heilsnotwendigkeit der Kirche (extra ecclesiam nulla salus) weiter zu erschüttern.

Hier endet der erste Teil eines dreiteiligen Artikels über das interreligiöse Treffen von Assisi.

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2 Gedanken zu „Assisi (1/3) – Vom Sinn des interreligiösen Dialogs

  1. Pingback: Assisi (2/3) – Pax Christi oder Pax Romana? | Kreuzfährten: Wahrheit statt Mehrheit

  2. Pingback: Assisi (3/3) – Entweltlichung | Kreuzfährten: Wahrheit statt Mehrheit

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