Assisi (2/3) – Pax Christi oder Pax Romana?

Dies ist der zweite Teil eines dreiteiligen Artikels über das interreligiöse Treffen in Assisi. Der erste Teil findet sich hier.

Pax Christi oder Pax Romana?

Wie im ersten Teil gesehen ist Assisi III ein Stolperstein für einige, Munition für viele, und wird nichts bringen.

Doch mehr noch: Wahrer Friede wird nicht durch Konferenzen entstehen, selbst wenn diese sich manchmal nicht vermeiden lassen. Wahrer Friede ist immer der Friede Christi, ein Friede, der mehr ist, als nur die formale Abwesenheit von Krieg.

Bloß weltlicher Frieden ist schön, wenn wir ihn haben, und man kann sicher auch für ihn beten. Aber er ist immer nur für kurze Zeit gegeben, weil unter der scheinbar friedlichen Oberfläche die fehlgeordneten Leidenschaften des Menschen, die Sünden, die Gottferne weiterbrodeln. Die Staaten führen keinen Krieg mehr gegeneinander. Aber die Menschen werden immer noch Opfer von Verbrechen, es gibt immer noch so viel Unfrieden in einer „friedlichen“ Welt. Der Traum der säkularen Aufklärung und ihrer Schüler vom Weltfrieden bezieht sich leider nur auf diese Art. Der Weltfriede ist bloß ein weltlicher Friede, also die Fortführung des Krieges mit anderen Mitteln.

Mehr ist weltlicher Friede, äußerer Friede, niemals. Er erfasst nur die Oberfläche. Die Menschen schießen nicht mehr aufeinander, zumindest nicht mit Waffen. Zumindest nicht in Armeen. Aber heißer Krieg weicht kaltem Krieg, kalter Krieg weicht psychologischem, wirtschaftlichem oder irgendeinem anderen Krieg. Der Traum der besten unter den modernen Säkularisten ist mehr als dieser bloß formale Frieden. Ihnen geht es auch um wahren Frieden – Frieden mit weltlichen Mitteln, der tiefer geht.

Doch dazu ist die Natur des Menschen nicht geeignet. Die Idee, man könne durch weltweite Institutionen, durch gerechte Verteilung der Ressourcen, durch die Abschaffung von Armut, Ungleichheit, Diskriminierung, usw. Frieden schaffen, ist eine Schnapsidee. Natürlich führen Armut, Ungleichheit, Diskriminierung, politische Ideologien, Religionen usw. oft genug zu Kriegen. Aber sie sind nicht die Ursachen der Kriege, sondern nur die Anlässe. Nimmt man dem Menschen seine Armut, mit der er eine gewaltsame Revolution rechtfertigt, dann wird er andere Gründe finden.

Der Mensch, so wie er heute existiert, ist nicht friedensfähig.

Doch wie kann der Mensch friedensfähig gemacht werden? Durch genetische Umgestaltung? Durch Sublimierung von Aggressivität? Durch die Umerziehung der „aggressiven“ Jungen zu geschlechtslosen, neutralen Schwächlingen, weil ja angeblich Gewalt so „männlich“ ist, wie Fortschrittliche nicht müde werden zu betonen? Durch Bildung, Wohlstand, Pädagogik? Diese weltlichen Mittel haben alle nur einen Nachteil. Sie doktern am Symptom herum und verwechseln es mit der Krankheit. Die Krankheit ist nicht Aggressivität, sondern falscher Umgang mit Aggressivität; nicht die Leidenschaft, sondern die Fehlordnung der Leidenschaft. Ähnliches gilt für alle anderen Vorschläge.

Wirklicher Friede ist immer der Friede Christi – ein Frieden der Seele, ein Frieden, der dadurch entsteht, dass der Mensch im Einklang mit Gott steht. Dieser Einklang mit Gott führt dann natürlich auch dazu, dass er im Einklang mit anderen Menschen steht, die sich wiederum im Einklang mit Gott befinden. Und diese Gruppe von Menschen wird dadurch auch im Einklang mit Gottes Schöpfung stehen. Die Welt ist ein Orchester. Wenn jeder nur die Noten spielt, die auf seinem Notenblatt für sein Instrument vermerkt sind, und auf die Anweisungen des Dirigenten achtet, dann wird das Orchester ganz von allein harmonisch zusammenspielen.

Das Notenblatt ist das moralische Gesetz, und der Dirigent ist Jesus Christus. Wir sind die Musiker. Unser Leben ist dazu da, uns auf den großen Auftritt vorzubereiten, darauf, uns an der Musik des Himmels zu beteiligen.

Mit diesem Bild im Hinterkopf schauen wir uns nun an, was die Welt uns für einen Frieden zu bieten hat. Es ist ein Frieden, in dem die Musiker sich in internationalen Gremien darauf einigen, ihre Instrumente nichtauf den Köpfen der anderen Musiker zu zertrümmern. Das ist, soweit wie das geht, eine gute Sache. Doch da es ein Frieden ohne Rückbezug auf das ist, was auf dem Notenblatt seht, und was der Dirigent sagt, wird keine Symphonie herauskommen. Nachdem die Musiker alle verstanden haben, dass sie ihre Instrumente nicht auf dem Kopf des Nachbarn zertrümmern sollen, setzen sie sich hin und spielen, unter Ausübung ihrer „individuellen Freiheit“ oder „Gewissensfreiheit“ die Musik, die ihnen gerade spontan in den Sinn kommt. Das moralische Gesetz auf dem Notenblatt wird ignoriert, der Dirigent Christus ebenfalls, und das Ergebnis ist keine Symphonie, sondern Chaos, kein echter Frieden, sondern einfach gleichgültiges Desinteresse an den anderen Musikern.

Aufgrund der immensen Unterschiede zwischen den eingeladenen Vertretern beim interreligiösen Treffen in Assisi kann nun sicher keine Einigkeit auf den oben beschriebenen wahren Friedensbegriff erzielt werden, glauben doch die meisten Vertreter nicht an die Existenz des Dirigenten Christus, sprechen ihm seine Autorität als Dirigent ab, und manche leugnen sogar die bindende Kraft des Notenzettels, auf dem das moralische Gesetz abgedruckt ist.

Der einzige Friede, für den man in Assisi also ernsthaft gemeinsam eintreten kann, ist der individualistische Friede der Gleichgültigkeit, der Friede als Abwesenheit von Krieg, der Friede, der zum Pazifismus führt. Für sich genommen ist dieser Friede natürlich besser als nichts. Aber er hat den großen Pferdefuß, dass er darauf basiert, dass alle Musiker bereit sind, alle anderen Musiker spielen zu lassen, wie auch immer sie wollen, dass sie also bezüglich der zu spielenden Musik auf den absoluten Standard der Partitur verzichten. Die Musik ist damit der individuellen Kreativität der Musiker untergeordnet, ebenso wie es dem moralischen Gesetz durch den rein weltlichen Frieden geschieht.

Ein solcher Friede ist bequem, aber nicht dauerhaft; und selbst seine Bequemlichkeit wird nur um den hohen Preis eines zumindest taktischen Zugeständnisses an den Relativismus erkauft. Wäre es da nicht besser, friedlich für den wahren Frieden zu werben, selbst wenn dann nicht so viele verschiedene Vertreter nach Assisi kommen könnten?

Hier endet der zweite Teil einer dreiteiligen Artikelserie über das interreligiöse Treffen in Assisi.

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