Zentralismus oder Subsidiarität?

Einige verstreute Gedanken zum unsäglichen Papier der päpstlichen Kommission für Gerechtigkeit und Frieden über die angebliche Notwendigkeit weiterer Zentralisierung und Machtkonzentration in den Händen amoralischer Zentralbank-Technokraten:

1. Aller ökonomischer Wohlstand der Welt ist wertlos, wenn nicht geistiger Wohlstand hinzukommt. Was bringt es uns ein Kamel zu sein, wenn wir durch ein Nadelöhr wollen?

2. Hat man im Vatikan das Faktum der Erbsünde vergessen? Wie kann man eine globale, zentrale, mit großer Macht ausgestattete, bloß menschliche Institution befürworten, wenn man gleichzeitig die moralische Fehlerhaftigkeit des Menschen annimmt?

3. Man kann der Auffassung sein, dass der Kapitalismus, besonders seine globale, finanzkapitalistische Ausprägung falsch und verwerflich ist. Allerdings folgt daraus keinesfalls, dass die herrschende Alternative immer weiterer Zentralisierung und Planungswut besser ist. Sie könnte auch wesentlich schlimmer sein. Dies ist sogar ziemlich wahrscheinlich, denn immerhin ist das derzeitige System nicht gerade ohne massive staatliche Einmischung entstanden.

4. Finanzkapitalisten, hochgestellte staatliche Bürokraten und die Regierenden in den westlichen Ländern bilden eine globale Elite, deren Ziele und Interessen untereinander sehr ähnlich sind. Ob nun innerhalb der Elite die Finanzhaie oder die Polithaie gewinnen, macht keinen wahrnehmbaren Unterschied. Beide sind unverantwortlich – sie lehnen Verantwortung vor dem Volk ab, aber vehementer noch Verantwortung vor Gott.

5. Die wesentlichen in dem Dokument vertretenen Thesen lassen sich allerdings, wenn auch in weniger scharfer und zugespitzter Form, auch in päpstlichen Dokumenten finden. Sie stellen aus diesem Grund durchaus die derzeit im Vatikan vorherrschende politische Meinung dar – nicht mehr und nicht weniger als dies. Auch wenn die neue Lehre von der angeblich heilsamen Machtzentralisierung auf globaler Ebene in den Händen anti-christlicher Technokraten im Dunstkreis der UNO in den Ohren der Moderne wie süßer Gesang klingen muss, widerspricht sie dem traditionellen katholischen Prinzip der Subsidiarität in nahezu jedem Punkt.

6. Die Maximierung ökonomischen Outputs oder die Verhinderung von Wirtschaftskrisen kann und darf nicht das Ziel kirchlicher Aktivität sein. Durch die Vielzahl kirchlicher Schreiben über bloß weltliche Themen entsteht der Eindruck, dies seien die eigentlich wichtigen Themen. Zugleich gehen unsterbliche Seelen verloren, weil Hirten sich lieber mit dem Stutzen von Grashalmen statt dem Weiden der Herde beschäftigen.

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