DBK: Keine Hilfe für Thomasausgabe

Für die Fakten verweise ich auf diesen Artikel des Predigtgärtners, der einige informative Links zum Thema zusammengestellt hat, was mir einiges an Arbeit erspart. Daher von dieser Stelle aus ein Dank an den Predigtgärtner!

Doch zur Sache: Die Bischofskonferenz ist nicht sonderlich an der Unterstützung einer dreizehnbändigen, zweisprachigen Ausgabe der „Questiones Disputatae“ des Heiligen Thomas von Aquin interessiert. Eine vorher bereits zugesagte Beteiligung an Druckkosten wurde verweigert. Hier ein kurzes Zitat von Pater Langendörfer:

Man fördere nur solche Projekte, die „in einem besonderen Bezug zur Arbeit der Deutschen Bischofskonferenz stehen oder sonst wie für uns von besonderem Interesse“ seien. Nun ja, und darunter falle eben der Heilige Thomas nicht.

Was will eine Bischofskonferenz auch mit einer zweisprachigen Ausgabe zentraler Werke des Heiligen Thomas? Seid wann fördert man derartige antike Praktiken, wie thomistische Philosophie und Theologie? Ist das nicht mit dem Konzil, dem einzigen von der DBK öffentlich in ihren Handlungen anerkannten, zum Superdogma mythisierten Konzil, längst Vergangenheit? Sind nicht moderne Menschen, moderne Christen, über diesen mittelalterlichen Dogmatismus längst hinweg? Haben wir diesen Quatsch heute wirklich noch nötig?

Das ist doch nicht mehr zeitgemäß, oder?

Nun ja, das Konzil hat tatsächlich etwas zum Heiligen Thomas gesagt, da stimmt die implizite Annahme der Bischofskonferenz schon. Hier die Aussagen des Einzig Wahren Konzils, jenes unversöhnlichen Bruchs mit über 1500 Jahren der Unterdrückung der einfachen, versöhnlichen, barmherzigen, dogmenlosen, modernen Frühkirche (oder so):

„Gleicherweise widmet die Kirche den Hochschulen, insbesondere den Universitäten und Fakultäten, ihre angelegentliche Sorge. In der Tat ist sie bei denen, die ihr unterstehen, naturgemäß bestrebt, daß die einzelnen Disziplinen mit den ihnen eigenen Prinzipien, mit ihrer eigenen Methode und mit einer der wissenschaftlichen Forschung eigenen Freiheit so gepflegt werden, daß sich in ihnen die Erkenntnisse mehr und mehr vertiefen, die neuen Fragen und Forschungsergebnisse der voranschreitenden Zeit sorgfältige Beachtung finden und so tiefer erfaßt wird, wie Glaube und Vernunft sich in der einen Wahrheit treffen. Dabei dienen die Kirchenlehrer, besonders der heilige Thomas von Aquin, als Vorbilder.“

Gravissimum educationis, Nr. 10

Ich fürchte, dies entspricht nicht ganz der These, Thomas sei „nicht von besonderer Bedeutung“ für die Kirche.

Bekanntlich lehnen in Deutschland fast alle Katholischen Bischöfe das bis dato letzte Konzil ab. Zumindest wenn man sich auf die Texte des Konzils bezieht. Sie befinden sich daher in der gleichen Position (theologisch gesehen) wie die Piusbruderschaft – der Unterschied ist nur, dass die Piusbrüder keine kirchenrechtliche Stellung haben, aber die katholische Lehre predigen, während es bei der DBK exakt umgekehrt ist: Sie haben die kirchenrechtliche Stellung, dafür verschweigen sie oft genug die Lehre der Kirche. (Es wird natürlich nicht unterlassen, denen, die den Pornoskandal um Weltbild und andere mit der DBK verbundene Verlage aufgedeckt haben, mit Verleumdungsklagen zu drohen. Schmutz soll schließlich im Keller bleiben, wo die Bischöfe ihn sorgfältig deponiert hatten, nachdem sie bereits mindestens seit 2008 über die fraglichen Angebote informiert worden waren.) Manche Söhne gehen halt, wie im Gleichnis, in den Weinberg, obschon sie sich zuerst geweigert hatten, den Anordnungen des Herrn zu folgen; andere sagen die Arbeit im Weinberg zu, pflegen dann aber den Müßiggang in Weltbilds Sündenpfuhl.

Die Ablehnung der Förderung einer wichtigen Thomasausgabe hat übrigens dazu geführt, dass die Ausgabe nun ohne lateinisches Original einsprachig erscheint. Präsident Bush würde sagen: „Mission Accomplished“.

Natürlich ist die Frage, ob nun eine Thomasausgabe gefördert wird oder nicht, keineswegs eine Schicksalsfrage. Sie ist im Gegenteil eher unbedeutend. Doch an diesen und ähnlichen oberflächlich nicht wichtigen Entscheidungen sieht man, woher der Wind in der Bischofskonferenz weht.

Der Wind weht nicht aus Rom. Der Wind weht aus Wittenberg.

5 Gedanken zu „DBK: Keine Hilfe für Thomasausgabe

    • Danke für die Empfehlung, sieht mir ganz gut aus. My Englisch is in der Tat relatively gut. Soweit ich das sehe ist das allerdings eine einsprachige Ausgabe, ohne den lateinischen Text, oder bin ich jetzt blind?

  1. Ich vermute, daß ein Sammelband Rahner’scher und Vorgrimler’scher suizidaler theologischer Errungenschaften durchaus Mittel der DBK erhalten hätte.

    Eine fundierte theologische Grundbildung von angehenden Priestern und Katecheten scheint also eine Gefahr für die bestehenden Verhältnisse im Deutschkatholizismus zu sein.

    • Marcus mit dem C,
      man argumentiert dort vermutlich, dass eine fundierte Bildung zu sehr auf Fundamente wert lege, und damit vom Fundamentalismusverdacht nicht ausgeschlossen werden könne. Außerdem:
      Katecheten braucht man nicht – man hat ja nach eigener Aussage (Bischof Bode) nichts Festes zu vermitteln.
      Und Priester? Die stören nur in der schönen neuen Kirche. Besonders wenn sie etwas von katholischer Theologie verstehen.
      Priester- und Katechetenbildung sieht man wohl als Auslaufmodell an.

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