Erneut zum Priestermangel

Ich veröffentlichte gestern ein „Zehnpunkteprogramm“ gegen den Priestermangel, das sich vorwiegend auf Vorschläge beschränkte, die man auf Gemeindeebene umsetzen kann, für die man also nicht auf das schwerfällige Umsteuern der deutschen Bischofskonferenz warten muss (da kann man nämlich lange warten…).

Dennoch liegen ganz wesentliche strukturelle Gründe für den heutigen Priestermangel natürlich auf einer Ebene, die die einzelne Gemeinde nicht allein beheben kann. Ich hatte eigentlich vor, an dieser Stelle eine Ergänzung zu verfassen, die mögliche Reformen auf Bistumsebene, an den Priesterseminaren, am Rätewesen der deutschen Bischofskonferenz und teilweise gar an der generellen kirchlichen Praxis in der westlichen Welt betrachtet hätte.

Wie mir jedoch inzwischen aufgefallen ist, kann ich einfach auf den weitaus besseren Aufsatz von Prof. Dr. Georg May verweisen, den er zu exakt demselben Thema geschrieben hat. Ich spare mir daher die Formulierung eigener Thesen und schließe mich schlicht den Worten des Aufsatzes an. Besser hätte man es nicht sagen können!

Abschließend noch ein Verweis auf einen schon etwas älteren, aber erst gestern von mir entdeckten Artikel auf Katholisches, der sich mit sehr interessanten Statistiken und Trends in den französischen Priesterseminaren beschäftigt, welche sich mehr oder weniger wohl auch auf die deutsche Situation übertragen ließen. Wenn die im Artikel angegebenen Daten stimmen, dann gehört bereits heute jeder dritte französische Seminarist entweder einer der traditionellen Messe verbundenen Ecclesia-Dei-Gemeinschaft oder der Piusbruderschaft an. Ferner:

Hinzu kommt, daß die Bischöfe und Regenten der Priesterseminare feststellen, daß ein wachsender Teil der „ordentlichen“ [nach der Sprachregelung des Artikels diejenigen, die keine Seminaristen des „Alten Ritus im Sinne von Summorum Pontificum“ sind, Anm. v. Catocon] Seminaristen sich offen zu traditionalistischen Tendenzen bekennen und das Recht beanspruchen, in beiden Formen des Ritus ausgebildet zu werden. Es handelt sich bereits um jeden fünften „ordentlichen“ Seminaristen, wahrscheinlich sogar mehr, wobei Paris derzeit eine Ausnahme bildet.

Wenn diese Zahlen stimmen, dann schrumpft die Zahl der Seminaristen immer weiter, mit ihr auch die Zahl der Priester, wobei der richtige Priestermangel erst noch kommt, wenn die heute 65 bis 75 Jahre alten Priester, die zumeist wohl noch vor 1970 geweiht worden sind, sterben oder aus anderen Gründen nicht mehr zur Verfügung stehen können. Doch hinter diesen drastischen Zahlen verbergen sich konstante bis leicht zunehmende Seminaristenzahlen bei allen traditionellen Gemeinschaften (definiert als Anhänger der „Alten Messe“), die noch höher sein könnten, wenn die Kapazitäten dieser Seminare ausreichend wären. Hält dieser Trend an, so kann man damit rechnen, dass eine paradoxe Situation entstehen wird:

Während einerseits die meisten Bischöfe sich weigern, mit den traditionellen Gemeinschaften zu kooperieren, selbst wenn sie sich in voller Einheit mit Rom befinden, und damit einen großen Teil des Priesternachwuchses aus ihren Diözesen fernhalten, übernehmen aus Angst vor der Feier der traditionellen Messe und des Bekenntnisses des traditionellen katholischen Glaubens (mit dem vorgeschobenen Feigenblatt des Priestermangels) mehr und mehr Laien die Gemeindeleitung und zerstören damit die Kirche von innen heraus.

Wann wird der Zeitpunkt kommen, an dem die französischen Bischöfe, um deren Bistümer es bei den hier beschriebenen Zahlen ja geht, ihre Kirchen endlich für die große Zahl an Priestern öffnen, mit der sie den Priestermangel zumindest mildern könnten?

Diese Entwicklung steht sinnbildlich für die Tatsache, dass es keinen Priestermangel gibt, der irgendwie für sich genommen ein Problem wäre, sondern vielmehr einen Glaubensmangel, besonders unter den Priestern und Bischöfen. Um nur einen ganz kurzen Abschnitt aus dem hervorragenden Aufsatz von Prof. Dr. May zu zitieren (den spätestens nach dem Ende dieses Artikels alle Leser sich zu Gemüte führen sollten):

Der Kardinal Šeper, Präfekt der Glaubenskongregation, der es wissen mußte, hat einst den Satz geprägt: „Die Krise der irche ist eine Krise der Bischöfe.“ An der Richtigkeit dieser Feststellung, hat sich bis heute nichts geändert.

Dem ist nichts hinzuzufügen.

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