Die Gleichheit der Geschlechtslosigkeit

The Equality of Sexlessness

G. K. Chesterton


In almost all the modern opinions of women it is curious to observe how many lies have to be assumed before a case can be made. A young lady flies from England to Australia; another wins an air race; a Duchess creates a speed record in reaching India; others win motoring trophies; and now the King’s prize for marksmanship has gone to a woman. All of which is very interesting and possibly praiseworthy as means of spending one’s leisure time; and if it were left to that, even if no more were added than the perfectly plain fact that such feats could not have been achieved by their mothers and grandmothers, we would be content to doff our hats to the ladies with all courtesy and respect which courage, endurance and ability have always rightly demanded.

But it is not left to that; and considerably more is added. It is suggested, for example, that the tasks were beyond the mothers and grandmothers, nor for the very obvious reason that they had no motorcars and airplanes in which to amuse their leisure hours, but because women were then enslaved by the convention of natural inferiority to man. Those days, we are told, „in which women were held incapable of positive social achievements are gone forever.“ It does not seem to have occurred to this critic that the very fact of being a mother or grandmother indicates a certain positive social achievement; the achievement of which, indeed, probably left little leisure for travelling airily about the hemispheres. The same critic goes on to state, with all the solemn emphasis of profound thought, that „the important thing is not that women are the same as men — that is a fallacy — but that they are just as valuable to society as men. Equality of citizenship means that there are twice as many heads to solve present-day problems as there were to solve the problems of the past. And two heads are better than one.“ And the dreadful proof of the modern collapse of all that was meant by man and wife and the family council, is that this sort of imbecility can be taken seriously.

The London Times, in a studied leading article, points out that the first emancipators of women (whoever they were) had no idea what lay in store for future generations. „Could they have foreseen it they might have disarmed much opposition by pointing to the possibilities, not only of freedom, but of equality and fraternity also.“

And we ask, what does it all mean? What in the name of all that is graceful and dignified does fraternity with women mean? What nonsense, or worse, is indicated by the freedom and equality of the sexes?

We mean something quite definite when we speak of a man being a little free with the ladies. What definite freedom is meant when the freedom of women is proposed? If it merely means the right to free opinions, the right to vote independently of fathers and husbands, what possible connection does it have with the freedom to fly to Australia or score bulls-eyes at Bisley? If it means, as we fear it does, freedom from responsibility of managing a home and a family, an equal right with men in business and social careers, at the expense of home and family, then such progress we can only call progressive deterioration.

And for men too, there is, according to a famous authoress, a hope of freedom. Men are beginning to revolt, we are told, against the old tribal custom of desiring fatherhood. The male is casting off the shackles of being a creator and a man. When all are sexless there will be equality. There will be no women and no men. There will be but a fraternity, free and equal. The only consoling thought is that it will endure but for one generation.

–From GK’s Weekly, July 26, 1930

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Übersetzung: (Es handelt sich um einen groben Übertrag aus dem Englischen, keine geschliffene, literarisch wertvolle Arbeit. Die Übersetzung stammt von Catocon.)

Die Gleichheit der Geschlechtslosigkeit

Bei fast allen modernen Meinungen über Frauen ist es sonderbar, wie viele Lügen man annehmen muss, bevor eine [sinnvolle] These aufgestellt werden kann. Eine junge Dame fliegt von England nach Australien; eine andere gewinnt ein Wettfliegen, eine Herzogin stellt einen Geschwindigkeitsrekord nach Indien auf, andere gewinnen Preise im Motorsport; und jetzt hat eine Frau den Schützenpreis des Königs gewonnen. Was alles sehr interessant und womöglich löblich als Freizeitbeschäftigung ist; und wenn es dabei bliebe, selbst wenn man nicht mehr hinzufügte als die ganz klare Tatsache, dass solche Leistungen nicht von ihren Müttern und Großmüttern hätten vollbracht werden können, wären wir zufrieden, unsere Hüte höflich und respektvoll für die Damen zu lüften, was Mut, Ausdauer und Fähigkeit immer zurecht verlangt haben.

Aber man lässt es nicht dabei und es wird noch einiges mehr hinzugefügt. Es wird zum Beispiel suggeriert, diese Leistungen überstiegen die Fähigkeiten der Mütter und Großmütter nicht aus dem sehr offensichtlichen Grund, dass sie keine Automobile und Flugzeuge hatten, mit denen sie ihre Freizeit verbringen konnten, sondern weil Frauen damals durch die Konvention natürlicher Unterlegenheit gegenüber dem Mann versklavt gewesen seien. Diese Tage, von denen man uns sagt, „Frauen wären als nicht zu positiven gesellschaftlichen Leistungen fähig angesehen worden“, seien für immer vorbei. Es scheint diesem Kritiker nicht aufgefallen zu sein, dass die bloße Tatsache eine Mutter oder Großmutter zu sein, bereits eine gewisse positive gesellschaftliche Leistung darstellt; deren Erreichen tätsächlich wohl wenig Freizeit für das luftige Reisen durch die Hemisphären gelassen hat. Derselbe Kritiker sagt weiter, mit aller feierlichen Betonung profunden Denkens, „das Wichtige ist nicht, dass Frauen und Männer gleich seien – das ist ein Irrtum – sondern dass sie für die Gesellschaft genauso wertvoll sind wie Männer. Bürgerliche Gleichheit bedeutet, dass es doppelt so viele Köpfe gibt, um heutige Probleme zu lösen, als um die Probleme der Vergangenheit zu lösen. Und zwei Köpfe sind besser als einer.“ Und der grauenhafte Beweis des modernen Zusammenbruchs von allem, was bei Ehemann und Ehefrau und dem Familienrat gemeint war, ist das diese Art Blödsinn ernst genommen werden kann.

Die Londoner Times macht darauf aufmerksam, dass die ersten Emanzipatoren der Frauen (wer auch immer sie waren) keine Vorstellung von dem hatten, was zukünftigen Generationen bevorstand. „Hätten sie vorhersehen können, dass sie viel Widerstand hätten entwaffnen können, allein durch Verweis auf die Möglichkeiten nicht nur der Freiheit, sondern auch der Gleichheit und Brüderlichkeit?“

Und wir fragen, was bedeutet das alles? Was, im Namen alles Holden und Würdigen, bedeutet Brüderlichkeit mit Frauen? Was für ein Unsinn, oder Schlimmeres, wird durch die Freiheit und Gleichheit der Geschlechter angedeutet?

Wir meinen etwas ziemlich bestimmtes, wenn wir davon Sprechen, ein Mann sei etwas „frei mit den Damen“. Welche bestimmte Freiheit meint man, wenn man die Freiheit der Frauen vorschlägt? Wenn es bloß das Recht auf freie Meinungen, das Recht auf von Vätern und Ehemännern unabhängige Wahl bedeutet, welche mögliche Verbindung hat es dann mit der Freiheit nach Australien zu fliegen oder der Freiheit in Bisley ins Schwarze zu treffen? Wenn es, was wir befürchten, Freiheit von der Verantwortung ein Haus und eine Familie zu verwalten, bedeutet, ein gleiches Recht mit Männern im Beruf und gesellschaftlichen Karrieren, auf Kosten des Heims und der Familie, dann können wir solchen Fortschritt nur fortschreitenden Niedergang nennen.

Und auch für Männer gibt es, einer bekannten Autorin zufolge, eine Hoffnung auf Freiheit. Männer, so sagt man uns, beginnen zu revoltieren gegen den alten Stammesbrauch, Vaterschaft zu begehren. Das Männchen wirft die Fesseln ab, ein Schöpfer und ein Mann zu sein. Wenn alle geschlechtslos sind, dann wird es Gleichheit geben. Es wird keine Frauen und keine Männer geben, nur eine Brüderlichkeit, frei und gleich. Der einzige tröstende Gedanke ist, dass es nur eine Generation andauern wird.

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Ein ähnlicher Gedankengang kommt auch in der Enzyklika Casti Connubii von Pius XI. aus dem Jahre 1931 zum Ausdruck.

3 Gedanken zu „Die Gleichheit der Geschlechtslosigkeit

  1. »Der einzige tröstende Gedanke ist, dass es nur eine Generation andauern wird.« – Das wird nur eine Generation andauern, nachdem sich diese Ideologie vollständig durchgesetzt haben wird, ja. Aber auf dem Weg hin zu dieser absouten Durchsetzung leiden viele Generationen: die meiner Großeltern, die meiner Eltern, meine eigene und sicherlich auch noch die meiner Kinder.

    • Ultramontanus, das ist vollkommen richtig. Der Weg ist lang und wir sind noch weit vom Ziel entfernt.
      Doch es könnte noch schlimmer kommen. Unter Verwendung modernster Technologien im Bereich des reproduktiven Klonens usw. könnte eine solche Gesellschaft womöglich deutlich länger andauern als das, was wir heute unter einer Generation verstehen. Vielleicht sogar für immer (also bis zur Wiederkunft Christi).

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