Lobt-die-Hirten-Woche: Hankes Brief (Teil 3/6)

Derzeit läuft hier auf Kreuzfährten die Lobt-die-Hirten-Woche für die letzte Woche des Kirchenjahrs. Gestern und vorgestern haben wir uns mit Kardinal Meisners Interview mit der Welt am Sonntag beschäftigt. Heute ist Bischof Hankes Hirtenbrief zum Christkönigsfest dran

Liebe Brüder und Schwestern!
Liebe Kinder und Jugendliche!

Am Ende seines Deutschlandbesuches hielt Papst Benedikt XVI. im Freiburger Konzerthaus eine Rede, die als Vermächtnis seines Besuches bezeichnet werden darf. (Ja, obwohl die Bundestagsrede genauso zentral gewesen sein dürfte.) In seinen Worten griff der Hl. Vater die Sorge auf, dass sich ein beträchtlicher Teil der Getauften vom kirchlichen Leben distanziert. (Ein beträchtlicher Teil? So etwa 90%?) Der Rückgang der religiösen Praxis in unserem Land erfüllt den Papst mit großer Sorge.

Diese Entwicklung reicht ja bis in unsere Familien und Freundeskreise und trifft uns schmerzlich. Der Papst weiß darum, dass manche sich die Frage stellen, ob sich angesichts des religiösen Abbruchs (Religiöser Abbruch. Wo Abbruch, da Abbruchunternehmen. Klare Worte. Hier haben wir es nicht mit Verfall, sondern mit Abbruch zu tun. Wer hat abgebrochen?) die Kirche nicht ändern müsste? Sollte sie sich nicht in ihren Ämtern und Strukturen mehr der Gegenwart anpassen, um die suchenden und zweifelnden Menschen von heute zu erreichen? (Genau. Der heutige Mensch lebt in der Gegenwart. Er sucht, weil er mit der Gegenwart so zufrieden ist, dass er exakt dasselbe am Ziel seiner Suche auch finden möchte. Er sucht nach dem, was er schon hat. Immens plausibel. Aber hören wir den Bischof.)

Papst Benedikt gab in seiner Rede darauf zu bedenken, dass die Kirche ihre Sendung von Christus her hat. (Ja.) Sie handelt nicht im eigenen Namen, nicht im Namen ihrer Mitglieder oder der Mehrheitsmeinung ihrer Mitglieder wie Organisationen und Vereinigungen in Gesellschaft, Politik oder Wirtschaft. (Ein wichtiger Unterschied. Sollte man öfters sagen.) Sie steht für eine viel größere Wirklichkeit und Wahrheit. (Ja, sie steht für eine Wahrheit – eine Wahrheit namens Christus) Die Kirche kommt von Christus her, und deshalb dient sie wie Christus Gott als Werkzeug der Erlösung. (Sie dient. Sie herrscht nicht – sie dient. Der Papst ist „servus servorum Dei“, der Diener der Diener Gottes. Wollen, nebenbei bemerkt die Frauenpriestertumsfanatiker wirklich Frauen zu Dienerinnen des Himmlischen Vaters machen?)Wörtlich sagte der Papst über die Kirche: „Ihr Sinn besteht darin, Werkzeug der Erlösung zu sein, sich von Gott her mit seinem Wort durchdringen zu lassen (sich durchdringen zu lassen… man beachte die Passiv-Form.) und die Welt in die Einheit der Liebe mit Gott hineinzutragen.“

Gerade weil die Kirche aus dem Geheimnis des dreieinigen Gottes kommt, wird man sie nicht durch Strukturreformen und Anpassung der Lehre an den Zeitgeschmack tauglicher machen für ihre Sendung zu den Menschen. (Eben. Sie transportiert ja eine größere Wahrheit als der Stimmzettel in der Wahlkabine, jenem modernen Ersatz für den Beichtstuhl)

Gewiss hat sich die Kirche im Laufe der Geschichte gewandelt und sie wandelt sich weiter. Aber die Kirche wird tauglicher für die Menschen, wenn sie sich Christus angleicht, wenn sie ihm ähnlich wird. (Sie muss eben weltfremd sein – entweltlicht sein – um den Menschen wirklich dienen zu können. Denn sie kann dem Menschen nur dienen, wenn sie ihm etwas gibt, was er noch nicht hat.) Dazu hat sie zunächst ganz auf Christus zu schauen und auf seine Sendung. Sie muss sich der Sendung Christi vergewissern, aus der heraus sie selbst lebt.

Liebe Schwestern und Brüder! (Fratres!) Wird sich also nichts ändern in der Kirche? (Doch. Aber was?) Muss alles bleiben, wie es ist? (Wenn es nach den abscheulich strukturkonservativen Gremienkatholiken geht, dann schon.) Der Hl. Vater verwies in seiner Rede auf die selige Mutter Theresa von Kalkutta. Auf die Frage, was sich nach ihrer Meinung als Erstes in der Kirche ändern müsse, antwortete Mutter Theresa dem Fragesteller: „Sie und ich!“ (Sie und ich, in der Tat. Ändern wir uns. Heiligkeit statt Dialogpapier)

Die Veränderung der Kirche beginnt also bei mir. Durch die Taufe bin ich berufen, Christus ähnlicher zu werden, ein zweiter Christus zu sein. Mein Leben soll Ikone Christi sein. Das heißt Christus möchte durch mein Denken und Handeln in der Welt aufscheinen, er will durch mich, durch jede und jeden von uns bei den Menschen ankommen und ihre Nöte berühren. (Gut gesagt. Durch Christus. Gottesliebe, daraus Nächstenliebe, in dieser Reihenfolge.)

Ich als Einzelner vermag durch meinen persönlichen Änderungsprozess viel zu bewegen. Das zeigt die Kirchengeschichte an großen Gestalten wie Theresa von Avila, Ignatius von Loyola, Katharina von Siena, Franz von Assisi. (Heiligkeit ist eine persönliche Sache, keine Angelegenheit des gesichtslosen Kollektivs. Einzelne Menschen befreien die Kirche aus ihren Irrwegen durch die Zeit, einzelne Heilige, oder kleine Gruppen. Aber immer winzige Minderheiten. Niemals ist es die Mehrheit, die den wahren Weg nach vorn weist.) In schwierigen Zeiten der Kirche wollten diese Frauen und Männer der Kirche helfen. Sie begannen, sich selbst zu verändern. Christus wollten sie ähnlicher werden, ihn brennender lieben (Brennender lieben – das ist es.) und sich von ihm in Dienst (Dienst! – dienen, da ist es wieder.) nehmen lassen. Die Lebensbeispiele dieser Heiligen machen deutlich, der Einzelne, der eins wird mit Christus, ist mehr als nur ein winziges Teilchen. (Die Kirche ist kein Ameisenhaufen, sondern eine Hierarchie, und das heißt, dass jeder seinen wichtigen Platz hat. Er ist unersetzlich. Und er kann viel verändern durch absolute Treue zu seinem Herrn und Erlöser Jesus Christus.) Die Veränderung auf Christus hin setzt gewaltige Kräfte frei. Daher konnten diese heiligen Frauen und Männer zur Erneuerung der Kirche beitragen. (Keine Erneuerung ohne Heilige, das ist der Tenor.)

In seiner Freiburger Rede schlug Papst Benedikt sozusagen eine geistliche Landkarte auf, um uns für das Heute („das Heute“? Seit wann ist Heute ein Substantiv? Kirche im Heute denken, und so.) einen Weg der Veränderung zu zeigen. Er lud die Kirche in unserem Land ein, „die wahre Entweltlichung zu finden“, um ein überzeugendes missionarisches Zeugnis (Mission ist die, ähm, Mission der Kirche) zu geben und sich auf wahrhaft christliche Weise der Welt zuzuwenden und die Menschen zu sich selbst zu führen, das heißt zu Christus. (Das ist ein gefährlicher Satz: Die Menschen zu sich selbst zu führen, das heißt zu Christus. Sind die Menschen denn Christus? Ich verstehe, was der Bischof meint, aber das ist sehr unglücklich formuliert, gerade in einer Zeit, in der Gott von den meisten Menschen wenn überhaupt als eine innerliche Realität begriffen wird, nicht als der von außen kommende Schöpfer. Wäre nicht besser zu sagen: Die Menschen zu Christus, und damit zu ihrem wirklichen Selbst, zu führen)

Was könnte denn der Papst mit „Entweltlichung“ gemeint haben, so fragen viele. Es dürfte dem Papst dabei wohl weniger um Details der Gestalt der Kirche bei uns gegangen sein, wohl aber um eine geistlich-theologische Botschaft grundsätzlicher Art für unseren missionarischen Weg als  Kirche in Deutschland. Der Impuls des Papstes richtet sich nicht nur auf die Kirche im Großen. Er betrifft uns alle, jeden einzelnen ganz persönlich. (Aber er richtet sich auch an die Kirche im Großen und die Großen in der Kirche. Die Verantwortung für die Herde lastet auch auf den Hirten. Nehmen Sie sie wahr und besinnen Sie sich, wie Sie mit Ihrem Hiertenbrief bereits einen guten Anfang machen, aufs Wesentliche.)

Die bald beginnende Adventszeit mit ihren eindrucksvollen Liedern und den Lesungen der Liturgie scheint mir ein guter Dolmetscher für Papst Benedikts Aufruf zur „Entweltlichung“ zu sein. (Ja, aber nur, wenn in der Liturgie auch wirklich eindrucksvolle Lieder und nicht nur belanglose Pophymnen geträllert werden und die Lesungen auch wirklich gelesen werden und nicht durch geistige Betrachtungen der Gemeinderatsvorsitzenden substituiert werden. Save the Liturgy. Save the World, wie Father Z immer wieder sagt.) Immer wieder vernehmen wir in der Liturgie des Advent den Ruf: Bereitet dem Herrn den Weg.

Gott ist am Kommen („ist am Kommen…“ Ich dachte immer, das wäre rheinländisch oder Ruhrpottdeutsch. Sagt man das auch in Eichstätt?) in die Welt. Doch will er nicht einfach kommen wie ein Besucher, sondern er will die Welt verwandeln. (Ja, aber worin besteht diese Verwandlung?) Wachsamkeit und Konzentration auf ihn, den Kommenden, sind angesagt. Der Blick auf den kommenden Herrn muss Priorität haben vor allen anderen Fragen, die uns in der Kirche bewegen mögen. (Sehr treffend, Exzellenz. Priorität vor ALLEN ANDEREN FRAGEN.) Unsere Berufung als Kirche ist es, ihm, dem Herrn, einen Weg zu bahnen. „Entweltlichung“ könnte besagen: Je mehr wir den Herrn und sein Kommen zur Kompassnadel für unser Tun machen, desto offener werden wir für die Sorgen und Nöte unserer Zeit. (So ist es. Tragt das Kreutz, folgt dem Herrn, und ihr werdet überrascht feststellen, dass ihr relevant seid, denn die Menschen brauchen euch. Tut dies nicht, so lauft ihr nur dem Zeitgeist hinterher, was niemandem etwas bringt.)

Wir bauen keine Schwebebahn über unsere Wirklichkeit hinweg. Nein, auf dem Boden dieser Welt, dieser Gesellschaft, auf dem Boden meines Lebens und Alltags soll die Straße entstehen, auf der Gott ankommen kann und der Mensch zu Gott gelangt. (Der Absatz war irgendwie überzählig und musste noch gefüllt werden… Jetzt geht’s weiter:)

„Entweltlichung“ in adventlicher Deutung hieße dann: Das Handeln der Kirche und unser persönliches Leben sollen Wegebau für das Kommen des Herrn sein. Unsere pastoralen Anstrengungen in den Pfarreien, die Aktivitäten in unseren Verbänden, unsere Beratungen in kirchlichen Gremien, der Einsatz unserer kirchlichen Finanzmittel und Sachmittel sind immer neu darauf zu befragen, ob es sich um Wegebau für das Kommen des Herrn handelt. (Eine dringend notwendige Überprüfung. Nur was diesem Kriterium wirklich genügt, soll bleiben. Weltbild, der Dialogprozess, die Bischofskonferenz als Institution usw. tun dies nicht. Also…?)

Die Kirche betet an jedem Morgen im Benediktus (Lk 1,76b), im Lobgesang des Zacharias: „Du wirst dem Herrn vorangehen und ihm den Weg bereiten“. Dieser Satz fasst nicht nur die Sendung der Kirche zusammen, sondern gerade auch meine Sendung als Glied der Kirche hinein in den Alltag. Der Liebe zu Christus soll nichts vorgezogen werden, schreibt der hl. Benedikt in seiner Mönchsregel. Was ich tue, soll Vorbereitung für das Kommen des Herrn sein.

In meiner Familie, in der ehelichen Beziehung, in meiner Pfarrgemeinde, in Beruf, Freizeit und Freundeskreis bin ich Wegbauer für den Herrn. (In der ehelichen Beziehung… bin ich… – sagt ein zolibatärer Bischof? Etwas mehr Vorsicht bei der Formulierung, Exzellenz!) Je mehr ich mich auf Christus ausrichte und ihm nichts vorziehe, desto näher komme ich den Menschen. (Der Satz verträgt auch die mehrfache Wiederholung.)

„Entweltlichung“, liebe Schwestern und Brüder, besagt, dem Herrn vorausgehen und ihm den Weg zu bereiten. Der Heilige Vater hat uns eine Aufgabe gestellt: nehmen wir die Herausforderung in dieser adventlichen Besinnungszeit an und beteiligen wir uns an der Erfüllung: „Sie und ich!“

Dazu segne Sie der Dreieinige Gott, der Vater und der Sohn und der Heilige Geist.

Ihr
Gregor Maria Hanke OSB
Bischof von Eichstätt

Ein guter Hirtenbrief, der einige wesentliche Punkte anspricht. Wir loben hier diese Woche die Hirten, so dass ich mich mit Kritik zurückhalten möchte. Die Frage ist nun, ob den schönen, treffenden Worten auch Taten folgen. Weiß jemand etwas über Bischof Hanke und sein Wirken im Bistum Eichstätt?

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