Weihnachten statt Christus?

Wie aus einem Artikel auf kath.net hervorgeht, bringen nur etwa 40% der Deutschen Weihnachten mit einem gewissen Prediger aus dem Nahen Osten namens Jesus in Verbindung. Dies ist immerhin eine Verbesserung im Vergleich zum Vorjahr, in dem nur ein Drittel der Deutschen diese Verbindung zu ziehen verstand.

Aber ob nun ein Drittel oder zwei Fünftel – die Deutschen, für die Weihnachten etwas mit Christus zu tun hat, sind ganz klar in der Minderheit. So viel zum Thema „Christliche Kultur“. Dass die derzeitige Mehrheitskultur in diesem Lande nicht einmal christliche Ansätze aufweist, kann jeder täglich für sich feststellen. Und dennoch gibt es so etwas wie einen halsbrecherischen Optimismus unter der christlichen Minderheit, der sich auch in dem Artikel auf kath.net findet, auf den ich oben verwiesen habe. Dabei handelt es sich um eine Form des Optimismus, die in den kleinsten Zufallsschwankungen oder wirtschaftlich bedingten Veränderungen gleich die Trendwende zum Besseren sieht. Dass die Zahl der Deutschen, die Christus und Weihnachten zumindest in Verbindung bringen, leicht angestiegen sei, wird dann zum Anlass genommen, davon zu sprechen, jetzt komme Deutschland zurück zum christlichen Glauben, getrieben durch die Wirtschaftskrise mit ihren charakteristischen Unsicherheiten.

Dieser völlig ungerechtfertigte Optimismus ist jedoch nicht vergleichbar mit der christlichen Hoffnung. Bezieht sich diese immer auf Gott und ist jenseitig, ist jene im Diesseits verhaftet und erwartet Tag für Tag und Jahr für Jahr diese oder jene Trendwende, Verbesserung oder Umkehr von Menschen und für Menschen. Optimismus dieser weltlichen Art ist, im Gegenteil, womöglich sogar ein indirekter Widerspruch zur christlichen Hoffnung, in jedem Fall aber ein direkter Widerspruch zu Logik und gesundem Menschenverstand.

Von „vollen Kirchen zu Weihnachten“ zu sprechen – wie es in dem kath.net-Artikel geschieht, grenzt dabei schon an ein schmerzhaftes Erlebnis im Zusammenhang mit den Lachmuskeln. Ja, die Kirchen sind zu Weihnachten voller als sonst. Doch sind die Kirchen selbst zu Weihnachten heute weniger gut besucht, als vor Beginn der selbstverordneten Modernisierung der Kirche vor etwa einem halben Jahrhundert an jedem durchschnittlichen Sonntag. Da ändert auch die eine oder andere ökonomisch bedingte Schwankung nichts an dem durchweg negativen Trend.

40% der Deutschen bringen Weihnachten mit der Geburt Jesu Christi in Verbindung. Man lasse sich diese Zahl einfach einmal auf der Zunge zergehen. Das sind 60%, die diese Verbindung nicht ziehen – für die Weihnachten also ein reines Fest der Habgier geworden ist, ein Fest des Götzendienstes in den Konsumtempeln der Dekadenz. Die 40% finden sich dann auch vorwiegend in der älteren Generation, wenn man der repräsentativen Umfrage glauben mag, die in dem Artikel zitiert wird. Je jünger, desto heidnischer. Nur ist es dann ein Heidentum, das nicht einmal an die Hochkulturen der Antike heranreicht, und dessen vornehmliche kulturelle Leistung in der Destruktion aller immateriellen Werte auf Kosten des materiellen Wohlstands (zumindest für die Menschen in der westlichen Welt) besteht.

„Frohe Weihnachten“ ist dementsprechend dann auch ein Gruß, der nur noch selten zur Anwendung kommt. Man sagt (und liest beispielsweise auf Weihnachtskarten) immer häufiger ganz neutral „Frohes Fest“. Und warum auch nicht – wenn es doch für die Mehrheit (und die ist ja heute unfehlbar, wie wir alle als gute Demokraten wissen) nur noch eine dekadente Orgie in einer endlosen Reihung dekadenter Orgien ist.

In diese Reihe passt dann auch die in einer anderen Umfrage vor einigen Jahren ermittelte Tatsache, dass nur etwa die Hälfte der Deutschen überhaupt weiß, was denn an Ostern gefeiert wird.

Der moderne Mensch ist ein Barbar, der in Ruinen lebt, deren Zweck er nicht kennt, deren Bedeutung er nicht versteht, und deren fortschreitenden Verfall er hochtrabend als „Fortschritt“ einstuft.

In diesem Sinne allen Lesern eine schöne Adventszeit. Es ist nämlich tatsächlich eine Adventszeit, und keine „Vauforweihnachtszeit“, und es geht um das (erneute) Kommen des Gottessohnes und Erlösers aller Menschen, den wir erwarten, und auf das wir uns vorbereiten sollen. Nicht um die Steigerung des Bruttosozialprodukts durch Akte der Anbetung Mammons.

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