Kontinuität oder Bruch?

Papst Pius XI.:

10 Daraus geht hervor, ehrwürdige Brüder, aus welchen Gründen der Apostolische Stuhl niemals die Teilnahme der Seinigen an den Konferenzen der Nichtkatholiken zugelassen hat. Es gibt nämlich keinen anderen Weg, die Vereinigung aller Christen herbeizuführen, als den, die Rückkehr aller getrennten Brüder zur einen wahren Kirche Christi zu fördern, von der sie sich ja einst unseligerweise getrennt haben. Zu der einen wahren Kirche Christi, sagen Wir, die wahrlich leicht erkennbar vor aller Augen steht, und die nach dem Willen ihres Stifters für alle Zeiten so bleiben wird, wie er sie zum Heile aller Menschen begründet hat. Die mystische Braut Christi ist ja im Laufe der Jahrhunderte niemals befleckt worden, und sie kann nie befleckt werden nach den schönen Worten Cyprians: „Zum Ehebruch lässt sich die Braut Christi nicht führen, sie ist unbefleckt und züchtig. Nur ein Haus kennt sie, die Heiligkeit eines Schlafgemaches bewahrt sie in keuscher Scham (21). Dieser heilige Märtyrer wunderte sich deshalb auch mit Fug und Recht, wie jemand glauben konnte, „diese der göttlichen Festigkeit entstammende und mit himmlischen Geheimnissen engverbundene Einheit könne bei der Kirche zerrissen und durch den Widerstreit einander widerstrebender Meinungen aufgelöst werden“ (22). Der mystische Leib Christi, das ist die Kirche, ist ja eine Einheit (23), zusammengefügt und zusammengehalten (24) wie der physische Leib Christi, und so ist es unangebracht und töricht zu sagen, der mystische Leib könne aus getrennten und zerstreuten Gliedern bestehen. Wer mit dem mystischen Leib Christi nicht eng verbunden ist, der ist weder ein Glied desselben, noch hat er einen Zusammenhang mit Christus, dem Haupte (25)

11 In dieser Kirche Christi kann niemand sein und niemand bleiben, der nicht die Autorität und die Vollmacht Petri und seiner rechtmäßigen Nachfolger anerkennt und gehorsam annimmt.

— Papst Pius XI., Enzyklika Mortalium Animos

Das II. Vatikanische Konzil:

3. In dieser einen und einzigen Kirche Gottes sind schon von den ersten Zeiten an Spaltungen entstanden (15), die der Apostel aufs schwerste tadelt und verurteilt (16); in den späteren Jahrhunderten aber sind ausgedehntere Verfeindungen entstanden, und es kam zur Trennung recht großer Gemeinschaften von der vollen Gemeinschaft der katholischen Kirche, oft nicht ohne Schuld der Menschen auf beiden Seiten. Den Menschen jedoch, die jetzt in solchen Gemeinschaften geboren sind und in ihnen den Glauben an Christus erlangen, darf die Schuld der Trennung nicht zur Last gelegt werden – die katholische Kirche betrachtet sie als Brüder, in Verehrung und Liebe. Denn wer an Christus glaubt und in der rechten Weise die Taufe empfangen hat, steht dadurch in einer gewissen, wenn auch nicht vollkommenen Gemeinschaft mit der katholischen Kirche. Da es zwischen ihnen und der katholischen Kirche sowohl in der Lehre und bisweilen auch in der Disziplin wie auch bezüglich der Struktur der Kirche Diskrepanzen verschiedener Art gibt, so stehen sicherlich nicht wenige Hindernisse der vollen kirchlichen Gemeinschaft entgegen, bisweilen recht schwerwiegende, um deren Überwindung die ökumenische Bewegung bemüht ist. Nichtsdestoweniger sind sie durch den Glauben in der Taufe gerechtfertigt und Christus eingegliedert (17), darum gebührt ihnen der Ehrenname des Christen, und mit Recht werden sie von den Söhnen der katholischen Kirche als Brüder im Herrn anerkannt (18).

Hinzu kommt, daß einige, ja sogar viele und bedeutende Elemente oder Güter, aus denen insgesamt die Kirche erbaut wird und ihr Leben gewinnt, auch außerhalb der sichtbaren Grenzen der katholischen Kirche existieren können: das geschriebene Wort Gottes, das Leben der Gnade, Glaube, Hoffnung und Liebe und andere innere Gaben des Heiligen Geistes und sichtbare Elemente: all dieses, das von Christus ausgeht und zu ihm hinführt, gehört rechtens zu der einzigen Kirche Christi.

(…)

Ebenso sind diese getrennten Kirchen (19) und Gemeinschaften trotz der Mängel, die ihnen nach unserem Glauben anhaften, nicht ohne Bedeutung und Gewicht im Geheimnis des Heiles. Denn der Geist Christi hat sich gewürdigt, sie als Mittel des Heiles zu gebrauchen, deren Wirksamkeit sich von der der katholischen Kirche anvertrauten Fülle der Gnade und Wahrheit herleitet.

— II. Vatikanisches Konzil, Unitatis Redintegratio

Alle Hervorhebungen von Catocon.

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4 Gedanken zu „Kontinuität oder Bruch?

    • Frischer Wind, das würde ich in der Summe auch so sehen, obgleich an manchen Stellen zumindest der Eindruck eines Bruches nicht vermieden werden kann. Besonders, wenn man sieht, was manche der Konzilsväter und ihrer bischöflichen Nachfolger aus den Worten des Konzils nachher so alles gemacht haben. Deswegen ist eine theologisch fundierte und auch inhaltlich ins Detail gehende Untersuchung der Materie auf der Basis der Hermenutik der Kontinuität aus meiner Sicht sehr wichtig. Diesen Bedarf aufzuzeigen ist die unausgesprochene Absicht dieser Gegenüberstellung.

      • Wir müssen fragen, ob und, wenn ja, wie das konziliare Verständnis (…) vereinbar mit der traditionellen Lehre der Kirche ist. Zu diesem Zweck braucht man umfassende Studien des lehramtlichen Materials vor dem letzten Konzil, eine gründliche und möglichst umfassende Auswertung und Interpretation der Konzilstexte im Lichte dieses lehramtlichen Materials, und dann muss der Versuch unternommen werden, die verbliebenen Differenzen zusammenzufassen und lehramtlich verbindlich festzulegen, was denn nun zu glauben sei.“
        So wie im letzten Beitrag (Floskelpolizei: „Das Konzil anerkennen“) geschrieben.
        Dem kann ich nur absolut zustimmen. Und zwar, wie dort bechrieben: Von einem „Team wissenschaftlich hochstehender theologischer Experten mit einer Wagenladung „sentire cum ecclesia“.“
        Hoffen wir, dass es bald dazu kommt.
        Und danke für die guten Beiträge!
        Gesegnete Adventstage!
        Ja

        • Wer das „ja“ am Ende meines Kommentars geschrieben hat, weiß ich nicht. Es steht da jetzt einfach ‚rum, aber egal.
          Was ich noch sagen wollte:
          Im Vorwort des Dokumentes über den Ökumenismus findet sich der Hinweis:
          „…nachdem sie (Anm.: die Heilige Synode) die Lehre von der Kirche dargestellt hat, möchte sie…“
          Das heißt, das, was in „Lumen gentium“ gesagt wurde, wird in diesem Dokument als grunglegend vorausgesetzt. Womit einige Zweifel über bestimmte Formulierungen an Fragwürdigkeit verlieren…

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