Gift und Gegengift – Über den atheistischen Kommunismus (Teil 3)

Im ersten Teil dieser Artikelserie hatte ich einige einleitende Bemerkungen zur auch heute noch aktuellen Ideologie des atheistischen Kommunismus gemacht. Im zweiten Teil hatte ich dann dem Papst Pius XI. und seiner großartigen Enzyklika Divini Redemptoris über den atheistischen Kommunismus folgend zwei wesentliche Grundpfeiler des Kommunismus dargestellt.

Im folgenden dritten Teil beleuchten wir mit der Hilfe Pius XI. die kommunistische Ideologie zum Thema Mensch und Familie. Zur Erinnerung: Für den Katholizismus ist die Familie, und nicht der Staat, die Grundzelle der Gesellschaft, aus der sie aufgebaut ist. Analog könnte man sagen: Wasser besteht aus Wassermolekülen, also aus Zusammensetzungen von verschiedenen Atomen. Das Wasser besteht aus Molekülen, die ihrerseits wieder aus Atomen bestehen. Die Gesellschaft besteht auf ähnliche Weise nicht aus Individuen (Atomen), sondern aus Familien (Molekülen). Die völlig irrige Ideologie des Kommunismus sieht hingegen umgekehrt nicht Staat und Gesellschaft aus freien Familien aufgebaut, sondern betrachtet Staat und Gesellschaft als zentral, und Familien nur als die nicht mit eigener Autonomie und Freiheit ausgestatteten Untergliederungen des Kollektivs.

Doch wir wollen nicht vorgreifen – hören wir dem Heiligen Vater zu:

Was sind der Mensch und die Familie?

10. Des weiteren beraubt der Kommunismus den Menschen seiner Freiheit, der geistigen Grundlage seiner moralischen Lebensführung (Freiheit ist die geistige Grundlage moralischer Lebensführung, nicht das Recht auf Unmoral!); der Persönlichkeit des Menschen nimmt er jede Würde und jeden moralischen Halt im Aufruhr blinder Instinkte. (Denke: Sexuelle Revolution, Befreiung des Menschen von seiner Selbstbeherrschung, Enthemmung der Triebe, Konsumdenken usw.) Was das Verhältnis des Einzelmenschen zur Gemeinschaft angeht, so anerkennt er keinerlei naturgegebene Rechte der menschlichen Persönlichkeit (kein Naturrecht, keine natürlichen Rechte: kein Recht auf Leben, um einmal ein besonders dramatisches Problem zu nennen), dass sie nach ihm nichts anderes ist als ein einfaches Rad im Gefüge einer Maschine. In den Beziehungen der Menschen untereinander proklamiert er das Prinzip der absoluten Gleichheit unter Leugnung einer jeglichen Ueberordnung und einer jeglichen Autorität, die etwa von Gott begründet wäre, einschließlich der elterlichen;(Antiautoritäre Erziehung!) was immer aber unter Menschen an sogenannter Autorität und Unterordnung vorhanden ist, leitet sich ausschließlich aus der Gemeinschaft ab als seiner einzigen Quelle.(Diskursethik, Demokratie als Glaubensbekenntnis, statt als gutes und oft sinnvolles System zur Entscheidungsfindung in politischen Sachfragen) Es gibt in diesem System für den einzelnen keinerlei Eigentumsrecht mehr, weder an den Schätzen der Natur noch an den Mitteln der Produktion, da ein solches zum Erwerb weiterer Güter führen müßte und damit zur Macht des einen Menschen über den anderen.(Keine Macht für Niemand! Was natürlich heißt: Alle Macht dem Stärksten.) Gerade deswegen muß diese Form des Privateigentums radikal ausgerottet werden, ist es doch Anfang und Quelle einer jeglichen wirtschaftlichen Versklavung. (Hier haben wir einen Unterschied zwischen dem klassischen Kommunismus, auf den sich der Heilige Vater 1937 bezog, und seiner heutigen Anwendung: Die Fixierung auf rein ökonomische Produktionsverhältnisse ist einer Öffnung des Denkens für kulturelle Faktoren gewichen. So erscheint das Privateigentum nicht mehr als zentral. Das Projekt der klassenlosen Gesellschaft kann damit auch ohne Enteignungen vorangehen – die kommen dann später, nachdem durch die kulturellen Revolutionen jegliche Bedeutung des Privateigentums geschwunden ist. Für Marx war die ökonomische Basis entscheidend und der moralische und kulturelle Überbau nur die Folge der Produktionsverhältnisse. Für den modernen Kommunismus ist es anders herum: Aus dem kulturellen Überbau folgt die Basis. Das Bewusstsein bestimmt nach diesem „reformierten Kommunismus“, wie man ihn nennen könnte, das Sein, und nicht umgekehrt.)

11. Für eine Lehre, die auf solche Weise dem menschlichen Leben jede Weihe und Geistigkeit (Fixierung auf radikalen Pragmatismus – alles ist recht, solange es funktioniert. Man besuche einmal eine typische Messe in der „unordentlichen“ Form*) nimmt, sind folgerichtig Ehe und Familie eine rein willkürliche und bürgerliche Einrichtung („Familie ist, wo Kinder sind“), oder auch das Ergebnis einer bestimmten wirtschaftlichen Entwicklung (die „bürgerliche“ Familie, abzugrenzen von der „modernen“ oder „postmodernen“ Familie); man leugnet die Existenz des Ehebandes mit rechtlich-sittlicher Verpflichtung (Scheidungsrecht), die dem Belieben der einzelnen oder der Gesellschaft entzogen wäre und folgerichtig auch seine Unauflöslichkeit. Insbesondere gibt es für den Kommunismus keinerlei Bindung der Frau an Familie und Heim. (Eine solche Bindung zu behaupten, ist heute selbst in katholischen Kreisen oft unpopulär. Selbst der Selige Johannes Paul II. hielt es für nötig, sich zum Feminismus zu bekennen, wenn er ihn auch katholisch zu wenden suchte. Ob ihm das gelungen ist, soll hier nicht beurteilt werden.) Er proklamiert das Prinzip der Emanzipation der Frau, entreißt sie dem häuslichen Leben und der Sorge für ihre Kinder, zieht sie vielmehr in die Oeffentlichkeit und in die kollektive Produktion in gleichem Maße wie den Mann und wälzt die Sorge für das Hauswesen und das Kind auf die Gesellschaft ab. (Gibt es eine treffendere Beschreibung von Ziel und Mittel der heutigen Familienpolitik aller etablierten Parteien? Die Frauenerwerbsquote und die „Vereinbarkeit von Familie und Beruf“ sind letztlich kinderfeindliche und frauenfeindliche Parolen, die dabei sind, den Status des Götzendiensts zu erreichen) Schließlich hat man das Recht der Erziehung den Eltern genommen (Eltern dürfen ihre Kinder nicht daheim unterrichten; sie haben praktisch keinen Einfluss auf das, was ihren Kindern in der Schule beigebracht wird usw.) und es zu einem ausschließlichen Recht der Gemeinschaft gemacht, in deren Namen und Auftrag allein es von den Eltern ausgeübt werden darf. (Eltern „dürfen“ derzeit noch im Auftrag der Gesellschaft in den ersten fünf bis sechs Jahren einige untergeordnete Funktionen in der Kindererziehung erfüllen, da die nötige öffentliche Infrastruktur für eine völlige Entrechtung der Eltern noch nicht gegeben ist. Aber sie werden dabei unter dem lachhaften Vorwand des Schutzes von Kindern vor „schlechten“ Eltern auf totalitäre Weise von einer invasiven Jugendbürokratie überwacht, welcher jedes Verständnis für die elterlichen Erziehungsrechte fehlt.)

(Fortsetzung folgt…)

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* Zu unterscheiden von der „ordentlichen“ Form und der „außerordentlichen“ Form

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