Gift und Gegengift – Über den atheistischen Kommunismus (Teil 5)

In den ersten vier Teilen ging es nacheinander um einige einleitende Worte über die bis heute anhaltende Aktualität des Themas „atheistischer Kommunismus“, um Grundlagen des Kommunismus, sein Verständnis von Mensch, Familie und Gesellschaft, abschließend um eine Art Bauplan für eine kommunistische Gesellschaft. Jetzt folgt eine kleine Zusammenfassung des bisher gesagten, erneut anhand der Enzyklika Divini Redemptoris von Papst Pius XI. Meine Kommentare und Anmerkungen weiterhin in rot.

(Wir könnten also zusammenfassen: Wir erfüllen vollständig oder nahezu vollständig sieben der neun genannten Merkmale [siehe Teil 4 dieser Artikelserie] für das Wesen eines kommunistischen Gesellschaftssystems. Ausgenommen ist nur: Wir haben noch kein vollständiges Gemeineigentum an Produktionsmitteln und der Staat ist noch nicht als Ausdruck der gelungenen Neuschöpfung des Menschen weggefallen. In den verbleibenden sieben Punkten sind wir entweder schon da, oder zumindest eindeutig auf dem Weg, und nicht erst in den Anfangsstadien dieses Wegs. Die wesentlichen Ziele des Kommunismus, so wie Papst Pius XI. sie charakterisiert, sind also bereits heute zu weit über 50% erreicht, und sie schreiten von Tag zu Tag weiter voran, weil es keinen nennenswerten Widerstand, selbst aus angeblich christlichen Parteien und Verbänden gegen sie gibt und selbst die Kirche bedenklich leise dagegen aufbegehrt, wenn nicht auf lokaler Ebene sogar mitgearbeitet wird.)

(Jetzt bewertet der Heilige Vater dieses System einer kommunistischen Gesellschaft. Wir können diese Bewertung durchaus auch auf unsere Gesellschaft beziehen, weil wir eben so weit auf dem Weg voran gekommen sind, der in dieses Paradies auf Erden führt:)

14. Das, Ehrwürdige Brüder, ist das neue Evangelium, das der bolschewistische und atheistische Kommunismus als Heilsbotschaft und Erlösung der Menschheit bietet! Ein System voll von Irrtum und Trugschlüssen, das ebenso der gesunden Vernunft wie der göttlichen Offenbarung widerspricht. Es ist Umsturz jeder gesellschaftlichen Ordnung, weil Vernichtung ihrer letzten Grundlagen! Es ist Verkennung des wahren Ursprungs, der Natur und des Zweckes des Staates! Es ist Entrechtung, Entwürdigung und Versklavung der menschlichen Persönlichkeit!

(Ziemlich heftig. Mal sehen:

– Voll von Irrtümern und Trugschlüssen

– Widerspricht der gesunden Vernunft

– Widerspricht der göttlichen Offenbarung

– Ist Umsturz jeder gesellschaftlichen Ordnung

– Zerstört die letzten Grundlagen der gesellschaftlichen Ordnung

– Verkennt wahren Ursprung, Natur und Zweck des Staates

– Entrechtet den Menschen

– Versklavt den Menschen

– Entwürdigt den Menschen

Dies sagt der Heilige Vater über ein System, das zumindest in den Köpfen des gesellschaftlichen Mainstreams heute fest als Zielvorstellung verankert ist, und sich mehr und mehr auch in der praktischen Gesetzeslage niederschlägt.)

Soweit Papst Pius XI. über den atheistischen Kommunismus mit Anmerkungen von Catocon zur Frage der Anwendbarkeit der Enzyklika auf die heutigen gesellschaftlichen Umstände. Zusammenfassend lässt sich sagen, dasssehr viele der gesellschaftlichen Ziele und Prinzipien, die der Papst im ersten Teil der Enzyklika, den ich hier zitiert habe, skizziert, heute weithin anerkannt und nicht mehr als speziell kommunistisch erkannt, sondern vielmehr als selbstverständlich angesehen werden. Wichtig ist allerdings die Erkenntnis, dass die heute verbreitete Ideologie trotz aller ihrer Ähnlichkeiten zum klassischen Kommunismus, die Fixierung auf die rein ökonomischen Produktionsverhältnisse überwunden und damit die größte Schwäche des klassischen marxistischen Kommunismus beseitigt hat. Dadurch ist die heutige Ideologie, die man Neo-Kommunismus, Reformkommunismus oder Marktkommunismus nennen könnte, umso gefährlicher, da sie an die wirklichen Wurzeln der Gesellschaftsstruktur geht, die eben nicht ökonomischer sondern sittlicher Natur sind.

Der logische nächste Schritt wäre nun die Frage nach der Alternative. Gibt es denn eine solche, oder ist der unaufhörliche Fortschritt in die „neokommunistische“ Richtung unaufhaltsam und es daher geboten, sich in das Unvermeidliche zu fügen, so unangenehm es auch sein mag? Auch der Papst geht in der Enzyklika Divini Redemptoris ebenso vor. Er skizziert vorher noch die Frage, wie denn der Kommunismus sich so weit hat ausbreiten können – doch diese Frage ist den Zeitumständen der Entstehung der Enzyklika geschuldet und daher nicht durch Analyse des Textes für die heutige Situation zu beantworten, obwohl auch dieser Teil wichtige Denkanstöße bietet.

Im dritten Teil von Divini Redemptoris geht Pius XI. schließlich zur Darstellung der Alternative über, die die Kirche dem Kommunismus entgegenzusetzen hat. Dabei handelt es sich natürlich hauptsächlich um die vielschichtige und auf diversen inhaltlichen Feldern angesiedelte Soziallehre der Kirche. Diesem Teil der Enzyklika werde ich mich in weiteren Teilen zuwenden, da authentische katholische Soziallehre heute nur selten im öffentlichen Diskurs vorkommt (und meist spricht dann nicht Kardinal Marx, dessen Interpretation der Soziallehre wohl von Leo XIII. und Pius XI. nicht immer und notwendigerweise als solche erkannt würde). Abermals stütze ich mich im Wesentlichen auf den Text dieser selten gelesenen  und fast vergessenen Sozialenzykliken der 1920er und 1930er-Jahre, in denen in bis heute unerreichter Form die Grundlagen einer christlichen Gesellschaftsordnung dargelegt worden sind.

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