Über eine Sonntagspredigt

In der kurzen Zeit seit meinem Übertritt zur katholischen Kirche und unmittelbar davor habe ich sehr viel Negatives über den Zustand der katholischen Kirche und besonders ihrer Liturgie gelesen und gehört. Ein Punkt, der neben den anderen oft thematisierten Fragen dabei oft auftauchte war die fade und inhaltsleere Qualität vieler Predigten.

Gestern hatte ich das Glück einem eindrucksvollen Gegenbeispiel beizuwohnen. Es war eine Predigt über das Sakrament der Ehe. Dieses Thema liegt mir besonders am Herzen, weil es gerade diese Fragen waren, durch die ich erstmals positiv mit der katholischen Kirche in Berührung kam, lange bevor ich den Glauben der Kirche für etwas anderes als frömmlerische Erfindung hielt.

Die Predigt dauerte etwa zwanzig Minuten, war von vorne bis hinten klar und nachvollziehbar logisch strukturiert, erklärte auf allgemeinverständlichem Niveau und doch mit theologischer und spiritueller Tiefenschärfe sehr viele wesentliche Punkte der Lehre zum Ehesakrament und kontrastierte diese eindrucksvoll mit der ehelichen Ruinenlandschaft, die das Resultat der Säkularisierung des Eheverständnisses ist. Sie ging auch schweren und womöglich unpopulären Themen nicht aus dem Weg, vermittelte diese jedoch mit der nötigen Klarheit und dogmatischen Deutlichkeit, allerdings sanft und mit dem nötigen Fingerspitzengefühl.

In diesen zwanzig Minuten lernte der Zuhörer unter anderem:

– Warum die Ehe unauflöslich ist

– Warum die künstliche Geburtenregelung verwerflich ist,

– Welche Ehezwecke es gibt und warum sie existieren,

– Wie die innere Ordnung der Ehe hinsichtlich der Aufgaben von Ehemann und Ehefrau aussieht,

– In welchem Zusammenhang das Sakrament der Ehe mit dem Verhältnis von Christus zu seiner Kirche steht,

– Wieso die Ehe kein „weltlich Ding“ sein kann,

– Dass die Ehe eine hohe Würde besitzt, und worin sie besteht,

– Dass jedes Kind ein unverzichtbares Geschenk Gottes ist,

und einiges mehr.

Eine wirklich beeindruckende Predigt, wie ich Vergleichbares seit meinem Übertritt zur Kirche noch nicht gehört hatte.

Das einzige Problem: Es war ein Pater der Piusbruderschaft, der diese vortreffliche Predigt hielt.

Sicher gibt es viele gute katholische Priester außerhalb der Piusbruderschaft in ganz normalen Gemeinden (oft haben sie allerdings mit Widerständen aus den Gemeinderäten und teilweise auch „von oben“ aus den Diözesen zu kämpfen, wodurch sie an der Ausübung ihres Amtes gehindert werden).

Doch die Predigt vom Sonntag ist aus meiner Sicht ein weiteres Indiz für die immer deutlicher hervortretende Tatsache, dass die Kirche in den westlichen Ländern die geistige und geistliche Kraft der Piusbruderschaft dringend braucht, und jeder Katholik den Tag mit Freunden erwarten sollte, an dem es gelingt, die Piusbruderschaft wieder in volle Einheit mit Rom zu bringen und ihr oft hervorragendes Wirken breiteren Kreisen der Gläubigen zugänglich zu machen als bisher.

Etwas ironisch könnte ich schließen: Die Piusbruderschaft erkennt nachkonziliares Lehramt offenbar doch an – zumindest bei Humanae Vitae scheint es in Deutschland machmal, als seien sie die einzigen, die das täten…

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5 Gedanken zu „Über eine Sonntagspredigt

  1. Sehr schön, sehr schön. Die Berührungsängste (auch bei mir persönlich) gegenüber den Piusbrüdern und ihrer Theologie ist wohl einer der größten Erfolge des liberal-klerikalen Establishments….. leider. Denn abgesehen von den liturgischen und konziliaren Knackpunkten wird hier nur konsequent katholische Doktrin dargebracht, wie sie auch in jeder anderen Gemeinde sein sollte…..
    Und zu der Schlussbemerkung: Die Piusbruderschaft erkennt die Päpste an und somit auch ihr Lehramt. Das ordentliche Lehramt muss aber im EInklang mit der Tradition stehen und das ist bei Humanae Vitae definitiv der Fall (auch bei einigen (wenigen) anderen Lehrdokumenten Pauls VI. z.B. das Credo des Gottesvolkes^^).

    • „Denn abgesehen von den liturgischen und konziliaren Knackpunkten wird hier nur konsequent katholische Doktrin dargebracht, wie sie auch in jeder anderen Gemeinde sein sollte….“
      Sehe ich genauso.

  2. Ich verstehe gut die Sehnsucht nach der wahren Lehre und die Abneigung gegen die Feiglinge und Mietlinge, die sie verkünden müssten, es aber aus, egal was für Gründen, nicht tun.

    Folgendes möchte ich zu bedenken geben:
    @ed
    „Die Piusbruderschaft erkennt die Päpste an und somit auch ihr Lehramt.“
    Dem ist leider nicht so.
    Die Piusbruderschaft ignoriert z.B.(!) sämtliche aktuelle Heiligsprechungen, die sehrwohl auch Lehramts-Verkündigungen sind.

    @catocon
    „… zumindest bei Humanae Vitae scheint es in Deutschland machmal, als seien sie die einzigen, die das täten…“
    Das mag vielleicht manchmal so scheinen, aber das kommt dann wohl auch darauf an, in welchen Kreisen man sich selbst bewegt 😉
    Ich behaupte (von den meisten WEIß ich das), dass alle Ecclesia Dei Gemeinschaften, also z.B. die Petrusbrudeschaft, Institut Philip Neri, Christus König HP, SJM, usw. sich auch bzgl.Humanae vitae nach dem Lehramt der Kirche richten und dies genau in dem Sinne verkünden. Auch die Gemeinschaften, die dem „Forum Deutscher Katholiken“ nahestehen, wie z.B. Generation Benedikt und selbst die Jugend 2000, die noch nicht einmal viel mit der alten Messe zu tun haben, stehen zu Humanae vitae und dem Lehramt.
    Die Piusbrüder sind mitnichten die einzigen in Deutschland…

    Dann danke ich Dir herzlich für die Verlinkung zu dem Beitrag von P. Deneke FSSP, und kann Dir versichern, dass auch ich den Tag, an dem es gelingt, die Piusbruderschaft wieder in volle Einheit mit Rom zu bringen, mit Freu n (!) den erwarte.

    Liebe Grüße und Gottes Segen!

    • Frischer Wind,
      natürlich sind die Piusbrüder nicht die einzigen, die Humanae Vitae anerkennen, und meine diesbezügliche Anmerkung war auch eher ironisch gemeint (wie im Artikel zum Ausdruck gebracht). Was mir an der Piusbruderschaft gefällt ist, dass sie absolut keine Scheu haben, auch zu den unpopulärsten Themen klar und deutlich zu sagen, was sie denken. Das bewundere ich immer – egal ob ich dem Gesagten nun zustimme oder nicht. Diese Eigenschaft ist in Deutschland nicht einzigartig (Du nennst einige der Gruppen, die ebenfalls ähnlich klare Positionen vertreten, in Deinem Kommentar), aber trotzdem viel zu selten.
      Du schreibst: „das kommt dann wohl auch darauf an, in welchen Kreisen man sich selbst bewegt“.
      Das ist natürlich richtig. Die Petrusbrüder und die anderen Ecclesia Dei Gemeinschaften gibt es nicht in für mich erreichbarer Nähe (ich würde sofort hingehen und bleiben!!), und die verfügbaren Gemeinden beherbergen die scheinbar übliche Mischung – entweder ein Priester ist gläubig, aber ziemlich vorsichtig in seinen Worten, und sagt manches lieber nicht so offen, oder er sagt alles offen, aber was er sagt, hat oft mit dem Glauben der Kirche leider gar nichts zu tun. Die Piusbrüder sind daher in den Kreisen, „in denen ich mich bewege“, hinsichtlich klarer Glaubensverkündigung um Längen voraus.
      Und während ich Dir zwar zustimme, dass die Piusbruderschaft wegen ihrer irregulären Beziehung zu Rom mit Vorsicht zu genießen ist, habe ich doch hinsichtlich der praktischen Glaubensverkündigung bisher nur positive Erfahrungen mit ihr gemacht. Wer ganz grundsolide etwas über den katholischen Glauben erfahren möchte ist, solange es nicht um die Nachkonzilszeit geht, dort besser aufgehoben, als beim Heile-Welt-Pfarrer von Nebenan, dem man den Glauben an die Realpräsenz nicht wirklich abnehmen möchte, wenn man sieht, wie er mit dem Herrn in der Eucharistie umgeht. Ideal ist das alles nicht. Besser wäre es, wenn die Ecclesia Dei Gemeinschaften flächendeckend vertreten wären; und noch besser, wenn die ständige Rücksicht, die auf die „Feiglinge“ und „Mietlinge“ seitens der Hierarchie genommen wird, endlich aufhörte, und in allen Gemeinden wieder klare, unverfälschte katholische Lehre gepredigt würde.

      Auch Dir einen herzlichen Gruß (meinetwegen auch zwei ;)) und Gottes Segen!

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