Jesus und die Prohibition – „Vinum non habent“

„[H]aben wir vergessen, welches das erste Wunder Jesu war? Haben wir vergessen, daß es sich bei der Hochzeit zu Kana nur um die Aufhebung des Übels handelte: „Vinum non habent„, „sie haben keinen Wein mehr“? (…) Das Evangelium sagt: „Er offenbarte Seine Glorie und Seine Jünger glaubten an Ihn“. Die Kirche sieht in diesem Wunder vor allem die Offenbarung der Gottheit Christu. Aber es ist zugleich auch eine Offenbarung der grenzenlosen Fülle Seiner göttlichen Liebe. Das erste Wunder Jesu war weder die Heilung eines Kranken, noch das Geschenk eines hohen natürlichen Gutes, etwa das des Augenlichtes für den Blindgeborenen, nicht einmal ein unerläßliches Gut wie bei der Brotvermehrung. Die Verwandlung von Wasser in Wein war weder für das Paar,- noch für die Hochzeit als solche unerläßlich. Es diente nur der Erhöhung der Festesfreude. Dabei fehlte der Wein nicht völlig, nur seine Quantität war unzureichend. Göttlicher Überfluß! Christus, unser Erlöser, der uns ständig ermahnt, nur das „Eine Notwendige“ zu suchen, bezeugt ein solches Interesse daran, daß die Hochzeit in ungestörter Freude stattfinde und der Bräutigam nicht gedemütigt werde oder in Unruhe gerate, weil es nicht genug Wein gibt.

— Dietrich von Hildebrand – Der verwüstete Weinberg S. 138. Hervorhebungen von Catocon.

Spontane Frage: Wie konnten die Puritaner aus religiöser Motivation den Konsum von alkoholischen Getränken grundsätzlich ablehnen, wenn Jesus sogar Wunder wirkt, um mehr Wein herbeizuschaffen, der dann getrunken werden soll? Hätte Jesus für die Prohibition plädiert?

Es zeigt sich doch immer wieder, dass gerade die katholische Religion nicht nur die Fülle der übernatürlichen Glaubenswahrheiten besitzt, sondern auch alle echten Freuden und irdischen Glücksgüter – an dem ihnen angemessenen Platz – besitzt und ihr Genießen zulässt und fördert. Und mehr noch: Dass der Genuß der natürlichen Güter erst dann in besonderer Weise aufblüht und wirkliche Freude bringt, wenn er in dem vernünftigen Rahmen stattfindet, den die Kirche für ihn vorsieht.

Die wahre Kirche kann nur diejenige sein, die das Gute am natürlichen, diesseitigen Leben fördert und in den Kontext stellt, in dem es zur höchsten Entfaltung kommt, und zugleich das Schlechte am natürlichen, diesseitigen Leben erkennt, isoliert und nach Kräften bekämpft.

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