Ein altes unfreies Bistum?

Dies möchte man vom Bistum Augsburg wohl annehmen – ein altes, unfreies Bistum zu sein – verbietet es doch, diesem Artikel von kath.net zufolge, dem angesehenen Pfarrer Oblinger für die konservative Wochenzeitung „Junge Freiheit“ zu schreiben, für die er seit Jahren regelmäßig Kolumnen verfasst hat. Darüber hinaus scheint es sich, diesem Artikel zufolge, auch um ein generelles Schreibverbot für den Pfarrer Oblinger zu handeln, bei dem seine zukünftigen Schreibaktivitäten durch das Bistum vorher abgesegnet werden sollen.

Ich möchte von der kirchenrechtlichen Frage, ob dies formal erlaubt ist, Abstand nehmen. Mangels Sachkenntnis überlasse ich jegliches Urteil hinsichtlich der juristischen Zulässigkeit des Verhaltens des Bistums den Kirchenrechtlern. (Wobei man sich fragen muss, warum ein glaubenstreuer Pfarrer wie Oblinger Schreibverbot erhält, aber dasselbe nicht gegenüber der Vielzahl heterodoxer Schreiberlinge geschieht, die die Kirche heute aufzubieten hat.

Vielmehr möchte ich eine Frage der Gerechtigkeit stellen: Ich möchte nicht fragen, ob es eine juristische Grundlage für das Verhalten des Bistums gibt, sondern ob dieses Verhalten im moralischen Sinne gerechtfertigt werden kann. Und da kann, besonders hinsichtlich der Kolumnen des Pfarrers in der „Jungen Freiheit“ wohl kein Zweifel bestehen. Bei der Jungen Freiheit handelt es sich um eine konservative, deutsche Wochenzeitung – mit allem, was das impliziert. Dort sind eher liberal-wirtschaftsfreundliche Autoren vertreten, dazu welche mit christlichem Hintergrund (sowohl evangelisch als auch katholisch), die sich der Entchristlichung erwehren möchten, und natürlich auch nationalkonservative Autoren. Dies ist nun einmal das Profil des Konservatismus in Deutschland – christliche, liberale und nationalkonservative Strömungen koexistieren hier in ihrem gemeinsamen Kampf gegen den antichristlichen, antifreiheitlichen und internationalistischen Zeitgeist, dabei für die Bewahrung der wirtschaftlichen Freiheit, der christlichen Werte des Abendlands und der deutschen Nation als Träger souveräner Gestaltungsmacht in der Weltpolitik kämpfend.

Je nach politischer Ausrichtung kann man dieses Engagement richtig oder falsch finden. Ich bin auch kein regelmäßiger Leser der Jungen Freiheit, wenn ich auch die Kolumnen von Pfarrer Oblinger, die in der Onlineausgabe verfügbar sind, immer gern gelesen habe. Sie enthielten auch keinen übertriebenen Nationalismus oder irgendetwas, das vielleicht aus Sicht eines wohlmeinenden katholischen Bischofs anstößig sein könnte. Vielmehr verströmten sie einen christlichen, katholischen Geist, behandelten oft in freundlicher, aber klarer Weise die Probleme einer mehr und mehr entchristlichten Gesellschaft und scheuten sich auch nicht in respektvoller Weise auf die innerkirchliche Glaubenskrise hinzuweisen. Wenn die Kolumnen des Pfarrers Oblinger in der Jungen Freiheit in irgendeiner Form repräsentativ für sein ganzes Schrifttum sind, dann ist dieses Schreibverbot für einen rechtgläubigen, konservativ denkenden Pfarrer nichts weniger als ein gewollter Affront gegen alle rechtgläubigen, konservativ denkenden Katholiken seitens eines Bistums, das gerade in den letzten Jahren, gerade hinsichtlich der unwürdigen Behandlung des Bischofs Mixa, durch solcherlei Affronts aufgefallen ist, sich jedoch konstruktiver Beiträge im Kampf gegen die Kirchenkrise oder im Zuge der Neuevangelisierung nahezu gänzlich enthalten hat.

Ein deutsches Musterbistum eben.

Wie gesagt – wenn des Pfarrers Worte in der Jungen Freiheit repräsentativ für sein ganzes Schrifttum sind. Vielleicht wissen wir nicht alles, und es ist – wie immer – angemessen, den zuständigen Stellen die Möglichkeit der Rechtfertigung ihres Verhaltens vor dem Hintergrund katholischer Rechtgläubigkeit zu geben. Vielleicht steckt mehr hinter der Sache, als wir von außen erkennen können. Jedoch scheint es mir dafür derzeit keinen Anhaltspunkt zu geben, so dass ich von der zumindest allgemeinen Zuverlässigkeit der vorliegenden Informationen ausgehen muss.

Und diese Informationen lassen einen relativ klaren Schluss zu: Im Bistum Augsburg darf nur schreiben, wer zumindest mit der Häresie sympathisiert, oder sie nicht zu ausdrücklich verurteilt, und wer bereit ist, mit klaren Worten zu den Ursachen der Kirchenkrise „hinterm Berg“ zu halten.

Sollte das Bistum seinen für mich unverständlichen Schritt in irgendeiner Form mit der Kolumne des Pfarrers Oblinger bei der Jungen Freiheit rechtfertigen, so nähme diese Affäre noch hässlichere Züge an – denn in diesem Fall unternähme es ganz offiziell ein deutsches Bistum, den politischen und gesellschaftlichen Konservatismus, an den „rechtsextremen“ Pranger zu stellen, an den man der Jungen Freiheit aus interessierten Kreisen immer wieder zu stellen versucht hat.

Wobei natürlich die Frage ist, ob eine Zeitung, die Bundeskanzler Adenauer vermutlich als ziemlich mild in ihrer christlichen und nationalkonservativen Ausrichtung angesehen hätte, wirklich sinnvoll als rechtsextrem gebrandmarkt werden kann, oder inwiefern eine solche Etikettierung heutzutage nicht jeglichen Erkenntniswertes entbehrt. Ist ein Festhaltenwollen am nationalstaatlichen Ordnungsprinzip, der Wunsch zur Begrenzung der Zuwanderung besonders nichteuropäischer Menschen usw. bereits unchristlich oder rechtsextrem? Ein solcher Wunsch ist vielleicht politisch falsch – da mag man geteilter Ansicht sein – aber keinesfalls unchristlich, haben doch alle christlichen Gesellschaften zu jeder Zeit das Recht beansprucht, die nationalen Grenzen nach eigenem Wunsche zu regulieren.

Aber ein Bistum, das Pfarrer Oblinger Schreibverbot erteilt, hätte wohl auch jedem rechtgläubigen katholischen Pfarrer vor 1970 Schreibverbot erteilen müssen, um das elementare Gerechtigkeitsprinzip der Gleichbehandlung des Gleichen nicht zu verletzen.

Ein solches Bistum ist auch zwangsläufig kein Magnet für junge Katholiken, die ihren Glauben frei leben wollen, ohne sich ständig darum fürchten zu müssen, für ihre lehramtstreuen Positionen in die rechte Ecke gestellt zu werden. Denn in den antifaschistischen Gruppen, die oft die Hauptprofiteure des staatlichen „Kampfes gegen Rechts“ sind, wird nicht selten auch die Opposition gegen die „Reproduktionsfreiheit der Frau“ oder die Ablehnung der „Freiheit von Homosexuellen zu heiraten“, als faschistisch und rechtsextrem gesehen. Wie lange noch, bis im Bistum ähnliche Haltungen im Zuge der Anpassung an die Welt und ihren Zeitgeist eingenommen werden?

Wie gesagt, dies alles unter der Annahme, dass die mir vorliegenden Informationen stimmen. Vielleicht gibt es ja einen besseren Grund – doch wenn es ihn gibt, dann sollte das Bistum ihn nennen.

Hier übrigens ein direkter Link zum Archiv der Kolumnen des Pfarrers Oblinger bei der Jungen Freiheit. Dort können sich die Leser gern selbst überzeugen, ob Pfarrer Oblinger durch seine Schriften wirklich eine Bedrohung für den katholischen Glauben darstellt – was ja ein kirchliches Schreibverbot allenfalls rechtfertigen könnte – oder ob sie nicht einfach eine Gefahr für den säkularisierten Katholizismus der Reformation darstellen, welcher heute in Deutschland seitens der offiziellen Stellen allzuoft angeboten wird. Besonders angesichts der Tatsache, dass erst vor gut zwei Monaten eine Kolumne des Pfarrers Oblinger erschienen ist, in der er (klarsichtig wie meistens) erkannte, dass „bestimmte innerkirchliche Kreise eine protestantierte, priesterlose Kirche“ wollen. Ob sich da wohl jemand angesprochen gefühlt hat?

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2 Gedanken zu „Ein altes unfreies Bistum?

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