Vom Weg der Wahrheit und der Kreuzung von 1962

Johannes hat auf seinem Blog gerade eine sehr interessante Reihe über die Piusbruderschaft gestartet. Hier die Links zu den bislang veröffentlichten Artikeln:

Zu den Piusbrüdern 1

Die Piusbrüder und die Nazikarte

Freikirchen, die Piusbrüder und die wahre Kirche Christi

Ich kann nicht sagen, dass ich mit allem, was Johannes da geschrieben hat, einverstanden bin. In manchen Punkten bin ich ganz anderer Meinung als er und sehe die Piusbruderschaft positiver. Doch das ändert nichts daran, dass seine Ausführungen, wie eigentlich immer, empfehlenswert sind. Sowohl für Anhänger als auch für Gegner der Piusbrderschaft, und für alle dazwischen, stellen die drei bislang veröffentlichten Artikel eine differenzierte Perspektive fernab der üblichen eingefahrenen Diskussionspfade dar.

Nun aber noch einige Worte zur Frage der Piusbrüder. Was ist von ihnen zu halten? Ich sehe das alles sehr zweischneidig.

Vom Irrweg der Unabhängigkeit von Rom

Es ist gar keine Frage, dass die Piusbruderschaft dringend in volle Einheit mit Rom geführt werden muss und dass alle existierenden Tendenzen zum Sedisvakantismus oder „Unabhängigkeit“ vom „modernistischen“ Rom letztlich bekämpft werden müssen. Dennoch sind die Piusbrüder bereits heute in (unvollständiger) Einheit mit Rom. Sie erkennen alle Dogmen der Kirche an, bewahren bis heute einige Schätze, die in der weiteren Kirche so gut wie vollständig verloren, vergessen und begraben worden sind, und für diesen unschätzbaren Dienst kann man Erzbischof Lefèbvre und seinen Getreuen, trotz all ihrer allzu menschlichen Fehler, gar nicht genug danken.

Vom Verdienst der Piusbruderschaft

Wenn man einmal die wenigen Streitpunkte (Religionsfreiheit, Ökumenismus usw.) beiseite lässt, und nur die Gemeinderealität betrachtet, so stellt man fest, dass Priester, die ehrfürchtig die Heilige Messe feiern (egal ob ordentlich oder außerordentlich), den ganzen unverkürzten katholischen Glauben verkündigen und sich nicht scheuen, auch unpopuläre Themen anzusprechen, ziemlich selten geworden sind.

Bei der Piusbruderschaft ist das noch selbstverständlich. Man kann sich beim Besuch eines Messzentrums darauf verlassen, dass eine gültige, ehrfürchtige Messe zelebriert wird, dass der traditionelle Glaube der Kirche verkündet wird, und dass man sich dort nicht in Anpassung an den Zeitgeist suhlt.

Bei der Petrusbruderschaft und anderen Ecclesia Dei Gruppen ist das auch selbstverständlich (und deshalb erscheint mir der Streit zwischen diesen Gruppen auch so unsinnig). Aber sie sind selbst in der weiteren Kirche ziemlich unbekannt. Die Piusbrüder sind, ob es uns gefällt oder nicht, derzeit der öffentlich bekannteste Leuchtturm des explizit traditionellen Glaubens, der, wenn die „Hermeneutik der Kontinuität“ denn zutrifft, nicht plötzlich nach dem Konzil falsch geworden sein kann.

Von den Fehlern der Piusbruderschaft

Das alles soll nicht über die realen Fehler der Piusbruderschaft hinwegtäuschen. Sie gebärdet sich manchmal selbstgerecht und fast schon hochmütig gegenüber anderen Katholiken. Wie jede Gruppe, die viele Schätze hat, ist sie der Versuchung ausgesetzt, andere, die über diese Schätze nicht verfügen, herabzusetzen. Ferner macht sie den Fehler, der für Anhänger einer Tradition naheliegt, wenn diese Tradition umgestürzt werden soll. Sie mumifiziert in gewisser Weise diese Tradition und schirmt sie nicht nur den Umsturzversuchen gegenüber ab, sondern auch ganz natürlichen, organischen Veränderungen, die dem Geist der Tradition gar nicht widersprechen. Der katholische Glaube, wie er 1962 geglaubt wurde, ist nicht falsch geworden durch das Konzil. Wer ihn glaubt, ist auch heute noch ein guter Katholik. Aber die Gefahr der Piusbrüder ist, sich von einer legitimen, traditionstreuen Entwicklung abzuschneiden, und nicht nur von den Abbruch- und Aufbruchunternehmen seit dem Konzil.

Kreuzung von 1962 und Weg der Wahrheit

Die Sache mit den Piusbrüdern ist ziemlich zweischneidig. Auf der einen Seite wäre die Kirche tatsächlich besser dran, wenn sie mit der Anpassung an den Zeitgeist, der auf Gemeinde- und selbst Bistumsebene fast wichtiger erscheint als der Heilige Geist, schlicht aufhörte, und zum traditionellen Glauben zurückkehrte. Wer falsch abgebogen ist – und das sind die Verfechter der Mitmach-Messen und Verbandslaienaufstände mit Sicherheit – der kehrt am besten um und geht bis an die Kreuzung zurück, an der er falsch abgebogen ist. Insofern wäre eine Rückkehr zum traditionellen Glauben, wie die Piusbrüder ihn verkünden, der richtige Weg. Und die Stellung an dieser Kreuzung immer gehalten zu haben, ist das große Verdienst der Bruderschaft.

Doch falsch abgebogen zu sein bedeutet nicht, dass man gar nicht hätte abbiegen sollen. Die Kreuzung ist nicht das Ziel, sondern nur eine Wegstation auf dem Weg zu dem Ziel. Man muss abbiegen, aber richtig abbiegen. So ist es auch mit der Kirche. Auch sie kann nicht für immer an der Kreuzung stehenbleiben, an der die Piusbruderschaft heute so treu Wache hält. Es gibt legitime Entwicklung der Tradition durch tieferes Verständnis derselben. Solcherart Entwicklung vertieft die Tradition, macht sie nicht ungültig, aber verschafft neue Einsichten.

Vom Licht des Heiligen Geistes: Der Papst als Vorhut

Und so wird der Heilige Geist, wie immer, die Kirche früher oder später auf den Weg der Wahrheit lenken, der von der Kreuzung von 1962 aus abzweigt. Diesen Weg der Wahrheit hat die Piusbruderschaft nicht gepachtet, aber die Kreuzung gegen großen Widerstand verteidigt zu haben, ist ihr Verdienst. Umgekehrt haben die Anhänger des „Konzilsgeistes“ eine Reihe von Irrwegen begangen, die alle in Sackgassen enden. Und Papst Benedikt wäre in diesem Bild so etwas wie die Vorhut, die den Weg der Wahrheit mit vorsichtigen, tastenden, noch nicht immer absolut trittsicheren Schritten beschreitet, noch nicht vollständig kartographiert hat, sich aber in der Dunkelheit vom Licht des Heiligen Geistes leiten lässt. Wenn dieser Weg der Wahrheit, der den traditionellen Glauben in Gänze bestätigt, ihn aber organisch und natürlich weiterentwickelt, erst einmal kartographiert und beleuchtet ist, dann wird es die Aufgabe der Piusbruderschaft sein, ihn als Nachhut zu beschreiten und gegen Angriffe abzusichern.

Sich dann zu weigern, wäre ein Schisma. Doch so weit ist es noch nicht.

9 Gedanken zu „Vom Weg der Wahrheit und der Kreuzung von 1962

  1. So macht Blogozese Spaß!
    Vielen Dank für die guten Worte bez. meiner bisherigen, kleinen Artikel zur FSSPX und der Kirche. Wie schon bei mir drüben angedeutet, bewege ich mich auf schmalen Pfaden mit meinen Aussagen, und damit stelle ich mich in die Pflicht, mich möglichst gut zu erklären, zumal ich für die Piusbrüder immer schon eine tiefe Sympathie hege und besonders aber ihre Hauptanliegen sehr liebe.

    Das Schreiben ist meine Weise zu denken, und oft komme ich sozusagen schreibenderweise selbst erst auf die Punkte. Das bedeutet, hier und da braucht es etwas länger und mehrere Ansätze, bis die Dinge gesagt sind. Ich bitte um Geduld und bin selbst gespannt, was herauskommt.
    „Eisen schleift ich am Eisen“, wie der heilige Thomas schreibt. Also: Liebe Gruß und: Ans Werk; im gemeinsamen Willen, allem so gut es geht, gerecht zu werden.

    • Johannes,
      wie ich auch schon bei Dir geschrieben habe, bin ich gespannt auf die weiteren beim Schreiben verfertigten Gedanken. Mir geht es übrigens ähnlich: Ich habe meist nur eine grobe Idee von der Richtung, in die ich mit einem Artikel gehen will, und die konkreten Details finden sich dann erst beim Schreiben.

  2. Zunächst: Ich werde nicht lesen, was Johannes in seinem Blog geschrieben hat. Nicht, weil ich irgendetwas gegen ihn hätte. Sondern weil ich es leid bin, immer irgend etwas von außen über die Pius-Brüderschaft zu lesen, statt ihre eigenen Texte. Und zwar mehr als Ausschnitte. Ich habe das selbst lange genug praktiziert. Und ich bin inzwischen die Klischees mehr als leid.
    Es geht einfach und allein um die WAHRHEITSFRAGE, und um sonst gar nichts! Es geht nur darum, ob die Kritik der FSSPX am II. Vatikanum berechtigt ist oder nicht. Ich, eine Alt-68erin, damals eine „Konzilseuphorikerin, habe meine Meinung sehr, sehr ändern müssen. Das war schmerzlich, aber heilsam.
    Wenn ich technisch dazu in der Lage wäre, würde ich aus dem Mitteilungsblatt der FSSPX vom Dezember 2011 die 13 Fragen italienischer Intellektueller, die dort veröffentlicht sind samt ihrem Bittgesuch an den Heiligen Vater um eine vertiefte Untersuchung des II.Vatikanischen Konzils, ins Netz stellen. Ich würde mich opfern, doch meine technische Unbedarftheit verlangt dieses Opfer nicht von mir🙂, ich kann es nicht und bin entschuldigt…Die Fragen über 40 Intellektueller, Roberto de Mattei mittendrin, die einer Antwort harren.
    Sie müssen beantwortet werden, ewig kann das Lehramt nicht schweigen! Ich hätte inzwischen noch einige Fragen anzufügen, aber wer ist die kleine cuppa?
    Eine naive Person, die sich anmaßt und feststellt: Mein Kinder- und Jugendglaube und der meiner Vorfahren, ist weitgehend obsolet, wenn ich die Konzilstexte lese. Und die lese ich ohne die Pius-Bruderschaft. Weil ich des Lesens und auch noch des Denkes fähig bin…
    Ich stehe vor der Frage: Zu welcher Kirche gehöre ich? Zur vorkonziliaren oder zur nachkonzilaren Kirche?
    Zur vorkonziliaren, ich kann es leider nicht ändern. Ich bin sowieso vom Papst da wieder „eingestellt“ worden. Denn für die „Alte Messe“, und zu ihr gehöre ich, gelten ausschließlich die Regeln von 1962.
    Ich hätte dann auch noch so einen naiven Vorschlag zu machen: Man nehme die Mappen einer ganz normalen katholischen Gemeinde zur Kommunionvorbereitung und zur Firmvorbereitung und die der Pius-Bruderschaft und schicke sie zur Glaubenskongregation. Die möge dann entscheiden, welche heterodox sind und welche katholisch. Wir würden uns wundern😉

    • Cuppa, gestatte mir bitte, darauf etwas ausführlicher zu antworten:

      „Es geht einfach und allein um die WAHRHEITSFRAGE, und um sonst gar nichts! Es geht nur darum, ob die Kritik der FSSPX am II. Vatikanum berechtigt ist oder nicht.“
      In einer gerechten Welt ginge es wirklich nur darum. In unserer fehlbaren Welt geht es zusätzlich noch um die Bitterkeiten, guten und schlechten Erinnerungen, Enttäuschungen, Eitelkeiten und Schwächen aller Beteiligten. Viele „Traditionalisten“ sind, oft durchaus verständlicherweise, verbittert angesichts der Entwicklungen, die viele von ihnen in ihrem Leben haben mit ansehen müssen. Das Misstrauen, das daraus erwächst, ist ein sehr reales Hindernis auf dem Weg zur Klärung der Wahrheitsfrage.
      Auf der „anderen Seite“ sitzen in Rom viele Leute, für die das Konzil prägend war, und die, selbst wenn sie inhaltlich eingestehen würden, dass es falsch war, es niemals aufgeben oder revidieren könnten, weil sie damit ihr ganzes Leben zu einem einzigen Irrtum erklären müssten.
      Mit diesen menschlichen Schwächen haben wir es immer zu tun, und viele segensreiche Dinge sind uns durch sie verwehrt geblieben. Aber das können wir leider nicht ändern.

      „Ich, eine Alt-68erin, damals eine “Konzilseuphorikerin, habe meine Meinung sehr, sehr ändern müssen. Das war schmerzlich, aber heilsam.“
      Als Ex-Atheist, Ex-Sozialist und ehemaliger, geradezu fanatischer Anhänger der 68er-Revolution kann ich das durchaus nachempfinden. Meine Bekehrung zum Katholizismus war ebenfalls schmerzlich und heilsam. Allerdings habe ich das Glück gehabt, die ganze Zeit nicht selbst erleben zu müssen, und das Pech, dass mir dadurch die Erinnerung an eine Zeit fehlt, bevor die Kirche von den Abbruchunternehmern in vielen Gemeinden praktisch übernommen wurde.

      „die 13 Fragen italienischer Intellektueller, (…) Sie müssen beantwortet werden, ewig kann das Lehramt nicht schweigen!“
      Diese Fragen würde ich aus vollem Herzen unterstützen und ebenfalls den Heiligen Vater um eine Antwort bitten. Ich habe sie ebenfalls im Mitteilungsblatt der Bruderschaft gelesen (das übrigens auf der Homepage der Piusbruderschaft für jeden einsehbar ist). Sie fordern eine vertiefte Untersuchung des Konzils – das heißt, sie wollen das Gute vom Schlechten trennen, und dann das Gute behalten. Das ist es, was ich mit meiner Analogie vom Weg der Wahrheit und der Kreuzung von 1962 gemeint habe: Die guten Ansätze behalten, und das Schlechte verwerfen.

      „Eine naive Person, die sich anmaßt und feststellt: Mein Kinder- und Jugendglaube und der meiner Vorfahren, ist weitgehend obsolet, wenn ich die Konzilstexte lese. Und die lese ich ohne die Pius-Bruderschaft. Weil ich des Lesens und auch noch des Denkes fähig bin…
      Ich stehe vor der Frage: Zu welcher Kirche gehöre ich? Zur vorkonziliaren oder zur nachkonzilaren Kirche?“

      Gehst Du hier nicht ein kleines Schrittchen zu weit in die richtige Richtung? Ist er wirklich IN DEN TEXTEN des Konzils weitgehend obsolet? Dass er auf Gemeindeebene und oft genug auch auf Bistumsebene praktisch ignoriert wurden ist, da besteht kein Zweifel. Und dass in einigen Punkten (die bekannten Streitfragen zwischen Rom und den Piusbrüdern) die Texte des Konzils einen Bruch mit dem traditionellen Glauben suggerieren, ist aus meiner Sicht auch kaum zu leugnen.
      Und dass das Konzil zu einer verschwurbelten, in fast jede beliebige Richtung auslegbaren, intransparenten Prosa neigt, die, selbst wenn sie wirklich, wie der Heilige Vater sagt, in Kontinuität mit der Tradition ausgelegt werden könnte, nur zu Häresien und nicht zu Klarheit hätte Anlass geben können, und dass daher das Konzil auf jeden Fall eher schädlich als nützlich war, würde ich auch unterschreiben.
      Aber ist wirklich der traditionelle katholische Glaube „weitgehend obsolet“ durch die Texte des Konzils?
      Wenn ja, dann hat das Konzil eine neue Kirche begründet, denn wie sollte die von Christus eingesetzte Kirche den Glauben per Dekret „weitgehend obsolet“ machen können? Sie stünde ja unter der Leitung des Heiligen Geistes, der uns in die Wahrheit, und nicht die Lüge, führen wird.
      Wenn nicht, wenn also das Konzil zwar ein schwerwiegender Fehler war, weil es den Glauben auf teilweise absichtlich missverständliche Weise ausgedrückt hat, weil es in einigen Punkten einen Bruch suggeriert, weil wir sie an ihren Früchten erkennen sollen, und die Früchte des Konzils vergiftet waren, den Glauben aber nicht weitgehend obsolet gemacht hat, dann wäre das, was da jeden Sonntag in unzähligen Novus Ordo Messen getan und gepredigt wird, wie eine schwere Krankheit am Leib unserer Heiligen Mutter, und wir müssten die Häresien, die zu dieser Krankheit geführt haben, isolieren und bekämpfen, nicht die ganze „nachkonziliare Kirche“ als neue Kirche mit einem neuen Glauben verurteilen.

      „Ich hätte dann auch noch so einen naiven Vorschlag zu machen: Man nehme die Mappen einer ganz normalen katholischen Gemeinde zur Kommunionvorbereitung und zur Firmvorbereitung und die der Pius-Bruderschaft und schicke sie zur Glaubenskongregation. Die möge dann entscheiden, welche heterodox sind und welche katholisch.“
      Volle Zustimmung. Man müsste sie vorher allerdings anonymisieren, damit die Glaubenskongregation nicht weiß, dass die eine von der Piusbruderschaft stammt, denn sonst könnten gewisse Leute aufgrund gewisser Ressentiments gegen die Bruderschaft zu einem fehlerhaften Ergebnis kommen. Das ist ja die ganze Tragik. Die Piusbruderschaft verteidigt standhaft und treu den wahren, traditionellen Glauben. Das ist die Wahrheit. Doch sie ist nicht Rom, sie ist nicht der Heilige Vater, und sie ist nicht in voller Einheit mit ihm. Das ist auch die Wahrheit. Und viele Verlautbarungen aus Rom, und die Konzilsdokumente selbst, machen nicht den Eindruck, als ob sie denselben Glauben verträten, wie Pius X. und die nach ihm benannte Bruderschaft. Auch das ist die Wahrheit. Ein schreckliches Dilemma.

  3. Nachfrage: Wo ist die „legitime, traditionstreue Entwicklung“? Wer vertritt sie? Die Ecclesia-Dei-Gemeinschaften, die Petrus-Bruderschaft?
    Sie sind Zeichen der Hoffnung, ohne Frage. Sollte die Glaubens- und Kirchenkrise jedoch im Konzil selbst liegen, ist die Pius-Bruderschaft unverzichtbar. Sie werden auch keine Ruhe geben, sollten sie eingegliedert werden. Und das wäre nötig. Man kann eine schwere Krankheit nur behandeln mit der richtigen Diagnose. Wir kommen an der WAHRHEITSFRAGE nicht vorbei.

    • Cuppa,
      natürlich ist die Piusbruderschaft unverzichtbar. Sie ist tatsächlich der Leuchtturm des explizit traditionellen Glaubens. Sie ist die Schatzkiste, in der dieser Schatz gehütet wird. Aber auch die Petrusbruderschaft und vergleichbare Gruppen sind unverzichtbar. Sie zeigen, dass etwa der Schatz der traditionellen Messe, und die furchtlose Verkündigung des Glaubens auch in voller Einheit mit Rom möglich sind, wenn auch unter einigen Bedingungen, die für die Piusbruderschaft nicht akzeptabel wären. Alle traditionell-katholischen Gruppen sind unverzichtbar und erfüllen ihre jeweilige Mission. Die Anhänger der einen Gruppe sollten die Mission der anderen Gruppe anerkennen, und miteinander nicht im Streit liegen, wie dies bei Pius- und Petrusbrüdern der Fall zu sein scheint. Das ist wie in einer guten Familie: Die Mutter macht nicht dasselbe wie der Vater, aber beide arbeiten auf das gleiche Ziel hin.

      Das Konzil selbst war Ausdruck einer gewissen Zeitstimmung und der nie ganz verschwundenen Reste des Modernismus, der dieser Zeitstimmung in der Kirche eine Basis verlieh. Es ist daher nicht selbst die Ursache der Glaubenskrise, sondern eine ihrer schlimmsten Folgen. Statt fest beim Glauben zu bleiben, hat das Konzil versucht, ihn so zu dehnen und zu biegen (und dass es nicht zum expliziten Bruch, sondern nur zum praktischen Bruch gekommen ist, dürfte wohl der direkten Einwirkung des Heiligen Geistes zu verdanken sein), dass er nicht mehr so anstößig für den „modernen Menschen“ ist. Wir können bereits im Konzil die Auswirkungen der Glaubenskrise erkennen, die ihre Ursachen lange vor dem Konzil haben muss. Schon der Modernismus am Anfang des 20. Jahrhunderts ist Ausdruck dieser Glaubenskrise. Meiner Ansicht nach ist der Fehler des Konzils nicht gewesen, dass es die Glaubenskrise verursacht hat, sondern dass es nichts gegen sie getan, und dadurch ihre Ausbreitung begünstigt hat.

      Wenn man heute beschließen würde, das Konzil einfach einzumotten und nie wieder hervorzuholen, würde ich ihm nicht eine einzige Träne nachweinen. Was ich mit „legitimen Entwicklungen“ meinte, bezog sich auf jene langsamen, natürlichen, organischen Prozesse, mit denen die Kirche unter Leitung durch den Heiligen Geist, immer tiefere Einsichten in die Glaubenswahrheiten erlangt. Dass sie stattfinden, hat uns Jesus versprochen, als er sagte, er werde uns den Heiligen Geist senden, der die Kirche in die ganze Wahrheit führen werde. Ich setze voraus, dass sie auch heute stattfinden, wobei man vom heutigen Standpunkt aus nicht exakt benennen kann, worin sie bestehen – was später einmal an Ansätzen aus dem Konzil dogmatisiert werden wird, was in das unfehlbare ordentliche Lehramt übergehen wird, das werden wir erst erfahren, wenn es soweit ist. Was immer es aber sein wird, wir können davon ausgehen, dass es in keinem Widerspruch zum traditionellen Glauben stehen wird, wie früher lehramtliche Festlegungen sich ja auch aus einem langen Prozess der Betrachtung ergaben, und keinesfalls früherem Glauben widersprachen. Selbst das große Credo, das in der Messe gebetet wird, ist auf diese Weise entstanden.
      Vielleicht wird man das Konzil irgendwann auch einfach vergessen und es wird klar werden, dass es auf dem Konzil keine solchen legitimen Entwicklungen gegeben hat. Damit hätte ich auch kein Problem.
      Doch wenn die Kirche, die nach wie vor in Rom, und nicht in Econe verortet ist, was auch die Piusbruderschaft selbstverständlich anerkennt, irgendwann bestimmte Ansätze aus dem Konzil lehramtlich bindend festlegen sollte, dann müsste die Piusbruderschaft diesen Festlegungen Folge leisten, oder durch ihre Weigerung implizit bekennen, dass sie den Papst nicht länger als Oberhaupt der Einen, Heiligen, Katholischen, Apostolischen Kirche mit wahrer Vollmacht anerkennt.

  4. Pingback: Der Vergleich mit den Piusbrüdern » Johannes' Blog

  5. Catocon, natürlich war der Satz, mein Kinder- und Jugendglaube ist obsolet, überspitzt. Sehr sachlich nehme ich wahr, dass er in Deutschlad – nur hier ? – zu einem „Minderheiten- Flügel“ verkommen ist. Der in keinem Laien-Gremium mehr repräsentiert wird, vielleicht gibt es Ausnahmen.
    Am 14. 09. 11 wurde dem Generaloberen die doktrinelle Präambel überreicht. Wenn ich mich richtig erinnere, ging die Antwort am 17. 1. 12 nach Rom. Nur eine Teilzustimmung. Rom hat bis jetzt noch nicht darauf geantwortet. Ich gehe davon aus, die „römischen Autoritäten“ suchen nach einer Lösung. Mehr will ich dazu nicht sagen, weil ich nicht spekulieren möchte. Zumal Rom und Econe strenges Stillschweigen vereinbart haben, wobei der Generalobere die mehr als undankbare Aufgabe hat, seine Priester und Gläubigen auf die neue Situation einzustellen, ohne die mit Rom ausgetauschten Dokumente an die Öffentlichkeit zu bringen.
    Mir leuchtet ein, was Bsichof Fellay sagt: „Wir sind nicht das Problem. Wir sagen: Es gibt ein Problem… Der Leib (die Kirche) hat Fieber. Wir sind nur das Fieberthermometer…“
    Ich habe mir lange vorgemacht: Die verkehrte Interpretation der Konzilstexte sei verantwortlich für die Kichenkrise. Lese ich die Texte, habe ich teilweise starke Zweifel. Lese ich Roberto de Mattei: Das Zweite Vatikanische Konzil, und ich lese es immer wieder, komme ich zu dem Schluss: Die Krise begann während des Konzils (lehramtlich zu werden, natürlich gab es heterodoxe Strömungen vorher). Konzilsväter fürchteten die „Auflösung der Kirche“, kritisierten die „nebulösen Texte“, die Schwächung des Papsttums und eigentlich alles,was uns heute Probleme macht. Damals waren sie unterlegen, doch alle ihre Befürchtungen sind eingetroffen.
    Für mich besteht die WAHRHEITSFRAGE darin: Begann die „lehramtliche Krise“ während des Konzils oder danach. Wie gern würde ich sagen: DANACH! Dann wäre der Schaden relativ leicht zu beheben…

    • Cuppa,
      „wir sind nur das Fieberthermometer“ – das beschreibt die Lage eigentlich ganz gut.
      Für mich ist klar, dass die lehramtliche Krise während des Konzils begonnen hat – denn selbst wenn wir einmal annehmen wollen, dass alle Texte traditionskonform auslegbar sind, wäre allein die Schwammigkeit und Unverständlichkeit der Formulierung schon Zeichen einer lehramtlichen Krise.

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