Die totale Demokratie als grüner Antiliberalismus

Bischof Zdarsa, der nach wie vor den Maulkorb gegen den kirchentreuen Pfarrer Oblinger  (hier seine Kolumnen bei der Jungen Freiheit) nicht aufgehoben hat, erfährt gerade, wie weit es mit der Loyalität der Säkularisten her ist, selbst wenn man ihnen in manchem durchaus entgegenkommt. Selbst wenn man katholische Pfarrer mundtot macht, die nur den Glauben der Kirche und scharfsinnige Analysen in einem konservativen Wochenblatt veröffentlicht haben, ist man noch längst kein angesehenes Mitglied der modernden Modernen.

Wenn man aus der Reihe tanzt, beginnt der Spießrutenlauf. Vielleicht wird der Bischof in Zukunft wissen, wer auf seine Seite ist, und wer eben nicht. Zu wünschen wäre es dem ganzen Bistum Augsburg.

Wie kath.net berichtet, ist nämlich der hochwürdige Bischof Zdarsa des Verrats an der totalen Demokratie schuldig, die im Moment alle zeitgeistigen Menschen dringend herbeizwingen wollen. Dort wird der Bischof zitiert:

„Kirche ist keine Demokratie. Das ist leider ein Missverständnis. Sondern wir sind ausgerichtet auf Christus. Jeder hat seine Aufgabe, seinen Dienst, und den darf er nicht durchführen aus Selbstherrlichkeit oder Machtbewusstsein, sondern im Dienst an Christus und den Gläubigen.“

An diesen Worten ist nichts auszusetzen – weder vom Standpunkt eines Katholiken noch vom Standpunkt eines liberalen Demokraten, der die selbst propagierte „Religionsfreiheit“ ernst nimmt. Die Kirche kann sich aus dieser Sicht so organisieren wie sie will, und da ja Kirche und Staat im Liberalismus strikt getrennt sein sollen, hat der Staat der Kirche nicht in ihre inneren Strukturen hereinzureden. Wenn die Kirche und der Staat getrennt sind, dann gehört der Staat nicht zur Kirche – aber die Kirche auch nicht zum Staat. Und also kann man eine demokratische Staatsordnung durchaus für wünschenswert halten – und trotzdem für die Kirche eine andere Struktur befürworten.

Genau das tut Bischof Zdarsa. Er ist kein Antidemokrat im Staate, aber gegen Demokratie in der Kirche. Denn die Kirche hat einen König, und den abzusetzen sind wir nicht befugt. Jesus Christus ist das Haupt der Kirche, und er hat einen irdischen Stellvertreter, den Papst, eingesetzt, dem damit die Vollmacht der Herrschaft zukommt. Die Unterordnung unter den König Christus ist damit fundamental für die Kirche, und ein Staat, der sich Religionsfreiheit und Liberalismus auf die Fahnen schreibt, sollte die Fähigkeit besitzen, dies zu respektieren.

Doch das ist immer weniger der Fall. Denn Claudia Roth möchte keine Religionsfreiheit und keine Trennung von Staat und Kirche, sondern eine Staatskirche. Sie kritisiert laut kath.net den Bischof:

„Wir wollen keine demokratiefreien Räume in unserer Gesellschaft.“ Als Teil einer demokratischen Gesellschaft müsse die Kirche deren Kern widerspiegeln.

Man lasse sich dieses antiliberale, freiheitsfeindliche, geradezu inquisitorisch-mittelalterliche Staatsverständnis nur einmal auf der gespaltenen Zunge zergehen. „Wir“, Königin Claudia I:, „wollen keine demokratiefreien Räume“. Alles hat sich nach „unserer“ Präferenz zu richten, weil „wir“, Königin Claudia I. ganz demokratisch der Staat sind. Die Sonnenkönigin gesteht der Kirche gnädig – dank sei ihrer durchlauchtigsten Majestät – zu noch ein „Teil einer demokratischen Gesellschaft“ zu sein, aber nur, wenn sie „deren Kern“ widerspiegelt. Also wenn sie sich nicht von der breiteren Gesellschaft unterscheidet.

Solange alle Institutionen nach dem Bilde der totalen Demokratie erschaffene Abziehbilder des demokratischen Staates, also Klone der Krone ihrer durchlauchtigsten Majestät sind, dürfen sie weiterexistieren.

Ungesagt bleibt, was geschieht, wenn sich die Gallier gegen diesen Gleichschaltungsimpuls wehren sollten.

Kardinal George hatte recht: Er wird im Bett sterben, sein Nachfolger im Gefängnis. Wenn die deutschen Katholiken nicht bald die Kurve kriegen, wird es Bischof Zdarsa ähnlich ergehen, und da kann er noch so viele Besänftigungsgesten an die Modernisierer schicken. Denn es geht ums Ganze, um den ganzen, zusammenhängenden Glauben, der per Salamitaktik amputiert werden soll. Und wer nicht für den Glauben ist, der ist gegen ihn. Und wer nicht für die totale Demokratie ist, der ist gegen sie.

Am Ende wird man sich entscheiden müssen. Der Liberalismus ist nur eine Übergangsphase. Kirche und Staat sind nun einmal ihrer Natur nach verschieden, haben unterschiedliche Aufgabenbereiche, die aber nicht vollkommen getrennt werden können. Und wenn es zum unausweichlihen Konfikt kommt, muss man entweder zusammenarbeiten, oder einander bekämpfen. Wenn der Staat bei einer Zusammenarbeit unter den Vorzeichen der liberalen Trennung von Kirche und Staat aber nicht die Autonomie der Kirche ebenso respektiert wie er es umgekehrt von der Kirche verlangt, greift der Staat einfach nach der Macht über die Kirche.

Bischof Zdarsa sollte mal privat mit den Anglikanern reden, die jetzt gerade zur Kirche zurückkehren, und aus dem brennenden Haus des Anglikanismus dank Anglicanorum Coetibus zu entkommen versuchen. Die werden ihm schon sagen, wie wunderbar die Eingliederung der Kirche in den totalen Staat ist.

Und sich dann überlegen, wie er handeln würde, wenn die Avantgarde der antikatholischen Revolution den logischen nächsten Schritt tut und ihre Rhetorik umzusetzen versucht.

8 Gedanken zu „Die totale Demokratie als grüner Antiliberalismus

  1. Wenn man sich die Vorliebe von Claudia Roth für den – ach, so demokratischen – Islam vor Augen hält, dürfte klar sein, dass sie im Grunde ihr persönliches Problem mit der katholischen Kirche, sie ist ausgetreten, „bearbeitet“, indem sie diesem Problem ein politisches Mäntelchen umhängt, was sie mit vielen Gesinnungsgenossen und Freundinnen gemeinsam haben dürfte. Die Vermischung der psychologischen mit der politische Ebene ist nur nicht bewusst.
    Jetzt muss ich wieder so (konzils)grundsätzlich werden und erstmal sagen: Dieser Vorfall ist nur ein Symptom, das auf eine grundsätzliche Krankheit hinweist, von der die Kirche insgesamt befallen ist: Auf dem II. Vatikanum ist diese Krankheit voll zum Ausbruch gekommen und außer einer gewissen Priesterbruderschaft, die hart von der Kirche bestraft wurde und wird, scheinen Wenige bereit zu sein, diese Krankheit wahrzunehmen.
    Nicht nur in „Gaudium et spes“, fast in jedem Konzilsdokument beteuert die Kirche ihre Liebe zur Welt, ihren Glauben an den menschlichen Fortschritt, nicht nur technisch, sondern auch moralisch, ihre Liebe zu den „getrennten Brüdern“, ihren Glauben an die menschliche Brüderlichkeit und Einheit, zu der die Kirche ihren Beitrag leisten möchte, es scheint ihre vorrangige Aufgabe zu sein.
    Nicht nur die Grüne Claudia Roth, die Welt hat es der Kirche nicht gedankt. Nie wird sie mehr angegriffen als heute, Ökumenismus ist zur Protestantisierung verkommen; ehe sich die Kirche nicht in eine vollkommen protestantisierte Gemeinschaft mit katholischer Folklore umwandelt, wird sie nicht „geliebt“ werden.
    Den Konzilspäpsten Roncalli und Montini könnte man noch zugute halten, bei größter Toleranz, dass die Zeit damals so optimistisch geprägt war, bzw. die Theologie. Aber nur ihnen…

    • Cuppa,
      dem kann ich nicht widersprechen! Der „Welt“ wäre es am liebsten, die Kirche verschwände einfach und die falschen Religionen (wir wissen ja, was die Bibel über die falschen Götter sagt) träten ihr Erbe an. Im Moment scheint man es ihnen von katholischer Seite so leicht wie möglich machen zu wollen. Doch dieses Projekt ist langfristig zum Scheitern verurteilt, weil der Herr über Seine Kirche wacht.

        • Ja!!! allein ist falsch gesendet. Hinzufügen möchte ich: Es ist schon erstaunlich, an was wir uns gewöhnen. Nämlich, dass die DBK, dass kein Mitbruder Bischof Zdarsa nicht nur nicht unterstützt, sondern Frau Roth und der gesamten deutschen Öffentlichkeit erklärt, dass die Kirche kein Verein, keine Partei, keine gesellschaftlich-säkulare Institution ist, sondern göttlich gestiftet ist. Und sich nach Ihm auszurichten hat. Und nicht nach irgendwelchen Demokratiemodellen…

  2. Pingback: Freiheit oder Sozialismus? | Kreuzfährten: Wahrheit statt Mehrheit

  3. „Keine demokratiefreien Räume in unserer Gesellschaft:“

    Ich habe in dem Zusammenhang auch an die (traditionelle) Familie gedacht, und mir überlegt, wie das dann am frühen Morgen so aussähe. Wir stimmen also darüber ab, ob in die Schule oder zur Arbeit gegangen wird, ob Hausaufgaben gemacht werden, was gegessen wird, wieviel Taschengeld es gibt, usw. Da in unserer Familie die Kinder in der Mehrzahl sind kann ich mir gut vorstellen in welche Richtung demokratische Entscheidungen getroffen werden. Ich warte nur noch darauf, daß Frau Roth und die Grünen einen entsprechenden Gesetzesentwurf im Bundestag einbringen, das „Familienverfassungsgesetz“ mit dem Kernstück, dem institutionalisierten „Familienrat“, der ab einer Familiengröße von 3 Mitgliedern verpflichtend eingeführt werden muß. Der Familienrat hat Anhörungsrechte, Mitbestimmungsrechte, bestimmte Entscheidungen sind zustimmungspflichtig (wie die „Einstellung“ von neuen Familienmitgliedern). Bei Meinungsverschiedenheiten mit der Familienleitung werden dann auch die Familiengerichte entsprechend angerufen um Entscheidungen herbeizuführen.
    😉

  4. Pingback: Staatskirche, Christlicher Staat und Religionsfreiheit (1/2) | Kreuzfährten: Wahrheit statt Mehrheit

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