Dankbar für die Beichte

Das Sakrament der Buße ist ein vergessenes Sakrament. In meiner Heimatgemeinde kommen über 90% der nominellen Mitglieder nicht zur Sonntagsmesse, und über 90% der Teilnehmer gehen nicht beichten, aber sie gehen zur Kommunion. Die Messe ähnelt damit aller Wahrscheinlichkeit nach einem großen Trinken des Gerichts, wenn wir die Bibel ernst nehmen und die Worte des Hl. Paulus betrachten.

Die Vorstellung, man könne seine Sünden doch direkt vor Gott bekennen, und dieser werde doch wirklich bereute Sünden auch ohne persönliche Beichte vergeben, ist unter Laien und nicht wenigen Priestern verbreitet. Und es ist ja auch ein Körnchen Wahrheit daran. Wer ehrlich bereut, mit vollkommener Reue, dem sind alle Sünden vergeben. Doch, und das ist ganz wichtig: Vollkommene Reue ist immer mit dem Wunsch nach der Beichte verbunden. Ausgenommen ist natürlich derjenige, der das Bußsakrament gar nicht kennt, und diese Unkenntnis nicht zu verantworten hat – er kann nicht beichten wollen.

Auch wenn die Kirche das so lehrt, ist es heute nicht mehr üblich davon zu sprechen. Von der Sünde wird kaum noch gesprochen, und wenn überhaupt, dann nur in einer schwächlichen Weise, die sie kräftig herunterspielt. Doch dass eine einzige schwere Sünde, mit vollem Wissen und Willen begangen, das Ende für das übernatürliche Leben, die heiligmachende Gnade, bedeutet, und damit die ewige Verdammnis nach sich zieht, wenn sie nicht ehrlich bereut (und gebeichtet) wird, hört man leider nur sehr selten in „normalen“ Kirchen. Bei den Traditionalisten innerhalb und außerhalb der „vollen Gemeinschaft“ mit Rom ist das zwar anders – doch wer will schon (Achtung: Ironie!) mit diesen kauzigen Typen etwas zu tun haben…

Als Konvertit kann ich das überhaupt nicht verstehen. Natürlich fällt es schwer, seine Sünden einer anderen Person zu beichten. Aber das ist kein Argument. Denn auch diejenigen, die ihre Sünden angeblich direkt Gott beichten, sprechen mit einer Person. Sie sprechen genau genommen sogar mit drei Personen! Oder glauben sie gar nicht wirklich an Gott und „beichten“ ihre Sünden am Ende nur sich selbst? Das wäre allerdings überhaupt keine Reue, sondern Dummheit und womöglich Verschlagenheit.

Und noch ein Argument: Wer Böses getan hat, der muss dafür eine gerechte Strafe erhalten. Gott vergibt die Schuld, die wir auf uns geladen haben, nur zu gern – wenn wir wollen.

Gott spricht uns von unserer Schuld frei – und wir sind zu faul, unseren Freispruch entgegenzunehmen, bloß weil wir unsere Delikte noch einmal aufzählen müssen?

Wie kann jemand ehrlich von sich behaupten, er glaube an Gott, und diese unglaubliche Gnade, die Christus in seiner Kirche eingesetzt hat, dieses Bußsakrament, nicht nutzen wollen? Wie kann jemand glauben, Christus habe sich für die Befreiung aus unseren Sünden kreuzigen lassen – eine schreckliche Tortur – und dann nicht einmal die Bereitschaft haben, eine vielleicht etwas unangenehme Situation wie die Beichte über sich ergehen zu lassen?

Wie kann jemand ein Kruzifix anschauen, und sehen, welche schrecklichen Qualen Christus erleiden musste, um unsere Sünden zu tilgen, und selbst nicht einmal den kleinen Finger dafür rühren?

Die einzige Antwort, die mir einfällt, ist, dass so jemand ganz tief drinnen gar nicht mehr an Gott, an Christus, an Kreuzigung und Auferstehung glaubt, sondern einen zur Konvention erstarrten Glauben hat. Ich kann in keine Herzen schauen, aber ich weiß nicht, wie ich diese Haltung anders interpretieren soll.

Eine Beichte dauert fünfzehn Minuten, maximal. Man kann sie meist mit dem Besuch einer anschließenden Heiligen Messe verbinden – und in der Kommunion den Herrn völlig frei von auch nur der kleinsten lässlichen Sünde empfangen (warum machen wir Ihm nicht öfter die Freude von einer reinen Seele empfangen zu werden?). Sie erlöst uns aus unserer schweren Schuld.

Täglich sein Gewissen zu beschauen, und es dadurch zu schärfen, gegenüber der Sünde feinfühliger, empfindsamer zu werden, und Stück für Stück, mit der Hilfe Gottes, seine Sünden zu überwinden, seine Laster abzulegen, und in der Heiligkeit zu wachsen, braucht nicht mehr als fünf Minuten am Tag. Und es ist eine wichtige Hilfe bei einer guten Beichte.

Das sollte doch machbar sein, oder? Auch wenn ich nur zu gut, aus eigener Erfahrung, verstehen kann, wie schwer eine gute Beichte fallen kann, gerade wenn die letzte viele Jahre zurückliegt. Da sammelt sich eine Menge Ballast an – den man mit einem Rutsch loswerden kann. Wie könnte man da widerstehen?

Also sollten wir, gerade in der Fastenzeit, in der sich das Osterfest rapide nähert, beichten gehen und für das Bußsakrament mit allen seinen kleinen Unannehmlichkeiten dankbar sein, die vor dem heilbringenden Opfer Christi verblassen.

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