Trittsteine des Glaubens (Teil 1)

Dies ist der erste Teil der kürzlich angekündigten Serie. Ich werde vorläufig zehn Bücher kurz vorstellen (und dadurch natürlich auch empfehlen), die mir bei meinem Weg vom Atheismus bis zum katholischen Glauben der Päpste und des Lehramts geholfen haben. Die Reihenfolge ist teilweise chronologisch nach dem Zeitpunkt, an dem ich auf die Bücher gestoßen bin, doch im Grunde eher willkürlich. Natürlich sind Einschätzungen und Auswahl subjektiv gefärbt.

Später wird dann noch ein Teil über Internetseiten folgen, doch schon die zehn Bücher machen drei Artikel aus, von denen hier der erste folgt:

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1. J.R.R. Tolkien – The Lord of the Rings (dt.: Der Herr der Ringe)

Was soll dieses Buch auf einer Liste hilfreicher Bücher auf dem Weg zum christlichen Glauben? Tolkien selbst war so tief durchdrungen von seinem christlichen und katholischen Glauben, dass sich diese Durchdrungenheit auf alle seine Werke, und besonders auf dieses Monumentalwerk erstreckt hat. Das Buch selbst kommt zwar nicht christlich daher, und das Christentum taucht gar nicht auf, doch an jeder Ecke begegnet dem aufmerksamen Leser eine zutiefst christliche Sicht von Konzepten wie Hoffnung, Vertrauen, der Welt und der Geschichte als bedeutsame Erzählung oder „Abenteuer“, ein sehr christliches Verständnis von Heldentum (Opfer für den Anderen) und vieles mehr. Dies, verbunden mit der hervorragenden literarischen Umsetzung, macht das Buch zu einer Art intuitiver Einführung in das Christentum: Es vermittelt keine Dogmen und es predigt nicht, aber es vermittelt eine stark christlich geprägte Lebenseinstellung.

Ich lehne mich nicht zu weit aus dem Fenster, wenn ich behaupte, dass ich durch die Lektüre dieses Buches erstmals bemerkt habe, dass dem Leben eines Atheisten, das ich bisher geführt hatte, etwas ganz Fundamentales fehlte. Denn die erwähnten literarisch verarbeiteten Konzepte, auf denen die ganze Anziehungskraft eines solchen Werkes basiert, ergeben im Rahmen einer atheistischen, materialistischen Weltsicht einfach keinen Sinn. Weil es für mich persönlich auf dem Weg sehr wichtig war, und es die erwähnten Qualitäten besitzt, kommt es hier in die Liste, obgleich es kein „christliches“ Buch ist. Aber wir brauchen auch nicht „christliche Bücher“ (Bücher über das Christentum), sondern „christliche Autoren“ (Bücher von Christen über alles mögliche, in denen die spezifisch christliche Weltsicht ganz selbstverständlich, geradezu beiläufig, vermittelt wird).

2. Theodore Dalrymple (Pseudonym) – Our Culture, What’s Left of It

Ein weiteres nicht-christliches Buch, diesmal sogar von einem nicht-christlichen (agnostischen) Autor, der jedoch, ohne es selbst so recht zu merken, den Boden für das Christentum bereitet. Er schreibt gar nicht über Religion, und nicht einmal direkt über Moral, sondern über den Verfall der westlichen Kultur, über Verrohung der Sitten und Gleichgültigkeit gegenüber Werten aller Art. Als weitgereister, kultivierter, belesener Mann, der viele Jahre lang in England als Gefängnisarzt in einem „Problemviertel“ gearbeitet hat, verfügt er über einen reichen Erfahrungsschatz, aus dem er für seine Einsichten schöpft. In einer großen Zahl kleinerer Aufsätze beschreibt er die Probleme unserer Zeit und die irregeleiteten Versuche, sie durch staatliche Eingriffe und Vorschriften zu lösen. Für Dalrymple ist der Wohlfahrtsstaat an vielem schuld und gehört weitgehend abgeschafft. Doch er erkennt, anders als viele andere Gegner sozialdemokratischer Ansichten, dass die Lösung nicht einfach in „mehr Markt und weniger Staat“ liegt, weil auch eine reine Marktwirtschaft noch immer mit den Herzen der Menschen zu tun hätte, die eben nicht gut und rein sind. Dalrymple kennt das Konzept der „Erbsünde“, obgleich er es als Ungläubiger ablehnt. Er spricht von der „allegorischen Wahrheit“ der „Doktrin der Erbsünde“, nämlich dass das Böse immer im Herzen der Menschen wohnt. Für ihn gibt es keine Lösung, er verkündet keine frohe, sondern eher eine bittere Botschaft und ruft durchweg zur Verteidigung der westlichen Kultur auf, die er als Bollwerk gegen die Barbarei sieht, das von Barbaren nicht bloß vor den Toren, sondern besonders im Innern der Festung bedroht sieht.

Die Lektüre dieses Buches hat mich persönlich davon überzeugt, dass das Böse tatsächlich praktische Realität ist, die weder durch staatliche, noch durch marktliche Reformen oder irgendeinen „Fortschritt“ jemals beseitigt werden kann (bzw. diese Einsicht gestärkt). Ferner kann man zu der Erkenntnis gelangen, dass die westliche Kultur, die nun einmal unausweichlich auch eine christliche Kultur ist, unbedingt bewahrenswert ist. Es ist daher ein unbewusster Beitrag eines Agnostikers, durch den dem Evangelium der Weg bereitet wird, denn das Evangelium ergibt keinen Sinn, wenn man nicht vorher die verzweifelte Lage erkannt hat, in der die Menschen sich durch ihre Sünden begeben haben.

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Soweit der erste Teil dieser Empfehlungsreihe.

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6 Gedanken zu „Trittsteine des Glaubens (Teil 1)

  1. Hm.
    Kein Wunder, dass du es in deiner damaligen Weltsicht nicht ausgehalten hast.
    Die muss echt eng und traurig gewesen sein, wenn Hoffnung, Vertrauen, Abenteuer und Heldentum in ihr keinen Sinn ergaben.

    • Muriel,
      sie ergaben schon einen Sinn, zumindest intuitiv. Ich war auch nicht „traurig“ und ich fand es nicht „eng“. Aber der Sinn ist nur ein vom Menschen in die Dinge hineingelegter, und als solcher letztlich auch nur Einbildung und keine Wirklichkeit. Der Sinn ist nicht wirklich da, sondern ich „erfinde“ mir einen Sinn. Einen realen Sinn gibt es nicht, und daher machten die genannten Begriffe in einem solchen System rational keinen Sinn, auch wenn ich ihnen natürlich schon subjektiv Bedeutung beimaß. Sonst wäre es in der Tat sehr traurig gewesen.

      • Ähm.
        Ich glaube, wir benutzen da denselben Begriff für zwei völlig verschiedene Dinge, und ich kann deshalb nicht verstehen, was du meinst.
        Magst du mir erklären, was du unter „Sinn“ verstehst, und wie du unterscheidest zwischen einem, der „wirklich da“ ist, und einem, auf den das nicht zutrifft?

        • Muriel,
          ich unterscheide zwischen „subjektivem“ und „objektivem“ Sinn. In der christlichen Weltsicht gibt es einen objektiven Sinn, d.h. der Mensch ist zu einem bestimmten Zweck erschaffen und hat einen bestimmten Sinn. In der atheistischen Weltsicht gibt es einen solchen „objektiven“ Sinn nicht. Woher sollte er auch stammen? Übrig bleibt noch der „subjektive“ Sinn. Dabei handelt es sich um einen Sinn, den der betreffende Mensch sich selbst gibt, der also nur durch einen Willensakt des Menschen überhaupt vorhanden ist, und daher außerhalb des betreffenden Menschen gar nicht existiert. Das meinte ich mit einem Sinn, der „nicht wirklich da“ ist. Er ist nur unsere Erfindung und hat daher keine Existenz außerhalb unseres eigenen Willens und Verstandes.

          • Ich glaube, da haben wir noch einen Begriff, den wir unterschiedlich benutzen.
            „Objektiv“ bedeutet doch sowas wie „unabhängig von jeder Wahrnehmung und jedem Verstand“, oder?
            Das, was du hier beschreibst, klingt für mich aber eher wie „abhängig vom Verstand des christlichen Gottes“. Der Sinn, den du schilderst, entsteht ja durch die Zielvorstellung des christlichen Gottes und durch einen Willensakt desselben und existiert ohne ihn nicht. Letzteres sagst du ja selbst.
            Insofern ist das doch kein objektiver Sinn, sondern der subjektive Sinn einer bestimmten Person, die Christen eben für sehr wichtig halten, und Atheisten nicht. Oder wie?

            • Muriel,
              jetzt kommen wir in philosophische Gewässer, deren Tiefe nicht gering ist.;)
              Aber wenn Du es so ausdrücken willst, dann werde ich mit Dir nicht darüber streiten. Ja, der „objektive“ Sinn, d.h. der Sinn außerhalb meiner Person, ist nach christlicher Vorstellung der Sinn, den Gott dem Menschen gibt. Wobei eine Folge des christlichen Gottesbildes ist, dass dieser „göttliche Verstand“ weit mehr ist als nur noch eine weitere Quelle von Subjektivität. Aber wie gesagt, darüber brauchen wir uns nicht zu streiten.

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