Konzilskritik: Die Kleider des Kaisers

Es gibt gute Gründe für eine genaue theologische Untersuchung der Texte des 2. Vatikanischen Konzils hinsichtlich der Vereinbarkeit des Konzils mit dem früheren Lehramt der Kirche. Ebenso gut, wenn nicht noch besser, sind die Gründe für die Annahme, dass sich in letzter Konsequenz ein hermeneutischer Schlüssel wird finden lassen, der die Interpretation des Konzils in Übereinstimmung mit dem traditionellen Lehramt ermöglicht. Ich bin sehr zuversichtlich, dass das Projekt einer „Hermeneutik der Kontinuität“ erfolgreich sein wird, auch wenn ich mit manchen Aussagen des Konzils zum Ökumenismus, zur Religionsfreiheit usw. meine Schwierigkeiten habe.

Ich fürchte allerdings, dass diese Debatte, so wichtig sie auch ist, nicht den Kern des Problems der aktuellen Kirchenkrise trifft. Zunächst einmal sind die Konzilstexte mehrdeutig. Das Konzil hat zumindest in der Hinsicht mit der Tradition gebrochen, dass es eine ganz andere Sprache für seine Verlautbarungen verwendete. Nicht dogmatisch, sondern pastoral wollte es sein. Es wollte den katholischen Glauben in einer neuen, dem modernen Menschen zugänglichen Sprache darstellen.

Und damit ist das Konzil in jedem Fall gescheitert. Selbst wenn jeder einzelne Satz der Konzilsdokumente mit dem traditionellen Lehramt vereinbar ist, dann ist er das nur aufgrund einer komplexen theologischen Interpretation, die sich dem Laien überhaupt nicht erschließt. Gerade das, was das Konzil selbst erreichen wollte, hat es nicht geschafft. Es hat den Glauben dem modernen Menschen nicht näherbringen können.

Das Konzil ist noch in einem anderen Sinn gescheitert. Wir sollen sie an ihren Früchten messen, doch welches Bild gibt die nachkonziliare Ära in dieser Hinsicht ab?

Der Glaube ist höchstens noch lauwarm, er wird an vielen theologischen Fakultäten kaum noch gelehrt, von den Kanzeln (sofern noch vorhanden) meist nur in weichgespülter Wohlfühlform gepredigt, und so gut wie gar nicht mehr weitergegeben. Die Katechese ist seit fünfzig Jahren bestenfalls ausgefallen, schlimmstenfalls zur Immunisierung gegen den Glauben verwendet worden.

Kirchen werden geschlossen, die Priesterseminare sind leer, die katholische Religion überall im Rückwärtsgang. Ihre öffentlichen Vertreter sind handzahm und wehren sich nicht mehr gegen die Säkularisierung der ganzen Gesellschaft. Einige von ihnen treiben sie sogar aktiv voran. Gläubige, traditionelle Priester werden von ihren Bischöfen im Stich gelassen oder gar aggressiv bekämpft.

Die reale Gemeindepraxis hat kaum oder gar nichts mit der katholischen Religion zu tun. Die Messe ist vielerorts zu einem Ort bloß menschlicher Kreativität herabgewürdigt worden. Die Schätze vieler Jahrhunderte sind zerstört worden. Schöne Altäre wurden durch Holztische ersetzt, die Bilderstürmer haben die Kirchen erobert und zu heiligen Lagerhallen umfunktioniert. Es wundert nicht, dass in solchen Kirchen keine ehrfürchtigen Messen zelebriert und kein wahrer Glaube gelehrt wird.

Mancherorts haben ohnehin die Laien längst die Leitung der Kirche übernommen und die Priester sind von ihnen ersetzt oder an den Rand gedrängt worden. Der Opfercharakter der Messe und die Realpräsenz Christi sind weitgehend vergessen oder verdrängt worden. Mehr als zwei Drittel der Katholiken glauben nicht mehr an die Realpräsenz. Sehr viele Priester auch nicht, wenn man sieht, wie sie mit der konsekrierten Hostie umgehen. Ohne das Opfer ist auch der Opferpriester überflüssig. Es wundert nicht, dass die Seminare leer sind.

Die meisten Katholiken gehen gar nicht mehr zur Messe. Warum auch? Man hat ihnen beigebracht, dass das ein nettes sonntägliches Frühstück ist, bei dem man an Jesus denkt und der Kreativität anderer Leute zuschaut. Das alles kann man auch ohne Kirche haben. Sie wissen kaum etwas über ihren Glauben und ihr Lebenswandel ist nicht von den Protestanten und Atheisten zu unterscheiden. Katholiken haben kaum noch Kinder, sie stellen ihre persönliche Selbstverwirklichung über ihren Glauben und ihre Familie. Sie passen sich an das alltägliche säkulare Leben an statt Zeichen des Widerspruchs zu sein. Die Abtreibungskliniken und Scheidungsgerichte sind voll von ihnen. Sie leben, als ob sie gar nicht mehr katholisch sein wollten. Sie sind in der Masse des kollektiven Ameisenhaufens längst aufgegangen. Viele von ihnen lassen ihre wenigen Kinder auch folgerichtig gar nicht mehr taufen. Sie können ja später selbst entscheiden und sind nicht ohnehin alle Religionen gleich?

Man könnte die Aufzählung beliebig fortführen. Eins steht jedenfalls fest: Wenn wir die letzten 50 Jahre kirchlichen Handelns an ihren Früchten messen wollen, dann müssen wir ehrlich und offen sprechen. Sich vornehm um die Wahrheit herumzudrücken bringt nichts. Die Früchte sind eine einzige Katastrophe. Man kann jetzt lange darüber streiten, ob nur der „Geist des Konzils“ dafür verantwortlich ist, oder das Konzil selbst. Doch der Streit ist, so interessant er auch ist, letztlich müßig. Wenn wir das Konzil an seinen Früchten messen wollen, dann ist es ein Fehlschlag gewesen. Es hat die Säkularisierung, sogar die Apostasie nicht aufhalten können. Und das gilt auch dann, wenn man das Konzil ja ganz anders hätte interpretieren können; das Konzil hat einer Bruchhermeneutik in der Realität keinen Widerstand entgegengesetzt.

Der Kaiser hat gar keine Kleider an. Das Konzil ist eine einzige riesige pastorale Katastrophe gewesen, ganz gleich, ob es theologische Irrtümer gelehrt hat, oder alles in Einheit mit der Tradition zu lesen ist. Es hat schlicht und einfach nicht funktioniert. Man muss Fehler erkennen und erkannte Fehler berichtigen. Alles andere wäre bloß Sturheit.

Doch wenn das Konzil eine einzige pastorale Katastrophe war, was sollen wir dann tun? Nun, wir sehen, wo es die pastoralen Katastrophen nicht gegeben hat. Nämlich dort, wo man sich durch das Konzil gar nicht hat irritieren lassen. Dort, in den traditionellen Gruppen, sind Nachwuchs, Eifer, Glaube und Tradition erhalten geblieben. Dort sind die Kirchen nicht leer, die Gläubigen nicht gleichgültig, und die Priesterseminare voll. Dort wird der katholische Glaube gelebt und er ist quicklebendig. Er ist lebendig, und er wächst.

Wir sollen sie an ihren Früchten erkennen, und das gilt auch für den Baum des Konzils. Seine Früchte sind giftig gewesen. Es mag sein, dass es auch hätte anders kommen können, wenn man von Anfang an auf breiter Front die richtige Hermeneutik verwendet hätte. Man hat es aber nicht getan. Und der Grund dafür ist einfach. Man hat es nicht getan, weil man es nicht wollte. Die Konzilsväter sind 1965 heimgefahren und haben das umgesetzt, was sie für richtig hielten, und das toleriert, was sie nicht für falsch hielten. Was sie getan haben ist das, was das Konzil aus ihrer Sicht tun sollte. Sie haben nicht auf dem Konzil „Kontinuität“ gefordert und dann daheim den Bruch versucht, so als ob es da einen plötzlichen Sinneswandel gegeben hätte. Sie haben den Bruch schon auf dem Konzil beabsichtigt. Der Heilige Geist hat den theologischen Bruch wohl verhindert – den pastoralen Bruch jedoch nicht.

Die Früchte des Konzils haben wir heute vor uns und sie sind giftig. Der Kaiser hat keine Kleider, er ist nackt. Heißt das, dass wir das Konzil wieder abschaffen müssen? Nein, natürlich nicht. Aber es heißt, dass die Neuerungen des Konzils nicht zum Maßstab des Glaubens werden dürfen. Es heißt, dass derjenige, der die Neuerungen des Konzils ablehnt, nicht weniger katholisch ist, als ihr Befürworter, und dass er in voller Einheit mit der Kirche sein kann, selbst wenn er besagte Neuerungen zugleich scharf kritisiert. Es heißt, dass das Konzil keine zukunftsweisende Reform war, sondern höchstens ein pastoraler Fehltritt, aus dem man jetzt das beste machen muss. Es heißt, dass das Ziel der anfangs erwähnten theologischen Diskussionen nur sein kann, eine Interpretation des Konzils anhand der Tradition zu erarbeiten und nicht die Tradition anhand des Konzils zu interpretieren.

Und schließlich heißt es, dass wir allen dankbar sein sollten, die nach bestem Wissen versucht haben, den traditionellen Glauben der Kirche unter großem persönlichem Einsatz durch den Sturm der Nachkonzilszeit getragen haben, und so das Reservoir gesunder Lehre und Praxis bewahrt haben, aus dem man für die jetzt notwendige wahre Erneuerung schöpfen kann.

20 Gedanken zu „Konzilskritik: Die Kleider des Kaisers

  1. P. Matthias Gaudron FSSPX stellt in seinem Buch „Katholischer Katechismus zur Kirchenkrise“ fest, dass es Konzilstexte gibt, die vorbehaltlos anzuerkennen sind, dass andere zweideutig und wieder andere mit der katholischen Lehre unvereinbar sind. Für die unvereinbaren Texte passt dann kein Interpretationsschlüssel, sie müssten korrigiert oder getilgt werden.
    Dafür wäre aber nötig, dass das Konzil auf den Prüfstand kommt, so wie Roberto de Mattei und ca. 40 italienische Intellektuelle darum gebeten haben. Weil die Ursache der Krise behoben werden muss. Doch die Zeit ist dafür noch nicht reif Obwohl sie drängt.Die Entrüstung wäre zu groß. Davon abgesehen, ob Papst Benedikt es persönlich wünscht.
    Ich denke, das Vorgehens Rom gegenüber der Piusbruderschaft kann zumindest Hinweise geben, wie der Stand gegenwärtig ist. Wieviel Freiheit der Piusbruderschaft hinsichtlich der Bewertung des Konzils gegeben wird, könnte ein Gradmesser sein.So sehr ich mir eine Einheit wünsche, eine Unterwerfung darf und wird es nicht geben.
    Ich denke weiter, das Lehramt muss irgendwann klären, was ein Pastoralkonzil ist, wie verbindlich es ist. So ein Konzil hat es noch nie gegeben. Wenn Kardinal Becker am 3. April d. J.feststellt, dass das Konzil nach 50 Jahren noch nicht richtig begriffen worden ist, kommt das für mich einer Bankrotterklärung gleich. Kein Wunder, dass sich darauf keine tragfähige Theologie aufbauen lässt.
    Das zusätzliche, schwierig zu bewältigende Problem sind die Konzilspäpste Paul VI. und Johannes Paul II.(Nachkonzilspapst). Es ist ein einmaliger Fall in der Kirchengeschichte, dass ein Papst zusammen mit einer Kommission ein neues Messbuch schafft. Der hl. Papst Pius V. hat nach dem Tridentinum das Messbuch revidiert, es aber nicht neu geschaffen. Papst Paul VI. ist weit über „Sacrosanctum Concilium“ hinausgegangen“. Mit dem Ergebnis, dass wir einen Verfall der Liturgie zu beklagen haben.
    Für Papst Johannes Paul II. nenne ich nur Assisi. Ein Skandal! Ohne seinen „Glaubenspräfekten“ Ratzinger hätte er die Kirche ins doktrinelle Chaos geführt.
    Beide Päpste waren jedoch auch standhaft: In Fragen der Moral, des Zölibats, des Frauenpriestertums. Weshalb sie für liberale Katholiken und die Medien als „stockkonservativ“ gelten.Zudem war Johannes Paul II. ein Charismatiker, der Menschen, gerade Jugendliche, für die Kirche gewinnen konnte.
    Der Kommentarplatz ist ausgefüllt, und alle Fragen sind offen. Kirche 2012…

    • Cuppa,
      „Für die unvereinbaren Texte passt dann kein Interpretationsschlüssel, sie müssten korrigiert oder getilgt werden.“
      Ich habe meine Zweifel, ob es Texte gibt, die wirklich unvereinbar sind. Ich bezweifle nicht, dass die Autoren mancher Passagen des Konzils tatsächlich die Absicht hatten, mit der Tradition zu brechen. Es gab genug Konzilsväter, die eine andere Kirche wollten. Aber aufgrund der Zweideutigkeit, dem Fehlen einer klaren, dogmatischen Sprache und entsprechenden Definitionen sind die Texte fast beliebig flexibel. Man kann sie drehen und wenden wie man will, und irgendwie werden sie, wenn man nur lange genug interpretiert, schon passen. Die Konzilsprosa ist auf nichts festzulegen, weil sie freiwillig auf klare Worte mit eindeutigen Bedeutungen verzichtet hat.
      Ich denke also, wir werden auf die Streichung oder Änderung mancher Passagen verzichten können, wenn geklärt ist, dass sie (a) fehlbar, (b) nicht unbedingt bindend, und (c) mehrdeutig bis zur Unverständlichkeit sind. Wir können sie dann einfach ignorieren.

  2. Ich denke mal so salopp gesagt das man nach dem Konzil davon ausgegangen ist, das Glaubenswahrheiten und Glaubenswissen automatisch da ist.
    Man ist kurz und verkürzend gesagt davon ausgegangen das die Kirche aus Erden schon perfekt ist, das der Mensch gut ist und weil er gut ist dem Herrn Jesus gerne dabei hilft, denen zu helfen denen es eben nicht so gut geht.
    Ich habe in der Verwandtschaft diverse geistliche Personen und habe nach dem Konzil sehr stark empfunden das man aneinander vorbei redet.
    Beispiel: der Pfarrersonkel redet vom mündigen Christ, dem man nicht vorschreiben müsse, das und wann er in die Kirche zu gehen hätte,
    Der Pfarrersonkel denkt dabei, das der mündige Christ ja von selber geht und begreift das es wichtig ist das zu tun.
    Der mündige Neffe versteht. „Ach der ist auch dafür das man nur dann geht, wenn man Lust hat!“
    Eine andere Sache, die Geheimnisse des Glauben sind Geheimnisse, auch wenn man sich noch so bemüht.
    Das Latein der alten Messe z.B. macht es leicht zu begreifen, das in der Messe es um Dinge geht die, frei nach Hiob, zu hocherhaben für den Menschen sind, um Dinge die sich dem plumben Verstehen entziehen.
    Das unbegreifliche, bleibt natürlich auch, wenn die Messe in Deutsch gefeiert wird, aber alle tun so als sei die Sache klar, nur weil Deutsch geredet wird.
    Weil die Messe nun in Deutsch ist, denken Lateiner und nicht Lateiner, das man sich nun jede Glaubensunterweisung sparen könne, weil es ja in Deutsch ist..
    Und so beißt sich die Katze in den Schwanz und man sucht das Mysterium woanders, bei den Buddhisten, oder sonstwo.
    Persönlich denke ich, das das Konzil schon notwendig gewesen ist, es aber so angekommen ist:
    „Früher mussten wir und heute kommen wir alle in den Himmel!“

    • Ester,
      die Frage ist dann, warum das Konzil so angekommen ist. Die Texte des Konzils sind so schwammig formuliert, dass sozusagen für jeden was dabei ist. Die Konzilsväter sind 1965 wieder heimgereist, und haben das Konzil selbst umgesetzt. Und einige der Wortführer des Konzils haben genau den Bruch befürwortet, der auch tatsächlich eingetreten ist. Hervorragend dokumentiert Roberto de Mattei dies in seiner Konzilsgeschichte.
      Die Auswirkungen des Konzils mögen nicht aus theologischen Irrlehren stammen, aber sie sind zumindest in der Schwammigkeit, Flexibilität und „Definitionslosigkeit“ der Texte begründet.
      Und wenn tatsächlich die Vorstellung verbreitet gewesen sein sollte, dass der mündige Christ ja schon selbst wissen, was gut für ihn sei, und Glaubenswissen ja ohnehin da sei, dann deutet das auf eine vollkommen falsche und mit dem Glauben der Kirche nicht zu vereinbarende Anthropologie hin, die die menschliche Tendenz zur Sünde vollkommen leugnet. Ein weiteres Argument dafür, dass das Konzil eine pastorale Katastrophe war.

      • Ich denke ganz einfach, das der Grund. der verheerenden Auswirkungen des Konzils, in der Tat, in einer vollkommen falschen Anthropologie bestanden hat.
        Woher die kommen konnte, nach den Erfahrungen 2er Weltkriege, ist mir theoretisch zumindest, schleierhaft.
        Ich hatte als Kind (bin jetzt ein gutes halbes Jahrhundert alt) immer das Gefühl die katholische Verwandtschaft versteht sich als komplett geläutert und auch die Umwelt als komplett geläutert, durch die schrecklichen Erfahrungen der Kriegs- und Nachkriegszeit.
        Es soll ja damals eine Menge Leute gegeben haben, die mit dem Sühnegedanken ins Kloster gegangen sind,.
        Die Kirche wurde in der unmittelbaren Nachkriegszeit (im Gegensatz zu heute) als eine Institution verstanden die widerstanden hat (Fulton Sheen Erzbischof von NewYork verknüpfte die Siege der Alliierten mit den Marienfesten, es gibt eine Menge Literatur aus den 50ern und 60ern über ‚Die Weihe nach Fatima Pius des XIIten und die darauf eingetretenen Siege der Alliierten…..‘.)
        Man dachte wohl (unbewusst) das nun der Antichrist mit Hitler besiegt sei.
        Es gab zwar noch den kommunistischen Block, aber der gehörte von der Tscheschei, Kroatien und Polen mal abgesehen, noch nie so „richtig“ zur katholischen Kirche.
        Also um es mal kurz zusammenzufassen auch die Konzilsväter betrachtetet wie heutzutage üblich, Hitler und die Nazis, als die Manifestation des absolut Bösen das singulär und faktisch unerklärlich an die Macht gekommen war (man versuchte nicht zu verstehen aus welchen philosophischen, soziologischen Irrtümern, Fehlschlüssen und objektiven Verwechselungen der Kategorien des Guten bzw Bösen das alles möglich war).
        Und so kam man in der Tat zu einer falschen Sicht des Menschen, der doch einfach von Natur aus „gut“ sei..
        Witzigerweise im Widerspruch zu Luther dessen Menschenbild ja von dem unheilbar schlechten Menschen ausgeht.
        Man huldigte m.E einem völlig verkehrten Optimismus, von dem man dachte er sei christliche Hoffnung.
        Ich weiß auch, das die Texte schwammig sind, deshalb denke ich kann man die noch „retten“ das Probelm wird sein, die alten philosophischen Fragen zu klären „Was ist der Mensch und wer ist Gott?“ und von den Antworten aus der Offenbarung her die Dinge der Welt zu bewerten und nicht umgedreht, wie es seit dem Konzil gemacht wird,

        • Ester,
          ich bin zuversichtlich, dass man das Konzil schon richtig wird interpretieren können, wenn man die von Dir erwähnten Probleme erst einmal gelöst hat. Doch da die Texte des Konzils, trotz aller theoretischen Kompatibilität mit der Tradition, nicht zu geringe Spuren dieses Fortschritts- und Menschheitsoptimismus enthalten, wird man mit ihnen flexibel umgehen müssen und sie nicht als maßgeblich oder gar wegweisend für die Zukunft ansehen können.

  3. Catocon, weder meine Zeit heute noch der Platz hier reichen aus, Sätze aus Konzilstexten zu zitieren, die mit der bis dahin gültigen Lehre der Kirche nichts zu tun haben. Dass sie dann von richtigen Sätzen eingerahmt oder fortgeführt werden, ändert nichts.
    Aber es gibt ein Grundproblem: Wenn Konzilstexte davon ausgehen, es sei Aufgabe der Kirche, für die brüderliche Einheit der Menschheit in unserer Welt zu arbeiten, dann ist das nicht katholisch, sondern eher freimaurerisch.
    Die vorkonziliare Kirche hat so etwas nie gelehrt, zu keinem Zeitpunkt. Es gibt auch keine neutestamentliche Stelle, die auch nur ansatzweise so etwas lehrt. Weder in der Verkündigung Jesu noch in den übrigen neutestamentlichen Schriften kommt solch ein Ziel ansatzhaft vor. Dass die christliche Nächstenliebe auch die Welt verändert, liegt auf einer anderen Ebene,
    Pragmatisch bedeutet dieses neue Ziel: Die Kirche muss ihren traditionellen Glauben aufgeben. Wer treibende Kraft einer geeinten Menschheit sein will, muss möglichst profillos sein, weil ein letztgültiger Wahrheitsanspruch in sich abgrenzend ist, die anderen Religionen für falsch erklären muss.
    Nun, die nötige Profillosigkeit haben wir erreicht, die Einheit der Menschheit lässt auf sich warten….;-)
    Und wenn dieses Ziel nicht widerrufen wird, wenn auch das Konzil nicht auf den Prüfstand kommt, werden wir diese Irrtümer nicht los.

    • Cuppa,
      Deine Argumentation bestärkt mich in meiner These. Nehmen wir einen Satz wie „es ist die Aufgabe der Kirche für die brüderliche Einheit der Menschheit in unserer Welt zu arbeiten“, dann ist er für sich genommen noch nicht im Widerspruch zur traditionellen Lehre der Kirche, wenn man ihn richtig interpretiert. Er kann schlicht eine sehr unglückliche Formulierung sein, die nicht mehr bedeutet, als dass die Kirche versuchen soll, soweit dies ohne Kompromisse in ihrer Lehre möglich ist, mit dem Rest der Welt zusammenzuarbeiten, um Frieden und Einheit zu stiften. Gemeint wären dann Aktionen wie die Zusammenarbeit des Vatikans mit den USA und den islamischen Staaten auf UNO-Ebene, um die internationale Festlegung eines Rechts auf Abtreibung zu verhindern, oder im sozialen Bereich mit evangelischen oder religiosnlosen Trägern zusammenzuarbeiten, wenn das inhaltlich sinnvoll ist. Dagegen ist nichts einzuwenden.

      Natürlich kann man den Satz auch so interpretieren, dass er einen Bruch mit der Lehre der Kirche darstellt und freimaurerische Tendenzen feststellen. Dies ist sogar die plausibelste aller möglichen Interpretationen und vermutlich auch genau die, die vielen Konzilsvätern vorschwebte, als sie diesen Texte geschrieben haben.

      Dem oben erwähnten Satz fehlt es an Klarheit, Eindeutigkeit und Verständlichkeit. Er lässt wesentliche Teile des kirchlichen Glaubens weg und bietet sich dadurch zur Verfälschung an. Aufgrund dieser Umstände ist er pastoral eine Katastrophe und führt vorhersagbar zu einer Schwächung des Glaubens an die Einzigartigkeit der Kirche, ihre übernatürliche Sendung usw. Es wäre weitaus besser gewesen, wenn man die These nie so vertreten hätte. Doch im strengen Sinne ist es nicht notwendig einen Bruch anzunehmen. Denn für die brüderliche Einheit der Menschheit in unserer Welt zu arbeiten ist, wenn auch nicht in erster Linie, so doch eine durchaus legitime Aufgabe für die Kirche, solange sie dadurch ihre anderen Aufgaben nicht vernachlässigt.

      Ich stimme Dir zu, dass wir die Profillosigkeit erreicht haben und die Einheit der Menschheit immer noch auf sich warten lässt. Dies ist jedoch die Folge eines gravierenden pastoralen Problems, nämlich der schwammigen, missverständlichen Formulierung (die ja von vielen Konzilsvätern durchaus als Brückenkopf für einen dann auch theologischen Bruch beabsichtigt und genutzt worden ist). Theologisch kann man die Worte aber so drehen und wenden, dass sie traditionskonform sind, auch wenn das zugegebenermaßen eine etwas weit hergeholte Interpretation erfordert.

      Das Konzil muss in der Tat auf den Prüfstand, weil die pastoralen Katastrophen beseitigt werden müssen. Wir brauchen einen Syllabus über die fehlerhaften Auslegungen des Konzils, wie der Weihbischof Athanasius Schneider gefordert hat. Darin muss man klar und verbindlich festschreiben, wie man diese strittigen Sätze zu verstehen hat.

      Wenn man sich stattdessen dazu entschließt, das Konzil einfach einzumotten, zu vergessen, nicht mehr drüber zu sprechen oder es gründlich zu reformieren, hätte ich allerdings ebensowenig dagegen wie Du. Ich würde dem Konzil keine Träne nachweinen.

  4. Catocon, es ist selbstverständlich, dass g e r a d e Christen für den Frieden in der Welt mitarbeiten sollen. Das gebietet die christliche Nächstenliebe. Dagegen wende ich doch nichts ein.
    Die Grundfrage ist jedoch: Wird es jemals hier auf Erden eine „geeinte Menschheit“ geben? Ist diese Denkfigur, diese Philosophie, nicht in sich falsch?
    Ich las heute, diese Philosophie gehe auf Rousseau zurück. Aber das ist Dein Fachgebiet…
    Die „geeinte Menschheit“ wird es hier auf Erden nicht geben können. Weil es dann keine weltanschauliche Differenzen geben würde.Wie soll das gehen? Die Kirche müsste auf ihren Wahrheitsanspruch verzichten oder die ganze Welt müsste sich zur Kirche bekehren. Letzteres ist realitätsblind.
    Die Kirche hat selbstverständlich den Auftrag, zu verkündigen und mitzuarbeiten, dass die weltanschaulichen Differenzen möglichst gewaltfrei ausgetragen werden.
    Doch es darf niemals auf Kosten der Wahrheit gehen. Damit renne ich bei Dir offene Türen ein.
    Doch was ist mit der „geeinten Menschheit“ hier auf Erden? Gibt sich das Konzil hier nicht einem gefährlichen Irrtum hin?
    Ich sehe jedenfalls nicht, dass Muslime, orthodoxe Juden, Hindus und Buddhisten bereit sind, ihre Religion oder Weltanschauung auf dem Altar der geeinten Menschheit zu opfern…Von Agnostikern und Atheisten ganz zu schweigen…
    „Gaudium et spes“ hat schon recht, den Dialog zu propagieren. (Es ist besser, miteinander zu reden, als aufeinander zu schießen). Aber bitte nicht auf Kosten der Wahrheit. Nicht wegen der Illusion einer geeinten Menschheit…

    • Cuppa,
      das ist genau mein Argument. Dialog ja, Einheit ja, solange es nicht auf Kosten der Wahrheit geht. Und wo sagt das Konzil so klar und eindeutig, dass der von ihm gewünschte Dialog, die von ihm gewünschte Einheit auch auf Kosten der Wahrheit angestrebt werden soll?
      Natürlich, manche Stellen deuten es an, sie suggerieren es, sie verführen geradezu zu dieser Schlussfolgerung, und das war auch die Absicht vieler Konzilsväter, die diese Texte geschrieben und durchgesetzt haben als Brückenköpfe für einen theologischen Bruch in der Folgezeit.
      Mehr noch, in Anbetracht der Erfahrungen, die wir seit dem Konzil haben machen müssen, kann das Konzil mit seinen Dialogbemührungen kaum in einem anderen Licht erscheinen. Aber nirgendwo sagt das Konzil wirklich deutlich und unbezweifelbar, dass es die Wahrheit zu kompromittieren bereit ist, um die Einheit des Menschengeschlechts zu erreichen. Da es diese Festlegung unterlässt, kann man alle zweifelhaften Äußerungen in „Gaudium et spes“ jederzeit als eine partielle, nicht vollständige, und sehr unglücklich formulierte, aber letztlich traditionskonforme Darstellung der kirchlichen Lehre interpretieren. Nicht, dass es unbedingt so gemeint war. Aber es ist auch kein logischer Widerspruch.

      Zu der „geeinten Menschheit“: Hier auf Erden wird es sie nie geben. Aber das bedeutet nicht, dass man nicht, freilich ohne die Wahrheit zu kompromittieren, an ihrer Verwirklichung arbeiten sollte. Vielleicht kommen wir ihr ja etwas näher, indem wir uns bemühen. Das ist ebenso wie mit der Heiligkeit. Vollständige Perfektion werden wir auf Erden nicht erreichen. Aber wir müssen trotzdem daran arbeiten und sie anstreben. Eine geeinte Menschheit als Ziel anzustreben ist also, solange man die Wahrheitsfrage dabei nicht ausklammert, vielleicht unrealistisch, aber nicht für sich genommen verwerflich.

      • Ich habe diesen Satz mit der geeinten Menschheit auch immer schwer modernistisch, à la „Freude schöner Götterfunken“ verstanden.
        Aber prinzipiell kann man den Satz damit retten, das man sagt „Unser Ziel ist die in Christus geeinte Menschheit“.
        Ich nehme jetzt einfach mal an, das die Missionare vergangener Zeiten auch deshalb „losgezogen “ sind, weil sie den Missionsauftrag Christi so verstanden haben.
        „Alle Menschen zu Brüdern im Glauben zu machen!“
        Ich finde es lähmt jeden Schwung und jede Freude, wenn man sagt „Ei wird ja eh nie komplett was“
        Was anderes ist es im Scheitern sich dann wieder an Christus und dessen Scheitern festzuhalten, was ja die Missionare vergangener Zeiten wohl auch gemacht haben.
        Genau in der gleichen Richtung kann man diese ganze Dialogisiererei „retten“, indem man sagt „Das Endziel ist, alle Menschen zu Christus und seiner Kirche zu bringen, aber um dahin zu kommen, müssen wir uns erstmal kennen lernen und es ist wichtig, keine neuen Gräben aufzuwerfen.“
        Defacto und das kommt wohl aus den Konzilstexten her, kommt das allerdings so rüber:
        Ich bin katholisch und du bist wasweißich was und wenn du nur gut lebst, dann kommst du auch in den Himmel und deshalb bleibst du am besten wie du bist……….
        Wenn ich nicht irgendwelche Verschwörungstheorien ventilieren will, so kann ich mir das alles nur so erklären, das die Konzilsväter zu dem Schluss kamen, dass der Fortbestand der Menschheit (es war immerhin der kalte Krieg und Stalin hatte auch die Atombombe, und mit dem Sputnik gezeigt, das die Russen keine technischen Hinterwäldler sind) so gefährdet ist, das es ihnen wichtig war, keine Angriffsfläche zu bieten, die als Anlass für einen neuen Krieg dienen könnte.
        Also die Kirche zu dem zu machen, was modernes Selbstverständnis ist, überall mittels Reden und Dialogen die Konflikte unter dem Teppich zu halten und dafür zu sorgen, das eben nix eskaliert.
        Wenn dem so ist, dann ist aber die Frage, warum man es nicht einfach so formuliert.

        • Ester,
          „Wenn dem so ist, dann ist aber die Frage, warum man es nicht einfach so formuliert.“
          Vielleicht weil das einen offenen Bruch mit der Tradition dargestellt hätte, den weder der Heilige Geist noch die „konservativen“ Konzilsväter zugelassen hätten? C.S. Lewis sagte einmal irgendwo (kann mich gerade nicht an die genaue Quelle erinnern), dass der „Fortbestand der Menschheit“ für ihn nie ein Argument war, weil ohnehin alle Menschen sterben müssen und die Menschheit nicht für die Ewigkeit gedacht ist. Würde man, indem man den „Fortbestand der Menschheit“ für wichtiger hält als ihr Seelenhei (durch die Verbreitung des wahren Glaubens usw.), nicht genau den offenen Bruch mit der christlichen Lehre vollziehen, den man auf dem Konzil so gerade noch vermieden hat?

  5. Catocon, ich muss widersprechen. Die Kirche hat nicht den Auftrag, innerweltlich als zentrales Ziel für eine geeinte Menschheit zu arbeiten. Sie hat den klaren Auftrag, allen Völkern das Evangelium zu verkünden. Ihr Auftrag ist das Heil der unsterblichen Seelen.
    Es gibt keine Verheißung in den Evangelien noch in der kirchlichen Tradition, dass es jemals eine geeinte Menschheit hier auf Erden gibt. Es gibt keine lehramtlche Aussage hierzu, Du wirst es in keinem Katechismus, keinem Dogmatik-Handbuch finden. Das Pastoralkonzil hat es ja auch nicht feierlich definiert. Aber im Redestil, in Predigtform ausgedrückt.
    Mit folgendem Ergebis: Nie haben so viele Katholiken geglaubt, irgendwie seien alle Religionen gleich wahr. Oder falsch.Man will ja nicht anstoßen, die Einheit nicht gefährden. Den Frieden wahren.
    Viel zu oft kommt die Mission zum Erliegen und wird durch reine Sozialarbeit ersetzt. Priester-Missionare als Sozialarbeiter, um ja nicht die „Einheit“ zu stören, um ja nicht den katholischen Glauben „aufzudrängen“. Der Friede, die vermeintliche Einheit, eine sentimentale Liebe könnten gestört werden durch den katholischen Glauben mit seinem Wahrheitsanspruch.Mit dem Anspruch, dass nur eine Religion wahr sein kann. (Wobei es sich von selbst versteht, dass man nicht in jeder Situation missionieren kann…).

    • Cuppa, ich stimme Dir vollkommen zu, und verstehe nicht ganz, wo Du mir genau widersprechen wolltest.
      Die Kirche hat natürlich nicht als „zentrales“ Ziel die Verbreitung innerweltlicher Einheit des Menschengeschlechts unter Ausklammerung der Wahrheitsfrage. Da sind wir uns einig. Doch das Wörtchen „zentral“ hast *Du* in den Satz eingeschmuggelt – ich habe so etwas gar nicht behauptet. Ich habe behauptet, dass das Einheitsstreben nicht der Lehre der Kirche widerspricht, solange man die Wahrheitsfrage dabei immer noch stellt.
      Ich habe schon mehrfach zugegeben, dass die Früchte, die das Konzil dabei hervorgebracht hat, äußerst schädlich waren und zu genau der von Dir trefflich beschriebenen Konfusion geführt haben.

      Deine Ausführungen bestätigen wieder einmal die im ursprünglichen Artikel vertretene These, dass das Konzil eine pastorale Katastrophe war. Aber wo genau ist der dogmatische, theologische Bruch? Wo ist die Stelle, an der das Konzil sich unzweifelhaft und ohne dass eine andere Deutung möglich wäre, gegen die traditionelle Lehre der Kirche stellt? Wo sagt es klar und eindeutig, dass es die Wahrheitsfrage bei diesem Einheitsstreben auszuklammern beabsichtigt, oder die Hauptaufgabe, die Menschen zum Seelenheil zu führen, vernachlässigen möchte? Nochmals: Viele Stellen suggerieren diese Auffassung, sie legen sie nahe, aber an keiner Stelle wird es direkt gesagt. Immer kann man auch eine alternative Interpretation auf der Basis der Konzilstexte vorbringen, nach der sich diese Irrlehren nicht im Text des Konzils finden. (Wenn Du mir nur ein einziges Zitat aus „Gaudium et spes“ zeigst, das wirklich eindeutig diese Thesen vertritt, muss ich meinen Irrtum eingestehen. Ich glaube jedoch nicht, dass es so eine Stelle gibt.)

  6. Ja ich denke einfach die große Verführung ist die Angst vor dem Tod.
    Und seine wir ehrlich es gibt Leute die meinen folgendes ganz ernst
    „Ich kann nicht mehr an Gott glauben weil die Oma mit 96 letzte Woche gestorben ist. So eine liebe alte Frau war sie!“
    So wünschenswert die Idee von der leeren Hölle ist, so christlich die Hoffnung das alle sich retten lassen, und in der Spanne zwischen Sattel und Boden dann doch noch die Umkehr erfolgt, so sehr ist es genau das was die katholische Existenz als eine mögliche, eventuell sogar eine unbequeme und verkehrte, erscheinen lässt.
    Ich würde mal behaupten das seit dem Konzil die Kirche nicht mehr die Grundfragen (wer ist der Mensch, für was ist er da? Wer ist Gott?…)beantwortet und deshalb so, wie alle Welt sich als vollendete doublethink Organisation präsentiert.
    Man hält einerseits den Mensch für per se gut und traut ihm andererseits zu sich komplett auszurotten.
    Man heult bei jedem Unfalltod und schluckt die Pille und begreift Abtreibung als Notfallmittel!
    Ich bin ja nun keine Philosoph, aber frage mich schon, ob nicht eine der Gründe ist, das man in der modernen Philosophie sich um die exakte Definition der Begriffe herumdrückt.

    • Ester,
      das könnte tatsächlich einer der Gründe für die Schwammigkeit der modernen philosophischen und theologischen Aussagen sein. Sobald man diese Gedanken wirklich logisch und konsequent zu denken versucht, enden sie entweder im totalen Agnostizismus, der sich nicht einmal mehr der Existenz seines eigenen Körpers sicher sein kann, oder im totalen Nihilismus, für den der Selbstmord noch die einzige sinnvolle Handlung wäre. Davor drückt sich der Mensch gern und verzichtet auf klare Definitionen und klares Denken in diesen letzten Fragen. Sobald der Mensch sich der wirklichen Realität des Todes stellt, gewinnt die Frage nach Existenz und Wesen Gottes eine ziemlich dringende Bedeutung.

  7. Ein außergewöhnlich schöner Beitrag und eine spannende Diskussion.

    Tatsächlich sind die Stellen in den Texten des Zweiten Vatikanums, um die gerungen wird, in sich nie wirklich eindeutig. Sie lassen falsche Auslegungen zu und laden mitunter sogar dazu ein, sind aber in sich nicht schon zwangsläufig irrig.

    Deutlich wird das im Kommentar von Esther: Für im Glauben stehende und optimismustrunkene Menschen (eben typisch 60er-Jahre) enthalten die Texte keine deutlichen Fehler; denn diese Menschen kennen die richtige Fahrbahn und die Konzilstexte setzen dem auch keine Stoppschilder. Diese Menschen sehen auch keinen Grund, die großen Autobahnabfahrten vom Glauben zu nutzen, die bestimmte Konzilsdokumente anbieten. Aber dieser Optimismus ist eben falsch. Viele nutzen die Abfahrten vom Glauben der Kirche.

    Es müsste aufgezeigt werden, dass diese Abfahrten eben nicht offen stehen. Hier müsste aufgezeigt werden, dass die Texte des Zweiten Vatikanums nicht kontextlos und absolut gelten, sondern eben nur innerhalb der Grenzen, die die traditionelle Lehre der Kirche seit zweitausend Jahren herausgearbeitet hat. Es müsste deutlich gemacht werden, dass das Zweite Vatikanum eben keine neue Lehre verkündet hat, sondern dass ihm nur zugestanden werden kann, dass es versucht hat, die traditionelle Lehre in »heutiger Sprache« (der Sprache der 50er- und 60er-Jahre) darzulegen, wobei es häufig nicht ganz glücklich agiert hat.

  8. Ja, ultramontanus so ähnlich ist es wohl.
    Und das ganz Schlimme ist, obwohl die Frommen zunächst die Ausfahrten ignoriert haben, sind sie dann doch in den Kontakt mit denen die eben die katholische Autobahn verlassen haben, ins Gespräch gekommen, haben festgestellt das es darunter auch nette Menschen gibt, bei Sünden wider z.B das 6te Gebot der Schuldige nicht sofort vom Blitz getroffen wird und auch nicht leidet, und somit haben sich die Kriterien für ein „gottgefälliges Leben“ ins rein innerweltliche verschoben.
    Man hat einfach, wie Hans Urs von Balthasar in einem Brief an Joseph Ratzinger schrieb, den Glauben nicht vorgesetzt, sondern vorausgesetzt.
    Und aber vergessen, das es keiner Offenbarung bedürfte, wenn es sooo einfach wäre das rechte Tun und Lassen zu erkennen und diese Erkenntnis umzusetzen.
    Wussten doch schon die alten Heiden.
    Ich erkenne das Gute und heiße es gut, dem Schlechten aber folge ich.

    • Heute in der Messe hat der Pfarrer unfreiwillig ein Beispiel für das ganze nachkonziliare Drama gegeben.

      Heute ist nämlich Fidelis von Sigmaringen und der Mönch mit dem netten Namen ist als Märtyrer gestorben.
      Nun wurde er nicht von irgendwelchen Heiden, oder irregeleiteten Anhängern anderer hochstehender Religionen massakriert, nein von unseren christlichen Brüdern und Schwestern, mit denen wir heute schunkelnd auf Ökumene machen.
      Nun, man verstehe mich nicht falsch, ich finde schunkeln auch besser, als sich die Köpfe einschlagen, das steht außer Frage.
      Nun fühlte sich der Priester gerufen uns, die Sache zu erklären und da verstieg er sich zu folgendem Satz:
      „Fidelis war so eifrig beim missionieren, weil er, wie die ganze Kirche bis zum 2ten Vatikanum der Ansicht war, das nur der in den Himmel komme, der auch zur katholischen Kirche gehört. Das 2te Vatikanum hat allerdings erkannt, das ach der gerettet werden kann, der aufrichtig seinem Gewissen folgt“
      Das ist so typisch für das Konzil und sein produziertes weltanschauliches Chaos.
      http://beiboot-petri.blogspot.de/2012/04/das-konzil-und-seine-unscharfe.html

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