Wozu überhaupt übersetzen?

Quelle: Johannes (Eum loquatur)

Die deutschen Bischöfe sperren sich seit vielen Jahren gegen die korrekte Übersetzung der Wandlungsworte in der ordentlichen Form der Messe. Da soll es auf einmal „für alle“ heißen, obwohl die normative lateinische Originalfassung „pro multis“, für viele, besagt. Begründet wird dies mit allerlei schönen und netten Argumenten, die aber alle nicht darüber hinwegtäuschen können, dass hier eine klare Verfälschung der Wandlungsworte in ihrem Inhalt vorliegt. Dies ist keine Kleinigkeit, sondern sehr besorgniserregend. An anderer Stelle mag man darüber streiten, wie schlimm diese falsche Übersetzung ist. Hier soll jedoch ein anderer Aspekt kurz erwähnt werden:

Warum überhaupt eine Übersetzung? Warum kann man nicht einfach eine allgemeine, also katholische, Messe auch in einer allgemeinen Sprache feiern? Warum müssen in der lateinischen Kirche hunderte lokale Sprachen durch die Liturgie reflektiert werden? Die Kirche hat doch schon eine Sprache, nämlich Latein. Und wer sich für den Inhalt der Texte interessiert, und kein Latein kann, dem steht in der heutigen Zeit doch ohne Probleme die Möglichkeit offen, sich über die Texte zu informieren. Es wäre sogar jederzeit möglich, zweisprachige Ausgaben der Messtexte den Gesangbüchern gleich in den Kirchen auszulegen, wenn man es allen ganz leicht machen möchte, die lateinischen Texte nachzuvollziehen.

Es gibt keinen Grund dafür, die fraglichen Wandlungsworte überhaupt zu übersetzen. Und sehr viele gute Gründe dagegen. Aber wenn man aufgrund einer an den Turmbau zu Babel erinnernden Obsession mit der Sprachverwirrung schon unbedingt eine deutsche Übersetzung der Wandlungsworte anstelle des Originals in der Messe verwenden möchte, dann sollte man sich doch wenigstens dazu durchringen können, eine möglichst originalgetreue Übersetzung anzufertigen.

Nun fordert der Papst in einem auf kath.net dokumentierten Brief abermals die Änderung ein. Werden diesmal Taten folgen? Es wäre zu hoffen, doch ich würde nicht darauf wetten. Papier ist geduldig und die Bischöfe verschleppen die überfällige Korrektur schon seit Jahren und Jahrzehnten.

Als Zeichen und Aufforderung findet sich das obige Bild fortan in meiner Seitenleiste.

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11 Gedanken zu „Wozu überhaupt übersetzen?

  1. Sehr richtig, diese Anmerkung!
    Was mir (leider) nicht recht passt – nein: überhaupt nicht passt! – ist das gut gemeinte Bild. Sein Anblick erweckt in mir ein spontanes Unwohlsein!
    Heute leider fast etwas in Verruf geraten, ist die Elevation der gewandelten Hostie ein wesentlicher Mittelpunkt in der bildhaften Ausdrucksweise der Liturgie. Nun aber wird hier mit einer Hand, ärmellos, fast nonchalant eine Hostie emporgehoben, als wäre sie ein beliebiger (oder jemandem entrissener!) Gegenstand.
    So wie Japaner ihre Visitenkarten als sofort erkennbare Höflichkeit dem Andern gegenüber immer mit beiden Händen austauschen, so muss doch das Allerheiligste immer mit beiden Händen emporgehoben werden: in erster Linie soll mit diesem Zeichen die Gabe ehrfurchtsvoll Gott dargebracht werden, in zweiter Linie soll sie ebenso ehrfürchtsvoll den Gläubigen gezeigt werden. Damit ist ein sehr wichtiger, einem Kind z.B. unmittelbar erkennbarer Gehalt dieser Botschaft verkündigt.
    Könnte die Idee vielleicht mit einem geeigneteren Bild umgesetzt werden? Denn gerade hier soll doch das Bildhafte mit der beabsichtigten Aussage möglichst deckungsgleich übereinstimmen!

    • Thysus,
      ich stimme der Kritik des Bildes zu. Mir war das noch gar nicht so richtig aufgefallen. Das Bild stammt von Johannes (eum loquatur), der damit vielleicht der beste Adressat für die Kritik wäre (vielleicht kann er ja eine verbesserte Version anfertigen?). Solange ich kein besseres Bild finde, lasse ich es erst einmal so stehen.

  2. Das ist jetzt sehr persönlich, aber ich mache es öffentlich: Als nach der Herbstvollversammlung der DBK 2010 die deutschen Bischöfe die Übersetzung „für viele“ ablehnten und bei der Interpretation „für alle“ bleiben wollten, ist mir erst bewusst geworden, dass wir nicht mal mehr die Wandlungsworte, das Kelchwort, gemeinsam im Wortlaut mit dem Papst beten. Das ist besorgniserregend und dramatisch.Die Weltkirche ist sich nicht mehr einig im Kern des Glaubens, des Betens. Und der Theologie. Denn im Hintergrund von „für alle“ steht die häretische Allerlösungstheologie. Die nicht mit dem universalen Heilsangebot Gottes – Jesu verwechselt werden darf. Denn Menschen können dieses Heilsangebot zurückweisen, sich der Erlösung verweigern. Sie ablehnen. Was aber kaum noch gepredigt wird, in den üblichen Katechesen keine Rolle mehr spielt.
    Für mich war das damals der Anlass, der entscheidende Anstoß, mich der Alten Messe zuzuwenden. Vielleicht der beste Entschluss meines Lebens… Oder neben anderen auf derselben Ebene liegenden wichtigsten Entscheidungen…

    • Cuppa,
      vielleicht wird dieses Problem zumindest in den Wandlungsworten ja jetzt korrigiert. Der Papst scheint den Druck doch deutlich zu verstärken (und Erzbischof Zollitsch hat, glaube ich, gesagt, dass die Diskussion um die Übersetzung der Wandlungsworte jetzt abgeschlossen sei.)

  3. Ich besitze noch einen Schott von 1952 mit dem ich aufgewachsen bin. In diesem Schott stehen links die lateinischen und rechts die deutschen Texte. Es gab also überhaupt kein Problem der Messe zu folgen, auch wenn man kein Latein verstand.
    Die Wandlungsworte in diesem Schott lauten:
    „qui pro vobis et pro multis effundétur in remissiónem peccatórum
    das für Euch und für viele vergossen wird zur Vergebung der Sünden“

    Warum wurde das geändert?
    Man hat sich mit dieser Änderung an den Zeitgeist angepasst: Alle Menschen sind gleich und gleich gut, egal was sie tun oder lassen, und alle kommen sowieso in den Himmel. Die Bischöfe (ausser Bischof Dyby und evtl noch andere) und viele Theologen waren die Vorreiter dieser These, obwohl viele Stellen im NT dem widersprechen.

    Heute besuche ich jeden Sonntag die lateinische Messe und dort liegt ein kleines Buch der Petrusbruderschaft aus mit den Messtexten in Latein und Deutsch und Erklärungen zur Messe,

    • Kassandra,
      wenn das damals schon möglich war, dann ist es das heute erst recht. Und die Petrus- und Piusbrüder machen es ja vor. Es gibt also keinen Grund, nicht wieder (langsam, nach angemessener Katechese, versteht sich) zur lateinischen Messe auch im Gemeindealltag zurückzukehren. Ebenso sollte man auch zur traditionellen katholischen Religion zurückkehren, die zumindest im Gemeindealltag vollkommen unter den Tisch gekehrt worden ist (gemeint ist der Tisch, den man heute anstelle des Altars hat… ;))

  4. Ich gebe zu bedenken, dass auch für „zweisprachige Ausgaben“ der Messtexte – und auch für Katechesen etc. eine (ordentliche, einheitliche, korrekte, approbierte) Übersetzung notwendig ist…
    Von daher, denke ich, ist diese (nun beendete) Diskussion und die Bestätigung der wörtlichen Übersetzung der Worte Christi wichtig und notwendig.

    • Frischer Wind,
      natürlich ist die Diskussion richtig und auch eine zweisprachige Ausgabe der Messtexte braucht eine korrekte, verbindliche Übersetzung. Doch immerhin spricht der Priester dann nicht bei jeder Messe die „falschen“ Wandlungsworte. Fehler in einer nicht zur Verwendung in der Messe gedachten Übersetzung betreffen nicht so unmittelbar die Heilshandlung auf dem Altar.

  5. Der Ungehorsam der DBK 2010, das Festhaltenwollen an der Interpretation statt die Übersetzung des Kelchwortes bei Mt und Mk zu wählen, war wirklich nur der Anstoß. Ich werde jetzt nicht der Versuchung erliegen, die Vorzüge der Alten Messe insgesamt zu erwähnen. Denn es geht hier um die „neue Messe“. Ich kann nur wünschen, dass der unmissverständlichen Anordnung des Heiligen Vaters Folge geleistet wird. Wenigstens von den Bischöfen. Bei vielen Priestern darf man mit Recht skeptisch sein. Sie müssten gezwungen werden, ein verbindliches Hirtenwort in den Kirchen hierzu zu verlesen. Doch Zwang ist unmodern, vor-vorgestrig…Wird behauptet…Widerspricht der Kreativität von etlichen Priestern und Liturgieausschüssen. Obwohl die zu den Wandlungsworten inhaltlich nichts zu sagen haben…hätten..

  6. Trotz der (gut begründeten) Anweisung des Hl. Vaters glaube ich nicht, daß sich auf der Ebene der „Konzilspriester“ viel ändern wird. Ich erwarte, daß man diese Anweisung einfach ignorieren wird. Der „Priester“ (ich setze dies bewußt in Anführungszeichen) meiner Heimatgemeinde behandelt schon heute die Wandlungsworte so frei, daß der falsch übersetzte Text schon nicht mehr gängig ist, geschweige denn eine korrekte Übersetzung. Und keiner gebietet diesen Leuten Einhalt, die Bischöfe sind zu schwach, und ich schreibe hier über das Erzbistum Köln. Das Schisma ist schon da, die Anweisung des Hl. Vaters wird daran wenig ändern, zumindest ist das meine Befürchtung.

    • wk1999,
      da haben Sie wahrscheinlich recht. Ändern wird sich erst etwas, wenn irgendwann die neue Christenverfolgung beginnt oder das Schisma aus anderen Gründen auch formal als solches erkannt wird. Nicht vergessen: Die von Ihnen genannten Priester sind in voller Einheit mit Rom und werden von den Ortsbischöfen geduldet. Das wird so bleiben, solange sie die Wandlungsworte verfälschen. Aber wehe, sie weigern sich die Neue Messe zu zelebrieren und das Konzil „anzuerkennen“…

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