Betreuungsgeld: Eine Scheindebatte

Der Streit um das Betreuungsgeld

Die meisten Leser werden sicher schon davon gehört haben. Familien, die ihre Kinder nicht so zügig wie möglich an eine staatliche oder staatlich hochsubventionierte Betreuungseinrichtung abtreten, sondern sich selbst um ihren Nachwuchs kümmern möchten, sollten eigentlich dem Koalitionsvertrag der schwarz-gelben Bundesregierung zufolge ab 2013 ein „Betreuungsgeld“ in Höhe von 150 Euro monatlich für die ersten drei Lebensjahre erhalten. Dies stößt jetzt auf massive Gegenwehr der veröffentlichten Meinung aller Parteien; nur wenige, isolierte Stimmen, darunter Kristina Schröder (CDU) und einige Politiker aus der CSU, möchten gern an irgendeiner Art ausgleichender Förderung für Familien, die ihre Kinder nicht als hinderlich betrachten, festhalten. Allgemein wird dies als Affront gegen die gesellschaftspolitische Generallinie der totalen Mobilisierung von Müttern für die Zwecke des Arbeitsmarkts gesehen und aus diesem Grund als frauenfeindlich tituliert.

Während die Krippenplätze mit teilweise mehr als 1000 Euro monatlich subventioniert werden, erscheint eine Förderung von 150 Euro pro Monat für verantwortliche Eltern bereits zu hoch, wenn nicht vollkommen überflüssig.

Die Verteidiger des Betreuungsgeldes, darunter der sehr geschätzte Sprecher des Arbeitskreises Engagierter Katholiken, Martin Lohmann (CDU), argumentieren, durch dieses Betreuungsgeld könne echte Wahlfreiheit ein Stückchen näher kommen. Sie verstehen unter echter Wahlfreiheit, dass Fremdbetreuung und familiäre Erziehung gleichermaßen gefördert werden. Dies wäre, selbst wenn das Betreuungsgeld durchgesetzt werden könnte, natürlich nicht der Fall, weil die Förderung von Krippenplätzen um ein Vielfaches höher ist als das Betreuungsgeld. Doch man sieht die vorgeschlagene Familienförderung als einen Schritt in die richtige Richtung.

Betrachtet man die Debatte um das Betreuungsgeld, so scheint auf den ersten Blick ein Kampf zwischen den Verteidigern der traditionellen Familie, die sich selbst um ihre Kinder kümmert und den feministischen Familienzerstören zu toben. Die Parteinahme für den „konservativen“ Flügel der CDU und die CSU liegt damit nahe. Und tatsächlich kann man nicht bestreiten, dass das Betreuungsgeld die familienfeindliche Politik der Regierung immerhin ein wenig abschwächen würde. Die Gerechtigkeitslücke wäre fortan ein kleines bisschen geringer als vorher.

Eine Scheindebatte

Doch worüber diskutieren wir hier eigentlich? Die „konservativen“ Befürworter des Betreuungsgeldes argumentieren, jede Mutter sollte eine unbeschränkte Wahlfreiheit haben, ob sie ihr Kind bereits ab dem ersten Lebensjahr in Fremdbetreuung gibt, und ihr sollten keine Nachteile aus dieser oder jener Entscheidung erwachsen. Diese Position ist fast ebenso unannehmbar, radikal feministisch und vollkommen unvereinbar mit einem „traditionellen Familienbild“ wie die von noch weiter links vorgeschlagene Alternative.

Wir haben es mit einer Scheindebatte zu tun. Beide Seiten der Debatte sind in allen wesentlichen Fragen der Thematik einig. Vollkommen unhinterfragt bleiben die Prämissen des Feminismus und der sexuellen Revolution. Es gilt als selbstverständlich, dass es eine moralisch neutrale Sache der „Wahlfreiheit“ ist, wenn Mütter und Väter ihre Kinder ohne Not an fremde „Betreuer“ abtreten. Es gilt als selbstverständlich, dass eine Förderung von Familien, die sich auch über das dritte Lebensjahr des Kindes hinaus selbst um ihr Kind kümmern wollen, abzulehnen ist.

Doch vor allem bleibt unwidersprochen im Raum stehen, dass Männer und Frauen im Prinzip gleich sind und dieselben gesellschaftlichen Rollen ausfüllen sollten. Dass Männer und Frauen unterschiedlich sind, dass Mütter eine besondere Bindung zu ihren Kindern haben, die mit dem dritten Geburtstag nicht auf magische Weise versiegt, dass die Hauptaufgabe einer Mutter nicht das Scheffeln von Geld, sondern die Erziehung ihrer Kinder ist, und vieles, vieles mehr, wird von allen Seiten der Debatte platt geleugnet oder zumindest verschwiegen.

Die scheinbar entgegengesetzten Seiten sind sich im Wesentlichen einig. Die Frau ist das Herz der Familie, um in das Bild von Papst Pius XI. aus seiner unverzichtbaren Enzyklika Casti Connubii zu gebrauchen. Die wesentliche Aufgabe des Feminismus besteht darin, die Familie zu zerstören, indem ihr das Herz herausgerissen wird. Diesen Feminismus teilen beide Seiten der Debatte. Solange keine Debatte über den Feminismus als solchen angestoßen wird, werden alle kleinen Auseinandersetzungen über die zunehmende Verstaatlichung der Kindererziehung vollkommen fruchtlos bleiben, selbst wenn sie von den feministischen Mainstream-Medien zu apokalyptischen Dimensionen aufgeblasen werden.

Der Streit um das Betreuungsgeld tobt zwischen der sozialistischen und der liberalistischen Geschmacksrichtung des Feminismus. Die Sozialisten (worunter faktisch alle Parteien im deutschen Bundestag mehrheitlich fallen dürften) möchten die Kindererziehung vollkommen verstaatlichen und sehen jede Familie generell mit Argwohn, solange sie ihre Kinder nicht an das Kollektiv abgibt. Die Liberalisten (darunter der „konservative“ Flügel von CDU und CSU und die meisten deutschen Bischöfe) sind ebenfalls der Meinung, dass die Frau ins Büro gehört, und nicht zu ihren Kindern. Deswegen sehen sie die Förderung der Fremdbetreuung und damit der Doppelverdienerpaare uneingeschränkt positiv. Doch sie möchten, dass ganz liberal, ganz freiheitlich, auch andere „Familienformen“ oder „Lebensstile“ möglich sind, und befürworten daher auch das „Betreuungsgeld“.

Wir lassen nun die verschiedenen Strömungen des radikalen Feminismus wieder ihren medial hochgejubelten Bruderkämpfen nachgehen, und schließen mit einem Wort des Papstes Pius XI. zur sogenannten „Emanzipation“ der Frau aus seiner bereits zitierten Enzyklika Casti Connubii:

Alle diese nun, die so den Glanz der ehelichen Treue und Keuschheit zu verdunkeln trachten, sind es auch, die als Lehrer des Irrtums den treuen und ehrenvollen Gehorsam der Frau gegen den Mann gern erschüttern möchten. Einige Verwegene gehen noch weiter und bezeichnen diesen Gehorsam als eine entwürdigende Versklavung des einen Eheteils durch den andern. Beide Gatten, sagen sie, besäßen völlig gleiche Rechte. Da diese Ebenbürtigkeit durch die Sklaverei des einen Teiles verletzt werde, so rühmen sie sich stolz, eine Befreiung der Frau vollzogen zu haben, oder fordern, daß sie in Bälde vollzogen werde. Je nachdem es sich bei dieser Befreiung um die Leitung der häuslichen Gemeinschaft oder die Vermögensverwaltung oder die Verhütung bzw. Tötung neuen Lebens handelt, unterscheiden sie eine dreifache Emanzipation: eine soziale, wirtschaftliche, physiologische. Die physiologische Emanzipation verstehen sie dahin, daß es der Frau völlig frei stehen soll, die mit dem Beruf der Gattin und Mutter verknüpften natürlichen Lasten von sich fernzuhalten (daß dies keine Befreiung, sondern ein ruchloser Frevel ist, haben Wir schon zur Genüge dargelegt). Die wirtschaftliche Emanzipation soll der Frau das Recht bringen, ohne Vorwissen und gegen den Willen des Mannes ihr eigenes Gewerbe zu haben, ihre Angelegenheiten und Geschäfte selbst zu betreiben, selbst die Verwaltung in Händen zu halten, gleichgültig, was dabei aus Kindern, Gatten und der ganzen Familie wird. Die soziale Emanzipation endlich will die Frau dem engen Kreis der häuslichen Pflichten und Sorgen für Kinder und Familie entheben, um sie freizumachen für ihre angeborenen Neigungen, damit sie sich anderen Berufen und Ämtern, auch solchen des öffentlichen Lebens widmen kann.

Aber das ist keine wirkliche Befreiung der Frau; sie enthält nicht jene der Vernunft entsprechende und gebührende Freiheit, wie sie die hehre Aufgabe der Frau und Gattin fordert. Sie ist eher eine Entartung des weiblichen Empfindens und der Mutterwürde, eine Umkehrung der ganzen Familienordnung, so daß der Gatte der Gattin, die Kinder der Mutter, die ganze Familie und Hausgemeinschaft der stets wachsamen Hüterin und Wächterin beraubt werden. Diese falsche Freiheit und unnatürliche Gleichstellung mit dem Manne wird sich zum eigenen Verderben der Frau auswirken; denn wenn sie einmal von der Höhe und dem Thron herabsteigt, zu dem sie innerhalb der Familie durch das Evangelium erhoben wurde, wird sie bald (vielleicht weniger dem äußeren Schein nach, wohl aber in Wirklichkeit) in die frühere Sklavenstellung zurückgedrängt und wie im Heidentum zu einem bloßen Werkzeug des Mannes werden.

Jene Rechtsgleichheit aber, die hier in so übertriebener Weise beansprucht wird, besteht hinsichtlich der Persönlichkeitsrechte und der Menschenwürde und in dem, was dem Vertrag entspringt und der Ehe eigentümlich ist; hierin erfreuen sich in der Tat beide Gatten gleicher Rechte und haben gleiche Pflichten, in den übrigen Dingen aber muß eine gewisse Ungleichheit und Abstufung herrschen, wie sie das Familienwohl und die notwendige Einheit und Festigkeit der häuslichen Gemeinschaft und Ordnung fordern.

20 Gedanken zu „Betreuungsgeld: Eine Scheindebatte

  1. Als ich vor 24 Jahren anfing mit dem Kinderkriegen war ich eine linke Studentin für die es klar war: „Ab mit dem Kind in die Krippe!“ damals war ich damit schwer exotisch und in der Krippe kam es zu putzigen Missverständnissen, einfach weil die dortigen Erzieherinnen sich als „Nothelferinnen“ verstanden und auch so ausgebildet wurden.
    Ich habe das dann ziemlich schnell aufgegeben mit dem „in die Krippe bringen“ einfach weil mein Herz das nicht mitgemacht hat, obwohl das Kind für heutige Verhältnisse schon recht groß (2 Jahre) war.
    Als ich vor 8 Jahren mein letztes Kind in die Kindergarten brachte war ich schon wieder der Exot, weil ich keine Ganztagesbetreuung wollte und auch gar nicht versessen daruf war, das Kind pünktlich zum 3ten Geburtstag dort abzuliefern.
    Es ist kaum zu glauben wie die Welt und ihre Denkweisen in nur 25 Jahren komplett auf den Kopf gestellt wurden und das wider die Natur und wider das Herz.

    Hier habe ich mir weiterführende Gedanken dazu gemacht

    http://beiboot-petri.blogspot.de/2012/04/kinder-betreuungsgeld-und-die.html

    • Ester,
      das ist der hochgelobte „Fortschritt“. In 25 weiteren Jahren wird man es nicht verstehen, warum man *drei Wochen* nach der Geburt immer noch nicht wieder arbeiten geht. „Wollen Sie der Gemeinschaft wirklich ständig nur auf der Tasche liegen?“ So wird die Frage lauten.
      Nur die katholische Kirche, so Chesterton, bewahrt den Menschen vor der Sklaverei, ein Kind seiner Zeit zu sein.

  2. Bei der Enzyklika Pius XI fällt mir mal wieder auf, wieviel eigentlich bereits gesagt ist und auch was die psychischen Folgen für Kinder betrifft längst bekannt und bestens erforscht ist. Aber es will niemand mehr so recht hinhören, genauso wenig wie auf sein Herz zu hören.

  3. Drei Wochen nach der Geburt sind übertrieben, aber zum Beispiel in Frankreich wird keine Mutter als „Rabenmutter“ verunglimpft, die drei Monate nach der Geburt ihre Erwerbstätigkeit wieder aufnimmt, um das Familieneinkommen zu sichern.
    Ohne das Familieneinkommen gibts nämlich keine Wohnung, kein Licht, keine Wärme, nichts zu essen, keine Windeln und auch alles andere, was eine Familie und vor allem Kinder, zum Überleben brauchen.

    Und der heilig gesprochene Kapitalismus zwingt eben mit seinem modernen Taglöhnertum (Leiharbeit und Hungerlöhne, die das Existenzminimum einer Familie nicht im mindesten sichern können) Familien dazu, mindestens zwei, oft auch mehr Einkommen zu erarbeiten. Und wenn wir es nicht schaffen den Müttern die Existenzsicherung ihrer Kinder zu ermöglichen, hohes Gehalt an den Ehemann, die Frau bleibt zu Hause, hohes Einkommen an die Ehefrau, der Vater bleibt zu Hause, dann passiert eben dies: wenig Einkommen an den Vater, die Frau muss auch einer Erwebstätigkeit nachgehen, dass die Familie nicht auf der Strasse sitzt, oder auf Hartz IV angewiesen ist. Wer betreut dann die Kinder? Eben, die Kindertagesstätte oder die Tagesmutter.

    Viel einfacher und vor allem wirkungsvoller wäre es doch dafür zu sorgen dass EIN Einkommen (nach katholischer Lehre das des Ehemannes, weil er das Haupt der Frau ist und die alleinige Leitungsgewalt in der Familie hat) völlig ausreichend ist eine normale Existenz der Familie so zu sichern, dass diese gut versorgt ist und am sozialen Leben teilnehmen kann.
    Aber da spricht eben der heilige Kapitalismus dagegen, weil das hohe Einkommen für abhängig Beschäftigte bedeuten würde. Und wie sich die Einkommen aus abhängiger Beschäftigung in diesem Jahrtausend entwickelt haben, wissen wir ja alle. Sie sind real um drei Prozent gesunken.

    PS: In Frankreich, mit seiner exzellenten Kinderbetreuung schon für sehr Kleine, jede Leiterin einer ecole maternelle hat einen Universitätsabschluss in Pädagogik oder Sozialwissenschaften, hat eine deutlich höhere Geburtenrate als Deutschland. Die Frauen gehen dort mit Kindern und Kitas einfach nciht ganz so verkrampft um. Das sollten wir uns zum Vorbild nehmen, weil wir ja auch eine höhere Geburtenrate brauchen. Sagt die Kirche. Wie machen das eigentlich die Schweden? Das sind nur sieben Millionen Menschen.

    • Felix M.,
      „Viel einfacher und vor allem wirkungsvoller wäre es doch dafür zu sorgen dass EIN Einkommen (nach katholischer Lehre das des Ehemannes, weil er das Haupt der Frau ist und die alleinige Leitungsgewalt in der Familie hat) völlig ausreichend ist eine normale Existenz der Familie so zu sichern, dass diese gut versorgt ist und am sozialen Leben teilnehmen kann.
      Aber da spricht eben der heilige Kapitalismus dagegen, weil das hohe Einkommen für abhängig Beschäftigte bedeuten würde. Und wie sich die Einkommen aus abhängiger Beschäftigung in diesem Jahrtausend entwickelt haben, wissen wir ja alle. Sie sind real um drei Prozent gesunken.“

      Da würde ich jederzeit zustimmen. Ich bin sicher kein großer Fan des „heiligen“ Kapitalismus.
      Die Idee, dass wir *noch* unverkrampfter mit Kitas umgehen sollten – ihnen also noch mehr zutrauen – halte ich hingegen für vollkommen verfehlt, und glaube auch nicht, dass so eine Linie mit der Lehre der Kirche zu diesem Thema zu vereinbaren wäre.

      • Felix, ich habe 7 Kinder von einem Arbeitergehalt großgezogen,.
        Jedem der mir, kommt von wegen „Frauen müssen arbeite“ kann ich nur sagen.
        „Du lügst!“.
        Und noch was, wir sind mit unserem Gehalt echt ziemlich unten an der Lohnskala, die meisten Leute verdienen mehr,
        Und gerade die sind immer so am heulen, das ich echt nicht weiß ob ich weinen oder lachen soll.
        Also außer Propaganda nix gewesen.
        Und noch was, kommt das Gespräch dann auf Migranten (wie das auf Neudeutsch heißt), dann heißt es ja immer „Eija die können sich das auch leisten , die kassieren ja Kindergeld und Wohngeld und anderes“
        Ich verrat Ihnen mal was Kindergeld, Zuschlag zum Kindergeld, Wohngeld und andere Leistungen wie Baukindergeld und LAKRA Kredite , erhalten auch reinrassige Deutsche.
        Diese ganze Begründungsschiene lässt sich mit der Realität nicht aufrechterhalten!

  4. Ja das stimmt mit Chesterton und irgendwo in „Ketzer“ glaube ich moniert er sich über Leute die sich Sozialistisch nennen und denen nix anderes einfällt als Leuten deren einzige Reichtum ihre Kinder sind, diese wegzunehmen.
    Wahrhaftig das Probelm hat tiefe Wurzeln.

    • Ester,
      wenn die Leute nur Chesterton zur Kenntnis nähmen, wären sie wirklich viel weiser und vernünftiger als heute. Dass Chesterton die Probleme bereits vor 100 Jahren so deutlich erkennen und benennen konnte, zeigt uns übrigens, dass die 1968er Bewegung bloß eine Radikalisierung derselben Tendenzen war, die schon zu Chestertons Zeiten florierten.

  5. Weil mir der Chesterton-Satz in den letzten Monaten immer wieder durch den Kopf geht, erlaube ich mir die Frage: Wie hätte er sich geäußert, wenn er erlebt hätte, dass sich die kirchliche Hierarchie (fast) bis zur Selbstaufgabe während des Konzils und danach vor dem Zeitgeist niederkniet und anhimmelt?

    • Cuppa,
      gute Frage. Zu Chestertons Zeiten gab es ja auch schon Modernismus in der Kirche, doch wurde er noch nicht von oben als Wahrheit verkündet. Ich glaube nicht, dass es für Chesterton viel geändert hätte. Den existierenden Modernismus hat er abgelehnt, und er hätte erkannt, dass man, um Erzbischof Lefebvre zu zitieren, dem Ewigen Rom folgen muss.

  6. Warum diese entsetzliche, panische Angst vor einer Sozialisation von Kindern in Gruppen? Warum sollen Kinder, wenn ich mir die Beiträge von Gläubigen hier durchlese möchte ich beinahe sagen „mit aller -elterlicher- Gewalt“, von anderen Kindern fern gehalten werden? Rührt diese Panik daher, dass man glaubt die Einflüsse der Bösen Welt außerhalb des Elternhauses würden die Kinder „verderben“? Wenn das so ist, sollte man keine Kinder haben, weil man dann völlig unfähig ist Eltern zu sein. Gute Eltern können alleine schon durch ihr Vorbild die Kinder so prägen, dass es großartige Jugendliche und gute Erwachsene werden.
    Das haben schon die Kitas in der verblichenen DDR bewiesen, die ja nun alles versucht haben, alle Menschen von klein auf zu Sozialisten zu trimmen. Hat das nun funktioniert? NEIN! Es hat Kinder hervorgebracht, die sozialistisch waren und sind, aus sozialistischen Elternhäusern, es hat gläubige Menschen hervorgebracht aus gläubigen Elternhäusern und es hat miese Chaoten hervorgebracht aus miesen, chaotischen Elternhäusern.

    Also bitte mehr Mut zum Kind und zum Vorbild für das Kind! Eine Kita kann das Lernen und die Sozialisation von Kindern gewaltig beschleunigen, auf einem Weg und mit Methoden, die allen viel Freude machen kann: Gemeinschaft. Und was die Kita nicht kann und in allen zivilisierten Ländern Europas auch nicht versucht, ist die von den Gläubigen hier vermutete Indoktrination. Dazu haben deutsche Erziehernnen gar nicht die Qualifikation und französische und schwedische Erzieherinnen tun es einfach nicht.
    Dafür haben die viel, viel größere und spielerisch erreichte Lernerfolge und genau DAS ist es, was wir brauchen und wollen. Kluge Kinder, die auf die weiterführende Ausbildung sehr gut vorbereitet sind. Dann kann uns der demografische Faktor mitsamt Geburtenrate böllig egal sein. Wir werden immer das Land mit den besten Igenieurinnen, Ärztinnen und Chemikern sein. Mit Handwerkerinnen und Handwerkern, die in der ganzen Welt gesucht sind. Und das kann katholischer Lehre auf gar keinen Fall widersprechen, das Beste für die nachwachsenden Geberationen zu erreichen. Und das geht auf gar keinen Fall durch langjährige Abschottung von Kindern.

    • Felix,
      das Problem ist, dass es der Kirche nicht darum geht, irgendwelche demographischen oder ökonomischen Probleme, die es im Westen derzeit womöglich geben mag, zu lösen. Das ist – für die Kirche – Nebensache. Sie ist zuerst mit geistlichen Fragen beschäftigt. Es geht um die Aufrechterhaltung der natürlichen, von Gott gegebenen Ordnung, und die besteht darin, dass Eltern für ihre Kinder selbst – selbst! – verantwortlich sind. Und ja, die besteht auch und gerade darin, dass verantwortliche Eltern der vorsätzlichen Entsittung, die in staatlichen Verziehungsanstalten – inklusive der zu ideologischen Zwecken umfunktionierten Schule – betrieben wird, entschlossen entgegentreten müssen. Und dies geschieht tatsächlich nicht, indem man die Kinder ins Wasser wirft, sondern indem man ihnen zuerst das Schwimmen beibringt, bevor man sie im Meer allein lässt. Das heißt: Man bringt ihnen die Grundlagen der Sittlichkeit bei, bevor man sie schutzlos und unkontrolliert in ganztägigen staatlichen Einrichtungen verkommen lässt. Das ist keine Abschottung, aber es ist langsames Heranführen.
      Nennen Sie mich ruhig hinterwäldlerisch, das ist Ihr gutes Recht, aber ich glaube nicht, dass das Klima von Gewalt, Sexualisierung und Disziplinlosigkeit, das in staatlichen Einrichtungen herrscht, gut für die Kinder ist.
      Und zu dem „Argument“ mit der DDR: Wo sind denn die ganzen Nicht-Sozialisten? Wo sind die ganzen „Gläubigen“, die die DDR hervorgebracht hat? Über 90% der Bürger der Neuen Bundesländer glauben nicht an einen persönlichen Gott, und fast alle haben den Sozialismus des Staates in der einen oder anderen Form in sich aufgenommen. Angela Merkel ist das beste Beispiel. Sie haben den Sozialismus eingeimpft bekommen, und jetzt setzen sie ihn um, wo immer sie die Chance dazu haben.
      Der staatliche Ameisenhaufen ist nicht katholisch. Aber er ist die Folge der Einheitserziehung, die von Sozialisten aller Parteien favorisiert wird.
      Ich empfehle zur Einführung in christliches Denken zu diesem Thema die Enzykliken Casti Connubii (zur Ordnung von Ehe und Familie), Arcanum Divinum Sapientiae (zur Bedeutung der Ehe), Divini Illius Magistri (Christliche Erziehung), Rerum Novarum (Soziallehre allgemein) und Divini Redemptoris (zum Thema Sozialismus)

      • Zitat: Felix, das Problem ist, dass es der Kirche nicht darum geht, irgendwelche demographischen oder ökonomischen Probleme, die es im Westen derzeit womöglich geben mag, zu lösen. Das ist – für die Kirche – Nebensache. Sie ist zuerst mit geistlichen Fragen beschäftigt. /Zitat

        Dafür beschäftigt sich die Kirche aber ganz schön oft mit den Kinder, die andere Leute bekommen sollen, oder eben nicht bekommen wollen. Und wie die Eltern ihr Leben dann zu organisieren haben. Und das nicht erste seit Mixas „Gebärmaschinenparole“.
        Ach wäre das schön, wenn ihre Worte wahr wären und sich die Kirche wirklich nur um ihre ureigensten Angelegenheiten kümmern würde. Aber nein, in jeder zweiten Predigt geht es darum, was, vor allem Frauen und Mütter, zu tun und zu lassen haben.
        Glauben Sie im Ernst eine Organisation, die seit Jahrtausenden ausschließlich aus Männern besteht, ist eine erste Adresse, wenn es um Liebe, Ehe und Familie mit Kindern geht? 

        Zitat: Es geht um die Aufrechterhaltung der natürlichen, von Gott gegebenen Ordnung, … /Zitat

        Ach herrjemine! Darunter versteht doch jede Ecke der Welt etwas anderes. Was für die einen eine völlig natürliche Ordnung ist (zum Beispiel die Ehe mit mehreren Ehefrauen), ist für die anderen absolutes no-go. Und umgekehrt, weil jeder glaubt im Alleinbesitz angeblich göttlicher Wahrheiten zu sein.

        Zitat: und die besteht darin, dass Eltern für ihre Kinder selbst – selbst! – verantwortlich sind.  /Zitat

        Und deswegen müssen Eltern rund um die Uhr ihren Kindern auf den Zehen stehen und dürfen nicht einmal für ein paar Stunden am Tag (in den allermeisten Fällen geht’s ja um Halbtagsbetreuung), die Kinder in professionelle Hände geben?

        Zitat: Und ja, die besteht auch und gerade darin, dass verantwortliche Eltern der vorsätzlichen Entsittung, die in staatlichen Verziehungsanstalten – inklusive der zu ideologischen Zwecken umfunktionierten Schule –  /Zitat

        Oh Gott, dafür hat doch keine deutsche Kindergärtnerin die notwendige Ausbildung und vor allem keine Zeit und Lust. Was fantasieren Sie denn da in deutsche Schulen oder Kitas hinein? Das sind doch keine Napolas! Noch nicht einmal in der verblichenen DDR hat das geklappt und dort wurde es weiß Gott versucht!

         Zitat: Man bringt ihnen die Grundlagen der Sittlichkeit bei, bevor man sie schutzlos und unkontrolliert in ganztägigen staatlichen Einrichtungen verkommen lässt. Das ist keine Abschottung, aber es ist langsames Heranführen. /Zitat

        Wenn Eltern das nicht in den restlichen 148 Wochenstunden (von 168!) schaffen, sollten sie keine Kinder in die Welt setzen; dann sind sie erziehungsunfähig.

        Zitat: Nennen Sie mich ruhig hinterwäldlerisch, das ist Ihr gutes Recht, aber ich glaube nicht, dass das Klima von Gewalt, Sexualisierung und Disziplinlosigkeit, das in staatlichen Einrichtungen herrscht, gut für die Kinder ist. /Zitat

        Glauben Sie das wirklich? Dann bin ich aber froh, dass ich neben einem Kindergarten wohne, der mich tagtäglich lehrt, dass es so wie in Ihrer katholischen Fantasie, die immer nur das schlechteste, böseste annehmen muss, gerade NICHT ist.

        Zitat: Und zu dem “Argument” mit der DDR: Wo sind denn die ganzen Nicht-Sozialisten? Wo sind die ganzen “Gläubigen”, die die DDR hervorgebracht hat?  /Zitat

        Der Kindergarten ist doch nicht dazu da den Kindern Glauben einzubläuen! Das ist immer noch Pflicht und Recht der Eltern.

        Zitat: Angela Merkel ist das beste Beispiel. Sie haben den Sozialismus eingeimpft bekommen, und jetzt setzen sie ihn um, wo immer sie die Chance dazu haben. /Zitat

        Sie Glauben ernsthaft Frau Merkel kämpft für den Sozialismus in Deutschland? Das würde die Herren Gysi und Lafontaine aber freuen, WENN das so wäre. 

        Zitat: Der staatliche Ameisenhaufen ist nicht katholisch.  /Zitat

        Das walte Gott! Wir leben ja nicht in einem katholische Gottesstaat, sondern in einer freiheitlich verfassten Demokratie, in der, um einen ganz großen Deutschen zu zitieren „jeder nach seiner Facon selig werden kann“.

        Zitat: Aber er ist die Folge der Einheitserziehung, die von Sozialisten aller Parteien favorisiert wird. /Zitat

        Sie sollten dringend mal rausgehen und Ihr gefühltes Weltbild an der Wirklichkeit überprüfen.

        Zitat: Ich empfehle zur Einführung in christliches Denken zu diesem Thema die Enzykliken Casti Connubii (zur Ordnung von Ehe und Familie), Arcanum Divinum Sapientiae (zur Bedeutung der Ehe), Divini Illius Magistri (Christliche Erziehung), Rerum Novarum (Soziallehre allgemein) und Divini Redemptoris (zum Thema Sozialismus) /Zitat

        Sie WOLLEN -mit aller Macht- einen katholischen Gottesstaat? Um Gottes Himmels willen! NEIN! 

        PS: die einzige Encyclica, die wirklich etwas hätte bewegen können FÜR die Menschen, haben Sie wohlweislich verschwiegen: Populorum Progressio. Aber die war den Kirchenfürsten wohl so sehr „sozialistisch“ oder gar gefühlt „kommunistisch“, dass sie ab der Veröffentlichung totgeschwiegen wurde. Aber es hat die katholische Hierarchie ja schon immer mehr interessiert in den Betten der Menschen das sagen zu haben, siehe Enzyklika „Der keuschen Ehe Hoheit und Würde“ als der gerechte Lohn für Familien und Arbeitnehmer.

        • Tja Felix,
          jetzt sehe ich, woher der Wind weht. Ich hatte ihren ersten Beitrag als konstruktive Kritik verstanden. Jetzt sehe ich, dass es Ihnen nur um die übliche Phrasen- und Parolendrescherei geht. Schade!
          Es ist müßig, auf jede der Verwirrungen einzugehen, die Sie in diesem Kommentar fabriziert haben. Aber wenn Sie sich zu einem aus der Sicht des katholischen Glaubens geschriebenen Kommentar zum Betreuungsgeld äußern – was Sie getan haben – und dabei Unkenntnis der Grundlagen der katholischen Lehre zu Ehe und Familie offenbaren, dann deutet es nicht auf den Wunsch nach einem „Gottesstaat“ hin, wenn der Verfasser des Artikels Ihnen Materialien empfiehlt, anhand derer Sie diese Wissenslücken schließen können. Sie stellen falsche Behauptungen über die Lehre der Kirche auf. Sie zu korrigieren, ist kein Ausdruck eines Wunsches nach einem Gottesstaat.

          Aber da Sie ja die Lehre der Kirche ablehnen möchten, ohne sie auch nur zu kennen, kann ich Ihnen nicht helfen. Sollten Sie jemals den Wunsch verspüren, sich über die Lehre der Kirche zu informieren, stehen Ihnen die zitierten Enzykliken jederzeit zur Verfügung.

              • Einspruch! Ich kenne die Lehre der katholischen Kirche, beginnend bei meinem sechziger-Jahre Schulkatechismus über die diversen Enzykliken (was glauben Sie woher ich den deutschen Titel von Casti Connubii kenne? Ich habe sie studiert!) bis hin zur Theologie des Leibes und zur ersten Enzyklika Ratzingers sehr gut. Deswegen rege ich mich ja so auf! Da reden die Blinden ( und das seit mindestens einem Jahrtausend) von der Farbe und es ist für den katholischen Klerus das allerwichtigste Thema. Sogar Sie haben das schon so verinnerlicht -oder sind Sie Zölibatär?- dass Sie in einem Thema in dem es um soziale Themen wie Einkommensgerechtigkeit geht, noch nicht einmal daran denken Populorum Progressio zu erwähnen. Das bleibt mir, dem bösen, bösen und völlig verständnislosen Kritiker des katholischen Lehramtes übrig.
                Nein, wer hier keinerlei Verständnis für die Sorgen und Nöte der Menschen hat, das sind fast immer die Frommen, die tief gläubigen, die noch nicht einmal alle wichtigen Lehren der Kirche zu sozialen Fragen der letzten fünfzig Jahre kennen. Aber jeden, der es wagt ihren festen (blinden?) Glauben zu hinterfragen , persönlich angehen mit dem Vorwurf keine Predigt, lassen wir das lieber.

                • Felix,
                  genau, lassen wir das lieber. Wenn Sie wirklich die Lehre der Kirche kennen, haben Sie eine seltsame Weise dies zu zeigen, indem Sie sie von vorn bis hinten falsch darstellen.
                  Aber, wie gesagt, lassen wir das lieber.

  7. Ich habe die Lehre der Kirche nicht falsch dargestellt und das wissen Sie genau so gut wie ich. Das Problem mit vielen Gläubigen ist, dass sie zwar gut glauben können, dafür aber die schriftlich festgelegten Lehren des katholischen Lehramtes kaum oder nicht kennen. Haben Sie einen Neuner-Roos? Oder einen Denzinger-Hünermann? Ich habe sogar noch Zugriff auf einen D.-Schönmetzer, so lange studiere ich schon die Lehren der Kirche. Den schlimmsten Streit hatte ich mal mit einem sehr, sehr frommen Ehepaar, das die Diskrepanz zwischen geschriebener Lehre und zur aktuellen Verkündigung absolut nicht wahr haben wollte. Sie wussten einfach nicht, dass im geltenden Katechismus Hinrichtungen durchaus noch als erlaubt angesehen werde.
    Noch kritischer können diese Abgründe natürlich noch werden wenn man die ganz alten Urkunden zur Lehrverkündigung studiert. Sehr empfehlenswert und höchst interessant und lehrreich.
    Empfehlenswert auch die Bücher zur Morallehre von Bernhard Häring. Und zur Entspannung: Thomas a Cempis, De Imitatione Christi, am besten im Original-Latein, aber ich habe auch immer die Übersetzung daneben liegen. Sonst wird’s zu holprig.

    • Felix M., ich werde Sie nicht überzeugen können, und ich weiß, wann es nichts bringt, Energien zu verschwenden, die nur sinnlos verpuffen. Sie mögen gern glauben, ich wäre nicht über den Glauben der Kirche informiert – errare humanum est.

Respondete!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s