Zum internen Streit in der Piusbruderschaft

Angesichts der nahenden Entscheidung in den Verhandlungen zwischen der Piusbruderschaft und dem Vatikan über eine mögliche kirchenrechtliche Einigung brodelt es innerhalb der Bruderschaft. Auf der einen Seite stehen neben dem Generaloberen Bischof Fellay auch einige Distriktobere, darunter Pater Schmidberger. Sie haben in den letzten Wochen mehrfach versucht, die Piusbrüder auf sich womöglich wandelnde Umstände vorzubereiten, namentlich eine reguläre kirchenrechtliche Stellung mit allem was dazugehört.

Andererseits gibt es, wie erwartet, auch Widerstände innerhalb der Bruderschaft, und sie scheinen heftiger als ich zu hoffen gewagt hatte. Die in solchen Fragen immer gut informierte traditionell katholische Website Rorate Caeli hat ausführlich über die Thematik berichtet.

Katholisches.info spricht von „letzten Sabotageversuchen“ angesichts einer bevorstehenden Einigung mit Rom.

Anlass der erneuten Spekulationen um das Ausmaß des Widerstands gegen eine Einigung mit Rom war ein privater Briefwechsel zwischen den Bischöfen de Galarreta, Tissier de Mallerais und Williamson auf der einen Seite und dem Generalhaus der Bruderschaft auf der anderen Seite. Dieser Briefwechsel hatte auf bisher ungeklärten Kanälen den Weg in die Öffentlichkeit gefunden, obgleich er nicht für ihre Augen bestimmt war. Man kann Vermutungen über den Ursprung des Lecks anstellen, doch mangels handfester Beweise sehe ich keinen Sinn darin. Fellay wirbt seit einiger Zeit für die von ihm vorsichtig befürwortete Einigung, die drei anderen Bischöfe haben schwere Bedenken, die sie in dem vertraulichen Schreiben auch zum Ausdruck bringen.

Doch bevor man jetzt, je nach der persönlichen Meinung, die man von der FSSPX hat, entweder über ihre mögliche Spaltung jubiliert oder dieselbe bedauert, sollten weitere Aspekte Berücksichtigung finden, die zu einer anderen Einschätzung der Lage führen könnten:

1. Ich habe das höchst kritische Schreiben der drei anderen Bischöfe gelesen. (Ich werde es hier nicht zitieren, da es entweder vertraulich gedacht war, oder zur Sabotage der Einigungsbestrebungen diente – und daher in jedem Fall keine weitere Publikation verdient) Es ist zwar scharf in der Sache, bleibt aber sachlich. Dies muss man eingestehen, selbst wenn man Inhalt und Stoßrichtung nicht teilt. Dasselbe gilt auch für das Antwortschreiben von Bischof Fellay.

2. Sollten sich Piusbruderschaft und Rom tatsächlich auf ein praktisches Abkommen einigen, das der Bruderschaft Handlungsfreiheit hinsichtlich der Fortführung ihres bisherigen Werkes ohne inhaltliche Abstriche gewährt, wäre dies sowohl für manche Piusbrüder als auch – besonders – für die innerkirchlichen Modernisten ein schwerer Schlag. Für die einen ist Rom bloß modernistisch und daher unberührbar. Für die anderen – die innerkirchlichen Modernisten – sind die Piusbruder bloß traditionalistisch, aber ebenso unberührbar. Einig sind sie sich nur in ihrer fanatischen Ablehnung jeder Annäherung zwischen Rom und Ecône. Im Gegensatz zu dieser unwahrscheinlichen Allianz stehen sowohl Bischof Fellay als auch Papst Benedikt. Ihnen gebührt daher unsere Unterstützung und, abermals, unser Gebet in diesen entscheidenden Tagen und Wochen.

3. Die Piusbruderschaft leistet für die Kirche bereits heute einen unschätzbaren Dienst, und hat dies in den letzten Jahrzehnten immer getan. Man kann ihr sicher vieles vorwerfen, aber sie hat die traditionelle Messe immer hochgehalten, als sie praktisch in die Wüste geschickt worden war, und dasselbe gilt auch für den traditionellen Glauben, als er mindestens in der Praxis inakzeptabel geworden war. Diesen Dienst braucht die Kirche auch weiterhin. Mit einer schweigenden, ruhigen, stillen, nicht mehr provozierend die Irrtümer der Modernisten aufzeigenden Piusbruderschaft wäre niemandem geholfen, und sei sie auch noch so sehr in voller Einheit mit Rom. Doch wenn die Bruderschaft ihre berechtigte Kritik weiter äußern, ihren Dienst ungehindert fortsetzen kann, dann ist es für alle Beteiligten weitaus besser, wenn dies im Rahmen einer kirchenrechtlichen Struktur geschieht, die der Bruderschaft eine reguläre Stellung innerhalb der Kirche verleiht.

4. Das kirchenrechtliche Zwielicht, in dem die FSSPX seit langer Zeit steht, hat in einer schweren Zeit für die Gesamtkirche die Bewahrung großer katholischer Schätze ermöglicht, auf die man heute zurückgreifen kann. Angesichts der weit verbreitenden Apostasie kann man zumindest annehmen, dass die an den illegalen Bischofsweihen beteiligten Personen, allen voran Erzbischof Lefebvre, in gutem Glauben gehandelt haben, und dass es gute Gründe für die Annahme eines Notstands gab, und sie damit subjektiv gerechtfertigt oder zumindest entschuldigt waren. Doch wenn der Papst ihnen jetzt die Hand reicht, und sie wieder vollständig ins Boot holen möchte, und wenn er von ihnen nicht verlangt, in Zukunft von ihrer Konzilskritik abzusehen, wie könnte man diese ausgestreckte Hand dann zurückweisen? Deutet nicht der Widerstand dreier Bischöfe gegen eine mögliche Einigung darauf hin, dass sie mit Rom dauerhaft gebrochen und sich zumindest faktisch dem Sedisvakantismus zugewandt haben?

5. Es mag sein, dass das so ist, doch man muss auch ein gewisses Verständnis für die Haltung der drei skeptischen Bischöfe aufbringen. Sie haben sich, soweit wir wissen, in einem nicht zur Veröffentlichung bestimmten Schreiben geäußert. Selbst Bischof Williamson, sonst nicht nur für aberwitzige Konspirationstheorien, sondern auch für ein sehr loses Mundwerk bekannt, war in seinen öffentlichen Äußerungen bisher für seine Verhältnisse zurückhaltend. Bevor man einem wichtigen Abkommen seinen Segen erteilt, muss man es prüfen, und wenn man Bedenken hat, muss man sie klar, deutlich und ohne falsche Zurückhaltung intern diskutieren. Ob die drei skeptischen Bischöfe eine Einigung, so sie denn ausgehandelt wird, wirklich ablehnen werden, können wir vom heutigen Informationsstand gar nicht wissen. Sie sehen sie sehr skeptisch – das ist richtig. Sie haben intern schwere Bedenken geäußert, die dann an die Öffentlichkeit gelangt sind. Es ist nicht auszuschließen, dass der veröffentlichte Briefwechsel Teil eines internen Meinungsfindungsprozesses ist, an dessen Ende eine Einigung mit Rom zu den ausgehandelten Bedingungen steht.

6. Aus Sicht der katholischen Tradition wäre die Spaltung der Piusbruderschaft eine schwere Tragödie. Eine einige Piusbruderschaft mit fast 600 traditionellen katholischen Priestern, die unermüdlich für die ganze, unverkürzte Lehre in Glauben, Moral und Disziplin kämpfen, wäre eine wertvolle Verstärkung für die konservativen und traditionalistischen Kräfte, die bereits heute von innen gegen den „Geist des Konzils“ und die Verirrungen des Modernismus ankämpfen. Alle vier Bischöfe der FSSPX sollten gründlich über ihre Verantwortung vor der ganzen Kirche und ihrem göttlichen Haupt nachdenken, bevor sie eine Entscheidung in dieser Frage treffen, und sie sollten den Willen Gottes tun, und nicht ihren eigenen, selbst wenn dies bedeutet, über seinen Schatten zu springen, und ein Risiko einzugehen.

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7 Gedanken zu „Zum internen Streit in der Piusbruderschaft

  1. Catocon, einige Anmerkungen:
    Natürlich war Erzbischof Lefebvre überzeugt, die Bischofsweihen vornehmen zu müssen, er sah diese Handlung als einen Notstand an. Er war über 80 Jahre alt, er hatte so oft mit Rom ergebnislos verhandelt, er ging davon aus, Rom wolle die „biologische Lösung“, das Ende der Piusbruderschaft nach seinem Tod. Er war überzeugt, der Kirche nur noch helfen zu können mit seiner Priesterbruderschaft.
    Ich weiß nicht, was Du meinst, dass man ihnen sicher „vieles vorwerfen“ kann. Was ist ihnen vorzuwerfen, abgesehen von ihrem Ungehorsam auf der Ebene der Disziplin gegen Päpste? Während ein großer Teil der Bischöfe seit Jahrzehnten auf der Glaubensebene lethargisch oder ungehorsam agiert – ohne jede Bestrafung oder Ermahnung.
    Natürlich ist mein Eindruck subjektiv, aber ich bemühe ich seit etwa einen 3/4 Jahr, mich so sachgerecht zu informieren, wie es mir möglich ist.
    Von daher, und nur von daher, wundert mich die Haltung der drei Bischöfe jetzt nicht. Aus verschiedenen Gründen sollen sie gegen eine Einigung mit Rom nicht erst jetzt gewesen sein.
    Bischof Williamson sprach oft von den „Apostaten“ in Rom. Er ist der extremste Gegner einer Einigung. Über die beiden anderen will ich nicht spekulieren, ich kenne Sätze, kann sie aber nicht jeweils zuordnen.
    Unglaublich, geradezu unmöglich ist, dass mindestens einer der drei Gegner von Bischof Fellay einen privaten Briefwechsel veröffentlicht. Oder so indiskret ist, dass es zur Veröffentlichung kommt. Darüber verliere ich kein Wort mehr.
    Bischof Fellay, der lange versucht hat, die Gegner einer Einigung mit Rom einzubinden, spricht nun offen von Meinungsverschiedenheiten. Er kann nicht mehr ausschließen, dass es zur Spaltung kommen kann.
    Nun ist für ihn selbst die „Sache noch nicht gelaufen“. Einem „Selbstmord“ stimmt auch er nicht zu. Es liegt auch am Papst…
    Wenn die FSSPX wirken und sich entfalten kann, dann ist Gehorsam geboten. Wenn die Notsituation zu Ende ist, hat man dem Papst zu gehorchen! Gerade in dieser zerrissenen und teils verwüsteten Kirche.
    Wenn… sage ich.

    • Cuppa,
      Du schreibst: „Ich weiß nicht, was Du meinst, dass man ihnen sicher “vieles vorwerfen” kann. “
      Ich schreibe generell für ein hauptsächlich katholisches Publikum. Dort findet man leider auch viele Gegner der Piusbruderschaft, selbst im glaubenstreuen Spektrum. Ihnen werden viele Vorwürfe gemacht, auf die ich in dem Artikel nicht näher eingehen konnte. Ich habe daher um des Argumentes willen konzediert, dass man ihnen bestimmt so einiges wird vorwerfen können. Ich selbst werfe dem Erzbischof eigentlich sehr wenig vor.

      „Wenn die FSSPX wirken und sich entfalten kann, dann ist Gehorsam geboten. Wenn die Notsituation zu Ende ist, hat man dem Papst zu gehorchen! Gerade in dieser zerrissenen und teils verwüsteten Kirche.
      Wenn… sage ich.“
      Das ist genau der Kern! Du bringst die Sache genau auf den Punkt!

      • Catocon,
        weil es so ist, weil die Piusbruderschaft „selbst im glaubenstreuen Spektrum“ so viele Gegner hat, habe ich empfindlich reagiert. Nach meiner Wahrnehmung war diese Gegnerschaft – gerade im Internet – nicht selten unsachlich bis giftig. Die Sehnsucht, die Verhandlungen mögen scheitern, war mitunter spürbar. Obwohl dem Papst so viel an einer Einigung liegt.

  2. Den Brief der drei Bischöfe habe ich bis dato nicht gelesen und es reizt mich auch nicht sonderlich. Meine Hoffnung ist ebenfalls, dass die FSSPX. der Wiedereingliederung zustimmen wird und zu einem fruchtbaren Quell für die gesamte Kirche wird.
    Trotzdem scheint mir in dieser sonst so einfühlsamen Zeit, das Verständnis für die Skeptiker in der Bruderschaft verlorengegangen zu sein, weswegen ich gerne noch einige Worte dazu anbringen möchte:
    -Die Ressentiment sitzt bei vielen in der Bruderschaft tief, denn was man über Jahrzehnte erlebt hat und erleiden mussten, hinterlässt Spuren! Nicht nur Priester, die zu unrecht suspendiert wurden, sondern auch Pfarreien und einzelne Katholiken wurden gegängelt und beleidigt, bedroht und fast schon verfolgt. Häufig reichte dafür das schlichte Verlangen, der Alten Messe treu zu bleiben,- und gerade deswegen war es so wichtig, dass der Papst in Summorum Pontificum klargestellt hat, dass diese Messe nie verboten war.
    -Als die Bruderschaft sich mit den Weihen ’88 noch einmal gespalten hat und , war schon lange nicht mehr von einer „diplomatischen“ Lösung zu rechnen. Die errichtete Petrusbruderschaft hatte in den Verhandlungen ebenso ihre theologischen und liturgischen Freiheiten zugesichert bekommen, wie auch einen eigenen Bischof. Wie wir sehen, hat die Petrusbruderschaft weder einen Bischof (sondern muss bei Ortsbischöfen um Priesterweihen betteln), wurde theologisch gezähmt und musste auch die Neue Messe anerkennen. Heute spielt die Petrusbruderschaft im innerkirchlichen Dialog oder wie man das nennen möchte kaum eine Rolle und wird an allen Ecken und Enden von den Ortsbischöfen gepisackt. Es ist nur nachvollziehbar, dass die Piusbischöfe sich vor einem ähnlichen Kastrationsprozess der Piusbruderschaft fürchten, insbesondere, da selbst Bene noch Assisi-Treffen veranstaltet und die römischen Dikasterien treiben wozu sie lustig sind……
    Die Spannung steigt aber und ich kann es kaum abwarten unserem Herrn ein Te Deum anzustimmen, wenn die Wiederverinigung vollbracht ist!

    • ed,
      ich glaube auch, dass man die Einwände der drei skeptischen Bischöfe, besonders die Frage, ob es wirklich bei zugesicherten Freiheiten bleint, ernst genommen werden müssen. Das ist das stärkste Argument der Gegner einer Einigung, und es macht auch mir gewisse Bauchschmerzen.
      In der Summe gilt aber: Wenn der Papst wirklich der Papst ist, und die Bruderschaft ruft, ohne von ihr etwas zu verlangen, das gegen den traditionellen Glauben, die Moral oder ihre liturgische Praxis geht, dann kann sie nicht ablehnen, ohne sich zumindest faktisch dem Sedisvakantismus anzunähern.
      Der springende Punkt ist also, ob irgendetwas an den möglichen Konditionen der Einigung gegen Glauben, Moral und lit. Praxis geht. D.h. müssen die Piusbrüder an irgendwelchen Manifestationen des Modernismus mitwirken, über sie schweigen, auf Kritik an ihnen verzichten, oder nicht. Das ist die Frage. Wenn nicht, dann muss man die Hand des Papstes ergreifen. Wenn doch, dann muss man die Einigung ablehnen, um nicht selbst modernistisch zu werden.

  3. Mein Vertrauen gehört Bischof Fellay und der Leitung der Piusbruderschaft. Ich vermag nicht davon auszugehen, dass der Generalobere und seine beiden Assistenten die Identität der Piusbruderschaft aufs Spiel setzen. Erzbischof Lefebvre hätte davon nur träumen können: Die allgemeine Zulassung der Alten Messe, Aufhebung der Exkommunikation der vier Bischöfe, theologische Gespräche zwischen Rom und Econe auf Augenhöhe. Das alles sind Schritte auf ein Ziel hin, das natürlich noch nicht erreicht ist.
    Dass es nach 40 Jahren Ausgrenzung, Ablehnung, Bestrafung für die Priester und Gläubigen auch schwer ist, sich auf die neue Situation einzustellen, ist für mich sehr verständlich.
    Doch von den Bischöfen ist wohl zu erwarten, dass sie über menschlich verständliche Bedenken, Befürchtungen, Ängste hinausgehen, falls die Priesterbruderschaft ein wirkliches Heimatrecht in der Kirche erhält. Falls Papst Benedikt es mit allen Konsequenzen gewährt.
    Auch ich werde ein Te Deum anstimmen, wenn die Priesterbruderschaft zurückkommt. Und zum Bittgebet zurückkehren. Denn leicht wird man es Bischof Fellay, den Priestern und Gläubigen dann nicht machen in der „Konzilskirche“. Das Gebet bleibt dann weiterhin notwenig.Gerade dann.

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