Salus animarum suprema lex…

Das Heil der Seelen ist das höchste Gesetz der Kirche. Wenn also eine von der Kirche in ihrer Weisheit festgelegte Bestimmung in irgendeinem konkreten Fall dazu führt, dass das Heil menschlicher Seelen in Gefahr gerät, so gilt immer dieses höhere Gesetz. Das Seelenheil steht über allen partikularen rechtlichen Vorschriften. Wir sprechen hier nicht vom göttlichen, sondern vom menschlichen Gesetz, speziell vom kirchlichen Gesetz.

Es ist unbestritten, dass die Piusbruderschaft mindestens durch die Bischofsweihen von 1988 gegen den Buchstaben des Kirchenrechts verstoßen hat. Die Strafe, die sich dem Buchstaben des Gesetzes folgend die an der unerlaubten Weihe beteiligten Personen zugezogen haben, ist seit 2009 aufgehoben, doch das Faktum der unerlaubten Weihe bleibt bestehen. Nun wird, wie meine Leser sicher wissen, von seiten der Piusbruderschaft argumentiert, der Buchstabe des Gesetzes habe in diesem Fall jenem höheren Gesetz weichen müssen. Wie auch immer es damit aussehen mag – darum soll es mir gar nicht gehen. Aber festzuhalten ist, dass man bei der Piusbruderschaft absolut verlässlich die gesunde katholische Lehre zu hören bekommt, an einer zweifellos gültigen und ehrfürchtig zelebrierten Messe teilnehmen kann, die die unverfälschte katholische Theologie des Messopfers klar zum Ausdruck bringt. Und dass die dort zu empfangenden Sakramente derzeit unerlaubt gespendet werden, hat mit der irregulären kirchenrechtlichen Situation zu tun, die, wenn der Heilige Vater es wünscht, einfach dadurch gelöst werden kann, dass er die Bruderschaft ohne weitere Bedingungen regularisiert.

Entsprechend sind auch die Früchte, die die Bruderschaft hervorgebracht hat. Sie wächst, ihre Seminare sind voll, und der heftige Widerstand, der ihr in der „Welt“ entgegengebracht wird, ist ein weiteres Zeichen dafür, dass hier tatsächlich der Heilige Geist am Werk ist. Die Piusbruderschaft ist ein einziges Zeichen des Widerspruchs in unserer Welt. Deswegen ist sie so unpopulär. Sie richtet sich nicht an der Welt aus, sondern einzig und allein an der katholischen Wahrheit.

Wie alles Menschenwerk ist sie nicht vollkommen, und oft genug stehen die menschlichen Schwächen, Sünden und Begrenzungen auch bei ihr einer größeren Effektivität in ihrer Mission im Wege. Das ist immer so. Nicht einmal die Heiligen sind hier auf Erden absolut perfekt, und die meisten Menschen sind eben keine Heiligen, selbst wenn sie Heiligkeit ernsthaft als Ziel anstreben. Über diese menschlichen Schwächen müssen wir also immer hinwegsehen. Tun wir das, dann finden wir bei der Piusbruderschaft die unverfälschte katholische Lehre vor, die aber immer noch keine reguläre kirchenrechtliche Stellung hat.

Was die Piusbruderschaft derzeit tut, widerspricht dem Buchstaben des Gesetzes.

Und was ist mit denen, die ganz offiziell anerkannt in voller Gemeinschaft mit Rom stehen? Viele von ihnen, darunter die Petrusbruderschaft, die anderen Ecclesia-Dei-Gemeinschaften, aber auch viele andere Priester und Bischöfe in der ganzen Welt, vollbringen ebenfalls wichtige Werke für das Heil der Seelen und folgen damit auch dem höchsten Gesetz der Kirche, das über dem bloßen Buchstaben steht.

Leider sehen wir auch vielfältige Beispiele für „buchstabentreue“ Kirchenmänner, die sehr wenig Interesse an den Seelen der Menschen zeigen, sondern die Kirche ganz neu aufbrechen wollen, damit eine rein menschliche, weltimmanente Mitmachreligion aus ihr werde, die zwar niemanden mehr erlösen, dafür aber auch keinen mehr aufregen kann. Sie kämpfen nur für die Bewahrung des katholischen Milieus und ihres säkularen Glaubensbekenntnisses, dessen fünf wichtigste Glaubensartikel Alexander Kissler sehr schön aufgeschlüsselt hat. Das Heil der Seelen ist da eher im Weg, verlangt es doch den wahren Glauben, die eine wahre Kirche und, besonders anstößig, auch das ernsthafte Befolgen des Sittengesetzes. Das stört einfach, also wird es ignoriert – oder „aufgebrochen“.

Diese Vorgänge sind alle konform mit dem Buchstaben des Gesetzes, oder falls nicht, stört es zumindest keinen so wirklich. Solange man nicht zu viel Staub aufwirbelt, wie die Ungehorsamsinitiative eines beträchtlichen Teils der österreichischen Pfarrer, passiert gar nichts. Und wenn doch, bekommt man einige milde Hinweise, man möge doch bitte gehorsam sein. Aber Sanktionen gibt es keine.

Das ist leider alltägliche Praxis in der Kirche, die von den Mächten der Unterwelt nicht überwältigt, aber doch zeitweise in arge Bedrängnis gebracht werden kann, wie schon öfters in ihrer langen Geschichte geschehen, und wie auch heute wieder.

Wir haben hier einen ganz interessanten und ganz tragischen Konflikt.

Auf der einen Seite über fünfhundert traditionelle Priester, hunderttausende traditionelle Gläubige weltweit, die den wahren Glauben haben, leben, verkünden, lieben, und für ihn sterben würden, die aber aus formaljuristischen Gründen nicht an der vollen Gemeinschaft mit dem Heiligen Vater teilhaben, obwohl sie in Wort und Tat den wahren Glauben aufweisen.

Auf der anderen Seite sehr viele lauwarme, modernisierte, angepasste Katholiken, von denen die meisten gar nicht mehr in die Kirche gehen und sicher keinen katholischen Glauben mehr haben, geführt von hauptsächlich an der Bewahrung weltlichen Ansehens und des kulturellen Milieus interessierten Hirten, die aber aus formaljuristischen Gründen in voller Gemeinschaft mit dem Heiligen Vater stehen, obwohl sie kaum weiter von ihm entfernt sein könnten. Und überall dazwischen einige Katholiken, unter ihnen Laien, Priester und Bischöfe, die sich gegen dieses drückende säkularisierte Milieu eines glaubensfreien, konventionellen Kulturchristentums wehren, aber mit ihren Mitstreitern im Geiste nicht vereint werden können, weil der Graben der formaljuristischen „vollen Gemeinschaft mit Rom“ sie trennt, obwohl der Glaube sie vereint.

Die einzige Lösung ist in dieser Situation, das Problem mit der „vollen Gemeinschaft“ aufzubrechen, indem die Kirche erklärt, dass mindestens jeder getaufte und gefirmte Christ, der den ganzen, unverkürzten, wahren katholischen Glauben hat, in dieser ominösen „vollen Gemeinschaft“ zu finden ist, und zwar unabhängig davon, ob er die pastoralen Richtlinien des Pastoralkonzils der 60er-Jahre für besonders zielführend hält.

Wenn wir erst einmal an diesem Punkt angekommen wären, dann wäre schon viel gewonnen.

Es ist eine sehr effektive Strategie, den Gegner erst aufzuspalten, und dann jede Kompanie einzeln zu besiegen. Das hat die Spaltung der traditionellen Katholiken entlang der Trennlinie der „vollen Gemeinschaft“ wieder einmal gezeigt. Die Modernisten tanzen auf den Tischen, weil die traditionstreuen Katholiken zu sehr mit unsinnigen Bruderkämpfen beschäftigt sind, um sich vereint dem wirklichen Gegner in den Weg zu stellen.

Das, so steht jedenfalls fest, ist für das Heil der Seelen sehr schlecht, und steht daher in eklatantem Widerspruch zum höchsten Gesetz der Kirche.

Bereits jetzt kursieren Gerüchte, dass Kardinal Ranjith sein Priesterseminar nach einer möglichen Einigung der Piusbruderschaft übergeben möchte, um die Qualität der Ausbildung zu steigern. In Deutschland wäre so etwas zwar noch nicht denkbar, aber wir sehen an diesem einen Beispiel, was alles möglich wäre, wenn die traditionell gesinnten Kräfte innerhalb der Kirche endlich an einem Strang ziehen würden.

Das wäre, so steht ebenfalls fest, für das Heil der Seelen sehr gut.

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18 Gedanken zu „Salus animarum suprema lex…

  1. Nun, so Gott will, wird heute Kardinal Levada ganz offiziell den Papst über die Vollversammlung der Glaubenskongregation, Thema Piusbruderschaft, informieren. Dass der Heilige Vater mit seiner Entscheidung, die nur ihm allein zusteht, noch lange wartet, damit ist nicht zu rechnen. Zumal ihm auch der letzte Text des Generaloberen der FSSPX eh bekannt ist.
    Es stellt sich die Frage, für mich jedenfalls, ob es kirchenrechtlich möglich ist, der Piusbruderschaft einen Status zu geben, der sie von den Bischöfen unabhängig macht. Ob die Personalprälatur das ermöglicht, weiß ich nicht. Ich fürchte nicht.
    Das ist aber der Knackpunkt. Denn die Ecclesia-Dei-Gemeinschaften geben den Glauben weiter so unverfälscht wie die Piusbruderschaft. Sie feiern die hl.Messe so ehrfürchtig wie diese. Aber sie dürfen nur ganz vorsichtig Kritik üben. Damit sind sie in der VERTEIDIGUNG des Glaubens entscheidend geschwächt. Sie sind abhängig von einer Hierarchie, die überwiegend modernistisch geprägt ist. Die nicht gewillt ist, auch nur die geringste Kritik an Texten des zweiten Vatikanischen Konzils zuzulassen. Auch keine theologisch begründete Kritik an der Messe Papst Pauls VI. Und schon gar nicht Kritik an unserer protestantisierten Nachkonzilskriche.
    Diözesanbischöfe können in eine Personalprälatur nicht reinreden. Sie können aber, so weit mir bekannt ist, Niederlassungen in ihrer Diözese verbieten. Damit könnten Bischöfe die FSSPX kaltstellen, so wie sie das häufig mit Ecclesia-Dei-Gemeinschaften machen. Ich hoffe, ich irre mich oder es gibt kirchenrechtliche Auswege.
    Denn ein Kurienkardinal sagte kürzlich: „Unser Problem sind die Bischöfe, die Theologen und die Universitäten“. Für die Tradition sind nicht selten die Bischöfe das entscheidende Problem. Deshalb braucht die Piusbruderschaft die volle Unabhängigkeit von den Diözesanbischöfen. Bekäme sie diese Unabhängigkeit weitgehend, wäre vielleicht die eine oder andere Ecclesia-Dei-Gemeinschaft eine wenig neidisch, nein, irritiert :-). Wir gefallenen Menschen sind nun mal so.

    • Cuppa, Du schreibst:
      „Diözesanbischöfe können in eine Personalprälatur nicht reinreden. Sie können aber, so weit mir bekannt ist, Niederlassungen in ihrer Diözese verbieten“
      Das ist richtig, aber die Lage ist sogar noch schlimmer: Zu einer Persönalprälatur gehören nur die Priester. Der Status der angschlossenen Ordensgemeinschaften wäre damit plötzlich in größter Gefahr. Und mehr noch: Da die einfachen Gläubigen nicht dazugehören würden, könnten sie die Sakramente der Firmung und der Ehe nur dann bei der Piusbruderschaft empfangen, wenn ihr lokaler Bischof das gestattet! Bisher werden diese Sakramente dort unerlaubt gespendet – aber nach einer kirchenrechtlichen Einigung wird das nicht mehr gehen.
      Faktisch wäre eine Personalprälatur nach dem Muster von Opus Dei katastrophal für die Unabhängigkeit der Bruderschaft.

      Der Papst hat natürlich jederzeit das Recht, eine ganz neue kirchenrechtliche Struktur zu schaffen, oder den Status der Personalprälatur zu verändern. Jede angemessene Struktur muss meiner Meinung nach zusätzlich zu den Eigenschaften der Personalprälatur folgende Merkmale aufweisen, damit sie akzeptabel ist:
      – Die Ordensgemeinschaften und die der FSSPX verbundenen Laien müssen „dazugehören“, so dass der Diözesanbischof keine Rechtsgewalt über sie hätte. Wir brauchen also eine Struktur, die einer territorial unbeschränkten Diözese ähnelt und direkt dem Papst untersteht.
      – Die Bruderschaft darf nur und allein dem Papst unterstehen, so dass sie weltwelt expandieren kann, ohne die Genehmigung der Ortsbischöfe für neue Niederlassungen einholen zu müssen.

      Bischof Fellay hat, glaube ich, gesagt, dass er diese Probleme auch sieht, aber noch gar nicht entschieden ist, welche kirchenrechtlichen Bestimmungen letztendlich gelten sollen. Aber das ganze Gerede von einer Personalprälatur macht mich ziemlich nervös – es wäre ein Desaster.

  2. Catocon,
    es macht mich auch nervös, aber dieser Begriff wird immer wieder gebraucht. Andererseits habe ich bei pius.info gelesen, dass sich die Piusbruderschaft nur dem Papst unterstellt. Bischof Fellay hat eindeutig erklärt, die Piusbruderschaft werde „keinen Selbstmord“ begehen. Ich glaube ihm das. Und ich bin mir sicher, dass Papst Benedikt das auch nicht will. Vielleicht arbeiten ja schon Kirchenrechtler im Auftrag des Heiligen Vaters an einer guten Lösung.
    Veni, Sancte Spiritus…

    • Cuppa,
      ich glaube dem Bischof Fellay auch, dass die Bruderschaft keinen Selbstmord begehen soll. Aber auch Bischof Fellay kann sich irren.
      Gebete sind sicher angebracht und viel wichtiger als unsere Spekulationen. Wir werden ja sehen, was am Ende dabei herauskommt. Ändern können wir es ohnehin nicht.
      Wie Du schon sagst: Veni, Sancte Spiritus…

  3. Catocon, ich wäre sehr froh, das Problem wäre einzugrenzen auf die Fragen, die wir hier besprechen.
    Was mir wirklich Sorge macht, ist die Haltung der drei anderen „Pius-Bischöfe“. Nicht weil sie Bedenken haben oder so. Sondern weil sie davon auszugehen scheinen, man könne sich mit Rom erst einigen, wenn sich Rom „völlig vom Modernismus abgewendet habe“, um es zusammenfassend auszudrücken.
    Bischof Fellay möchte aber, wenn die FSSPX die Möglichkeit dazu erhält, also ihre Identität bewahren kann, diesen Kampf gegen den Modernismus in der Kirche führen. Ich denke, mit Recht.
    Wenn die Priesterbruderschaft sich mit Rom nicht einigt, wird sie exkommuniziert. Und zwar „gründlich“. In dem Sinne, dass sie ganz offiziell der orthodoxen Kirche gleichgestellt wird.. Bei der jetzigen Zwischenlösung, dem „irregulären Status“ wird es nicht bleiben. Viele Katholiken behandeln seit Jahrzehnten die Piusbruderschaft so, d. h. strenger als alle beteiligten Päpste. Kommt es jetzt, bei diesen Verhandlungen, grundsätzlich nicht zu einer Einigung, führt der Weg ins „volle Schisma“. Wie sie dann noch der Kirche helfen kann, wäre mir rätselhaft.Das müssten dann die Ecclesia-Dei-Gemeinschaften mit ihrer Abhängigkeit von den Bischöfen allein schultern.
    Ich hoffe, es bleibt uns erspart…
    Und ich hoffe, Bischof Fellay hat die Kraft, den Glauben und den nötigen Rückhalt in der Priesterbruderschaft, den Weg kritisch Rom gegenüber, aber mit Rom, zu gehen.
    Nach menschlichem Ermessen ist die Lage hoffnungslos. Aber es gibt doch den bergeversetzenden Glauben…

    • Cuppa,
      da sind wir uns einig. Ich fürchte auch, dass einflussreiche Kräfte in der Kirche die Piusbrüder gern exkommunizieren und gar für schismatisch erklären wollen, und derartige Gerüchte sind ja für den Fall eines Scheiterns der Einigungsbemühungen bereits kolportiert worden.

      Aber kann die Kirche wirklich die Tradition für schismatisch erklären, bloß weil diese sich weigert, von der auch öffentlichkeitswirksamen Verkündigung des wahren Glaubens sowie der Kritik an einem Konzil, das eingestandenermaßen überhaupt keine Dogmen definiert hat, abzusehen? Würde die Kirche damit nicht einen endgültigen Bruch mit ihrer eigenen Vergangenheit vollziehen, und damit alle Befürchtungen der „Pius-Hardliner“ bestätigen? Wer wäre da auf der „falschen“ Seite des Schismas?
      Ich stelle diese Fragen ganz ehrlich – es sind keine rhetorischen Fragen. Ich weiß es wirklich nicht. Kann jemand wirklich schismatisch werden, indem er sich weigert, vom wahren Glauben Abstriche zu machen?

      Diese ganzen Spekulationen bringen ohnehin sehr wenig. Der „bergeversetzende Glaube“ wird es, wie meistens, richten müssen.

  4. Catocon, jetzt wäre es der Papst. Er hat seine Sorge ausgedrückt, dass es bei einer Nicht-Einigung zu „schmerzhaften und unberechenbaren Folgen“ kommt. Auch die Leitung der Piusbruderschaft sprach von einer erneuten Exkommunikation. Und davon, dass der Heilige Vater eine wirkliche Lösung wünscht. „Wir haben uns bisher durchgeschlängelt“, sagte P. Pfluger, der 1. Assistent. Diesen Zustand will Benedikt XVI. beenden.
    Falls die Tradition sich voll entfalten darf, ist sie verpflichtet, sich unter den Papst zu stellen. Falls sie ihn auch kritisieren darf im Sinne des Glaubens und zum Wohl der Kirche, auch um die Gläubigen zu schützen,darf sie die Einheit mit dem Papst nicht grundsätzlich ausschlagen. Denn das Papsttum gehört wesentlich zur Tradition.
    Das scheinen die drei Pius-Bischöfe nicht zu bedenken. Die Kirche ist ein „verwüsteter Weinberg“ (Dietrich von Hildebrand,1973). Sie wiederherzustellen, dafür braucht es Generationen von gläubigen Katholiken. Priestern, Bischöfen und auch Päpsten. Wir haben keinen Papst Pius X., der nötig wäre, er wird auch nicht so bald kommen. Sollte für die drei „Pius-Bischöfe“ Benedikt XVI. ein schwacher Papst sein: die Kirche hat immer schon auch schwache Päpste gehabt. Wenn sich die Frommen jedes Mal abgespaltet hätten, gäbe es keine römisch-katholische Kirche mehr.
    (Papst Benedikt hat sich auch schon bedenklich modernistisch ausgedrückt. Vom historischen Kontext her gesehen halte ich ihn dennoch für einen großen Papst. Ganz subjektiv natürlich. Das Urteil bleibt Historikern vorbehalten).

    • Cuppa, Du schreibst:
      „Falls die Tradition sich voll entfalten darf, ist sie verpflichtet, sich unter den Papst zu stellen. Falls sie ihn auch kritisieren darf im Sinne des Glaubens und zum Wohl der Kirche, auch um die Gläubigen zu schützen,darf sie die Einheit mit dem Papst nicht grundsätzlich ausschlagen. Denn das Papsttum gehört wesentlich zur Tradition.“

      Völlig richtig. Aber genau dieses „falls“ ist der entscheidende Punkt. Wird sie diese Freiheiten erhalten? Bei allen guten Leistungen, die die anderen traditionellen Gruppen vollbringen, fehlt ihnen doch jedes öffentliche Profil. Sie bewahren die Tradition, aber sie halten ihr Banner nicht öffentlich hoch. Wer kennt, bei allem Respekt vor ihrer großen Leistung, denn die Petrusbruderschaft? Nicht einmal der (konservative) Priester meiner Heimatgemeinde… Als ich die Petrusbrüder einmal erwähnte, unterbrach er mich bezeichnenderweise, und sagte: „Sie meinen wohl die Piusbrüder, oder?“
      Wenn die Piusbruderschaft auch noch verstummt, wer ist dann noch übrig, der mit lauter Stimme und öffentlichem Profil genau die gerade beginnende kritische Debatte über das Konzil fordern und fördern kann? Ohne die „irreguläre“ Piusbruderschaft hätten wir kein Summorum Pontificum, keine „lehrmäßigen Gespräche“, und auch keine kritische Debatte über das Konzil. Und wir hätten auch keine Petrusbruderschaft.

      Bischof Fellay muss – und wird – alle diese Fragen sorgfältig bedenken, bevor er eine bindende Verpflichtung eingeht. Da bin ich mir ziemlich sicher. Sollte er zu dem Ergebnis kommen, dass in letzter Konsequenz eine solche Freiheit zur Kritik nicht gegeben wäre, und sich gegen eine Einigung zum jetzigen Zeitpunkt aussprechen, wäre das kein Ausdruck fehlenden Respekts vor dem Papst oder seinem Amt – denn man schuldet dem Papst zwar Gehorsam, aber nicht wenn man dafür den Glauben kompromittieren oder dauerhaft und ohne gerechten Grund auf seine Verbreitung verzichten müsste.

      Sollte Rom die Piusbruderschaft unter solchen Umständen für schismatisch erklären, und auf dieselbe Stufe mit den Orthodoxen stellen, vollzöge es damit faktisch den seit dem Konzil von den Päpsten immer bestrittenen Bruch mit der eigenen Tradition.

  5. Ob nicht manche Kreise in der Kirche an einer Spaltung der Piusbruderschaft arbeiten?

    Eine andere Frage ist doch auch , wie geht es weiter mit den zukünftigen Bischöfen der Bruderschaft? Wer bestimmt? Wer weiht? Welche Abhängigkeiten entstehen da?

    Möge der Heilige Geist kommen und den Diabolus vertreiben und für Klarheit sorgen.

    • Kassandra,
      „Ob nicht manche Kreise in der Kirche an einer Spaltung der Piusbruderschaft arbeiten?“

      Davon gehe ich sogar aus. Divide et impera…
      Wichtig ist, dass die Piusbrüder sich nicht spalten lassen.

  6. Eine weitere (entscheidende) Frage, die sich mir stellt ist, was bzw. wer kommt nach dem derzeitigen Heiligen Vater? Man sollte sich immer vor Augen halten, Benedikt der XVI. ist schon 85 Jahre alt. Wird er in seiner verbleibenden Zeit in der Lage sein noch genügend Kardinäle zu bestellen, die einen entsprechenden Papst wählen, der sein Werk für die Tradition, für die Kirche fortsetzt und vollendet?

    • wk1999,
      und noch eine Frage: Will er es überhaupt ernsthaft? Wenn man sich seine Bischofsernennungen anschaut, dann sind sie ziemlich durchwachsen. Und das gilt wohl auch für die Kardinäle. Eine „Re-Traditionalisierung“ sehe ich jedenfalls nicht. Allenfalls ein langsames – sehr langsames – Abrücken von ausgesprochenen Häretikern und extremen Bruch-Hermeneutikern. Sozusagen Woelki statt Lehmann.

      Ich hielte selbst Kardinal Schönborn – oder jemanden, der so ähnlich denkt – für einen möglichen nächsten Papst. Ich darf gar nicht erst über das nächste Konklave nachdenken. Lehmann wäre bis 2016 wahlberechtigt (Altersgrenze: 80 Jahre), Kasper bis 2013, Schönborn bis 2025, Koch sogar bis 2030, um nur einige Namen zu nennen. Werden solche Kardinäle einen traditionellen Papst wählen?
      Wie gesagt, ich darf gar nicht dran denken.
      Möge der Heilige Vater mindestens noch Papst Leo XIII. überholen! Menschen können heute ja auch 100 Jahre alt werden…

  7. Kardinal Schönborn als nächster Papst? Da möge der Heilige Geist vor sein. Ich jedenfalls kann mir das nicht vorstellen, aber vielleicht ist da ja auch der Wunsch der Vater des Gedanken. Mit Schönborn als Papst, das wäre der Anfang des Sedisvakantismus, befürchte ich.

    • wk1999,
      wie meinen Sie das mit dem „Anfang des Sedisvakantismus“? Der Papst kann doch soviel Unsinn erzählen wie er möchte, und dabei immer der Papst bleiben, solange er diesen Unsinn nicht dogmatisch festschreibt, oder nicht?

      • Sicherlich. Aber wenn jemand wie er, als verantwortlicher Bischof einer bedeutenden Bischofskirche, Kardinal, eine häretische Gruppe wie die Pfarrerinitiative so gewähren lässt, muss man ihm mittlerweile eine heimliche Sympathie für deren Anliegen unterstellen. Man kann dann natürlich darüber spekulieren, ob er diese Häresien als Papst dann auch offen in der Kirche einführen würde oder nicht, aber auszuschließen ist es nicht. Andererseits, vielleicht ist er auch nur ein Zauderer und Feigling und würde das auch als Papst so bleiben.

        Ich sollte eigentlich über einen Bischof der Kirche nicht so den Stab brechen.

        • wk1999,
          ich kann Ihnen hier nicht widersprechen. Ein Papst Schönborn wäre wahrscheinlich ein absolutes Desaster für die Kirche. Da sind wir uns vollkommen einig. Ob er Häresien in die kirchliche Lehre einzuführen versuchen würde, vermag ich natürlich nicht zu beurteilen.
          Ich bin nicht gut informiert, kann also nicht sagen, was geschehen müsste, damit man den Sedisvakantismus ernsthaft als Alternative in Betracht ziehen könnte. Aber wenn man z.B. Papst Paul VI. betrachtet, so hat er, trotz seiner liberalen Tendenzen in allen Bereichen, immer davon abgesehen, sie explizit als verbindliche Lehre einzuführen. Und wenn, wie Kardinal Brandmüller kürzlich behauptet hat, auch einige der besonders umstrittenen Texte des 2. Vatikanischen Konzils nicht lehramtlich bindend sind, dann könnte man wohl formulieren, dass die Lehre der Kirche selbst die Pontifikate der vielleicht nicht immer lupenrein rechtgläubigen Päpste (vgl. Assisi) seit dem Konzil unbeschadet überstanden hat. Und in diesem Fall könnten wir zuversichtlich sein, dass auch Kardinal Schönborn keinen weiteren lehrmäßigen Schaden – im Gegensatz zu praktischem Schaden – anrichtigen würde.
          Doch das Beste wäre natürlich, wenn es nie dazu käme.

  8. Ich bin weit davon entfernt einem Sedisvakantismus das Wort zu reden, das wäre für mich eine erschreckende Situation. Wenn man aber Bischof Fellays Brief an seine bischöflichen Mitbrüder liest, in dem er ihnen indirekt sedisvakantistische Tendenzen vorwirft, und dann bedenkt, daß es sich hier um unseren derzeitigen Hl. Vater handelt. Was würde dann geschehen wenn wirklich ein Schönborn oder ein anderer Modernist Nachfolger des Hl. Petrus würde? Es ist nicht auszudenken, ein Schisma wäre unausweichlich! Sie und ich hatten es vor ein paar Tagen bereits ähnlich ausgedrückt, man kann nur hoffen, daß unserem Hl. Vater noch viele Jahre geschenkt werden und daß er sein Werk für die Kirche so vollendet, daß die Tradition gesichert ist.
    Übrigens, was die Kreierung von Kardinälen betrifft, ich bin da nicht ganz so pessimistisch wie Sie. Ich denke da insbesondere an einen Kardinal Burke, der letztes Jahr erhoben wurde und der ein ausdrücklicher Verfechter der Tradition. Er ist zwar (!?) Amerikaner, aber auch er wird als Papabile gehandelt. Eine beeindruckende Persönlichkeit.
    Es gibt hier eine interessante Webseite ( http://www.cardinalrating.com/ ), die man einmal genauer analysieren müsste, bzgl. der Aussagen der einzelnen Kardinäle. Interessant wäre das besonders für die Kardinäle, die für das nächste Konklave wahlberechtigt sind.

    • wk1999,
      Kardinal Burke als Papst wäre wirklich eine großartige Wahl. (Amerika hat auch einige beeindruckende Bischöfe, die für die Kardinalswürde in Betracht gezogen werden sollten – Aquila, Bruskewitz usw.) Wenn der jetzige Heilige Vater noch viele Jahre lebt, und die FSSPX regularisiert wird, dann stünde auch Bischof Fellay zur Auswahl… Man darf ja träumen. Trotzdem befürchte ich, dass die Wahl eines ausgemachten Traditionsverfechters (noch?) nicht durchsetzbar wäre. Die Schönborns sind zu stark dafür. Doch wenn man sieht, wie viele derzeit wahlberechtigte Kardinäle bis 2016 die Altersgrenze erreichen (fast 50 laut der von Ihnen verlinkten Seite), dann könnten einige mutige Konsistorien die Balance relativ schnell drastisch verschieben. Vielen Dank für den Link übrigens – eine sehr interessante Seite.
      Die Versuchung des Sedisvakantismus wäre sicherlich für einige am „traditionalistischen Rand“ gegeben, wenn jemand wie Kardinal Schönborn Papst würde. Das ist nicht zu leugnen. Wenn ich Ihre Worte so deute, dann kann ich nicht widersprechen.

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