Ein kleines Pius-Update

In den letzten Wochen hat sich hinsichtlich einer möglichen kirchenrechtlichen Anerkennung der Piusbruderschaft nicht mehr viel getan. Nachdem sich die Glaubenskongregation im Mai mit der Frage befasst hatte, dürfte der ganze Vorgang nun  beim Heiligen Vater liegen. Obwohl mache Spekulationen erwarten ließen, dass eine Entscheidung noch im Mai fallen würde, steht es dem Papst natürlich frei, wie lange er über die Sache nachdenken und was er unternehmen will, wenn er denn handelt. Seitens der Piusbruderschaft weist man immer wieder darauf hin, dass nun alles in den Händen des Papstes liege, und man auf seine nächste Reaktion warte. In dieser Zeit, so etwa Bischof Fellay in diesem Interview, sollten die Gläubigen intensiv für einen guten Ausgang der Verhandlungen beten und in ihren diesbezüglichen Bemühungen nicht nachlassen.

Ich kann daran, egal von welcher „Seite“ der Debatte um die Piusbruderschaft man kommt, nichts schlechtes finden. Die Angelegenheit liegt in den Händen des Papstes, und bis dieser zu einer Entscheidung gelangt ist, und diese dann verkündet, sollten alle Katholiken darum beten, dass Gottes Wille getan werde, und alle Beteiligten sich diesem Willen ganz unterwerfen.

Die Schwierigkeiten sind immens. Nach wie vor scheinen zumindest einige der drei anderen Bischöfe der Bruderschaft jeglichem bisher existierenden Einigungsvorschlag sehr skeptisch gegenüber zu stehen – wie Bischof Tissier de Mallerais bei einer Predigt am Dreifaltigkeitssonntag deutlich zu verstehen gegeben hat. Ob die Bedenken gegen den am Ende vorliegenden Vorschlag stark genug sind, um die Piusbruderschaft zu zersplittern, kann man jetzt noch nicht absehen. Dass aber zumindest eine kleine Rumpf-FSSPX übrigbleiben wird, die sich den Annäherungsversuchen aus Rom entschieden aus Angst vor einer „Ansteckung durch das modernistische Rom“ widersetzt, kann man für den Fall einer erfolgreichen Einigung ebenso absehen, wie dass es die regularisierten Piusbrüder in ihrer neuen kirchenrechtlichen Stellung sehr schwer haben und großen Behinderungen ihres Wirkens durch modernistische Laien, Priester und Bischöfe ausgesetzt sein werden.

Über diese Wahrscheinlichkeiten hinaus, lässt sich sehr wenig über die aktuelle Lage mit zureichender Sicherheit sagen. Überraschend finde ich allerdings, dass angesichts der grassierenden Lecks im Vatikan noch keine Details über die Gespräche mit der FSSPX durchgesickert sind. Wollen wir hoffen, dass das auch so bleibt, bis die Gespräche zu einem guten Ende, worin dies auch bestehen mag, gekommen sind.

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10 Gedanken zu „Ein kleines Pius-Update

  1. Einige Anmerkungen:
    1. Wer das Aktuellste wissen möchte, kann auf pius.info klicken: Die Antwort des Papstes liegt vor. Er hat sie am vergangenen Samstag dem Präfekten der Glaubenskongregation, William Kardinal Levada mitgeteilt, heute wird dem Generaloberen der Piusbruderschaft diese Nachricht überbracht. Pius.info wird informieren, so bald mehr Informationen vorliegen.
    2. Sollte die Anerkennung vorliegen, werden es sowohl der Papst und die Piusbruderschaft schwer haben. Doch der Papst und Bischof Fellay wissen das. Mehr ist hierzu im Augenblick nicht zu sagen, weil jetzt wirklich das Ergebnis abgewartet werden sollte.
    3. Wenn bloß alle Dikasterien so diskret und zuverlässig arbeiten würden wie die Glaubenskongregation. Diese Kongregation wurde von 1982 bis zu seiner Walhl als Papst von Joseph Kardinal Ratzinger geleitet. Im Zuge der „Dokumentenflucht“ wurde dem Papst unterstellt, er sei zwar ein herausragender Theologie, ein Intellektueller, aber seine Fähigkeit, eine Behörde zu leiten in Frage gestellt. Die Art und Weise, wie die Glaubenskongregation arbeitet, beweist das Gegenteil. Den übrigen „Apparat“ hat Benedikt XVI. von seinem Vorgänger übernommen…Den kann man in 7 Jahren nicht so umkrempeln wie Ministerien in einem Staat. Allein deshalb nicht, weil Prälaten die Priesterweihe bzw. die Bischofsweihe besitzen und nicht auszuwechseln sind wie Minister und Staatssekretäre einer Regierung. Zwei Jahre brauchte der Heilige Vater, um den Zeremonienmeister Johannes Paul II. loszuwerden. Seine Exzellenz ließ sich Zeit, ein neues Amt anzutreten…
    Wie immer die Entscheidung ausgefallen ist: Seit dem 14.September 2011, als Bischof Fellay die lehrmäßige Präambel überreicht wurde, ist nicht ein Wort nach draußen gedrungen. Auf seine frühere Behörde kann sich der Heilige Vater verlassen.

    • Cuppa,
      der Artikel war ein typischer Fall von Überschneidung. Ich hatte ihn kaum veröffentlicht, da kamen die ersten Meldungen heraus, es habe neue Entwicklungen gegeben, wie Du sie beschreibst. Daher ist das „Update“ inzwischen vollkommen veraltet… Zu den Inhalten Deiner Kommentare siehe unten.

  2. Nachtrag:
    Da eine Nacht vergangen ist und pius.info nichts dementiert hat, dürfte die Nachricht grundsätzlich stimmen.
    Die Piusbruderschaft hatte immer mit Abspaltungen zu kämpfen seitdem sie offiziell aufgehoben wurde. Die einen konnten die Strafen von Rom nicht ertragen, die anderen neigten zum Sedisvakantismus. Es sind beides einfache Lösungen, im Vergleich zur differenzierten Einstellung der Piusbruderschaft: Wir sind römisch-katholisch, wir erkennen selbstverständlich den Papst an, aber wir können ihm nicht gehorchen, wenn die Tradition der Kirche durch Rom selbst verraten wird. Wir sind dann gegen Rom, weil wir für Rom sind. Wir handeln in der Situation des Notstands.
    So weit ich das im Internet verfolgen konnte, haben „Sedisvakantisten“ ihre Hoffnung schon früher auf Bischof Tissier de Mallerais gesetzt. Seine Predigt jetzt kann von daher nicht erstaunen. Obwohl ich in seiner letzten Predigt nur die heftige Verteidigung der Tradition gelesen
    habe und noch keinen Aufruf zur Trennung.
    Sollte es nach fast 40 Jahren zur Einigung mit Rom kommen, werden Abspaltungen erfolgen. Es ist dann nur zu hoffen, dass sie von der Zahl her erträglich bleiben.
    (Um kein Missverständnis aufkommen zu lassen: Natürlich sind die Motive derjenigen, die sich von Rom nicht trennen lassen wollten, Beispiel Petrusbruderschaft, in jeder Weise nachvollziehbar. Sedisvakantistische Positionen sind realitätsblind bis wahnhaft. Dann lieber gleich eine neue Sekte gründen…Eine heilige Restkirche oder so…).

    • Cuppa,
      mein Eindruck ist, dass man Bischof Fellay in Rom eine Personalprälatur angeboten hat. Er selbst hat eingestanden, dass die „regularisierte“ Piusbruderschaft für jede neue Einrichtung die Erlaubnis des Ortsbischofs wird einholen müssen (wie Opus Dei). Damit wäre es der FSSPX praktisch unmöglich z.B. in Deutschland neue Niederlassungen zu errichten. Sollten die durchgesickerten Informationen akkurat die Realität widerspiegeln, so wäre es eine Art Selbstmord der FSSPX, wenn sie diese Regelung unterschriebe. Es käme einer Selbstaufgabe ihrer ganzen Mission gleich. Warum 40 Jahre gegen den innerkirchlichen Modernismus kämpfen, nur um dann eine Kehrtwende zu machen. Die meisten Diözesanbischöfe sind nun einmal zumindest teilweise modernistisch und würden die Piusbruderschaft mit aller Macht bekämpfen. Die FSSPX würde der eigenen Erwürgung zustimmen, nur um in Zukunft nicht mehr klar gegen modernistische Irrtümer zu Felde zu ziehen? Was soll das bringen?
      Manche Gerüchte besagen, die FSSPX dürfe nach der Regularisierung nicht mehr von den „Irrtümern des Konzils“ sprechen – was Bischof Fellay in auffallender Weise schon seit einiger Zeit vermeidet!

      Wenn das alles stimmt – und bisher gibt es noch keine offizielle Stellungnahme – dann kann ich an Bischof Tissier de Mallerais Predigt kaum etwas kritisieren, außer vielleicht eine etwas zu brachiale Sprache. (zur Trennung hat er wirklich nicht aufgerufen – er hat nur deutlich gesagt, dass er keine pragmatische Übereinkunft ohne vorherige dogmatische Klärung befürworten kann. Siehe auch aktuell auf Rorate Caeli das Interview mit dem Bischof Tissier: http://rorate-caeli.blogspot.com/2012/06/bishop-tissier-de-mallerais.html): Vielmehr sollte Bischof Fellay sich dann gründlich überlegen, ob er keinen großen Fehler macht, sich auf so etwas einzulassen. Das Notstandsargument wäre unter diesen Umständen nämlich immer noch gültig und genauso zu rechtfertigen wie vor den aktuellen Verhandlungsrunden.

  3. Catocon, ich warte ab. Bis der Text vorliegt. Ich erinnere mich an das „Non-Possumus-Geschrei“ auch im deutschen Internet. Als dort schon die Gespräche als gescheitert erklärt wurden, nur weil Bischof Fellay der 1. Präambel, die wir auch nicht kennen, nicht zustimmen konnte. Warum sollte er jetzt leichtfertig unterschreiben? Zumal er bis zuletzt auf Sicherungen bestand.Vielleicht muss er ein Risiko eingehen, wenn das Kirchenrecht einfach die vollkommene Unabhängigkeit vom Ortsbischof nicht erlaubt. Vielleicht gibt es aber auch das Recht, sich dann in Rom zu beschweren, und der Ortsbischof muss in Rom begründen, warum er der Errichtung einer Kapelle nicht zustimmt. Ich bin mir nicht mehr sicher, ob Bischof Fellay das gesagt hat. An der Predigt von Bischof Tissier hatte ich auch nichts auszusetzen. Ich hatte früher mal im Internet gelesen, er sei im Grunde nur für eine Einigung, wenn Rom sich völlig „bekehrt“ habe.Wie seriös das war, weiß ich nicht.
    Noch vertraue ich Bischof Fellay. Und glaube im übrigen, dass er für einen wirklichen Selbstmord keine Mehrheit, sondern eine „Palastrevolution“ bekäme.
    Doch so weit ist es noch nicht. Ich werde meine Ungeduld zügeln müssen und brav abwarten, bis eine offizielle Stellungnahme aus Menzingen vorliegt. Dass die Piusbruderschaft vollumfänglich kritiklos das Konzil anerkennen und auf nötige Papstkritik, wie Assisi 1986 und die Folgetreffen, verzichten wird, kann ich mir nicht vorstellen. Schon im Interesse der Gläubigen nicht, für deren Glauben sich die Priester der FSSPX verantwortlich fühlen. Während wir uns leider viel zu oft vor dem Unglauben „unserer“ Priester (und Bischöfe) schützen müssen.

    • Cuppa,
      ich hoffe und bete, dass die möglichen Bedingungen keinen Selbstmord für die Piusbruderschaft bedeuten. Auch ich werde offizielle Erklärungen aller Seiten abwarten müssen, so schwer es auch fällt. Das ist wie mit dem Kind einige Tage vor Weihnachten… 😉
      Das mit der Palastrevolution ist natürlich auch möglich. Aber es wäre wohl der schlimmste Fall. Die Befürchtung, dass einige Modernisten in Rom genau darauf hoffen und zielstrebig hinarbeiten, geht mir allerdings nicht aus dem Kopf. Dieser ewige Streit der Tradition gegen sich selbst muss aufhören. Wir haben genug gemeinsame Feinde – das möchte ich allen traditionellen Katholiken zurufen. Dieses Fellay gegen Williamson, Petrus gegen Pius usw. ist nicht hilfreich. Bei allen Meinungsverschiedenheiten muss man eben „getrennt marschieren“ und „vereint schlagen“. Das sollte auch dann gelten, wenn es – as Gott verhüten möge! – zu einer Spaltung innerhalb der FSSPX kommen sollte.

  4. Pingback: Bischof Fellay heute im Vatikan. « Ultramontan

  5. Catocon, hier ist Papst Benedikt höchtspersönlich beteiligt. Und ich darf daran erinern: Bischof Fellay ist seit dem Jahr 2000 in Kontakt mit Rom. Und der junge, exkommunizierte Bischof hat Hochs und Tiefs erlebt, aber nie nachgegeben. Nie hat er das Erbe des Gründers verraten! Die Exkommunikationen wurden aufgehoben, bzw. das Dekret, wie die FSSPX betont. Ohne Vor- oder Gegenleistung. Wieviel Schläge hat der Papst dafür eingesteckt, die Weltpresse hat gegen ihn gehetzt…
    Ich glaube, wir dürfen Bischof Fellay vertrauen. Und dass seine Worte jetzt auch verdreht werden, darauf hat er vor kurzem hingewiesen.
    Wenn es zur Einigung mit Rom kommen sollte, bis jetzt ist noch nichts unterschrieben, wird es zu Abspaltungen kommen. Fast 40 Jahre Ablehnung, Feindschaft, Bestrafung, dazu der elende Zustand der Kirche insgesamt was den Glauben anbetrifft, hat sicher Spuren hinterlassen. Da gehen nicht alle mit, das ist wohl klar. Ich hoffe nur, sie fallen dann nicht so stark ins Gewicht, dass die FSSPX wirklich geschwächt wird.
    Ich lese nun seit ca 9 Monaten die Artikel und Bücher von Autoren der FSSPX. Und ich kann nur sagen: Sie sind katholisch. Wohltuend katholisch im Vergleich zu unseren Theologen. Eine sektenhafte Mentalität ist für mich nicht zu erkennen. Bei einer dauerhaften Trennung könnte die aber entstehen.
    Alles wird davon abhängen, ob der Papst die Identität der Piusbruderschaft und ihre weitere Entfaltung in der Kirche schützt, ohne alle Schwierigkeiten ausräumen zu können. Wenn er das macht, wird die FSSPX zustimmen müssen, sonst verliert sie ihre römisch-katholische Identität und begibt sich ins Schisma.
    Im Augenblick scheint es nur noch darum zu gehen, dass der Wille Gottes geschieht. Und dafür zu beten…
    Eigentlich geht es immer darum…

    • Cuppa,
      wenn die Piusbruderschaft effektiv vor dem Zugriff der modernistischen Teile der Kirche (darunter eben sehr vielen Diözesanbischöfen) geschützt wird, muss sie zustimmen, auch wenn das einen harten Kampf an allen Fronten bedeutet. Wenn Petrus ruft, muss man folgen, solange das nicht auf Kosten des Glaubens geht.
      Doch genau das scheint das Problem mit den derzeit kursierenden Ideen zu sein. Eine Personalprälatur schützt die FSSPX überhaupt nicht vor diesem Zugriff…

  6. Nachtrag:
    Nun hat sich mein Kommentar mit der Erklärung des Generalhauses überschnitten. :-). Es wird zu weiteren Gesprächen kommen, nichts muss in den nächsten Tagen unterschrieben werden…

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