Die FSSPX und das Trojanische Pferd

Summorum Pontificum berichtet aus „gewöhnlich gut informierter Quelle“ über einen angeblich im deutschsprachigen Episkopat zirkulierenden Plan für den Fall einer kirchenrechtlichen Anerkennung der Piusbruderschaft. Dort liest man – Kommentare in roter Schrift und fettgedruckte Hervorhebungen wie immer von Catocon:

Wie wir aus allgemein gut unterrichteter Quelle erfahren haben, gehen die Bischöfe der deutschsprachigen Bischofskonferenzen [Deutschland, Österreich, Schweiz – die üblichen reformkatholischen Hochburgen] davon aus, daß die Rekonziliation der Priesterbruderschaft St. Pius X. – also die Rückkehr der Bruderschaft in die volle kirchliche Einheit mit dem Papst – unmittelbar bevorsteht. [Danach sieht es im Moment wohl aus, wenn die öffentlichen Einlassungen aller Seiten auch nur halbwegs der Wahrheit entsprechen.] Zur Vorbereitung darauf haben die Strategen dieser Konferenzen einen derzeit innerhalb und zwischen den Bischofskonferenzen zur Abstimmung zirkulierenden „Notfallplan“  entwickelt [die Piusbruderschaft würde also einen „Notfall“ auslösen…] , der darauf abzielt, jede Tätigkeit der Bruderschaft in ihrem Amtsbereich unmöglich zu machern [sic!]. Damit lösen sie sich durch bewußten Ungehorsam aus der vollen Einheit mit dem Bischof von Rom und beschreiten den Weg der rechtlichen Kirchenspaltung. [Das ist leider nicht der Fall. Die Bischöfe können rechtlich gesehen jederzeit so handeln, wenn sie das wünschen – mehr dazu: siehe unten]

Nach diesem geheimen Rundschreiben sollen die Mitglieder der beteiligten Bischofskonferenzen auf folgendes Vorgehen verpflichtet werden [es bleibt abzuwarten, was Bischöfe wie Vitus Huonder machen werden, wenn es so weit kommen sollte.]:

  1. Im Falle der Regularisierung der Bruderschaft als Personalprälatur [was wohl der wahrscheinlichste Fall ist] werden die Ortsordinarien den Prälaten als zuständigen Oberen unverzüglich auffordern, alle weisungsgebundenen Mitglieder der Personalprälatur aus ihren Diözesen zurückzuziehen, alle Niederlassungen zu schließen und keine neuen zu errichten. Damit wäre nach dem gegenwärtig gültigen Kirchenrecht jede Tätigkeit der Bruderschaft in deutschsprachigen Diözesen illegal. [Das ist eben eine Personalprälatur. Sie benötigt für Niederlassungen in einer Diözese die Zustimmung des jeweiligen Ortsordinarius. Fehlt diese, so ist die Tätigkeit einer Personalprälatur in dieser Diözese illegal. Das hat nichts mit bischöflichem Rechtsbruch oder Eintreten rechtlichen Schismas zu tun. Kanon 297 sagt dazu: „Die Statuten haben ebenso das Verhältnis der Personalprälatur zu den Ortsordinarien zu bestimmen, in deren Teilkirchen die Prälatur ihre seelsorglichen oder missionarischen Werke nach vorausgehender Zustimmung des Diözesanbischofs ausübt oder auszuüben beabsichtigt]
  2. Im Falle der Errichtung der Bruderschaft St. Pius X. als Ordinariat [sehr unwahrscheinlich, folgt man den Einlassungen Roms und der Piusbrüder – da ist immer nur von Personalprälaturen die Rede. Doch wenn die deutschsprachigen Bischöfe sich darauf vorbereiten, wissen sie ja vielleicht mehr als wir.]sollen die Ortsbischöfe ihre nachgeordneten Behörden und Einrichtungen sowie sämtliche Priester ihrer Diözesen anweisen, in keiner Form mit Priestern oder Institutionen des Ordinariats zusammen zu arbeiten und ihren jegliche Nutzung von Gebäuden und Einrichtungen der Diözesen zu versagen. [Auch das ist nur das gute Recht der Bischöfe. Ein Ordinariat hieße, dass die Diözesanbischöfe keine rechtliche Handhabe gegen die Einrichtungen der Piusbruderschaft hätten – daher ist es einer Personalprälatur bei weitem vorzuziehen. Sie müssten akzeptieren, dass die FSSPX in den deutschen Diözesen tätig wird bzw. bleibt. Doch daraus entsteht ja keine Verpflichtung, mit der FSSPX auch zusammenzuarbeiten.]

Damit beschreiten die Planer der Bischofskonferenzen einen Weg der Rebellion [nein – sie schöpfen nur ihre rechtlichen Möglichkeiten aus], der die Aufrufe der verschiedenen Ungehorsams-Initiativen noch in den Schatten stellt. [Das stimmt einfach nicht. Die Ungehorsamsinitiativen lehnen sich gegen geltendes Recht der Kirche auf. Dieser angeblich oder tatsächlich kursierende Notfallplan gegen die Piusbrüder tut das nicht. Er verweigert nur jegliche Zusammenarbeit mit einer kirchenrechtlich anerkannten FSSPX. Im Fall einer Personalprälatur räumt das Kirchenrecht ihnen diese Befugnis sogar explizit ein, und dass niemand den Kardinal Lehmann wird zwingen können, dem Pater Schmidberger seine Domkirche zur Verfügung zu stellen, wenn er das nicht will, ist wohl zu klar, als dass es noch weiterer Erläuterung bedürfte.] Sie bekennen sich offen zu der Absicht, Maßnahmen der Gesamtkirche für ihren Zuständigkeitsbereich zu konterkarieren [nein, das tun sie nicht, wie oben dargelegt wurde; eine Personalprälatur bedeutet, dass es eine kirchenrechtlich anerkannte Struktur gibt, die, so die Ortsbischöfe dies gestatten, in den jeweiligen Diözesen wirken darf. Genauso soll es nach diesem Schreiben gehalten werden. Das hat noch nicht einmal neben „konterkarieren“ gelegen. Es zeigt nur erneut, warum eine Personalprälatur für die FSSPX Selbstmord wäre, und sie deshalb von keiner an einer Einigung interessierten Seite akzeptiert werden kann.] und bestätigen erneut, daß sie das Schlagwort der „Kollegialität“ als Mittel zur Aufspaltung der Gesamtkirche in Nationalkirchen mißbrauchen. [Im Gegenteil. Die Kooperation von Bischöfen aus mindestens drei (deutschsprachigen) Ländern widerspricht der Nationalkirchenhypothese eklatant.] Innerhalb dieser Nationalkirchen wollen sie – ebenfalls im Widerspruch zum geltenden Recht [ein solcher Widerspruch ist an keiner Stelle in dem Artikel aufgezeigt worden – es ist eine schiere Behauptung, und eine falsche noch dazu – siehe oben] – einen zentralistischen Apparat installieren [von der Installation eines zentralistischen Apparats ist nun wirklich nirgendwo in dem zitierten Schreiben die Rede gewesen.] , der Ortsbischöfen, die Minderheitspositionen vertreten, das Recht zur eigenständigen Leitung ihrer Diözesen bestreitet. [Auch ganz ohne Kollegialität stünde es jedem Ortsbischof natürlich frei, sich mit anderen Ortsbischöfen zu beraten und dann gemeinsame Beschlüsse zu fassen. Wer wollte es Bischöfen verwehren, gemeinsam zu beraten und für ihre Diözesen eine gemeinsame Linie zu finden, so die Exzellenzen dies wünschen? Und wenn sich die Minderheit, die es gern anders hätte, doch dazu entschließt, den Beschlüssen der Mehrheit zu folgen, dann zeigt dies nur, dass die Minderheit nicht bereit ist, gegen den Strom zu schwimmen, und nicht, dass irgendein zentralistischer Apparat faktisch die Macht des Ortsbischofs beschränkt hätte.]

Auf Summorum Pontificum finden sich sonst oft wertvolle Informationen und Analysen, auf die hier auch schon öfters verwiesen worden ist. Auch in diesem Fall mag die ursprüngliche Quelle vertrauenswürdig sein. Ich halte es für sehr plausibel, dass die diversen deutschsprachigen Bischofskonferenzen eine gemeinsame Strategie planen, um die Piusbrüder möglichst stark zu behindern, wenn eine Einigung mit Rom erfolgen sollte. Es würde mich sehr überraschen, wenn die sonst immer gut organisierten modernistischen Kräfte diesmal nicht gut auf alle Eventualitäten vorbereitet wären.

Doch was das von Summorum Pontificum zitierte Schreiben betrifft, das eine gemeinsame Linie der deutschsprachigen Bischöfe gegen die Piusbruderschaft darlegt, so sehe ich nicht den geringsten Grund, dies als einen Rechtsbruch oder gar als schismatischen Akt anzusehen. Im Gegenteil. Dieses Schreiben zeigt, ob es echt ist oder nicht, ob es wirklich kursiert, oder auf falschen Informationen beruht, wieder einmal auf, warum die Personalprälatur vollkommen inakzeptabel für eine Piusbruderschaft ist, die weiterhin ernsthafte Konzilskritik betreiben und gegen Modernismus und Häresien zu Felde ziehen will. Nach can. 294 können nur Priester und Diakone einer Personalprälatur angehören. Die Anhänger der Piusbruderschaft hätten keine Möglichkeit, sich formell dieser Bruderschaft anzuschließen.  Dies würde bedeuten, dass sie für jede bei den Piusbrüdern vorgenommene Firmung oder Eheschließung die Genehmigung des Bistums einholen müssten. Sie stünden weiterhin unter der Jurisdiktionsgewalt des Ortsbischofs. Da die Personalprälatur auf den Weltklerus beschränkt ist, wären auch die der FSSPX angeschlossenen Ordensgemeinschaften ausgeschlossen. Und nach can. 297 könnte die Personalprälatur in einem Bistum nur mit Einwilligung des Ortsbischofs Niederlassungen unterhalten bzw. einrichten. Was also anscheinend seitens des deutschsprachigen Episkopats geplant ist, beschränkt sich auf die Ausübung ihrer kirchenrechtlichen Befugnisse.

Man mag argumentieren, dass diese Handlung nicht der Wille des Papstes wäre, und die Bischöfe sich damit dem Geiste einer solchen Einigung widersetzen, wenn auch nicht dem Buchstaben des Kirchenrechts. Doch der „Geist der Personalprälatur für die FSSPX“ ist, wie der „Geist des Konzils“ keine Grundlage für die Behauptung, jemand habe „schismatisch“ oder „gegen geltendes Recht“ gehandelt. Eine solche Handlung der deutschsprachigen Bischöfe wäre sehr bedauerlich, doch gänzlich erwartbar.

Eine regularisierte Piusbruderschaft mit einem Ordinariat könnte einfach mit den Schultern zucken, wenn die Bischöfe ihnen nicht helfen. Die Situation wäre dann nicht anders als jetzt auch, nur dass sie eine kirchenrechtliche Anerkennung durch Rom im Rücken hätten.

Das kursierende Schreiben ist also kein Beweis für Schisma und Rechtsbruch seitens der Bischöfe, sondern ein weiteres Indiz, dass eine Personalprälatur für die FSSPX kein gangbarer Weg ist. Die Personalprälatur für die Piusbruderschaft ist entweder eine Falle (was ich dem Heiligen Vater nicht zutraue), oder wenn keine Falle, dann doch zumindest ein tragischer Irrtum.

Man sagt, einem geschenkten Gaul schaue man nicht ins Maul. Wir wissen jedoch, wie das für das alte Troja ausgegangen ist…

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24 Gedanken zu „Die FSSPX und das Trojanische Pferd

  1. Sehr guter Beitrag! Wenn der Hl. Vater den Anglikanern mittels eines Personalordinariates die Moeglichkeit voller Kirchengemeimschaft schenkte (wohl wissend um den evtl. Widerstand bei den nachkonziliaren Oekumenebewegten), zweifle ich nicht an der Klugheit des Papstes, auch der Piusbruderschaft und den ihnen verbundenen Glaeubigen durch die Errichtung eines Ordinariates den ueberlebenswichtigen Raum in der Gesamtkirche zu bieten.
    Ausserdem scheinen die Blogs ja auch im Vatikan gelesen zu werden. 😉

  2. Auf anderen „Nachrichtenportalen“ wird dieses Gerücht als „Hoax“ bezeichnet.
    Nichstdestotrotz werden die Bischöfe ihren rechtlichen Rahmen sicherlich dazu nutzen, um dem Wirken der bruderschaft einen Riegel vorzuschieben, wo sie nur können. Das denke ich auch. Sicherlich stellte so ein Handeln keinen Rechtsbruch im kanonischen Sinne dar. Doch wenn wir an das Jahr 2007 zurückdenken, wie Bischöfe auch noch heute die Feiern des außerordentlichen Ritus zu verhindern suchen, gegen den erklärten Willen des Heiligen Vaters und der von ihm erlassenen Regelungen, so ist es nicht ganz falsch, wenn hier Ungehorsam konstatiert wird. Ein solches Vorgehen wäre durchaus zu erwarten. Und wenn der Heilige Vater eine solche personalprälatur einrichtet, so tut er dies doch nicht, damit man nun von seiten der Bischöfe unter Zuhilfenahme des CICs die Bruderschaft besser ausbremsen kann. Es geht um Versöhnung und Heilung einer Wunde am Leib Christi. Es sollte um brüderliche Annahme und Liebe gehen, auch wenn der „neue alte Bruder“ ein schrulliger und schwieriger Patron ist. ICh zweifele sehr daran, daß die Bischöfe die Freude des Heiligen Vaters über die Heimkehr des verlorenen Sohne teilen werden. Ich befürchte, sie werden maulen wie der Bruder im Gleichnis.
    Hoffen wir, daß der Heilige Vater Vorkehrungen trifft, welche „antipianische Schutzwälle“ auf Gartenzaunhöhe beschränken hilft.

    • Laurentius,
      das alles hoffe ich auch, und zwar inständig. Es mag durchaus sein, dass die Meldung falsch ist – auch das wäre gut und nicht ganz unerwartet. Dem Tenor nach dürfte sie dennoch richtig sein. Behinderungen durch die deutschsprachigen Bischöfe wird es mit Sicherheit in hohem Maße geben. Die Frage ist nur in welcher Form sie möglich sind. Und das hängt von der richtigen kanonischen Form mit den passenden Rechten ab.

  3. Man kann nur dankbar für die auf Summorum Pontificum publizierte Indiskretion sein, ob nun wahr oder nicht. Eine Personalprälatur im herkömlichen konziliaren Sinn wäre Selbstmord für die Piusbruderschaft.
    Beten wir, daß der Hl. Geist stets die Entscheidungen von Mons. Fellay leite!
    + Ave Maria

  4. Widerspruch, Catocon, aber auf der ganzen Linie. Wo fange ich an?
    Wenn eine kirchliche Gemeinschaft vom Papst anerkannt wird und die Bischöfe mehrerer Länder sie am Wirken absolut hindern, dann ist das ein ganz klarer schismatischer Akt!
    Im Opus Dei können ganz klar Laien Mitglieder sein, sie sind es. Ihr geistlicher Auftrag ist es u.a. in der Gesellschaft, in der Politik christliche Standpunkte zu vertreten.
    Natürlich gehören die Brüder- und Schwesterngemeinschaften der Piusbruderschaft zur Personalprälatur, sollte sie kommen.
    Das Opus Dei hat jetzt erst betont, dass es „verschiedene Wirklichkeiten“ einer Personalprälatur gibt, das heißt ja wohl, dass eine „Pius-Personalprälatur“ keine strukturelle Kopie des Opus Dei sein muss.
    Kein Bischof kann Eltern zwingen, ihre Kinder nicht von einem bestimmten römisch-katholischen Bischof firmen zu lassen. Jeder darf sich von einem katholischen Bischof firmen lassen, der sich in Einheit mit Rom befindet. Und die Firmlinge sind gültig und rechtsmäßig gefirmt.Da kann der Ortsbischof gar nichts machen. Überhaupt nichts!
    Der Ortsbischof kann allerdings Niederlassungen verbieten. Na und? Dann werden sie eben illegal errichtet. Ein Bischof Fellay, der sich im Ungehorsam gegen den Papst weihen ließ,weil er ihn in der Notsituation für notwendig fand, wird doch nicht vor einem EB Zollitsch einknicken! Es ist für romtreue Katholiken aber ein enormer Unterschied, ob eine Gemeinschaft von Rom exkommuniziert ist, oder aber Streit mit dem Ortsbischof hat. Der jetzige irreguläre Zustand der Piusbruderschaft hält doch romtreue Katholiken davon ab, sich ihnen anzuschließen.
    Ich weiß nicht, ob was an diesem Papier dran ist. Aber vorstellen, dass ein P. Hans Langendörfer SJ, mächtiger Sekretär der DBK, daran mitarbeitet, kann ich mir sehr gut.
    Im übrigen: Sowohl der Papst als auch die Piusbruderschaft verfügen über ausgewiesene Kirchenrechtler. Die werden schon für Rechtssicherheit sorgen.
    Dennoch wird es Streit geben. Nur dann unter anderen Vorzeichen.Die Piusbruderschaft könnte sich auf den Status einer Gemeinschaft beziehen, die dem Papst direkt unterstellt ist, von ihm anerkannt ist. In der „Luxus-Lage“ befand sie sich noch nie. Und dann verrutscht im Streit manchem inoffiziell bereits schismatischem Bischof endlich die jetzt schon schiefsitzende Maske der Romtreue vollends. Dann kommt die Wahrheit ans Licht. Auch wenn sie schmerzt, die gegenwärtige Heuchelei vieler Bischöfe im deutschsprachigen Raum ist schlimmer.

    • Cuppa,
      der Reihe nach: Du schreibst:
      „Wenn eine kirchliche Gemeinschaft vom Papst anerkannt wird und die Bischöfe mehrerer Länder sie am Wirken absolut hindern, dann ist das ein ganz klarer schismatischer Akt!“
      Nein, ist es nicht. Die Anerkennung der Piusbruderschaft durch den Papst beinhaltet keine rechtliche Verpflichtung für die Bischöfe, diese Gemeinschaft in ihrer Diözese gutzuheißen. Vielleicht eine moralische, aber keine rechtliche Verpflichtung. Im Fall einer Personalprälatur erklärt das Kirchenrecht im oben zitierten Canon 297 ganz klar, dass die Bischöfe einwilligen müssen, damit die PP in ihrem Bistum tätig sein darf.

      Zu den Laienmitgliedern von Opus Dei:
      Die Priester und Diakone von Opus Dei gehören der Personalprälatur vom Heiligen Kreuz an. Diese hat nur Priester und Diakone als Mitglieder. Nach can. 296 können sich Laien „apostolischen Werken einer Personalprälatur widmen“. Sie bleiben dabei aber der Jurisdiktion ihres Ortsbischofs unterstellt und nicht dem Prälaten der PP. Dasselbe gälte auch für die Ordensgemeinschaften, die der Piusbruderschaft angeschlossen sind. Sie wären nicht Teil der Personalprälatur, wie auch die Laien des Opus Dei nicht Teil der Personalprälatur vom Heiligen Kreuz sind. Der Heilige Vater kann diese Bestimmungen selbstverständlich für die „Piusprälatur“ anpassen, doch bisher gibt es kein Anzeichen einer solchen Absicht.

      Zu den illegalen Niederlassungen:
      Klar könnte die Piusbruderschaft wieder illegale Akte begehen, die dann wieder als schismatisch dargestellt würden. Das wäre der mittelfristige Weg zurück in die kirchenrechtliche Zwitterstellung – nicht ganz drin und nicht ganz draußen – die die FSSPX heute hat. Wenn die FSSPX eine kirchenrechtliche Stellung annimmt, weil sie sie ja einfach ignorieren kann, wenn sie ihr nicht passt, dann demonstriert sie damit etwas, das ganz viele ihr als schismatische Gesinnung auslegen würden. Heute gründet die FSSPX ihre Niederlassungen wo und wie sie will. „Illegaler“ kann sie dadurch nicht mehr werden.
      Die FSSPX wird nicht vor Erzbischof Zollitsch einknicken – natürlich nicht! Aber wenn Zollitsch im Recht ist, wird er sich nicht scheuen, dieses Recht auch in Rom einzuklagen. Und dann muss die FSSPX sich entscheiden, ob sie vor Rom „einknickt“, oder den gerade erst erreichten Status des „Gehorsams“ wieder abstreift. Wenn die grundlegende Entscheidung erst einmal zugunsten einer Einigung mit Rom getroffen ist, dann kann man nicht plötzlich wieder gegen die aus Rom kommenden Vorgaben handeln – und rechtlich gesehen säße EB Zollitsch in unserem hypothetischen Fall am längeren Hebel. Zumal diese Situation ja schon absehbar wäre, wenn man sich überhaupt auf eine unmodifizierte PP einließe. In gewisser Weise unterschriebe man dann mit dem Wissen, entweder wieder ungehorsam gegen das Kirchenrecht handeln zu müssen , oder keine neuen Niederlassungen mehr einrichten zu können, solange die Bischöfe blockieren. Der letztere Fall wäre ein Selbstmord der FSSPX zumindest in Europa – der erster Fall sagte aus, dass man gar nicht die Absicht hatte, sich der Kirche und ihrem Recht zu unterwerfen. Nein, wenn man sich einigt, muss man sich auch fortan ans Recht halten, das man selbst als gültig anerkennt, indem man sich auf eine PP einlässt.

  5. Nachtrag:
    1. Nach dem Kommuniqué des Generalhauses Menzingen hat Bischof Fellay ein K o n z e p t als Vorschlag für eine Personalprälatur erhalten. Es besteht die reale Möglichkeit von Änderungswünschen.
    2. Bischöfe, die sich weigern, eine vom Papst anerkannte und ihm unterstellte Gemeinschaft am Wirken aus theologischen Gründen zu hindern, befinden sich im Gegensatz zum Papst und deshalb auf dem Weg ins Schisma, in die Kirchenspaltung. Bischöfe sind zwar eigenständig in ihrer Diözese, sie dürfen diese Eigenständigkeit aber nie gegen den Papst ausüben in einer solch groben Form. Das ist katholische Lehre, Dogmatik und Kirchenrecht. Sollte das angeblich kursierende Papier wirklich existieren, wäre es ein klassischer Beweis für ein geplantes, wieder mal verdecktes Schisma. Es müsste allerdings veröffentlicht werden, so ist es Spekulation.
    3. Das Personalordinariat für die zurückgekehrten Anglikaner könnte, auf die Piusbruderschaft bezogen, totale theologische Verwirrung bringen. Die Anglikaner sind in vollem Sinne jetzt Katholiken, denen ein Sonderrecht gestattet, ihre anglikanischen Traditionen weiter praktizieren zu dürfen im Personalordinariat. Die Piusbruderschaft will keine eigenen Traditionen pflegen, sondern DIE Tradition der römisch-katholischen Kirche, die sich in 2000 Jahren organisch entwickelt hat und ab den 1960er Jahren aus der Kirche gedrängt wurde. Diese Tradition in die Nähe eines Sonderrechts zu rücken, wäre theologisch mehr als fatal. Ob der der Papst deshalb der FSSPX das Personalordinariat nicht angeboten hat, weiß ich natürlich nicht.
    4) Ich gehe davon aus, dass Kirchenrechtler, Profis, Fachmänner, bereits an der Arbeit sind, für die Sicherungen zu sorgen, die die Piusbruderschaft braucht. Papst Benedikt hat Bischof Fellay bereit im Jahr 2005 mitgeteilt, dass er weiß, dass die Piusbruderschaft besonderen Schutz braucht. Einen 100 % Schutz dürfte es nicht geben, dazu ist die Kirchenkrise viel zu tief. Dass die Piusbruderschaft anders gesichert werden dürfte als das Opus Dei, ist trotz der übrigen Unklarheiten jedoch klar.
    5) Catocon, ich stimme Dir meistens sehr überzeugt zu. Aber jetzt schon vom „gefährlichen Irrtum des Papstes“ zu sprechen oder gar von einer Falle, was Du wieder zurücknimmst, finde ich destruktiv. Zumal nur ein Konzept vorliegt, das möglicherweise in eine andere Rechtsform umgewandelt werden kann. Wobei ich Dir keinesfalls destruktive Absichten unterstelle, sondern Deine Sorge um die Piusbruderschaft, die ich teile.

    • Cuppa,
      zu 1. Wenn diese Möglichkeit besteht, sollte man sie nutzen. Meine Ausführungen basieren, wie ich auch ganz deutlich gesagt habe, nur auf dem jetzt öffentlich bekannten Stand der Dinge. Wenn man die Sachlage ändern kann, sollte man das tun. Dann muss man neu nachdenken.

      zu 2. Durch eine Personalprälatur drückt der Papst in keiner Weise den Willen aus, dass irgendeine bestimmte Diözese Niederlassungen dieser PP erlaubt, sondern nur, dass es eine solche PP gebe, über deren Niederlassungserlaubnis der Ortsbischof entscheidet. Sich dann gegen eine Niederlassungserlaubnis zu entscheiden ist kein schismatischer Akt. Wenn der Papst einem Bischof sagt, „mach entweder A oder B“, dann ist es kein Schisma, wenn der Bischof „B“ tut, selb st wenn dem Papst „A“ lieber wäre. Es wäre vielleicht ein Mangel an „sentire cum ecclesia“, und damit sicherlich kein gutes Zeichen für die Romtreue der Bischöfe, aber es wäre in keiner Form auch nur in der Nähe eines Schismas. Die dt. Bischöfe haben schon vieles getan, das man implizites Schisma auslegen könnte, aber die Verweigerung der Niederlassungserlaubnis wäre nichts dergleichen, weil das Kirchenrecht den Bischöfen diese Möglichkeit im Falle einer PP direkt und explizit zugesteht.

      zu 3. Ein guter Punkt, über den ich noch nicht ausführlich genug nachgedacht habe. Es wäre allerdings leichter, diese Verwirrung klarzustellen, als einige Canones des Kirchenrechts zu ändern.

      zu 4. Ich bin sicher, dass sehr viele Leute an der Sache arbeiten, die weitaus intelligenter, erfahrener und kirchenrechtlich bewanderter sind als ich. Ich bin auch sicher, dass Bischof Fellay die Sache von allen Seiten wird prüfen lassen. Das ändert jedoch nichts daran, dass eine PP auf der Basis der heute vorliegenden Informationen katastrophal für die FSSPX enden würde. 100% sicher wird keine Einigung sein. Der Kampf gegen die Kirchenkrise ist nicht ohne Gefahren, und man darf nicht vor diesen Gefahren davonlaufen, sondern muss dem Papst nach Kräften helfen.

      zu 5. Ich bin sicher, dass einige Menschen in Rom der FSSPX gerne eine solche Falle stellen würden. Der Heilige Vater ganz sicher nicht. Doch eine unmodifizierte PP könnte nur eine Falle oder ein Irrtum sein. Sie ließe Tür und Tor für eine Sabotage der Werke der FSSPX auf Bistumsebene offen. Wenn das kein Irrtum ist, dann ist es Absicht, und dann wäre es eine Falle. Solange die im ursprünglichen Artikel genannten Probleme nicht beseitigt oder zumindest gemildert werden, wäre die Annahme einer solchen Einigung wirklich ein Trojanisches Pferd. Ich will gar nicht bestreiten, dass die endgültige Lösung, so sie denn zustande kommt, sicher anders aussehen wird als für Opus Dei. Wie gesagt, dann muss man neu denken. Doch Opus Dei ist kein Modell für die FSSPX. Ich vertraue dem Heiligen Vater und Bischof Fellay nach wie vor, dass sie einen Weg finden werden, wenn es einen gibt, doch wenn ich höre, was im Moment öffentlich ist, bekomme ich ein ganz flaues Gefühl im Magen.

  6. Ich frage mich die ganze Zeit, wie es mit den künftigen Bischöfen der FSSPX weitergehen soll.
    Sollte die Bruderschaft die Bischöfe selbst ernennen dürfen oder in Zukunft von den Ortsbischöfen abhängig sein? Das wäre fatal.

    • Kassandra,
      darüber weiß ich überhaupt nichts. Ich fürchte, dass neue Bischöfe nach einer Rekonziliation nur schwer möglich sein werden. Die Ecclesia-Dei-Gemeinschaften werden ja auch seit fast 25 Jahren an der Nase herumgeführt, und haben bis jetzt noch keinen Bischof zugestanden bekommen, obschon ihnen einer versprochen worden war.

  7. Catocon, lass uns mal bei den FAKTEN bleiben, ein flaues Gefühl im Magen muss ja nicht sein…Ich verweise noch einmal auf das Kommuniqué des Generalhauses vom 14. 6. (nach meiner Erinnerung). Hier ist unmissverständlich die Rede von einem KONZEPT und einem VORSCHLAG einer Personalprälatur. Konzept und Vorschlag heißt, es wird auf jeden Fall inhaltlich verändert werden müssen. Wir kennen noch nicht mal das Konzept. Denn wenn ich jetzt lese, das Opus Dei ist NUR eine Form der PP, so ist es kirchenrechtlich kein Modell für die Piusbruderschaft.
    Die Kreise in Rom, die keine Einheit bzw. die FSSPX zerstören wollen, gibt es zweifelsohne. Nur sind sie in keiner Weise in die Verhandlungen involviert, noch sind sie Berater des Papstes. William Kardinal Levada, Präfekt der Glaubenskongregation, der Sekretär und dann Msgr. Pozzo, Sekretär von Ecclesia Dei, sind die Gesprächspartner von Bischof Fellay.

    Ich verstehe in diesem Fall das sonst außerordentlich seriöse Internetportal „Summorum Pontificum“ nicht. Ein derart dubioses, absolut anonymes Papier zu veröffentlichen, ohne jeden Hinweis auf eine mögliche Verfasserschaft, ohne jede Spur von nachprüfbaren Fakten, verdient eigentlich keine Beachtung. Ich könnte jetzt folgern: Weil sie den Ecclesia-Dei-Gemeinschaften nahestehen und nicht der Pisubruderschaft, könnten sie sich ein Scheitern wünschen, indem sie den Teufel an die Wand malen. Weil nämlich auch das Gerücht umgeht, dem Papst ist die Tradition so wichtig, dass dann eine Ecclesia-Dei-Gemeinschaft einen besonderen, geschützteren kanonischen Rahmen erhält. Und die „Konkurrenz Piusbruderschaft“ dümpelt im sedisvakantistischen Abseits wirkungslos vor sich hin. Eifersüchtige Stellungnahmen von Mitgliedern der Petrusbruderschaft gegen die FSSPX gibt es immer wieder mal. Seit Jahren.
    Doch ich habe nicht die geringste Lust, noch finde ich es ethisch vertretbar, mich in einer solchen Gerüchteküche zu bewegen. Ich will nur deutlich machen, wohin es führt, wenn man sich auf Gerüchte einlässt. Man kommt in des Teufels Küche, und da will ich nicht landen. :-).

    Übrigens: Wäre die FSSPX mit einem Bischof im Konflikt oder im Ungehorsam, wäre sie noch lange nicht schismatisch. Das Schisma besteht ausschließlich in der Trennung von Rom! Und bei einem Verfahren, das gegen die FSSPX eröffnet würde, müsste der Bischof erklären, warum er Niederlassungen der FSSPX verbietet. Dass die FSSPX dann gleich wieder in die Exkommunikation verbannt würde, ist auch nur ein Gerücht.
    Den Vergleich mit dem Opus Dei halte ich für einen Denkfehler. Dem Papst geht es darum, die Tradition wieder in der Kirche zu beheimaten. GRUNDSÄTZLICH! Würden mehrere Bischofskonferenzen das geschlossen hintertreiben, würden sie sich gegen den Papst stellen, und das ist schismatisch. Doch das dubiose Papier hat den Wert eines Gerüchts.
    Und bei so vielen Gerüchten höre ich jetzt auf und melde mich hierzu nicht mehr. Wir haben überhaupt keinen Text, keine Fakten, auf die wir uns seriös beziehen können. Wir kennen keine Silbe von den Dokumenten, die Msgr. Fellay überreicht wurden. Es gibt nicht einen Hauch von seriöser Information über das angeblich kursierende Papier.
    Die Sorge, wie das Ganze ausgeht, kann ich nur zu gut verstehen. Ich möchte nicht erleben müssen, dass die FSSPX schutzlos den Bischöfen ausgeliefert wird, noch im Sedisvakantismus vor sich hindümpelt. Doch habe ich Grund für solche Befürchtungen?
    Nein. Es gibt bis jetzt kein veröffentlichtes Dokument für die eine oder andere Tendenz.

    • Cuppa,
      1. Ja, lass uns bei den Fakten bleiben. Dass man sich in Menzingen eine Änderung der PP wünscht, und daher betont, dass es noch keine endgültige Regelung gibt, kann ich gut nachvollziehen. Deshalb habe ich ja auch klar und deutlich gesagt, dass Änderungen noch möglich sind, und wir dann neu nachdenken müssten. Doch FAKTEn sind nun einmal auch die Canones über die Personalprälatur, in denen nirgendwo steht, dass sie nur für Opus Dei gelten. Solange keine kirchenrechtlichen Änderungen stattfinden, gelten diese Rechtsnormen für ALLE Personalprälaturen – auch eine mögliche Piusprälatur. Das *sind* Fakten, keine Gerüchte. Nach aktuellem Kirchenrecht wäre eine Piusprälatur den Bischöfen hilflos ausgeliefert.

      2. Konzept und Vorschlag besagt keine NOTWENDIGE, sondern nur eine MÖGLICHE Veränderung. Ob sie dann auch eintritt, bleibt abzuwarten. Sollte sie noch eintreten, könnte die Lage sich verändern. Das räume ich jederzeit ein.

    • Fortsetzung (versehentlich auf „absenden“ geklickt… ;)):
      3. Kardinal Levada ist derselbe, der während seiner Zeit aus Diözesanbischof in San Francisco jegliche tridentinische Messe verhindert hat. Er ist kein Freund der Tradition, und erst recht nicht der FSSPX. Msgr. Pozzo ist derselbe, der derzeit traditionelle Institut du Bon Pasteur unter Druck setzt, die neue Messe zu feiern und in der Verkündigung stärker auf das Konzil Rücksicht zu nehmen. SInd das die Handlungen eines Freundes der Tradition?
      Und der Heilige Vater, sicherlich am ehesten noch ein Freund der Tradition, steht ebenfalls voll und ganz hinter dem Konzil. Explizit fordert er eine Hermeneutik der Reform und hat als Papst noch nie öffentlich die traditionelle Messe auch nur zelebriert. Er ist voll und ganz ein Mann des Konzils, auch wenn er sicherlich traditionelle Sympathien hat. Sein Interesse dürfte, angesichts seiner sonstigen Positionen und öffentlichen Äußerungen zum Thema, nicht in einer Rückkehr zur Tradition bestehen, sondern in einer Anerkennung des Konzils durch die Traditionalisten.

      4. Selbst wenn sich dieser Bericht von SP als Falschmeldung herausstellen sollte (welcher Journalist ist noch nie einer Ente aufgesessen?), wäre es ein wichtiger Bericht, weil er darauf aufmerksam macht, wie gefährlich eine unmodifizierte PP für die FSSPX wäre. Du wirst festgestellt haben, dass meine Äußerungen zu dem angeblichen „Papier“ dessen Aussagen in keiner Form als richtig voraussetzten. Ich selbst habe große Zweifel an der Zuverlässigkeit der Quelle, der SP offenbar geglaubt hat. Ich halte das Papier für eine Ente. Doch es ist eine Ente, die auf einen wichtigen Zusammenhang hinweist, der in der öffentlichen Diskussion zu kurz gekommen ist. Deshalb habe ich den Bericht auf SP aufgegriffen – und nicht um irgendwelche Gerüchte glaubhaft zu machen. Denn in Teufels Küche will ich auch nicht landen. 😉

      5. Nein, eine FSSPX im Konflikt mit vielen Ortsbischöfen wäre noch nicht wieder in Schismagefahr. Doch wenn sie eine unmodifizierte PP hätte, wäre sie im Fall der Neugründung von Niederlassungen ohne Genehmigung des Ortsbischofs nicht nur im Konflikt mit dem Ortsbischof, sondern auch im Konflikt mit dem kirchlichen Recht (siehe die zitierten Canones), und daher auch im Konflikt mit dem Heiligen Vater und der Kirche, die sich dieses Kirchenrecht nun einmal gegeben hat. Das wäre nicht bloß ein Konflikt mit Ortsbischöfen, sondern ein Konflikt mit Rom. Die Ortsbischöfe säßen am längeren Hebel. Gibt der Papst der FSSPX eine unmodifizierte PP, so drückte er dadurch den Willen aus, dass er eine ortsbischöfliche Genehmigungspflicht für Niederlassungen der FSSPX wünscht. Damit wäre es die FSSPX, die sich gegen den Willen des Papstes stellt, und nicht der sprichwörtliche Kardinal Lehmann. Ob man sie dann wieder exkommunizieren würde? Vermutlich nicht. Aber es wäre ein Rechtsbruch, und es wäre ungehorsam gegenüber päpstlichem Willen, als PP eine Niederlassung ohne Genehmigung des Ortsbischofs einzurichten.

      6. Ich mag unseren Heiligen Vater Benedikt XVI. wirklich sehr. Aber ist es wirklich seine Absicht die Tradition grundsätzlich in der Kirche zu beheimaten? Oder möchte er nicht vielmehr zwei Dinge erreichen: Einige extrem progressive Auslegungen des Konzils ausschließen (den „Geist des Konzils“ und die „Hermeneutik des Bruchs“) und dann mit dem Konzil so weitermachen wie bisher (siehe z.B. Assisi)? Der Heilige Vater ist ein frommer, gütiger Mann, ein guter Papst, und auch ansonsten gebührt ihm große Verehrung. Aber es ist einfach kein Traditionalist, sondern ein sehr gemäßigter Modernisierer.

      7. Zum Thema Fakten: Bischof Fellay hat selbst eingestanden, dass die Piusbruderschaft mit einer PP selbstverständlich die Genehmigung der Ortsbischöfe für ihre Niederlassungen bräuchte. Siehe: http://rorate-caeli.blogspot.com/2012/06/rome-sspx-important-interview-with-sspx.html. Dort sagt er: „It is still true—since it is Church law—that in order to open a new chapel or to found a work, it would be necessary to have the permission of the local ordinary.“ Das ist kein Gerücht. Das ist von Bischof Fellay selbst. Der Distriktobere der FSSPX in den USA, Fr. Rostand, hat dasselbe in einem Interview eingestanden. Das sind keine Gerüchte, sondern Fakten.

    • Das mit den Eifersüchteleien zwischen FSSP und FSSPX ist auch mir in der Vergangenheit schon einmal aufgefallen, sowohl in Veröffentlichungen im Internet als auch in persönlichen Aussagen. All dies ist in der Tat kein Ruhmesblatt und schwächt die Sache des Traditionalismus in der Kirche.
      Auf der anderen Seite, es ist ja heute schon so, daß von seiten der Restkirche und insbesondere aus dem Lager der Modernisten, Petrusbruderschaft und Piusbruderschaft in einen Topf geworfen werden. Man macht da keinen Unterschied – nur ein toter Traditionalist ist ein guter Traditionalist, möchte man fast sagen. Trotz Summorum Pontificum (das päpstliche Schreiben, nicht die Webseite!) werden von Ortspfarrern Kirchenräume selbst der Petrusbruderschaft verweigert, ich habe das persönlich erlebt. Solange der „Mainstream“ die „Konzilskirche“ ist, wird der Kampf für die Traditionalisten in der Kirche unverändert bleiben, ob mit oder ohne die Wiederaufnahme von FSSPX in den Schoß der Mutter Kirche, aus praktischer Sicht gesehen.
      Ich sehe daher nicht, daß dieser angebliche Geheimplan der DBK irgendwelche dramatische Auswirkungen auf die Praxis hätte, so wie in der Webseite SP dargestellt. So ist die Situation doch bereits heute, schlimmer kann es nicht werden.

  8. Ich danke für diese sehr gute Analyse dieses „Gerüchtes“ und die qualitätvollen Kommentare dazu. Wie gesagt, dieses Gerücht hat den Vorteil, zwei reale Möglichkeiten einer Reaktion auf eine Rekonziliation der FSSPX aufzuzeigen. Wenn es also nur ein Gerücht wäre, wäre es jedenfalls ein sehr intelligentes, warnendes Gerücht. Am besten wäre vielleicht folgende Mischform. Ein – oder mehrere – Personalordinariate der Tradition, zB nach Sprachgruppen oder Kontinenten. In ein solches Personalordinariat könnten dann Gemeinschaften – zB die größeren ED-Gemeinschaften, die päpstlichen Rechtes sind – als Personalprälaturen eingegliedert werden. Die Niederlassungserlaubnis auf dem Territorium des Personalordinariats für diese Personalprälaturen hätte dann nicht der Diözesanbischof, der Ortsordinarius, sondern der Personalordinarius zu erteilen. Die Betroffenen Diözesnbischöfe würden durch den Personalordinarius nur informiert werden, ohne aber zustimmen zu müssen. Dann wäre im wesentlichen keine Modifizierung der Rechtsform Personalprälatur nötig, außer, daß sie die Niederlassungserlaubnis nicht nur von einem Ortsordinarius für seine Diözese, sondern alternativ auch von einem Personalordinarius für das Territorium seines Personalordinariats (auf dem natürlich im Normalfall mehrere diözesane Jurisdiktionenen bestehen, davon aber formal oder rechtlich nicht tangiert sind) erhalten könnten.

      • Danke. Eine noch bessere Lösung könnte ich mir eigentlich gar nicht vorstellen. Denn eine eigene Rituskirche wollen die Traditionalisten ja ganz sicher nicht werden. Dann müßten sie ja das Prädikat „römisch“ aufgeben. Eine wechselseitige Befruchtung wäre pfutsch. Und wie sollte man auch eine solche Rituskirche nennen???

      • Pinguin,
        danke fuer den Beitrag, der das Personalordinariat und dessen Wirkungsmoeglichkeiten naeher erklaert. Genau diese „eingebundene“ Autonomie (der Personalordinarius ist gleichberechtigtes Mitglied der Bischofskonferenz), bei der ein Ordinarius, wenn denn gueltig geweihter Bischof, auch weiterhin Priester und Bischoefe weihen darf, ist es, die mir die Ueberlebensfaehigkeit der Piusbrueder und anderer Traditionalisten zu garantieren scheint, und weswegen ich das Personalordinariat in die Diskussion einbrachte.

  9. Catocon , es ist nicht so, dass ich Deine Befürchtungen nicht teilen würde und die derjenigen, die Dir zustimmen. Ich habe sie ebenfalls.
    Mir ist Papst Benedikt geradezu unverständlich, er ist widersprüchlich in seiner Einstellung zum Konzil. Mal warnte er als Kardinal, es nicht zum SUPERDOGMA zu erheben, obwohl er es genauso dazu aufbauscht. Er ist dem Konzil gegenüber völlig unkritisch, nach dem, was ich gelesen habe.Er betont, Vatikanum I und das Tridentinum dürften nicht als überholt angesehen werden durch Vat II., man müsse alle anerkennen. Bezieht er sich jemals auf die beiden vergangenen Konzile? So gut wie nie! Entweder zitiert er Vat. II oder gleich Augustinus, auch Thomas von Aquin scheint ihn nicht im geringsten zu inspirieren. Die beiden Konzilien vorm SUPERDOGMA scheinen für ihn nur theoretische Bedeutung zu haben. Gut, er setzt sie als selbstverständlich voraus, er tastet die Lehren nicht an. Aber er merkt gar nicht, dass für ihn real, wenn er zitiert, nur Vat II. eine Rolle spielt. Wenn er darauf besteht, dass Vat II.nicht höher zu bewerten ist als die anderen Konzile, dann ist das theologisch richtig und notwendig, nur sehe ich nicht, dass er das in die Praxis umsetzt. „Er hat ein katholisches Herz und leidet an einem modernistischen (oder liberalen) Verstand“. (Bischof Fellay und andere „Pius-Bischöfe). Dem stimme ich zu.
    Doch was vorher? Papst Paul VI.mit seinem „Kult des Menschen“, mit seinem Hang, den Kommunismus zu verharmlosen, um mit den Bolschewisten zusammenarbeiten zu können. Und dann erlaubt sich dieser Papst, als erster und einziger Papst in der Kirchengeschichte, eine Kommission einzusetzen um mit ihr eine Neue Messe zu erfinden. Und diejenigen zu „verfolgen“, die an der Alten Messe festhielten.
    Und dann Johannes Paul II. Tanzende Frauen vor dem Altar, Elemente aus animistischen Religionen in seinen Messen, wenn er auf Weltreise war. „Spektakel“, „Zirkus“ haben erfahrene römische Liturgiker fast verzweifelt Papstmessen verurteilt. Von Allerlösungstheorien war er nicht weit entfernt, vor Muslimen die Dreifaltigkeit zu verschweigen, war für ihn selbstverständlich, um den „einen Gott“ vor ihnen zu betonen. Ohne Kardinal Ratzinger wäre die katholische Kirche im doktrinellen Chaos versunken.
    Deswegen ist Papst Benedikt für mich fast eine „Lichtgestalt“ gegenüber seinen beiden Vorgängern. Um die Alte Messe zu retten, erfindet er „zwei Formen“ des römischen Ritus, er unterbricht die katastrophalen Bischofsernennungen und Kardinalserhebungen, die auf das Konto von JP II gehen. Und, „mit seinem katholischen Herzen“ hört er nicht nur auf, die Tradition zu verfolgen, sondern er versucht sie zu beheimaten. Und er hat erbitterte, mächtige Gegner. Fellay dürfte Recht haben mit seiner Einschätzung, dass es „Krieg“ geben würde in der Kirche, würde der Papst öffentlich die Alte Messe zelebrieren. 40 Jahre Niedergang, von Rom aus, kann ein Papst nicht in sieben Jahren umdrehen. Und dass er das Konzil an die Tradition anbinden möchte, indem er die bisherige Lesart kritisiert, ist wenigstens ein Fortschritt. Mehr kann er sich kaum erlauben, auch wenn er es wollte, was ich bezweifle.
    Ohne diesen Hintergrund kann man den jetzigen Papst nicht begreifen, ist meine Meinung. Und Kardinal Levada ist loyal ihm gegenüber, das ist für mich wichtig.
    Um jetzt aufs Hauptthema zu kommen: Bischof Fellay hat noch nichts unterschrieben! Folglich ist es logisch, dass er an Veränderungen arbeitet oder arbeiten lässt von seinen Fachleuten. Warum sonst dieser erneute Aufschub? Er wäre unerklärlich.
    Und zu bedenken ist: Kommt es zu keiner Einigung, kommt es zum Bruch in einer endgültigen Form. Der bisherige, irreguläre Zustand bleibt nicht mehr bestehen. Dann ist die Piusbruderschaft ganz offiziell im Schisma, gleich der orthodoxen Kirche. Und dann bricht die FSSPX wahrscheinlich auseinander, weil viele ihrer Priester das nicht wollen.
    Bischof Fellay und seine leitenden Mitarbeiter brauchen dringend unser Gebet!

  10. Pingback: Einige Klarstellungen zur FSSPX-Diskussion | Kreuzfährten: Wahrheit statt Mehrheit

  11. Zur Frage „Schisma, ja oder nein“ bei der Ausübung des Rechts des Ortsordinarius der Genehmigung der Tätigkeit einer Personalprälatur in seinem Herrschaftsbereich, fällt mir ein, die SJM ist zwar keine Personalprälatur, aber ein kanonisch errichtetet Orden mit vergleichbaren Rechten. Fulda und Augsburg wären mit der Vertreibung der SJM damit wohl auch am Rande eines Schismas?

    Das Problem hier ist: Der „Wille des Papstes“ ist wie „der Geist des Konzils“ eine rechtlich unbestimmte Größe. Die Bischöfe haben sich schon wesentlich ausdrücklicheren päpstlichen Willensbekundungen (Befehlen) widersetzt, ohne daß man sie amtsenthoben hat. Auch der begründete Verdacht, ein Bischof nutze seinen Entscheidungsspielraum nicht aus den vorgeschobenen Gründen aus, sondern um den eigentlichen Zweck der Anweisung zu sabotieren, wäre für eine Ablösung kaum hinreichend. Würde der Papst alle Bischöfe, die er nicht für willfährig genug hält, ablösen, dann hätten wir ein Schisma, da die überwiegende Mehrheit der Karteikartenkatholiken dann für die Bildung eine Nationalkirche wären, unter Jubel der Medien und aller sonstigen Kirchenfeinde. Die Romtreuen müßten sich dann in Deutschland erst den Status einer Religionsgemeinschaft erstreiten, aber aller Besitz der Diözesen wäre dann bei den Nationalkirchlern. Und man braucht sich keine Illusion zu machen, daß man dies vor Gericht zurückverlangen könnte, oder hat schon jemand gehört, daß die Una Sancta für alle in der Reformation geraubten Kirchen, Klöster und Liegenschaften entschädigt worden sei.

    • Genau meine Rede, Marcus mit dem C!´

      Schisma ist ein großes Wort, das man zwar metaphorisch gebrauchen kann (das ist ja fast schon schismatisch – im Geiste haben die längst mit Rom gebrochen usw.), aber das in einem kirchenrechtlichen Zusammenhang eine klar definierte Bedeutung hat, nämlich die Abspaltung von Rom in einer auch klar erklärten Weise, also nicht nur implizit durch womöglich zweifelhafte Absichten hinter legalen Akten.

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