Woelki und der unheilige Zeitgeist

Kardinal Woelki, von manchen naiven Zeitgenossen gar als Hoffnung für den am Rande des Schismas taumelnden deutschen Episkopat gehandelt, beginnt nun langsam Flagge zu zeigen. Die Abkehr von der überlieferten, auf Jesus zurückgehenden Lehre der Kirche im Bereich der Ehe, die inzwischen zum Markenzeichen des Vorsitzenden der Bischofskonferenz geworden ist, findet nämlich nun auch mindestens zum großen Teil die Unterstützung des anfangs als „konservativ“ bezeichneten Erzbischofs von Berlin. So liest man bei kath.net:

Grundsätzlich ist die Ehe nach katholischer Lehre unauflöslich. Deshalb sind Geschiedene nach einer zweiten zivilen Eheschließung vom Empfang der Kommunion und auch von der Beichte ausgeschlossen, da sie laut gängiger Lehre der Kirche dauerhaft in einem Zustand schwerer Sünde leben.

Der Berliner Kardinal plädierte [im Gegensatz dazu] dafür, dass sich die katholische Kirche ntensiver [sic!] mit dem Weg der orthodoxen Kirche in dieser Frage auseinandersetzt. Auch die orthodoxe Kirche halte an der Unauflöslichkeit der Ehe fest; eine Scheidung und eine zweite Eheschließung würden dort allerdings toleriert. «Das erlaubt unter bestimmten Bedingungen die Zulassung zu den Sakramenten.»

In dem Interview warnte der Berliner Erzbischof zugleich vor einer Verurteilung von Homosexuellen. Auch der katholische Katechismus mahne, dass homosexuelle Menschen nicht «in ungerechter Weise zurückgesetzt» werden dürften. «Wenn ich das ernst nehme, darf ich in homosexuellen Beziehungen nicht ausschließlich den Verstoß gegen das natürliche Gesetz sehen», fügte der Kardinal hinzu. «Ich versuche auch wahrzunehmen, dass da Menschen dauerhaft füreinander Verantwortung übernehmen, sich Treue versprochen haben und füreinander sorgen wollen, auch wenn ich einen solchen Lebensentwurf nicht teilen kann.» Die katholische Kirche stehe ein für die sakramentale Ehe zwischen einem Mann und einer Frau, die offen ist für die Weitergabe des Lebens.

Nun, da haben wir so gut wie alle Zutaten, die auch sonst die Einlassungen deutscher Bischöfe ausmachen. Unklar in der Sache, undeutlich in der Form und entschieden in der Anpassung an den herrschenden Zeitgeist. Woelki spricht zwei Themen an, die natürlich eng miteinander verwandt sind: Die Zulassung von unbußfertigen Ehebrechern zur Kommunion und die Haltung der Kirche zu Homosexuellen. Die leidige Ehebrecherfrage zuerst:

Das Argument ist zu oft ausgeführt worden, als dass es noch eine Wiederholung vertrüge. Doch anscheinend geht es nicht anders. Die Kirche kann Menschen, die es vorziehen in schwerer Sünde zu verharren, nicht zur Kommunion zulassen, allein schon um zu verhindern, dass sie sich noch mehr schwere Sünden auf die Seele laden. Wenn die Kirche am Seelenheil der Menschen interessiert ist, und das muss doch das oberste Ziel aller Aktivitäten der Kirche, einschließlich ihrer „pastoralen“ Seelsorge sein, dann ist die Zulassung von Menschen, die in schwerer Sünde zu persistieren wünschen, einfach nicht richtig, weil die Seele der betroffenen Menschen dadurch weiteren Schaden erlitte. Doch da die Ehe unauflöslich ist, sind auch Menschen, die zivilrechtlich als „geschieden“ gelten, in Wahrheit vor Gott – und damit für die Kirche relevant – noch verheiratet. Gehen sie nun eine sexuelle Beziehung zu einer anderen Person ein, so handelt es sich offensichtlich um Ehebruch. Und Ehebruch ist, wenn er wissentlich und willentlich geschieht, offenbar eine schwere Sünde.

Damit ist die Frage eigentlich schon ganz klar. Natürlich muss man dann in der Seelsorge noch den richtigen Ton finden, und die richtigen Worte, wie man das möglichst schonend sagen kann. Doch inhaltlich die Sache klar. Jeder Katholik kann zur Kommunion gehen, es sei denn, er befindet sich im Stande der schweren Sünde. Die schwere Sünde kann durch die sakramentale Beichte vergeben werden. Doch dazu gehört die Reue. Wer aber gar keine Anstalten macht, sich von der Sünde abzuwenden, der zeigt keinerlei Reue. Der „wiederverheiratete“ Ehebrecher, um den es in der Debatte immer wieder geht, hat ja gar nicht die Absicht seinen Ehebruch einzustellen. Er hat nicht die Absicht, fortan „wie Bruder und Schwester“ mit seinem zivilrechtlichen Ehepartner zu leben. Er will nicht seine Sünden bekennen und bereuen; er will nicht umkehren. Er wünscht in seiner Sünde zu verharren. Eine Beichte wäre also ungültig. Der Empfang des Sakramentes der Beichte ist also nicht möglich, eine Zulassung zur Kommunion also auch nicht.

Wie windet sich der Kardinal nun aus dieser kirchlichen Lehre? Er spricht ganz klare Worte: Die Kirche soll zwar pro forma an der Unauflöslichkeit der Ehe festhalten, sie aber, nach Vorbild der Orthodoxen praktisch ignorieren. Man soll einfach so tun, als ob die Ehe nicht unauflöslich wäre. Und dann, wenn man die Ehe faktisch nicht mehr als unauflöslich sieht, dann kann man eine zweite Eheschließung auch nur als persönliche subjektive Option einstufen, die moralisch gar nicht mehr falsch wäre. Dem Empfang des Sakramentes stünde dann nichts mehr im Wege.

Das funktioniert natürlich nicht. Denn das Verbot der Ehescheidung ist kein menschliches, sondern ein göttliches Gesetz. Es ist nicht, dass die Kirche es nicht ändern wollte. Sie kann es nicht ändern. Gott hat die Ehe so geschaffen, dass sie ihrer Natur nach nicht aufgelöst werden kann. Selbst wenn irgendein Kirchenfürst – und sei es der von Rom – also dekretierte, in Zukunft sei in seinem Zuständigkeitsbereich die „Zweitehe“ zu „tolerieren“, änderte dies nicht einen Hauch an dem göttlichen Verbot der Ehescheidung. Die Ehe bleibt unauflöslich, und daher bleibt der Vollzug der „Zweitehe“ Ehebruch. Und damit bleibt der Kommunionempfang der unbußfertigen Ehebrecher schwere Sünde. Sie essen und trinken sich dann weiter das Gericht, nur diesmal mit dem Segen des Kardinals. Das kann die Kirche nicht ändern. Sie kann es nur ignorieren, worauf sich gerade die deutschen Bischöfe in ihrer Mehrzahl ja sehr trefflich verstehen.

Solange die Ehe unauflöslich bleibt, ist der Kommunionempfang der „Wiederverheirateten“ schwere Sünde. Eine Änderung der kirchlichen Lehre zum Thema Kommunionempfang wäre damit auch eine Abkehr von der Unauflöslichkeit der Ehe.

Und damit, Eminenz, eine Abkehr von Jesus Christus.

Ähnlich verhält es sich auch bei den politisch korrekten Floskeln zur Homosexualität, die der Kardinal in vorauseilender Kapitulation vor Zeitgeist und Homolobby äußert. Wenn Kardinal Woelki sagt, der Katechismus verbiete ungerechte Zurücksetzung von Homosexuellen, dann ist das natürlich richtig. Das bestreitet niemand. Doch es impliziert auch die Existenz gerechtfertigter Zurücksetzung. Nämlich immer dann, wenn es für die Ungleichbehandlung einen ausreichenden Sachgrund gibt. Dies ignoriert Woelki vollkommen. Er will stattdessen lieber „wahrnehmen“ wie achso wunderbar Homosexuelle einander treu sind. Für die Seelen der Betroffenen wäre es freilich besser, von ihren schweren Sünden abzulassen, statt ihnen weiter – mit kirchenfürstlichem Beifall, versteht sich – „treu“ anzuhängen.

Man stelle sich vor, Jesus hätte zu der Ehebrecherin nicht gesagt, sie solle gehen und nicht mehr sündigen, sondern sie solle ihrem ehebrecherischen Partner nur ja weiter „treu“ bleiben! Nein, Umkehr heißt immer Abkehr von der Sünde. Gerade auch von „himmelscheienden“ Sünden. Und wenn homosexuelle Akte, wie die Kirche lehrt, sündhaft sind, dann muss der Homosexuelle deutlich dazu aufgefordert werden – in wie pastoral freundlicher Form auch immer – von seiner Sünde abzukehren, umzukehren, um Vergebung zu bitten.

Doch davon spricht der Kardinal natürlich nicht. Wie käme er auch dazu, die Sünder zur Umkehr zu rufen! Was ist er denn? Ein Hirte? Nein, liebe Sünder, verbleibt ganz treu in euren Sünden. Übernehmt „Verantwortung“ für andere, die auch in ihren Sünden zu verharren wünschen – freilich keine Verantwortung für das Heil ihrer Seelen, denn dann müsstet ihr sie ja wieder zur Umkehr auffordern, und dass geht in Kirche von Heute bekanntlich nicht. Nein, übernehmt Verantwortung dafür, dass auch sie weiter „treu“ in ihren Sünden verharren. Und zwar, wie der Kardinal sagt, „dauerhaft“. Zumindest bis zum Ende des Lebens. Dann übernimmt nämlich der, für den ihr so sorgsam, treu und verantwortlich Seelen gewonnen habt. Umkehr ist für Reaktionäre. Die Neue Moderne Quirche Ist Nicht Mehr So.

Natürlich, verschwommen, unklar, kann man, wenn man es krampfhaft wünscht, in den Worten des Kardinals auch ein Bekenntnis zur kirchlichen Lehre finden. Er gesteht durchaus ein, dass die Kirche für die sakramentale Ehe zwischen Mann und Frau steht. Wie er ja auch pro forma – wen will er damit eigentlich täuschen? Gott? – an der „Unauflöslichkeit“ der Ehe festhalten und faktisch die „Aufgelöstheit“ von Ehen anerkennen will. Doch was bleibt von seinen Worten? Dass dieser Hirte kein Interesse an der Verteidigung der katholischen Wahrheit hat. Dass er nicht für die Umkehr der Sünder eintritt, sondern für die Aufweichung der Wahrheit, damit die Sünder sich wohlfühlen und die Kirche nicht mehr als Stein des Anstoßes sehen. Dass der Verführer der Seelen im Erzbistum Berlin freie Fahrt hat, damit sein Oberhirte nicht wieder von den Homo-Verbänden kritisiert wird.

Dass der Kardinal sich in die Reihe der entchristlichenden Neo-Reformatoren des Zeitgeists einzureihen wünscht.

Schade.

Die Krise der Kirche ist eine Krise der Bischöfe.

Advertisements

21 Gedanken zu „Woelki und der unheilige Zeitgeist

  1. Da möchte meinen Bischof doch in Schutz nehmen, zumal mir der überzogen harsche und teilsweise in Überheblichkeit abgleitende Ton des Beiträgs mißfällt. Es ist nicht automatisch Anbiederung an den Zeitgeist, wenn einem bestimmte kirchliche Regelungen nicht konsistent erscheinen. Das in Bezug auf „Wiederverheiratet Geschiedene“ darauf, dass m. W.
    die ostkirchliche Praxis auch in den mit Rom unierten Ostkirchen geübt wird.

    Ferner: dass es nichtige Ehen geben kann, ohne dass die Nichtigkeit von einem Kirchengericht festgestellt werden kann (weil sich einer der Ehepartner weigert, an dem Verfahren teilzunehmen).

    Ferner: Paulus wendet sich an den Kommunionempfänger, nicht an den Austeiler. Der Empfänger soll sich prüfen, weil es dabei um die persönliche Schuld geht, nicht einfach um die Übertretung eines objektiven Gebots. Die persönliche Schuld eines Menschen bedarf aber einer sorgfältigen Einzelfallprüfung. Wenn dies im Rahmen des menschlichen Strafrechts gilt, dann erst Recht im Rahmen des göttlichen Gerichts. Überdies: „Herr, ich bin nicht würdig …“ betet man vor jedem Kommunionempfang – was soll das? Ist das reine Rhetorik? Soll ich dann prüfen, ob ich würdig bin, feststellen, dass ich würdig bin … Das ist subjektiv doch überaus verwirrend, wenn man das rein rational betrachtet.

    Ich könne fortfahren. Aber ich lasse das vorerst mal …

    • ChB,
      das Problem ist, dass diese „bestimmten kirchlichen Regelungen“ durchaus logisch zusammenhängend in einen Gesamtkontext gehören. Überdies ist die Unauflöslichkeit der Ehe, die der Kardinal leider nur dem Namen nach aufrechterhalten und in der Praxis ignorieren möchte, nicht bloß „eine bestimmte kirchliche Regelung“, sondern ein direktes Gebot des Herrn…

      Zu den „nichtigen Ehen“: Das mag sein. Doch die Rede ist nicht von bestimmten Ausnahmefällen, zumindest schränkt Kardinal Woelki seine Rede nicht auf die von Dir genannten Ausnahmesituationen ein. Er möchte offenbar, zumindest wenn man seine Worte für bare Münze nimmt, *Ehescheidungen“ – und eben nicht die Wiederheirat nach einer ungültigen Ehe – tolerieren.

      Zu dem Pauluswort: Ja, Paulus sagt, dass der Kommunionempfänger sich das Gericht isst und trinkt. Nicht der Austeiler. Richtig. Genau das ist mein Argument. Soll ich denn meines Bruders Hüter sein? Ja, sollst ich. Auch wenn ich jemandem die Kommunion austeile? Ja, auch dann. Wenn jemand öffentlich bekannt in schwerer Sünde lebt (und das tut jemand, der verheiratet war, und dann plötzlich mit einer Neuen als seiner „Ehefrau“ auftritt, offensichtlich, außer man möchte – contra Christum – die Ehescheidung plötzlich „tolerieren“), und darüber in ganz freundlichen, diplomatischen, liebevollen pastoralen Gesprächen auch informiert wurde, dann kann, nein soll ihm der Kommunionempfang verweigert werden.
      Wenn man Deinem Argument mit dem „Herr, ich bin nicht würdig“ konsequent anwendet, dann müsste jeder zur Kommunion gehen dürfen. Würdig ist er sowieso nicht, wie er ja bekannt hat. Und den „Austeiler“ braucht es offenbar ja auch nicht zu kümmern, was er da eigentlich tut.

      Was die Überheblichkeit betrifft, so wäre ich dankbar, wenn Du etwas spezifischer wärst, statt einfach nur unbegründet einen Vorwurf in den Raum zu stellen. Wenn jemand wesentliche Teile des katholischen Glaubens (und eben nicht nur bestimmte „kirchliche Regeln“) faktisch leugnet oder mindestens ignoriert, dann muss dies klar gesagt werden dürfen. Das ist nicht überheblich. Selbst wenn der Kritisierte ein Kardinal ist.

      Die Paarung des Aufrufs zur faktischen Abkehr von den Herrenworten zur Ehescheidung mit den Einlassungen zum Thema Homosexualität lässt allerdings sehr wohl auf Anbiederung an den Zeitgeist schließen. Zumal die Bewunderung der großartigen Treue der Homosexuellen wohl in den unierten Ostkirchen nicht so verbreitet sein dürfte…

    • Nur ein paar Anmerkungen:
      Ein paar letzte Anmerkungen von mir:

      Unauflöslichkeit der Ehe heißt ja wohl (nur): keine sakramentale Zweitehe. Und nur davon redet Jesus. Mir ist kein Herrenwort bekannt, wo als Rechtsfolge Ausschluss von Kommunion und Beichte genannt wird. Es kommen also noch einige Zusatzannahmen hinzu, bis man zu diesem Ergebnis kommt. Wenn auch vielleicht (letztlich) die besseren Gründe dafür sprechen mögen, so ist das keineswegs zwingend, und es wird nicht automatisch zum Verräter Jesu‘, wer die derzeitige Regelung nicht in jedem Fall gerecht findet.

      Ich bin sowieso nicht der Ansicht, dass eine strikte Normlogik der Wirklichkeit nicht gerecht wird – mir fallen auf Anhieb Fälle ein, wo ich mich einfach nicht darüber empören kann, dass jemand nach einer gescheiterten Ehe eine zweite Beziehung eingeht. Der subjektiv seelische Zustand des Einzelnen wird überhaupt nicht berücksichtigt.

      Dies kann man sinngemäß auch auf Homosexualität übertragen. Neulich konnte man ein interessantes Gespräch auf kath.net lesen – eine Therapie, von homosexuellen Neigungen loszukommen, kann Jahre dauern, selbst bei denen, bei denen eine günstige Ausgangssituation besteht, und ohne dass der Erfolg garantiert ist. Da kann man doch nicht so tun, als wäre das so einfach, tugendhaft zu leben.
      Deshalb kam mir Dein Ton leicht überheblich vor.

      • ChB,
        richtig, es gibt kein Herrenwort, das direkt besagt, der Ehebrecher sei von Kommunion und Beichte ausgeschlossen. Doch der Kommunionempfang ist an den Gnadenstand gekoppelt und zu einer gültigen Beichte gehört die Reue. Doch wer in einer zivilrechtlichen Zweitehe lebt, befindet sich dauerhaft, solange er in diesem Zustand verharrt, im Stande schwerer Sünde, und kann daher nicht zur Kommunion gehen, solange er nicht beichtet. Und gültig beichten kann er erst, wenn er seine Taten auch bereut. Doch zur Reue gehört der ernstliche Versuch der Abkehr von der Sünde. Wer nach der Beichte einfach weiter in seiner zivilrechtlichen Zweitehe lebt, und damit durch jeden ehelichen Akt Ehebruch hinsichtlich seiner eigentlichen Ehe begeht, unternimmt aber gar keinen Versuch in Reue von der Sünde Abstand zu nehmen. Also gab es auch keine echte Reue und keine gültige Beichte. Der Kommunionempfang bleibt weiterhin unmöglich.

        Gibt es schwierige Fälle? Sicher gibt es sie. Das will ich gar nicht leugnen. Viele solcher Fälle ließen sich finden, noch mehr kann man konstruieren. Das oberste Gesetz der Kirche ist aber das Heil der Seelen. Und der Empfang der Kommunion im Stande schwerer Sünde ist nicht gerade die beste Möglichkeit, diesem obersten Gesetz nachzukommen. Er sollte also vermieden werden. Damit will ich überhaupt nicht ausschließen, dass es in seltenen Einzelfällen sinnvoll sein könnte, eine solche Zulassung zur Kommunion zu ermöglichen. Man könnte das ähnlich handhaben wie die seltenen Fälle von nichtzölibatären Priestern, etwa bei Konvertiten von der Orthodoxie oder neuerdings von den Anglikanern. Doch um diese Frage des Umgangs mit echten Härtefällen geht es weder Erzbischof Zollitsch noch Kardinal Woelki. Letzterer fordert, die Kirche solle Scheidung und Wiederheirat tolerieren, wie die Orthodoxen. Das ist etwas ganz anderes, als in ganz seltenen Ausnahmefällen einen Wiederverheirateten nach ausführlicher seelsorgerischer Beratung vielleicht zur Kommunion zuzulassen.

        Eine ganz andere Debatte ist, ob die Kommunion aktiv verweigert werden sollte. Dies ist zunächst einmal unabhängig von dem Verbot des Kommunionempfangs. Man müsste separat darüber sprechen.

        Was nun die Homosexualität betrifft: Natürlich ist es schwer, diese Tendenzen zu überwinden. Auch hier gibt es schwere Fälle, in denen es sich als unmöglich oder praktisch unerreichbar herausstellt. Das alles will ich weder leugnen noch kritisieren. Die Kirche muss großen Langmut mit allen Sündern haben, sooft sie auch „rückfällig“ werden. Das ist ein ganz wichtiges Prinzip. Doch Kardinal Woelki sagt leider etwas ganz anderes. Er lobt die „Treue“ der Homosexuellen zu ihren homosexuellen Partnern. Mit anderen Worten: Er stellt es fast als Tugend dar, wenn sie an ihren Sünden festhalten. Das halte ich für sehr bedenklich. Man sollte Homosexuelle zur Umkehr und Abkehr von ihren Sünden aufrufen, und dann ganz viel Geduld mit ihnen haben, wenn sie es versuchen, aber immer wieder scheitern. Das schiene mir der richtige Weg.

        Was nun den Ton betrifft – hatten wir dieses Thema nicht in früheren Artikeln schon? Ich meine mich daran zu erinnern. Ich neige dazu, meine Thesen scharf, überspitzt und nicht selten polemisch zu formulieren. Das ist nicht jedermanns Stil. Manchmal kann das dann überheblich herüberkommen, was aber nicht beabsichtigt ist. Ich glaube, dass eine gewisse sprachliche Drastik auch im positiven Sinne aufrütteln und Zusammenhänge verdeutlichen kann, die vielleicht bei vorsichtigerer Wortwahl gar nicht aufgefallen wären. Wie gesagt, das ist nicht jedermanns Stil – und das ist auch gut so. Ich glaube aber, dass diese Drastik durchaus ihren Platz im Arsenal menschlicher Ausdrucksformen hat, auch wenn ich es womöglich manchmal etwas damit übertreibe. 😉

        • Gut. Ich weiß nicht genau, worauf Kardinal Woelki abgezielt hat – aber wenn, kann ich mir eine Zulassung nur in begründeten Einzelfällen vorstellen (wobei ich das nicht zu entscheiden habe und meine Überlegungen insofern müßig sind).

          Was Homosexualität angeht, bin ich tatsächlich anderer Ansicht als Kardinal Woelki – zum einen weil nach meiner Erfahrung homosexuelle Beziehungen in seltenen Fällen auf (sexueller) Treue basieren, zum anderen weil ich auch treue homosexuelle Beziehungen für eine Verirrung halte bzw. sich mir die Frage stellt, ob diesen Beziehungen nicht besser damit gedient wäre, dass beide „Partner“ enthaltsam lebten – im Grunde denke ich nämlich, dass solche Beziehungen ins Sexuelle abgerutschte Freundschaften sind.

          Was den Ton angeht: Ich bin gar nicht gegen überspitzte Polemik, ich weiß auch nicht, ob ich das schon früher bemängelt habe. Nur manchmal finde ich das unangebracht.

  2. Es gäbe mit etwas Kreatitvität bestimmt Lösungen (etwa die Ausgabe gesegneten Brotes statt der Kommunion). Um nicht betroffen zu werden, wenn man die Kommunion trotz Scheidung und neuer Partnerschaft möchte, gibt es eine noch einfacherere Lösung: Nicht sakramental heiraten. Konkubinat gilt nicht als so schwere Sünde wie Ehebruch und man kann so die kirchliche Doktrion umgehen.

    • Ja, wenn die Kirche lutheranisch wäre, dann könnte sie vieles tun. In der Kirche haben wir jedoch nicht bloß „gesegnetes Brot“, sondern den Leib Christi. Konkubinat ist übrigens auch noch schwerwiegend genug, dass es sich um eine schwere Sünde handelt.

      • In der Bibel wirst du keine Stelle finden, die Sex verbietet, wenn man nicht verheiratet ist. Es gibt auch keine Stelle, die dies Eheleuten vorbehalten würde. Folglich kann man sich auf dem Boden der Bibel bewegen und die entsprechenden Akte ausüben, ohne verheiratet zu sein. Und ich rufe nochmal die Porneia-Regelung ins Gedächtnis, mit der Jesus ausdrücklich die Scheidung bei gegebenem Ehebruch einer Seite erlaubt. DIe Kirche setzt sich nur über diesen Teil dieses Gebots hinweg, da sonst die objektiv nicht dem Gebot entsprechende absolute Unauflösbarkeit und Sakramentalität der Ehe in Frage gestellt würde.

          • Es geht mir jetzt nichmal um Sola Scriptura. Es geht mir darum, dass die Kirche zumindest mal beachten sollte, dass nur verboten sein kann, was ausdrücklich in der Bibel als solches verboten ist. In der Bibel ist zumindest sogar erlaubt, Nebenfrauen zu haben. Lebenslange Einehe ist in der Bibel eher selten zu finden…

            • Dir geht es nicht um Sola Scriptura, sagst Du. Und eine Zeile später: Verboten ist nur was ausdrücklich in der Bibel verboten ist. Also: Sola Scriptura.

  3. Warum wollen manche Geschiedene, die mit einem neuen Partner zusammenleben, überhaupt so demonstrativ kommunizieren?
    Wir haben einen solchen Fall in der Familie und die beiden, die vorher nicht besonders praktizierend waren, gehen nun jeden Sonntag in die Messe und zur Hl Kommunion und erzählen das auch lautstark herum. Ich denke da spielt das schlechte Gewissen eine Rolle.

    Die Aufgabe der Priester und Bischöfe wäre es doch, die Lehre der Kirche eindeutig zu verkünden
    ohne wenn und aber. Die Betroffenen werden ja nicht aus der Kirche ausgeschlossen, sondern nur vom Kommunionempfang, weil sie nicht im Stande der Gnade sind. Wenn die Kirche anfängt dies zu akzeptieren, geht es wie bei der berühmten Salamitaktik: ein Gebot nach dem anderen wird an die Befindlichkeit der Menschen angepasst.

    • Kassandra,
      vielleicht geht es auch ums Unterlaufen kirchlicher Gesetze? Ich kenne den Einzelfall natürlich nicht, und weiß daher auch nicht, ob das realistisch wäre, aber ich selbst habe allgemein den Eindruck, dass es genug Leute gibt, die keine Gelegenheit ungenutzt lassen, gegen „die böse Kirche“ zu protestieren.

    • Ich nehme an, es geht diesen Menschen darum, sich gegen die dem Ausschluss vom Kommunionempfang inhärente moralische Abwertung zu wehren. Denn wenn nicht mal ansatzweise nach den Gründen für die Scheidung gefragt wird (und du wirst zugeben müssen, dass es objektiv schwerwiegende Gründe für eine Scheidung gibt), dann kann das kirchliche Werturteil darüber grob ungerecht sein. Nimm mal Fälle vom Alkoholismus, Drogensucht, Gewalttätigkeit, Ehebruch (inklusive Fälle von Kindesunterschiebung) etc. pp. Es ist eine nicht sehr realistische Haltung, auch hier die außerordentliche Heiligkeit der Ehe hochzuhalten.

      • Wie haben schon einmal gut 150 Kommentare lang über die Unauflöslichkeit der Ehe debattiert. Wenn Du jetzt wieder mit den Thesen kommst, die Du damals schon vertreten hast, dann antworte ich nur, indem ich Dich auf die damaligen Debatten verweise.
        Wenn Du mit fehlendem Realismus meinst, dass die Lehre der Kirche leicht ist – nein, dann ist der Katholizismus nicht realistisch. Es ist viel leichter, einfach die Hände über dem Kopf zusammenzuschlagen, und zu sagen, das alles sei ja nicht umsetzbar. Und dann zu gehen – wie viele der Anhänger Jesu in einem anderen Zusammenhang in Joh 6.
        Doch, wie gesagt, für diese ganzen Debatten verweise ich auf die „Kommentarschlacht“ von damals.

  4. Pingback: Homosexualität (1/5) | Kreuzfährten: Wahrheit statt Mehrheit

  5. Und die Krise der Bischöfe ist eine Kirse… – hm, wessen wohl – –

    Besonders deutlich sieht man das daran, wer alles nicht nur zum Bischof ernannt wird, sondern auch noch einen roten Hut bekommt. Woelki ja, aber auch Card. Pell, der vor kurzem auch mit viel Unsinn auffiel (vgl. The Remnant zu Pell und Dawkins). Dann natürlich Schönborn. Und ja, auch Lehmann und Kasper seinerzeit. Und nun wahrscheinlich bald der nächste Rahnerianer, der zum Erzbf. beförderte, ihn Rahner-Manier den Glauben (Jungfräulichkeit, Altarsakrament, Auferstehung, etc.) völlig uminterpretierende Müller.
    Und selbst ein Meisner huldigt ja der leeren-Hölle-Ideologie a la Balthasar, vgl. Interviewband zus. mit Fürstin Gl. v. Thurn u. Taxis (ach ja, und letzterer wie erster natürlich auch mit Rotem Hut bedacht…)

    Mal sehen was als nächstes kommt…

    Gut, es gibt auch Ausnahmen, Gegenbeispiele – Ranjith, Brandmüller, Burke.

    Dialektisches Spiel? Ausrutscher? Zickzack-Kurs? …? …..? –
    Die Antwort weiß ich leider auch nicht, aber die Fakten sind erst einmal da. Mal sehen.
    KYrie, eleison!

    • Die Krise der Bischöfe ist natürlich auch eine Krise des Papstes, der die Bischöfe ja bestellt. Auch der Papst ist ja ein Bischof, ausnehmen kann man ihn von der Kritik nicht in vollem Umfang.

Respondete!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s