Luther ja – Lefebvre nein!

Jetzt ist es also soweit (lange habe ich es schon erwartet): Der neue Glaubenspräfekt der katholischen Kirche, dessen Anhänglichkeit an das Konzil als Superdogma ja nicht erst seit gestern bekannt ist, hat erklärt, es werde keine weiteren Gespräche mit der Piusbruderschaft geben, weil es keine Kompromisse im Glauben geben könne. Bei kath.net heißt es:

«Wir können den katholischen Glauben nicht den Verhandlungen preisgeben. Da gibt es keine Kompromisse», fügte Müller laut NDR hinzu. Man werde in der Glaubenskongregation in Einheit mit dem Papst nun das weitere Vorgehen beschließen. Müller stellte klar, dass das Zweiten Vatikanische Konzil (1962-1965) nicht im Gegensatz zur gesamtkirchlichen Tradition stehe. «Es gibt keine Ermäßigungen, was den katholischen Glauben angeht, gerade wie er auch vom Zweiten Vatikanischen Konzil gültig formuliert worden ist.»

Was bedeutet das? Es bedeutet, dass Erzbischof Müller das letzte Konzil in allen seinen Aussagen zum Dogma erheben möchte. Die Piusbruderschaft erkennt die ganze Lehre der Kirche bedingungslos und aus Überzeugung an, abgesehen von einigen Aussagen des letzten Konzils und den daraus abgeleiteten Innovationen. Wenn es also unüberbrückbare Differenzen „im Glauben“ gibt, die weitere Gespräche überflüssig machen, dann müssen diese von der Piusbruderschaft abgelehnten Textpassagen des Konzils verbindliche, dogmatische Glaubensaussagen darstellen.

Natürlich hat die Kirche diese strittigen Passagen niemals als dogmatische Lehrsätze festgeschrieben. Im Gegenteil: Das Konzil selbst, und die nachkonziliaren Päpste haben immer daran festgehalten, dass es sich um ein „Pastoralkonzil“ gehandelt habe, das keine neuen Glaubenssätze definiert habe. Seit dem Konzil vertreten die Päpste faktisch eine Hermeneutik der Kontinuität, auch wenn erst Papst Benedikt XVI. diese Formulierung zu wählen begonnen hat. Der Glaube sei nicht fundamental verändert worden. Es bestehe Kontinuität zwischen vorkonziliarer und nachkonziliarer Zeit. Einen Bruch, so hieß es, habe es nicht gegeben.

Nun, wenn es keinen Bruch im Glauben gegeben hat (wie der Erzbischof ja selbst in dem Interview behauptet), dann ist der Glaube von 1962 auch noch der Glaube von 2012. Und damit müsste die Piusbruderschaft, die an dem Glauben von 1962 festhält, auch 2012 noch dem Glauben der Kirche entsprechen. Wenn man vorkonzilare Schriften liest, von Enzykliken bis hin zu Katechismen, dann stellt man immer wieder fest, dass dort nichts anderes steht, als was man heute noch in den Schriften der Piusbrüder lesen kann. Und wenn ein einfacher Katholik wie Konrad Adenauer heute eine Kapelle der Piusbruderschaft aufsuchen könnte, dann würde er die dortige Messe sofort wiedererkennen. Was er über die real existierende „Neue Messe“ sagen würde, möchte ich eigentlich gar nicht wissen. Es bräuchte vermutlich viele Erklärungen, bevor er in ihr den Katholizismus, den er als kleines Kind gelernt hat, wiedererkennen würde.

Machen wir etwas Logik:

1. Es hat beim Konzil keinen Bruch im Glauben gegeben. (Aussage des Papstes zur „Hermeneutik der Kontinuität“)

2. Wenn es keinen Bruch im Glauben gegeben hat, dann ist der Glaube der Kirche vor dem Konzil genauso katholisch wie der Glaube der Kirche nach dem Konzil.

3. (aus 1 und 2) Der Glaube der Kirche vor dem Konzil ist genauso katholisch wie der Glaube der Kirche nach dem Konzil.

4. Die Piusbruderschaft lehrt denselben Glauben, den die Kirche vor dem Konzil gelehrt hat.

5. (Aus 3 und 4) Der Glaube der Piusbruderschaft ist genauso katholisch wie der Glaube der Kirche nach dem Konzil.

Wenn nun also Erzbischof Müller Aussage 5 leugnet, indem er sagt, es seien keine weiteren Gespräche mit der Piusbruderschaft erforderlich, weil es beim Glauben keine Kompromisse geben könne, dann muss er eine der Prämissen (1,2 und 4) leugnen. Denn eine durch einen gültigen logischen Schluss gewonnene Konklusion ist wahr, genau dann, wenn die Prämissen wahr sind. Der obige logische Schluss ist gültig. Also ist er genau dann wahr, wenn die Prämissen wahr sind.

Sind die Prämissen wahr? Dass die Piusbruderschaft denselben Glauben lehrt wie die vorkonziliare Kirche, ist unmittelbar offensichtlich. Dieser Eindruck bestätigt sich, wenn man sich mit den Schriften der Piusbruderschaft beschäftigt. Was dort steht, ist nichts anderes, als was die Kirche immer gelehrt hat. Satz 4 ist also wahr.

Die Wahrheit von Satz 2 ergibt sich aus der Bedeutung des Wortes Bruch.

Damit ist noch Prämisse 1 übrig. Der Erzbischof sagt in dem oben zitierten Textabschnitt eindeutig, dass das Konzil in Kontinuität zur gesamtkirchlichen Überlieferung stehe. Wenn sich diese Prämisse aber als wahr erweist, wie der Erzbischof behauptet, so ist auch die Konklusion (Satz 5) wahr. Nur wenn sich die Prämisse als falsch erweist, kann die Konklusion (Satz 5) falsch sein. Doch Erzbischof Müller leugnet Satz 5. Er sagt, Gespräche mit der FSSPX seien sinnlos, weil man keine Kompromisse im Glauben machen könne. Die Piusbrüder haben gesagt, dass sie von ihrer ablehnenden Haltung bestimmter Konzilspassagen nicht abrücken werden. Wenn diese Konzilspassagen dogmatische Glaubenssätze sind, dann machen weitere Gespräche mit der FSSPX wirklich keinen Sinn. Solange sie nicht den ganzen Glauben anerkennen, braucht man nicht unnötig Papier zu füllen und zu schwätzen. Das ist eine wunderbare Einsicht, die den heutigen Kirchenvertretern hinsichtlich der sogenannten Ökumene allzu oft fehlt. Dafür gebührt Erzbischof Müller ein großes Lob.

Doch seine ganze Argumentation, warum man mit der FSSPX nicht weiter zu verhandeln brauche, basiert auf der Prämisse, dass die von der FSSPX abgelehnten Konzilspassagen dogmatische Glaubenssätze seien. Wenn es sich nur um pastorale Aussagen handelt, die für ihre Zeit Gültigkeit besitzen mögen, die aber durchaus nicht zum Glaubensgut im engen Sinne gehören, dann kann man diese Aussagen durchaus ablehnen, und auch offen als falsch kritisieren, ohne sich dadurch eines Defizits im „Glauben“ schuldig zu machen.

Doch für Erzbischof Müller müssen die Piusbrüder alle Aussagen des Konzils anerkennen, um in die volle Gemeinschaft der Kirche zurückkehren zu können. Das Konzil ist für ihn also der zentrale Markstein für die Zugehörigkeit zum katholischen Glauben. Wer das Konzil auch nur in einzelnen Passagen für falsch hält, der gehört nicht dazu, und mit dem braucht man auch gar nicht zu verhandeln, bis er den Irrtum seiner Wege einsehend um Einlass in die Kirche bittet und seinen Irrlehren widersagt.

Damit behandelt er das ganze Konzil als Dogma. Es ist das größte je formulierte Dogma der Kirchengeschichte; das Superdogma eben. Die Mutter aller Dogmen. Ein Dogma, mit dessen Textausgabe man jemanden buchstäblich erschlagen kann. Waren Dogmen früher klar und eindeutig formulierte Lehrsätze, so sind sie heute unübersichtliche Textmassen weitschweifiger, ungelenker, fortschrittsoptimistischer Soziologenprosa.

Damit leugnet er offenbar auch Prämisse 1 (dass es beim Konzil keinen Bruch im Glauben gegeben habe), wie man aus der obigen logischen Analyse entnehmen kann. Der Erzbischof behauptet, es habe keinen Bruch gegeben, doch seine Haltung gegenüber der FSSPX setzt logischerweise die Annahme eines solchen Bruchs voraus.

Wenn man einen einfachen, gläubigen Katholiken von 1950 in eine Zeitmaschine setzen und in die heutige Zeit transportieren könnte, dann wäre er nach dieser Auffassung kein guter Katholik mehr, sondern einer, der den wahren Glauben nicht hat. Er wäre, da der wahre Glaube nach der Lehre der Kirche heilsnotwendig ist, faktisch in der Gefahr des ewigen Todes, sobald der freundliche Erzbischof ihm die neuen Dogmen erklärt hat, und der Zeitreisende damit nicht mehr in unverschuldetem Irrtum verharrt.

Wenn diese Auffassung stimmt, dann gab es auf dem Konzil sehr wohl einen Bruch, und dieser Bruch ging über Äußerlichkeiten und zeitbedingte Erscheinungsformen weit hinaus. Das ist es aber, was die Piusbrüder und Erzbischof Lefebvre immer behauptet haben.

Nun soll also nach dem Willen von Erzbischof Müller nicht mehr katholisch sein, was bis zum Konzil immer katholisch war, obwohl es angeblich keinen Bruch gegeben habe…. Das geht aber nur, wenn die Wahrheit sich ändern kann. Wenn der wahre, ganze Glaube vor dem Konzil heute plötzlich ernsthafte Irrtümer beinhaltet, oder ihm entscheidende Teile fehlen. Eine solche Veränderlichkeit der Wahrheit ist explizit als Modernismus verurteilt worden.

Der offensichtliche Schluss wäre, dass Erzbischof Müller eine modernistische Auffassung von der katholischen Wahrheit hat: sie vermag sich zu ändern, wenn ein Pastoralkonzil das so beschließt. Hier liegt dann auch der Unterschied zur Piusbruderschaft, die eindeutig bekennt, was alle Päpste bis zum Konzil immer bekannt haben: Dass die Wandlung in der Messe eine echte Transsubstantiation ist, dass die Gottesmutter nicht nur symbolisch, sondern tatsächlich Jungfrau ist, dass der wahre Glaube sich nicht ändern kann, usw.

Aber wir sollten nie vergessen, dass die Piusbruderschaft das Superdogma nicht anerkennt und daher eine indiskutable, quasi-häretische Gruppe darstellt, mit der man nicht zu reden braucht, während man eifrig katholische Wahrheiten unter den Tisch kehrt, um sich bei den schismatischen Gefolgsleuten Luthers anzubiedern.

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9 Gedanken zu „Luther ja – Lefebvre nein!

  1. Ich beginne zu vermuten, daß die Bruderschaften und die Personalprälaturen in Deutschland
    die letzten Bastionen des römisch-katholischen Glaubens sind. Und ich beginne zu ahnen, daß man dereinst EB Müller als einen der Hebel zur (neuerlichen) Spaltung der Kirche ansehen wird.

    Es wird später zu klären sein, was Papst Benedikt zu dieser Personalie getrieben, und wieso er plötzlich und unerwartet im Sommer 2012 einen Bruch seiner Intentionen vollzogen hat.

    Die Frage des Jetzt stell sich, wo der gläubige Katholik in Deutschland eine seelsorgerische Heimat findet. Ich komme mir kirchlich vor, wie das, was ich im profanen Leben auch bin: Ein Vertriebener.

  2. Danke für diesen guten Eintrag. Ich teile Deine Analyse bis aufs letzte Iota.
    Ich war schon sehr verwundert, als ich von der Berufung Msgr. Müllers hörte. Wer seine häufig wenig differenzierten Aktionen und Reaktionen in seiner Regensburger Zeit beobachtet hatte und auch noch den einen oder anderen Blick in seine Dogmatik getan hat, der wird diese Berufung noch weniger verstehen können. Ich fürchte manchmal, daß hier der Nachfolger Petri eine Entscheidung im Sinne des „Peter-Prinzips“ getroffen hat.
    Nachdem ich letzte Woche die Doku auf arte zum Vat II gesehen habe und ich aus dem Munde von Pater Gumpel SJ hören konnte, wie man mit Erzbischof Marcel Lefebre und den Vertretern der Tradition umgegangen ist (man verließ die Konzilsaula, wenn sie sprachen oder lachte sie aus) und wie der Verlauf vom „Rheinbund“ maßgeblich beeinflußt worden ist… Es hat mich nicht gerade positiv für die „Reformer“ eingenommen.
    Ich habe ein ungutes Bauchgefühl bei dem ganzen Umgang mit der FSSPX.
    Warum jetzt dieser Rückfall in den Verhandlungen?
    Warum grätscht Müller jetzt so rein? Oder ist das schon „Nachtreten“?
    Es gibt Gerüchte, daß es auch von staatlicher Seite diplomatischen Druck gegeben habe soll, um eine Aussöhnung zu verhindern. Ich kann mir mittlerweile fast alles vorstellen!
    Man kann wohl nur eines tun!
    Beten!

    • Laurentius,
      ist die Dokumentation einigermaßen sachlich gehalten, oder handelte es sich größtenteils um das übliche kirchenfeindliche Agenda-Fernsehen?
      Fußballerisch wäre eine Gelbe Karte für das taktische Foul des Erzbischofs zu erwägen… 😉
      Was das Beten angeht, das sehe ich genauso.

  3. Das ist natürlich ziemlich rabiat, wie Erzbischof Müller hier vorgeht: in einem Radiointerview das Ende der Gespräche zu verkünden. Ich sähe lieber, wenn man sich einigte (noch ist ja nix beschlossen). Ich sähe auch gerne, wenn man öffentlich machte, woran die Gespräche gescheitert sind. Man kennt ja nicht das Dokument, das zu unterschreiben sich die Bruderschaft nicht in der Lage sieht. Für einen Laien wie mich ist die Diskussion schwer nachvollziehbar, ich würde gerne erfahren, welchen Grad von Verbindlichkeit welche Texte haben – offenbar drückt ja da der Schuh. Dass das Konzil in puncto Religionsfreiheit eine Kehrtwende vollzogen hat, bestreitet ja niemand. Die Bruderschaft billigt wohl aber den ablehnenden Aussagen der Päpste, der vorkonziliaren Staatslehre eine höhere Verbindlichkeit zu als den Konzilsaussagen. Ich denke, diese Kehrtwende (oder deren Legitmität) müsste lehramtlich tatsächlich noch stärker herausgearbeitet werden.

    • ChB,
      die Frage ist dann etwa bei der Religionsfreiheit, inwiefern die „Kehrtwende“ gegen vorher verbindlich etablierte Lehre verstößt. Handelt es sich um eine Kehrtwende in einer veränderlichen, bloß zeitbedigten Staatslehre, oder hat die neue Lehre, wie die Piusbrüder auszusagen scheinen, notwendigerweise die Implikation, dass die Kirche nicht mehr das „soziale Königtum Christi“ (wie die FSSPX das so schön nennt) predigen kann, weil ja jetzt alle Religionen ein Naturrecht auf Verbreitung ihrer Irrtümer haben?
      Religiöse Toleranz, also die Duldung religiöser Minderheiten in einem mehrheitlich christlichen Staat, lehnen die Piusbrüder nicht ab. Der Knackpunkt scheint mir zu sein, dass die neue Lehre über die Religionsfreiheit staatliche Neutralität in religiösen Fragen („Naturrecht“ auf Ausübung der falschen Religionen; selbst der Papst redet einer Version des Säkularismus als Alternative zum zunehmend in Europa gängigen atheistischen Säkularismus das Wort) zu verlangen scheint. Und wenn das der Fall ist, dann sehe ich nicht, wie man das mit dem überlieferten Glauben in Einklang bringen soll.
      Mindestens in der Praxis hat die neue Lehre von der Religionsfreiheit als Naturrecht, in Verbindung mit anderen neuen Lehren, wie dem Verhandlungsökumenismus, dazu geführt, dass die meisten Kirchenvertreter sich verhalten, als ob alle Religionen gleichwertig wären und durchaus Heilswege sein könnten, und als ob nicht auch der christliche Staatsmann verpflichtet wäre, nach Kräften die wahre Religion zu fördern.
      Wenn es eine Lösung dieses Problems gibt; wenn man wirklich beide Lehren in „Kontinuität“ zueinander denken kann, dann sollte man sie lehramtlich darstellen, statt immer wieder einfach „Kontinuität“ zu behaupten, wo, zumindest phänomenologisch, wenn auch vielleicht nicht theologisch, eindeutig „Bruch“ vorliegt.

  4. „die Frage ist dann etwa bei der Religionsfreiheit, inwiefern die “Kehrtwende” gegen vorher verbindlich etablierte Lehre verstößt. Handelt es sich um eine Kehrtwende in einer veränderlichen, bloß zeitbedigten Staatslehre, oder hat die neue Lehre, wie die Piusbrüder auszusagen scheinen, notwendigerweise die Implikation, dass die Kirche nicht mehr das “soziale Königtum Christi … “

    Richtig, das ist die Frage. Und deshalb heißt es auch: Hermeneutik der Reform. Ein Bruch ist nämlich in der Frage nicht zu leugnen. Das gibt auch Papst Benedikt unumwunden zu. Ich empfehle dazu den Schlagabtausch: Rhonheimer – Gaudron. Müsste sich irgendwo auf der pius.info-Seite finden lassen. Meine (vorläufige) Ansicht: Ich denke schon, dass das Lehramt da „nachlegen“ müsste. Ich kann aber nicht sehen, inwiefern eine fix und fertige Staatslehre zur christlichen Offenbarung gehört. Insofern halte ich es nicht für problematisch, wenn die Piusbruderschaft an der vorkonziliaren Staatslehre festhält, aber doch, wenn sie behauptet, wer für Religionsfreiheit optiert, sei häretisch.

    • ChB,
      den Schlagabtausch zwischen Gaudron und Rhonheimer kenne ich. Lehramtlicher Klärungsbedarf besteht auf jeden Fall. Aus den in meinem obigen Kommentar angedeuteten Gründen (die natürlich weiter ausgeführt werden müssten), sehe ich allerdings nicht, wie die neue Lehre von der Religionsfreiheit mit durchaus unveränderlich festgelegten Aspekten des Glaubens vereinbar sein soll. Es muss keine direkte Kontinuität zwischen zwei Staatslehren bestehen, solange beide konsistent mit dem gesamten verbindlichen Glaubensgut sind. Aber einfach zu sagen „keine Kontinuität, sondern Reform“ reicht auch nicht. Denn es muss schon eine Kontinuität hinsichtlich der verbindlich / dogmatisch festgelegten Glaubenslehre bestehen. Worin soll die aber bestehen, wenn die Kirche nach dem Konzil die Neuverhandlung bestehender Konkordate (z.B. Italien) betrieben hat, um das staatliche Bekenntnis zum christlichen/katholischen Glauben zu eliminieren? Oder wenn die Kirche heute lehrt, es gebe ein „Naturrecht“ auf Ausübung falscher Religionen? Wie kann es so ein Naturrecht geben? Naturrechte sind von Gott geschaffen und tun seinen Willen kund. Will Gott neuerdings, dass die Menschen falschen Religionen anhängen? Ich sehe überhaupt nicht, wie diese Fragen zufriedenstellend beantwortet werden können, solange man die konziliare Lehre von der Religionsfreiheit nicht wenigstens relativiert, so dass nicht mehr von einem Naturrecht auf Religionsfreiheit die Rede ist, sondern nur von einem menschlichen Recht, das in möglichst allen Gesellschaften bestehen soll.

      Wohlgemerkt, ich sage nicht, dass die neue Lehre häretisch ist. Ich sage nur, dass ich sie trotz gewissenhafter Prüfung nicht mit dem Glaubensgut in Übereinstimmung bringen kann, und dass ich, wenn ich mir die Früchte des Konzils anschaue, eine riesige Trümmerlandschaft sehe, und dass der Herr selbst die Früchte als Maßstab empfiehlt.

  5. Vergelt´s Gott, das ist ein sehr guter Artikel, der die ganze Inkonsistenz,der Konzilsverteidiger deutlich macht.
    Wir sind Konvertiten und waren früher bei Pius,und sind dort nur weg, weil wir erkannt haben, dass sie leider keine Jurisdiktion haben und alle illegal geweiht und daher suspendiert sind und ihre diesbezügliche „Notstands“-Argumentation ist uns zu unsicher. Die Argumentation der FSSPX bezüglich des Konzils teilen wir aber nach wie vor.

    Die Konzilsverteidiger lesen meist nicht in vorkonziliaren Schriften, weil sie diese auf dem Müll oder im Antiquariat entsorgt haben, was auch Kardinal Burke aufgefallen ist.
    (http://www.youtube.com/watch?v=Gg7zcL9CavQ&feature=player_embedded)
    Das ist wohl mit ein Grund,,warum diese ihre eigene Unlogik nicht bemerken, denke ich.

    • Konstantin,
      danke für die freundlichen Worte! Vielen Konzilsverteidigern (nicht allen) muss man diesen Vorwurf leider tatsächlich machen. Das nimmt dann ironische Züge an, wenn Leute, die nichts von vor 1962 gelesen haben, die Zugehörigkeit zur katholischen Kirche praktisch von der Zustimmung zu Konzilstexten abhängig machen wollen, die so schwammig geschrieben sind, dass ich mir nicht ausdenken möchte, was der Hl. Thomas von Aquin mit ihnen angestellt hätte, wenn er so etwas aus der Feder eines zeitgenössischen Philosophen/Theologen zu lesen bekommen hätte.

      Nebenbei bemerkt: Ich habe Ihren (Deinen?) interessanten Blog in meine Linkliste aufgenommen.
      Wenn ich als Konvertit vom Atheismus fragen darf: Konvertiten von welcher Religion?

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