Homosexualität und Scheidung

Dieser Tage ist das Thema Homosexualität ja in aller Munde. Die Inselaffen (in gänzlich korrekter evolutionsbiologischer Ableitung) wollen eine „Homo-Ehe“ einführen. Die Franzosen haben denselben Plan gefasst, und in Deutschland sollen Homosexuelle, die in eingetragenen Partnerschaften leben, in Zukunft ein verfassungsgerichtlich erzwungenes erweitertes Adoptionsrecht haben. In der Kirche vergeht kaum eine Woche, in der nicht irgendjemand fordert, die Kirche müsse mit der Zeit statt mit der Bibel gehen und sich endlich für die Partnerschaften von homosexuellen Paaren „öffnen“. In der Praxis haben nicht wenige Seminaristen, Priester und womöglich Bischöfe sich der Homosexualität auch dadurch sehr weit geöffnet, dass sie sie selbst praktiziert haben. Oft genug auch mit Minderjährigen, worauf die überwiegende Mehrzahl der Missbrauchsfälle zurückzuführen ist.

Homosexualität ist also in aller Munde. Politisch wird es zunehmend schwer für diejenigen, die sich nicht dem Zeitgeist beugen, sondern die überlieferte Familie entschlossen verteidigen, und diejenigen, die am eifrigsten nach Toleranz gegenüber Homosexuellen rufen, haben meist überhaupt keine Toleranz, wenn es um die Minderheitenrechte von traditionellen Christen geht, die an der traditionellen, von Gott eingesetzten Ehe festhalten, und dafür auch öffentlich eintreten möchten.

Ich habe großen Respekt vor denen, die gegen die Homo-Ehe in der Öffentlichkeit kämpfen, und ihr Kampf ist notwendig. Doch das eigentliche Übel liegt woanders. Für die meisten Menschen ist einfach nicht einsichtig, warum zwei Homosexuelle nicht heiraten können, wenn sie es doch wollen. Lieben sie sich denn nicht ebenso aufrichtig, wie das heterosexuelle Liebespaar von nebenan? Ist denn nicht ihre Zuneigung deutlich erkennbar? Ja, natürlich, das mag durchaus alles sein. Es gibt solche homosexuellen Paare. Doch wenn zwei Männer einander wirklich aufrichtig lieben, warum sollen sie dann nicht heiraten können? Für den Menschen von heute ist das ein großes Rätsel und sein Unverständnis gegenüber der Haltung der Kirche rührt von daher.

Die Antwort ist ganz einfach: Weil es in der Ehe nicht in erster Linie um Liebe geht! In Casti Connubii (unbedingt lesen!) zitiert Pius XI. den hl. Augustinus, demzufolge die drei Güter der Ehe „Nachkommenschaft, Treue, Sakrament“ seien.

Die Ehe ist für die Sicherung der Nachkommenschaft da (sowohl Zeugung als auch Aufzucht, Erziehung und Bildung der Kinder, was eine dauerhafte Bindung der Eltern aneinander und an ihre minderjährigen Kinder erfordert).

Die Ehe ist für den gegenseitigen Beistand und die Hilfe der Eheleute da. Die Eheleute stehen sich sowohl in den Fährnissen des alltäglichen Lebens, als auch (und vor allem) auf der Pilgerreise durch dieses zeitliche Leben hin zu ihrer ewigen Bestimmung im Himmel bei.

Die Ehe ist schließlich Sakrament, eine unauflösliche Verbindung zweier Menschen, die durch ihre Verbindung sichtbares Zeichen für die Vereinigung Christi und Seiner Braut, der Kirche, werden, und zwar in einer Weise, dass dieses Zeichen eines der sieben Sakramente ist. Es ist also nicht bloß ein Zeichen, sondern ein wirklich wirksames  Zeichen.

Aus diesem Eheverständnis heraus wird sofort klar, warum es nicht Hass oder Phobie ist, die den Christen zur Ablehnung homosexueller Partnerschaften führt, sondern einfach die offensichtlichen Tatsachen, dass

(1) zwei Homosexuelle durch die Nutzung ihrer natürlichen körperlichen Fähigkeiten prinzipiell niemals Nachkommen miteinander zeugen können,

(2) zwei Homosexuelle sich vielleicht auf dem Weg auf dieser Erde gegenseitig beistehen können, aber nicht auf der Pilgerreise, die in den Himmel führen soll, weil ihr Verhalten dem göttlichen Gebot widerspricht, und

(3) zwei Homosexuelle nicht in der Lage sind, die Vereinigung Christi mit Seiner Braut zu symbolisieren, weil Christus keinen Bräutigam, sondern eine Braut hat, und die Braut keine Christa, sondern den Christus.

Die „Ehe“ zwischen zwei Männern oder zwei Frauen ist daher einfach ein Widerspruch in sich. Man kann keine „Homo-Ehe“ einführen, ebenso wie man nicht per Dekret festlegen kann, dass alle Eier in Zukunft perfekte Sechsecke seien. Eier sind nun einmal eiformig, nicht sechseckig, und Ehen sind nun einmal verschiedengeschlechtlich, nicht gleichgeschlechtlich.

Doch dieses Eheverständnis sagt noch viel mehr aus als nur die Unmöglichkeit der „Homo-Ehe“. Auch die Scheidung ist damit unmöglich. Die Pilgerreise, auf der die Eheleute einander beistehen sollen, ist lebenslang. Sie endet erst mit dem Tod. Und die Ehe zwischen Christus und der Kirche ist ewig, so dass eine bloß temporäre Bindung unter Scheidungsvorbehalt aus diesen Gründen ebenfalls ein Widerspruch in sich ist.

Ebenso ist mit diesem Eheverständnis ausgesagt, dass die Ehe, selbst abgesehen von dem sakramentalen Charakter (ohne den eine Ehe ja durchaus gültig sein kann), niemals gänzlich säkular gedacht werden kann, da es nicht nur um gegenseitigen Beistand auf Erden geht, sondern eben auch um Unterstützung und Stärkung auf dem Weg in die ewige Seligkeit.

Dies ist nur eine kleine Auswahl von Implikationen des katholischen Eheverständnisses. Mit diesem gedanklichen Hintergrund kann man ganz ohne Appell an bloße „Ressentiments“ oder „Hass“ oder „Phobien“ erklären, dass eine Ehe zwischen zwei Menschen des gleichen Geschlechts einfach ein Widerspruch in sich ist. Doch konsequent muss dann auch gegen Scheidung sein, um nur ein Beispiel zu nennen.

Wenn es bei der Ehe wirklich nur um gegenseitige Zuneigung geht, dann muss die Ehe auch Homosexuellen gestattet werden. Wenn es bei der Ehe aber in erster Linie um etwas ganz anderes als bloße Zuneigung geht, nämlich „Nachkommenschaft, Treue, Sakrament“, dann sieht die Sache ganz anders aus.

Das dominierende Eheverständnis, auch unter vielen Gegnern der „Homo-Ehe“, ist aber das moderne, säkulare Verständnis, die Ehe sei ein sichtbarer Ausdruck für die gegenseitige Liebe der Ehepartner und biete ihnen eine rechtliche Absicherung, die diesem Ausdruck eine gewisse Stabilität bietet, solange die Ehepartner einander noch lieben. Unter diesen Prämissen ist ein Beharren auf der Heterosexualität der Ehe unlogisch und kann dann selbst von gutwilligen Anhängern der „Homo-Ehe“ – von denen ich einige kenne – eigentlich nur als irrationale Ablehnung, als Hass oder Phobie, gedeutet werden. Denn einander lieben können Homosexuelle auch.

Wenn Ehe bloß Liebe + Sex ist, dann sollte Homosexuellen die Ehe geöffnet werden, und Scheidung sollte leicht möglich sein, sobald die Liebe schwindet oder der Sex nicht mehr gut genug ist.

Wenn Ehe aber Nachkommenschaft + Treue + Sakrament bedeutet, dann können zwei Homosexuelle ebensowenig heiraten wie sie die Arme ausstrecken und aus eigener Kraft fliegen können.

Doch dann darf man die moderne Ehe nicht als gegeben hinnehmen, sondern muss für ihre Rückkehr zu den wesentlichen Ehezwecken kämpfen, was dann auch die Unauflöslichkeit bedeutet.

Das ist derzeit politisch nicht durchsetzbar. Doch indem man davon schweigt, wird es nicht leichter durchsetzbar, sondern schwerer.

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8 Gedanken zu „Homosexualität und Scheidung

  1. „Volker Beck sagt, dass er mit seinen Vorstellungen vor 20 Jahren noch ausgelacht worden wäre. Das stimmt, weil vor 20 Jahren noch jedes Kind wusste, dass zur Ehe Mann und Frau gehören und ein gleichgeschlechtliches Paar, das sich im Standesamt zwecks Eheschließung eingefunden hätte, für geistesgestört erklärt worden wäre. Das heißt aber nicht, dass die natürliche Ordnung der Dinge sich inzwischen geändert hätte, sondern nur, dass die ideologische Vernebelung der letzten 20 Jahre inzwischen allzu vielen Leuten den klaren Blick auf die Schöpfungsordnung entzogen hat.“ -Bischof Dyba

    Dass das Phänomen eines vernebelten und falschen Eheverständnisses jedoch ein deutlich älteres ist, kann man auch an diesem schönen Spruch Nietzsches aus der Götzendämmerung erkennen:
    „Die Vernunft der Ehe, sie lag in ihrer prinzipiellen Unlösbarkeit. Damit bekam sie einen Akzent, der dem Zufall von Gefühl, Leidenschaft und Augenblick gegenüber Gehör zu verschaffen wusste. Man gründet sie [Ehe] auf den Geschlechtstrieb, auf den Eigentumstrieb […], auf den Herrschaftstrieb. Die moderne Ehe verlor diese Merkmale und damit ihren Sinn,- folglich schafft man sie ab.“

    • ed,
      ja, ein hervorragendes Zitat von Nietzsche. Auch wenn er meist zu den falschen Schlussfolgerungen kommt, sieht er die Dinge doch sehr klar. Implizit erkennt Nietzsche hier die Folgen der Protestantisierung des Eheverständnisses, wie sie schon zu seiner Zeit weit fortgeschritten war.
      Nietzsche ist manchmal so eine Art Dávila von der anderen Seite… 😉

    • P.S. Ja, Bischof Dyba sieht ebenfalls klar, wie immer. Aber das erwartet man ja von ihm. Wir bräuchten dringend wieder Bischöfe von seiner Sorte híer im Lande…

  2. (3) zwei Homosexuelle nicht in der Lage sind, die Vereinigung Christi mit Seiner Braut zu symbolisieren, weil Christus keinen Bräutigam, sondern eine Braut hat, und die Braut keine Christa, sondern den Christus.

    Völlig klar, eine katholische Ehe kann es nach diesen Regeln heute nicht geben. Und die vom Grundgesetz garantierte Religionsfreiheit sorgt dafür, dass die katholische Kirche, im Rahmen des Grundgesetzes, ihre Regeln befolgen kann und keine gelichgeschlechtlichen Paare kirchlich trauen muss.

    Aber warum dann der Aufstand, wenn es gar nicht um die römisch-katholische Ehe geht? Warum will die katholische Kirche Menschen die sich zivil, beim Standesamt als Ehepaar trauen lassen wollen, das unmöglich machen? Spätestens seit dem Kulturkampf im neunzehnten Jahrhundert ist doch Zivilehe und kirchliche Ehe getrennt und hat nichts miteinander zu schaffen. Warum diese permanente Einmischung der Kirche in rein bürgerliche Angelegenheiten? Na egal, sie hat diesen Krieg ja längst verloren.

    • Lieber Besucher,
      nach katholischer Auffassung ist die Ehe kein „weltlich Ding“, wie Luther das genannt hat, keine „rein bürgerliche Angelegenheit“. Auch die nicht-sakramentale, natürliche Ehe ist unauflöslich und von Natur aus heterosexuell, und zwar aus den zwei Gründen, die vor dem Punkt 3 stehen, den Sie zitiert haben. Was Punkt 3 betrifft, ja, er gilt für eine Zivilehe nicht – aber das braucht er auch nicht, weil der erklärte Zweck des Beitrags darin besteht, ein alternatives, nicht säkularisiertes Eheverständnis zu präsentieren, und dieses ist dann (Überraschung!) nicht säkular.
      Die wesentlichen Grundpfeiler der Argumentation, nämlich Punkte 1 und 2, gelten naturrechtlich, und also auch für nicht-katholische Ehen.

      Übrigens sehe ich keine Spur von „Aufstand“, sondern nur Artikel. „Aufstand“ passiert regelmäßig, wenn radikale Homosexualisten vom Gesetzgeber nicht exakt das bekommen, was sie wollen. Einen katholischen Aufstand vermag ich beim besten Willen nicht zu erkennen.
      Sollten Sie natürlich Atheist oder säkularisierter Protestant sein, kann ich Ihnen nicht verdenken, dass Sie jeglichen Einfluss eines nicht-atheistischen Weltbildes auf die öffentlichen Angelegenheiten unserer Gesellschaft für schädlich halten. Das folgt dann nur logisch aus Ihren Positionen. Sie werden dann ein nicht-säkularisiertes Eheverständnis falsch finden. Aber machen Sie es nicht zu einem Aufstand oder gar einem Krieg – oder haben Sie Katholiken gesehen, die das Bundesverfassungsgericht mit Waffen angegriffen haben?

      • Die wesentlichen Grundpfeiler der Argumentation, nämlich Punkte 1 und 2, gelten naturrechtlich, und also auch für nicht-katholische Ehen.
        Ich kann vor der Argumentation mit dem rein willkürlichen Naturrecht (Muslime verstehen unter Naturrecht zum Beispiel etwas völlig anderes, als die katholische Kirche, zum Beispiel die Vielehe, im antiken Griechenland wurde die Knabenliebe auch naturrechtlich begründet) nur dringend warnen! Das Naturrecht ist genau das Rechtssystem mit dem über Jahrtausende hinweg Sklaverei und Leibeigenschaft ganz vorzüglich begründet wurden. Und durchgesetzt wurden in den herrschenden Feudalsystemen „von Gottes Gnaden“. Und diese mit dem Naturrecht begründeten Herrschaftsysteme waren alles andere, nur nicht von Gottes Gnaden, sondern des Teufels und sind völlig zu Recht auf dem Müllhaufen der Geschichte gelandet, wie Kommunismus et alii. Wer das Naturrecht fordert, wagt einen Tanz mit dem Teufel und verbrennt sich ganz gewaltig die Schuhsohlen. Und nicht nur die!

  3. Der Dialogprozess in der katholischen Kirche ist von Anfang an ein Fehler gewesen.

    Man muss zu den Leuten sprechen. Aber was macht man, wenn sie nicht mehr zuhören? Weil das gesagte so meilenweit von der Wirklichkeit entfernt ist, dass das, was da gelehrt wird im Leben der Menschen völlig unbrauchbar ist?
    Sollte man dann nicht zuerst ZUHÖREN und sich die Sorgen und Nöte der Menschen ANHÖREN? Und dann vielleicht eine Lösung vorschlagen? Und nicht Lösungen für Probleme vorschlagen, von denen man GLAUBT, dass sie den Gläubigen auf den Nägeln brennen müssen, das aber in Wahrheit gar nicht so ist.
    So machen das gute Seelsorger. Sie hören den Menschen zu. Dann sprechen sie zu ihnen über deren Sorgen und Nöte. Das nennt man dann Dialog. Wenn die Kirche immer weiter Katechesen zu Problemen anbietet, die die Menschen gar nicht haben, aber die Sorgen der Menschen nicht zur Kenntnis nummt, dann ist sie wie ein Beichtvater, der immer nur redet, anstatt zuzuhören und erst dann zu reden.

  4. …weil der erklärte Zweck des Beitrags darin besteht, ein alternatives, nicht säkularisiertes Eheverständnis zu präsentieren, und dieses ist dann (Überraschung!) nicht säkular.

    Aber warum, um Gottes Himmels Willen, muss man dann dieses nicht säkulare Eheverständnis dem säkularen Staat aufdrängen? Nichts anderes machen doch diese „Artikel“ von den detuschen Bischöfen initiiert oder befohlen sei dahingestellt. Hier wird doch ein Kampf gegen eine säkulare Einrichtung geführt um genau dieser Einrichtung ein nicht-säkulares Eheverständnis (Ihre Worte!) abzuringen.
    Ich könnte verstehen, wenn man dagegen kämpfen würde, dass der Kirche die gleichgeschlechtlieche Eheschliessung zur Pflicht gemacht werden sollte, aber daran denkt doch im Traum niemand!
    Also wozu dieser, bereits verlorene, Krieg? Eine Neuauflage des Kulturkampfes gegen die Zivilehe und Bismarck? Das zieht doch alles nur Energie ab von viel wichtigeren Aufgaben; zum Beispiel katholische Schulen wieder zu leuchtenden Beispielen liebevoller Erziehung zu machen, ohne dass die Eltern oder gar Kinder! Angst haben müssen vor Zuständen wie in Ettal.
    DAFÜR lohnt es sich zu kämpfen. Nicht gegen eine Zivilehe für gleichgeschlechtlich Liebende.

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