Konklave: Hoffnung statt Optimismus

In diesen Tagen wählen die Kardinäle einen neuen Papst. Diese Tatsache dürfte wohl keinem Leser dieses Blogs bislang verborgen geblieben sein. Mir begegnen dazu manchmal zwei falsche Haltungen unter kirchentreuen Katholiken, die beide fatale Irrtümer enthalten, weil sie, wie mir scheint, die Tugend der Hoffnung falsch verstehen. Diese beiden Haltungen möchte ich Optimismus und Pessimismus nennen.

Die Optimisten sehen jedes Gerücht, es könne vielleicht ein traditionell katholischer Kardinal ins Papstamt erhoben werden, als Anlass, zu glauben, jetzt gehe es langsam wieder bergauf. Sie zitieren mit Vorliebe die Tatsache herbei, dass die meisten der stimmberechtigten Kardinäle während des Pontifikats Benedikts XVI. kreiert wurden, und leiten daraus die Schlussfolgerung ab, es sei jetzt ohnehin wahrscheinlich, dass jemand Papst würde, der die benediktinische oder „ratzingerianische“ Linie einer „Reform der Reform“ oder einer „Hermeneutik der Kontinuität“ weiterverfolgen werde. Diesen Optimisten möchte ich entgegenhalten, dass ihr Optimismus nicht in der Realität begründet liegt. Sieht man sich die relevante Kardinalsliste an, so erkennt man schnell, dass eine Zweidrittelmehrheit für einen auch nur entfernt traditionellen Papst, wenn nicht unmöglich, so doch sehr unwahrscheinlich ist, zumal die Qualität der Kardinalsernennungen des letzten Pontifikats doch äußerst gemischt war, um dies einmal vorsichtig auszudrücken. Radikalmodernistische Anhänger der bruchhermeneutischen Schule von Bologna (Tagle) wechseln sich dort mit traditionellen Katholiken (z.B. Burke) ab – und fast alle Schattierungen dazwischen sind vertreten. Rein weltlich betrachtet finden wir im Konklave eine Handvoll traditionell katholischer Vertreter (Burke, Ranjith etc.), maximal 10% der Teilnehmer, eine starke modernistische Präsenz (Scherer, Schönborn, die deutschen Pillenkardinäle etc.), die ich auf 30-50% schätzen würde, und dazwischen die „konservativen“ Anhänger einer Hermeneutik der Kontinuität, die gern die Linie Benedikts fortsetzen würden (z.B. Scola, Ouellet).

Natürlich gibt es noch regionale Präferenzen, die alte Spaltung zwischen der Kurie und ihren Gegnern, sowie zwischen Italienern, anderen Europäern und den außereuropäischen Kardinalen und einige andere Faktoren mehr, die alle großen Einfluss auf die Stimmgewichte im Konklave haben könnten. Doch die entscheidende Frage ist, ob der nächste Papst zum (post-)konziliaren Neomodernismus zurückkehren oder die zarten Ansätze des gerade vergangenen Pontifikats aufnehmen und verstärken wird. Daran wird das nächste Pontifikat, ob der Papst es will oder nicht, gemessen werden. Und realistisch betrachtet wird es (weltlich gesprochen) mindestens eine Sperrminorität der Kardinäle auf der Linie Schönborns und Scherers geben, so dass eine Papstwahl ohne mindestens die Duldung einiger Neomodernisten absolut ausgeschlossen erscheint.

Ein antimodernistischer Papst ist von diesem Konklave nicht zu erwarten, und wahrscheinlich auch kein lupenreiner Ratzingerianer oder „Kontinuitätshermeneutiker“. Weltlich betrachtet muss sogar mit der absoluten Katastrophe gerechnet werden, dass diejenigen, die „mit dem sechsten Gebot Schwierigkeiten haben“, zusammen mit den ideologischen (Neo-)Modernisten die erforderlichen 77 Stimmen auf sich vereinigen und ihren Wunschkandidaten auf den Stuhl Petri heben können.

Die Haltung der Optimisten ist also vollkommen blind gegenüber der wirklichen Kräfteverteilung in der modernen katholischen Kirche.

Andererseits hört man im traditionellen Spektrum immer wieder, dass aus dieser Einschätzung nun folge, dass der nächste Papst eben eine Katastrophe sein werde, und daraus werden manchmal gar seltsame Schlussfolgerungen abgeleitet. Einige meinen, man müsse im Falle der Wahl eines radikalen Modernisten den Sedisvakantismus in Betracht ziehen. Andere gehen nicht ganz so weit, doch verbreiten einen Pessimismus, der fast an Verzweiflung grenzt. Auch diese Position ist nicht zu halten, weil sie die andere Seite der Medaille übersieht: Das Konklave ist nicht nur eine menschliche Veranstaltung, sondern auch und gerade eine Veranstaltung, bei der der Heilige Geist eine wichtige Rolle spielt. Natürlich können die Kardinäle ihn einfach ignorieren, doch es kann eben auch sein, dass sie auf ihn hören, und das Ergebnis kann dann ziemlich spektakulär und positiv ausfallen. Sollten sich die Kardinäle wirklich ganz der Leitung des Heiligen Geistes anvertrauen, dann wird das Ergebnis die kühnsten Erwartungen der Optimisten noch übertreffen.

Pius XIII. könnte in diesem Falle in Kürze im Anschluss an seine Inthronisation die traditionelle Messe im Petersdom zelebrieren und einen Syllabus über die Irrtümer der Konzilsinterpretation veröffentlichen, nachdem er die Piusbruderschaft per Dekret anerkannt und mit einer guten kirchenrechtlichen Struktur ausgestattet hat.

Das Problem der Optimisten ist, dass ihr Optimismus eben keine christliche Hoffnung, sondern blindes Vertrauen auf die Weisheit der Menschen im Kardinalskollegium ist.

Das Problem der Pessimisten besteht darin, dass ihr Pessimismus die christliche Hoffnung außer acht lässt und daher nur die Verderbtheit der Sünder und den Modernismus vieler Kardinäle sieht.

Zwischen diesen beiden falschen Extremen liegt die gesunde, rationale Einschätzung, dass, menschlich gesprochen, dieses Konklave so ziemlich zu allem fähig ist, einschließlich der Wahl Margot Käßmanns, und gleichzeitig ein Konklave nicht bloß weltliches Wahlgeschehen ist, sondern in besonderer Weise göttliche Unterstützung genießt, so dass die Kardinäle durchaus über sich hinauswachsen können, wenn sie sich dieser Führung anvertrauen.

In diesem Sinne sollten wir mit der Katastrophe rechnen und trotzdem auf den Heiligen Geist, nicht auf weltliche Gerüchte über Allianzen und Mehrheiten, vertrauen.

Zudem sollten wir nicht aufhören, für einen starken Papst zu beten.

Herr, wir flehen Dich an: Schenke Deiner Kirche nicht den Papst, den sie verdient, sondern den Papst, den sie braucht.

Advertisements

Respondete!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s