Kommunionempfang für „Wiederverheiratete Geschiedene“

Beim Frischen Wind findet sich eine wunderbare Zusammenstellung von Links zu und Auszügen aus relevanten (Lehramts-)Texten, die sich mit der Frage beschäftigen, ob „Wiederverheiratete Geschiedene“ zur Kommunion zugelassen dürfen. Allen Lesern, die wissen wollen, was die Kirche zu dieser Frage genau lehrt, sei die gründliche Lektüre der dortigen Links empfohlen.

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Pius-Katechismus für Erwachsene

Die Piusbruderschaft ist, wie auch immer man zu ihre Haltung zu manchen seit dem Konzil umstrittenen Fragen beurteilen mag, in den grundsätzlichen Fragen des katholischen Glaubens grundsolide. Das gilt auch für den Erwachsenen-Katechismus, den sie auf der Internetseite ihres deutschen Distrikts seit einigen Monaten in unregelmäßigen Abständen zugänglich macht. Dabei handelt es sich um Audio-Aufzeichnungen eines Glaubenskurses für Erwachsene, wie er (meiner Meinung nach) sein sollte. Der katholische Glaube wird klar, systematisch und ohne jede Neuinterpretation im Lichte irgendwelcher angeblich neuer Einsichten aus Philosophie, Theologie und Gender Studies dargestellt, so dass der Zuhörer weiß, was die Kirche glaubt, und oft auch warum sie es glaubt.

Der Kurs ist vom Niveau her allgemeinverständlich, aber keinesfalls anspruchslos. Man kann gut folgen, auch wenn man nicht philosophisch vorgebildet ist, weil womöglich unbekannte Begriffe klar definiert und erklärt werden, statt sie einfach stillschweigend vorauszusetzen und zu hoffen, dass niemandem auffällt, dass keiner weiß, wovon eigentlich die Rede ist (ziemlich gängig bei modernen Theologen).

Alles in allem kann ich den Erwachsenen-Katechismus nur wärmstens allen empfehlen, die eine systematische Erklärung des katholischen Glaubens suchen. Vieles von dem, was ich mir mühselig und aus vielen verschiedenen Quellen selbst habe beibringen müssen, findet man hier zusammengefasst und erklärt.

Und jetzt die noch bessere Nachricht: Den Katechismus gibt es jetzt laut Angabe von pius.info nicht mehr „in unregelmäßigen Abständen“, sondern „jeden Montag“.

Schaden kann es nicht…

… auch wenn ich das Anliegen für völlig unrealistisch halte:

Es gibt eine Petition, die den Heiligen Vater bittet, die Messe auch einmal öffentlich im überlieferten tridentinischen Ritus zu zelebrieren – das Anliegen kann ich nur unterstützen. Vielleicht möchte ja der eine oder andere Leser seine Unterstützung auch in dieser Petition kundtun? Ich möchte dies empfehlen.

Es wäre ein sehr schönes und sehr wichtiges Symbol, wenn der Papst die angeblich ja wieder mit „Heimatrecht“ in der Kirche ausgestattete traditionelle Messe auch öffentlich zelebrieren würde.

„Soziale Gerechtigkeit“ als Irrweg

Alexander Kissler schreibt in gewohnt hoher Qualität im Vatican-Magazin über die „Innere Verzwergung“ des modernen Westmenschen. Der Artikel ist online einsehbar, und es lohnt sich wirklich ihn in Gänze zu lesen. Hier wie üblich einige (längere) Auszüge mit eingestreuten Kommentaren in roter Schrift von Catocon:

Manchmal ist alles furchtbar leicht, wollen alle das Beste, das wunderbarerweise Dasselbe ist (es ist dies die gutmenschliche Ursuppe), planetarische Glückseligkeit (die gefährlichste Idee seit der Schlange) breitet sich aus: Wer ist denn nicht für Nächstenliebe und Solidarität und gegen soziale Ungleichheit? Sahra Wagenknecht mag da ebenso wenig abseits stehen wie geschätzte 95 Prozent der hiesigen Bevölkerung. Weil dem so ist, warb die atheistische Kommunistin auf dem „Katholikentag“ des Zentralkomitees für eine engere Zusammenarbeit von Kirche und „Linkspartei“. Jeder, der die gesellschaftliche Gerechtigkeit stärken will, sei herzlich eingeladen, sich bei der „Linkspartei“ zu engagieren. (Aber was ist diese „gesellschaftliche“ oder „soziale“ Gerechtigkeit? Kissler zerlegt diesen Gedanken gleich.)
Jesus aber war nicht nur, wie das Buch eines evangelischen Theologen klarstellt, „kein Vegetarier“. Er war ebenso gewiss kein Kommunist. (Das könnte man aber aus der durchschnittlichen Verkündigung im evangelischen und selbst im katholischen Bereich nicht ersehen. Ich kann nur immer wieder bis zum Erbrechen auf Divini Redemptoris für das perfekte Gegenbeispiel verweisen.) Gerade wurde eine Streitschrift mit dem Titel „Jesus, der Kapitalist“ angekündigt. (Ein Kapitalist war Jesus aber auch nicht. Diese Kategorie existierte zur Zeiten des irdischen Lebens Jesu überhaupt gar nicht.) Der Unterschied zwischen den sozialistischen Gerechtigkeitsphantasien und dem christlichen Gerechtigkeitsimperativ ist gravierend. (Das ist richtig. Ebenso ist der Unterschied zwischen den kapitalistischen Effizienzphantasien und dem christlichen Gerechtigkeitsimperativ gravierend. Keine der einfachen, typisch modernen Ideologien vermag die Tiefe christlichen Denkens darzustellen. Deswegen ist die katholische Soziallehre auch weder kapitalistisch noch sozialistisch. Sowohl Kapitalismus als auch Sozialismus sind innerweltliche Ideologien.) Er passt in kein Weihrauchgefäß. Wenn Sozialisten und die vereinigte Sozialdemokratie aus SPD, CDU, Grünen von Gerechtigkeit reden und Solidarität, dann denken sie an den Staat. Er soll weiter wachsen, damit er Gerechtigkeit zuteile und Solidarität verwalte. Der feiste Hegemon – ein Garfield in Bürokratengestalt – soll den Bürger der Sorge um den Mitbürger entheben, indem er allen die Taschen leert. Vor Gott und dem Staat soll jedes Menschenwesen gleich bedürftig erscheinen. (Nicht „vor Gott und dem Staat“. Da unterstellt man eine Dualität, die so im wesentlich atheistischen Sozialdemokratismus nicht existiert. Gott wird geleugnet und deswegen rückt der Staat bei den Sozialisten an seine Stelle. Dasselbe machen Kapitalisten der Tendenz nach mit dem „Markt“.)
Biblisch ist das nicht, christlich nicht, katholisch nicht; wenngleich vom allgemeinen Staatstaumel längst führende Kreise der Kirche infiziert sind – die Diözese Rottenburg-Stuttgart (unter Bischof Fürst, dem Fürsten des Modernismus) und ihr Caritasverband etwa, die beide ins selbe Horn blasen, wenn sie das Betreuungsgeld ablehnen (sie sind halt modern. Heute kann man es von der Mutter nicht mehr verlangen, dass sie sich um ihre Kinder kümmert. Und vom Vater nicht mehr, dass er sich um seine Familie – inklusive Mutter und Kindern – kümmert. Schließlich herrscht die individuelle Autonomie, auch bekannt als „imperialer Egoismus“. Das Problem des Betreuungsgeldes ist, dass nur scheinbar Abhilfe schafft, solange es mit einer weit höheren staatlichen Förderung von Kinderverwahranstalten kombiniert wird.), die staatliche „Kleinkindbetreuung“ preisen, die „Kita“ selig sprechen und das elterliche Erziehungsrecht gering achten. (Genau das ist die christliche Alternative. Die ELTERN, nicht der STAAT, haben das erste und ursprüngliche Erziehungsrecht für ihre Kinder. Solange sie ihnen keinen schweren, nachweisbaren körperlichen Schaden zufügen, ist es die Sache der ELTERN, nicht des STAATES, für die Kinder zu sorgen.) „Der Ausbau der Betreuungsplätze für unter Dreijährige ist ohne Alternative“ , ließen Bistum und Caritas verlauten. (Falsch. Die Alternative wäre die christliche Soziallehre mit ihrer bei allen Modernisten unpopulären Lehre von der natürlichen Familie. Doch die verträgt sich leider nicht mit dem Karrierefetischismus des Feministen und der raubtierhaften Gier, die das Verhältnis des modernen Menschen zum Konsum so treffend beschreibt.) So redet, wer dem Staat neue Untertanen zutreiben will und der Gottesebenbildlichkeit des Menschen nicht so recht über den Weg traut. (Weil es nach Ansicht der Ideologie keinen Gott gibt. Und die „katholischen“ FunktionärInnen übernehmen die wesentlichen Teile dieser Ideologie unhinterfragt. Wo ist die Ideologiekritik, wenn wir sie brauchen?)
Was nämlich kam durch das Christentum einst in die Welt? Der Soziologe Franz Kromka erinnert an eine fast vergessene Wahrheit: „Im Gegensatz zu anderen Religionen rückt das Christentum das Individuum mit seiner unsterblichen und nach ihrem Heil strebenden Seele in den Mittelpunkt. (In gewisser Weise meint der Soziologe das Richtige. Das ist bei Soziologen schon selten genug. Doch eigentlich ist nicht das Individuum, das heißt der Einzelne, sofern er Einzelner ist, sondern die Person, das heißt der Einzelne, sofern er in Gemeinschaft mit anderen Personen ist, Zentrum der christlichen Lehre vom Menschen in der Gesellschaft. Die Heilsperspektive ist individuell, aber sie ist nicht, wie der moderne Individualist es vielleicht verstehen würde, unabhängig von anderen. Wir gehen in der kirchlichen Gemeinschaft als Einzelne auf das Heil zu, Doch vielleicht langweilen diese Distinktionen meine Leser – ich halte sie für wichtig, weil eine individualistische Lesart des Christentums ebenso falsch wäre wie die heute verbreitete kollektivistische Interpretation.) Die Person (genau. Die Person. Also der Einzelne insofern er in Gemeinschaft ist oder zumindest sein kann.) existiert vor dem Staat und der universale Gott mit seiner Gerechtigkeit und vor allem Barmherzigkeit über dem Staat.“ Die Gründerväter der sozialen Marktwirtschaft sahen genau aus diesem Grund Christentum, Freiheit und Markt schicksalshaft aufeinander bezogen. Für Wilhelm Röpke (ein selten vernünftiger Ökonom. Normalerweise ist Ökonomie keine Wissenschaft, sondern eine Plage. Doch Röpke ist eine seltene Ausnahme.) war bekanntlich der Mensch das Maß der Wirtschaft, das Maß des Menschen aber sein Verhältnis zu Gott. Wo diese Letztverankerung schwindet, so Röpke 1958, entstehe „die geistig-moralische Zwergwuchsrasse, die sich willig, ja freudig, weil erlöst, zum Rohstoff des modernen kollektivistisch-totalitären Massenstaats gebrauchen lässt.“(Dies ist die Schlüsseleinsicht zum Verständnis des modernen politisch-ökonomischen Systems.)
Totalitär wird man unsere bräsige Bundesrepublik nicht nennen wollen. (Was bedeutet denn „totalitär“? Es gibt sicher viele geistreiche Definitionen. Doch in meiner Erfahrung gibt es ein absolut sicheres Kriterium, an dem man freie von totalitären Gesellschaften unterscheiden kann: Totalitär ist eine Gesellschaft dann, wenn alles auf den Staat bezogen ist. Totalitarismus bedeutet in der Praxis: „Alles ist politisch.“ Egal was passiert, immer ist der Staat zuständig, immer handelt er, immer wird er als Retter in allen Lebenslagen behandelt. Totalitarismus bedeutet, dass der Staat als Gottersatz fungiert. Nach diesem Kriterium ist die BRD vielleicht noch nicht totalitär, aber in jedem Fall rapide auf dem Weg dahin. Ein Beispiel ist die Politisierung sportlicher Großereignisse. Ein anderes die Tendenz, dass alle Probleme durch staatliche Eingriffe gelöst werden sollen.) Die Freiheitsräume jedoch des Denkens und Entscheidens schwinden. (Was wohl auch an einem strukturell totalitären Bildungssystem liegt. Die staatlichen Schulen dienen faktisch eher der Indoktrination bzw. Initiation in eine antichristliche Kulturganzheit als der Bildung im eigentlichen Sinn des Wortes.) Die innere Verzwergung (der Individualist steht hilflos vor den komplexen Problemen der Welt und wird dadurch ganz klein. Die Person, eingebunden in die Bindungen von Familie, Gemeinde, Heimat, Vaterland und Kirche, vermag auf ein stärkendes Netzwerk zurückzugreifen, das dem Zugriff des modernen Wohlstandsnomaden aufgrund seiner hochgelobten Flexibilität – zu deutsch: Bindungsunfähigkeit – entzogen ist.) schreitet voran. Das Individuum gilt als Problem, weil es das reibungslose Funktionieren technischer oder staatlicher „Prozesse“ behindere. (Ich weise noch einmal auf die oben getroffene haarspalterische Unterscheidung zwischen Individuum und Person hin. Kissler meint das Richtige, doch er ist missverständlich. Viele werden dies lesen und sich denken, der Individualist sei die richtige Alternative zum Kollektivisten. Doch das ist nicht wahr. Der Individualist ist eine moderne Erfindung und hat mehr zum Entstehen des heutigen Kollektivismus beigetragen als jeder andere historische Charakter. Was den Individualisten fehlt ist die Rückbindung des Einzelnen an die schützenden und stützenden Gemeinschaften von Familie, Gemeinde, Heimat, Vaterland und Kirche, diese konzentrischen Kreise der charakterlichen Ausbildung.) Der Staat soll alles richten und richtet über den Menschen.Das Leben wird zum fortwährenden Tribunal. (Hier sieht man wieder die Vergötterung des Staates. Nicht mehr Gott ist der Richter, sondern der Staat.) Das freiwillige Geben hingegen, die konkrete Hilfe von Aug‘ zu Aug‘ schärfte Jesus seinen Jüngern ein. (In der katholischen Soziallehre ist Solidarität immer freiwillig. Solidarität hat nichts mit staatlicher Zwangsgewalt zu tun. Wenn man jemanden zwingt, dem Armen zu geben, dann übt er keine Solidarität, sondern bestenfalls Gehorsam gegen die legitime staatliche Autorität.)
Der Samariter beugte sich herab und wurde so zum Nächsten. Wäre er ein Deutscher unserer Tage, er hielte eine mitleidige Rede und gäbe dem Überfallenen den Ratschlag, sich doch an das nächste Staatskrankenhaus zu wenden. Auf dem Weg dorthin aber wäre er verblutet. (Aber er hätte wenigstens eine Krankenversicherung gehabt…!)

Alexander Kissler zerlegt den Mythos von der angeblichen Kompatibilität moderner Vorstellungen von „sozialer Gerechtigkeit“ mit der christlichen Soziallehre wie gewohnt gründlich und überzeugend. Das bedeutet nun nicht, dass jegliches staatliches Sozialsystem grundsätzlich abzulehnen wäre. Aber es bedeutet, dass die Moralkeule von Links nicht funktioniert. Man ist kein schlechter Christ, wenn man gegen mehr staatliche Einmischung im Sozialsystem ist.

Einen Schwachpunkt hat Kisslers Darstellung allerdings: Sie lobt immer wieder das Individuum als Alternative zum staatlichen Kollektiv. Im Laufe des Artikels wies ich immer wieder auf den Unterschied zwischen dem Menschen als Individuum und dem Menschen als Person hin. Spaemann macht diese Unterschiede an sehr vielen Stellen seiner Schriften sehr deutlich. Die Person ist immer schon Teil einer Gemeinschaft, in der sie ihnen bestimmten eigenen Platz hat. Die Person hat Wurzeln in der Vergangenheit, Bindungen in der Gegenwart und einen Platz in der Erinnerung seiner Nachkommen in der Zukunft. Der Mensch ist als Person Teil einer Gemeinschaft, die kein Kollektiv ist. Ein Kollektiv zeichnet sich durch die Anonymität seiner Mitglieder und ihre Austauschbarkeit aus. Da kein Mensch ganz allein durch die Welt geht, der Individualist aber die Bindungen der Person als „Fesseln“ abzustreifen wünscht, wird er Teil eines Kollektivs, das keine Gemeinschaft mehr ist.

Kissler meint vermutlich dasselbe wie ich, doch in seinem Beitrag kommt der Eindruck an, als ob der Individualist mit seinem kapitalistischen Markt die gewünschte Alternative zum Kollektivisten sei. In Wirklichkeit sind Individualismus und Kollektivismus nur scheinbar Gegensätze – sie bedingen einander. Der Individualist ist Teil eines Kollektivs und ein Kollektiv besteht aus unterdrückten, ins System eingezwängten Individualisten.

Frei ist der Mensch allein als Person, das heißt als Ebenbild Gottes in einer Gemeinschaft mit anderen Personen.

Trittsteine des Glaubens (Teil 3)

Dies ist der dritte Teil der kürzlich angekündigten Serie. Ich werde vorläufig zehn Bücher kurz vorstellen (und dadurch natürlich auch empfehlen), die mir bei meinem Weg vom Atheismus bis zum katholischen Glauben der Päpste und des Lehramts geholfen haben. Die Reihenfolge ist teilweise chronologisch nach dem Zeitpunkt, an dem ich auf die Bücher gestoßen bin, doch im Grunde eher willkürlich. Natürlich sind Einschätzungen und Auswahl subjektiv gefärbt.

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7. C.S. Lewis – The Great Divorce

Ein weiteres Buch von C.S. Lewis, wiederum im Dunstkreis von Himmel und Hölle. Es handelt von einem „Reisenden“, der aus einer schrecklichen, tristen Stadt auf einen Tagesausflug in eine idyllisch wirkende, lichte, doch bei näherer Betrachtung scheinbar unbewohnbare Landschaft geht. Es stellt sich heraus, dass jeder Reisende eingeladen ist, doch einfach zu bleiben, doch fast alle entscheiden sich dagegen. In einer Reihe von Gesprächen erfährt der Protagonist immer mehr über diese Landschaft, findet heraus, dass er sozusagen in der Scheidewand zwischen Himmel und Hölle steht, dass die Menschen in der tristen Stadt die Verdammten sind, die sich trotz ständiger Einladung weigern, die Reise in den Himmel zu unternehmen und dort zu bleiben. Das ganze Werk ist ein großes Gleichnis für das menschliche Leben auf Erden, das immer entweder auf dem Weg in den Himmel zur ewigen Schau des Angesichts Gottes, oder auf dem Weg in die Verdammnis sind. Es ist ein ungemein erhellendes Werk für einen ehrlichen Suchenden, der sich mit den Problemen befasst, die das christliche Weltbild aufwirft.

8. G.K. Chesterton – Orthodoxy

Wenn Mere Christianity das erste Buch war, das mich vermuten ließ, das Christentum können wirklich wahr sein, so war Orthodoxy, etwa zwei Jahre später erstmals von mir entdeckt, das erste Buch, das mich vom christlichen Glauben überzeugt hat. Chestertons unnachahmlicher Stil (Übersetzungen kenne ich keine, halte sie auch kaum für möglich, da dabei dieser Stil verloren geht) vermittelt nicht nur anschaulich die Wahrheit des christlichen Glaubens in groben Zügen, sondern weckt auch einen Enthusiasmus für ihn. Orthodoxy ist eines von den Büchern, die man immer wieder liest, weil sie einfach immer wieder faszinierend sind. Ein weiteres Meisterwek des 20. Jahrhunderts.

9. G.K. Chesterton – The Everlasting Man

Ein weiteres Buch von Chesterton, in dem er auf seine besondere Weise zwei Brüchen in der Geschichte der Welt nachgeht: Dem Sprung vom Tier zum Menschen und den Sprung vom Menschen zu Christus. Es geht Chesterton darum, dass der Mensch, wie auch immer es mit der Evolution seiner biologischen Anteile, d.h. seines Körpers, stehen mag, sich fundamental vom Tier unterscheidet, und zwar in einer Weise, die weder langsam durch evolutionäre Veränderungen noch irgendwie anders rein natürlich zu erklären ist. Und im zweiten Teil will er zeigen, dass der Mensch namens Jesus ebenfalls nicht als Mensch, nicht einmal als besonders guter Mensch, zu verstehen ist. Seine These: Wenn wir annehmen, dass der Mensch bloß ein weiteres Tier ist, gelangen wir zu völlig verrückten Schlussfolgerungen, die weniger wahrscheinlich sind, als wenn wir eine übernatürliche Erklärung annehmen. Und ebenso verfährt er mit Jesus: Nehmen wir ihn bloß als Menschen, verstricken wir uns in absolut unglaubliche Vorstellungen, die, wenn wir sie durchdenken, darin resultieren, dass die Hypothese „Jesus ist bloß Mensch“ nicht ausreichend ist. Im letzten Kapitel deutet er ein ähnliches Verfahren noch für die Institution Kirche an, die eigentlich, nach menschlichem Ermessen, schon längst hätte untergehen müssen, aber irgendwie immer wieder auflebt, wenn man sie schon für tot erklären möchte. The Everlasting Man ist Chestertons zweites großes „theologisches“ Meisterwerk und kann gar nicht genug empfohlen werden.

10. Mark Shea – By What Authority?

Mark Shea, ein katholischer Blogger und Konvertit aus den Vereinigten Staaten, hat neben unzähligen witzigen, allgemeinverständlichen und doch sehr informativen apologetischen Artikeln zum christlichen und katholischen Glauben und viele andere Themen, auch ein Buch über die Frage nach der Autorität der Kirche geschrieben. Wenn ich einem ernsthaften, gläubigen Protestanten ein einziges Buch empfehlen sollte, dann wäre es dieses. Shea, selbst ein ehemaliger (evangelikaler) Protestant, war immer fest von „sola scriptura“ überzeugt und hielt den Papst und das katholische Lehramt für überflüssige, nachträgliche Hinzufügungen zum reinen christlichen Glauben. Als er jedoch den ernsthaften Versuch unternahm, seinen Glauben gegen die Anwürfe von Nichtgläubigen, entmythologisierenden Theologen und radikalen historisch-kritischen Bibelfledderern zu verteidigen, geriet er ins Zweifeln. Denn seine Argumente basierten alle auf der Bibel, doch woher stammt die Bibel? Über die Frage nach dem Kanon des Neuen Testaments gelangt er zu der Einsicht, dass er sie einzig der bindenden Festlegung der Kirche verdankt, dass also die Bibel auf dem unfehlbaren Lehramt der Kirche beruht, und also ohne dieses Lehramt kein sicheres Fundament des christlichen Glaubens zu bieten vermag. Doch wenn man das Lehramt der Kirche annimmt, muss man auch das annehmen, was es lehrt. Und also, nach langem Zögern und Zaudern, gelangt Shea zur katholischen Kirche.

Als ich dieses Buch erstmals las, war ich fest vom Christentum überzeugt, doch welcher Kirche sollte ich beitreten? Ich war als Kind evangelisch getauft worden, und daher lag der Protestantismus nahe. Dieses Buch präsentiert schlüssige Argumente, warum der Protestantismus nicht wahr sein kann.

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Hiermit endet meine kurze Vorstellung von zehn Büchern, die mir auf dem Weg zum katholischen Glauben geholfen haben. Natürlich könnte ich noch mindestens zehn bis zwanzig weitere (wahrscheinlich noch mehr) erwähnen, und selbstverständlich sind Bibel, Katechismus und lehramtliche Dokumente sehr wichtig für mich geworden, nachdem ich einmal den christlichen Glauben akzeptiert hatte. Ich hoffe, dass diese Empfehlungen hilfreich sind. Wenn ich Zeit habe, wird noch ein Teil über Internetseiten folgen.

Trittsteine des Glaubens (Teil 2)

Dies ist der zweite Teil der kürzlich angekündigten Serie. Ich werde vorläufig zehn Bücher kurz vorstellen (und dadurch natürlich auch empfehlen), die mir bei meinem Weg vom Atheismus bis zum katholischen Glauben der Päpste und des Lehramts geholfen haben. Die Reihenfolge ist teilweise chronologisch nach dem Zeitpunkt, an dem ich auf die Bücher gestoßen bin, doch im Grunde eher willkürlich. Natürlich sind Einschätzungen und Auswahl subjektiv gefärbt.

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3. C.S. Lewis – The Abolition of Man (dt. Die Abschaffung des Menschen)

C.S. Lewis wird den meisten Lesern ein Begriff sein. Die drei Vorlesungen, die in diesem Buch gesammelt sind, stellen zusammen ein absolutes Meisterwerk des 20. Jahrhunderts dar. Lewis geht von einem ganz unschuldigen Beispiel in einem britischen Schulbuch seiner Zeit aus, und analysiert von daher das Grundübel der heutigen Philosophie heraus. Es geht generell um die Ablehnung objektiver, bindender, absoluter moralischer Wahrheiten (Lewis nennt sie das „Tao“). Er zeigt in einem Anhang auf, dass sich die moralischen Vorstellungen der menschlichen Hochkulturen aller Teile der Welt kaum voneinander unterscheiden, und ihnen ein wirkliches gemeinsames Gesetz zugrunde liegt. Dass das „Tao“ in der Praxis nicht befolgt wird, ist eine Binsenweisheit. Doch dass es auch theoretisch geleugnet wird, nicht nur von einigen wirren Philosophen, sondern auf breiter Front, ist eine Innovation der Moderne. Wohin es führt, wenn man das „Tao“, oder auch nur ein Teil desselben, einfach ignoriert oder nach seinem eigenen Willen zu verändern versucht, zeigt Lewis ebenfalls. Alles in allem wiederum kein explizit christliches Buch, aber eine sehr hilfreiche Vorbereitung auf das Christentum. Als ich es erstmals las, war ich bereits zu dem Schluss gelangt, dass das Christentum wahrscheinlich der Wahrheit entsprach, und dieses Buch bestärkte mich darin.

4. C.S. Lewis – Mere Christianity (dt. Pardon, ich bin Christ)

Endlich einmal ein Buch, das nicht nur von einem Christen geschrieben ist, sondern das auch noch vom Christentum handelt. (Der Titel der deutschen Übersetzung ist vollkommen missraten, und die Qualität der Übersetzung, die ich inzwischen teilweise gelesen habe, lässt auch eher zu wünschen übrig. Es empfiehlt sich die Lektüre des Originals.) Für mich ist dies in etwa das wichtigste Buch, das ich je gelesen habe. Als ich etwa im Jahr 2007 durch verschiedene Überlegungen und Erfahrungen mit dem atheistischen Denken, gleich ob von „links“ oder von „rechts“, mit allen möglichen Ideologien unzufrieden war, und sehr viele moralische Ideen des Christentums als nützlich und plausibel ansah, stieß ich durch Zufall auf einer englischen Internetseite, auf der eine protestantische Version des Christentums vertreten wurde, auf einen Link zum Text dieses Buchs. Ich begann zu lesen und als es am nächsten Morgen hell wurde, hatte ich das Buch durch. Lewis stellt den christlichen Glauben nicht vollständig dar, und er vermag auch nicht alle Fragen zu beantworten, aber was er darstellt, eine Art sachlich und rational begründetes Grundgerüst christlicher Glaubensinhalte, ist sehr überzeugend. Nach der Lektüre dieses Buchs stelle ich mir zum ersten Mal in meinem Leben die Frage, ob diese Geschichte wirklich wahr sein könnte. Nicht nur schön oder nützlich, sondern den Tatsachen entsprechend.

Es beantwortete diese Frage nicht, aber es machte mich zu einem echten Suchenden, zu jemandem, der wirklich wissen wollte, ob das Christentum wahr oder falsch war. Ich kann es gar nicht genug empfehlen.

5. C.S. Lewis – The Problem of Pain

Eines der größten Probleme, mit denen sich christliche Denker immer beschäftigt haben, ist das Problem des Bösen. Christen behaupten, Gott sei gut und allmächtig. Es gibt aber Böses in der Welt. Entweder Gott ist allmächtig, dann kann er nicht gut sein, weil er Böses zulässt, oder Gott ist gut, dann aber nicht allmächtig, wiederum weil er Böses zulässt. Für viele Atheisten und Zweifler ist dies ein sehr großes Problem. Auch ich rang mit dieser Frage, als ich erstmals ernsthaft überlegte, ob das Christentum wahr sein könnte. In diesem Buch findet sich die beste zusammenfassende und doch relativ allgemeinverständliche Darstellung zu dem Thema, die ich kenne. Lewis begründet überzeugend, warum Gott das Böse zulässt, obwohl er gut und allmächtig ist, und begründet auch, warum wir manchmal nicht verstehen können, warum Gott dieses oder jenes Übel nicht verhindert. Ein weiteres sehr bedeutendes Buch für jeden Suchenden.

6. C.S. Lewis – The Screwtape Letters

Wo wir gerade bei Lewis sind, nenne ich noch eine weitere Schrift. Screwtape, ein Teufel in der mittleren Verwaltung der Höllenhierarchie, schreibt Briefe an einen jungen Verführer, dessen Aufgabe darin besteht, die Seele eines ganz normalen Briten in die Hölle zu führen. Diese Ausgangslage dient als Hintergrund für ein sehr informatives und unterhaltsames Gedankenspiel, das aus der verkehrten Perspektive resultiert. Was Screwtape lobt, sollte der Mensch meiden, und was er kritisiert, kann so schlecht nicht sein. Die in dem Werk hervortretende Weltsicht ist die eines ewigen geistlichen Kampfes zwischen Gott und dem Teufel um die Seelen der Menschen, in dem der Teufel den Menschen zu seinem eigenen Nutzen verführt, ihn belügt und betrügt. Als ich dieses Buch las, war ich noch kein überzeugter Christ, aber dieses Weltbild schien mir äußerst plausibel, weil es eine große Menge alltäglicher Erfahrungstatsachen zu erklären vermag. Aufgrund der satirischen „Verpackung“ wirkt es auch nicht abstoßend, sondern eher unterhaltsam, auf Leser, die die religiösen Prämissen des Buches nicht teilen, was es fast schon zu einem katechetischen Werkzeug machen könnte, wenn man es richtig zu gebrauchen versteht.

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Soweit der zweite Teil dieser kleinen Empfehlungsreihe.

Trittsteine des Glaubens (Teil 1)

Dies ist der erste Teil der kürzlich angekündigten Serie. Ich werde vorläufig zehn Bücher kurz vorstellen (und dadurch natürlich auch empfehlen), die mir bei meinem Weg vom Atheismus bis zum katholischen Glauben der Päpste und des Lehramts geholfen haben. Die Reihenfolge ist teilweise chronologisch nach dem Zeitpunkt, an dem ich auf die Bücher gestoßen bin, doch im Grunde eher willkürlich. Natürlich sind Einschätzungen und Auswahl subjektiv gefärbt.

Später wird dann noch ein Teil über Internetseiten folgen, doch schon die zehn Bücher machen drei Artikel aus, von denen hier der erste folgt:

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1. J.R.R. Tolkien – The Lord of the Rings (dt.: Der Herr der Ringe)

Was soll dieses Buch auf einer Liste hilfreicher Bücher auf dem Weg zum christlichen Glauben? Tolkien selbst war so tief durchdrungen von seinem christlichen und katholischen Glauben, dass sich diese Durchdrungenheit auf alle seine Werke, und besonders auf dieses Monumentalwerk erstreckt hat. Das Buch selbst kommt zwar nicht christlich daher, und das Christentum taucht gar nicht auf, doch an jeder Ecke begegnet dem aufmerksamen Leser eine zutiefst christliche Sicht von Konzepten wie Hoffnung, Vertrauen, der Welt und der Geschichte als bedeutsame Erzählung oder „Abenteuer“, ein sehr christliches Verständnis von Heldentum (Opfer für den Anderen) und vieles mehr. Dies, verbunden mit der hervorragenden literarischen Umsetzung, macht das Buch zu einer Art intuitiver Einführung in das Christentum: Es vermittelt keine Dogmen und es predigt nicht, aber es vermittelt eine stark christlich geprägte Lebenseinstellung.

Ich lehne mich nicht zu weit aus dem Fenster, wenn ich behaupte, dass ich durch die Lektüre dieses Buches erstmals bemerkt habe, dass dem Leben eines Atheisten, das ich bisher geführt hatte, etwas ganz Fundamentales fehlte. Denn die erwähnten literarisch verarbeiteten Konzepte, auf denen die ganze Anziehungskraft eines solchen Werkes basiert, ergeben im Rahmen einer atheistischen, materialistischen Weltsicht einfach keinen Sinn. Weil es für mich persönlich auf dem Weg sehr wichtig war, und es die erwähnten Qualitäten besitzt, kommt es hier in die Liste, obgleich es kein „christliches“ Buch ist. Aber wir brauchen auch nicht „christliche Bücher“ (Bücher über das Christentum), sondern „christliche Autoren“ (Bücher von Christen über alles mögliche, in denen die spezifisch christliche Weltsicht ganz selbstverständlich, geradezu beiläufig, vermittelt wird).

2. Theodore Dalrymple (Pseudonym) – Our Culture, What’s Left of It

Ein weiteres nicht-christliches Buch, diesmal sogar von einem nicht-christlichen (agnostischen) Autor, der jedoch, ohne es selbst so recht zu merken, den Boden für das Christentum bereitet. Er schreibt gar nicht über Religion, und nicht einmal direkt über Moral, sondern über den Verfall der westlichen Kultur, über Verrohung der Sitten und Gleichgültigkeit gegenüber Werten aller Art. Als weitgereister, kultivierter, belesener Mann, der viele Jahre lang in England als Gefängnisarzt in einem „Problemviertel“ gearbeitet hat, verfügt er über einen reichen Erfahrungsschatz, aus dem er für seine Einsichten schöpft. In einer großen Zahl kleinerer Aufsätze beschreibt er die Probleme unserer Zeit und die irregeleiteten Versuche, sie durch staatliche Eingriffe und Vorschriften zu lösen. Für Dalrymple ist der Wohlfahrtsstaat an vielem schuld und gehört weitgehend abgeschafft. Doch er erkennt, anders als viele andere Gegner sozialdemokratischer Ansichten, dass die Lösung nicht einfach in „mehr Markt und weniger Staat“ liegt, weil auch eine reine Marktwirtschaft noch immer mit den Herzen der Menschen zu tun hätte, die eben nicht gut und rein sind. Dalrymple kennt das Konzept der „Erbsünde“, obgleich er es als Ungläubiger ablehnt. Er spricht von der „allegorischen Wahrheit“ der „Doktrin der Erbsünde“, nämlich dass das Böse immer im Herzen der Menschen wohnt. Für ihn gibt es keine Lösung, er verkündet keine frohe, sondern eher eine bittere Botschaft und ruft durchweg zur Verteidigung der westlichen Kultur auf, die er als Bollwerk gegen die Barbarei sieht, das von Barbaren nicht bloß vor den Toren, sondern besonders im Innern der Festung bedroht sieht.

Die Lektüre dieses Buches hat mich persönlich davon überzeugt, dass das Böse tatsächlich praktische Realität ist, die weder durch staatliche, noch durch marktliche Reformen oder irgendeinen „Fortschritt“ jemals beseitigt werden kann (bzw. diese Einsicht gestärkt). Ferner kann man zu der Erkenntnis gelangen, dass die westliche Kultur, die nun einmal unausweichlich auch eine christliche Kultur ist, unbedingt bewahrenswert ist. Es ist daher ein unbewusster Beitrag eines Agnostikers, durch den dem Evangelium der Weg bereitet wird, denn das Evangelium ergibt keinen Sinn, wenn man nicht vorher die verzweifelte Lage erkannt hat, in der die Menschen sich durch ihre Sünden begeben haben.

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Soweit der erste Teil dieser Empfehlungsreihe.

Ankündigung einer kleinen Serie

Ich habe eine Idee, doch dazu möchte ich erst einmal etwas ausholen und etwas zum Hintergrund sagen:

Am letzten Sonntag wurde mir in der Kirche plötzlich bewusst, dass dies der erste Palmsonntag seit meinem Übertritt zur katholischen Kirche war. Natürlich war mir das theoretisch auch vorher schon bekannt – doch so richtig bewusst gemacht hatte ich es mir vorher noch nicht. Und doch kommt mir vieles schon so vertraut vor, als ob ich nie etwas anderes gemacht hätte. Obwohl Zeit sonst immer sehr schnell vergeht, habe ich nicht das Gefühl erst seit gut 11 Monaten katholisch zu sein und vor 18 Monaten erstmals eine katholische Messe besucht zu haben.

An verschiedenen praktischen Schwierigkeiten merke ich natürlich immer noch, dass ich sozusagen ein „Anfänger“ bin. Die „Veteranen“ des Glaubens, die fast jedes Kirchenlied auswendig können, das schon länger als drei Jahre gesungen wird, höre ich jede Woche. Ich finde das beeindruckend. Man unterstellt mir zwar zuweilen ein gutes Gedächtnis, doch ich glaube, ich könnte noch 100 Jahre katholisch sein, ohne die Gesangbücher auswendig absingen zu können. Bis auf das Vaterunser, das Glaubensbekenntnis und an guten Tagen das Confiteor bin ich auf die in der Kirche reichlich ausliegenden „Spickzettel“ angewiesen. Das wird mir besonders an Tagen wie dem Palmsonntag bewusst. Die Liturgie beginnt draußen, und es gibt keine „Spickzettel“. Die Gemeinde singt aus vollem Hals mit und ich höre dem nicht immer glockenreinen Gesang zu.

Andererseits fühle ich mich nicht überall wie ein Anfänger. Entsetzt stelle ich immer wieder fest, wie wenig die meisten Gläubigen, selbst diejenigen, die sich in der Kirche sehen lassen, über den Glauben wissen. So etwas ist fatal, wenn man sich nicht blind auf die Kirche verlässt, sondern zu allen Fragen, wie heute üblich, seine eigene Meinung haben will. In Gesprächen mit Gläubigen meiner Heimatgemeinde stelle ich fest, dass man sich generell gar keine Gedanken über den Glauben macht. Man ist katholisch, weil man das immer war. Konsequenzen zieht man daraus keine – dazu weiß man gar nicht genug. Und man lernt es auch nicht, weil die Predigten nicht besonders erhellend, sondern mehr aufs Wohlfühlen ausgelegt sind, und auch sonst keine ernsthafte Glaubensvermittlung stattfindet. Selbst die zerredete Liturgie, in der sich alle fünf Minuten jemand berufen fühlt, aus dem Ritus auszubrechen, um irgendeine gutgemeinte Erklärung anzufügen, spricht nicht vom katholischen Glauben, sondern nur von der Kreativität der Gemeinde. Eine gute Liturgie spricht wortlos vom Glauben. Sie kommt ohne langwierige Erklärungen aus, weil die Sprache ihrer Zeichen mehr sagt als tausend Worte. Aber das nur am Rande.

Manche Sachen sind für mich inzwischen selbstverständlich geworden – die Kniebeuge, das Weihwasser, das Kreuzzeichen und die drei kleinen Kreuzzeichen zum Evangelium (die mir am Anfang immer extrem seltsam vorgekommen sind…) Andere Sachen sind zwar in der Theorie selbstverständlich, in der Praxis aber ziemlich schwer. An erster Stelle liegt dabei der Vorsatz, doch endlich das Sündigen sein zu lassen. Theoretisch ganz leicht, aber praktisch schwer. Vor allem, da das Gewissen immer mehr von einem Menschen fordert, wenn er es wirklich zu befolgen versucht. Das Gewissen kann abstumpfen, und dann schlägt es kaum noch Alarm. Doch wenn man sein Gewissen systematisch zu bilden und zu schärfen versucht, dann nimmt es an Empfindlichkeit und Feinfühligkeit zu. Auch die Bemühungen zur Schärfung des Gewissens, die regelmäßige (nicht selten auch vergessene…) Gewissensbeschau, und die Beichte sind inzwischen normal geworden. Sie sind nicht mehr seltsam. Seltsam ist nur, dass sie kaum genutzt werden.

Wenn ich aber, um nicht endlos weiterzuschwafeln, auf das letzte Jahr zurückblicke, dann steht über allen guten und schlechten Erfahrungen, von denen es reichlich gab, über allem, was einmal seltsam war und jetzt selbstverständlich ist, ein Eindruck oder eine Empfindung, die alles überstrahlt, nämlich die Dankbarkeit. Einmal die Dankbarkeit gegenüber Gott für die Kirche, für die Gnaden, die er über mich auszuschütten bereit ist, obwohl ich sie nicht verdient habe. Aber ebenso auch die Dankbarkeit gegenüber den Menschen, die durch ihr Handeln dazu beigetragen haben, dass ich auf die Schätze, die sich in der Kirche verbergen, und die Wahrheit, die in ihnen liegt, überhaupt erst aufmerksam geworden bin, und sie nicht länger einfach so verurteilt oder als absurd abgetan habe. Und damit kommen wir endlich zu meiner Idee… (Was lange währt wird endlich fertig!)

Da sich meine Bekehrung nicht von einem Tag auf den anderen vollzogen hat, sondern ein langer Prozess über mehrere Jahre war, und zumindest in ihrer frühen Phase fast ausschließlich über das Internet und später mehr und mehr durch Bücher geschehen ist, möchte ich in den nächsten Tagen bis Ostern (und wenn ich dann noch nicht fertig bin, auch darüber hinaus) eine Serie veröffentlichen, in der ich eine kleine Auswahl der Bücher und Internetseiten kurz vorstelle, die mir auf meinem Weg zum katholischen Glauben geholfen haben, in der Hoffnung, dass andere vielleicht einen ähnlichen Nutzen aus ihnen ziehen können.