Vom Martyrium und dem ersten Karfreitag

Matthew Archbold und sein Bruder Patrick entwickeln sich für mich immer mehr zu einer täglichen Pflichtlektüre, sowohl was ihren gemeinsamen Blog als auch ihre Kolumne im National Catholic Register betrifft. Aktuell befindet sich dort ein ernüchternder Artikel über die Aussichten katholischer Eltern und ihrer Kinder in der nahen Zukunft. Ein kurzer Auszug (es lohnt sich aber, den ganzen Artikel zu lesen):

I was looking at my children in Mass yesterday and a horrifying thought occurred to me. If I do my job well as a parent, my children may end up persecuted and/or in jail. That may be the best I can hope for at this point in 21st century America.

(…)

I’m not talking about troubled times ahead for my grandchildren’s children in some possible future. I’m talking about my kids. So revolutionary have been the recent changes in America that defending life, liberty, and the pursuit of holiness could very well lead to persecution in the very near future.

(Gestern schaute ich meine Kinder bei der Messe an und mir kam ein schrecklicher Gedanke. Wenn ich meine Aufgabe als Elternteil gut erfülle, könnten meine Kinder dereinst verfolgt werden oder im Gefängnis landen. Das könnte das beste sein, worauf ich im Amerika des 21. Jahrhunderts hoffen kann.

(…)

Ich spreche nicht über schwere Zeiten in irgendeiner möglichen Zukunft für die Kinder meiner Enkelkinder. Ich spreche über meine Kinder. So revolutionär waren die Veränderungen in letzter Zeit, so dass die Verteidigung des Lebens und der Freiheit und das Streben nach Heiligkeit sehr wohl in sehr naher Zukunft zur Verfolgung führen könnten.

Ernüchternd, aber wahr, nicht nur in Amerika, sondern auch in Europa. Einige der Gründe, die für diese – manchen hysterisch-optimistischen Zeitgenossen allzu extrem erscheinende – These sprechen, zählt der Autor in seinem Artikel auf. Systematisch wird der Freiheit der Christen das Wasser abgegraben, auch wenn viele der unmittelbaren Handlungsträger der fraglichen Veränderungen dies nicht realisieren, und sicher aus guter Absicht handeln.

Es ist eine Tatsache, dass Kirche und Staat noch nie lange friedlich nebeneinander bestanden haben, ohne voneinander Notiz zu nehmen. Es gibt eben keine „staatliche Neutralität in Fragen der Religion“, es sei denn wir sprechen von einem völlig unrealistischen Nachtwächterstaat, der einige seiner eigentlich ihm zukommenden Aufgaben nicht mehr erfüllt. Wenn der Staat seine legitimen Aufgaben erfüllen will, dann muss er in Bereichen aktiv werden, in denen auch das ausgebildete christliche Gewissen bzw. die Kirche legitime Interessen haben.

Wenn sie dann nicht zusammenarbeiten, kommt es unweigerlich zum Machtkampf zwischen Staat und Kirche.

Die einzigen Alternativen lauten also Zusammenarbeit oder Machtkampf, und wie der Machtkampf in einer säkularisierten Gesellschaft ausgehen wird, steht außer jeder sinnvollen Diskussion. Vor allem, da die Kirche, angeführt von popularitätssüchtigen Hirten, denen es selten um Wahrheit, viel häufiger um Mehrheit zu tun ist, in diesen Machtkampf kaum einzutreten bereit ist. Aufgrund der Massendesertion der zur Verteidigung der Kirche, ihrer Freiheit und ihrer unverkürzten Lehre bestellten Hirten steht die Kirche wehrlos vor einem immer raumgreifenderen Staat, der kaum noch bereit ist, seinen traditionell katholischen Bürgern selbst liberal verstandene Freiheitsrechte einzuräumen, wenn sie nicht im Gegenzug weite Teile der antichristlichen Staatsideologie – wie das „Recht“ auf Verhütung, Homo-„Ehe“, Abtreibung, Scheidung, Gender Mainstreaming etc. – übernehmen.

Rational betrachtet gibt es nur drei Modelle für die Koexistenz von Kirche und Staat: Verfolgung, Zusammenarbeit oder ein System, das an die „Zweischwerterlehre“ erinnert, derzufolge der geistliche und der weltliche Arm letztlich nur zwei verschiedene Schwerter in der Hand der Kirche seien. Letztere ist nur in einer zutiefst christlichen Gesellschaft über längere Zeit umzusetzen, und zwar selbst in nichtdemokratischen Systemen, weil keine Staatsform dauerhaft gegen den Willen der überwältigenden Volksmasse regieren kann. Außerdem ist ihre (moralische) Zulässigkeit selbst in einer solchen Gesellschaft zweifelhaft, da eine genuine staatliche Autonomie in rein weltlichen Fragen bestehen bleiben sollte.

Sehen wir also von der unrealistischen und zweifelhaften Zweischwerterlehre ab, so bleibt nur die Alternative „Kooperation oder Verfolgung“. Doch wenn der Staat von der Kirche oder ihren Gläubigen gesetzlich den Bruch ihres Gewissens bzw. der Lehre der Kirche zu Fragen des Glaubens oder der Sittenlehre verlangt, wird die Kooperation unmöglich und der Staat verliert objektiv seine Legitimität.

Er wird in der Regel weiterhin faktisch hingenommen werden müssen – Revolutionen scheitern meistens, und selbst wenn sie erfolgreich sind, verkehren sie sich fast immer in ihr Gegenteil. Es ist daher sinnlos und in der Regel verwerflich, sich an ihnen zu beteiligen.

Verlangt der Staat solches von den Christen, so müssen sie dem imperialen Willen trotzen. Caesar bekommt, was ihm zusteht, aber es steht ihm nicht zu, auf dem Gewissen der Christen herumzutrampeln, indem er von den Christen verlangt, gegen die Sittenlehre oder den Glauben zu handeln.

Genau dies sind die westlichen, ehemals christlichen Staaten aber flächendeckend im Begriff zu verlangen. Und so mag es sein, dass, nach den Worten von Kardinal George, sein Nachfolger im Gefängnis und dessen Nachfolger als Martyrer sterben werde.

Dass Christen darauf in der Nachfolge des Herrn gefasst sein müssen, steht unbezweifelbar fest, seit dem ersten Karfreitag der Menschheitsgeschichte, als die Sklaven der Welt und ihres Fürsten ihren Schöpfer dahingeschlachtet haben.

Seit einem halben Jahrhundert verschließt die Kirche davor ihre Augen, um sich der Welt und ihrem Fürsten anzupassen. Die Quittung bekommen wir bald.

Der Götzendienst der Wissenschaft (Teil 7 von 7)

7. Luzifer und das Paradies auf Erden

Es ist ein bleibendes Kennzeichen aller modernen politischen Ideologien, dass sie immer nach dem letztlich „wissenschaftlich“ zu planenden utopischen, perfekten Gemeinwesen Ausschau halten. Sie streben nach dem Paradies auf Erden. Was heißt es, nach dem Paradies auf Erden zu streben? Es bedeutet, sich entschlossen von jenem anderen Paradies loszusagen. Das Paradies, oder der Himmel, soll hier und jetzt verwirklicht werden, nicht erst im nächsten Leben, sondern in diesem Leben, mit den Mitteln der modernen Wissenschaft und der Technik. Das ist das oberste und wichtigste Ziel, das um jeden Preis erreicht werden soll. An die Stelle kindlichen Vertrauens auf Gott und seine Vorsehung tritt (bei der breiten Masse) der kindliche Glaube an den Wissenschaftler und seine Technokratie, und (beim „Wissenschaftler“) die Hybris, die den Menschen dazu verführt, sich für Gott zu halten.

Denn darum geht es in letzter Konsequenz: Der Mensch möchte das Paradies, den Himmel, die Erlösung, die ewige Seligkeit, die der Herr ihm anbietet, nicht annehmen. Er will etwas Eigenes schaffen; er will unabhängig, selbständig, frei von Gott, frei von der Ordnung seiner Schöpfung, frei von moralischen Beschränkungen sein. Er will tun was er will. Er will hier auf Erden auf ewig in Frieden leben und glaubt, das würde ihn glücklich machen. Kurzum: Er verweigert Gott die Gefolgschaft, den Gehorsam. Er rebelliert.

Damit schließt er sich faktisch dem ultimativen Rebellen an, der bereits vor langer Zeit gegen Gott und seine Schöpfungsordnung rebelliert hat, weil er den Gehorsam, den er Gott schuldig war, nicht leisten wollte. Er wollte doch nur frei, autonom, selbstbestimmt sein und sich nichts vorschreiben lassen. Er wollte sich emanzipieren. Der Name dieses Engels, der alle diese Ideale der Moderne verkörpert, ist Luzifer.

Saul Alinsky hat sein bekanntestes Buch, Rules for Radicals, genau diesem Luzifer aus genau diesem Grund gewidmet. Alinsky, dessen Ideen prägend für den „Community Organizer“ und heutigen US-Präsidenten Barack Obama waren, schrieb dort:

Lest we forget at least an over-the-shoulder acknowledgment to the very first radical: from all our legends, mythology, and history (and who is to know where mythology leaves off and history begins — or which is which), the first radical known to man who rebelled against the establishment and did it so effectively that he at least won his own kingdom — Lucifer“ („Bevor wir es vergessen zumindest eine beiläufige Anerkennung des allerersten Radikalen: Aus allen unseren Legenden, Mythen und der Geschichte (und wer weiß, wo Mythologie endet und Geschichte beginnt, oder was was ist), ist der erste dem Menschen bekannte Radikale, der gegen das Establishment rebelliert hat, und so effektiv war, dass er zumindest sein eigenes Königreich bekommen hat – Luzifer“)

Luzifer steht, wie keine zweite Gestalt der christlichen Geschichte authentisch für Emanzipation, Befreiung, Rebellion, Autonomie und Selbstbestimmung gegenüber den von Gott gesetzten Schöpfungsordnungen und gegenüber Gott selbst. Er ist damit der „Schutz-Unheilige“ der Moderne und ihrer technokratischen Planer ebenso wie der ihnen nur scheinbar entgegengesetzten selbsternannten linken Rebellen, die bloß eine andere Utopie wollen.

Da der Mensch keine natürliche Allmacht besitzt, muss er, der sich gegen Gott erhoben hat, künstliche Mittel verwenden, um seine paradiesische Utopie hier auf dieser Erde errichten zu können. Sein Hilfsmittel ist die wissenschaftlich fundierte Technik. (Bacon, einer der geistigen Gründerväter der Moderne, vertrat die Ansicht, dass der Zweck der Wissenschaft einfach Macht über die Natur sei. Der Spruch „Wissen ist Macht“ stammt aus dieser Denktradition, auch wenn er sich, soweit ich weiß, nicht wörtlich bei Bacon findet.) In diesem Sinne spielt auch die Naturwissenschaft bei dem Werk der Rebellion gegen Gott eine wichtige Rolle, nämlich als Werkzeug bei der Errichtung des Paradieses auf Erden. Sie liefert das Wissen, das Macht ist.

Mit Naturwissenschaft und Technik als Mittel geht die globale Elite mit der utopischen Agenda diverser nur scheinbar entgegengesetzter Ideologien als Zielvorstellung an die Errichtung eines irdischen Paradieses, dessen Werte sich zeitbedingt in gewissem Maße ändern können, dessen fundamentale Opposition zur Schöpfungsordnung und zum Schöpfer aber immer gleichermaßen prägend bleibt. Das Mittel der scheinbar „wissenschaftlichen“ Studien und Erkenntnisse wird dabei zur Überzeugung oder Beruhigung der breiten Mehrheit, deren mindestens widerwillige Duldung derzeit erforderlich ist, solange Demokratie noch formal existiert, verwendet.

Und die globale Elite hat Erfolg. Ich glaube nicht, dass es eine große Konspiration gibt. Das ist auch gar nicht notwendig. Die gemeinsame Ablehnung des Schöpfers und seiner Schöpfungsordnung, sowie die daraus resultierende Anhänglichkeit an denselben ersten Rebellen, von dem Alinsky sprach, garantieren, dass die Aktivitäten der Elite letztlich zusammenpassen werden, um das gewünschte Paradies auf Erden herbeizuführen. (Es wird freilich kein Paradies sein, sondern eine Hölle.) Der Erste Rebell, das erklärte oder unerklärte Vorbild der Moderne, Luzifer, versteht sich auf die Durchführung komplexer Pläne so gut wie keine zweite geschaffene Intelligenz. Es wird dafür Sorge getragen, dass allein die rationale Verfolgung ihrer ökonomischen Interessen und ein vager gesellschaftlicher Konformitätsdruck innerhalb der globalen Elite in fast allen Individuen, die der Elite angehören, dort die notwendigen Haltungen und Handlungen herbeiführen wird.

So hat der Götzendienst der „Wissenschaft“ letztlich auch wieder seine Rolle in einem größeren Ganzen, nämlich der Umsetzung des Wunschtraums der Moderne, der schon der Wunschtraum Luzifers und der Grund für den Sündenfall des Menschen war: Die Schaffung eines Paradieses, in dem der Mensch wie Gott ist, in dem er der Schöpfer ist, autonom, selbstbestimmt, absolut frei, und niemandem mehr zum Gehorsam verpflichtet.

Der Götzendienst der Wissenschaft (Teil 6 von 7)

6. „Wissenschaftler“ als Priester des modernen Götzenkultes

Die Sozialisten wollten die Gesellschaft rational planen, zentral und ganz wissenschaftlich, um das zu erreichen, was sie unter Gerechtigkeit verstanden. Auch heute gibt es diese Bestrebungen in abgewandelter Form. Durch globale Maßnahmen und eine globale Autorität mit echter politischer Macht sollen Armut und Elend, Krankheit und Hunger, Klimawandel und Katastrophen bekämpft werden. Es ist erschreckend, dass selbst weite Teile der Kirche auf diesen tausendmal versprochenen utopistischen Irrsinn hereinfallen, und selbst die Schaffung solcher Autoritäten fordern, statt sich auf das wahre Gebot christlicher Nächstenliebe zu besinnen, wie es in der traditionellen Soziallehre der Kirche zum Ausdruck kommt.

Die oben beschriebene „Wissenschaft“ nimmt bei allen zentralen Planungsversuchen immer eine entscheidende Stellung ein. Die Wissenschaftler, die technokratischen Experten, sind zugleich Avantgarde und künftige Machtelite – nur sie haben das Wissen, die diffizilen Steuerungsmechanismen in Gang zu setzen, die für den optimierten Ausgang des Weltgeschehens erforderlich sind. Wer sich ihnen entgegenstellt, ist von Gestern, irrational und steht dem Fortschritt der Wissenschaft im Wege.

Die Aufgabe der breiten Masse besteht nur darin, bedächtig oder begeistert zu nicken, um nicht rückständig oder unmodern zu wirken, während die „Wissenschaftler“ und ihre Technokraten daran gehen, die Utopie zu verwirklichen, deren Verwirklichung sie gerade anstreben. Die Masse ist nur für den Götzendienst an dieser „Wissenschaft“ da, und als Stimmvieh, solange die Technokratie noch pro forma der Legitimation durch die Überreste der Demokratie bedarf. Ansonsten ist ihre participatio actuosa an dem neuen Götzenkult nicht sonderlich gefragt. (Man sollte sich keine Illusionen über die Bedeutung „freier Wahlen“ machen. Jede Diktatur kann zehn Oppositionsparteien zulassen, solange die Opposition in allen wesentlichen Fragen dasselbe vertritt wie die Regierung. Das ist das „Blockflötenprinzip“, das die DDR ziemlich infantil umgesetzt hat, das aber seitdem im Westen hervorragend perfektioniert worden ist, ohne etwas am Prinzip zu ändern. Welcher Flügel der wissenschaftlichen Technokratie gerade regiert, hat vielleicht einen minimalen Einfluss auf den Inhalt der angestrebten Utopie, doch das ist auch alles. Vielleicht können wir mitentscheiden, ob die durchgeplante, optimierte Welt mehr im Dienst des Ökologismus oder des Sozialismus stehen soll – aber gegen die durchgeplante, optimierte Welt können wir an der Wahlurne nicht sein, weil es keine Parteien gibt, die dieser Opposition Ausdruck verleihen könnten. Und sobald solche Parteien entstehen, ist das inhaltsleere Gerede von „Freiheit“ und „Pluralismus“ und „Toleranz“ auch ganz schnell vergessen.)

Der Götzendienst der Wissenschaft (Teil 4 und 5 von 7)

4. „Credo in unam Scientiam“

In den letzten Jahrhunderten ist der Kult der Gottesanbetung durch den Kult der Wissenschaftsanbetung ersetzt worden. Vielleicht konnte man früher, so beeilt sich jeder gute, moderne Christ zu versichern, den Menschen erzählen, die Kirche lehre dies und jenes, weil Gott das offenbart habe, und die Menschen waren vielleicht zufrieden. Doch heute, so geht diese Geschichte, sei das nicht mehr möglich. Die Menschen hätten sich verändert; sie seien nicht mehr so leichtgläubig, sondern vielmehr skeptisch. Doch das ist nicht wahr. Die Menschen sind immer noch so leichtgläubig wie immer, auch wenn sie nicht mehr so leicht gläubig werden. Das Objekt ihres Glaubens ist allerdings heute nicht mehr Gott, und nicht mehr die Kirche. Der Glaube richtet sich stattdessen auf diverse Götzen, von denen einer der prominentesten die moderne Wissenschaft ist. „Das sind ja die Experten, die es wissen müssen“.

Manchmal wissen es die Experten wirklich besser, nämlich wenn es um ihr Fachgebiet geht, in dem sie ein besonderes Wissen haben. Der Atomphysiker weiß ganz gut, was physikalisch in einem Atomkraftwerk passiert. Das kann er uns vermitteln, und dabei sollten wir ihm glauben. Aber wenn er uns erklärt, ob wir Atomkraftwerke abschalten sollen, oder ob die Risiken vertretbar sind, dann sollten wir skeptisch sein. Denn die ethischen Überlegungen, die dabei eine Rolle spielen, sind nicht sein Fachgebiet, und auch nicht das Fachgebiet professioneller Ethiker, sondern das Fachgebiet eines jeden Menschen, der sein Gewissen zu gebrauchen versteht (und das bedeutet auch, dass er sich zuerst ein informiertes Gewissen verschafft, statt aus dem Bauch heraus nach Gefühl zu entscheiden).

5. Tradition statt Technokratie!

Meistens wissen es die „Experten“ aus den Elfenbeintürmen aber nicht besser. Wenn es um den Menschen und die Gesellschaft geht, dann gibt es kein privilegiertes „wissenschaftliches“ Wissen. Jeder Mensch kennt Menschen und lebt in einer Gesellschaft. Daher hat auch jeder Mensch Zugang zu den grundsätzlichen Daten, die er braucht, um sich eine fundierte Meinung zur Gesellschaft und zum Menschen zu bilden. Natürlich haben die meisten Menschen weder Zeit noch Lust, sich fundierte Gedanken zur Gesellschaft zu machen, weshalb es allein schon zur Entlastung rational ist, dass sie sich an Traditionen und der Weisheit ihrer Vorfahren orientieren. Diese mögen nicht immer richtig sein, aber sie sind mindestens erprobt, und hätten sich nicht durchgehalten, wenn sie nicht wenigstens halbwegs und in den meisten Fällen funktioniert hätten. Manchmal sind sie auch in schwerwiegendem Widerspruch zum moralischen Gesetz, das die Menschen in ihren Herzen finden; dann sollte man sie so schonend wie möglich ändern. Doch im Normalfall sind sie halbwegs brauchbar und helfen uns weitaus mehr, als die Studien von Pseudowissenschaftlern, deren Handlungsanweisungen nicht das Resultat jahrhundertelanger Erfahrung sind, sondern bloß aus einer Mischung ideologischer Vorurteile und der typischen utopistischen Naivität des Elfenbeinturms entsprungen sind.

Es ist rational, der traditionellen Weisheit unserer Väter mehr zu vertrauen als dem smarten Gesellschaftswissenschaftler aus dem Elfenbeinturm. Lassen wir noch einmal C.S. Lewis in „That Hideous Strength“ zu Wort kommen. Der Chemiker Hingest verteidigt traditionelle, gewachsene Gesellschaftsstrukturen gegen den modernen Soziologen Mark Stoddard, der für eine umfassende „wissenschaftliche“ Planung der Gesellschaft eintritt. Die folgende Passage liefert den Kontext zu der bereits früher zitierten Aussage, man können Menschen nicht studieren, sondern nur kennenlernen.

Stoddard: „I think I do understand the sentiment that still attaches to the small man, but when you come to study the reality as I have to do…“

Hingest: „I should want to pull it to bits and put something else in its place. Of course. That’s what happens when you study men: you find mare’s nests. I happen to believe that you can’t study men; you can only get to know them, which is quite a different thing. Because you study them, you want to make the lower orders govern the country and listen to classical music, which is balderdash. You also want to take away from them everything which makes life worth living and not only from them but from everyone except a parcel of prigs and professors.“

Immer wieder haben sich Pseudowissenschaftler des Schlags, den Stoddard verkörpert, an der rationalen oder wissenschaftlichen Planung der Gesellschaft versucht. Vor hundert Jahren war es Mode unter den progressiven Eliten, nach der Beschränkung der Vermehrung „minderwertiger Rassen“ zu rufen. Vielerorts wurden gar Zwangssterilisierungen legalisiert, um diese „minderwertigen Rassen“ an der Vermehrung zu hindern. Das war alles wissenschaftlich belegt und untermauert. Es gab eine „reale“ Gefahr, die uns die „Wissenschaft“ präsentierte, und bequemerweise lieferten die „Wissenschaftler“ gleich die Lösung mit. Nach Hitler wurde die Idee für eine Weile aufs Eis gelegt; Eugenik verschwand in der Versenkung. Heute ist sie wieder progressiv und in Mode. Das ist nur ein Beispiel; viele weitere ließen sich nennen. Gegner der Eugenik waren hauptsächlich die Ewiggestrigen, die an ihren Traditionen festhielten, die hier im Westen größtenteils christlich geprägt waren. Sie verteidigten den Menschen gegen den technokratischen Planer.

Der Götzendienst der Wissenschaft (Teil 2 von 7)

2. „Sozialwissenschaft“ als Ideologie

Den Menschen kann man nur als Ganzheit von Leib und Seele verstehen. Wenn die modernen Sozialwissenschaften, Erziehungswissenschaften, Psychologie, aber auch die Ökonomie (außerhalb streng ökonometrischer Erfassung wirtschaftlicher Daten), uns die Ergebnisse ihrer Studien als „Erkenntnisse“ oder „Wissen“ verkaufen, dann können sie diesen Anspruch nur selten erfüllen. Alasdair MacIntyre schreibt darüber, geradezu am Rande, aber dennoch sehr instruktiv, in seinem hauptsächlich moralphilosophischen Werk „After Virtue“, besonders im 7. und 8. Kapitel, wobei er sich auf die empirisch feststellbare Abwesenheit verlässlicher Ergebnisse im Felde der Sozialwissenschaften konzentriert, ohne den grundsätzlicheren Einwand zu erheben, den ich hier formuliert habe.

Weil es an einer Methode mangelt, mit der der Mensch als Leib-Seele-Ganzheit auch nur wahrgenommen wird, sind die Ergebnisse dieser Wissenschaften notwendigerweise nicht allzu ergiebig. So wie jemand, der versucht, mit einer Gabel Suppe zu essen, sich nicht zu wundern braucht, wenn das nicht richtig funktioniert. Es landet vielleicht etwas Suppe auf der Gabel, so wie auch der Sozialwissenschaftlicher manchmal auf richtige Ergebnisse stößt. Doch zumeist findet er entweder triviale Wahrheiten (wie dass Mann und Frau verschieden sind), für deren Erkenntnis man seine Studien nicht gebraucht hätte, oder absurde Unwahrheiten (wie dass Mann und Frau gleich wären), die auch durch seine Studien nicht wahrer werden.

Die wichtige Einsicht ist, dass man diesen Studien überhaupt kein Vertrauen zu schenken braucht, weil dahinter zwar ausgefeilte Methoden stehen, die jedoch, so ausgefeilt sie auch sein mögen, schon prinzipiell nicht geeignet sind, den Menschen als Leib-Seele-Ganzheit auch nur wahrzunehmen. Wer Mikroorganismen mit bloßem Auge untersucht, wird keine finden. Er braucht ein Mikroskop. Wenn besagter Biologe uns nun erklärte, seine Untersuchungen hätten gezeigt, es gäbe keine Mikroorganismen, wäre ein Lachanfall gerechtfertigt, wenn auch vielleicht nicht gerade höflich. Wir würden niemandem glauben, der uns erklärt, er habe tausend Menschen angeschaut und viele erbauliche Gespräche mit ihnen geführt, und nie eine Lunge gesehen, und dies als Indiz dafür anführte, dass Menschen keine Lunge hätten. So ist es auch mit den Studien der Sozialwissenschaftler. Sie untersuchen den Menschen und die Gesellschaft (also viele Menschen, die strukturiert zusammenleben) mit einem Instrumentarium, das den Menschen in seinem wesentlichen Merkmal gar nicht erfassen kann. Da sie den Untersuchungsgegenstand nicht wirklich untersuchen können, hängen die Ergebnisse sozialwissenschaftlicher Studien hauptsächlich von den Vorurteilen der Wissenschaftler ab, die sie produzieren, und von den Geldgebern, die sie bezahlen.

„Glaube keiner Statistik, die Du nicht selbst gefälscht hast“, lautet ein etwas plumper Satz, der eine verwandte Aussage macht, nämlich dass man die meisten sozialen Tatbestände statistisch so darstellen kann, dass sie beim Leser ideologisch richtig gefiltert ankommen. Meist handelt es sich dabei gar nicht um bewusste Fälschungen; es geschieht ganz unbewusst, aufgrund der natürlichen Tendenz von Menschen, zu sehen was sie sehen wollen.

Ein feministischer Soziologe wird also „herausfinden“, dass Mann und Frau gleich sind, und die linksliberalen Medien werden sich über die Ergebnisse stürzen als „Beweis“ für die Richtigkeit ihres Egalitarismus. Er wird auch „wissenschaftlich“ bestätigen können, dass Frauen glücklicher sind, wenn sie sich in Lohnsklaverei verdingen, und dass es Kindern in Krippen weit besser geht als bei ihren eigenen Eltern. Er kann ein langes Lied davon singen, alles „wissenschaftlich“ untermauert, mit mehr als 834 unabhängigen Studien, dass Kinder in homosexuellen Lebensgemeinschaften genauso gut aufwachsen wie in traditionellen Familien. Sein ebenso feministischer Kollege aus der Psychologie wird bestätigen, dass die traditionelle Familie für den autoritären Charakter verantwortlich ist, und deshalb zu Hitler und Ausschwitz geführt habe, und dass, wie Freud das ausdrückte, das Christentum eine Art Geisteskrankheit ist. Und alle diese Aussagen sind „wissenschaftlich oftmals bestätigt“.

Ein christlicher Soziologe und sein ebenso christlicher Psychologenkollege können sich ebenfalls „wissenschaftlich“ mit den genannten Themen auseinandersetzen. Sie werden herausfinden, dass Kinder am besten bei ihren Eltern aufwachsen, dass Frauen eigentlich doch ziemlich traditionelle Ansichten haben, dass Kinder, die in homosexuellen Beziehungen, bei Alleinerziehenden oder in vergleichbaren Verhältnissen aufwachsen, überdurchschnittlich oft Opfer sexuellen und anderen Missbrauchs werden, weitaus schlechtere Bildungschancen haben und vieles mehr, als vergleichbare Kinder aus traditionellen Familien. Sie können feststellen, dass christliche Menschen länger leben, einen ausgeglicheneren Charakter und viele andere Vorzüge haben, die ganz sicher das nächste Ausschwitz verhindern würden, so wie sie das letzte nicht verhindert haben.

Soziologen, Psychologen, Erziehungswissenschaftler mit noch anderen Ansichten werden zu noch anderen Ergebnissen kommen. Das funktioniert ja sogar in der noch relativ empirisch-naturwissenschaftlichen Klimatologie (wo die Studien der Umweltschützer und an globaler Macht interessierten Regierungen behaupten, der Klimawandel sei vom Menschen gemacht, während die Interessengruppen der anderen Seite ebenso wissenschaftlich herauszufinden glauben, der Klimawandel sei auf natürliche Faktoren zurückzufügen und in der Summe gar kein großes Problem). Es funktioniert erst recht in den „weichen“ Wissenschaften vom Menschen.

Aufgrund der Studienschwemme kann man nicht sagen, welche Position richtig ist. Der Feminist wird sich durch einen riesigen Haufen Studien und Untersuchungen aller Fachrichtungen bestätigt fühlen; der traditionelle Christ wird auch genug Studien finden, an denen er sich hochziehen kann, wenn ihm danach ist. Es gibt mehr pro-feministische Studien, weil es mehr pro-feministische Wissenschaftler an der säkularen Hochschule gibt, und weil sowohl Arbeitnehmer- als auch Arbeitgeberverbände ebenso wie die Regierung und alle wesentlichen Oppositionsgruppen die feministische Position unterstützen – manche aus Ideologie, andere aus einfacher ökonomischer Kalkulation. Doch Wahrheit und Mehrheit sind, das sagt schon der Untertitel des Blogs Kreuzfährten, von dem ausnahmslos alle Leser dieser Zeilen schon mindestens einmal gehört haben dürften, zwei völlig verschiedene und oft entgegengesetzte Dinge.

Der Götzendienst der Wissenschaft (Teil 1 von 7)

1. Von den verschiedenen Wissenschaften

Oft wird gesagt, man müsse dieses oder jenes ändern oder abschaffen, weil die Wissenschaft dies so empfehle. Wir sollen unsere Kinder jetzt anders erziehen, weil irgendwelche meist kinderlosen Sozialpädagogen bedeutungsschwangere Studien durchgeführt haben, nach denen Kinder angeblich besser aufwachsen, wenn die Erziehung sich zufälligerweise am gerade herrschenden Paradigma orientiert. Welches Paradigma das ist, hängt von der Zeit ab, in der die Studie verfasst wird, und dem gesellschaftlichen Klima, in dem der die Studie verfassende „Wissenschaftler“ lebt.

Ebenso funktioniert das in jeder „Sozialwissenschaft“, oder, genauer gesagt, in jeder Wissenschaft, die als Gegenstand den Menschen als Menschen (nicht als bloßes materielles Ding, sondern in seiner Eigenschaft als Mensch) hat. Sobald man nicht mehr nur betrachtet, wie bestimmte physikalische Teilchen miteinander interagieren, sondern die Betrachtung auf Menschen ausdehnt, hat man es nicht mehr mit Wissenschaft im strengen Sinne zu tun. Physikalische Experimente können wiederholt werden. Sie laufen unter streng kontrollierten Bedingungen ab, die jederzeit in entsprechenden Laboren reproduziert werden können. Es gelten bestimmte mathematische Gesetze bei der Bildung physikalischer Theorien. Wissenschaften, die nach diesem Paradigma funktionieren, können uns Erkenntnisse liefern, die nicht (oder nur in sehr geringem Maße) von den Vorurteilen des Wissenschaftlers abhängen. (Obwohl die Neutralität selbst der Naturwissenschaften wissenschaftstheoretisch sehr umstritten ist.)

Doch die Sozialwissenschaften sind in diesem strengen Sinn keine Wissenschaften. Ihr Gegenstand ist der Mensch oder der Mensch in Gesellschaft, was aufgrund der Sozialnatur des Menschen letztlich dasselbe ist, nur unter einem anderen Gesichtspunkt.  Doch der Mensch hat freien Willen. Er trifft Entscheidungen, die weder physikalisch determiniert sind, noch ausschließlich ansozialisiert wurden. In ihm gibt es komplexe Wechselwirkungen zwischen natürlichen Voraussetzungen, gesellschaftlichen Erwartungen, internalisierten Vorstellungen und dem letztlich freien Willen. Diese Wechselwirkungen sind sozialwissenschaftlicher Erkenntnis prinzipiell nicht zugänglich. In „That Hideous Strength“ lässt C.S. Lewis den Chemiker Hingest sagen: „You can’t study men; you can only get to know them, which is quite a different thing.“ („Man kann Menschen nicht studieren, man kann sie nur kennenlernen, was etwas völlig anderes ist.“)

Lewis hat hier, wie meistens, eine tiefe Einsicht auf den Punkt gebracht. Das, was im modernen Sinn des Wortes als Wissenschaft gelten kann, vermag den Menschen als Menschen nicht zu studieren, weil ihr das Wesentliche entgeht. Materielle Wissenschaft kann den Menschen nicht erfassen, weil der Mensch nicht nur Materie ist, sondern auch Geist; weil im Menschen Materie und Geist eng und untrennbar zusammenwirken. Der Mensch ist beseelt, anders als das Elementarteilchen. Die Seele, aristotelisch gesprochen die Form des Körpers, kann nicht vom Menschen getrennt werden (außer durch den Tod). Doch die materielle Wissenschaft kann die Seele nicht sehen, weil sie nur Materie untersuchen kann.

Um den Menschen mit wissenschaftlichem Anspruch zu untersuchen, benötigt man ein anderes, nämlich ein geistiges Instrumentarium. Und damit kommen wir zu den sogenannten Geisteswissenschaften. Im Kontext der säkularen Hochschule sind sie weitgehend deformiert und kaum noch als solche zu erkennen, weil sie sich dem modernen wissenschaftlichen Paradigma ihren Wesensgehalt aufgebend auf der Jagd nach wirtschaftlichem Nutzwert angepasst haben, um überhaupt überleben zu können. Sie führen ein erbärmliches Schattendasein. Die faktische Apostasie eines guten Teils der universitären Theologie ist nur Teil eines breiteren Phänomens, das den Niedergang aller Geisteswissenschaften umfasst. Diese Wissenschaften haben das Instrumentarium, nämlich vornehmlich den menschlichen Geist, um etwas über den Menschen als beseeltes Lebewesen herausfinden zu können. Doch sie sind im modernen Sinn keine Wissenschaften, da sie weder empirisch noch formal mathematisch oder formal logisch vorgehen. Sie sind „nur“ in einem älteren Sinne „Wissenschaft“. Sie stellen einen geordneten Korpus von Wissen dar, doch er wurde nicht nach der modernen wissenschaftlichen Methode gewonnen, sondern durch die Verwendung des menschlichen Geistes etwa in Form philosophischer Reflektion.

Piratenpartei: Die radikaleren Grünen

Angesichts der Tatsache, dass in NRW am Sonntag Landtagswahlen anstehen und sich scheinbar auch einige Christen mit dem Gedanken tragen, der Piratenpartei ihre Stimme zu geben, möchte ich mich an dieser Stelle einigen Auszügen aus einem Interview von kath.net mit Frank Mazny, einem katholischen „Piraten“, widmen. Das ganze Interview sei zur Lektüre empfohlen. Die Fragen von kath.net sind fettgedruckt, Hervorhebungen durch Unterstreichung und rote Kommentare von Catocon.

Mir gefällt in erster Linie das Mitmach-Prinzip (ja, das ist für den modernen Menschen immer sehr wichtig. Man sieht das an der Messe, die von dieser Art Katholizismus im Wortsinne „fabriziert“ wird.) und die Idee, dass wir Bürgerinnen und Bürger unsere Vorstellungen von Politik selbst in die Hand nehmen, und die Partei vom Ideal der Basisdemokratie (Partizipation für alle!! Gleichheit jetzt und per Dekret!) getragen wird. So können alle, die bereit sind sich zu engagieren, neue Ideen in das Programm der Partei einbringen. Das scheint mir ein guter Weg zu sein.

 

kath.net: Was ist der Zusammenschluss „Christen in der Piratenpartei“? (Dem Mazny angehört) Welche Ziele verfolgt er?

Frank Mazny: Wir sind ein ökumenischer (natürlich!) Zusammen-schluss von Christinnen und Christen (man beachte die fanatische Anhänglichkeit an die Dogmen der Politischen Korrektheit!) innerhalb der Piratenpartei Deutschland. Was unsere genauen Ziele angeht muss ich gestehen, dass wir die noch nicht bis ins Detail besprochen haben. (Das scheint ein universelles Kennzeichen der Piraten zu sein.) Ein wichtiger Punkt ist sicherlich, dass wir uns und die jeweilige Denomination der anderen besser kennenlernen wollen, auch um vielleicht gar nicht als solche wahrgenommene Vorurteile abzubauen. (Die Stuhlkreismentalität als Partei) Auch innerparteilich könnte der Abbau von Vorurteilen oder schlichtweg Unwissenheit ein Thema sein. Genaues ist aber noch nicht geplant. (Nein, natürlich nicht. Sie sind ja Piraten.)

Ebenso würde ich es als unsere Aufgabe ansehen, explizit unter Christen außerhalb der Partei für unsere Ziele zu werben und Aufklärungsarbeit zu leisten. (Bekanntlich wählen die Kälber ihren Metzger selber…) Zumindest weiß ich von vielen Christen, die den Piraten grundsätzlich positiv gegenüberstehen, aber bei einigen Themen Vorbehalte haben. (Ja, zum Beispiel bei der reflexhaften Christenfeindlichkeit, der Verachtung der christlichen Sittenlehre, dem totalen Laizismus, d.h. dem Atheismus als Staatsreligion usw.)  Ich denke durch die gemeinsame Ebene des Glaubens (welchen Glauben kann ein Pirat mit einem Christen gemeinsam haben? Immerhin ist die Piratenpartei den Zielen wie dem Wählerreservoir nach weitgehend die Partei derer, denen die Grünen zu gemäßigt, und nicht progressivistisch genug sind…) , haben wir dafür bessere Grundvoraussetzungen als andere Piratinnen und Piraten. (Man beachte, wie gesagt, die Selbstversklavung unter den Götzen der „Gendergerechtigkeit“) Alles weitere wird sich zeigen.

(…)

kath.net: Viele Christen haben mit einigen Punkten des Parteiprogrammes große Schwierigkeiten. (Ein perfektes Beispiel höflichen Unterstatements, das man früher den Briten zuschrieb.) Das betrifft zum Beispiel die Familienpolitik. Hier setzt sich die Piratenpartei für Gender-Mainstreaming (!) und eine Gleichstellung eingetragener Partnerschaften mit der Ehe ein. Eingetragene Partnerschaften sollen auch für mehr als zwei Personen möglich sein. (Die Piraten sind für die staatliche Förderung der Polyamorie, d.h. der geschlechtsneutralen Form der Polygamie. Und, was hier nicht gesagt wird, auch für die staatliche Anerkennung von „freiwilligem“ Inzest. Wie lange noch, bis ich Sex mit meinem Haushund haben darf, lieber „christlicher“ Pirat?) Wie ist das mit einem christlichen Verständnis von Mann und Frau, von Ehe und Familie vereinbar?(Ähm… gar nicht? Die Frage ist: Pirat oder Christ – eins von beiden.)

Frank Mazny: Die Beantwortung dieser Fragen in ihrer Gesamtheit würde für eine abendfüllende Diskussion ausreichen, deshalb will ich mich auf ein paar grund-legende Gedanken dazu beschränken. (Ausweichmanöver.)  Der Staat muss zwar eine unbedingte (unbedingte!) Religionsfreiheit garantieren und sie schützen (vor wem? Vor demjenigen, dessen moralische Auffassungen christlich motiviert sind. Der Christ als Staatsfeind.), er ist aber nicht dazu da, das Lebensmodell einer bestimmten Religion zu bevorzugen. (Herr Mazny sollte sich vielleicht statt mit linksradikaler Propaganda einmal mit der Naturrechtslehre befassen. Es handelt sich nicht um eine christliche Sondermoral!) Aus dieser Perspektive heraus muss (muss! Selbst für die christlich gewendete und abgemilderte Version der Neopiraterie ist die Bekämpfung des Naturrechts Staatsaufgabe!) der Staat zum Beispiel, wenn er den eingetragenen Lebenspartnerschaften (die er selbst erfunden hat) die gleichen Pflichten wie Eheleuten auferlegt, auch dafür Sorge tragen, dass sie die gleichen Rechte haben.

Dadurch wird das Ansehen der Ehe nicht geschmälert (nein, weil durch die von den Piraten enthusiastisch begrüßten Anschläge auf die Ehe längst praktisch kein Ansehen der Ehe mehr vorhanden ist), und sie wird auch weiterhin das gängigste Modell für die Lebensführung bleiben. (…) Eine Entscheidung für ein Leben mit Jesus (aber gegen Seine Gebote, versteht sich, denn wir sind ja so modern piratig!) und die Beachtung der christlichen Werte (noch eine leere Worthülse, denn wie kann ein Befürworter von Inzest, Polygamie und Homo-„Ehe“ ernsthaft das Wort christliche Werte in den Mund nehmen, ohne auch nur rot zu werden?), auch für Ehe und Familie, ergeben sich aus einer individuellen Entscheidung. Das kann man nicht durch Gesetze, Verordnungen oder gar durch ein Parteiprogramm vorschreiben. (Ach so. Und deswegen muss der Staat aktiv gegen die christliche Sittenlehre kämpfen, indem er die Förderung der Sünde mit Steuergeldern finanziert, wie dies durch die Homo-„Ehe“ geschähe?)

kath.net: Im Grundsatzprogramm kommt Religion nur unter dem Titel „Trennung von Staat und Kirche“  im Bereich „Vielfalt in der Gesellschaft“ vor. In den drei Absätzen, die dem Thema gewidmet sind, wird vor allem die Aufhebung bestehender Privilegien der christlichen Kirchen gefordert. (Das macht die Piraten fast noch sympathisch – in demselben Sinne, indem Kaiser Nero durch seine Verfolgungen sympathisch wird, nämlich indem er, ganz im Gegensatz zu seinen Intentionen, der Kirche unwissentlich geholfen hat…) Auch die Übertragung von Aufgaben in staatlichen Einrichtungen und beim Betrieb von sozialen Einrichtungen an Kirchen soll abgeschafft werden. (Und wer übernimmt die sozialen Funktionen der Kirche dann? Vermutlich nicht die Piraten, für die Nächstenliebe ja bloß in der Unterdrückung der christlichen Sittlichkeit und der Umverteilung rechtmäßig verdienten Einkommes zu bestehen scheint.) Nun bekennen sich derzeit ca. 60 Prozent der Deutschen zu den christlichen Kirchen. Das Christentum hat die Kultur Deutschlands in fast allen Bereichen maßgeblich geprägt und zum Beispiel die ersten Schulen und sozialen Einrichtungen gegründet. Das alles sieht danach aus, als wolle die Piratenpartei die Kirchen aus dem öffentlichen Leben möglichst zurückdrängen. (Ja, natürlich. Denn solange die Kirche nicht zu Staub zerfallen oder vollkommen an diese Welt und ihren Fürsten angepasst ist, kann ein moderner Pirat nicht ruhen…) Eine positive Wertschätzung der Religion ist nicht zu finden. Wie stehst Du dazu?

Frank Mazny: Leistungen, die auf Grund des verfassungsrechtlichen Subsidiaritätsprinzips erfolgen, können nicht insgesamt einfach so abgeschafft werden. Das wäre auch nicht sinnvoll, da der Staat ja aus gutem Grund bestimmte Aufgaben an kirchliche Träger abgeben hat. Die Piratenpartei hält insbesondere das Grundgesetz hoch, deshalb wird sie sich auch daran halten. (In Verantwortung vor Gott, wie die Präambel schreibt? Oder doch eher in Verantwortung vor dem Fürsten, hinter dem sich die Piraten sonst versammeln?) Sollte unser Grundsatzprogramm in diesem Punkt zu ungenau sein, oder tatsächlich im Widerspruch zum Grundgesetz stehen, muss das natürlich nachgebessert werden. (Man sieht übrigens, wie selbst der Katholik Mazny in der Frage nach der Rolle der Religion darüber nachdenkt, ob man denn beim allgemeinen Ausschluss der Kirche aus der Öffentlichkeit noch formaljuristisch die Verfassung einhalten kann…) Trotzdem sollten Zahlungen des Staates an Kirchen und auch der Einzug der Kirchensteuer kritisch überprüft werden, da meiner Meinung nach auch die Kirchen selbst davon profitieren können. (Ja, das kann passieren. Wie gesagt: Der Kulturkampf der Piraten gegen die wahre Religion könnte seltsame Auswirkungen haben. Am Ende zerstört sich das Böse immer selbst. Aber deswegen darf man es trotzdem nicht unterstützen, wie sowohl Nero als auch Judas erfahren haben dürften.)

An dieser Stelle will ich aus der Rede von Papst Benedikt XVI. in Freiburg zitieren (ein geschickter Schachzug. So kann Mazny vorspiegeln, das Programm der antichristlichen Piraten sei tatsächlich papstkonform…) : „Die Säkularisierungen – sei es die Enteignung von Kirchengütern, sei es die Streichung von Privilegien oder ähnliches – bedeuteten nämlich jedes Mal eine tiefgreifende Entweltlichung der Kirche, die sich ja dabei gleichsam ihres weltlichen Reichtums entblößte und wieder ganz ihre weltliche Armut annahm. [ … ] Die geschichtlichen Beispiele zeigen: Das missionarische Zeugnis der entweltlichten Kirche tritt klarer zutage. Die von ihrer materiellen und politischen Last befreite Kirche kann sich besser und auf wahrhaft christliche Weise der ganzen Welt zuwenden, wirklich weltoffen sein. Sie kann ihre Berufung zum Dienst der Anbetung Gottes und zum Dienst des Nächsten wieder unbefangener leben.“ (Quelle)

Der von der Piratenpartei geforderte Abbau von Zahlungen ist also keine Aussage über eine Wert- oder Geringschätzung einer Religion, sondern ergibt sich schlicht aus unserem Verständnis dessen, welche Aufgaben ein säkularer Staat haben sollte. (Eben. Eine vollständige Trennung von Staat und Kirche setzt die beiden Institutionen angesichts der vielen Felder, in denen beide legitime Aufgaben zu erfüllen haben, automatisch in einen Gegensatz. Und wer wird da wohl siegen? Ein kirchenfeindlicher Staat mag ja vielleicht der Kirche helfen, indem sie den Sumpf der – übrigens wie gleich deutlich werden wird auch von Mazny sehr gelobten – Verbandskatholiken trockenlegt, doch er bleibt immer noch kirchenfeindlich, wie auch die ganze Piratenpartei.) Ich selbst würde eine größtmögliche Entflechtung von Kirche und Staat begrüßen, weil ich als Katholik der Meinung bin, dass die deutsche Kirche viel zu bürokratisiert ist und sich dadurch selbst vieler Möglichkeiten beraubt. (Und die bestehen worin genau, angesichts Ihrer sonstigen unchristlichen Haltungen, etwa zur natürlichen Familie?) Oder auch anders gefragt: muss ein Bischof wirklich 6.000 Euro oder mehr im Monat bekommen? (Écrasez l’Infâme!) Ich würde mir wünschen, dass sich durch die radikalen Forderungen der Piratenpartei auch eine innerkirchliche Diskussion darüber ergibt, welche Zahlungen des Staates notwendig sind, und welche vielleicht nur ein finanzielles Kissen zum Ausruhen darstellen. (Genau. Dass die Bischöfe anständig bezahlt werden, das ist schrecklich. Aber Inzest ist okay. Und Polygamie. Und Gender-Mainstreaming. Was für ein Christ kann eine Partei unterstützen, die so eine antichristliche Haltung vertritt?)

kath.net: Die Piratenpartei fordert ein bedingungsloses Grundeinkommen für alle. Steht das nicht im Widerspruch zum Prinzip der Subsidiarität, d.h. dass jeder zunächst für sich selbst verantwortlich ist und erst in zweiter Linie die Gemeinschaft?(Natürlich tut es das. Doch die Piratenpartei ist ja auch nicht kompatibel mit dem Christentum, sondern nur mit einem neosozialistischen Gesellschaftsmodell, indem der Staat die Rolle eines allgütigen Götzen spielt, der Manna über seine Untertanen ausrieselt.)

Frank Mazny: Die Bundesrepublik Deutschland bekennt sich zum Sozialstaat, dazu zähle ich im weitesten Sinne auch den Länderfinanzausgleich und den Solidarpakt. (Was aber nicht die Frage war.) Hauptsächlich ist aber mit dem Sozialstaat unser soziales Netz verbunden, das es auch Menschen ohne Arbeit ermöglichen soll, ein menschenwürdiges Leben zu führen.

Soweit die Theorie, in der Realität sind Menschen ohne Arbeit jedoch einer oftmals entwürdigenden Maschinerie ausgesetzt, die mit dem 1. Artikel im Grundgesetz nicht vereinbar ist. (Das ist so absurd, dass es nicht einmal mehr ein Argument verdient, sondern bloß Gelächter. Es ist also menschenunwürdig, wenn man Hartz IV beantragen und sich an die Gesetze halten muss?) Einige der größten Fehler im System (Nieder mit dem System! Wir brauchen den Systemwechsel!!) sind der Anspruch und das Versprechen auf Vollarbeit, die in der heutigen Zeit einfach nicht mehr zu erfüllen sind. (…)

Deshalb fordert die Piratenpartei, übrigens im Einklang mit katholische Gewerkschaften und Sozialverbänden wie der KAB, BDKJ oder die CAJ ein bedingungsloses Grundeinkommen. (Daran sieht man, dass die unkatholischen Verbände dringend weniger Marx und mehr Leo lesen müssen. Das Manna für alle vom Götzen Staat hat nichts mit Gerechtigkeit zu tun.) Aus christlicher Sicht ist der Wert eines Menschen nicht von seinem Stand und der Position in einer Erwerbsarbeitsgesellschaft abhängig, sondern allein von seiner Würde vor Gott. (Ach so. Und die Würde des Menschen ist davon abhängig, wie viel Geld er hat? Oder ob er arbeitet?) Ein Grundeinkommen schafft die Grundlage für jeden Menschen, eine Arbeit seiner Wahl im Sinne des befreiten Tätigwerdens (frei nach Marx, ganz ohne Leo) aufzunehmen. Insofern würde ein BGE auch für die Kirchen und ihre Arbeit mit Ehrenamtlichen von Vorteil sein, denn jemand der sozial abgesichert ist wird eher eine gering bezahlte oder unbezahlte Aufgabe in der Gemeinde übernehmen. (Wieso sollte ein mir dem staatlichen Manna für alle betäubter Mensch sich noch für die christliche Botschaft interessieren?) Ich sehe das BGE deshalb als wichtigen Baustein für die Umsetzung eines christlichen Menschenbildes in unserer Gesellschaft.

Was soll man zu diesem Interview noch sagen? Hier haben wir einen Menschen, der für sich in Anspruch nimmt, ein Christ und gar ein Katholik zu sein, der aber einer Partei angehört, die für Abtreibung, die Homo-„Ehe“, Polygamie und Inzest ist, die die traditionelle Familie als Auslaufmodell scharf bekämpft, die der Kirche durch ihr Parteiprogramm praktisch den Krieg erklärt, die der Auffassung ist, es sei eine gute Idee, absichtsvoll die Karfreitagsruhe zu stören, in der ernsthaft diskutiert wird, ob nicht eine Erziehung, in der die Existenz der Hölle vermittelt wird, den Tatbestand der Kindesmisshandlung erfülle, kurzum, einer Partei, die auf ganzer Linie gegen jeglichen christlichen Wert zu Felde zu ziehen wünscht, den es in diesem Lande noch geben mag. Doch mehr noch: Dieser Mensch, Herr Mazny, möchte den Leser auf den Arm nehmen und für dumm verkaufen, indem er dieses antichristliche Machwerk auch noch aus scheinbar christlichen Motiven heraus lobt.

Und als ob das noch nicht alles wäre, legt er zum Schluss noch einen drauf: Er fordert, im Einklang mit der totalitären Volksbeglückungsideologie, die die Piraten auch sonst so auszeichnet, ein „bedingungsloses Grundeinkommen“ und etikettiert dies zu einem Baustein des christlichen Menschenbildes um, weil einige häretische, verweltlichte Gruppen dies auch so sehen, und weil Armut ja entwürdigend sei.

Nun, Christus hätte das anders gesehen. Für ihn waren die Armen selig. Und er war immerhin Gott, also sollte er das wissen…

Doch der Wunschtraum der Neopiraterie ist eine Welt, in der alle Menschen vom ewigen Segen des Staates abhängig sind, der ihnen den Wohlstand schenkt, den sie, unter Führung der staatlichen Indoktrination in verdummenden „Schulen“, als einzig wahren Wert erkannt haben.

Hier haben wir das piratische Menschenbild in Reinkultur, und wir stellen fest, es ist bis auf Details identisch mit dem Menschenbild der Grünen und, im Wesentlichen, dem der anderen Hauptparteien.

Nur, dass die Grünen für diese Piraten nicht radikal genug sind.

Meine Wahlempfehlung für die Landtagswahlen lautet also: Ehrt am Tag des Herrn den Herrn, und keine der Parteien, verbringt mehr Zeit mit der Familie, statt in der Wahlkabine.

Und wenn ihr unbedingt eine Kabine aufsuchen müsst, dann geht beichten.

In voller Einheit mit Rom…

.. sind die fortschrittlichen Konzilsgeister aus dem katholischen Jugendverband BDKJ in der Erzdiözese Freiburg. Die „Zollitsch-Jugend“ (kath.net) hat wieder einmal bewiesen, dass sie zur revolutionären Avantgarde des 21. Jahrhunderts gehört, indem sie unermüdlich die gescheiterten Revolutionen des 20. Jahrhunderts neu aufkocht. Keines der seit fünfzig Jahren ständig durchdiskutierten Themen fehlt in dem „Projekt Judas Samuel“ der Vorkämpfer für eine moderne, aufgeklärte, angepasste Zeitgeistkirche. Das Sprachrohr der Dunkelkatholiken berichtet (Hervorhebungen von Catocon):

Wörtlich schreibt der BDKJ dann: „In unserer Kirche arbeiten Priester und Laien, junge und alte Menschen partnerschaftlich zusammen.  („Unsere“ Kirche, in wohlverstandenen Gegensatz zur katholischen, d.h. universellen, allgemeinen Kirche. Da müssten wir uns ja unterordnen, und das geht im Reich der Non-Serviam-Ideologen nicht.) In unserer Kirche können alle Menschen ihre Berufung leben: Männer und Frauen, als Laie, als Priester, als Priesterin(In voller Einheit mit Rom, wie ich anmerken möchte, „Ordinatio Sacerdotalis“ hin oder her. Aber wehe man kritisiert das Konzil, das eine wahre Konzil, Assisi, Dialogökumene oder Liturgiereform in zu deutlichen Worten.), und: „Für Kinder und Jugendliche ist es unverständlich, warum Gleichberechtigung und Demokratie so wenig Platz in der Kirche haben. (Man sieht hier wieder einmal, warum Kinder und Jugendliche in der Kirche nichts zu sagen haben sollten, außer selbstverständlich „Amen“ und „et cum spiritu tuo“. Die Kirche wird eben nicht von den Pubertären aller Altersschichten beherrscht, sondern von ihrem Herrn und Gründer Jesus Christus. Aber das ist eben die Non-Serviam-Ideologie. In voller Einheit mit Rom, versteht sich.) Verweise auf die Tradition, mit denen Frauen und Laien allgemein von Leitungsverantwortung ausgeschlossen(Wir wollen an die Macht! Wir sind Kirche! Écrasez l’infâme!) werden, überzeugen sie nicht. (Wahrheit ist nicht subjektiv und gilt auch in der Pubertät.)  Darüber hinaus verstehen sie nicht, warum der Zölibat zwingende Voraussetzung für das Priesteramt ist“. (Das könnte daran liegen, dass sie nicht verstehen, was das Priesteramt überhaupt ist. Aber das ist ja auch heute nicht mehr notwendig. Immerhin sind sie in voller Einheit mit Rom.)

(…)

Dann wird behauptet, dass Jugendliche sich für alternative Gottesdienstformen  begeistern (wo sind diese ganzen Jugendlichen in Kirche, wenn diese alternativen Verstümmelungen der Heiligen Liturgie vorgetragen werden – von zelebrieren wagt man nicht zu sprechen.) und diese ihr Leben, ihre Kultur und ihre Ästhetik, ihren Geschmack auch in den Gottesdienst einbringen möchten.“ (Im Gottesdienst geht es darum, dass ich mich einbringen kann. Wem wird also im Gottesdienst gedient? Mir. Gottesdienst ist dienst an dem, den ich für Gott halte. Daraus folgt mit logischer Notwendigkeit: „Ich bin Gott“. Das ist, wie gesagt, die Non Serviam-Ideologie. Sie folgen dem Versprechen ihres persönlichen Vorbilds, der Schlange: Ihr werdet sein wie Götter. Ich hoffe der Apfel hat geschmeckt.) Dafür kann es nicht nur eine vorgeschriebene Form geben… (Kein Problem. Ihr könnt machen was ihr wollt. Alle zehn Jahre kommt aus Rom ein mildes Briefchen, in dem dazu aufgerufen wird, sich doch bitte ans Messbuch zu halten. Doch das hat nichts zu sagen. Aus Erfahrung wisst ihr längst, dass Rom sich nicht ernsthaft dafür interessiert. Und Euer Freund und Helfer, seine wenig exzellente Exzellenz Erzbischof Robert Zollitsch, lässt das alles friedlich lächelnd geschehen. Vielleicht sagt er alsbald mal wieder ein mildes Wörtchen, das so etwas nicht sein solle, doch ihr wisst schon, wie er das meint. Ihr seid ja in voller Einheit mit Rom.)

(…)

Dann wird pauschal behauptet, dass junge Menschen mit der Sexualmoral der Kirche nichts anfangen können. (Das ist richtig. Die Frage ist nur: Liegt das an den jungen Menschen oder der Sexualmoral?) „Sie wird als weltfremd(sie ist dieser Welt und ihrem Fürsten fremd, ja, und das ist auch gut so.) und von Angst und Enge beherrscht empfunden. Verhütung(dass ich entscheide, wann neues Leben entsteht, und nicht der Herr über Leben und Tod.) ist für junge Menschen nicht Sünde, sondern Verantwortung für den Partner oder die Partnerin. Einvernehmlicher, verantwortungsvoller Sex vor der Ehe undHomosexualität(der Waschzettel enthält noch keinen Hinweis auf den von der wahren Avantgarde schon geforderten Inzest, und die von einigen avantgardistischen Priestern der Kirche bereits praktizierte Pädophilie. Doch das kommt später. Wir denken Kirche im Heute, nicht im Morgen.) ist für sie nicht Sünde, sondern Liebe. Die Kirche stellt sich mit ihrer Sexuallehre selbst ins Aus: (Es geht nur um Anpassung an die herrschende Meinung, nicht um Wahrheit. Wir sind ja in voller Einheit mit Rom. Da gehört sich die Wahrheitsfrage nicht mehr.) Was sie Gutes, Wahres und Hilfreiches zu sagen hat, geht unter in weltfremden (in der Tat, den Vorstellung dieser Welt und ihres Fürsten ist die Sexualmoral fremd.) Verboten, die nichts mit der Lebenswelt (siehe hier) junger Menschen zu tun haben“, heißt es wörtlich.

In Abwandlung eines bekannten Wortes über das Paradies der Werktätigen: Den Fortschritt in seinem Lauf / Hält nicht Ochs‘ noch Esel auf. Obwohl da wirklich genug Ochsen und Esel – in voller Einheit mit Rom, falls ich das bisher zu erwähnen vergessen haben sollte – am Werk sind.

Was die „Zollitsch-Jugend“ da von sich gibt vermag nicht zu überraschen. Diese Jugendlichen haben jahrelang eine Kirche besucht, in der so gut wie nie ernsthaft über den katholischen Glauben in seiner Gesamtheit, einschließlich der schweren Teile, gesprochen wurde. Ich wette, dass auch im Erzbistum Freiburg praktisch keine Katechese existiert, dass die Predigten fade und inhaltsleer sind, wenn sie nicht gerade zu Reden gegen den Glauben verwendet werden, dass aus der Liturgie nur ein überdimensioniertes Ego hervorgeht, und die Sittenlehre der Kirche aufs Nettsein reduziert worden ist. Woher sollen diese Jugendlichen auch den Glauben haben? In der Kirche wird er ja – und jetzt im Chor: In voller Einheit mit Rom – so gut wie totgeschwiegen.

Die Fenster zur Welt wurden geöffnet. Ihr Fürst hat die gnädige Einladung angenommen und sich in der Kirche häuslich eingerichtet.

Ein voller Erfolg des Aggiornamento.

Zeichen der Zeit (Teil 2)

Gestern schrieb ich über die Zeichen der Zeit, was sie sind und was sie nicht sind, und nannte einige Beispiele für solche Zeichen, die in riesiger Leuchtschrift quer über die ganze Welt geschrieben sind, wenn man sie denn nicht zu ignorieren wünscht. Dies ist der zweite Teil des Essays über die Zeichen der Zeit.

Die Früchte der Anpassung

Wir müssen wirklich die Zeichen der Zeit erkennen – und wir sollten ihnen auch Folge leisten: Wir sehen die Früchte von einem halben Jahrhundert Anpassung an die Zeit. Wir haben, zumindest in der Praxis (die theoretische Debatte über Kontinuität des Konzils sei einmal beiseite gelassen) einen immensen Bruch erlebt. Der Glaube wird selbst in den Kirchen nicht mehr verkündigt, er wird in katholischen Familien – wo es sie noch erkennbar gibt – nicht mehr gelebt, er wird in der Praxis von Priestern, Bischöfen und Laien gleichermaßen geleugnet und in der Liturgie in vielen Fällen geradezu lächerlich gemacht. Es ist nicht nur, dass wir heute mehr sündigen als früher, sondern dass wir unsere Sünden nicht mehr als Sünden zu sehen vermögen, und sie deswegen auch nicht bereuen können. Es sieht düster aus um eine Generation, die das Beichten verlernt, beziehungsweise in geradezu vulgärer Weise säkularisiert, ins Fernsehen verlegt und zu einer journalistischen Kunstform herabgewürdigt hat.

Und dabei ist die Kirche noch fast eine Insel der Seligen. Allein im 20. Jahrhundert haben Staaten durch ungerechte Kriege und industrialisierte Völkermorde mehrere hundert Millionen Menschen ermordet. Allein in den letzten vierzig Jahren sind, belastbaren Schätzungen zufolge, mehr als eine Milliarde Menschen – tausend Millionen – zweimal die Bevölkerung der Europäischen Union, das Dreizehnfache der Bevölkerung von Deutschland – durch Abtreibung ums Leben gekommen, durch eine Praxis also, deren ungehinderte Ausübung von den Eliten weltweit und breiten Mehrheiten im „christlichen Abendland“ als unverzichtbares Frauenrecht gesehen wird (und die in Deutschland von allen Krankenkassen – und damit von den (auch katholischen) Beitragszahlern – finanziell mitgetragen wird). Währenddessen untergraben die entsprechenden Lobbys gesetzesmächtig das Fundament einer jeden menschlichen Gesellschaft, nämlich die natürliche Familie von Mann und Frau durch Scheidung, „Homo-Ehe“, Gender Mainstreaming, Feminismus (also Entwürdigung der Frau) und vieles mehr.

Martyrium

Die Zeichen der Zeit sind klar. Die Verfolgung läuft schon in manchen Regionen der Welt auf Hochtouren und nimmt weiter an Schärfe zu. Im Westen haben wir es mit einem schleichenden Tod des christlichen Glaubens zu tun, welcher irgendwann in eine Verfolgung der verbliebenen Reste ganz natürlich und per demokratischer Mehrheitsentscheidung münden wird. In einer zunehmend globalen Gesellschaft, in der nicht nur Kommunikation und Güterverkehr weltweit zugenommen haben, sondern auch der Ruf nach einer Weltregierung und einem Weltstaat – leider nicht ohne Zutun mancher kirchlicher Instanzen – immer lauter wird, droht nicht nur eine Verfolgung, sondern die erste globalisierte Verfolgung. Man stelle sich nur eine Gesellschaft vor, in der der Zahlungsverkehr elektronisch abliefe, alle Daten elektronisch gespeichert und global abgeglichen und ausgetauscht werden können, durch Satellitentechnologie eine hochauflösende Überwachung auch der entlegenen Schlupfwinkel denkbar wäre, in denen Christen während früherer Verfolgungen immer noch Zuflucht finden konnten.

Man stelle sich eine Christenverfolgung vor, die globalisiert abläuft, und modernste Technik einsetzt. Wie gründlich, wie präzise, wie industriell wäre sie – was ein Wunder des technischen Fortschritts, ein Weltwunder der Moderne.

Das sind die Zeichen der Zeit, wie ich sie sehe, wie ich sie zu erkennen glaube. Sie sind nicht unausweichlich. Doch abgesehen von einem direkten Gnadenakt Gottes sehe ich nicht, wie wir an dieser Entwicklung vorbeikommen können. Gesellschaftliche Trends entwickeln eine Eigendynamik, und die gesellschaftlichen Trends, von denen hier die Rede ist, werden systematisch durch interessierte Kreise verstärkt. Sie werden ebensowenig von selbst aufhören, wie sie in den letzten gut dreihundert Jahren von selbst aufgehört haben. Es gibt keinen Grund anzunehmen, dass sich alles von selbst wieder zum Guten wenden wird, und unsere verbliebene menschliche Kraft ist zu gering, um den Kurs der Weltgeschichte auch nur um eine Bogensekunde zu beeinflussen.

Solange es keinen außerordentlichen direkten Eingriff von Ganz Oben gibt, wird es zu dieser Verfolgung kommen – vielleicht etwas früher, vielleicht etwas später. Aber sie wird kommen.

Und dann wird das Blut der Märtyrer wieder zur Saat der Kirche, und ein neuer Tag bricht an und die Krise wird vorüber sein

Zeichen der Zeit (Teil 1)

Einleitung

Eines der beliebtesten Schlagwörter unserer Tage ist wohl, die Kirche müsse endlich die Zeichen der Zeit erkennen, und sich nach ihnen richten. Gemeint ist in der Regel die Anpassung des kirchlichen Glaubens und der Moral an die herrschenden Trends der Zeit. Doch das hat nichts mit dem zu tun, was der Christ unter dem Erkennen der Zeichen der Zeit versteht, wie jedem klar sein dürfte, der sich die Mühe gemacht hat, die entsprechenden Herrenworte einmal zum Gegenstand des Gebets oder auch nur des logischen Denkens zu machen.

Erkennen der Zeichen der Zeit

Doch es gibt wirklich Zeichen der Zeit, die die Kirche wirklich erkennen muss. Zum Beispiel deuten sich große Krisen, Verfolgungen, in der Regel Jahre und Jahrzehnte vorher an. Sie sind sichtbar für denjenigen, der mit wachem Auge die Welt anschaut, sie kennt, aber ihr nicht verhaftet ist. Ich spreche nicht von Propheten, die durch göttliche Gnadengabe Dinge sehen und prophezeihen können, welche kein normaler Menschenverstand hätte erkennen können – ich meine die Zeichen, die deutlich machen, was geschehen wird, wenn sich nichts ändert, und die durch Gebrauch der Wahrnehmungsfähigkeit und des Verstandes erkannt werden können.

In unserer Zeit sind diese Zeichen mit Leuchtschrift quer über den ganzen Erdball geschrieben, wenn man sie sehen will.

Einige Beispiele

In den Ländern, in denen das Christentum zuerst etabliert wurde, wird es heute mehr und mehr verfolgt. Die koptischen Gemeinden in Ägypten, die irakischen Christen, die es seit der „Befreiung“ von ihrem Diktator sehr schwer haben, generell die Christen des Nahen Ostens und Nordafrikas, schwinden rapide dahin durch Vertreibungen, Verfolgungen und direkten Mord.

Und das angeblich christliche Abendland, so könnte man meinen, schaut tatenlos zu. Bis auf das eine oder andere pflichtschuldige Wörtchen über die Rechte religiöser Minderheiten allgemein, die erschreckend in ihrer Kraftlosigkeit und verstörend in ihrer Beliebigkeit daherkommen, und in ihrer Effektivität dem bekannten Tropfen auf dem heißen Stein noch um einiges nachstehen, geschieht nichts. Und wenn doch, dann begünstigen die Aktionen des „christlichen Abendlandes“ in diesen Ländern eher noch die Vertreibung und Verfolgung der Christen, die von den säkularen Diktatoren, die der achso schöne „arabische Frühling“ zu beseitigen unternimmt, in den meisten Fällen noch zähneknirschend geduldet wurden.

Und in den Ländern des christlichen Abendlandes selbst sieht es zwar aktuell noch besser aus, was die direkte körperliche Bedrohung von Christen angeht, doch im spirituellen Sinne ist dies das wahre „Schlachtfeld“ – denn das Blut der Märtyrer belebt die ganze Christenheit immer wieder neu, während das langsame Entschlafen der westlichen Christen, ihre Gleichgültigkeit und Apathie, keinen solchen Effekt hat. Der Teufel ist nicht dumm – er hat die Lektion gelernt. Direkte Verfolgungen, so gern er sie auch hat, sind für seine Sache auf lange Sicht schädlich. Viel besser ist es für ihn, wenn die Christen nicht durch den Tod als Märtyrer zur Schau des göttlichen Angesichts im Himmel kommen, sondern langsam von ihrem Glauben wegdriften, geistlichen Tod durch die besondere Mischung von fanatischem Amüsement und geisttötender Langeweile erleiden, die die westlichen Gesellschaften kennzeichnet. Denn die geistlich Sterbenden, im Unterschied zu den körperlich sterbenden Märtyrern, erlangen nicht unbedingt die ewige Seligkeit, sondern sind im Gegenteil hervorragende Anwärter für die ebenso ewige Verdammnis.

Die Fehler des Teufels

Doch auch wenn der Teufel dumm ist, er ist doch unverbesserlich. Er wird dieselben Fehler wieder machen, und auch im Westen mehren sich die Zeichen einer bevorstehenden Verfolgung. Das Wort des amerikanischen Kardinals, er werde im Bett sterben, sein Nachfolger im Gefängnis, ist keine unfehlbare Prophezeihung. Aber es scheint, angesichts der gesellschaftlichen Trends, keine allzu weit hergeholte oder unwahrscheinliche Prognose zu sein. Im Gegenteil. Bereits heute sind Christen in einer Vielzahl gesellschaftlicher Bereiche unter Beschuss geraten. In den Vereinigten Staaten kämpft eine schrumpfende Kirche um den Erhalt des Rechts, keine schwerwiegenden moralischen Übel wie Verhütung und Sterilisierung mitfinanzieren zu müssen. Das ist nur eines von sehr vielen Beispielen. War es vor 100 Jahren die Kirche, die die Religionsfreiheit abgelehnt hat, um die Vorrechte des wahren Glaubens zu erhalten, so sind wir heute in der paradoxen Situation, dass der Kampf um Vorrechte, um die Förderung des wahren Glaubens, im Westen verloren ist, und selbst der Kampf um gleiche Rechte für die katholische Religion nicht gerade gut steht. Und die USA haben es weitaus besser als Westeuropa – dort gibt es wenigstens wahrnehmbare Bewegungen zur Verteidigung des Glaubens. Hier in Deutschland haben sich die offiziellen Kirchenvertreter viele Jahre lang geradezu um die Komplizenschaft bei der Abtreibung gerissen, damit sie gesellschaftlich nicht an Anerkennung verlieren, und sind bis heute – von wenigen Ausnahmen abgesehen – stumm angesichts der großen Übel geblieben, die unsere Familien in hochmütiger Verfolgung von „Emanzipation“ und „Selbstverwirklichung“ zerrissen, die Schafe durch religiösen Indifferentismus und Modernismus verstreut, und die Seelen in höchste Gefahr des ewigen Todes gebracht haben.

Was die Effektivität der kirchlichen Antwort auf die moralischen Übel unserer Zeit betrifft, die kann jeder selbst beurteilen, wenn er sich die Abtreibungszahlen, Scheidungsraten und Eheschließungen unter Katholiken anschaut, und sie mit den entsprechenden Zahlen unter den falschen Religionen anschaut. Dasselbe gilt für die religiösen Übel der Zeit – die Kirchen sind leer, und wenn man der durchschnittlichen Glaubensverkündigung tatsächlich glauben möchte, hat das auch seinen guten Grund: Warum soll man das ungünstig gelegene, nicht besonders aufregende Gemeidemahl besuchen, als das das Heilige Messopfer allzu oft dargestellt wird? Warum soll man fest dem wahren Glauben anhängen, wenn doch alle Religionen gleich gut sind, und keine für sich Wahrheit beanspruchen kann? Warum soll man sich gegen die moralischen Übel verwahren, sündhafte Handlungen unterlassen, und nach Heiligkeit streben, wenn Gottes Barmherzigkeit bedeutet, dass es ihn nicht interessiert, was wir tun, solange wir Spaß daran haben, und unser Gewissen nach sorgfältiger Vernachlässigung und Verrohung nicht mehr dagegen aufbegehrt (oder wir es zum Schweigen gebracht haben)?

Und damit lasse ich den Leser für heute allein – morgen folgt der zweite Teil dieser Betrachtung der Zeichen der Zeit