Die zwei Kirchenbilder nach Kardinal Bergoglio

Vor dem Konklave hat der damalige Kardinal Bergoglio offenbar eine programmatische Rede vor der Kardinalsversammlung gehalten, die von nicht wenigen Beobachtern als mindestens teilweise ausschlaggebend für den späteren Verlauf des Konklaves gesehen wird. Sie lässt sich in deutscher Übersetzung auf kath.net nachlesen. Ich möchte sie an dieser Stelle (wie üblich) in roter Schrift kommentieren. Hervorhebungen von Catocon.

Ich habe Bezug genommen auf die Evangelisierung. (Mission?) Sie ist der Daseinsgrund der Kirche. Es ist die «süße, tröstende Freude, das Evangelium zu verkünden» (Paul VI.). Es ist Jesus Christus selbst, der uns von innen her dazu antreibt.

1. Evangelisierung setzt apostolischen Eifer voraus. Sie setzt in der Kirche kühne Redefreiheit (was ist damit gemeint? Dass jeder sagen soll, was er gerade so denkt, ohne Rücksicht auf die überlieferten Wahrheiten? Der Begriff ist leider katastrophal vieldeutig.) voraus, damit sie aus sich selbst herausgeht. Sie ist aufgerufen, aus sich selbst herauszugehen und an die Ränder zu gehen. Nicht nur an die geografischen Ränder, sondern an die Grenzen der menschlichen Existenz: die des Mysteriums der Sünde, die des Schmerzes, die der Ungerechtigkeit, die der Ignoranz, die der fehlenden religiösen Praxis, die des Denkens, die jeglichen Elends. (Was soll das bedeuten? Es klingt ganz schön. Was bringen aber die Luftblasen, die man sonst hauptsächlich aus den Einlassungen deutscher Bischöfe kennt?)

2. Wenn die Kirche nicht aus sich selbst herausgeht (was auch immer das heißen soll…) , um das Evangelium zu verkünden, kreist sie um sich selbst. Dann wird sie krank (vgl. die gekrümmte Frau im Evangelium). Die Übel, die sich im Laufe der Zeit in den kirchlichen Institutionen entwickeln (als da wären? Von welchen Übeln spricht Kardinal Bergoglio? Jeder kann darin seine Lieblingsübel sehen.), haben ihre Wurzel in dieser Selbstbezogenheit. Es ist ein Geist des theologischen Narzissmus. (Was auch immer das nun schon wieder bedeuten soll. Die Stoßrichtung, solange man aus den unscharfen Worten so etwas überhaupt ersehen kann, deutet auf mehr „Aggiornamento“ hin – die Kirche verlässt sich selbst, um der modernen Welt entgegenzukommen.)

In der Offenbarung sagt Jesus, dass er an der Tür steht und anklopft. In dem Bibeltext geht es offensichtlich darum, dass er von außen klopft, um hereinzukommen … Aber ich denke an die Male, wenn Jesus von innen klopft, damit wir ihn herauskommen lassen. Die egozentrische Kirche (was ist das? Man merkt, dass Bergoglio seine Theologie aus Deutschland hat und Kardinal Kaspers theologisches Denken bewundert. Es fehlt an klaren Worten.) beansprucht Jesus für sich drinnen und lässt ihn nicht nach außen treten. (Worin besteht der Vorwurf an die ach so egozentrische Kirche? Bergoglio wird jetzt ein wenig deutlicher. Das Problem ist, dass die Kirche „Jesus für sich beansprucht“. Nun ja, immerhin hat Jesus die Kirche eingesetzt, und außerhalb ihrer ist kein Heil. Oder glaubt der Kardinal das am Ende überhaupt nicht mehr?)

3. Die um sich selbst kreisende Kirche glaubt – ohne dass es ihr bewusst wäre (Kardinal Bergoglio hat tiefenpsychologische Einsichten in den Geist des diffus-unscharfen Phantoms, das er als Feindbild aufbaut, ohne zu sagen, gegen wen und was er sich eigentlich richten möchte) – dass sie eigenes Licht hat. (Wer behauptet das? Das Licht der Kirche kommt von Christus, doch es ist in Fülle allein der Kirche gegeben, und eben nicht den von Bergoglio in Buenos Aires so bewunderten schismatischen und häretischen Gruppen im Gefolge der protestantischen Revolte.) Die Kirche Sie hört auf, das «Geheimnis des Lichts» zu sein, und dann gibt sie jenem schrecklichen Übel der «geistlichen Mondänität» Raum (nach Worten de Lubacs (eines Neomodernisten) das schlimmste Übel, was der Kirche passieren kann). Diese (Kirche) lebt, damit die einen die anderen beweihräuchern. Vereinfacht gesagt: Es gibt zwei Kirchenbilder: die verkündende Kirche, die aus sich selbst hinausgeht, die das «Wort Gottes ehrfürchtig vernimmt und getreu verkündet»; und die mondäne Kirche, die in sich, von sich und für sich lebt.

Dies muss ein Licht auf die möglichen Veränderungen und Reformen werfen, die notwendig sind für die Rettung der Seelen.

Was sagt uns diese programmatische Rede?

Erstens, dass der neue Papst die Fortführung des Aggiornamento nach Stil und Inhalt uneingeschränkt wünscht, denn seine Worte sind ja nichts anderes, als was die Aggiornamento-Fanatiker der letzten 50 Jahre ständig gebetsmühlenartig wiederholen, zweitens, dass er mindestens dem Wort nach noch von „getreuer“ Verkündigung spricht, doch ohne zu sagen, wem diese Verkündigung treu bleiben soll, drittens, dass er den wesentlichen Konflikt nicht zwischen der Verkündung der wahren Lehre aus Schrift und Überlieferung und den Häretikern sieht, sondern zwischen den Verstockten, die immer noch wollen, dass die Kirche „Jesus für sich beansprucht“ und denen, die solche Ansprüche nicht mehr erheben, sondern stattdessen mit unklaren Zielen in die Welt hinausgehen wollen.

Viertens, dass Kardinal Bergoglio seine Worte mit Bedacht gewählt hat, so dass sie neben der sich aufdrängenden modernistischen Interpretation mit etwas Phantasie auch orthodox-katholisch gelesen werden können, dass er also die Nebelkerzendiktion des II: Vatikanums kritiklos übernimmt.

Fünftens, dass Kardinal Bergoglios Rede keinerlei brauchbare Ansätze für eine wirkliche Rückkehr zur Missions- oder (meinetwegen) Evangelisierungsarbeit bietet, sondern allein den üblichen vieldeutigen Singsang postkonziliarer Bruchhermeneutiker nachbetet, wie man es auch nicht anders hätte erwarten können, wenn man sein Werk als Erzbischof von Buenos Aires betrachtet.

Sechstens, dass er die Fortführung der praktisch umgesetzten Revolution nach dem Konzil nicht nur befürwortet, sondern für die „Rettung der Seelen“ wörtlich als „notwendig“ bezeichnet.

Siebtens, dass es gerade unter Papst Franziskus wichtig ist, die Treue zum Papstamt und zur Kirche nicht mit der Zustimmung zu den Wortmeldungen des Papstes zu verwechseln.

Achtens, dass Papst Franziskus ein sehr intelligenter, zielstrebiger Mann ist, der nun wie erwartet ganz genau die Ideen umzusetzen beginnt, die er schon vor dem Konklave gegenüber den Kardinälen in diffusen, aber doch der Tendenz nach verständlichen Worten mitgeteilt hat, und die sein Wirken als Erzbischof von Buenos Aires charakterisiert haben.

Neuntens, dass es offenbar für die anti-benediktinische Bruchhermeneutik, die in der Praxis bisher immer zu Modernismus im Glauben, Indifferentismus in der Sittenlehre und Missbrauch der Liturgie geführt hat, wobei die Erzdiözese von Buenos Aires keine Ausnahme darstellt, eine erdrutschartige Mehrheit im Konklave gegeben hat.

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Drei einfache Beobachtungen

1. Abtreibung ist nach katholischer Lehre grundsätzlich verwerflich, auch wenn sie in den ersten Stunden oder Tagen nach der Befruchtung stattfindet. Da es sich bei Abtreibung um die Tötung eines unschuldigen Menschen handelt, reicht selbst ein geringer Verdacht, es könne zur Abtreibung kommen, bereits aus, um die Einnahme der „Pille danach“ kategorisch abzulehnen. Auch wenn es einige Studien gibt (auf die sich die deutschen Bischöfe jetzt berufen wollen), nach denen die „Pille danach“ womöglich ohne nidationshemmende (=frühabtreibende) Wirkung funktioniert, gibt es ebenso Studien, die das genaue Gegenteil behaupten. Die Wirkweise ist nicht endgültig geklärt. Es ist also keinesfalls auszuschließen, dass es durch die „Pille danach“ zu Frühabtreibungen kommt.

Im Zweifelsfall daher für das Leben und gegen die „Pille danach“.

2. Die Tötung unschuldiger Menschen ist auch dann nicht erlaubt, wenn eine Vergewaltigung vorhergegangen ist. Die Tatsache, dass die Mutter vergewaltigt wurde, entschuldigt nicht, dass sie ihr Kind (durch die Einnahme einer möglicherweise frühabtreibenden Medikation) womöglich tötet. Selbstverständlich kann durch die Situation extremer psychischer Belastung, der eine Frau infolge einer Vergewaltigung oft ausgesetzt ist, im Einzelfall die Schuldfähigkeit der Frau mindern, doch Abtreibung bleibt eine Todsünde und eine Abtreibung billigend in Kauf zu nehmen, indem man die „Pille danach“ nimmt (oder sie einer Frau anbietet, verabreicht, verschreibt etc.) ist nicht viel besser. Übrigens kann das Kind am allerwenigsten für seinen Vater. Wer gegen die Todesstrafe für Vergewaltiger ist, der sollte die Todesstrafe für das Kind des Vergewaltigers erst recht ablehnen.

Vergewaltigung rechtfertigt also keinesfalls, die Tötung des unschuldigen Kindes billigend in Kauf zu nehmen, wie dies bei der Einnahme der „Pille danach“ geschieht.

3. Verhütung ist nach der Lehre der Kirche ein intrinsisches Übel, d.h. sie kann nicht durch die Umstände gerechtfertigt werden. Sie ist an sich moralisch falsch. Es gibt einige orthodoxe katholische Theologen, die die Einnahme eines (nicht-frühabtreibenden) Verhütungsmittels in Extremsituationen rechtfertigen wollen, um ein größeres Übel zu verhindern. Wie auch immer es damit bestellt sein mag – im Falle einer bereits geschehenen Vergewaltigung wird durch die „Pille danach“, selbst wenn sie nicht frühabtreibend wirkt, kein „größeres Übel“ verhindert, sondern die Entstehung eines von Gott selbst geschaffenen Menschenlebens! Das ist kein Übel, sondern ein Segen, wie schrecklich die Umstände seiner Entstehung auch gewesen sein mögen.

Das geschehene große Übel, die Vergewaltigung, kann durch eine nachträgliche Verhütung nicht mehr rückgängig gemacht werden. Sie ist unwiderruflich geschehen. Die Frage bleibt nur, was man dann aus der Situation macht. Wie gesagt, das Kind kann nichts für seinen Vater. Ich verstehe, dass Frauen nach Vergewaltigungen oft das in ihnen wachsende Leben hassen. Sie müssen es auch, wenn sie sich dazu nicht in der Lage fühlen, nicht großziehen.

Aber sie dürfen es nicht töten und sie dürfen auch keine schweren Sünden (wie Verhütung) begehen, damit sich ihr belasteter psychischer Zustand dadurch bessere.

Zusammenfassung:

1. Abtreibung ist ein intrinsisches Übel, eine schwere Sünde, die niemals zulässig ist, auch nicht zur Verhinderung eines anderen Übels. Der Zweck heiligt nicht die Mittel.

2. Da Abtreibung nicht durch die Umstände gerechtfertigt werden kann, gilt dies auch für Kinder, die von Gott infolge dieses großen Übels Vergewaltigung geschaffen worden sind.

3. Was für Abtreibung gilt, trifft auch für Verhütung zu.

Die Einnahme der „Pille danach“ ist aus diesen drei Gründen auch in Fällen von Vergewaltigung grundsätzlich und generell abzulehnen.

Sie zu empfehlen, zu verschreiben oder zu verabreichen stellt eine Form der Kooperation oder Beihilfe zur Begehung dieser Sünde dar und ist daher ebenfalls auch in Fällen von Vergewaltigung generell und grundsätzlich abzulehnen.

Dies ändert sich auch durch die falsche Meinung der Zeitgeistbischöfe, befeuert von falsch verstandenem Mitleid mit dem tatsächlich schrecklichen Schicksal vergewaltigter Frauen, nicht. Selbst wenn ein Präsident der Päpstlichen Akademie für das Leben der stehenden Haltung seiner eigenen Behörde im Interesse des Zeitgeists widerspricht. Mit dem Bauch zu denken und auf Meinungsumfragen zu hören führt gerade im Feld der Sittenlehre nur allzuoft zu schrecklichen Fehlschlüssen.

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Einige Verweise zum Thema:

Offizielle Stellungnahme der Päpstlichen Akademie für das Leben zur „Pille danach“ (2000) – dürfte wohl höher zu bewerten sein als die persönliche Meinung des Präsidenten… Hier ist keine Spur von moralischem Sentimentalismus bzw. Populismus. Die Wahre Lehre wird klar und deutlich vermittelt.

German Bishops give qualified approval of morning after pill (Life Site News)

World’s Top Authority on morning-after-pill says women must be told it may cause abortions (Life Site News) – Die Studienlage ist eben unklar. Im Zweifel für das Leben.

Vatican versus Vatican (Rorate Caeli) – Verschiedene widersprüchliche Aussagen aus dem Vatikan zum Thema „Pille danach“

Vatican II at 50: German bishops OK abortifacient morning-after-pill (Rorate Caeli)

Pope Benedict: Inaction to the end? (Mundabor)

Mut zur Lebensferne

Immer wieder begegnet mir die Aussage, irgendetwas sei „lebensfern“, „lebensfremd“ oder „weltfremd“. Oft geht es dabei um die Kirche. Es sei etwa lebensfremd, dass die Kirche bis heute die Sündhaftigkeit gelebter Homosexualität oder die grundsätzliche Verwerflichkeit von Verhütungsmitteln lehre. So etwas sei den Menschen von heute nicht mehr zu vermitteln. Es ist lebensfern. Diese Aussage ist in der Regel gleichbedeutend mit: „Es soll geändert werden“. Schließlich, so geht die bekannte Rede, müsse die Kirche zu den Menschen gebracht werden. Die Kirche müsse den Menschen nahe sein.

Natürlich stimmt das in einer gewissen Hinsicht auch. Ein Auftrag der Kirche ist tatsächlich, den Menschen zu helfen. In allen Zeiten hat die Kirche sich für die Armen und Schwachen eingesetzt. Selbst Kirchenfeinde würdigen oft ihre soziale Tätigkeit und kaum jemand möchte ernsthaft auf die Leistungen der Kirche in dieser Funktion verzichten – nicht einmal Claudia Roth. Für diese Aufgabe muss die Kirche also ganz nah bei den Menschen sein. Der Helfer muss nah bei den Menschen sein, um helfen zu können und es bringt nicht viel, wenn der Arzt während einer diffizilen Operation zehn Kilometer von seinem Patienten entfernt ist.

Doch selbst wenn wir dies den Agitatoren der „Lebensnähe“ zugestehen, bleibt doch die Frage übrig, ob sich der Auftrag der Kirche in dieser sozialen Tätigkeit erschöpfe. Es ist notwendig, dass die Kirche den Menschen hilft. Doch reicht das schon? Um welche Hilfe geht es dabei? Ist nicht die Aufgabe der Kirche in erster Linie das Seelenheil der Menschen und hilft sie nicht am meisten, indem sie bei der Erlösung hilft? Ist nicht der größte Dienst am Menschen der Dienst an ihrem Seelenheil? Ist das nicht die wahre Grundlage der kirchlichen Tätigkeit?

Was bedeutet es, einem Menschen zu helfen? Man hilft einem Menschen, indem man ihm gibt, was er braucht. Was er braucht kann durchaus etwas ganz anderes sein, als was er will. Der Helfer, und das gilt bei weltlichen ebenso wie bei geistigen Dingen, steht oft vor der Herausforderung, dass der, dem geholfen werden soll, die Hilfe einfach ablehnt. Im Endeffekt muss man das akzeptieren, wenn es sich um einen mündigen Erwachsenen handelt. Wer die Hilfe ablehnt, dem kann nicht geholfen werden. Wer selbst nach hundertfacher Aufforderung nicht klopfen möchte, dem wird auch nicht aufgetan. Am Ende sind die Menschen für sich selbst verantwortlich, und die Kirche kann sie nicht zwingen, sich helfen zu lassen.

Doch sie kann versuchen, sie zu überzeugen. Wenn ein Mensch eine schwere Krankheit hat, und der Arzt weiß, allein die Therapie „x“ kann ihm jetzt noch helfen, dann wird er versuchen, den Patienten von den Vorzügen dieser Therapie zu überzeugen. Vielleicht ist die Therapie schmerzhaft, doch sie ist notwendig, wenn der Patient überleben möchte. Man könnte sagen, der Arzt sei „lebensfremd“, weil er „unbarmherzig“ die Schmerzen des Patienten ignoriert und einfach mit seiner „dogmatischen“, „rigiden“, „unflexiblen“ Therapie fortfährt, ohne sich um die offensichtlichen Bedürfnisse des Patienten zu kümmern.

Niemand würde dies ernsthaft behaupten. Der Arzt möchte den Patienten retten, und deswegen rät der Arzt seinem Patienten zu der schmerzhaften Therapie. Das ist keine Lebensferne, und keine Unbarmherzigkeit, sondern einfach gesunder Menschenverstand.

Dasselbe gilt für die Kirche. Auch sie möchte den Menschen helfen. Auch die Therapie, die sie den Menschen anbieten kann, hat öfters schmerzhafte Nebenfolgen. Man muss von seinen Sünden ablassen, stetig gegen sie ankämpfen. Man muss umkehren. „Kehrt um! Das Himmelreich ist nahe!“, sagt Jesus. Bei vielen Menschen, etwa bei Ehebrechern, ist es notwendig, den ganzen Lebenswandel zu ändern und völlig neu anzufangen. Das kann schmerzhaft und schwierig sein, und wer wollte es dem Einzelnen verübeln, dass er Ressentiments gegen den Arzt entwickelt, der so eine schmerzhafte Therapie verordnet. Das kommt auch bei wirklichen Ärzten manchmal vor.

Doch allein der gesunde Menschenverstand sagt schon, dass eine notwendige Therapie auch dann notwendig bleibt, wenn sie unangenehm ist. So etwas ist in gewisser Hinsicht „lebensfern“, weil man von dem konkreten Schmerz absehen und gewissermaßen die Vogelperspektive einnehmen muss. Man muss das Ganze in den Blick nehmen. Und vor diesem Ganzen relativiert sich der weltliche Schmerz, der auftritt, wenn etwa der Ehebrecher zu Umkehr, Reue, Buße aufgerufen wird, und den ernstlichen Versuch unternimmt, diesen Weg auch tatsächlich zu gehen.

Aus der Vogelperspektive, ganz fern vom einzelnen, individuellen Leben und seinen alltäglichen und besonderen Sorgen, wird sichtbar, dass der Schmerz der Umkehr, die Umstellung des eigenen Lebenswandels, nicht einmal ein kleines Staubkorn ist, wenn man ihn mit dem Lohn vergleicht, der den Heiligen im Himmel erwartet.

Denn eines wird oft vergessen: Das Leben, das wahre Leben, endet nicht mit dem Tod. Der Tod ist nicht der Anfang vom Ende, sondern das Ende vom Anfang.

Oft ist es daher notwendig, diesem Leben fern zu sein, um jenem ganz nahe zu kommen. Unsere Schätze als Christen liegen im Himmel und nicht auf Erden, und keine noch so attraktive Geliebte kann so verzückend sein, wie die Ewige Anschauung des Herrn, der die Liebe ist.

Aber ja, das ist alles lebensfern und weltfremd. Es holt die Menschen nicht da ab, wo sie sind. Viele werden das weder hören noch verstehen wollen. Es spricht den Menschen von heute nicht an.

Na und?

Von der „relativen“ Armut Deutschlands

Als ich mir am vergangenen Sonntag eine SPD-Parteitagsrede Predigt zum Thema Caritas und Soziale Gerechtigkeit anhören durfte, ertappte ich mich dabei, wie mir die Melodie der „Internationalen“ durch den Kopf ging. Irgendwie passte die Melodie ganz gut zur Predigt.

Soziale Gerechtigkeit, so nahm der Laie an diesem Sonntag mit nach Hause, ist hauptsächlich über real existierende statistische Gleichheit hinsichtlich ökonomischer Maßzahlen zu definieren. Diese statistische, ökonomische Gleichheit soll durch staatliche Umverteilung erreicht werden, und wer dagegen aufbegehrt, ist unsozial und unchristlich. Natürlich kann und soll auch nach Auffassung des Diakons, der die Predigt gehalten hat, zusätzlich zur staatlichen Umverteilung noch so etwas wie nachbarschaftliche Hilfe stattfinden, aber selbst diese wurde nahezu ausschließlich im Kontext institutionalisierter katholischer Sozialverbände gesehen.

Von einem einzigen Satz abgesehen wurde nicht-institutionelle, unbürokratische Hilfe überhaupt nicht angesprochen.

Das Problem „soziale Gerechtigkeit“ kam im Kontext der Armutsdiskussion auf. Ein schrecklich hoher Prozentsatz der Deutschen gilt ja bekanntlich als arm. Und Armut macht krank, Armut tötet, reduziert die Partizipation am Bildungswesen usw. Die Armut, so die Aussage der Predigt, müsse unbedingt bekämpft werden. Der Diakon schilderte freundlicherweise, wie schrecklich Armut sein kann. Wenn die Menschen nicht genug zu essen haben, wenn sie kein Obdach haben und im Winter erfrieren müssen, und wenn der Zugang zu ganz elementarer medizinischer Versorgung fehlt.

Dass diesen Menschen unbedingt geholfen werden muss, und dass dies in einer weitgehend heidnischen Gesellschaft wohl nur durch staatliche Hilfe funktionieren wird, dürfte unstrittig sein.

Nur sollte man nicht vergessen – wie es in der Predigt leider geschah – dass diese Form existenzieller Armut etwas ganz anderes ist, als die „Armut“, von der in Deutschland über 15% der Menschen betroffen sind.

Das ist der Unterschied zwischen „absoluter“ und „relativer“ Armut. Absolute Armut liegt vor, wenn jemand nicht satt wird, kein Obdach hat oder an einfach heilbaren Krankheiten stirbt, weil er sich die Behandlung nicht leisten kann. Solche absolute Armut ist in der Welt extrem verbreitet, aber in Deutschland, dieser Insel des ökonomischen Reichtums, ist sie glücklicherweise sehr selten. Relative Armut ist eine statistische Maßzahl, die am Durchschnittseinkommen gemessen wird. Wer weniger als z.B. 60% des Durchschnittseinkommens (Medianeinkommens) verdient, der gilt als arm. Und zwar unabhängig davon, ob das Durchschnittseinkommen in einem Land bei 50 oder 5000 Euro im Monat liegt.

Wer in Deutschland in den Armutsstatistiken auftaucht, der hat weniger als einen bestimmten Prozentsatz des Durchschnittseinkommens. Die Armut, die von den Armutsstatistiken gemessen wird, wäre in fast allen nicht-westlichen Ländern gar keine Armut, sondern Reichtum (und zwar auch hinsichtlich der realen Kaufkraft), weil in diesen Ländern das Durchschnittseinkommen weitaus niedriger ist.

Es gebe in Deutschland immer mehr Armut, hört man ständig in den Medien. Immer mehr Menschen seien arm. Doch wenn der normale Mensch das Wort „Armut“ hört, dann hat er existenzielle Armut vor Augen, dann sieht er hungernde Kinder vor sich.

Doch das ist nicht das reale Bild der Armut in Deutschland. Arme Kinder leiden überdurchschnittlich häufig an Überernährung, nicht Unterernährung, haben in der Regel ein Telefon, einen Fernseher, und mehrheitlich auch einen Computer zu Hause. Die Eltern haben ein Auto, wenn auch vielleicht ein älteres. Sie haben eine Wohnung, die ihren Großeltern luxuriös vorgekommen wäre. Diese Menschen gelten in Deutschland aber als arm, weil der Rest der Gesellschaft eben noch reicher ist. Sie sind „relativ“ zu ihren Mitbürgern arm, aber absolut gesehen, sowohl im geographischen als auch historischen Vergleich, sind sie eher wohlhabend. (Aus christlicher Perspektive könnte man auch kritisieren, dass die Gesellschaft einen solchen Zustand materieller Überversorgung noch als Armut begreift, und dadurch ihre eigene Anhänglichkeit an den Mammon-Kult offenbart.)

Diese Art „relativer“ Armut, auch das sollte nicht unterschlagen werden, ist tatsächlich eher die Folge des Wohlfahrtsstaates. Wenn er halbwegs funktioniert, wird der Wohlfahrtsstaat in einem reichen Land existenzielle Armut so weit reduzieren, dass sie zu einem Randphänomen wird, das nur wenige Menschen betrifft, und statistisch gar nicht mehr erfasst werden kann. Was übrigbleibt, sind die Menschen, die zwar absolut gesehen nicht arm sind, die aber vergleichen mit ihren Mitbürgern einen unterdurchschnittlichen Verdienst aufweisen.

Diese Art Armut kann man nur bekämpfen, indem man dafür sorgt, dass sich reale Leistungsunterschiede nicht mehr in realen Einkommensunterschieden niederschlagen dürfen. Denn ansonsten wird es immer Menschen geben, die vergleichen mit ihren Mitmenschen schlechter abschneiden und daher einfach nicht so viel Geld verdienen. Es ist nun einmal eine Tatsache, dass Menschen nicht gleich sind, sondern äußerst verschieden, und das gilt auch hinsichtlich aller Faktoren, die für ökonomischen Erfolg entscheidend sind: Glück, Fleiß, Talent, Leistungsbereitschaft, die richtigen Kontakte… Alle diese Güter sind unterschiedlich verteilt, und kein noch so „sozial gerechter“ Staat kann das ändern, weil er die Menschen nicht ändern kann. (Und was passiert, wenn der Staat den Menschen doch zu verändern versucht, kann man in allen totalitären Diktaturen sehen. Ich hoffe, dass unsere wohlmeinenden „sozial gerechten“ Umverteilungsapostel in Staat und Kirche vor der Aufrichtung eines solchen Systems zurückschrecken werden, selbst wenn das die Aufgabe ihres Gleichmachungsziels bedeutet.)

„Relative Armut“ ist in jeder Gesellschaft gegeben. Und es kann sogar sein, dass relative Armut steigt, wenn alle Menschen reicher werden. Wenn nämlich das Durchschnittseinkommen um 10% steigt, und sich zugleich das Einkommen in unteren sozialen Schichten nur um 5% erhöht, dann sind zwar alle „absolut“ reicher geworden, aber „relativ“ hat sich die Armut erhöht, und die Druckerpressen können wieder anlaufen und apodiktisch verkündigen, dass „die Armen ärmer und die Reichen reicher“ werden und die „Schere zwischen Arm und Reich“ immer weiter anwächst.

Ja, natürlich. Aber trotzdem sind alle reicher geworden, wenn auch in unterschiedlichem Maße. Das, was der heutige Hartz-IV-Empfänger (kaufkraftäquivalent) zur Verfügung hat, kann sich verglichen mit dem Lohn eines einfachen kleinbürgerlichen Arbeitnehmers aus den 50er und 60er-Jahren durchaus sehen lassen. Der kleinbürgerliche, abgesicherte Arbeitnehmer aus der Generation meines Großvaters hatte nicht mehr als der heutige Hartz-IV-Empfänger.

Der entscheidende Unterschied ist: Er wusste damit besser umzugehen.

Worin bestehen diese Unterschiede? Er wusste sparsam zu wirtschaften. Er hatte in der Regel eine Ehefrau (und nur eine!) zu versorgen, und im Schnitt drei Kinder. Er hat fünf Personen von diesem einen Einkommen ernährt, weil er sparsam war. Er hatte keine unrealistischen Erwartungen; er wusste, dass jemand, der einen einfachen Job hatte, keine großen Sprünge erwarten durfte. Er versagte sich und seiner Familie daher jeglichen überflüssigen Luxus, nicht als Asket, sondern als rationaler Hedonist. Er war sparsam, um sich dann später, kalkuliert, wenn es Sinn machte, etwas leisten zu können.

Wenn unsere heutigen Deutschen nach einem Krieg alles wieder aufbauen müssten, würde ihnen nichts besseres einfallen, als Transparente zu greifen und für mehr staatliche Hilfen zu demonstrieren. Und in vollkommener Frustration irgendetwas von der „Schere zwischen Arm und Reich“ zu schwafeln, wenn der Staat ihnen ihre zerbombten Häuser  nicht innerhalb von sechs Monaten größer und besser wieder aufbaut.

Die „relative Armut“ in Deutschland mag größer sein als vor 50 Jahren. Doch das bedeutet nur, dass das Durchschnittseinkommen, an dem „relative Armut“ gemessen wird, gestiegen ist.

Wenn diese Armut für viele Betroffene heute stärker fühlbar ist, als dies noch vor einigen Jahrzehnten der Fall war, dann hat das nichts mit ökonomischen Maßzahlen zu tun, sondern damit, dass die Stützpfeiler einer Gesellschaft (Familie, Nachbarschaftlichkeit, Gemeindesolidarität, freiwillige „mittlere“ Institutionen aller Art usw.) durch eine gezielte, als „Fortschritt“ verkaufte politisch-kulturelle Revolution, systematisch gesprengt worden sind; mit allen Auswirkungen auf die soziale Sicherheit, aber auch die Charakterbildung, die so eine Revolution hat.

Als Folge davon haben wir heute eine wachsende Anzahl Bürger, die ganz einfach unfähig sind, ein sparsames, kleinbürgerliches Leben an dem sozialen Ort, den manche Sozialforscher untere Mittelschicht nennen möchten, zu führen, weil ihnen schlicht die Tugenden – ja, Tugenden! – fehlen, um aus wenigen Ressourcen und einer nicht idealen sozialen Position das beste zu machen.

Es sind die bekannten, viel kritisierten bürgerlichen Tugenden wie Disziplin, Sparsamkeit, Pünktlichkeit, Verlässlichkeit, Bescheidenheit und Aufrichtigkeit, die aus „bitterer, relativer Armut“ eine anständige, respektable Existenz zu machen fähig sind. Und diese Tugenden lernt man eben nur durch Übung, indem man sie immer wieder nachahmt. Normalerweise geschieht dies in der Familie.

So kann es nicht verwundern, dass selbst die „relative“ Kinderarmut unter Kindern, die einen Vater und eine Mutter haben, die verheiratet sind, und von denen mindestens einer berufstätig ist, etwa bei 2% liegt, während fast die Hälfte der Kinder von „Alleinerziehenden“ unterhalb der ominösen „Armutsschwelle“ liegen.

Doch darüber herrscht auf den Kanzeln das große Schweigen, denn man will ja niemandem auf die Füße treten. Am Ende tritt so jemand noch aus der Kirche aus und verkleinert dadurch die steuerlichen Pfründe, auf denen sich die säkularisierte, modernistische Schattenkirche ausruht.

Dabei hat die Kirche doch eine so große Soziallehre, die leider immer mehr in Vergessenheit gerät, weil die offiziellen Vertreter der Kirche sie durch weichgespülten Sozialismus ersetzen.

Vom Dialog der Schattenkirche

Es folgt: „Catocon sah Tiere – Ernsthaftigkeit voller Ernst“

Erzbischof Zollitsch – der Leser weiß, was kommt, wenn auf diesem Blog der Name des freundlichen, liebenswürdigen, schwäbischen Märchenonkels aus dem heutigen Serbien genannt wird – kündet, wie kath.net zu berichten weiß, derzeit von den gar erbaulichen Ergebnissen des deutsch-katholischen Dialogprozesses, in dem hauptsächlich verbandskatholische Neo-Reformatoren über die weitere Protestantisierung der geschundenen Mutter Kirche zu beraten unternehmen.

Natürlich braucht man weder den Artikel auf kath.net noch irgendeinen anderen Bericht zum Thema zu lesen. Man weiß ohnehin schon, worin die angepriesenen Ergebnisse bestehen. Natürlich soll weiter beraten werden. Dialog ist ein Instrument zur Schaffung von Dialog, und jede Institution tendiert dazu, sich selbst immer neue Aufgabenfelder zu schaffen, um Fortbestand, Expansion und Finanzmittel zu sichern.

Doch es gibt immerhin eine atemberaubende neue Entwicklung im Gleichklang der revolutionären Graubärtinnen und Graubärte, die im Stuhlkreis tanzend das immergleiche Lied vom Aufbruch verkrusteter Strukturen in eine Neue Zukunft von Kirche singen. Es soll nun nicht mehr nur geredet und verhandelt und gesprochen und diskutiert – offen und ehrlich und ohne Denkverbote, versteht sich – sondern endlich auch gehandelt werden. Die verbandskatholische Armada bereitet sich vor, in See zu stechen. Der Stapellauf der neuen Reformagenda ist in vollem Gange. Bald wird das Schiff der Kirchenreform in gewohnter Manier den starren, überholten, mittelalterlichen, feudalistischen Strukturen den Kampf ansagen, die (durch ihr Festhalten an Zölibat und Sündhaftigkeit der Homosexualität) männliche Priester im Alleingang dazu gebracht haben, sich an vorwiegend männlichen Jugendlichen zu vergehen, indem sie ihre gleichgeschlechtlichen Neigungen frei und ohne falsche Hemmungen und Schuldgefühle ausleben. Und dann werden die Gewohnheitsreformatoren aller Geschlechter die längst überfällige Reform der verkrusteten Strukturen anpacken. Gehhilfen für alle! Sie werden die Flotte der Reaktionäre aufbringen und ihre Schiffe entern. Mit ihren Gehstöcken werden sie den Widerstand der dunklen Krustenkatholiken brechen und die offenen Türen der hinterwäldlerischen Kirchenhierarchie einreißen, und Licht von Freiheit wird in Kirche neue Funken schlagen, und ein Neuer Frühling des Aufbruchs bricht an und bricht aus und bricht mit Rom.

Die Dialoggespräche im verfahrenen Dialogprozess haben, wie gesagt, im immerwährenden Gleichklang des Fortschritts eine neue Dimension erreicht. Wie der Erzbischof Zollitsch verkündet, soll nun, wie schon angedeutet, nicht mehr nur gesprochen und geredet werden, sondern es soll einen Studientag geben, auf dem, wie der Name schon sagt, studiert werden soll. Gehhilfen für alle! Dies ist der Aufbruch des Aufbruchs, der Anfang vom Ende der muffigen Kirchenhierarchie, die sich unter seit Jahrzehnten nicht mehr getragenen Soutanen nicht länger verstecken kann.

Denn jetzt werden die Bleistifte gespitzt und es wird studiert. Was wird studiert? Die Rolle der Frauen in Kirche. Es soll auch mehr „Frauen in Führungspositionen“ in Kirche geben. So spricht und verspricht es zumindest der freundliche Erzbischof von Freiburg. Da „Führungspositionen“ in der katholischen Kirche priesterlicher Natur sind, ist wohl von der Befreiung des Diakonats und/oder Priestertums vom patriarchalischen Dunkelkatholizismus die Rede.

Ob Kristina Schröder und Ursula von der Leyen bereits damit beauftragt worden sind, für diese aufregende neue Idee die passende Frauenquote festzulegen? Gehhilfen für alle!

Immerhin kann wieder einmal konstatiert werden, dass der mutige Schritt der deutschen Schattenkirche unter Papst Dialogos I. so unerhört mutig und revolutionär und aufbrecherisch ist, dass er in seiner ganzen Unerhörtheit ungehört zu bleiben gezwungen ist, weil heimtückische Dunkelkatholiken, wie der radikale ultra-traditionalistische, beton-konservative Patriarchenpapst Pius XIII. Johannes Paul II., im Mittelalter, im vergangenen Jahrtausend, sich in ihrem längst veralteten Dogmatismus angemaßt haben, für alle Zeiten zu bestimmen, dass die Frau in demütigender Abhängigkeit und Minderwertigkeit zu halten ist, indem man ihr die gleiche Teilhabe am Priesteramt in derselben Form verwehrt, in der es schon der unverbesserliche Sexist Jesus von Nazareth zur dauerhaften Unterjochung der Frau bestimmt haben soll (wenn man einmal den nachträglich erfundenen Geschichten über Jesus glauben will, die eine patriarchalische Kirche in tyrannischer Weise diesem Wanderprediger in den Mund gelegt hat).

Diese Gesamtthematik soll nun, hoffentlich aus aufklärerisch-feministischer Sicht, studiert werden. Glücklicherweise steht das Ergebnis schon vorher fest und ist sicher in ideologische Worthülsen verpackt, so dass keine „rationale“ Beschäftigung mit dem Thema droht. Gehhilfen für alle! Diese wäre auch in hohem Maße desaströs, weil in dem treibhausartigen Klima der ängstlichen Unterdrückung, das besonders der bissige Schäferhund Ratzinger in Kirche wieder erzeugt hat, nur die übliche, sozial-konstruierte phallozentrische Perspektive zu Wort kommen könnte, bloß weil alle anderen Perspektiven sich von logozentrischen Betrachtungsweisen abgrenzen, um alternativen Stimmen Gehör zu verschaffen und der Kontamination durch fremdartige Partikel zu trotzen, die von traditionalistischen Hinterwäldlern als „Argumente“ bezeichnet werden.

Die Ergebnisse des Dialogprozesses werden in die Geschichte als der Tag eingehen, an dem der Aufbruch endlich angebrochen und die Kirche endlich abgebrochen wurde, wenn das energische Signal, das seit Jahren und Jahrzehnten um die Stühle kreist, nicht als Ende, sondern als Anfang einer beständigen Diskontinuität der Reform gesehen wird. Das ist an diesem historischen Wendepunkt, in dieser denkunwürdigen historischen Stunde, besonders bedeutsam. Gehhilfen für alle! Wir müssen im Geist des Konzils den Geist des Dialogprozesses suchen und finden, auf dass eine Neue Kirche werde, und das alte Modell, das nicht von aufgeklärten, modernen, emanzipierten Frauen aller Geschlechter, sondern von einem hinterwäldlerischen Zimmermann aus einem winzigen, rückständigen Dörfchen irgendwo in Palästina gegründet worden ist, und daher nicht mehr in unsere Zeit passt, endlich zu Grabe getragen wird, und seine verdiente ewige Ruhe auf dem Müllhaufen der Geschichte findet, nachdem es auf dem Altar der Politischen Korrektheit ohne Weihrauch (nach Empfehlung des Liturgieprofessors) geopfert worden ist.

Fühlt ihr auch den frischen Atem, den unsere Kirche ausströmt, wenn sie alles mutig nachbetet, was der Rest der Welt seit Jahrzehnten fordert, und dadurch ganz neue Akzente setzt, die allein den wahren Aufbruch verbürgen können? Und Gehhilfen für alle natürlich! Öffnet die Fenster und lasst die Frische Luft des Neuen Frühlings in unsere Kirche hinein und unterstützt enthusiastisch die neuen Ergebnisse und Forderungen des sechshundertsechsundsechzigsten Aufgusses des guten alten Dialogs und seiner Unheiligkeit, Papst Dialogos I. und seiner derzeitigen Lebensgefährtin und Mitpäpstin Julia I.

Ahoi, Genossinnen und Genossaußen!

Was uns verbindet…

… ist hinsichtlich der katholischen Kirche und den anderen christlichen Gemeinschaften nach Auffassung von Kardinal Kasper weitaus wichtiger als das, was uns trennt. So ist es einem Artikel von kath.net zu entnehmen. Es folgen wie üblich in roter Schrift einige Kommentare zu diesem Artikel:

Der ökumenische Dialog befindet sich nach den Worten von Kurienkardinal Walter Kasper in einer schwierigen Phase. (Ach, wirklich? Ich dachte immer, alles liefe wundervoll, weil der Papst die Ökumene ja zur „Chefsache“ erklärt haben soll.) «Gegenwärtig deutet leider manches auf eine Verschlechterung des ökumenischen Klimas hin», schreibt der frühere Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen im Vorwort zu seinem demnächst erscheinenden Buch «Wege zur Einheit der Christen». (Ich kenne nur einen Weg zur Einheit der Christen, und der besteht in der Rückkehr der schismatischen Gemeinschaften in den Schoß der Heiligen Mutter Kirche! Man mag das diplomatischer formulieren, doch letztlich geht daran kein Weg vorbei.) Auszüge aus dem Text veröffentlichte die Wochenzeitung «Die Zeit» (Donnerstag). Kasper betont darin die Vielzahl theologischer Differenzen zwischen den Konfessionen. «In Wirklichkeit wird mehr und mehr deutlich, dass Unterschiede nicht nur in wichtigen Einzelfragen bleiben.» Das gelte sowohl mit Blick auf die orthodoxen wie die reformatorischen Kirchen. (Doch wohl deutlich stärker im Falle der evangelischen Gemeinschaften, da Katholiken mit den Orthodoxen gerade im liturgisch-sakramentalen Bereich sehr viele Gemeinsamkeiten haben, die gegenüber den meisten protestantischen Gemeinschaften einfach nicht bestehen.)

Noch so feinfühlige Formulierungen in Ökumeneerklärungen änderten nichts daran, dass etwa evangelische Christen ein grundlegend anderes Kirchenverständnis hätten als Katholiken, schreibt Kasper. (Genau! Nichts gegen feinfühlige Formulierungen, aber wenn selbst der Oberökumeniker Kardinal Walter Kasper so spricht, dann weiß man, wie schief der ökumenische Haussegen hängt.) Vor der ökumenischen Bewegung liege noch eine schwierige Wegstrecke, «die wohl länger sein wird, als viele hofften». (Doch wo ist dann die Einsicht? Erwartet der Kardinal eine Rückkehr der anderen christlichen Gemeinschaften zur Kirche? Wohl eher nicht, denn er wendet sich ja bekanntlich gegen die sogenannte „Rückkehrökumene“. Doch wenn die nichtkatholischen „Konfessionen“ nicht zur Kirche zurückkehren, soll die Kirche dann den nichtkatholischen Konfessionen weiterhin Zugeständnisse machen, wie es seit dem Konzil mehr und mehr üblich geworden ist?) Gegenwärtig bilde sich angesichts der Schwierigkeiten der amtlichen Ökumene eine «liberale katholisch-evangelische Ökumene» heraus, «welche die Unterschiede überspringt und eigenmächtig ihren Weg geht». (Das ist natürlich abzulehnen. Doch folgt diese Entwicklung nicht notwendig aus dem weitgehenden Verschweigen der wahren Bedeutung der Unterschiede zwischen der Kirche und den diversen schismatischen Gruppen in der lehramtlichen Verkündigung seit dem Konzil? Wundert es den Kardinal, dass z.B. die meisten Laien glauben, sie könnten etwa das „gemeinsame Abendmahl“ feiern, wenn die Amtskirche sich seit Jahrzehnten darüber ausschweigt, dass der Herr im Allerheiligsten Sakrament des Altares wahrhaft und wesenhaft gegenwärtig ist? Nein, wenn die Amtskirche im Namen der Verhandlungsökumene über Jahrzehnte wesentliche Glaubenswahrheiten herunterspielt, dann sollte sie sich nicht wundern, wenn die nicht-amtliche Ökumene sie dann ganz beiseite lässt, um sich auf die brüderliche Einheit im Brotbrechen zu konzentrieren. Ähnlich verhält es sich bei vielen anderen ökumenischen Themen.)  Diese Strömung drohe jedoch früher oder später «im Aus» zu enden. Bei der Kircheneinheit lasse sich nichts erzwingen.

Die Spaltung der Christen bleibe nichtsdestoweniger ein Skandal, so Kasper. Jesus hat nur eine einzige Kirche gewollt.» (Und so hat er auch nur eine einzige Kirche eingerichtet, nämlich die katholische Kirche mit ihrem sichtbaren Oberhaupt, dem römischen Papst. Um die Spaltung der Christen zu überwinden, müssen daher die Christen, die sich von der Kirche gelöst haben, in dieselbe zurückkehren. Daran führt kein Weg vorbei. Doch warum fordert Kasper das nicht?) Aus seiner Sicht hat die Trennung der Konfessionen die tiefgreifende Säkularisierung aller Lebensbereiche besonders in Europa mitverursacht. (Natürlich führt die Trennung einzelner Gemeinschaften vom Leib Christi zu deren Fall in den Säkularismus. Die spannende Frage ist aber, warum die Katholiken zumindest seit 50 Jahren diesem Fall in ihren eigenen Reihen keinen ernsthaften Widerstand mehr entgegen setzen und sich stattdessen lieber damit beschäftigen, nicht mehr so schrecklich katholisch zu wirken.) Zumindest habe sich seit Jahrzehnten aber die Erkenntnis durchgesetzt, dass die christlichen Konfessionen mehr verbinde als trenne. Heute gehe es vor allem darum, die gemeinsamen Fundamente des christlichen Glaubens zu sichern – den Glauben an Gott und Jesus, das Wirken des Heiligen Geistes und die Hoffnung auf das ewige Leben. (Das kann man so nicht sagen. Natürlich ist rein quantitativ die Ähnlichkeit zwischen überzeugten, traditionellen Katholiken und überzeugten, traditionellen Protestanten und Orthodoxen weitaus größer als die Unterschiede. Doch es gibt leider zwei große Einwände: Erstens haben die meisten schismatischen Gemeinschaften, wie etwa die EKD, längst den größten Teil der einstmals allgemein-christlichen Glaubensinhalte vergessen. Eine Einigkeit ist nicht einmal mehr in Fragen der Sittenlehre zu erzielen, und wann hat ein protestantischer Würdenträger zuletzt ein eindeutiges Bekenntnis zu Gott, zur Dreifaltigkeit, zum Wirken des Heiligen Geistes usw. geleistet, das nicht inhaltlich massiv vom katholischen Glauben abgewichen wäre? In der Praxis sind die Unterschiede zwischen Luther und dem glaubenstreuen Katholiken tatsächlich geringer als die Unterschiede zwischen Luther und der EKD. Doch die Verhandlungsökumene redet nicht mit Luther, sondern mit der EKD. Und da sind die Unterschiede viel größer als die sehr rar gesäten Gemeinsamkeiten.

Zweitens, und noch viel wichtiger: Selbst wenn die Ähnlichkeiten zahlreicher sind als die Unterschiede, so reicht doch die Ablehnung eines einzigen Glaubenssatzes bereits aus, damit das Gesamtkunstwerk des wahren Glaubens in sich zusammenfällt. Entweder man hat den ganzen Glauben, oder man hat ihn eben nicht. Man darf bei allem Gerede von „Gemeinsamkeiten“ nicht vergessen, dass auch die vernünftigsten schismatischen Gemeinschaften immer noch schismatisch sind, und dass sie die kirchliche Lehre über den Papst ablehnen. Die meisten von ihnen glauben auch nicht an die Realpräsenz Christi bzw. die Transsubstantiation.)

Kardinal Kasper distanziert sich also eindeutig von dem Versuch mancher praktisch längst vom Glauben abgefallener Katholiken, auf Biegen und Brechen, unter völliger Aufgabe der Glaubensinhalte, eine künstliche Einheit mit den Protestanten herzustellen. Seiner Auffassung nach soll die Ökumene zwar weiterhin ähnlich wie bisher vorangetrieben werden (und das bedeutet, dass die Verwässerung des Glaubens im Namen der Ökumene weitergehen wird), aber eine völlige, restlose Anpassung an die Wünsche des evangelisch-agnostischen Zeitgeistes lehnt er ab. Leider bleibt er damit inkonsequent. Denn entweder kann wahre Ökumene nur in der Rückkehr der getrennten Gemeinschaften bestehen – wenn die Kirche nämlich als einzigartige Stiftung Jesu Christi im Besitz der unveränderlichen Glaubenswahrheiten ist, oder es spielt letztlich keine große Rolle, wie stark wir die Glaubenswahrheiten verwässern, um den Häretikern zu gefallen, die die Gegenwart des Herrn im Altarsakrament und die immerwährende (auch körperliche) Jungfräulichkeit der Gottesmutter leugnen, um nur zwei Beispiele zu nennen, an deren faktischer Verwässerung auch der neue oberste Glaubenswächter kräftig mitgewirkt hat.

Woelki und der unheilige Zeitgeist

Kardinal Woelki, von manchen naiven Zeitgenossen gar als Hoffnung für den am Rande des Schismas taumelnden deutschen Episkopat gehandelt, beginnt nun langsam Flagge zu zeigen. Die Abkehr von der überlieferten, auf Jesus zurückgehenden Lehre der Kirche im Bereich der Ehe, die inzwischen zum Markenzeichen des Vorsitzenden der Bischofskonferenz geworden ist, findet nämlich nun auch mindestens zum großen Teil die Unterstützung des anfangs als „konservativ“ bezeichneten Erzbischofs von Berlin. So liest man bei kath.net:

Grundsätzlich ist die Ehe nach katholischer Lehre unauflöslich. Deshalb sind Geschiedene nach einer zweiten zivilen Eheschließung vom Empfang der Kommunion und auch von der Beichte ausgeschlossen, da sie laut gängiger Lehre der Kirche dauerhaft in einem Zustand schwerer Sünde leben.

Der Berliner Kardinal plädierte [im Gegensatz dazu] dafür, dass sich die katholische Kirche ntensiver [sic!] mit dem Weg der orthodoxen Kirche in dieser Frage auseinandersetzt. Auch die orthodoxe Kirche halte an der Unauflöslichkeit der Ehe fest; eine Scheidung und eine zweite Eheschließung würden dort allerdings toleriert. «Das erlaubt unter bestimmten Bedingungen die Zulassung zu den Sakramenten.»

In dem Interview warnte der Berliner Erzbischof zugleich vor einer Verurteilung von Homosexuellen. Auch der katholische Katechismus mahne, dass homosexuelle Menschen nicht «in ungerechter Weise zurückgesetzt» werden dürften. «Wenn ich das ernst nehme, darf ich in homosexuellen Beziehungen nicht ausschließlich den Verstoß gegen das natürliche Gesetz sehen», fügte der Kardinal hinzu. «Ich versuche auch wahrzunehmen, dass da Menschen dauerhaft füreinander Verantwortung übernehmen, sich Treue versprochen haben und füreinander sorgen wollen, auch wenn ich einen solchen Lebensentwurf nicht teilen kann.» Die katholische Kirche stehe ein für die sakramentale Ehe zwischen einem Mann und einer Frau, die offen ist für die Weitergabe des Lebens.

Nun, da haben wir so gut wie alle Zutaten, die auch sonst die Einlassungen deutscher Bischöfe ausmachen. Unklar in der Sache, undeutlich in der Form und entschieden in der Anpassung an den herrschenden Zeitgeist. Woelki spricht zwei Themen an, die natürlich eng miteinander verwandt sind: Die Zulassung von unbußfertigen Ehebrechern zur Kommunion und die Haltung der Kirche zu Homosexuellen. Die leidige Ehebrecherfrage zuerst:

Das Argument ist zu oft ausgeführt worden, als dass es noch eine Wiederholung vertrüge. Doch anscheinend geht es nicht anders. Die Kirche kann Menschen, die es vorziehen in schwerer Sünde zu verharren, nicht zur Kommunion zulassen, allein schon um zu verhindern, dass sie sich noch mehr schwere Sünden auf die Seele laden. Wenn die Kirche am Seelenheil der Menschen interessiert ist, und das muss doch das oberste Ziel aller Aktivitäten der Kirche, einschließlich ihrer „pastoralen“ Seelsorge sein, dann ist die Zulassung von Menschen, die in schwerer Sünde zu persistieren wünschen, einfach nicht richtig, weil die Seele der betroffenen Menschen dadurch weiteren Schaden erlitte. Doch da die Ehe unauflöslich ist, sind auch Menschen, die zivilrechtlich als „geschieden“ gelten, in Wahrheit vor Gott – und damit für die Kirche relevant – noch verheiratet. Gehen sie nun eine sexuelle Beziehung zu einer anderen Person ein, so handelt es sich offensichtlich um Ehebruch. Und Ehebruch ist, wenn er wissentlich und willentlich geschieht, offenbar eine schwere Sünde.

Damit ist die Frage eigentlich schon ganz klar. Natürlich muss man dann in der Seelsorge noch den richtigen Ton finden, und die richtigen Worte, wie man das möglichst schonend sagen kann. Doch inhaltlich die Sache klar. Jeder Katholik kann zur Kommunion gehen, es sei denn, er befindet sich im Stande der schweren Sünde. Die schwere Sünde kann durch die sakramentale Beichte vergeben werden. Doch dazu gehört die Reue. Wer aber gar keine Anstalten macht, sich von der Sünde abzuwenden, der zeigt keinerlei Reue. Der „wiederverheiratete“ Ehebrecher, um den es in der Debatte immer wieder geht, hat ja gar nicht die Absicht seinen Ehebruch einzustellen. Er hat nicht die Absicht, fortan „wie Bruder und Schwester“ mit seinem zivilrechtlichen Ehepartner zu leben. Er will nicht seine Sünden bekennen und bereuen; er will nicht umkehren. Er wünscht in seiner Sünde zu verharren. Eine Beichte wäre also ungültig. Der Empfang des Sakramentes der Beichte ist also nicht möglich, eine Zulassung zur Kommunion also auch nicht.

Wie windet sich der Kardinal nun aus dieser kirchlichen Lehre? Er spricht ganz klare Worte: Die Kirche soll zwar pro forma an der Unauflöslichkeit der Ehe festhalten, sie aber, nach Vorbild der Orthodoxen praktisch ignorieren. Man soll einfach so tun, als ob die Ehe nicht unauflöslich wäre. Und dann, wenn man die Ehe faktisch nicht mehr als unauflöslich sieht, dann kann man eine zweite Eheschließung auch nur als persönliche subjektive Option einstufen, die moralisch gar nicht mehr falsch wäre. Dem Empfang des Sakramentes stünde dann nichts mehr im Wege.

Das funktioniert natürlich nicht. Denn das Verbot der Ehescheidung ist kein menschliches, sondern ein göttliches Gesetz. Es ist nicht, dass die Kirche es nicht ändern wollte. Sie kann es nicht ändern. Gott hat die Ehe so geschaffen, dass sie ihrer Natur nach nicht aufgelöst werden kann. Selbst wenn irgendein Kirchenfürst – und sei es der von Rom – also dekretierte, in Zukunft sei in seinem Zuständigkeitsbereich die „Zweitehe“ zu „tolerieren“, änderte dies nicht einen Hauch an dem göttlichen Verbot der Ehescheidung. Die Ehe bleibt unauflöslich, und daher bleibt der Vollzug der „Zweitehe“ Ehebruch. Und damit bleibt der Kommunionempfang der unbußfertigen Ehebrecher schwere Sünde. Sie essen und trinken sich dann weiter das Gericht, nur diesmal mit dem Segen des Kardinals. Das kann die Kirche nicht ändern. Sie kann es nur ignorieren, worauf sich gerade die deutschen Bischöfe in ihrer Mehrzahl ja sehr trefflich verstehen.

Solange die Ehe unauflöslich bleibt, ist der Kommunionempfang der „Wiederverheirateten“ schwere Sünde. Eine Änderung der kirchlichen Lehre zum Thema Kommunionempfang wäre damit auch eine Abkehr von der Unauflöslichkeit der Ehe.

Und damit, Eminenz, eine Abkehr von Jesus Christus.

Ähnlich verhält es sich auch bei den politisch korrekten Floskeln zur Homosexualität, die der Kardinal in vorauseilender Kapitulation vor Zeitgeist und Homolobby äußert. Wenn Kardinal Woelki sagt, der Katechismus verbiete ungerechte Zurücksetzung von Homosexuellen, dann ist das natürlich richtig. Das bestreitet niemand. Doch es impliziert auch die Existenz gerechtfertigter Zurücksetzung. Nämlich immer dann, wenn es für die Ungleichbehandlung einen ausreichenden Sachgrund gibt. Dies ignoriert Woelki vollkommen. Er will stattdessen lieber „wahrnehmen“ wie achso wunderbar Homosexuelle einander treu sind. Für die Seelen der Betroffenen wäre es freilich besser, von ihren schweren Sünden abzulassen, statt ihnen weiter – mit kirchenfürstlichem Beifall, versteht sich – „treu“ anzuhängen.

Man stelle sich vor, Jesus hätte zu der Ehebrecherin nicht gesagt, sie solle gehen und nicht mehr sündigen, sondern sie solle ihrem ehebrecherischen Partner nur ja weiter „treu“ bleiben! Nein, Umkehr heißt immer Abkehr von der Sünde. Gerade auch von „himmelscheienden“ Sünden. Und wenn homosexuelle Akte, wie die Kirche lehrt, sündhaft sind, dann muss der Homosexuelle deutlich dazu aufgefordert werden – in wie pastoral freundlicher Form auch immer – von seiner Sünde abzukehren, umzukehren, um Vergebung zu bitten.

Doch davon spricht der Kardinal natürlich nicht. Wie käme er auch dazu, die Sünder zur Umkehr zu rufen! Was ist er denn? Ein Hirte? Nein, liebe Sünder, verbleibt ganz treu in euren Sünden. Übernehmt „Verantwortung“ für andere, die auch in ihren Sünden zu verharren wünschen – freilich keine Verantwortung für das Heil ihrer Seelen, denn dann müsstet ihr sie ja wieder zur Umkehr auffordern, und dass geht in Kirche von Heute bekanntlich nicht. Nein, übernehmt Verantwortung dafür, dass auch sie weiter „treu“ in ihren Sünden verharren. Und zwar, wie der Kardinal sagt, „dauerhaft“. Zumindest bis zum Ende des Lebens. Dann übernimmt nämlich der, für den ihr so sorgsam, treu und verantwortlich Seelen gewonnen habt. Umkehr ist für Reaktionäre. Die Neue Moderne Quirche Ist Nicht Mehr So.

Natürlich, verschwommen, unklar, kann man, wenn man es krampfhaft wünscht, in den Worten des Kardinals auch ein Bekenntnis zur kirchlichen Lehre finden. Er gesteht durchaus ein, dass die Kirche für die sakramentale Ehe zwischen Mann und Frau steht. Wie er ja auch pro forma – wen will er damit eigentlich täuschen? Gott? – an der „Unauflöslichkeit“ der Ehe festhalten und faktisch die „Aufgelöstheit“ von Ehen anerkennen will. Doch was bleibt von seinen Worten? Dass dieser Hirte kein Interesse an der Verteidigung der katholischen Wahrheit hat. Dass er nicht für die Umkehr der Sünder eintritt, sondern für die Aufweichung der Wahrheit, damit die Sünder sich wohlfühlen und die Kirche nicht mehr als Stein des Anstoßes sehen. Dass der Verführer der Seelen im Erzbistum Berlin freie Fahrt hat, damit sein Oberhirte nicht wieder von den Homo-Verbänden kritisiert wird.

Dass der Kardinal sich in die Reihe der entchristlichenden Neo-Reformatoren des Zeitgeists einzureihen wünscht.

Schade.

Die Krise der Kirche ist eine Krise der Bischöfe.

Die FSSPX und das Trojanische Pferd

Summorum Pontificum berichtet aus „gewöhnlich gut informierter Quelle“ über einen angeblich im deutschsprachigen Episkopat zirkulierenden Plan für den Fall einer kirchenrechtlichen Anerkennung der Piusbruderschaft. Dort liest man – Kommentare in roter Schrift und fettgedruckte Hervorhebungen wie immer von Catocon:

Wie wir aus allgemein gut unterrichteter Quelle erfahren haben, gehen die Bischöfe der deutschsprachigen Bischofskonferenzen [Deutschland, Österreich, Schweiz – die üblichen reformkatholischen Hochburgen] davon aus, daß die Rekonziliation der Priesterbruderschaft St. Pius X. – also die Rückkehr der Bruderschaft in die volle kirchliche Einheit mit dem Papst – unmittelbar bevorsteht. [Danach sieht es im Moment wohl aus, wenn die öffentlichen Einlassungen aller Seiten auch nur halbwegs der Wahrheit entsprechen.] Zur Vorbereitung darauf haben die Strategen dieser Konferenzen einen derzeit innerhalb und zwischen den Bischofskonferenzen zur Abstimmung zirkulierenden „Notfallplan“  entwickelt [die Piusbruderschaft würde also einen „Notfall“ auslösen…] , der darauf abzielt, jede Tätigkeit der Bruderschaft in ihrem Amtsbereich unmöglich zu machern [sic!]. Damit lösen sie sich durch bewußten Ungehorsam aus der vollen Einheit mit dem Bischof von Rom und beschreiten den Weg der rechtlichen Kirchenspaltung. [Das ist leider nicht der Fall. Die Bischöfe können rechtlich gesehen jederzeit so handeln, wenn sie das wünschen – mehr dazu: siehe unten]

Nach diesem geheimen Rundschreiben sollen die Mitglieder der beteiligten Bischofskonferenzen auf folgendes Vorgehen verpflichtet werden [es bleibt abzuwarten, was Bischöfe wie Vitus Huonder machen werden, wenn es so weit kommen sollte.]:

  1. Im Falle der Regularisierung der Bruderschaft als Personalprälatur [was wohl der wahrscheinlichste Fall ist] werden die Ortsordinarien den Prälaten als zuständigen Oberen unverzüglich auffordern, alle weisungsgebundenen Mitglieder der Personalprälatur aus ihren Diözesen zurückzuziehen, alle Niederlassungen zu schließen und keine neuen zu errichten. Damit wäre nach dem gegenwärtig gültigen Kirchenrecht jede Tätigkeit der Bruderschaft in deutschsprachigen Diözesen illegal. [Das ist eben eine Personalprälatur. Sie benötigt für Niederlassungen in einer Diözese die Zustimmung des jeweiligen Ortsordinarius. Fehlt diese, so ist die Tätigkeit einer Personalprälatur in dieser Diözese illegal. Das hat nichts mit bischöflichem Rechtsbruch oder Eintreten rechtlichen Schismas zu tun. Kanon 297 sagt dazu: „Die Statuten haben ebenso das Verhältnis der Personalprälatur zu den Ortsordinarien zu bestimmen, in deren Teilkirchen die Prälatur ihre seelsorglichen oder missionarischen Werke nach vorausgehender Zustimmung des Diözesanbischofs ausübt oder auszuüben beabsichtigt]
  2. Im Falle der Errichtung der Bruderschaft St. Pius X. als Ordinariat [sehr unwahrscheinlich, folgt man den Einlassungen Roms und der Piusbrüder – da ist immer nur von Personalprälaturen die Rede. Doch wenn die deutschsprachigen Bischöfe sich darauf vorbereiten, wissen sie ja vielleicht mehr als wir.]sollen die Ortsbischöfe ihre nachgeordneten Behörden und Einrichtungen sowie sämtliche Priester ihrer Diözesen anweisen, in keiner Form mit Priestern oder Institutionen des Ordinariats zusammen zu arbeiten und ihren jegliche Nutzung von Gebäuden und Einrichtungen der Diözesen zu versagen. [Auch das ist nur das gute Recht der Bischöfe. Ein Ordinariat hieße, dass die Diözesanbischöfe keine rechtliche Handhabe gegen die Einrichtungen der Piusbruderschaft hätten – daher ist es einer Personalprälatur bei weitem vorzuziehen. Sie müssten akzeptieren, dass die FSSPX in den deutschen Diözesen tätig wird bzw. bleibt. Doch daraus entsteht ja keine Verpflichtung, mit der FSSPX auch zusammenzuarbeiten.]

Damit beschreiten die Planer der Bischofskonferenzen einen Weg der Rebellion [nein – sie schöpfen nur ihre rechtlichen Möglichkeiten aus], der die Aufrufe der verschiedenen Ungehorsams-Initiativen noch in den Schatten stellt. [Das stimmt einfach nicht. Die Ungehorsamsinitiativen lehnen sich gegen geltendes Recht der Kirche auf. Dieser angeblich oder tatsächlich kursierende Notfallplan gegen die Piusbrüder tut das nicht. Er verweigert nur jegliche Zusammenarbeit mit einer kirchenrechtlich anerkannten FSSPX. Im Fall einer Personalprälatur räumt das Kirchenrecht ihnen diese Befugnis sogar explizit ein, und dass niemand den Kardinal Lehmann wird zwingen können, dem Pater Schmidberger seine Domkirche zur Verfügung zu stellen, wenn er das nicht will, ist wohl zu klar, als dass es noch weiterer Erläuterung bedürfte.] Sie bekennen sich offen zu der Absicht, Maßnahmen der Gesamtkirche für ihren Zuständigkeitsbereich zu konterkarieren [nein, das tun sie nicht, wie oben dargelegt wurde; eine Personalprälatur bedeutet, dass es eine kirchenrechtlich anerkannte Struktur gibt, die, so die Ortsbischöfe dies gestatten, in den jeweiligen Diözesen wirken darf. Genauso soll es nach diesem Schreiben gehalten werden. Das hat noch nicht einmal neben „konterkarieren“ gelegen. Es zeigt nur erneut, warum eine Personalprälatur für die FSSPX Selbstmord wäre, und sie deshalb von keiner an einer Einigung interessierten Seite akzeptiert werden kann.] und bestätigen erneut, daß sie das Schlagwort der „Kollegialität“ als Mittel zur Aufspaltung der Gesamtkirche in Nationalkirchen mißbrauchen. [Im Gegenteil. Die Kooperation von Bischöfen aus mindestens drei (deutschsprachigen) Ländern widerspricht der Nationalkirchenhypothese eklatant.] Innerhalb dieser Nationalkirchen wollen sie – ebenfalls im Widerspruch zum geltenden Recht [ein solcher Widerspruch ist an keiner Stelle in dem Artikel aufgezeigt worden – es ist eine schiere Behauptung, und eine falsche noch dazu – siehe oben] – einen zentralistischen Apparat installieren [von der Installation eines zentralistischen Apparats ist nun wirklich nirgendwo in dem zitierten Schreiben die Rede gewesen.] , der Ortsbischöfen, die Minderheitspositionen vertreten, das Recht zur eigenständigen Leitung ihrer Diözesen bestreitet. [Auch ganz ohne Kollegialität stünde es jedem Ortsbischof natürlich frei, sich mit anderen Ortsbischöfen zu beraten und dann gemeinsame Beschlüsse zu fassen. Wer wollte es Bischöfen verwehren, gemeinsam zu beraten und für ihre Diözesen eine gemeinsame Linie zu finden, so die Exzellenzen dies wünschen? Und wenn sich die Minderheit, die es gern anders hätte, doch dazu entschließt, den Beschlüssen der Mehrheit zu folgen, dann zeigt dies nur, dass die Minderheit nicht bereit ist, gegen den Strom zu schwimmen, und nicht, dass irgendein zentralistischer Apparat faktisch die Macht des Ortsbischofs beschränkt hätte.]

Auf Summorum Pontificum finden sich sonst oft wertvolle Informationen und Analysen, auf die hier auch schon öfters verwiesen worden ist. Auch in diesem Fall mag die ursprüngliche Quelle vertrauenswürdig sein. Ich halte es für sehr plausibel, dass die diversen deutschsprachigen Bischofskonferenzen eine gemeinsame Strategie planen, um die Piusbrüder möglichst stark zu behindern, wenn eine Einigung mit Rom erfolgen sollte. Es würde mich sehr überraschen, wenn die sonst immer gut organisierten modernistischen Kräfte diesmal nicht gut auf alle Eventualitäten vorbereitet wären.

Doch was das von Summorum Pontificum zitierte Schreiben betrifft, das eine gemeinsame Linie der deutschsprachigen Bischöfe gegen die Piusbruderschaft darlegt, so sehe ich nicht den geringsten Grund, dies als einen Rechtsbruch oder gar als schismatischen Akt anzusehen. Im Gegenteil. Dieses Schreiben zeigt, ob es echt ist oder nicht, ob es wirklich kursiert, oder auf falschen Informationen beruht, wieder einmal auf, warum die Personalprälatur vollkommen inakzeptabel für eine Piusbruderschaft ist, die weiterhin ernsthafte Konzilskritik betreiben und gegen Modernismus und Häresien zu Felde ziehen will. Nach can. 294 können nur Priester und Diakone einer Personalprälatur angehören. Die Anhänger der Piusbruderschaft hätten keine Möglichkeit, sich formell dieser Bruderschaft anzuschließen.  Dies würde bedeuten, dass sie für jede bei den Piusbrüdern vorgenommene Firmung oder Eheschließung die Genehmigung des Bistums einholen müssten. Sie stünden weiterhin unter der Jurisdiktionsgewalt des Ortsbischofs. Da die Personalprälatur auf den Weltklerus beschränkt ist, wären auch die der FSSPX angeschlossenen Ordensgemeinschaften ausgeschlossen. Und nach can. 297 könnte die Personalprälatur in einem Bistum nur mit Einwilligung des Ortsbischofs Niederlassungen unterhalten bzw. einrichten. Was also anscheinend seitens des deutschsprachigen Episkopats geplant ist, beschränkt sich auf die Ausübung ihrer kirchenrechtlichen Befugnisse.

Man mag argumentieren, dass diese Handlung nicht der Wille des Papstes wäre, und die Bischöfe sich damit dem Geiste einer solchen Einigung widersetzen, wenn auch nicht dem Buchstaben des Kirchenrechts. Doch der „Geist der Personalprälatur für die FSSPX“ ist, wie der „Geist des Konzils“ keine Grundlage für die Behauptung, jemand habe „schismatisch“ oder „gegen geltendes Recht“ gehandelt. Eine solche Handlung der deutschsprachigen Bischöfe wäre sehr bedauerlich, doch gänzlich erwartbar.

Eine regularisierte Piusbruderschaft mit einem Ordinariat könnte einfach mit den Schultern zucken, wenn die Bischöfe ihnen nicht helfen. Die Situation wäre dann nicht anders als jetzt auch, nur dass sie eine kirchenrechtliche Anerkennung durch Rom im Rücken hätten.

Das kursierende Schreiben ist also kein Beweis für Schisma und Rechtsbruch seitens der Bischöfe, sondern ein weiteres Indiz, dass eine Personalprälatur für die FSSPX kein gangbarer Weg ist. Die Personalprälatur für die Piusbruderschaft ist entweder eine Falle (was ich dem Heiligen Vater nicht zutraue), oder wenn keine Falle, dann doch zumindest ein tragischer Irrtum.

Man sagt, einem geschenkten Gaul schaue man nicht ins Maul. Wir wissen jedoch, wie das für das alte Troja ausgegangen ist…

Ein Lob für Bischof Müller

Klare Worte fand der Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller für „Wyr Synd Kyrche“ und andere pseudokatholische Aufwiegler. Kath.net berichtet:

Der Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller hat in einem Interview mit der Nachrichtenagentur DPA scharfe Kritik an den verschiedenen antirömischen [antikatholischen] „Wir sind Kirche“-Gruppen geübt. Diese Gruppen bekämen nichts zustande [Wenn es doch so wäre! Sie bekommen noch viel zu viel zustande.] und hängten sich an große Veranstaltungen an. [Manche dieser Veranstaltungen machen es ihnen aber auch leicht…] Sie seien eine „parasitäre Existenzform“. [!! Ja, das hat der Bischof wirklich gesagt! Wenn jetzt noch Taten folgen – etwa die Nutzung kirchlicher Räumlichkeiten für solche Gruppen zu untersagen…] „Es kann nicht sein, dass Leute, die von sich aus nichts zustande bringen, sich an die großen Veranstaltungen dranhängen und eine parasitäre Existenzform bringen.“, erklärte Müller. Die Kirche dürfe nicht „gesellschaftskonform“ sondern müsse „evangeliumskonform“ sein.[Ein ganz wichtiger Satz. Bischof Müller ist an dieser Stelle ein großes Lob auszusprechen. Wie gesagt: Jetzt müssen noch Taten folgen.] Durch Applaus oder Phonstärke dürfe außerdem kein Druck ausgeübt werden.

Wenn alle deutschen Bischöfe so reden würden wie Bischof Müller in diesem Interview, dann wäre, sprichwörtlich formuliert, „die Hölle los“ im deutschen Katholizismus. Und wenn sie dann auch noch so handelten, wie Bischof Müller hier redet, ja dann könnten wir vielleicht sogar irgendwann mit der Neuevangelisierung anfangen.

Natürlich steht das nicht zu erwarten. Aber neben der ganzen Kritik, die leider immer wieder nötig ist, muss man dann auch loben, wenn das angemessen ist.

Also: Ein großes Lob und ein großer Dank an den Regensburger Bischof Müller!

Salus animarum suprema lex…

Das Heil der Seelen ist das höchste Gesetz der Kirche. Wenn also eine von der Kirche in ihrer Weisheit festgelegte Bestimmung in irgendeinem konkreten Fall dazu führt, dass das Heil menschlicher Seelen in Gefahr gerät, so gilt immer dieses höhere Gesetz. Das Seelenheil steht über allen partikularen rechtlichen Vorschriften. Wir sprechen hier nicht vom göttlichen, sondern vom menschlichen Gesetz, speziell vom kirchlichen Gesetz.

Es ist unbestritten, dass die Piusbruderschaft mindestens durch die Bischofsweihen von 1988 gegen den Buchstaben des Kirchenrechts verstoßen hat. Die Strafe, die sich dem Buchstaben des Gesetzes folgend die an der unerlaubten Weihe beteiligten Personen zugezogen haben, ist seit 2009 aufgehoben, doch das Faktum der unerlaubten Weihe bleibt bestehen. Nun wird, wie meine Leser sicher wissen, von seiten der Piusbruderschaft argumentiert, der Buchstabe des Gesetzes habe in diesem Fall jenem höheren Gesetz weichen müssen. Wie auch immer es damit aussehen mag – darum soll es mir gar nicht gehen. Aber festzuhalten ist, dass man bei der Piusbruderschaft absolut verlässlich die gesunde katholische Lehre zu hören bekommt, an einer zweifellos gültigen und ehrfürchtig zelebrierten Messe teilnehmen kann, die die unverfälschte katholische Theologie des Messopfers klar zum Ausdruck bringt. Und dass die dort zu empfangenden Sakramente derzeit unerlaubt gespendet werden, hat mit der irregulären kirchenrechtlichen Situation zu tun, die, wenn der Heilige Vater es wünscht, einfach dadurch gelöst werden kann, dass er die Bruderschaft ohne weitere Bedingungen regularisiert.

Entsprechend sind auch die Früchte, die die Bruderschaft hervorgebracht hat. Sie wächst, ihre Seminare sind voll, und der heftige Widerstand, der ihr in der „Welt“ entgegengebracht wird, ist ein weiteres Zeichen dafür, dass hier tatsächlich der Heilige Geist am Werk ist. Die Piusbruderschaft ist ein einziges Zeichen des Widerspruchs in unserer Welt. Deswegen ist sie so unpopulär. Sie richtet sich nicht an der Welt aus, sondern einzig und allein an der katholischen Wahrheit.

Wie alles Menschenwerk ist sie nicht vollkommen, und oft genug stehen die menschlichen Schwächen, Sünden und Begrenzungen auch bei ihr einer größeren Effektivität in ihrer Mission im Wege. Das ist immer so. Nicht einmal die Heiligen sind hier auf Erden absolut perfekt, und die meisten Menschen sind eben keine Heiligen, selbst wenn sie Heiligkeit ernsthaft als Ziel anstreben. Über diese menschlichen Schwächen müssen wir also immer hinwegsehen. Tun wir das, dann finden wir bei der Piusbruderschaft die unverfälschte katholische Lehre vor, die aber immer noch keine reguläre kirchenrechtliche Stellung hat.

Was die Piusbruderschaft derzeit tut, widerspricht dem Buchstaben des Gesetzes.

Und was ist mit denen, die ganz offiziell anerkannt in voller Gemeinschaft mit Rom stehen? Viele von ihnen, darunter die Petrusbruderschaft, die anderen Ecclesia-Dei-Gemeinschaften, aber auch viele andere Priester und Bischöfe in der ganzen Welt, vollbringen ebenfalls wichtige Werke für das Heil der Seelen und folgen damit auch dem höchsten Gesetz der Kirche, das über dem bloßen Buchstaben steht.

Leider sehen wir auch vielfältige Beispiele für „buchstabentreue“ Kirchenmänner, die sehr wenig Interesse an den Seelen der Menschen zeigen, sondern die Kirche ganz neu aufbrechen wollen, damit eine rein menschliche, weltimmanente Mitmachreligion aus ihr werde, die zwar niemanden mehr erlösen, dafür aber auch keinen mehr aufregen kann. Sie kämpfen nur für die Bewahrung des katholischen Milieus und ihres säkularen Glaubensbekenntnisses, dessen fünf wichtigste Glaubensartikel Alexander Kissler sehr schön aufgeschlüsselt hat. Das Heil der Seelen ist da eher im Weg, verlangt es doch den wahren Glauben, die eine wahre Kirche und, besonders anstößig, auch das ernsthafte Befolgen des Sittengesetzes. Das stört einfach, also wird es ignoriert – oder „aufgebrochen“.

Diese Vorgänge sind alle konform mit dem Buchstaben des Gesetzes, oder falls nicht, stört es zumindest keinen so wirklich. Solange man nicht zu viel Staub aufwirbelt, wie die Ungehorsamsinitiative eines beträchtlichen Teils der österreichischen Pfarrer, passiert gar nichts. Und wenn doch, bekommt man einige milde Hinweise, man möge doch bitte gehorsam sein. Aber Sanktionen gibt es keine.

Das ist leider alltägliche Praxis in der Kirche, die von den Mächten der Unterwelt nicht überwältigt, aber doch zeitweise in arge Bedrängnis gebracht werden kann, wie schon öfters in ihrer langen Geschichte geschehen, und wie auch heute wieder.

Wir haben hier einen ganz interessanten und ganz tragischen Konflikt.

Auf der einen Seite über fünfhundert traditionelle Priester, hunderttausende traditionelle Gläubige weltweit, die den wahren Glauben haben, leben, verkünden, lieben, und für ihn sterben würden, die aber aus formaljuristischen Gründen nicht an der vollen Gemeinschaft mit dem Heiligen Vater teilhaben, obwohl sie in Wort und Tat den wahren Glauben aufweisen.

Auf der anderen Seite sehr viele lauwarme, modernisierte, angepasste Katholiken, von denen die meisten gar nicht mehr in die Kirche gehen und sicher keinen katholischen Glauben mehr haben, geführt von hauptsächlich an der Bewahrung weltlichen Ansehens und des kulturellen Milieus interessierten Hirten, die aber aus formaljuristischen Gründen in voller Gemeinschaft mit dem Heiligen Vater stehen, obwohl sie kaum weiter von ihm entfernt sein könnten. Und überall dazwischen einige Katholiken, unter ihnen Laien, Priester und Bischöfe, die sich gegen dieses drückende säkularisierte Milieu eines glaubensfreien, konventionellen Kulturchristentums wehren, aber mit ihren Mitstreitern im Geiste nicht vereint werden können, weil der Graben der formaljuristischen „vollen Gemeinschaft mit Rom“ sie trennt, obwohl der Glaube sie vereint.

Die einzige Lösung ist in dieser Situation, das Problem mit der „vollen Gemeinschaft“ aufzubrechen, indem die Kirche erklärt, dass mindestens jeder getaufte und gefirmte Christ, der den ganzen, unverkürzten, wahren katholischen Glauben hat, in dieser ominösen „vollen Gemeinschaft“ zu finden ist, und zwar unabhängig davon, ob er die pastoralen Richtlinien des Pastoralkonzils der 60er-Jahre für besonders zielführend hält.

Wenn wir erst einmal an diesem Punkt angekommen wären, dann wäre schon viel gewonnen.

Es ist eine sehr effektive Strategie, den Gegner erst aufzuspalten, und dann jede Kompanie einzeln zu besiegen. Das hat die Spaltung der traditionellen Katholiken entlang der Trennlinie der „vollen Gemeinschaft“ wieder einmal gezeigt. Die Modernisten tanzen auf den Tischen, weil die traditionstreuen Katholiken zu sehr mit unsinnigen Bruderkämpfen beschäftigt sind, um sich vereint dem wirklichen Gegner in den Weg zu stellen.

Das, so steht jedenfalls fest, ist für das Heil der Seelen sehr schlecht, und steht daher in eklatantem Widerspruch zum höchsten Gesetz der Kirche.

Bereits jetzt kursieren Gerüchte, dass Kardinal Ranjith sein Priesterseminar nach einer möglichen Einigung der Piusbruderschaft übergeben möchte, um die Qualität der Ausbildung zu steigern. In Deutschland wäre so etwas zwar noch nicht denkbar, aber wir sehen an diesem einen Beispiel, was alles möglich wäre, wenn die traditionell gesinnten Kräfte innerhalb der Kirche endlich an einem Strang ziehen würden.

Das wäre, so steht ebenfalls fest, für das Heil der Seelen sehr gut.