Die zwei Kirchenbilder nach Kardinal Bergoglio

Vor dem Konklave hat der damalige Kardinal Bergoglio offenbar eine programmatische Rede vor der Kardinalsversammlung gehalten, die von nicht wenigen Beobachtern als mindestens teilweise ausschlaggebend für den späteren Verlauf des Konklaves gesehen wird. Sie lässt sich in deutscher Übersetzung auf kath.net nachlesen. Ich möchte sie an dieser Stelle (wie üblich) in roter Schrift kommentieren. Hervorhebungen von Catocon.

Ich habe Bezug genommen auf die Evangelisierung. (Mission?) Sie ist der Daseinsgrund der Kirche. Es ist die «süße, tröstende Freude, das Evangelium zu verkünden» (Paul VI.). Es ist Jesus Christus selbst, der uns von innen her dazu antreibt.

1. Evangelisierung setzt apostolischen Eifer voraus. Sie setzt in der Kirche kühne Redefreiheit (was ist damit gemeint? Dass jeder sagen soll, was er gerade so denkt, ohne Rücksicht auf die überlieferten Wahrheiten? Der Begriff ist leider katastrophal vieldeutig.) voraus, damit sie aus sich selbst herausgeht. Sie ist aufgerufen, aus sich selbst herauszugehen und an die Ränder zu gehen. Nicht nur an die geografischen Ränder, sondern an die Grenzen der menschlichen Existenz: die des Mysteriums der Sünde, die des Schmerzes, die der Ungerechtigkeit, die der Ignoranz, die der fehlenden religiösen Praxis, die des Denkens, die jeglichen Elends. (Was soll das bedeuten? Es klingt ganz schön. Was bringen aber die Luftblasen, die man sonst hauptsächlich aus den Einlassungen deutscher Bischöfe kennt?)

2. Wenn die Kirche nicht aus sich selbst herausgeht (was auch immer das heißen soll…) , um das Evangelium zu verkünden, kreist sie um sich selbst. Dann wird sie krank (vgl. die gekrümmte Frau im Evangelium). Die Übel, die sich im Laufe der Zeit in den kirchlichen Institutionen entwickeln (als da wären? Von welchen Übeln spricht Kardinal Bergoglio? Jeder kann darin seine Lieblingsübel sehen.), haben ihre Wurzel in dieser Selbstbezogenheit. Es ist ein Geist des theologischen Narzissmus. (Was auch immer das nun schon wieder bedeuten soll. Die Stoßrichtung, solange man aus den unscharfen Worten so etwas überhaupt ersehen kann, deutet auf mehr „Aggiornamento“ hin – die Kirche verlässt sich selbst, um der modernen Welt entgegenzukommen.)

In der Offenbarung sagt Jesus, dass er an der Tür steht und anklopft. In dem Bibeltext geht es offensichtlich darum, dass er von außen klopft, um hereinzukommen … Aber ich denke an die Male, wenn Jesus von innen klopft, damit wir ihn herauskommen lassen. Die egozentrische Kirche (was ist das? Man merkt, dass Bergoglio seine Theologie aus Deutschland hat und Kardinal Kaspers theologisches Denken bewundert. Es fehlt an klaren Worten.) beansprucht Jesus für sich drinnen und lässt ihn nicht nach außen treten. (Worin besteht der Vorwurf an die ach so egozentrische Kirche? Bergoglio wird jetzt ein wenig deutlicher. Das Problem ist, dass die Kirche „Jesus für sich beansprucht“. Nun ja, immerhin hat Jesus die Kirche eingesetzt, und außerhalb ihrer ist kein Heil. Oder glaubt der Kardinal das am Ende überhaupt nicht mehr?)

3. Die um sich selbst kreisende Kirche glaubt – ohne dass es ihr bewusst wäre (Kardinal Bergoglio hat tiefenpsychologische Einsichten in den Geist des diffus-unscharfen Phantoms, das er als Feindbild aufbaut, ohne zu sagen, gegen wen und was er sich eigentlich richten möchte) – dass sie eigenes Licht hat. (Wer behauptet das? Das Licht der Kirche kommt von Christus, doch es ist in Fülle allein der Kirche gegeben, und eben nicht den von Bergoglio in Buenos Aires so bewunderten schismatischen und häretischen Gruppen im Gefolge der protestantischen Revolte.) Die Kirche Sie hört auf, das «Geheimnis des Lichts» zu sein, und dann gibt sie jenem schrecklichen Übel der «geistlichen Mondänität» Raum (nach Worten de Lubacs (eines Neomodernisten) das schlimmste Übel, was der Kirche passieren kann). Diese (Kirche) lebt, damit die einen die anderen beweihräuchern. Vereinfacht gesagt: Es gibt zwei Kirchenbilder: die verkündende Kirche, die aus sich selbst hinausgeht, die das «Wort Gottes ehrfürchtig vernimmt und getreu verkündet»; und die mondäne Kirche, die in sich, von sich und für sich lebt.

Dies muss ein Licht auf die möglichen Veränderungen und Reformen werfen, die notwendig sind für die Rettung der Seelen.

Was sagt uns diese programmatische Rede?

Erstens, dass der neue Papst die Fortführung des Aggiornamento nach Stil und Inhalt uneingeschränkt wünscht, denn seine Worte sind ja nichts anderes, als was die Aggiornamento-Fanatiker der letzten 50 Jahre ständig gebetsmühlenartig wiederholen, zweitens, dass er mindestens dem Wort nach noch von „getreuer“ Verkündigung spricht, doch ohne zu sagen, wem diese Verkündigung treu bleiben soll, drittens, dass er den wesentlichen Konflikt nicht zwischen der Verkündung der wahren Lehre aus Schrift und Überlieferung und den Häretikern sieht, sondern zwischen den Verstockten, die immer noch wollen, dass die Kirche „Jesus für sich beansprucht“ und denen, die solche Ansprüche nicht mehr erheben, sondern stattdessen mit unklaren Zielen in die Welt hinausgehen wollen.

Viertens, dass Kardinal Bergoglio seine Worte mit Bedacht gewählt hat, so dass sie neben der sich aufdrängenden modernistischen Interpretation mit etwas Phantasie auch orthodox-katholisch gelesen werden können, dass er also die Nebelkerzendiktion des II: Vatikanums kritiklos übernimmt.

Fünftens, dass Kardinal Bergoglios Rede keinerlei brauchbare Ansätze für eine wirkliche Rückkehr zur Missions- oder (meinetwegen) Evangelisierungsarbeit bietet, sondern allein den üblichen vieldeutigen Singsang postkonziliarer Bruchhermeneutiker nachbetet, wie man es auch nicht anders hätte erwarten können, wenn man sein Werk als Erzbischof von Buenos Aires betrachtet.

Sechstens, dass er die Fortführung der praktisch umgesetzten Revolution nach dem Konzil nicht nur befürwortet, sondern für die „Rettung der Seelen“ wörtlich als „notwendig“ bezeichnet.

Siebtens, dass es gerade unter Papst Franziskus wichtig ist, die Treue zum Papstamt und zur Kirche nicht mit der Zustimmung zu den Wortmeldungen des Papstes zu verwechseln.

Achtens, dass Papst Franziskus ein sehr intelligenter, zielstrebiger Mann ist, der nun wie erwartet ganz genau die Ideen umzusetzen beginnt, die er schon vor dem Konklave gegenüber den Kardinälen in diffusen, aber doch der Tendenz nach verständlichen Worten mitgeteilt hat, und die sein Wirken als Erzbischof von Buenos Aires charakterisiert haben.

Neuntens, dass es offenbar für die anti-benediktinische Bruchhermeneutik, die in der Praxis bisher immer zu Modernismus im Glauben, Indifferentismus in der Sittenlehre und Missbrauch der Liturgie geführt hat, wobei die Erzdiözese von Buenos Aires keine Ausnahme darstellt, eine erdrutschartige Mehrheit im Konklave gegeben hat.

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Weise Worte von Pater Schmidberger

Laut katholisches.info nimmt Pater Schmidberger zu der Trennung eines bis dahin mit der FSSPX befreundeten Klosters im Mitteilungsblatt der Piusbruderschaft Stellung. Doch seine Worte haben eine wichtige Bedeutung nicht nur für diese „piusinterne“ Angelegenheit, sondern auch für die weitere Kirche, für traditionelle Katholiken in allen Lebenslagen, die sich dem Modernismus und Liberalismus widersetzen, um im wahren Glauben zu verbleiben. Es lohnt, diese Passage hier zu zitieren, Hervorhebungen wie immer von Catocon

Viele Seelen glauben sich (…) in Sicherheit, sonnen sich in ihren Tugenden, während der Stolz und die Selbstgerechtigkeit ihr Herz längst umstrickt haben. Eigensinn, Rechthaberei, Besserwisserei, Kritiksucht, falsche Dialektik, Spott und Häme sind nicht die sieben Gaben des Heiligen Geistes, sondern Merkmale des Widersachers Gottes. Diesem ist es ganz gleich, ob er eine Seele durch ihre bekannten Schwächen zu Fall bringt oder durch Stolz auf ihre eigenen Tugenden. Allzu oft verwandelt sich der Teufel in einen Engel des Lichtes und vollbringt sein Werk der Verführung sub specie boni – unter dem Schein des Guten. Treibt man das Recht beispielsweise auf die Spitze, so kann höchste Ungerechtigkeit geschehen. Nicht umsonst sagten die Alten: Summum jus, summa injuria.Hat man die Gefahr des falschen Gehorsams umschifft und Liberalismus und Modernismus vermieden, so ist man noch lange nicht gefeit vor einem sektiererischen Antiliberalismus. Nur die Demut des Geistes und vielleicht noch mehr jene des Herzens bewahrt vor dem Fall. „Lernet von mir“, sagt unser gebenedeiter Herr, „denn ich bin sanftmütig und demütig von Herzen.“

Dies sind weise Worte. Ich lese sie auch hinsichtlich der (gerechtfertigten) schweren Kritik, die an den Handlungen des neuen Papstes und früheren Erzbischofs von Buenos Aires hier und auf anderen traditionell katholischen Blogs und Webseiten geübt worden ist. Wenn es stimmt, was mir immer wahrscheinlicher erscheint, dass das Welt- und Kirchenbild von Papst Franziskus zumindest teilweise modernistisch ist, und sich nicht mit der Tradition deckt, dann ist das eine sehr schwere Situation für einen kirchentreuen Katholiken. Er ist dann gleich von zwei Seiten in Gefahr, Opfer der Verstrickungen des Teufels zu werden:

Erstens darf er die Irrtümer des Papstes etwa in Liturgie, Ökumenismus etc. nicht verteidigen und entschuldigen, sondern muss sie beim Namen nennen.

Zweitens darf er aber auch nicht den Fehler machen, die Ablehnung der Irrtümer zur Ablehnung des Papstes werden zu lassen. Der Papst ist und bleibt das sichtbare Oberhaupt der Kirche. Als Oberhaupt der Kirche gebührt ihm Respekt und Gehorsam, sofern dieser Gehorsam nicht in Widerspruch zur unveränderlichen Lehrtradition steht.

In dieser schwierigen Situation gilt es die richtige Balance zu halten. Den Papst von jenem sicheren Fundament der Überlieferung zu kritisieren, wenn er dieses Fundament etwa durch liturgische Missbräuche oder falschen Ökumenismus verlässt, ist gerechtfertigt und notwendig. Solche Kritik ist eine Form der Loyalität. Doch sie muss sich dieser notwendigen Loyalität eben immer bewusst bleiben und fest verwurzelt sein in der Unterordnung unter den Heiligen Vater, der das legitime Oberhaupt aller Katholiken ist. Andernfalls verfällt sie wiederum den Schlingen des Teufels, indem sie ihren legitimen Oberen nicht mehr anerkennt, weil ihm eine Perfektion fehlt, die der Kritiker sich zu haben anmaßt. Diese Form der Anmaßung ist Hochmut, das Kronjuwel im Sündenareal des Teufels.

Um ein konkretes Beispiel zu geben: Die falsche Demut, die sich in Widerspruch zu liturgischer Pracht setzt, kann nur von wahrer Demut kritisiert werden, doch es besteht die Gefahr, dass der Kritiker falscher Demut so stolz auf seine eigene „wahre Demut“ wird, dass sie in Hochmut umschlägt. Ebenso ist es beim Ökumenismus. Die falsche Ökumene durch die wahre Ökumene, d.h. die Rückkehr der Irrenden ins Haus des Vaters, zu bekämpfen ist richtig und notwendig. Doch auch hier besteht die Gefahr, dass der Kritiker, der tatsächlich die Wahrheit spricht, auf jene Tatsache stolz wird, und sich so sehr in seinem „Besitz“ der Wahrheit sonnt, dass er der schlimmsten aller Todsünden verfällt, nämlich dem Hochmut, der allein nicht vergeben werden kann, weil er nicht der Vergebung zu bedürfen glaubt.

Dies ist die Gefahr, auf die Pater Schmidberger in einem etwas anderen Zusammenhang aufmerksam macht. Der traditionelle Katholik muss die modernistischen Irrtümer kritisieren. Dies zu unterlassen wäre ein Versäumnis. Doch er darf nicht in jenen sektiererischen Antiliberalismus verfallen, dessen Kennzeichen nach Pater Schmidberger „Eigensinn, Rechthaberei, Besserwisserei, Kritiksucht, falsche Dialektik, Spott und Häme“ sind. Dies sind nicht die Zeichen des Heiligen Geistes, sondern der unreinen Geister.

Irrtümer kommen immer in Paaren auf die Welt, damit die Menschen auf der Flucht vor dem einen Irrtum geradewegs im anderen Irrtum gefangen werden, so dass der Kampf gegen einen Irrtum oft in den entgegengesetzten Irrtum umschlägt.

Mögen alle Kritiker der Handlungen von Papst Franziskus, darunter an erster Stelle der Autor dieser Zeilen, diese Gefahr immer vor Augen haben, und sich entschlossen an jenen Mittelweg halten, den die weisen Worte des Paters Schmidberger so treffend umschreiben: „Lernet von mir“, sagt unser gebenedeiter Herr, „denn ich bin sanftmütig und demütig von Herzen.“ In dieser wahren Herzensdemut, die erkennt, dass nicht wir, sondern die Heilige Kirche Gottes im Besitz der Wahrheit ist, und das auch nicht aus eigenem Verdienst, sondern nur weil Christus, die Wahrheit selbst, sich ihr zu offenbaren geruht hat, und die auch erkennt, dass wir noch weit schlimmere Irrtümer begehen würden als die Modernisten, wenn nicht die unverdiente Gnade Gottes uns im wahren Glauben halten würde, in dieser wahren Herzensdemut allein kann Kritik an Irrtümern und Missbräuchen des Franziskus zulässig und fruchtbar sein.

Vom Martyrium und dem ersten Karfreitag

Matthew Archbold und sein Bruder Patrick entwickeln sich für mich immer mehr zu einer täglichen Pflichtlektüre, sowohl was ihren gemeinsamen Blog als auch ihre Kolumne im National Catholic Register betrifft. Aktuell befindet sich dort ein ernüchternder Artikel über die Aussichten katholischer Eltern und ihrer Kinder in der nahen Zukunft. Ein kurzer Auszug (es lohnt sich aber, den ganzen Artikel zu lesen):

I was looking at my children in Mass yesterday and a horrifying thought occurred to me. If I do my job well as a parent, my children may end up persecuted and/or in jail. That may be the best I can hope for at this point in 21st century America.

(…)

I’m not talking about troubled times ahead for my grandchildren’s children in some possible future. I’m talking about my kids. So revolutionary have been the recent changes in America that defending life, liberty, and the pursuit of holiness could very well lead to persecution in the very near future.

(Gestern schaute ich meine Kinder bei der Messe an und mir kam ein schrecklicher Gedanke. Wenn ich meine Aufgabe als Elternteil gut erfülle, könnten meine Kinder dereinst verfolgt werden oder im Gefängnis landen. Das könnte das beste sein, worauf ich im Amerika des 21. Jahrhunderts hoffen kann.

(…)

Ich spreche nicht über schwere Zeiten in irgendeiner möglichen Zukunft für die Kinder meiner Enkelkinder. Ich spreche über meine Kinder. So revolutionär waren die Veränderungen in letzter Zeit, so dass die Verteidigung des Lebens und der Freiheit und das Streben nach Heiligkeit sehr wohl in sehr naher Zukunft zur Verfolgung führen könnten.

Ernüchternd, aber wahr, nicht nur in Amerika, sondern auch in Europa. Einige der Gründe, die für diese – manchen hysterisch-optimistischen Zeitgenossen allzu extrem erscheinende – These sprechen, zählt der Autor in seinem Artikel auf. Systematisch wird der Freiheit der Christen das Wasser abgegraben, auch wenn viele der unmittelbaren Handlungsträger der fraglichen Veränderungen dies nicht realisieren, und sicher aus guter Absicht handeln.

Es ist eine Tatsache, dass Kirche und Staat noch nie lange friedlich nebeneinander bestanden haben, ohne voneinander Notiz zu nehmen. Es gibt eben keine „staatliche Neutralität in Fragen der Religion“, es sei denn wir sprechen von einem völlig unrealistischen Nachtwächterstaat, der einige seiner eigentlich ihm zukommenden Aufgaben nicht mehr erfüllt. Wenn der Staat seine legitimen Aufgaben erfüllen will, dann muss er in Bereichen aktiv werden, in denen auch das ausgebildete christliche Gewissen bzw. die Kirche legitime Interessen haben.

Wenn sie dann nicht zusammenarbeiten, kommt es unweigerlich zum Machtkampf zwischen Staat und Kirche.

Die einzigen Alternativen lauten also Zusammenarbeit oder Machtkampf, und wie der Machtkampf in einer säkularisierten Gesellschaft ausgehen wird, steht außer jeder sinnvollen Diskussion. Vor allem, da die Kirche, angeführt von popularitätssüchtigen Hirten, denen es selten um Wahrheit, viel häufiger um Mehrheit zu tun ist, in diesen Machtkampf kaum einzutreten bereit ist. Aufgrund der Massendesertion der zur Verteidigung der Kirche, ihrer Freiheit und ihrer unverkürzten Lehre bestellten Hirten steht die Kirche wehrlos vor einem immer raumgreifenderen Staat, der kaum noch bereit ist, seinen traditionell katholischen Bürgern selbst liberal verstandene Freiheitsrechte einzuräumen, wenn sie nicht im Gegenzug weite Teile der antichristlichen Staatsideologie – wie das „Recht“ auf Verhütung, Homo-„Ehe“, Abtreibung, Scheidung, Gender Mainstreaming etc. – übernehmen.

Rational betrachtet gibt es nur drei Modelle für die Koexistenz von Kirche und Staat: Verfolgung, Zusammenarbeit oder ein System, das an die „Zweischwerterlehre“ erinnert, derzufolge der geistliche und der weltliche Arm letztlich nur zwei verschiedene Schwerter in der Hand der Kirche seien. Letztere ist nur in einer zutiefst christlichen Gesellschaft über längere Zeit umzusetzen, und zwar selbst in nichtdemokratischen Systemen, weil keine Staatsform dauerhaft gegen den Willen der überwältigenden Volksmasse regieren kann. Außerdem ist ihre (moralische) Zulässigkeit selbst in einer solchen Gesellschaft zweifelhaft, da eine genuine staatliche Autonomie in rein weltlichen Fragen bestehen bleiben sollte.

Sehen wir also von der unrealistischen und zweifelhaften Zweischwerterlehre ab, so bleibt nur die Alternative „Kooperation oder Verfolgung“. Doch wenn der Staat von der Kirche oder ihren Gläubigen gesetzlich den Bruch ihres Gewissens bzw. der Lehre der Kirche zu Fragen des Glaubens oder der Sittenlehre verlangt, wird die Kooperation unmöglich und der Staat verliert objektiv seine Legitimität.

Er wird in der Regel weiterhin faktisch hingenommen werden müssen – Revolutionen scheitern meistens, und selbst wenn sie erfolgreich sind, verkehren sie sich fast immer in ihr Gegenteil. Es ist daher sinnlos und in der Regel verwerflich, sich an ihnen zu beteiligen.

Verlangt der Staat solches von den Christen, so müssen sie dem imperialen Willen trotzen. Caesar bekommt, was ihm zusteht, aber es steht ihm nicht zu, auf dem Gewissen der Christen herumzutrampeln, indem er von den Christen verlangt, gegen die Sittenlehre oder den Glauben zu handeln.

Genau dies sind die westlichen, ehemals christlichen Staaten aber flächendeckend im Begriff zu verlangen. Und so mag es sein, dass, nach den Worten von Kardinal George, sein Nachfolger im Gefängnis und dessen Nachfolger als Martyrer sterben werde.

Dass Christen darauf in der Nachfolge des Herrn gefasst sein müssen, steht unbezweifelbar fest, seit dem ersten Karfreitag der Menschheitsgeschichte, als die Sklaven der Welt und ihres Fürsten ihren Schöpfer dahingeschlachtet haben.

Seit einem halben Jahrhundert verschließt die Kirche davor ihre Augen, um sich der Welt und ihrem Fürsten anzupassen. Die Quittung bekommen wir bald.

Papstkritik und Katholizität

Auf Creative Minority Report, einer englischsprachigen katholischen Webseite, die fast immer lesenswert ist, findet sich derzeit ein hochinteressanter und aufschlussreicher Beitrag von Patrick Archbold, in dem er berichtet, wie Aussagen, die noch vor wenigen Monaten unter lehramtstreuen Katholiken absoluter Konsens gewesen wären, heute als Papstfeindlichkeit angegriffen und gar als unkatholisch qualifiziert werden. Wörtlich schreibt er:

It has been a wild ride since the resignation of Pope Benedict XVI and the election of Pope Francis.

Several times already, after making some commentary, I have been accused of ‚attacking‘ the Pope. (…)

But here is the interesting thing. Many of the lines that I tweeted were things I wrote months ago for a possible post on liturgy but never published. When I wrote them, they would have seemed obvious and boring and 100% in line with Catholic thinking and the Pope.

But since I published them them this week, the are perceived by some as beyond the pale and an outlandish attack on the Pope. Same lines. Different month.

Woran liegt das? Der Artikel, für den Archbold angegriffen worden ist, findet sich auf der Homepage des National Catholic Register und kann dort jederzeit nachgelesen werden. Zwei Zitate, die Archbold „getwittert“ hatte, habe ich gestern hier zitiert. Was er dort schreibt, ist keineswegs unkatholisch, und doch wird es massiv von lehramts- und papsttreuen Katholiken angegriffen. Warum?

Es gibt unter lehramtstreuen Katholiken einen weitverbreiteten Irrtum, nämlich dass man den Papst immer und unter allen Umständen gegen Kritik in Schutz nehmen und verteidigen müsse. Dies ist verständlich, sowohl vor dem Hintergrund der herausgehobenen Position des Heiligen Vaters als sichtbares Oberhaupt der Kirche, als auch angesichts der hysterischen Feindschaft, die dem Papst in der breiteren Öffentlichkeit normalerweise entgegenschlägt, sobald er über die alltäglichen Floskeln der Politischen Korrektheit hinaus Stellung bezieht. Doch so verständlich es sein mag, es bleibt falsch. Ein Papst ist nicht unfehlbar, wenn er seine liturgischen Präferenzen ausdrückt, und er kann wahrhaft unwürdige Liturgien zelebrieren, ohne dass dies irgendetwas mit der Unfehlbarkeit zu tun hätte. Dasselbe gilt für alle normalen öffentlichen Äußerungen des Heiligen Vaters.

Der Papst ist nur unfehlbar, wenn er ex cathedra, in Ausübung seiner außerordentlichen Lehrvollmacht, eine Glaubenslehre für die ganze Kirche endgültig festlegt. Ebenso spricht er unfehlbar, wenn er nur das wiederholt, was immer und überall Bestandteil der katholischen Lehre war. Ansonsten kann er irren, und irrt er zuweilen, wie jeder andere Mensch auch. Der Papst ist ein Mensch. Errare humanum est.

Wenn nun also der Papst durch Wort und Tat eine anti-liturgische Haltung vertritt, dann ist das kein Argument für den Anti-Liturgismus, sondern nur gegen die liturgische Position des Papstes. Clownmessen oder Hüpf-und-Mitmach-Messen für Kinder aller Altersgruppen werden nicht dadurch besser oder akzeptabel, dass der neue Papst sie zelebriert hat.

Wenn der Papst den Koran küsst oder relativistisch anmutende Religionstreffen abhält, und diese auch noch theologisch mit einem falschen Ökumenismus rechtfertigt, den die Tradition immer abgelehnt hat, dann ist dies eine falsche Theologie, die nicht dadurch besser oder richtiger wird, dass es der Papst ist, der sie verkündet. Solange er sie nicht zum Dogma zu erheben sucht, berühren seine falschen Meinungen in keiner Form sein Amt oder seine Unfehlbarkeit. Kritik an diesen falschen Meinungen ist daher genauso zulässig und selbstverständlich, wie Kritik an den falschen Meinungen anderer Menschen.

Gebührt dem Papst aufgrund der Würde seines Amtes ein besonderer Respekt, der sich auch auf seine nicht-unfehlbaren Äußerungen erstreckt? Ja, sicherlich. Doch Respekt macht Irrtümer nicht besser. Und gerade weil der Papst ein so hohes Amt bekleidet, und für so viele Seelen Verantwortung trägt, ist es wichtig, dass seine Irrtümer nicht im Verborgenen bleiben, sondern bekannt gemacht werden, damit die Menschen sich nicht umso leichter in ihnen verfangen. Gerade in einer Zeit, in denen Glaube, Sittenlehre und Liturgie immer weniger als bekannt vorausgesetzt werden können.

Aus diesen Gründen ist es gerechtfertigt, auch scharfe Kritik an den Handlungen eines Papstes vorzubringen. Trotzdem wird derlei Kritik, wie im Falle Archbolds, immer wieder als unhaltbarer Angriff auf den Papst interpretiert, selbst wenn sie noch zu Zeiten des vorangegangenen Pontifikats ohne Weiteres als rechtgläubig und gar selbstverständlich angenommen worden wären.

Archbold hat sich kritisch über vereinfachte, von falscher Bescheidenheit triefende Liturgien geäußert und dies in einige höchst treffende, prägnante Sätze gefasst, die man wirklich gelesen haben sollte. Doch inhaltlich dasselbe wie Papst Benedikt zu sagen, war vor einem Monat vielleicht noch akzeptabel, doch für viele gläubige Katholiken ist das jetzt unerträglich, weil Papst Franziskus das alles anders sieht. Jetzt ist die „Bescheidenheit“ der liturgischen Kargheit, das Unter-den-Scheffel-Stellen des Lichts der Heiligen Liturgie gerade wieder einmal modern unter Katholiken, die leider unverbrüchliche Treue zum Papst mit unkritischer Zustimmung zu seinen Handlungen verwechselt zu haben scheinen.

Weil das Konklave ja vom Heiligen Geist beeinflusst wird, so denkt man, müsse jegliches Ergebnis des Konklaves notwendig als die persönliche Wahl des Heiligen Geistes interpretiert werden. Was immer dabei auch herauskommen mag, es muss als Gottes Wille interpretiert werden. Und bekanntlich ist Widerstand gegen Gottes Willen nicht nur zwecklos, sondern auch höchst verwerflich – es handelt sich um die Sünde Adams, die Verweigerung des Gehorsams gegen Gott. So landet der Kritiker der anti-liturgischen Affekte von Papst Franziskus schnell in einem Topf mit Luther und Hans Küng, während er noch vor einem Monat als vorbildlicher Papsttreuer über den grünen Klee gelobt worden wäre. Ebenso geht es dem, der den Unterschied zwischen ostentativer „Demut“ und der christlichen Tugend der Demut erklärt, und darauf beharrt, dass wahre Demut – wie Papst Benedikt sie zu zeigen pflegte – nicht mit dem Verzicht auf die Insignien des Papstamtes einhergeht, sondern gerade ihr Annehmen beinhaltet, während die Ablehnung dieser Insignien eine Überhebung über die Traditionen des Amtes bedeutet, die alles andere als demütig ist.

Ebenso wird bald der radikale Ökumenismus, dem der neue Papst anhängt, wohl von den selbsternannten Verteidigern katholischer Rechtgläubigkeit als quasi-dogmatischer Standard ausgelegt, an dem jede Kritik verboten ist, weil der Papst das so sagt.

Doch wahrer Katholizismus ist eben nicht das, was der aktuelle Papst gerade so sagt und denkt, sondern der unveränderliche, von Gott offenbarte, wahre Glaube, der uns in Schrift und Tradition in ununterbrochener Folge von Gott über Seinen Sohn, über die Apostel und ihre Nachfolger bis heute überliefert ist, und an dem die aktuellen Präferenzen und Launen des Papstes nichts ändern.

Wenn also besagte Präferenzen und Launen im Widerspruch zu besagter Überlieferung stehen, dann ist der Überlieferung der Vorzug zu geben, und die Präferenzen und Launen sind als das zu kritisieren, was sie sind: Irrtümer.

Und diese Irrtümer beim Namen zu nennen, sie zu kritisieren und ihnen die Wahrheit aus Schrift und Tradition entgegenzustellen, ist nicht unkatholisch, sondern gerade der Inbegriff der Katholizität, denn der Katholizismus ist die Religion der Wahrheit, nicht des Irrtums.

„Gebt es doch den Armen!“

Once you strip the altar, you might as well roll dice for its garments. (Patrick Archbold)

A Church truly dedicated to the poor would provide them the most magnificent liturgy possible. (Patrick Archbold)

In der heutigen Zeit ist es populär, prachtvolle Kirchen, liturgische Gewänder und edle Gefäße abzulehnen, weil es die Aufgabe der Kirche sei, den Armen zu helfen. Die „Kirche der Armen“ solle sich auch durch einen kargen äußeren Ausdruck auszeichnen, sozusagen in einer Art vorauseilender Solidarität. Diese Auffassung ist nicht neu. Schon zu biblischen Zeiten war diese Auffassung unter den Aposteln des Herrn vertreten, und zwar passenderweise durch Judas, wie der Evangelist Johannes schreibt:

„Sechs Tage vor dem Paschafest kam Jesus nach Betanien, wo Lazarus war, den er von den Toten auferweckt hatte.2 Dort bereiteten sie ihm ein Mahl; Marta bediente und Lazarus war unter denen, die mit Jesus bei Tisch waren.3 Da nahm Maria ein Pfund echtes, kostbares Nardenöl, salbte Jesus die Füße und trocknete sie mit ihrem Haar. Das Haus wurde vom Duft des Öls erfüllt.4 Doch einer von seinen Jüngern, Judas Iskariot, der ihn später verriet, sagte:5 Warum hat man dieses Öl nicht für dreihundert Denare verkauft und den Erlös den Armen gegeben?6 Das sagte er aber nicht, weil er ein Herz für die Armen gehabt hätte, sondern weil er ein Dieb war; er hatte nämlich die Kasse und veruntreute die Einkünfte.7 Jesus erwiderte: Lass sie, damit sie es für den Tag meines Begräbnisses tue.8 Die Armen habt ihr immer bei euch, mich aber habt ihr nicht immer bei euch.“

Es ist kein Zufall, dass es gerade der Verräter Judas war, der diese säkularisierte Haltung vertreten hat. Er, der nach dem Zeugnis der Evangelisten Matthäus und Markus direkt nach dieser Episode seinen Verrät in Gang gesetzt und den Herrn für 30 Silberstücke verkauft hat, konnte natürlich nicht wirklich verstehen, warum das Hochheilige außerhalb bloß weltlicher Nutzenkalküle steht, und warum es den Armen nicht wirklich geholfen hätte, das wertvolle Öl zu verkaufen und den Erlös unter die Armen zu verteilen. Für ihn war Jesus, der sich einfach mit diesem prächtigen Öl salben ließ, ein Verschwender, einer, der knappe Ressourcen nicht für die Armen einsetzte, und sie auch nicht einmal in die eigenen Taschen wirtschaftete, sondern sie für die Salbung des Heiligen ausgab. Der Herr selbst wurde an diesem Tag gesalbt, und Er sollte gekreuzigt werden; ihn würde man nicht alle Tage in körperlicher Form bei sich haben – die Armen hingegen schon.

Christus erkannte, wie auch Maria in dieser Geschichte, dass den Armen nicht damit gedient ist, das Heilige zu vernachlässigen, oder seine innere Schönheit durch äußere Hässlichkeit und Kargheit zu verstecken. Nein, ihm gebührt ein der inneren Pracht und Heiligkeit angemessener äußerer Ausdruck, weil geistliche und materielle Realität in einer Welt der Inkarnation, der Fleischwerdung Gottes untrennbar zusammengehören. Was für Christus gilt, das gilt ebenso für den wahrhaft gegenwärtigen Herrn im hochheiligen Messopfer und für die Altäre und Kirchen, auf bzw. in denen man es zelebriert. Die würdige Zelebration der heiligen Liturgie ist natürlich nicht abhängig von irgendeinem Prunk. Die Hütte, in der sich die Gläubigen in einem bitterarmen Dorf treffen, um vor einem einfachen Holzkreuz auf einem liebevoll, doch mit einfachsten Mitteln geschmückten Tischaltar der Feier des Heiligen Messopfers beizuwohnen, ist ebenso würdig, wie das prunkvolle Pontifikalamt eines Pius XII. Dies liegt aber nicht daran, dass die liturgische Pracht egal oder unwichtig wäre, sondern an den zur Verfügung stehenden Mitteln.

Das geistliche Zentrum des katholischen Lebens ist die Kirche, und in der Kirche der Altar, auf dem das Messopfer gefeiert wird. Das Messopfer, die erneute (unblutige) Vergegenwärtigung des allein heilbringenden Kreuzesopfers unseres Herrn Jesus Christus, das höchste der sieben Sakramente, ist Mittelpunkt des irdischen Gnadenlebens des Katholiken. Und da das geistliche Leben wichtiger ist als das bloß weltliche Leben, ist auch die geistliche Mitte wichtiger als die weltliche Mitte, und dies muss sich auch im Einsatz der Ressourcen widerspiegeln. Eine Messe, die trotz immensen Wohlstands an einem Sperrholzaltar in schlichten Gewändern und mit einfachen, statt edlen Gefäßen zelebriert wird, ist kein Akt von Demut oder Präferenz für die Armen, sondern der Herabwürdigung des Heiligen vor den profanen Ideologien dieser Welt.

Wenn Maria den Herrn salbt, dann tut sie dies, weil sie (anders als Martha, Judas, und die heutigen Apostel der Armen, ob mit oder ohne weißer Soutane) von einem tiefen Verständnis der Bedeutung des Heiligen durchdrungen ist. Sie versteht etwas vom Vorrang des Geistlichen, so wie ja auch in der Liebe zuerst die Gottesliebe kommt, und dann (als Folge aus der Gottesliebe) die Liebe zum Nächsten. Wer nicht Gott, und damit das Messopfer, in dem Gott selbst auf unseren Altären gegenwärtig wird, an die erste Stelle setzt, sondern die weltlichen Sorgen der Menschen, der handelt damit gegen Christus und gegen seine Lehre.

Es ist ein Irrglaube, dass man mittels Bildersturm und Holzaltar eine Kirche der Armen schaffen könnte. Die Kirche der Armen, die wirkliche Kirche der Armen, ist nicht die falsche Demut der Holzaltäre und Eisenkreuze, sondern das sind die gotischen Kathedralen, jene prachtvollen Meisterwerke der Baukunst im Dienste des Herrn, die von den Armen und für die Armen gebaut worden sind, und immer am meisten von den Armen geliebt wurden und ihnen zur bildreichen und wortlosen Inspiration gereicht haben.

Wohlhabende Liturgieprofessoren erklären uns, wie ihr geistliches Vorbild, von dem oben im Evangelium die Rede war, man solle auf Pracht und Prunk verzichten, und das Geld lieber den Armen geben. Progressistische, modernistische Theologen und ihre Anhänger in der Kirchenhierarchie reden uns dies seit Jahrzehnten ebenfalls ein. Doch das wahre Geschenk an die Armen sind nicht die dreißig Silberstücke, die man durch die Auslieferung des Heiligen bekommt, nicht die dreihundert Denare, die man durch minimalistische Feier der Heiligen Geheimnisse womöglich unter die Armen ausschütten könnte.

Das wahre Geschenk an die Armen ist das Hochheilige Messopfer, durch das die Erlösung, die Gnade Gottes, an sie ausgeschüttet wird, und die ewige Schau des Herrn von Angesicht zu Angesicht im Himmel, zu dem diese Gnade führt, wenn sie denn gläubig angenommen wird.

Das wahre Geschenk an die Armen ist der Herr. Dominus est – es ist der Herr, heißt ein Büchlein von Weihbischof Athanasius Schneider, das zwar hauptsächlich mit anderen liturgischen Fragen beschäftigt ist, aber den richtigen, katholischen Geist verströmt, und daher von höchster Wichtigkeit ist, gerade in dieser Zeit, in dem der Antiliturgismus, die Bilderstürmerei, die Ablehnung wertvoller und wichtiger Zeichen und Symbole, bis in die höchsten Positionen der Kirche tragischerweise Einlass gefunden hat.

Lassen wir uns von diesen Irrtümern, die bis auf Judas zurückgehen, nicht beeindrucken, sondern setzen wir uns für die ehrfürchtige, würdige, und prachtvolle Feier der göttlichen Liturgie ein, die eben mehr ist als nur ein weltliches Fest, das ggf. hinter wirtschaftlichen Erwägungen zurückzustehen hätte.

Es ist ein schlimmer Irrtum, Demut und Bescheidenheit gegen die würdige Feier der göttlichen Geheimnisse auszuspielen, so als ob die Braut Christi sich nicht mehr für ihren Bräutigam schmücken sollte, wenn die Gelegenheit dies nahelegt, damit sie prahlen kann, sie sei ja so demütig und solidarisch mit den Armen.

Papst Franz: Gebet und Gehorsam

Wer seit dem „Habemus Papam“ meinen Blog verfolgt hat, der weiß, dass ich mich scharf kritisch gegenüber Kardinal Bergoglio, dem jetzigen Papst Franz, geäußert habe.

Nach dieser teils scharfen Kritik möchte ich es jedoch nicht unterlassen, den Heiligen Vater genauso wie seinen Amtsvorgänger ins innige Gebet mit einzuschließen. Vor Papst Franz liegt eine schwere Aufgabe, nämlich die Führung der Kirche Gottes in einer schweren Kirchenkrise, und auch die Bewältigung dieser Krise. Bei dieser Aufgabe benötigt er dringend die Unterstützung des Gebets, auch und gerade solcher Katholiken, die seiner bisherigen kirchlichen Laufbahn sehr kritisch gegenüber stehen und ihn deswegen nicht gerade für die Idealbesetzung halten.

Selbst in guten Zeiten ist das Papstamt eine schwere Bürde für den Mann, der sie zu tragen bestellt wurde, und wir leben nicht in guten Zeiten. Bei aller schweren Kritik – die ich weiterhin für richtig und notwendig halte – bleibt er zudem das Oberhaupt aller Katholiken, dem sie Gehorsam schulden, wenn und insoweit er nichts verlangt, was dem überlieferten Glauben oder den guten Sitten widerspricht.

Hier also der klare Aufruf an alle Katholiken unabhängig von ihrer Zufriedenheit mit der Wahl des Konklaves: Betet für unseren Heiligen Vater Franz und folgt ihm in Treue und Gehorsam im Rahmen des wahren Glaubens und der Sittenlehre!

Papst Franz nach 24 Stunden

Nachdem ich auf der Basis meiner eigenen Kenntnisse und der gestern für mich verfügbaren Informationen hier einige Eindrücke zur Wahl Kardinal Bergoglios zu Papst Franz (oder Franziskus, wie er mancherorts genannt wird) veröffentlicht hatte, begannen sich die Informationen über die Person des neuen Papstes mehr und mehr zu häufen. Das Bild, das sich daraus ergibt, ist nicht ganz so negativ wie mein erster Eindruck. Es ist ziemlich klar, dass er ein progressistischer Theologe der typischen Konzilsschule ist, und dass seine Liturgien als Erzbischof nichts weniger als entsetzlich waren. Außerdem scheint er zur großen Freude der Protagonisten einer „Sozialen Gerechtigkeit“ (die oft leider meilenweit von der kirchlichen Soziallehre entfernt ist) auch diesem Flügel sehr nahe zu stehen.

Allerdings gibt es Quellen, die behaupten, er habe in seiner Zeit in Buenos Aires „energisch“ gegen Abtreibung und Homo-Ehe gekämpft. Ich möchte dies gern glauben. Doch was wird uns da als energisch verkauft? Bei Rorate Caeli habe ich einen, zugegebenermaßen klaren und unmissverständlichen, Brief des damaligen Erzbischofs gefunden, in dem er sich über die Einführung der „Homo-Ehe“ äußert. Natürlich gibt es schon noch einen Unterschied zwischen dem Schreiben eines Briefes und einem „energischen Einsatz“, doch wir wollen dem neuen Papst das Vertrauen schenken und ihm glauben, dass er wirklich gegen Abtreibung und für die natürliche Familie ist.

Was für ein Bild ergibt sich also von Papst Franz (oder Franziskus – was ist denn nun die offizielle deutsche Version?) – ist es positiv, negativ, oder gar entsetzlich? Die vorliegenden Informationen sind widersprüchlich. Einerseits gibt es Berichte aus seinem Erzbistum, er sei eine absolute Katastrophe gewesen – einen davon habe ich gestern hier zitiert. Andererseits zeichnen die etablierten katholischen Medien, auch die lehramtstreuen, ein differenzierteres Bild. Wie viel davon die übliche hysterisch-positive Übertreibung ist, zu der ein nicht geringer Teil der glaubenstreuen Medien manchmal neigt, wenn es um Päpste geht, weiß ich natürlich nicht. Auch hier will ich gern glauben, was über Franz gesagt wird.

Allerdings bleibt die einfache Tatsache übrig, dass sowohl gestern als auch 2005 Bergoglio eben nicht von den Traditionstreuen, sondern von ihren teils erbitterten Gegnern vorgeschlagen wurde, und dass seine unbestrittenen Handlungen als Erzbischof nicht gerade den Eindruck eines starken, kämpferischen Papstes hinterlassen, der den Weg der „Reform der Reform“ und der „Hermeneutik der Kontinuität“ weiterzugehen wünscht.

Es bleibt einfach die hohe Wahrscheinlichkeit übrig, dass wir es mit dem „Anti-Ratzinger“ zu tun haben, den einflussreiche „progressive“ (oder neomodernistische) Kreise sich gewünscht hatten.

Doch wie dem auch sei – und er wird Zeit und Gelegenheit haben, mich durch seine Handlungen zu überzeugen – gibt es letztlich wichtigere Dinge als über den Kurs des Papstes zu spekulieren.

Lebensziel des traditionellen Katholiken ist das Seelenheil – nicht die Papstkritik, nicht das Papstlob. Weder das Abfeiern des neuen Heiligen Vaters noch Zweifel an seiner Eignung haben den geringsten Einfluss auf dieses Ziel.

Wenn Papst Franz sich doch als guter Hirte erweist, dann ändert dies nichts daran, dass wir den in Schrift und Tradition überlieferten Glauben behalten und ein heiliggemäßes Leben in der Kirche führen müssen.

Wenn er ein schlechter Hirte sein sollte, dann ist es umso wichtiger, sich von diesem schlechten Beispiel nicht beeinflussen zu lassen, sondern weiter in unverbrüchlicher Treue dem wahren traditionellen Glauben und der Kirche anzuhängen.

Für uns ändert sich dabei nichts.

Dritte Reaktion: Eine Richtungswahl

Eine Nacht ist vergangen und ich habe über das ernüchternde Ergebnis des Konklaves einmal geschlafen. Die erste Enttäuschung ob der Wahl eines liturgischen Anti-Traditionalisten vom theologisch progressiven bis modernistischen Flügel ist noch längst nicht abgeklungen. Doch das ändert alles nichts. Er ist nun einmal gewählt worden, und wenn er nun der Papst ist, dann ist er auch mein Papst, und ich will versuchen, ihm in den kommenden Tagen und Wochen ihm die Chance zu geben, sich als ein guter Hirte zu bewähren, was ihm objektiv betrachtet in Buenos Aires nicht gelungen war.

Doch die Frage muss erlaubt sein: Was bitte ist in dieses Konklave gefahren? Wir hatten ja durchaus einige Kardinäle, die die Richtung des vergangenen Pontifikats gern fortgesetzt hätten – Scola, Ouellet etc. Das Konklave war das, was man in manchen weltlichen Kontexten eine Richtungswahl nennen könnte. Nach dem Papstrücktritt, der einen klaren Bruch mit einer langen Tradition darstellte, stand nun die Frage an, wie die Kardinäle mit diesem Rücktritt umgehen sollten. Sollten sie einen Papst wählen, der grob die theologische und liturgische Reform Benedikts fortsetzen würde? Die Antwort auf diese Frage konnte nur „ja“ oder „nein“ lauten. Hätte man im Konklave auch nur 38 Stimmberechtigte gefunden, die an dem Reformkurs Benedikts hätten festhalten wollen, so wäre die Wahl des großen Gegenspielers von Benedikt aus dem Konklave 2005 sicher niemals geschehen.

Der Ausgang des Konklaves, der Richtungswahl, zeigt klar: Eine solide Zweidrittelmehrheit der Kardinäle wollte den Bruch mit dem Kurs Benedikts, den Bruch mit der langsamen  Rückkehr zu liturgischer Angemessenheit und theologischer Orthodoxie, den Bruch mit der „Hermeneutik der Kontinuität“ und mit allen anderen Aspekten des vergangenen Pontifikats. Die Kardinäle, die mehrheitlich von Benedikt ernannt worden sind, haben damit einen energischen Richtungswechsel der Kirche herbeizuführen versucht. Gegen Bergoglios Liturgien nehmen sich die von deutschen Bischöfen zelebrierten Messen geradezu ehrfürchtig, andächtig und ultra-traditionell aus. Verglichen mit Bergoglios hochmütigem Vorsichhertragen angeblicher Demut nimmt sich selbst der ständige Versuch der deutschen Bischöfe, volksnah zu sein, noch triumphalistisch und pompös aus.

Welche Botschaft geht also von diesem Richtungs-Konklave aus? Die versammelten Kirchenfürsten haben ein glasklares Votum gegen den Kurs Benedikts ausgesprochen. Es handelt sich angesichts der Kandidatenauswahl auch keinesfalls um eine nur partielle Abkehr von den Zielen des letzten Pontifikats, sondern um eine fast vollständige Kehrtwende.

Von der natürlich immer bestehenden Möglichkeit einer Herzensbekehrung des neuen Bischofs von Rom abgesehen, heißt das für den traditionellen Katholiken, dass die langsame Rückkehr zur gesunden Lehre, die sich nach dem Konzil über die Reihe Paul VI –> Johannes Paul II. –> Benedikt XVI. anzudeuten schien, nun gründlich vorüber ist. Radikaler Ökumenismus, Anpassung an das wirtschaftspolitische Programm sozialistischer Parteien, weitgehendes Schweigen zum Massenmord an den Ungeborenen, Herabwürdigung des Heiligen Messopfers zur Tanz- und Hüpfparty für geistige Kinder aller Altersschichten, Unterdrückung der Anhänger der überlieferten Messe, Anbiederung an die Moderne etc. etc., das ist das Programm des Erzbischofs von Buenos Aires gewesen, und es gibt keinen Grund zu der Annahme, dies werde nicht auch sein Programm als Bischof von Rom bleiben.

Mindestens 78 Kardinäle haben gestern für den Lieblingskandidaten der Bruchhermeneutiker gestimmt. Es ist richtig, dass nun in einigen katholischen Medien die hysterisch-positive Berichterstattung über Papst Franz losgehen wird. Dieselben Leute, die die Reform der Reform unter Benedikt verteidigt haben, werden jetzt ihre Liebe zum liturgischen Tanz und zur Gitarre als vornehmlicher Form liturgischer Musik wiederentdecken, weil der Papst das gern so hat. Dass für manche ein Papst niemals etwas falsch machen kann, selbst wenn er gar nicht ex cathedra spricht, ist leider eine Tatsache.

Doch das ändert nichts an der Tatsache, dass eine überwältigende Mehrheit des Konklaves jeglicher Reform des Benedikt-Pontifikats eine entschiedene Absage erteilt hat.

Doch selbst das überwältigende Votum für einen Bruch mit der Traditionskontinuität Benedikts ändert nicht einmal einen winzigen Hauch an der Tatsache, dass die Heilige Kirche uns in Tradition und Schrift den Wahren Glauben zugänglich gemacht hat und weiterhin zugänglich macht, egal ob der aktuelle Papst dies gern hört oder nicht.

Ich kann nur der Piusbruderschaft erneut danken, dass sie nicht den Fehler gemacht hat, vom giftigen Baum des Konzils zu essen, um von Rom wieder anerkannt zu werden.

Heiliger Papst Pius X., bitte für uns.

Wer ist Papst Franz?

Nun, hören wir auf einen, der es wissen sollte. New Catholic schreibt auf Rorate Caeli:

„We have many friends around the world, including in the dear Argentine Republic. And we asked a cherished friend Marcelo González, of Panorama Católico Internacional, who knows the Church of Argentina as well as the palm of his hand to send us a report on the new pope. Here it goes:“

Es folgt eine sehr, sehr negative Einschätzung in englischer Sprache:

The Horror!

Of all the unthinkable candidates, Jorge Mario Bergoglio is perhaps the worst. Not because he openly professes doctrines against the faith and morals, but because, judging from his work as Archbishop of Buenos Aires, faith and moral seem to have been irrelevant to him.
A sworn enemy of the Traditional Mass, he has only allowed imitations of it in the hands of declared enemies of the ancient liturgy. He has persecuted every single priest who made an effort to wear a cassock, preach with firmness, or that was simply interested in Summorum Pontificum.
Famous for his inconsistency (at times, for the unintelligibility of his addresses and homilies), accustomed to the use of coarse, demagogical, and ambiguous expressions, it cannot be said that his magisterium is heterodox, but rather non-existent for how confusing it is.
His entourage in the Buenos Aires Curia, with the exception of a few clerics, has not been characterized by the virtue of their actions. Several are under grave suspicion of moral misbehavior.
He has not missed any occasion for holding acts in which he lent his Cathedral to Protestants, Muslims, Jews, and even to partisan groups in the name of an impossible and unnecessary interreligious dialogue. He is famous for his meetings with protestants in the Luna Park arena where, together with preacher of the Pontifical House, Raniero Cantalamessa, he was „blessed“ by Protestant ministers, in a common act of worship in which he, in practice, accepted the validity of the „powers“ of the TV-pastors.
This election is incomprehensible: he is not a polyglot, he has no Curial experience, he does not shine for his sanctity, he is loose in doctrine and liturgy, he has not fought against abortion and only very weakly against homosexual „marriage“ [approved with practically no opposition from the episcopate], he has no manners to honor the Pontifical Throne. He has never fought for anything else than to remain in positions of power.
It really cannot be what Benedict wanted for the Church. And he does not seem to have any of the conditions required to continue his work.
May God help His Church. One can never dismiss, as humanly hard as it may seem, the possibility of a conversion… and, nonetheless, the future terrifies us.
Eine grobe inhaltliche Übersetzung:

Der Schrecken!

Von allen undenkbaren Kandidaten ist Jorge Mario Bergoglio vielleicht der Schlechteste. Nicht nur weil er offen Lehren gegen den Glauben und die Moral bekennt, sondern weil Glaube und Moral für ihn irrelevant sind, wenn man das nach seiner Arbeit als Erzbischof von Buenos Aires beurteilt.

Als geschworener Feind der Traditionellen Messe hat er nur Imitationen von ihr erlaubt – in den Händen erklärter Feinde der alten Liturgie. Er hat jeden einzelnen Priester verfolgt, der sich Mühe gegeben hat, eine Soutane zu tragen, mit Festigkeit zu predigen, oder der einfach an Summorum Pontificum interessiert war.

Berühmt für seine Inkonsistenzen (zeitweise für die Unverständlichkeit seiner Ansprachen und Predigten), die Verwendung rauher, demagogischer und mehrdeutiger Ausdrücke gewohnt, kann nicht gesagt werden, dass sein Lehramt heterodox ist, sondern eher nicht-existent, weil es so verwirrend ist.

Sein Gefolge in der Kurie von Buenos Aires ist, von wenigen Klerikern abgesehen, nicht durch die Tugend ihrer Handlungen charakterisiert gewesen. Einige stehen unter dem schweren Verdacht moralischen Fehlverhaltens.

Er hat keine Gelegenheit verpasst, Akte abzuhalten, in denen er seine Kathedrale Protestanten, Muslimen, Juden und sogar parteilichen Gruppen im Namen eines unmöglichen und unnötigen interreligiösen Dialogs überlassen hat. Er ist berühmt für seine Treffen mit Protestanten in der Luna-Park Arena, wo er zusammen mit Raniero Cantalamessa von protestantischen Seelsorgern „gesegnet“ wurde, in einem gemeinsamen Akt der Verehrung, in der er praktisch die Gültigkeit der „Kräfte“ der TV-Pastoren anerkannte.

Diese Wahl ist unverständlich. Er ist nicht vielsprachig, hat keine Kurienerfahrung, glänzt nicht vor Heiligkeit, ist lose in Lehre und Liturgy, hat nicht gegen Abtreibung und nur sehr schwach gegen die „Homo-Ehe“ gekämpft [die praktisch ohne Widerstand durch den Episkopat verabschiedet wurde], und hat nicht das Benehmen, den Päpstlichen Thron zu ehren. Er nie für irgendetwas anderes gekämpft, als in Positionen der Macht zu bleiben.

Das kann es wirklich nicht sein, was Benedikt für die Kirche wollte. Und es scheint, als ob er keine der Voraussetzungen habe, um dessen Werk fortzusetzen.

Möge Gott Seiner Kirche helfen. Man kann die Möglichkeit einer Bekehrung, so menschlich schwer sie scheinen mag, niemals ausschließen. Und trotzdem, die Zukunft erschreckt uns.

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Soweit die Übersetzung.

Heiliger Papst Pius X., bitte für uns!