Kardinal Marx: „Wir sind Kirche“, trauen uns aber nicht es zu sagen…

Zu den üblichen Streitthemen hat sich Kardinal Marx vor der Vollversammlung der Diözesansowjets im Erzbistum München-Freising geäußert. Einige Auszüge aus dem kath.net-Artikel mit dem wie üblich roten Kommentar und Hervorhebungen von Catocon)

Die katholische Kirche werde zwar niemals die Unauflöslichkeit der sakramentalen Ehe abschaffen, es brauche jedoch pastorale Antworten auf die Lebenssituation von Menschen in zweiter Ehe (was soll das sein? Ich dachte, der Kardinal hätte gerade noch gesagt, die Ehe sei unauflöslich? Gibt es plötzlich Vielehe?), sagte der Erzbischof am Freitagabend vor dem Diözesanrat der Katholiken in Freising. Das Thema werde weiterhin auf der Agenda der Bischofskonferenz stehen. «Da wird es keine einfachen Antworten geben.» (Nun, immerhin schreckt der Kardinal vor einer generellen Forderung nach Art Erzbischof Zollitschs zurück. Aber sind diese Worte nicht erneut Beispiele derselben Anpassungsrhetorik, die generell die deutschen Bischöfe auszeichnet? „Man werde ZWARdie Unauflöslichkeit der Ehe nicht abschaffen, ABER…“. Was ist so schwer daran, dass jemand, der kirchlich heiratet, dann zivilrechtlich geschieden wird, und zivilrechtlich erneut heiratet, entweder sexuell enthaltsam oder in schwerer Sünde lebt (Ehebruch), und daher, solange er in dieser schweren Sünde persistiert, nicht zur Kommunion zugelassen ist? Ja, das zu vermitteln, könnte heutzutage schwer sein, aber da geht es dann um „Vermittlung“, nicht um ein „schweres Thema, das auf der Agenda steht“.Die „pastorale Antwort“, die gegeben werden könnte, sollte und müsste, wäre katechetischer Natur, indem die Lehre der Kirche zu Ehe und Familie „an der Basis“ nicht länger verschwiegen oder halb geleugnet wird. Der Rest ist psychologischer Natur und nicht Aufgabe der Bischofskonferenz, sondern der individuellen Priester und Gemeinden.)

Auch bei der Frage der Eucharistie für konfessionsverschiedene Ehepaare müsse die Kirche im Einzelfall auf die Bedürfnisse der Menschen reagieren. (Die Bedürfnisse der Menschen sind wichtig, kein Zweifel. Doch die Kirche kann hier nicht auf sie reagieren. Der Empfang des Leibes Christi kann nicht mit Gedächtnisfeiern evangelischer Art verglichen werden – und wer ein evangelisches Verständnis vom „Abendmahl“ zur Kommunion bringt, sollte nicht empfangen – selbst wenn er das subjektive „Bedürfnis“ danach hat. Wir haben oft genug „Bedürfnisse“, die wir nicht befriedigen können. Dazu hat man Selbstbeherrschung, nicht Bischofskonferenzen, die krampfhaft hinter empfundenen „Bedürfnissen“ imperialer Individualisten herlaufen. Wo ist der Mut, Herr Kardinal?)

(…)

Der Forderung nach dem Diakonat der Frau erteilte Marx eine Absage. «Das findet nicht meine Zustimmung.» (Diese Haltung ist zu loben. Danke, Eminenz.)

Gleichzeitig sei es nötig, dass die Kirche Frauen stärker bei der Besetzung von Ämtern berücksichtige, die nicht an die Weihe gebunden seien. (Ein schöner Satz wird immer von einem schrecklichen auf Schritt und Tritt verfolgt in der schönen neuen deutschen Kirche. Wenn sich Frauen und Männer in der Kirche engagieren, ist das immer schön. Aber die „stärkere Einbindung“ von Frauen zu fordern, ist doch für einen Kardinal arg feministisch. Es riecht nach Konzession an den Zeitgeist, wie man im Folgenden noch deutlicher sehen wird.)

Es sei zudem nötig, die Laien stärker in Entscheidungen einzubinden.  Dafür brauche es ein stärkeres synodales Denken. Es dürfe durch Priester und Bischöfe keinen Klerikalismus geben, (ja, Klerikalismus ist schlecht. Die Vorstellung, man müsse in der Kirche irgendein besonderes Amt mit besonderen Kompetenzen ausüben, ist schrecklich. Wir sehen in diesen Worten von Kardinal Marx die schlimmste und extremste Form des Klerikalismus: Die, die glaubt, der Laie habe keinen Wert, wenn er nicht durch besondere „Ämter“ eingebunden sei.) in dem der Geistliche immer das letzte Wort habe. «Das ist nicht der Geist, den wir wollen.» Es brauche mehr Partizipation. (Ja, lasst uns alle eine bunte, neue, partizipative, grüne, egalitäre, offene, liebe, nette, brave, nutzlose Kirche sein. Kein Gott, kein Staat, kein Patriarchat!)

Im Umgang mit Homosexuellen habe die Kirche oft den «falschen Ton» angeschlagen. (Ja, ich finde auch: Das unerträgliche Anbiedern der Kirche an die Homosexuellenlobby sollte endlich enden!) (…) In der Sexualmoral müsse sich die Kirche fragen, ob sie ihre richtige Haltung nicht zu oft mit einer «Verbotsrhetorik» verkünde. (Sie verkündet weder mit einer Verbotrhetorik, noch mit einer anderen Rhetorik. Faktisch verkündet sie gar nicht.)

Der Erzbischof unterstrich, dass die Arbeit der Kirche weiter professionalisiert (Genau! Noch mehr Professionalisierung! Ich mache hier nur meinen Job! Glaube? Irrelevant und hinderlich!) werden müsse, vor allem dann, wenn es um die Liturgie gehe. (Bitte nicht!) «Wir müssen das Niveau von Verkündigung und von Gottesdiensten immer weiter verbessern. (Neeeeeiiin!! Nicht durch mehr Professionalisierung! Wie wäre es mit mehr Frömmigkeit, mehr Glaube, mehr Treue gegenüber den liturgischen Büchern?) Es sei eine Grundaussage des Zweiten Vatikanischen Konzils, dass alle Gläubigen zur Weitergabe des Glaubens gerufen seien. (Genau. Und deswegen wird der Glaube auch nicht weitergegeben: Wenn alle zuständig sind, fühlt sich niemand zuständig.) Deshalb befürworte er die Gründung einer Ehrenamtsakademie für das Erzbistum. (Auf Lateinisch heißt das: Non sequitur. Bloß weil alle Prämissen falsch sind und die Konklusion auch, muss man nicht gleich auch noch die Gesetze der Logik ignorieren, oder? Kardinal Marx scheinbar wohl.)

Ich bitte die Leser den ganzen Artikel auf kath.net zur Kenntnis zu nehmen, ich habe doch an einigen Stellen deutlich gekürzt.

Kardinal Marx ist für einen Kirchenmann seines Ranges jung, jemand, der scheinbar sehr glitschig die Karriereleiter hochrutschen kann. Er sagt nichts direkt Häretisches, stärkt aber durch seine Mentalität und sein Verhalten den Glauben nun wahrlich nicht.

Kardinal Marx macht sich wieder einmal um das inoffizielle Motto des Dialogprozesses „Mut zur Angst“ verdient.

Junius Caesur: Lingua Hominis Catholici

Es folgt ein kurzer Auszug aus dem Bericht des Kulturanthropologen Junius Caesur, der nach einer langen theoretischen Vorbereitung an der angesehenen Elfenbein-Universität von Wolkenkuckucksheim aufgebrochen war, um dem fernen Land, aus dem er stammt, und das noch nie von der katholischen Kirche gehört hatte, Informationen über dieses seltsame Völkchen mitzubringen. Er beschäftigte sich zuerst intensiv mit kirchlichen Dokumenten und verbrachte danach mehrere Jahre in verschiedenen katholischen Gemeinden Europas und Nordamerikas. Er beobachtete scharf, diagnosizierte eifrig, analysierte alles und schrieb es in seinem umfassenden Werk „Kultur und Leben des Homo Catholicus“ nieder. Berühmt geworden ist er für seine Typologie des homo catholicus in Heterodoxe, Orthodoxe, Traditionelle und Traditionalisten.

Der homo catholicus ist, wenn ich einmal kurz aus persönlicher Perspektive sprechen und den Mantel des neutralen Wissenschaftlers ablegen darf, schon ein sehr interessantes Studienobjekt. Denn man sieht bei ihnen oft an kleinen Äußerlichkeiten, scheinbar bedeutungslosen Randerscheinungen, wie sie denken und wo sie stehen. So sagen Heterodoxe nahezu immer „Gottesdienst“ und die Orthodoxen „Messe“. Traditionsgebundene beider Schattierungen bevorzugen jedoch den Begriff „Messopfer“. Dasselbe gilt für den von den Katholiken als Gott verehrten Jesus von Nazareth. Für Heterodoxe ist er einfach nur Jesus – für die anderen viel häufiger auch Christus. Die Bezeichnung „Herr“ für den Zimmermann von Nazareth ist unter Heterodoxen ebenfalls fast unbekannt. Subtile linguistische Differenzen, an denen man die Stammeszugehörigkeit aber nahezu unfehlbar ablesen kann. Ich will hier nur ein Beispiel geben, das mir auf meinen endlosen Reisen begegnet ist.

Vier Katholiken, je ein Repräsentant aller vier kirchlichen Stämme, unterhalten sich gemütlich beim Lagerfeuer über das Leben des Gründers der christlichen Religion. Sie kommen auf den letzten Tag vor der Kreuzigung zu sprechen.

Der Heterodoxe sagt: „Die Evangelisten lassen Jesus beim Abendmahlsereignis vor der Kreuzigung für seine Jünger das Brot brechen.“

Der Orthodoxe antwortet: „Nein, das Abendmahl gab es wirklich. Mehr noch, Christus stiftete die Messe an jenem Gründonnerstag“.

Der Traditionelle erhebt seine Stimme und fügt an: „Wahrlich. Dies war das erste Messopfer, eine unblutige Vorwegnahme des Kreuzesopfers unseres Herrn, ihm sonst in allen Belangen gleich.“

Darauf schüttelt der Traditionalist sein weises Haupt und sagt: „Dieses Heilige Messopfer ist vom Herrn Jesus Christus in Seiner Huld eingerichtet worden, bevor die Konzilstheologen ihn entthront haben!“

Junius Caesur ist Professor für angewandte Kulturanthropologie an der Elfenbein-Universität von Wolkenkuckucksheim. Er ist verheiratet mit Cleomatra Transrubiconiensis und hat Kinder. Wie viele sagt er nicht.