Polen: Triumphaler Wahlsieg für Kultur des Todes

Bei den Wahlen zum polnischen Sejm konnte die Partei des amtierenden Ministerpräsidenten Donald Tusk mit gut 39% der Stimmen unter leichten Verlusten die Position der stärksten Partei behaupten. Hinter Tusks Bürgerplattform (PO) blieb die PiS, gewöhnlich in der deutschen Presse mit „Recht und Gerechtigkeit“ übersetzt, unter ihrem Ergebnis von 2007 und erreichte nicht ganz 30% der Stimmen.

Hinter den beiden großen Parteien, deren Stimmanteil und Sitzzahl relativ konstant geblieben sind, wurde jedoch mit der neugegründeten, radikal-antiklerikalen „Palikot-Bewegung“ eine neue Gruppierung drittstärkste Kraft und könnte damit in die Rolle des Züngleins an der Waage rutschen – eine Rolle, die bislang die Bauernpartei, eine inhaltlich flexible, als opportunistisch geltende Gruppierung, innehatte.

Die postkommunistischen Sozialisten büßten erneut stimmen ein, und blieben erstmals sogar unter 10%.

Was bedeutet dieses Wahlergebnis für Polen, wo noch vor wenigen Wochen über ein völliges Verbot der Tötung unschuldiger Menschen durch Abtreibung abgestimmt worden war? Nun, Donald Tusk, inhaltlich wie persönlich nahe an Angela Merkel und ihrer neuen, familien- wie lebensfeindlichen CDU, hatte bei der Abstimmung über das Abtreibungsverbot vor einigen Wochen kurzfristig den Fraktionszwang eingeführt, welcher normalerweise für Gewissensentscheidungen aufgehoben ist (wie auch in Deutschland üblich). Kaczynskis PiS befürwortet das Lebensrecht unschuldiger Menschen, wie auch die Mehrheit der Abgeordneten von Tusks PO und der Bauernpartei. Wie üblich sind sozialistische Parteien generell nicht am Wohl der Unschuldigen Kinder interessiert, und so stehen auch die Postkommunisten in Polen für die Freigabe der Tötung der Unschuldigen, sofern sie ihrer Mutter hinderlich sind. Selbstverständlich trifft dies in noch stärkerem Maße auch auf die Kirchenhasser um Palikot zu. Eigentlich, so müsste man vermuten, wäre durch diese Konstellation eine Mehrheit für den Lebensschutz sicher, wenn nicht Tusks Fraktionszwang in der PO gültig wäre.

In erster Lesung hatte der polnische Sejm dem Abtreibungsverbot im Sommer mit großer Mehrheit zugestimmt – dann kam der erwartete internationale Druck und Tusks Entscheidung zum Fraktionszwang. In der entscheidenden Abstimmung fiel das Lebensrecht dann mit 186 zu 191 Stimmen bei sehr vielen Enthaltungen durch.

Der neue Sejm ist mit Palikots Extremisten, den Abtreibungsliebhabern aus der sozialistischen Ecke, der auf Linie gebrachten PO, und der opportunistischen Bauernpartei wohl mit einer klaren Mehrheit für die Fortführung der bisherigen Abtreibungsgesetzgebung ausgestattet. Ein wichtiger Durchbruch ist damit verhindert worden.

Bereits heute hat Polen jedoch, verglichen mit der menschenverachtenden Praxis in den anderen europäischen Ländern (mit Ausnahme Irlands und Maltas) eher humane Regelungen zur Tötung der Ungeborenen. Abtreibung ist nur in seltenen Ausnahmefällen zulässig – was sich auf etwa 500 Abtreibungen pro Jahr beläuft. Die internationale Abtreibungslobby, die in Tusk und seinem ehemaligen Parteifreund Janusz Palikot wohl solide Verbündete hat (wobei Palikot ein radikaler Schreihals und Tusk ein sich gemäßigt gebender Politiker im Geiste Angela Merkels ist), ist mit dieser Rechtslage selbstversändlich nicht zufrieden. In der Zange zwischen einer räuberischen EU und einer bereitwillig die Schwächsten verratenden polnischen Regierung unter Tusk, womöglich bald mit Palikots Fanatikern als Koalitionspartner, wird die internationale Abtreibungslobby sich sicher sein können, dass der Schutz der Schwachen nicht ausgebaut, und wahrscheinlich sogar zurückgefahren wird.

Und dass ein Palikot überhaupt ein zweistelliges Ergebnis gewinnen konnte, zeigt, wie sehr das Gift des Antikatholizismus selbst in das immer als solide katholisch erscheinende Polen bereits injiziert worden ist. Wenn Irland das Beichtgeheimnis vernichten und Polen sich nicht zum Schutz der Ungeborenen entschließen kann, dann wissen wir: Der Einfluss der Kirche ist selbst in ihren Stammländern praktisch verschwunden. Spanien und Portugal haben inzwischen barbarische Abtreibungsgesetze – zwei weitere traditionell katholische Länder.

Die Marienerscheinung von Fatima versprach den Portugiesen, in ihrem Land werde die katholische Lehre bewahrt werden. Ist das so? Wenn ja, wo? Sieht es nicht vielmehr so aus, als ob die ganze westliche Welt, Portugal eingeschlossen, von der tosenden Flut des aggressiven Säkularismus überspült würde und so der moralische Relativismus oder gar Nihilismus die Parlamente, Gesetze, Gerichte und Köpfe erobert?

Selbst in Malta gibt es inzwischen die Scheidung.

In den meisten westlichen Ländern traut sich die Kirche nicht einmal mehr, wesentliche Themen ihres Glaubens überhaupt anzusprechen, und oft genug schleicht sich der Verdacht ein, ihre Vertreter glaubten selbst nicht mehr daran.

Palikot mag nur 10% erreicht haben, doch der Kern seines Denkens hat in Westeuropa inzwischen alle Parteien erfasst, und hat auch in Polen mehr Anhänger, als sein Stimmanteil ausdrückt – besonders populär ist der Antikatholizismus in der jungen Generation, in der Palikot allein 25% der Stimmen erhalten hat. Auch in Polen spielt die Kirche die jetzige Lage kräftig herunter und scheint sich der Gefahr nicht bewusst zu sein. Man müsse, „mit der ganzen Gesellschaft kommunizieren, nicht nur mit den Gläubigen„, sagt man dort. Auch dort scheint man sich also auf ein Kommunikationsproblem zurückzuziehen. Die Völker wenden sich doch nur von uns ab, weil wir nicht gut genug „kommuniziert“ haben – verbal, versteht sich, nicht sakramental, wo kämen wir denn da hin!?

Die Wahlen in Polen sind enttäuschend, weil man fast den Eindruck hätte haben können, als wehre sich dort noch ein Land gegen den reißenden Strudel des todbringenden Säkularismus mitsamt seiner unmenschlichen Menschenfreundlichkeit und seiner amoralischen Moral. So kann man sich täuschen. Polen wehrt sich nicht, sondern umarmt seinen schlimmsten Feind. Die Kälber wählen ihre Schlächter nicht selber – denn die ungeborenen Kälber sind noch zu klein, um wählen zu dürfen.

Aber ihre Mütter wählen die Schlächter für sie gleich mit.

Und nennen das Fortschritt.

Rezept zur Papststörung: Noch eine Prise Interkommunion…

Am Vorabend des Papstbesuchs wird es einen ökumenischen Gottesdienst mit Abendmahlfeier… Verzeihung, eine „gültige Eucharistiefeier in einer evangelischen Kirche“ unter Leitung zweier katholischer Priester, natürlich homosexuelle Lebenspartner (wie diese Dinge doch immer zusammenpassen, nicht wahr?), geben. Die beiden Priester sind, kath.net unter Berufung auf evangelisch.de zufolge, nicht mehr in der Kirche aktiv, sondern haben „ihr Amt niedergelegt“.

Andere Blogger haben dieses Thema bereits angesprochen – auf diese möchte ich für andere Meinungsäußerungen und Gedanken zum Thema erst einmal verweisen, unter anderem Tiberius und Alipius.

Abgeschlossen wird der Artikel von dieser interessanten Information:

Christoph Schmidt und sein Lebenspartner Norbert Reicherts werden den Gottesdienst gemeinsam leiten. Diese beiden geweihten katholischen Geistlichen haben nach eigenen Angaben ihr Amtspriestertum 1998 aufgegeben. Sie selbst verstehen sich aber weiterhin als freiberuflich tätige Priester.

Dieser eine Absatz zeigt gleich einen großen Teil der Probleme auf, mit denen man als Katholik heute zu kämpfen hat. (Nicht dass die guten Menschen bei kath.net etwas dafür könnten – sie berichten das ja nur)

1. Sie haben ihr Amtspriestertum aufgegeben: Das bedeutet allerdings, dass sie irgendwann einmal ein Amtspriestertum innegehabt haben müssen. Zwei Homosexuelle haben sich, in dem Wissen, dass sie homosexuell waren, und damit in eindeutigem Widerspruch zu den Regeln der Kirche, ins Priesterseminar begeben können, dort fünf oder mehr Jahre verbracht, und sind zu Priestern geweiht worden. Das alles, ohne dass jemandem ihre Sexualneigung aufgefallen wäre? Das wäre ja vielleicht bei keusch lebenden Homosexuellen, die wirklich die Lehre der Kirche glauben und ernstlich zu befolgen suchen, denkbar. Doch wirft die ganze Angelegenheit ein SEHR unglückliches Licht auf den Zustand der Priesterseminare in Deutschland. Möchte jemand Schätzungen abgeben, wie hoch der Anteil der Homosexuellen unter den deutschen Priestern ist? In den USA waren etwa 80% der von Priestern missbrauchten Opfer im Missbrauchsskandal männlich, d.h. der fragliche Akt homosexueller Natur. Ist ein vergleichbarer Prozentsatz der deutschen Täter auch homosexuell? Sind homosexuelle Priester unter den Tätern überrepräsentiert, oder stellen sie auch ähnliche Anteile an der gesamten Priesterschaft? Von 100 Priestern, wie viele sind ähnlich wie diese beiden laisierten Exemplare homosexuell? Wir wissen es nicht, können daher nur spekulieren, lassen dies aber vornehm sein.

Fest steht jedenfalls: Um die Priesterausbildung in Deutschland ist es schlecht bestellt.

2. Das sie das Amtspriestertum aufgegeben haben, wird seine Gründe haben. Irgendwie kann ich mir nicht vorstellen (lasse mich aber gerne vom Gegenteil überzeugen), dass dieselben Bischöfe, die in ihren Seminaren massenhaft homosexuelle und häretische Priesteramtskandidaten dulden, besonders eilig dabei wären, derartige Priester zu suspendieren oder zu laisieren. In diesem Fall scheint es jedoch geschehen zu sein – unter welchen Umständen ist mir nicht bekannt. Doch offenbar ist es in Deutschland ziemlich leicht, als aktiver Homosexueller Priester zu werden, und als aktiver Häretiker auch – denn eine Eucharistiefeier, zu der „alle eingeladen“ sind, wie man auf Evangelisch.de verspricht, entspricht nicht der katholischen Lehre. Ich weiß wie gesagt nicht warum die beiden laisiert worden sind, doch geht es mir hier auch gar nicht in erster Linie um diese Einzelfälle, sondern um die allgemeine Tendenz zur Beliebigkeit unter Priestern, die hier besonders gut sichtbar gemacht werden kann.

3. Der Termin der Feier direkt vor dem Papstbesuch. Will irgendjemand wirklich behaupten, das sei Zufall? Die nicht gläubigen Massen außerhalb und innerhalb der Kirche werden durch diesen Akt noch einmal wundervoll zeitlich passend daran erinnert, wie schrecklich doch die „Amtskirche“ mit ihrer Rückständigkeit und ihrer exklusivistischen Haltung zu Homosexualität und Interkommunion ist. Das zieht immer wieder. Wie viele Berichte wird es dazu in den deutschen Leit- und Leidmedien geben? So viele wie nötig, um die Ereignisse in Umlauf zu bringen und während des Papstbesuchs zusammen mit den anderen rechtzeitig aufgebauschten Skandälchen und Skandalen am köcheln zu halten. Seitens der zuständigen Verwaltung hat man ja schon im Vorfeld des Papstbesuchs dafür gesorgt, dass nicht zu viele Menschen an den Messen des Papstes teilnehmen können und generell die Teilnahme so schwer wie möglich gemacht.

Einflussreiche Kräfte innerhalb der Kirche haben ein Interesse daran, den Dialogprozess zur Formung einer protestantischen Nationalkirche, die nur noch dem Namen nach katholisch ist, voranzutreiben – ein erfolgreicher Papstbesuch ist dabei nur hinderlich. Je mehr Nebelkerzen vorher geworfen werden können, je mehr kleine Debatten wieder angeheizt werden können, desto unwahrscheinlicher wird es, dass die Menschen sich nachher überhaupt noch an den Besuch des Papstes erinnern, statt an das sorgfältig aufgebaute Nebenprogramm.

Dass die evangelische Kirche durch ihr Nachrichtenportal evangelisch.de, auf das ich hier NICHT verlinken werde, kräftig daran mitwirkt, vermag niemanden mehr zu überraschen.

4. Wie sähe wahre Ökumene aus? Nun, vor einiger Zeit habe ich auf der Webseite von Father Z folgenden Artikel gefunden: Die deutsche Fassung der betreffenden Enzyklika, Mortalium Animos, findet sich hier (und auch auf der Seite zur Lehre der Kirche in der oberen Leiste dieses Blogs.

5. Wird sich unser Heiliger Vater davon beeindrucken lassen? Natürlich nicht. Aber wie sieht das mit seinem Zielpublikum aus? Bei vielen sicherlich ähnlich – doch die meisten Katholiken erfahren ihre Nachrichten aus den Mainstreammedien – und wie das aussehen kann, haben wir ja beim Weltjugendtag gesehen. Hoffen wir auf einen guten Ausgang und einen erfolgreichen Papstbesuch.

Antikatholizismus: Eine Zukunftsperspektive (Teil 2)

(Dies ist der zweite Teil der Artikelserie zum Antikatholizismus anlässlich der diversen Vorfälle beim Weltjugendtag und um ihn herum. Der erste Teil findet sich hier)

Mögliche Gegenmaßnahmen

Wie sollte man als Katholik, besonders als junger Katholik, mit dieser Lage umgehen? Ein Abfall vom Glauben aus politischer Korrektheit sollte überhaupt nicht in Erwägung gezogen werden. Man wird also entschlossen die Wahrheit sagen müssen, sich zugleich auf eine Verschlechterung der Lage einrichten, vorbereiten, so dass man seinen Glauben so gut kennt, dass man ihn auch in einer sehr feindseligen Umgebung entschlossen vortragen und verteidigen kann, und die nötige moralische Festigkeit entwickeln („fortitudo“), auch schwerwiegenden Bedrohungen und selbst einer möglichen neuen Christenverfolgung in Treue zum Glauben und zur Kirche gegenübertreten zu können.

Mit dieser inneren Stärke und Überzeugung sowie dem soliden Glaubenswissen (und den besten Argumenten für den Glauben) ausgerüstet, kann dem Katholiken eigentlich nicht so viel passieren. Historisch haben viele Menschen ihr Leben verloren, sind brutal ermordet worden, nicht weil sie ein Verbrechen begangen hätten, sondern einfach nur, weil sie offen ihren christlichen Glauben bekannt haben. Diese Märtyrer haben die schlimmsten Dinge bereits durchgemacht, die einem Christen auf dieser Erde drohen können – und sie haben in Festigkeit und Treue zum Glauben und zur Wahrheit gestanden. Mehr wird von uns auch nicht verlangt werden können – wahrscheinlich viel weniger. Das sollten wir doch schaffen können.

Der kommende Bruch

Ein Einwand könnte vorgebracht werden: Man könnte sagen, es sei doch viel eher unsere Aufgabe, das gesellschaftliche Klima zu beeinflussen wo wir können, um das Abgleiten der Gesellschaft in offenen Hass und vielleicht gar Verfolgung abwenden zu können, und ihr sogar wieder auf einen besseren Weg zu verhelfen. Das zu tun ist sicher richtig, soweit man dazu in der Lage ist. Doch der faktische Einfluss des Katholizismus auf das Denken und Handeln der breiten Bevölkerungsmehrheit tendiert gegen Null. Ähnliches gilt inzwischen auch für den Einfluss des Glaubens auf die Politik, selbst innerhalb von CDU und CSU. Daher kann man sicher sein Möglichstes tun, und sollte es sogar. Doch ich fürchte, das wird nicht ausreichen – haben denn nicht die gläubigen Katholiken schon bisher in dieser Hinsicht alles versucht und sind glatt gescheitert? Die Kraft der heutigen winzigen Minderheit gläubiger, junger Katholiken wird nicht in erster Linie in der Bekehrung der Gesellschaft durch Argumente und ein gutes Beispiel liegen, sondern in der Bewahrung des Schatzes der Wahrheit für zukünftige Generationen, die wieder ein Interesse daran entwickeln werden, wenn das derzeitige Gesellschaftssystem an seinen schweren Konstruktionsfehlern zerbrochen ist. Böckenförde und andere wussten schon lange, dass die moderne Gesellschaft von Grundvoraussetzungen und Werten lebt, die sie selbst nicht bereitstellen, sondern von denen sie nur zehren kann. Schon heute sehen wir das Modell der relativistischen Wohlfahrtsgesellschaft überall knirschen und knarren – wirtschaftlich, kulturell, ethnisch, in allen Bereichen driftet die europäische Gesellschaft auf einen Bruch- oder Wendepunkt zu. Vor diesem Bruchpunkt wird es keine kulturelle Umkehr geben, keine Abkehr von einem sittlichen Standpunkt der zunehmenden Verrohung, in dem aufgrund seiner moralischen Verwerflichkeit schon latent die Abneigung gegen das gediegene, ausgeglichene Wertesystem des traditionellen Katholizismus steckt, allein schon um seiner Selbstrechtfertigung Willen.

Doch nach diesem Bruchpunkt, nachdem die illusorische Sicherheit nicht mehr existiert, die uns der weitgehend auf Pump und auf Kosten der gesellschaftlichen und familiären Substanz angehäufte Wohlstand oberflächlich zu bieten vermag, werden die Menschen allein schon um der Sicherung ihres physischen Überlebens Willen von ihren derzeitigen Ideologien Abstand nehmen müssen. Wer dann die traditionellen Tugenden noch beherrscht, in einer traditionellen christlichen Gemeinde seine Heimat findet, und sich auf die Unterstützung einer traditionellen Familie verlassen kann, der hat Glück gehabt. Die anderen werden dann, nach dem Wegfall großzügiger Wohlfahrtssysteme, schon eher in Schwierigkeiten geraten.

Das heutige Gesellschaftsmodell ist nicht überlebensfähig. Es basiert auf Voraussetzungen, die es nicht selbst bereitstellen kann. Es kann nur von ihnen zehren – und das tut die gesellschaftliche Moderne schon seit 200 Jahren. Die Reserven sind immer weiter geschrumpft, und mit dem Zerfall der Kernfamilie aus Vater, Mutter und Kindern in den letzten 50 Jahren, sowie der damit einhergehenden Auslagerung elementarer Funktionen aus diesem Familienverbund hin zum Staat (z.B. Kindererziehung, Altenpflege) ist eine weitere Reserve aufgebraucht. Die Substanz, von der die moderne Gesellschaft noch zehren kann, ist, jenseits oberflächlicher Wohlstandsillusionen, die verschwinden, sobald das Finanzsystem endgültig sein Vertrauen in Papiergeld und Papieraktien verliert, die nur so viel wert sind wie das Vertrauen, das „der Markt“ in sie setzen möchte, extrem dünn geworden. Alles ist „vermarktet“, alle sind abhängig von diesem weltweiten Markt – keiner könnte mehr lokal leben. Zugleich sind die ökonomischen Ansprüche so überzogen hoch, dass schon ein kleiner Wohlstandsverlust zu schweren gesellschaftlichen Verwerfungen und massiven bürgerkriegsähnlichen Gewaltexzessen führen kann. Alles das sind Symptome der Substanzlosigkeit einer Gesellschaft, zusammen mit der moralischen Verrohung, und nicht unabhängig von ihr.

Abschluss: Saat und Ernte

Die Abneigung gegen den traditionellen katholischen Glauben ist dem modernen Gesellschaftssystem in der einen oder anderen Form schon seit seiner Erfindung durch die Aufklärer des 18. und frühen 19. Jahrhunderts inhärent. Nicht immer kam es zu virulenten Ausbrüchen, aber latent fehlte sie nie. Vielleicht wird sie noch einmal zu voller Blüte erwachen, wenn die Schwierigkeiten, die sich vor der Moderne auftürmen, immer höher, immer unübersteigbarer, immer unlösbarer werden, wenn sich wieder einmal die Chance ergibt, die Schuld einem Sündenbock zuzuschieben, ob es die „Reaktionären“, die „Juden“, die „Kapitalisten“, die „Banker“ oder wer auch immer sind. Und dass es sehr schwer ist, solchen Versuchungen zu widerstehen, wenn man kein solides Wertefundament hat – und das hat der moderne Westen nicht – ist aus der Geschichte nur zu gut bekannt.

Sollte dieser latente Antikatholizismus noch einmal größte Virulenz erreichen, so wird man in späteren Generationen auf diese unsere Zeit, die ersten beiden Jahrzehnte des 21. Jahrhunderts, als die Zeit zurückblicken, in der die Saat ausgebracht worden ist, deren Ernte die Verfolgung gewesen sein wird.

Antikatholizismus: Eine Zukunftsperspektive (Teil 1)

Einleitung: Anlässe

Die offizielle Internetseite des Weltjugendtages in Madrid ist offenbar Opfer eines Hackerangriffs beworden, wie kath.net unter Berufung auf die spanische Zeitung „El Mundó“ berichtet. Die Täter sind derzeit noch unbekannt, niemand weiß also, ob ein speziell antikatholischer Hintergrund oder die übliche allgemeine Zerstörungswut breiter (und breiter werdender) Bevölkerungsschichten hinter dem Cyberanschlag steckt.

Doch der Internetangriff auf die Seite des Weltjugendtages ist, ebenso wie die teils gewalttätigen Proteste radikaler Antikatholiken gegen den Besuch des Papstes und den Weltjugendtag allgemein, nicht die Ursache für diesen Artikel, sondern nur der Anlass. Denn mehr und mehr setzt sich ein gesellschaftliches Klima der Bigotterie und des scharfen Antagonismus gegen den ernsthaften katholischen Glauben in Europa durch. Dies äußert sich in der Art und Weise wie über katholische Themen berichtet wird – oder auch nicht berichtet wird – in den Medienorganen der herrschenden Elite („Mainstream-Medien“). Es äußert sich auch in wütenden Protesten, teils gewalttätiger Natur und in sinnlos destruktiven Internetangriffen. Doch das alles ist nur die Spitze des Eisbergs.

Tiefgreifende Differenzen

Was sich unter dieser Spitze verbirgt, ist wesentlich größer und tiefgreifender als alles, was durch bloße mediale Desinformation und Ausschreitungen einzelner Minderheitengruppen beschreiben ließe. Einen Einblick in die Volksstimmung bekommt man oft in den Kommentarspalten der Internetausgaben diverser Zeitungen. Es herrscht bei den meisten Europäern, und in besonderem Maße unter den Deutschen, eine fundamentale, fast schon fundamentalistische Abneigung gegen alles, was nur nach katholischem Glauben riechen könnte – solange es sich nicht „modern“ geriert und dadurch jegliche Bedeutung und potenzielle Strahlkraft einbüßt. (Denn eines hat der modernisierte „Reform-Katholizismus“ nicht: Strahlkraft, mögliche Anziehungskraft für eine neue Generation. Daher ist er tolerabel für den heutigen Anti-Katholizismus – er birgt keine Gefahr).

Wann immer vom Papst die Rede ist, fällt das Urteil negativ aus. Der Papst ist gegen Verhütung, gegen die „Entscheidungsfreiheit“ oder „Wahlfreiheit“ der Frau, wenn es um die Tötung ungeborener Menschen geht, gegen die „Errungenschaften“ der modernen Bioethik, darunter die Tötung von Menschen im embryonalen Entwicklungsstadium zu Forschungszwecken sowie die ebenfalls lebensvernichtende Künstliche Befruchtung und vieles, vieles mehr.

Allenfalls zu ökonomischen und umweltpolitischen Themen stimmt der Deutsche mit dem Papst überein – und das auch nur, weil er nicht allzu genau hinhört.

Und was auf den Deutschen zutrifft, das trifft, zumindest in der Tendenz, auch auf den Engländer, den Niederländer, den Franzosen, den Spanier und die anderen Westeuropäer zu. Das ist es, womit Katholiken es in Zukunft zu tun bekommen werden, wenn sich die derzeitigen Entwicklungslinien inicht umkehren.

Es sind nicht bloß „die Mainstream-Medien“ – die mögen an der Entstehung dieser Stimmung mitgewirkt haben, konnten dies aber nur, weil entsprechende Propaganda auf fruchtbaren Boden fiel. Wie die Mainstream-Medien heute über den ernsthaften Katholiken und seine Ansichten berichten, ist natürlich ungerecht – aber es entspricht den Vorurteilen und Wünschen der breiten Bevölkerungsmehrheit. Die Menschen werden durch die unausgeglichene, tendenziöse Berichterstattung getäuscht, sagt der Katholik. Doch das ist nur zum Teil wahr. Denn was wir als Täuschung ansehen, als ungerechtes Foulspiel des Journalismus, das verkauft sich einfach gut. Die Leute wollen den Priester als Bösewicht, den Papst als rückwärtsgewandten Fanatiker sehen, es bestätigt ihre eigenen Vorurteile.

Und langfristig werden die Medien sich immer nach dem Willen der Zuschauer und Leser richten, da die Medien sonst auf dem Markt nicht bestehen könnten – und dasselbe gilt auch für die Politik.

Was derzeit beim Weltjugendtag geschieht, wird nicht oder nur sehr unzureichend berichtet. Die Beschwerden diverser, verglichen mit der großen Zahl anwesender junger Katholiken, winziger Protestgrüppchen stehen im Vordergrund, nicht die Katholiken und ihr Ereignis selbst. Sympathische Berichterstattung gibt es kaum, und selbst die neutrale Variante ist rar gesät. Der Angriff auf die Webseite des Weltjugendtages und die teils gewalttätigen Proteste selbst stoßen in dieselbe Richtung. Die Feindseligkeit, die dem Katholiken außerhalb seines Milieus – und oft genug von Verbandsfunktionären der Kirche auch innerhalb desselben – entgegenschlägt, ist ein weiteres Indiz für den Eisberg, auf den unsere Gesellschaft mit großem Tempo zuzudriften begonnen hat.

Droht die neue Verfolgung?

Doch diese verschiedenen Einzelereignisse treffen nicht den Kern der Sache. Hinter den Eruptionen der Abneigung, die von kleinen Minderheiten der Gesellschaft ausgehen, steht im Großen und Ganzen mit nickendem Haupt die Mehrheit. Die schweigende Mehrheit in Deutschland sympathisiert keinesfalls mit dem Katholizismus, und nicht einmal mit einem allgemeinen „Christentum“. Zwar bezeichnen sich immer noch fast 60% der Deutschen als „Christen“, doch die allermeisten von ihnen haben keine Ahnung, was dieser Begriff überhaupt bedeutet. Immerhin leben wir in einem Land, in dem die Hälfte der Menschen nicht weiß, was an Ostern eigentlich gefeiert wird – und darunter sind auch sehr viele getaufte Christen. Eine andere Umfrage von Infratest dimap zeigt, dass 30% der evangelischen und 15% der katholischen Christen nach eigener Aussage nicht an Gott glauben – also dem Wortsinne nach als Atheisten zu gelten hätten.

In einer derart glaubensfernen Gesellschaft ist die instinktive Sympathie, die man mit dem verspürt, was man kannt, die intuitive Vertrautheit, die das Christentum in Europa lange genossen hat, nahezu vollständig verschwunden. Man kann sich nicht mehr darauf verlassen, dass selbst die Nichtchristen doch im Wesentlichen ein christliches Wertesystem durch das allgemeine gesellschaftliche Klima und ihr Umfeld aufsaugen werden. Im Gegenteil: Heute kann man sich selbst bei Christen dessen nicht mehr sicher sein. Doch ohne diese instinktive Vertrautheit fehlt ein ganz wesentlicher Stützpfeiler, der Christen bislang vor den Auswirkungen der schon lange anhaltenden Glaubenskrise noch weitgehend geschützt hat. Es ist, ob uns das gefällt oder nicht, nun einmal so, dass Menschen mit dem Vertrauten, dem Bekannten, anders umgehen als mit dem Fremden. Viel Ablehnung von Schwarzen oder Ausländern kommt sicher daher. Doch es ist eine kaum zu leugnende Tatsache, dass der überzeugte Katholik heute als Fremdling in dieser europäischen Gesellschaft zu gelten hat – ihm wird also die gleiche Art gesellschaftlicher Exklusion zuteil wie dem Ausländer historisch oft zuteil geworden ist, sofern man ihn als solchen identifizieren kann.

Vielleicht ist dieses Niveau noch nicht erreicht – und ganz sicher noch nicht überall in Europa oder auch nur in Deutschland gleichmäßig. Doch die Trendlinie ist eindeutig. Es ist nicht nur so, dass immer weniger Menschen in diesem Land an Gott glauben, und nicht einmal nur, dass die offiziellen Christen faktisch leben, als ob es Gott nicht gäbe, sondern dass aufgrund dieser Ablösung der christlichen durch eine latent spiritualistisch-heidnische Kultur mit einem kräftigen Schuss zur Schau getragener Gottlosigkeit, selbst unter den Gegnern des Christentums mehr und mehr die eben erwähnte instinktive Sympathie fehlt – es ist nicht mehr selbstverständlich, die christlichen Denkkategorien überhaupt zu kennen.

Doch wenn der Katholizismus (in Treue zum Papst und dem überlieferten Glauben) faktisch als Fremdkörper wahrgenommen wird, dann kann es dem Gläubigen passieren, dass er genau so behandelt wird, wie andere unzivilisierte Völker (nicht zuletzt die Deutschen selbst zuweilen in der Vergangenheit) fremde Völker und Einwanderer behandelt haben – mit Verachtung und Ausgrenzung im besten Fall, mit offenem Hass bis hin zu Pogromen im schlimmsten Fall.

Wird es mit Sicherheit dazu kommen? Nein, Sicherheiten gibt es keine. Eine Trendwende ist immer möglich. Aber wie der Versuch, das Beichtgeheimnis in Irland auszuhebeln, zeigt, sind selbst katholische Stammländer nicht mehr sicher vor kruden Versuchen der Unterdrückung katholischer Menschen. Der katholische Priester der Zukunft wird, wenn er sich denn der Öffentlichkeit als solcher zu erkennen gibt, womöglich wieder einmal Märtyrer werden – vielleicht anfangs noch im übertragenen Sinne durch aggressive Ausgrenzung seitens der Mehrheit, doch das muss nicht so bleiben.

Eine Gesellschaft, die sich so weit vom Glauben entfernt hat, dass der Antikatholizismus sich fast so gut verkauft wie Sex, hat auch schlicht nicht mehr die moralischen Ressourcen eine solche neue Christenverfolgung als eindeutig moralisch falsch zu bewerten. Wer sich bereit findet, die Tötung unschuldiger Kinder im Mutterleib nicht nur zu legalisieren, sondern als Frauenrecht zu verteidigen und durch die Krankenkassen zu finanzieren, der wird vor dem wesentlich kleineren Unrecht der Unterdrückung einer katholischen Minderheit ebenfalls nicht zurückschrecken. Und da die Tötungshemmschwelle bereits gefallen ist – siehe Abtreibung – wird man auch vor dem letzten Schritt nicht unbedingt zurückschrecken.

Wir dürfen hoffen, dass sich die Lage in der Zukunft durch eine neue Generation junger Katholiken bessert, doch selbst wenn es stimmt, dass die jungen Katholiken zurück zum wahren Glauben wollen, so bleibt es doch ebenso wahr, dass die kirchentreuen Katholiken unter der nachwachsenden Generation eine verschwindend kleine Minderheit ausmachen – die breiteste Mehrheit ist völlig kirchenfern und eine größere Minderheit islamisch. In dem dadurch entstehenden Klima wird die kleine glaubenstreue Minderheit eher noch stärker als Fremdkörper erscheinen als selbst von heute aus absehbar, besonders dann, wenn sie wieder katholisches Profil zeigt, mit der nötigen Schärfe das wachsende Unrecht anprangert und den mehrheitsfähigen Irrlehren argumentativ entschlossen entgegentritt.

(Hier endet der erste Teil der Artikelserie zum Thema Antikatholizismus im Zusammenhang mit diversen Ereignissen beim Weltjugendtag und in seinem Umfeld. Der zweite Teil wird voraussichtlich am Montag veröffentlicht.)

Fällt das Beichtgeheimnis?

Unter anderem diesem Bericht zufolge droht die irische Linksregierung (unter Beteiligung der Abtreibungsbefürworter und Gegner des Katholizismus von der irischen Arbeiterpartei) mit der Abschaffung des Beichtgeheimnisses. Angeblich um zu verhindern, dass katholische Pädophile ihre Taten beichten können, ohne dass die Polizei davon erfährt. Verschiedene Blogger im englischen Sprachraum (hier z.B. Father Z) haben das Thema schon aufgegriffen, und auch auf kath.net gab es einen entsprechenden Beitrag.

Eine weitere  Entwicklung in diesem Bereich, von dem ich ebenfalls durch den Blog von Father Z erfahren habe, stellt ein ähnliches Gesetz in Australien dar. Man beruft sich in Australien explizit auf entsprechende Pläne der Regierung von Irland. Der irische Ministerpräsident Enda Kenny erklärte sein Vorhaben so:

Enda Kenny erklärte, dass es „absolut schändlich“ sei, dass der Vatikan sein Kirchenrecht über das irische Strafrecht stelle. Das Irland des 21. Jahrhunderts werde sich nicht länger katholischer Macht fügen.

Sein Justizminister Shatter fügte hinzu:

Auch der Justizminister Alan Shatter äußerte, dass kein ausländischer Staat irgendeiner Organsiation Vorgaben machen sollte, wenn es um den Schutz von Kindern gehe, dies gelte vor allem für die katholische Kirche. [Hervorhebungen von Catocon; Anmerkung des Blogautors]

Hier sehen wir dann sofort, worum es bei diesem Gesetz wirklich geht. Es hat nicht das Geringste mit angeblichen Bemühungen gegen Pädophilie zu tun (die von vielen linksgerichteten, selbsternannten Fortschrittlichen noch vor wenigen Jahren als gar nicht so schlimm gesehen wurde – schließlich sollten auch Kinder zeitig an die unbegrenzten Freuden der „freien Liebe“ herangeführt werden). Es hat damit zu tun, dass hochstehende Kreise in verschiedenen Ländern die derzeitige Situation einer wohlgeschürten Volksstimmung gegen die Kirche ausnutzen und ihre bigotte antikatholische Agenda durchdrücken wollen.

Äußerungen wie der Satz, es sei absolut schändlich, dass „der Vatikan“ sein Kirchenrecht über das Recht des irischen Staates stelle, machen die wahre Absicht deutlich. Es soll die Berechtigung der Kirche als Träger eigenen Rechts überhaupt erschüttert werden. Die Kirche soll sich, ganz im Geiste der typisch protestantischen Nationalkirchen, in den Dienst der Ziele des Staates stellen. Und worin staatliche Ziele bestehen, hat man ja im 20. Jahrhundert zur Genüge gesehen. Viele Millionen Menschen wurden durch doktrinär atheistische, kommunistische und national-sozialistische Regime im Namen diverse Weltverbesserungsideologien grausam dahingeschlachtet. In den Dienst eines solchen Staates kann sich selbst ein nichtkatholischer Mensch wohl kaum guten Gewissens stellen. Aber die zunehmend imperialistisch handelnden Regierenden in Europa, Nordamerika, Australien und Neuseeland verlangen genau dies.

Es ist eine Machtprobe, keine Ermittlung gegen Pädophile (deren Prävalenz im übrigen unter Katholiken nicht höher, sondern wenn überhaupt niedriger ist, als unter anderen Gruppen). Eine Machtprobe, an deren Ende nur einer von zwei möglichen Ausgängen stehen kann: Entweder die Regierung von Irland und ihre unheiligen Spießgesellen in anderen Ländern setzen sich durch, oder sie ziehen ihr Projekt zurück und kneifen den Schwanz ein. Viel wird davon abhängen, wie die Völker auf diesen zutiefst bigotten Angriff auf das Beichtgeheimnis reagieren. Das bleibt abzuwarten. Aber wenn das Beichtgeheimnis in Irland fällt (und vielleicht auch in Australien, und dann könnte eine Lawine in anderen Ländern losgehen), dann ist dies nicht nur eine Niederlage für Katholiken in Irland (diesem einstigen Stammland des glaubens), sondern für Katholiken weltweit. Es wäre das klare Signal, dass die Zeiten vorbei sind, in denen die Gläubigen im Westen in Freiheit leben können. Eine neue Periode der Christenverfolgung wird anbrechen, wenn man das Beichtgeheimnis abschafft (und zugleich bleiben die besonderen Verhältnisse von Arzt und Patient sowie von Anwalt und Klient geschützt), vielleicht heute, vielleicht morgen.

Beunruhigend ist in diesem Zusammenhang die Äußerung von Father Z:

Attack the Catholic Church, threaten the Catholic Church, intimidate the Catholic Church.

When our Catholic identity is eroded, this is what happens.  As the night follows the day, threats of this kind will be made so as to silence the Church, whose duty it is to teach on many moral issues.  You know the issues I am talking about.  I suspect that this has more to do with hatred of the Church’s teaching office than it does with outrage over child abuse.

Sadly, the climate of anti-Catholicism and oppression is in large part fueled from within the Church herself.

Think about it.  A law proposed to force priests to break the Seal… in Ireland.

JA, das ist in der Tat das Ergebnis einer beunruhigenden Erosion der katholischen Identität. Katholiken verhalten sich nicht mehr anders als Menschen anderer Religionen. sie leben genauso, denken genauso, wählen im Wesentlichen vergleichbar. Es gibt keine fundamentalen Unterschiede mehr zwischen Katholiken und Protestanten – ein Zustand, der heutzutage unter Ökumene von der Kirchenhierarchie massiv vorangetrieben wird. Unter solchen Bedingungen erwarte ich keinen großen Widerstand von Seiten der meisten Katholiken. Klar, die üblichen Verdächtigen werden ihr Missfallen ausdrücken. Menschen wie Merkel, Schavan, Alois Glück und andere „C“DU-Politiker, wenn es in Deutschland erst einmal soweit ist. Und danach werden sie zur Tagesordnung übergehen und die LAge ignorieren.

Und die Priester? Natürlich sagen sie jetzt alle (in Irland), dass sie dieses Gesetz missachten werden – die liberalen ebenso wie die orthodoxen Priester. Auf den ersten Blick scheint es also Hoffnung zu geben, dass die katholische Priesterschaft in Irland sich einem solchen ungerechten Gesetz widersetzen werden. Und auf den zweiten Blick? Werden Priester, die es nicht einmal fertigbringen, sich negativer Publicity auszusetzen, wirklich für ihren Glauben ins Gefängnis gehen, wenn das von ihnen verlangt wird?

Sollte das hier in Deutschland einmal zum Thema werden (und wenn der Testlauf im katholischen Stammland Irland erfolgreich ist, warum sollte die nächste Rotgrüne Regierung, etwa 2014, nicht dasselbe fordern? Die Stimmung ist jedenfalls erfolgreich von den Mainstreammedien geschürt worden), was wird dann geschehen?

Die Antwort: Gar nichts, wie immer. Und außerdem geht hier ohnehin kein „respektabler“ Katholik mehr beichten. In einer Gemeinde mit mehr als 3000 Seelen bin ich der einzige, der das Bußsakrament nutzt. Ich frage mich manchmal, ob andere Katholiken überhaupt noch wissen, wofür dieser kleine merkwürdige Holzverschlag überhaupt da ist. Kein Grund zur Sorge also (außer vielleicht für die wenigen glaubenstreuen Katholiken, doch die zählen nicht, da sie ja eh rückschrittlich sind. Und was Fortschrittliche mit Reaktionären machen, hat man ja nach 1793 in der Vendée gesehen. Kostprobe gefällig? Hier ein der frz. Revolution treuer General: „Es gibt keine Vendée mehr. Sie ist mit unserem Säbel der Freiheit niedergemacht worden, mitsamt Frauen und Kindern. Ich habe sie in den Sümpfen und Wäldern von Savenay begraben. Man kann mir keine Gefangenen vorwerfen. Ich habe alles ausgelöscht.“ Und der Anführer der Völkermörder im Dienste der Freiheit? Die Infrastruktur des Landstriches sollte restlos vernichtet, Höfe, Kirchen, die Ernten und die Wälder niedergebrannt, das Land und ausnahmslos alle Bewohner niedergemacht werden. General Turreau, Chef der „Infernalischen Kolonnen“, der mit der Ausführung betraut wurde, ließ wissen: „Die Vendée muss ein nationaler Friedhof werden“.)

Die Abschaffung des Beichtgeheimnisses wird in Irland vielleicht noch gestoppt werden können – obwohl das unwahrscheinlich ist, da die Regierung über eine Mehrheit verfügt. Doch wenn nicht, und wenn sich der Gedanke durchsetzt, dass man einfach so auf Religionsfreiheit der Katholiken herumtrampeln kann, dann wird dies nur der Anfang einer langen Entwicklung sein, an deren Ende vielleicht wieder einmal ein „großer Kampf für die Freiheit“ mit dem Säbel geführt wird. Die Vendée? Sie könnte überall sein.

P.S. Noch ein guter Artikel von Father Ray Blake zum Thema.